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Erttes Blatt
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(Nachdruck verboten.),
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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
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tatsächlich stattgehabte Entwickelung durchaus bestätigt.
Nach Mitteilungen aus dem Fmanzmrm- sterium ist von 1904 bis 1906 die Zahl der steuerpflichtigen Warenhäuser von 82 auf 90 gestiegen, von 1905 zu 1906 sogar um 3 zurückgegangen. Die Zunahme von 1904 bis 1906 beträgt also nicht ganz 10 Proz. In der gleichen Zeit hat sich aber die Zahl der in der Eewerbe- steuerklasse I veranlagten gewerblichen Großbetriebe überhaupt von 7000 auf 8000, also um co. 14 Proz. vermehrt, und auch die der Betriebe in Klasse II von 11100 12 300, also um reichlich 10 Proz. Die Zunahme der Warenhäuser hat also knapp mit der der größeren Gewerbebetriebe überhaupt Schritt gehalten. In den Städten allein aber haben sich die Warenhäuser nur von 77 auf 81 vermehrt, also um 5 Proz., die Betriebe der Gewerbesteuerklasse I dagegen von 6000 auf 6900, also um 14 Proz., die der II. Klasse von 9800 auf 10 900, also um 10 Proz. Dabei waren die letzten Jahre vermöge ihrer wirtschaftlichen Verhältnisse für die Entstehung neuer Warenhäuser die denkbar günstigsten: denn die Teuerung der Kosten der Lebenshaltung läßt die Hoffnung, eine Ware in einem Warenhaus eine Kleinigkeit billiger zu bekommen, sehr viel lockender erscheinen, als dies in billigen Zeiten der Fall ist. Auch örtlich haben sich die Warenhäuser nicht wesentlich weiter ausgebreitet: 1904 bestanden Warenhäuser oder Filialen solcher in 60, 1906 in 62 Städten, und zwar sind in die Reihe der Städte mit solchen Betrieben eingetreten 8, ausgeschieden 6. In Städten aber, wo 1904 sowohl als auch 1906 Warenhäuser vorhanden waren, hat deren Zahl zugenommen in Königsberg, Danzig und Spandau um je 1, in Berlin um 2, dagegen abgenommen um je 1 in Breslau, Posen, Magdeburg und Frankfurt a. M., um 2 in Köln, llebrigens sind die 90 im Jahre 1906 steuerpflichtigen Warenhäuser keineswegs alle solche, die wirklich den Charakter gewaltiger Großbetriebe tragen: mindestens 11 Warenhäuser waren mit weniger als 5000 cM Steuer veranlagt, und in 30 Gemeinden betrug das ganze Steuerauskommen nicht mehr als je 5000 dl.
Das Veranlagungssoll an Warenhaussteuer ist freilich von 1904 zu 1906 in stärkerem Matze, wie die Zabl der Betriebe gestiegen, nämlich um 28 Proz. In derselben Zeit ist aber auch das Eewerbesteuersoll der Klasse I um zirka 23 Proz. gestiegen, und die Zunahme des Warenhaussteuersolls ist auch keineswegs eine allgemeine: während es sich z. B. in Berlin, Charlottenburg, Cöln, Dortmund, Crefeld, Barmen, Düsseldorf, Aachen mehr oder minder erheblich vermehrt hat, hat es sich u. a. in Danzig, Potsdam, Spandau, Posen, Bochum, Gelsenkirchen, Frankfurt a. M.. bis um den dritten Teil, vermindert.
Die Statistik weist also darauf hin, daß die relativ alten, gut fundierten Warenhäuser
Deutsches Reich.
— Unterstaatssekretär v. Lindequist wird seine Reife nach Südwestafrika erst am Mittwoch, den 19. ds. Mts., antreten. Er begibt sich von Hamburg aus direkt nach Lüderitzbucht. Staatssekretär Dernburg tritt seine Reise am 13. Juli an.
— Eine Reichstagseksatzwahl. Nach der „Augsburger Abendztg." ist zur Ersatzwahl zum Reichstage im Wahlkreise Dinkelsbühl für den verstorbenen konservativen Abgeordneten Nitz- ler von der Regierung Termin auf Donnerstag, den 4. Juli, angesetzt worden.
