r
Sonnabend, 15. Juni 1907.
Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
Er«es Blatt
langt.
Dr. Max Georg Schmidt.
(Nachdruck verboten.),
1
anblinzelnd.
-v (Fortsetzung folgt.)
an und blickt auf die edelsteinverzierte kleine Uhr, die neben ihr auf dem Nachttisch liegt.
Will es denn gar nicht Morgen werden! .. . Endlich rötet sich der östliche Himmel.
Mit weit geöffneten Augen verfolgt Angelina vom Bett aus das Aufgehen der Sonne. Stilljubelnd breitet fie die Arme aus.
Wie leuchtend liegt doch die Zukunft vor ihr — warm und hellstrahlend wie der Sonnenball, der jetzt durch die offenen Fenster seinen ersten Elutülick zu dem glückseligen jungen Menschenkinde sendet, das mit hochroten Wangen und glänzenden Augen dem vollen Anbruch des Tages entgegenfiebert.
Jetzt hält Angelina es nicht mehr aus.
Nasch springt sie empor und kleidet sich an, ohne die Zofe zu rufen.
Sie weih — alles liegt nach dem gestrigen Feste noch in tiefstem Schlaf.
Leise huscht sie aus dem Schlafgemach, die Halle entlang, die Treppe hinaus, bis zu Rolfs Zimmer. _ . .. .... .______
Sie lauscht. V5
Drinnen alles ruhig. Natürlich, auch er schläft noch, der garstige Mensch! Anstatt zu ahnen, dah draußen sein Schwesterchen sehnsüchtig seiner harrt.
Na, warte nur, warte!
Wie der Wind eilt sie davon, ein übermütiges Lächeln auf den roten Lippen.
Gleich darauf kehrt sie mit einer Eichkanne zurück.
Behutsam öffnet fie eine Spalte der Tür. Dann trippelt sie auf den Zehenspitzen näher, gerade, wie sie es früher als Kind getan, wenn sie den Langschläfer von Bruder wecken wollte, und — platsch, spritzt sie ihm Wasser aus der Gießkanne ins Gesicht.
Der Schläfer drinnen schreckt empor und fährt mit der Hand nach dem nassen Gesicht.
„Hallo! Wer war das? Wer ist im Zimmer?" . r-,
(6t blickt sich um. * 1
Nur hinter der geschlossenen Tür übermütiges Kichern. - . - ------ ' ' ■ -■
Deutsches Reich.
— Der Kaiser besuchte gestern nachmittag, wie aus Homburg v. d. Höhe berichtet wird, die im Bau begriffene evangel. Erlöserkirche und machte dann einen einftündigen Spaziergang durch die Kuranlagen. Später besichtigte der Kaiser das Modell eines in Falkenstein zu errichtenden Offiziers-Genesungsheims.
— Bundesrat. Berlin, 14. Juni. In der gestrigen Sitzung des Bundesrates wurde dem Entwurf der Bestimmung betreffend das Verbot der Beschäftigung von Kindern bei der Reinigung von Dampfkesseln zugestimmt.
— Die deutsch-magyarischen Beziehungen. Ofen-Pest, 12. Juni. Der Wiener Mitarbeiter des „Budapesti Hirlap" erhielt aus Berlin von maßgebender Stelle über die Beziehungen zwischen Ungarn und Deutschland ein Darstellung, in der es heißt: „Während der abgelaufenen 10 Jahre, auf welche Fürst Bülow als Leiter der auswärtigen Politik des Deutschen Reiches zurückblicken kann, läßt sich in seiner Führung der Geschäfte nicht ei» einziges Faktum nachweisen, das mit dem von ihm deutlich betonten Grundsätze einer- strengen Zurückhaltung im Widerspruch stände. Diesen Grundsatz hat er in zwei
„Ich bin's, Dein Schwesterchen! Steh auf,
Langschläfer, schnell? Schäm Dich? Ich erwarte Dich unter der großen Palme — auf Deinem Lieblingsplatz!"
Und schon hört er die leichten Fußtritte in der Halle draußen verklingen.
Langsam kleidet er sich an. Er wundert sich selbst über seinen Mangel an Eile. Früher — ja, früher, da sprang und rannte er, sobald Angelina nur einen Wunsch aussprach. Warum jetzt nicht mehr? Eigentümlich. . . .
Ach so — der Fürst Torlonia hat ihn gestern verstimmt. Das ist es. . . . Aber was hat Angelina mit dem Fürsten zu tun? Das Kind mit dem beinahe alten Lebemann? . . . Wie darf er das liebe Mädchen entgelten lassen, wenn einer der Gäste des Hauses ihm antipathisch ist?.
Rasch beendet er seine Morgentoilette.
Dann eilt er hinunter in den Garten.
Auf einer kleinen Anhöhe, unter einer hohen Palme fitzt Angelina, mit vorgebeugtem Oberkörper den Weg hinabspähend, den Rolf kommen muß. .
Jetzt erblickt sie ihn. ' ' j.
Mit einem Freudenschrei springt fie empor, ihm entgegen, hängt sich in seinen Arm und zieht ihn hin zu den beiden traulichen Korbstühlen unter der Palme.
„Hier ist Dein Stuhl, Rolf! Und hier meiner! Wir können wenigstens noch eine Stunde plaudern, bis die anderen auf sind. Weißt Du noch, wie wir früher immer hier saßen und schwatzten — und schwatzten — Du sagtest was, dann ich — und so immer weiter, bis wir nicht konnten, bis der Hals uns weh tat! Dann guckten wir einander an und lachten. Weißt Du es noch?-
In ihrer freudigen Erregung ist Angelina ganz nahe an ihn herangerückt und legt beide Hände auf seinen Arm, ihn neckisch von unten
Heimweh nach Glück.
Roman von Erich Friesen.
./.i" (Fortsetzung).
v „Ich liebe Rolf wie zehn Geschwister zusammen!" pflegte sie oft scherzend zu sagen, und dabei perlte hellstes Silberlachen von den frischen Lippen, strahlten die Erübchenwangen itr sonnigstem Glück.
So lange sie, denken kann, war Rolf ihr Bruder.
Als sie kaum zwei Jahre zählte, kam eine bleiche Frau mit dem damals achtjährigen Knaben nach der Villa Helios.
Es war die jüngste Schwester des Marchese Carlo Margoni, Anita, die sich auf Capri in einen auf der Durchreise befindlichen deutschen Maler, den in seiner Heimat weitbekannten Professor Alfred Alsen, verliebt hatte und ihm, gegen den Willen ihrer Familie, als sein Weib nach Deutschland folgte.
f Trotzdem — die Ehe muß eine überaus glückliche gewesen sein. Denn als Alfred Alsen nach einigen Jahren plötzlich an einer Lungen- 'entzündung starb, brach der heißblütigen Italienerin fast das Sy . Nicht mehr hielt sie es aus in dem kalten Deutschland, das ihr den ler- denschaftlich geliebten Gatten genommen. Körperlich und seelisch gebrochen kehrte die kaum Dreißigjährige nach Capri zurück — mit ihrem .Sohne Rolf, ihrem einzigen Kinde.
i Sie überlebte den Gatten nur um wenige Monate; dann starb auch sie an einer Herzmuskelentzündung, wie die Acrzte sagten; in Wirklichkeit aber an gebrochenem Herzen. Es zog sie zu mächtig hin nach jenen Gefilden, die sie mit dem teuren Entschlafenen wieder ver- "einigen sollten.
i Nach dem Tode seiner Schwester betrachtete der brave Marchese Margoni ihr Kind als sein ‘eigenes, und die kleine Angelina war überglücklich, von nun an einen „großen Bruder" zu besitzen.