— Steuerwönsche. Die Anträge und Petitionen auf Erweiterung der in dem Einkommensteuergesetze vorgesehenen Ermäßigungen des Steuersatzes wegen einer größeren Anzahl von dem Steuerpflichtigen zu unterhaltender Familienmitglieder sind zwar zur Zeit wegen Schluß der Landtagssession gegenstandslos geworden: da sie aber voraussichtlich in der nächsten Tagung wiederkehren werden, empfiehlt es sich, schon jetzt auf zwei Tat«
■?' Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck mtb Verlag: Joh. Äug. Koch, Universitätr-Buchdnickerei 42. t
Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
Marburg
Sonntag, 16. Juni 1907.
„Hast Du kein Mort für mich? Keinen Glückwunsch?"
„Doch, doch!" Er streicht sich über die Stirn, ohne Angelina anzublicken.
„Freust Du Dich nicht mit mir, Rolf?"
„Natürlich. Was kann ich anders tun! Werde glücklich!"
„£), das bin ich ja schon. Ich wollte nicht, daß der Vater Dir von meiner Verlobung schrieb. Selbst wollte ich Dir mein Glück mitteilen. Soll ich Dir alles erzählen? Ganz genau? Von Anfang an?"
Noch weiter schiebt Rolf seinen Stuhl zurück.
„Später. Nicht jetzt. Wie lange bist Du schon verlobt?"
„Beinahe vierzehn Tage."
„Wann soll die Hochzeit sein?"
„Sehr, sehr bald. Arturio will nicht warten. Und auch der Vater meint--was ist
Dir, Rolf? Du bist so bleich?"
„Nichts. Gar nichts. Kümmere Dich nicht um mich! Sprich weiter!"
Doch auch ihr Plappermündchen ist still geworden. Der Mangel an Sympathie bei dem geliebten „Bruder" macht sie tieftraurig.
„Rolf? . . . Bist Du — bist Du — böse?"
Wie aus einem Traume fährt er empor.
=■ „Böse? . . . Warum?"
„Nun — ich — ich meinte nur —"
Sie stockt. Ein eigentümlicher Gedanke war ihr soeben gekommen — ein Gedanke, der sie fast scheu auf den „Bruder" blicken läßt.
Zum ersten Mal fällt ihr ein, daß er ja gar nicht ihr Bruder ist, und dieses Bewuhtsein dämpft auch ihren Jubel.
Schüchtern nähert sie sich ihm.
„Rolf! Du wirst — Arturio lieb haben?" fragt sie leise.
Er weicht ihrem Blick aus.
„Ich kenne ihn ja noch gar nicht, Angeline."
„Du hast ihn doch gestern Abend auf dem Fest gesehen, mit ihm gesprochen, ihn beobachtet — o, ich habe es wohl bemerkt! — Freilich, ich begreife schon, daß Du ihn nicht sogleich verstehen kannst. Er ist so klug und gemütvoll und geht nicht leicht aus sich heraus. Aber mit der
2. Für den Unterricht der Polen in der deutschen Sprache mutz soweit gesorgt sein, daß den Staat für Nachteile, die einem Polen aus der Unkenntnis der deutschen Sprache erwachsen, keine Verantwortung trifft.
3. Der Staat mutz die Stellung der deutschen Sprache als alleiniger Landessprache für den Gebrauch aller Behörden und den öffentlichen Verkehr auf das entschiedenste wahren und mutz jede Verantwortung für Rechtsnachteile, die den sremdsprachigen Staatsangehörigen daraus entstehen, grundsätzlich ablehnen.
Das Schlußwort des Buches klingt in der ernsten und eindringlichen Betrachtung aus, daß die Beschäftigung mit der polnischen Frage sich an unser nationales Gewissen wendet. Je tiefer man, schreibt v. Maffow, in das Wesen dieser Frage eindringt, desto mehr überzeugt man sich, daß nicht Hatz uns dabei zu leiten braucht, sondern ein Gebot der Selbsterhaltung für unser Volk und unseren Staat. Hart ist ein solches Gebot, das ist richtig: denn die Weltgeschichte spielt sich nicht ab, wie ein rührseliges Volksstück. Wir haben als Volk schwere und ernste Aufgaben zu lösen, und wenn wir uns ihnen nicht unverzagt und opferwillig unterziehen, so werden wir untergehen. In der Bereitwilligkeit, an der Erhaltung aller seiner Kräfte zu arbeiten, liegt für ein Volk die wahre Gerechtigkeit und Humanität. — Das sind die Worte eines nationalen Mannes, der durch jahrelanges Studium die Verhältnisse im Osten durch und durch kennen gelernt hat und ausreichende Aktivlegitimationen besitzt, die Nation auf die Gefahr, die ihr vom Polentum droht, hinzuweisen. Möge seine Arbeit nicht vergeblich sein.