im Reichstag gehaltenen Reden ausdrücklich he« vorgehoben. Angesichts dieser autoritativen, von starker Tradition getragenen Kundgebung ist es schwer verständlich, wie Ausstreuungen über ein« feindselige Haltung der deutschen Politik gegenüber Ungarn immer wieder bei einem Teile iw# ungarischen Publikums Glauben zu finden scheinen. Auch in den wirtschaftlichen Fragen, btt zwischen Oesterreich und Ungarn zu regeln find^ verhält sich die deutsche Regierung völlig neue tral. Unzutreffend ist auch die Ansicht, daß Deutschland sich gegenüber den ungarischen Interessen auf dem Balkan ablehnend verhalte. Wenn sich in Ungarn gegen die Alliierung der ungarischen Seeschiffahrtsgesellschaft und des Norddeutschen Lloyd eine Opposition geltend gemacht hat, so ist man in Berlin der Ansicht,, daß diese Opposition keineswegs mit einer wirtschaftlichen Feindseligkeit Deutschlands gegen Ungarn motiviert werden kann. Man ist deutscherseits bezüglich der Alliierung der beiden Schiffahrtsgesellschaften der Ueberzeugung, daß die Beseiti- gung der Konkurrenz zwischen ihnen ebenso iw Interesse Ungarns wie Deutschlands tfegt. Wae die Schulvorlage Apponyis betrifft, so ist es rich« tig, daß sie in der deutschen Presse bisher wenig Zustimmung gefunden hat. Daß die deutsche ■Regierung mit diesen Stimmen in der Presse, di« größtenteils Importartikel sind, nicht das mindeste zu tun hat, bedarf keiner Betonung. Di« Gestaltung des deutschen Schulwesens in Ungarn ist eine innerstaatliche Angelegenheit, auf die der deutschen Regierung keine Einflußnahme zusteht, von ihr auch nicht versucht worden ist-
— Kolonialwissenschaftliche Forschungen. Der Reichstag hat bekanntlich den Posten eines Kolonialattach^s bei der Botschaft in London, der in den Etat eingestellt war, nicht bewilligt, dafür aber auf Vorschlag der Budgetkommisfion die Verwendung der hierzu ausgeworfenen Summe für besondere wissenschaftliche Zwecke empfohlen. Wie aus Berlin verlautet, geht man nunmehr an die Ausführung des Beschlusses, und zwar zunächst durch Einsetzung einer Kommission. Zu ihrem Referenten ist der Wirkl. Legationsrat Dr. v. Jacobs ernannt worden. Er wird sich im Oktober nach London, Paris, Brüssel usw. begeben, um dort von den Regierungen den etwa vorhandenen Stoff einzusam- mctit. Sein Aufenthalt in den betreffenden Ländern wird etwa 2 Monate dauern. An erster Stelle soll die Arbeit dem Eingeborenenrechte gelten. Lagationsrat v. Jacobs soll ermitteln, ob und nach welcher Richtung die fremden Regierungen sich schon mit dieser Frage beschäftigt haben.
— Zur Frage der Arbeiteransiedelung auf Domänen. Zur Frage der Arbeiteransiedelung auf den Königlichen Domänen erfährt die „Voss.
blätter von Pest erscheint schon deshalb als Schimäre, weil die Sachsen räumlich viel zu weit von den Deutschen des Reiches und Oesterreichs getrennt find.
Für die Sachsen handelt es sich also um eine Kulturfrage; die Polen dagegen verfolgen Ziele, welche, zumal bei der unmittelbaren Nachbarschaft von Russisch- und Oester- reichisch-Polen, der Monarchie Verhängnis werden müssen. Selbst in einer Zeit, wo die Regierung den Polen ein an Schwäche streifendes Entgegenkommen zeigte, haben sich jene nicht als loyale Staatsbürger bewährt, sondern sie haben rücksichtslos ihrem politischen Endziele, der Wiederherstellung des polnischen Reiches und damit der Losreißung preußischer Provinzen von unserem Staat, entgegengearbeitet. Dazu beschränken sich die Polen nicht darauf, ihre Nationalität, ihre Sprache und Sitte zu behaupten, sondern sie bringen auch mit einer polnischen Agitation großen Stils erobernd in rein deutsche Bezirke vor, was die Polonisierung der deutschen Dörfer an den Toren Posens besonders beschämend für uns beweist.
Es heißt deshalb nicht mit ungleichem Maß messen, wenn der Ostmarkenverein die polnischen, staatsfeindlichen Bestrebungen bekämpft, und der Schulverein für die nationale Eigenart der Siebenbürger Sachsen Schonung und Duldsamkeit von der magyarischen Regierung ver-
Polen und SieveubürgerSachsen. v Im Landtage hat der Abgeordnete v. Chrza- nowski den Schulverein, welcher die ungarische Magyarisierungspolitik bekämpft, und den Ost- markenverein, welcher die preußische Polenpolitik unterstützt, in Parallele zueinander gestellt und einen inneren Widerspruch zwischen den beiden nationalen Vereinigungen konstruiert. Auch in der Presse (z. B. in der „Kölnischen Volkszeitung" ober „Hessischen Landeszeitung") findet man jetzt jetzt häufig eine ähnliche Gleichstellung von Polen und Siebenbürger Sachsen, so daß der grundsätzliche Unterschied, der zwischen den Existenzverhältnissen der beiden Nationalitäten obwaltet, einmal festgelegt werden muß.
Was zunächst die Prinzipienfrage angeht, so hat Alfr. Kirchhoff in seiner vielbemerkten Schrift: „Zur Verständigung über die Begriffe Nation und Nationalität", klargelegt, daß alle Nationen „gewordene Einheiten allerbuntester Herkunft" darstellen, und daß jeder Nationalstaat das Recht hat, alle in seinem Bereich wohnenden fremdartigen Völkersplitter sich einzuverleiben, zumal der nationale Zusammenschluß die sicherste Garantie für das weitere Fortbestehen des Gemeinwesens ist. Der Trieb der Selbsterhaltung verleiht also dem Staat eine sittliche Berechtigung, unter Umständen Zwangsentnationalisierung zu betreiben. Anders aber steht es mit der Frage, ob in unserer Zeit hochgesteigerten Nationalbewußtseins die Durchführung eines solchen Programms zu erreichen ist. Derr 94 v. H. deutscher Bewohner werden sich ja hoffentlich die 6 v. H. nichtdeutscher Elemente im Reich assimilieren! Anders ist es in einem Staate, -es welchem die herrschende Nationalität noch nicht die Hälfte der Bevölkerung ausmacht! Denn in Ungarn bilden die Magyaren nur 44.5 v. H. der Bevölkerung; ihnen stehen 14.5 v. H. Rumänen, 10.5 v. H. Slowaken, 11.1 v. H. Deutsche, 8.7 v. H. Kroaten, 5.5 v. H. Serben usw. gegenüber.
Auch lehrt die Geschichte, daß der Verschmelzungsprozeß sich um so leichter vollzieht, je mehr die herrschende Nationalität, auch kulturell überlegen, auf allen Gebieten des Lebens die führende Rolle spielt. Daher sind auch die lettischen Und slawischen Vollselemente ohne wesentliche Schwierigkeiten allmählich germanisiert worden. In Ungarn aber besitzt besonders jene Minorität in Siebenbürgen ein stark ausgeprägtes Nationalbewußtsein und vor allem eine seit vielen Jahrhunderten sorgsam gepflegte Son- ■ bertultur, durch welche sie der herrschenden Gruppe weit überlegen ist, und welche ihr ;immer neue nationale Widerstandskraft ver-
Als Rolf dann nach Neapel zur Schule kam, war ihr Schmerz groß. Aber sie tröstete sich in dem Bewußtsein, daß er die Ferien stets auf Capri verlebte.
Spater besuchte er die Universitäten in Nom und Bologna — und der Trennungsschmerz wurde größer, nur etwas versüßt durch die langen Briefe, welche das Heranwachsende junge Mädchen an den geliebten „Bruder" schrieb.
Im letzten Jahre hatten zum ersten Male die beiden einander gar nicht gesehen.
Rolf studierte in Bologna mit fast übertriebenem Eifer und unternahm auf Wunsch seines Onkels während der Universitätsfetten eine Reise nach Deutschland und Frankreich, um etwas von anderen Ländern zu sehen und seinen Geist zu bilden.
So fiel es ihm nicht besonders auf, daß die Briefe seiner Cousine Angelina etwas seltener wurden. Schrieb sie doch stets gleich zärtlich, gleich liebevoll! Sprach sie doch in jedem Brief von der Sehnsucht nach dem entfernten „Bruder"! • . f
„Bruder"! ' * 4
Rolf lächelte, wenn er das Wort las.
Harmloses kleines Mädchen! Es kennt fein eigenes Herzchen noch nicht. Er selbst ist sich schon seit langem darüber klar, daß es keine brüderlichen Gefühle sind, die ihn zu der holden Mädchenknospe hinziehen.