Dr. v-8.
Zeit wirst Du ihn schon verstehen lernen — und auch lieben. Alle Menschen bewundern ihn. Er hat so etwas an sich, weißt Du — so etwas, das die Herzen ihm unwillkürlich unterjocht. Und daß er gerade mich erwählt hat, mich kleines, dummes Ding — das macht mich stolz, das macht mich überglücklich. Du freust Dich doch mit mir, nicht wahr?"
„Ich kenne Deinen Bräutigam noch zu wenig, Angelina, ich sagte es schon. Aber jetzt laß mich! Ich bin sehr müde, will noch ein wenig ruhen. Auch schmerzt mein Kopf. Leb' wohl"
Er wendet sich und will an ihr vorbei. ! Doch sie vertritt ihm den Weg.
„Du bist so eigentümlich, Rolf. Mein Bräutigam gefällt Dir doch?"
„Ich kenne ihn noch zu wenig."
„Weshalb wiederholst Du die Worte so ost' Was meinst Du damit?"
„Frage mich nicht, Angelina? Latz mich!" „Nein. Ich will es wißen!"
Mit einem Anflug ihres früheren Eigenwillens, dem Rolf stets nachgab, stellt sie sich vor ihn hin und blickt ihn halb bittend, halb befehlend an.
Und wieder übt der klare Blick dieser lieben Augen den alten Zauber auf ihn aus, dem er nicht widerstehen kann. _ •
Stürmisch saßt er ihre Hände.
„Gott weiß, wie ich Dir alles Gute wünsche, Angelina!" flüstert er bebend. „Mein Herzblut gäbe ich für Dein Glück. Aber--“
„Aber?" wiederholt sie leise, fast ängstlich, da er plötzlich stockt. , ■
„Aber — der Fürst Torlonia und ich, wir find eben grundverschieden. Ich — ich weiß nicht — ich kann Dir das nicht erklären; aber — er--er — gefällt mir nicht? *
Das Wort ist heraus, ohne daß er es wollte. Angelina ist sehr bleich geworden. ' Mit einem unendlich traurigen, beinahe entsetzten Ausdruck hebt sie die Augen zu ihm empor. Sie stehen voll dicker Tränen. k. -
Das ist zu viel für Rolf. 1
Die Zähne fest zujammenpreffend, stürmt et davon. — ^(Fortsetzung folgt.) \
größer geworden, dagegen neue nur in sehr 6e. schränkter Zahl hinzugekommen find, eine Entwicklung, die, wie gesagt, durch die Steuer nicht verhindert werden kann und die nur überein- stimmt mit der allgemeinen gewerblichen Entwicklung, die unverkennbar dahin geht, daß die Großbetriebe immer größer werden und die mittleren und kleinen überflügeln. Man kann diese Entwicklung vielleicht bedauern; wenn aber die Warenhäuser sie mitmachen, so ist das kein Grund, nun gerade die Warenhaussteuer zu verschärfen, um nun gerade die Warenhäuser zu verhindern, an der allgemeinen Entwicklung teilzunehmen. Schließlich ist gegenüber den Behauptungen von der fortschreitenden Aufsaugung der mittleren und kleineren Betriebe durch die Warenhäuser darauf hinzuweisen, daß die kleineren und mittleren Betriebe in den letzten Jahren sich keineswegs weniger als früher vermehrt haben: von 1897 bis 1906 hat die Vermehrung im Jahresdurchschnitt betragen in der Eewerbesteuerklasse III etwa 2600, in Klasse IV 11000, dagegen im Durchschnitt der Jahre 1904 bis 1906 dort 3200, hier 12 200 Betriebe; in den Städten allein von 1897 bis 1906 jährlich im Durchschnitt in Klasse III 2100, in Klasse IV 7000, dagegen im Durchschnitt der Jahre 1904 bis 1906 dort 2600, hier 7200. Davon, daß die Warenhäuser sozusagen wie Pilze aus der Erde wüchsen und langsam, aber sicher den mittleren und kleineren Betrieben den Garaus machten, kann nach der gewerblichen Entwicklung der letzten Jahre jedenfalls nicht die Rede sein. _
Heimweh nach Glück.