Mit derselben Sehnsucht, mit bet Rolf nach einjähriger Trennung bes Wiedersehens harrte, mit berfelben Sehnsucht erwartete auch Angelina ben geliebten Stuber. Sie hat ihm ja so viel zu erzählen.
Unb nun ist er ba unb schläft bort oben in seinem Zimmer. Und sie, Angelina, kann nicht schlafen — keine Minute. Denn fie hat ihm ja so viel zu erzählen! So unendlich viel!!
Unb sie preßt die Hand auf bas lautsprechenbe Herzchen, währenb die großen Äugen sich immer wieder öffnen, weil bet Sandmann durchaus nicht kommen will.
Alle zehn Minuten steckt sie ein Streichholz
leiht. Dazu ist an eine Ausrottung des Deutschtums in Ungarn auch aus dem Grunde nicht zu- benten, weil bet ganze Handel und die Handelssprache Deutsch ist, in unserer Zeit aber bet Handel bet Politik bie Bahn vorschreibt, nicht umgekehrt. Ueberhaupt sinb ja bie polnische unb bie magyarische Sprache für bie große Welt bebeutungslos. Wenn also beuische Kinder in Ungarn magyarisch sprechen lernen, so haben sie für ihre Zukunft nichts gewonnen. Wenn aber die jungen Polen die deutsche Sprache, eine Weltsprache, erlernen müssen, so liegt das zugleich im Interesse der Kinder denen dadurch ihr Fortkommen erleichtert wird.
Weiter, was haben Polen und Sachsen für ihr jetziges Vaterland geleistet? Die große Masse des polnischen Volkes verdankt eigentlich ihr alles der preußischen Herrschaft. Erst die preußische Verwaltung hat bie Hörigkeit bet Bauern beseitigt, hat burch Einführung der allgemeinen Schulpflicht ben Bildungsftanb bet Bevölkerung gehoben, sowie durch Pflege von Kultur und Gesittung, durch Duldsamkeit unb Gewissensfreiheit das allmähliche Heranwachsen eines gefunden Mittelstandes, eines zur Zeit der polnischen Wirtschaft ganz unbekannten, sozialen Faktors ermöglicht. Dis Herrschaft der Hohenzollern hat dcm polnischen Lande also reichen Gegen gebracht. Umgekehrt sind in Ungarn die Deutschen die hauptsächlichsten Kulturträger gewesen. Germanische Zähigkeit hat die Moräste entsumpft, die Rebgärten angelegt, die Bergwerke eingerichtet, die Segnungen einer höheren Kultur über das Land gebracht. Auch die großen Gewerbe- und landwirtschaftlichen Ausstellungen der letzten Jahre waren fast ausschließlich von Deutschen veranstaltet. Ihre Volksbildung aber haben sie nicht durch magyarische Schulen erhalten, sondern durch eigene Unterrichtsanstalten gewonnen und ausgevrei- tet, gestutzt auf geschichtlich erwachsene und gesetzlich verbriefte Rechte, welche man ihnen jetzt gewaltsam rauben möchte.
Schließlich, welchen Zwecks vettolgen Polen unb Sachsen bei ihrem Kampfe für ihr Volkstum? Die Sachsen sinb, seit sie im 12. Jahrhundert dem Rufe des Königs Bela folgten, treue Bürger ihrer neuen Heimat geworben. Sie haben für Ungarn die Waffen getragen vom Mongolsnsturm unb ben Tiirtenkriegen an bis zu ben Zeiten Maria Theresias und Napoleons und bis zum Freiheitskrieg 1849, wo Deutsch-Ungarn, wie Görgey und Klapka, die ungarischen Heere führten, und wo unter den 15 in Arad Hingerichteten Generalen sich fünf mit kerndeutschen Namen befanden. Die Treue der Sachsen zur Mutter Hungaria ift über jeden Zweifel erhaben, unb wenn jie-mit rührenderAn- hänglichkeit an ihrem Volkstum, an Sprache, Sitte unb Brauch ihrer Vorfahren festhalten, so verfolgen sie damit nicht politische, dem Staatsinteresse zuwiderlaufende Zwecke. Das berühmte „alldeutsche Schreckgespenst" der Hetz-
Juscrtionsgebnhr: bie gespaltene Zeile oder deren Medanien: die Zeile 30 Pfi.