Roman von Erich Friesen.
(Fortsetzung).
Rolf schiebt seinen Stuhl etwas zurück. Der kindlich unbefangene Blick der großen braunen Augen tut ihm wehe.
„Ja, ich weiß es noch."
' Sein Ton bildet einen merkwürdigen Kontrast zu ihrer Ausgelasienheit, daß auch ihr Ee- stcht ernster wird.
„Was haft Du, Brummbär?" schmollt sie. »Kannst wohl gar nicht mehr lachen, rote?
Und sie schneidet eine Heine komische Grimasse. . , , „ , ,
Wider Willen mutz Rolf lachen. Und auch Anoelina ist wieder befriedigt.
Sie springt empor, wirft beide Hande über den Kopf und tanzt jubelnd um ihn herum.
„Ich — ich hab' Dir ja so viel zu sagen, Rolf! So viel!! „
Schweigend blickt er die Coupne on- entzückend sie aussieht in dem mattblauen Morgenanzug von spinnwebzartem Wollgewebe, das sich in leichten Falten an die jungen, noch fast kindlich geformten Glieder schmiegt. Unter dem Saum des Kleides lugt ein goldgesticktes blaues Pantöffelchen hervor. Den blotzen Hals ziert eine doppelreihige Perlenschnur.
, Wie lieblich sie aussieht! Wie unschuldig, wie glücklich!
t Heiß wallt es dem Manne zum Herzen.
’ Er möchte die Arme ausstrecken nach dem keuschen Mädchenbild, möchte den blondschim- mernden Kopf an seine Brust betten, möchte die reinen Lippen küssen mit innigem, zartem, liebe- erweckendem Kuß. '
Warum tut er es nicht? Wie oft hat er früher sein „Schwesterchen" gekutzt? Wie ost den Arm um die zierliche Taille geschlungen?
Warum blickt er jetzt so ftnfter drein, trotz- dem er seine Stimme zur Weichheit zwirnt .
„Nun, liebe Angelina? Was hast Du mit ju sagen?"
Die Polennot im britischen Osten.
Die Literatur über das Ostmarken-Problem Hat in den letzten Jahren in der politischen Publizistik einen immer breiteren Raum einge- nominen. Sie wurde um so größer, je mehr das -L«t,resf«-zugenommen hat, das man in nationalen Kreisen der polnischen Frage entgegen^ brAijst. Geheimrat Richard Witting hat seinen am 19. April in Berlin gehaltenen vielbeachte- ten und besprochenen Vortrag über das „Ost- markeii-Problem" jetzt im Druck erscheinen lassen (Verlag von Puttkammer und Miihlbrecht, Berlin). Mit schonungsloser Schürfe hat er die Schwächen und Fehler der Deutschen in der Ost- Mark und der Polenpolitik dargelegt, nicht ohne aber gleichzeitig auf die Wege zur Besierung hinzuweisen. Zu dem Vorschlag, dem Staate ein Einspruchsrecht zuzugeftehen, wenn deutscher Besitz in polnische Hände überzugehen droht, überhaupt zu der jetzt noch schwebenden Frage der Verhinderung des Ankaufs deutschen Bodens durch Polen, spricht sich Witting sehr zuversichtlich aus:
„Selbstverständlich muß der Staat dann verpflichtet sein, das (5ut zu dem Taxpreise dem ..verkaufslustigcn Deutschen abzunehmen. Ich weiß nicht, ob diese Idee Aussicht auf Erfüllung Hat, aber das eine steht fest: wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg, und der Weg mutz und wird gefunden werden, um der Anfiedelungskommis- pon die Fortsetzung ihrer Arbeit zu ermöglichen.
Neben dieser Schrift, die mehr die Tages- ftagen behandelt, verdient besondere Beachtung und Empfehlung das jetzt erweitert in zweiter Auflage erschienene Werk „Die Polennot im deutschen Osten", von Wilhelm von Maffow (Verlag von Alex Duncker in Berlin). Wer sich über die Grundlagen orientieren will, und die Historische Entwicklung der polnischen Frage eingehender zu studieren beabsichtigt, der mutz auf das umfangreiche Buch Massows zurückgreifen. Es umfaßt fünf Abschnitte: die Entwicklung der Polenfrage, Deutsche und Polen, die allgemeinen Grundsätze der Polenpolitik, die wirtschaftlichen Maßregeln gegen das Polentum und die Sprachenpolitik. Der Raum verbietet leider, auf Einzelheiten des trefflichen Buches näher einzugehen. In beredter, klarer und lcharfer Weise begründet v. Maffow die berechtigten Forderungen des Deutschtums. So stellt er z. B. als Hauptgrundsätze unserer Sprachen- xolitik die drei folgenden Leitsätze auf:
1. Kein im Land wohnender Deutscher soll fich irgendwie gezwungen sehen, .Polnisch zu lernen, wenn er es nicht aus irgend einem Grunde selbst für gut hält.
Vierteljährlicher Bezugspreis; bet der Expedition 2 3Jlfw "IVo 1QQ b« allen Postämtern 2,25 M. (ejcU Bestellgeld).
ft/T» luv JnfertiouSgebühr: die gespaltene Zelle oder deren Rau» 15 Pfg.
Neclamen: die Zeile 30 Pfg.
Die Frage der Warenhaussteuer.
Bekanntlich soll eine Warenhaussteuer die größere Leistungsfähigkeit der Warenhäuser und ihr besonderes Jntereffe an den Gemeindeveranstaltungen im Vergleich zum Kleinbetriebe und zu Spezialgeschäften mehr wie die alljährliche Gewerbesteuer ausgleichen. In zweiter Linie erst hat sich die Staatsregierung, als das Gesetz vor nunmehr als 7 Jahren ins Leben gerufen wurde, der Hoffnung hingegeben, die Steuer könne dazu beitragen, die Neigung zur Errichtung neuer Warenhäuser unb das Drängen des Großkapitals zu diesen Betrieben etwas zu verlangsamen. Keineswegs aber — darüber war sich die Staatsregierung bei Erlaß des Gesetzes vollkommen klar — konnte die Tendenz des Gesetzgebers dahin gehen, eine Strafsteuer für die Beteiligung des Großkapitals an Warenhäusern zu schaffen, das Großkapital an dieser Beteilgung zu hindern. Der regierungsseitig eingenommene Standpunkt wird durch die
„O, viel, viel! Aber hörst Du auch gut zu?" „Ganz genau."
„Gut. Also erstens: ich freue mich unbändig, daß Du wieder da bist!"
„Wirklich, Angelina? Ich wünschte, ich wäre immer da geblieben, wäre nie fortgewesen."
„Warum? Warum?"
„Weil — weil--lassen wir das! Erzähle
mir Deine Neuigkeiten, Angelina?"
Die ungewohnte Strenge in seiner Stimme verletzt das Mädchen etwas. Sie vermißt die gewohnte Sympathie, den Eleichklang der Seelen.
Wie soll sie es diesem schroffen Ton, diesem düsteren Gesicht gegenüber nut anfangen, ihr ganzes Glück auszukramen?
Befangen wendet sie den Kopf zur Seite. Dabei spielt sie mit dem breiten Goldreifen an ihrem Finger, den ein einziger großer Diamant von koloffalem Wert ziert.
Rolf stutzt. Er kennt den Ring nicht. Woher kommt er?
Und plötzlich erbleicht sein ftisches Gesicht. Ihm ist, als greife eine unsichtbare Faust nach feinem Herzen.
„Spare Dir die Mühe, Angelina!" sagt er halblaut, mit vor Erregung bebender Stimme. „Das dort ist Dein — Verlobungsring."
Tiefe Röte steigt in die zarten Wangen des Mädchens. , i-.x, .^k-»
Sie nickt.
„Du bist verlobt, mit — dem Fürsten Torlonia?"
„Ja, ja!" schreit sie auf, halb jubelnd, halb schluchzend. „Ach, Rolf, Rolf! Mein lieber, lieber Bruder! Ich bin ja so glücklich! So unendlich glücklich!! So namenlos glücklich!!! Nur Du fehltest mir noch zu meinem vollkommenen Glück!"
In ihrer Ekstase hat sie Rolfs beide Hände ergriffen und drückt sie stürmisch. Sie bemerkt gar nicht, daß der Druck nicht erwidert wird, daß im Gegenteil seine Hände fich zu befreien suchen.
„Nun?" fragt sie befremdet, als er schweigt, „Was denn?"