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'(Mähren) 2000 ÖM, für den Echulbau Außerfls- rvz (Tirol) 4000 dl, für den Verein deutscher Lehrer im Auslande (Brüssel) zu Agitations­zwecken 300 dl, zusammen 63 300 dl. Der Rest der Jubelspende wird für einen besonderen Not­fall aufgespart.

Der 17. verbandst«, der deutschen ve- amtenvercine wurde am Montag in Köln durch den Vorsitzenden, llnterftaatssekretär im Reichs­amt des Innern Wermuth, eröffnet. Der Vor­sitzende gedachte in ehrenden Worten des ver­storbenen Ehrenvorsitzenden, Staatsministers Exzellenz Boetticher, zu dessen Andenken sich die Anwesenden von ihren Sitzen erhoben. Namens der Regierung hieß Regierungspräsident Dr. Cteinmeister die zahlreichen, aus ganz Deutsch­land erschienenen Teilnehmer an der Hauptver­sammlung herzlich willkommen, während der Beigeordnete Laue die Delegierten namens der Stadtverwaltung begrüßte, wobei er darauf hin­wies, daß der Oberbürgermeister durch Geschäfte im Herrenhaus an der Teilnahme verhindert sei. Nach dem vorgelegten Jahresbericht befindet sich der Verband in stetem Wachsen. Seit dem letzten Vcrbandstag gliederten sich 17 Vereine dem Ver­bände an. Heute gehören zu ihm 222 Vereine mit 177 502 Mitgliedern.

Der 30. Berbandstag des Deutschen Flei« fcherorrbandes, zu dem 550 Delegierte und außer­dem 2000 Gaste aus Deutschland, Oesterreich-Un­garn, Rußland, Spanien, Italien, England, Frankreich und Amerika nach Hamburg gekom­men sind, nahm einstimmig einen Antrag an, nach dem der Vorstand den Bundesrat ersuchen soll, die Einfuhr dänischen Schlachtviehs unter denselben Bedingungen zu gestatten, wie bei den aus Oesterreich-Ungarn eingeführten, d. h. unter Wegfall der Quarantäne und der Tuberkulose­impfung bei sofortiger, direfter Ueberführung der Tiere nach öffentlichen Schlachthäusern mit Bahnanschluß und bei baldiger Abschlachtung.

Die Auswanderung über Bremen betrug lm Mai 23 817 gegen 23 811 im Vorfahr, seit Jahresanfang 110 587 gegen 98 959, zusammen über Bremen und Hamburg seit Jahresanfang 202 753 gegen 174 732. Die Steigerung be­trägt somit 15 Prozent.

NMlNid.

«= Sozialpolitik in Amerika. Norfolk, 11. Juni. In einer Rede, die Präsident Roosevelt auf der Ausstellung in James­town hielt, befürwortete er das Eintreten der Bundes- und Einzelstaatsgefetzgebungen für ein« Entschädigung der in Ausübung ihres Berufes zu Schaden gekommenen Arbeiter bezw. ihrer Familien im Fall des Todes solcher Arbeiter. Die Lasten müßten die Unternehmer tragen, die ihrerseits diese durch Erhöhung der Welt­preise ihrer Erzeugnisse auf das Publikum ab- wälzen könnten. Für eine Unterscheidung zwischen Unfällen, die durch Nachlässigkeit oder force major verursacht seien, liege kein gesunder wirtschaftlicher Grund vor. Eine Entschädigung müsse ohne Weiteres erfolgen, statt daß darum erst prozessiert werden müßte.

-Selbstverwaltung für die Oranjekolouie. Aus London wird vom 10. ds. Mts. gemel­det: Heute ist ein Königliches Dekret erschienen, durch welches in der Oranjefluß-Kolonie die Selbstverwaltung unter einer Verfassung ein- geföhrt wird, dis mit derjenigen von Transvaal gleichlautend ist.

MürbA'ss und Umgkgci-d.

jNachdruck aller Originalartikel ist gemäß | 18 bei Urheberrechts nur nvt der deutlichen Quellenangabe i .Qberhefl. gtg. gestattet)

Mnrdirrs, 12. Ium.

)( Zur Berufszählung. Wegen der Berufs­zählung, bei der zahlreiche Lehrer als Zähler Mitwirken, fiel heute der Unterricht in den Schulen aus.

) ( Kursus. Heute begann in der chirurgischen Klinik der Kursus für Mitglieder der Genossen­schaft fteiwilliger Krankenpfleger im Kriege. Es nehmen über 50 Studenten an diesem Kursus teil.

* Oberrealschule. Am Dienstag unternahmen sämtliche Klassen der Anstalt einen größeren Ausflug, der überall gut verlaufen ist und vom Wetter recht begünstigt war, nur in Braunfels und in Herborn hat es etwas geregnet. Die Oberprima ist noch am Rhein, die Unterprima in Heidelberg und die Oberfeknnda in Thüringen.

* Telegraphenanstalten find in den Orten Weipoltshausen und Kirchners mit llnfallmelde- dienst und öffentlicher Fernsprechstelle in Wirk­samkeit getreten.

* Dragoner-Konzert im Museum. Bei dem tun Donnerstag abend stattfindenden Konzert wird den Besuchern ein ganz besonderer Genuß noch geboten, indem die ganze mit Fanfaren aus­gestattete Kapelle auch Tonstücke mit diesen In­strumenten vortragen wftd. Dies dürfte in Mar­burg noch nicht gehört worden sein. Ein Besuch des Konzerts ist deshalb besonders zu empfehlen.

)( Cin starkes Gendarmerieaufgebot wird anläßlich des Automobilrennen» im Taunus zu- sammengezogen. Von hier aus ist Gendarmerie- Wachtmeister Trott zu diesem Zwecke nach Weil­burg abkommandiert worden.

)( Born internationalen Automobilrennen. Don geschätzter Seite wird uns geschrieben: Wie gemeldet, findet am Donnerstag und Freitag ganz in unserer Nähe ein internationales Auto­mobilrennen statt. Sicherlich werden auch aus Marburg viele Neugierige sich dieses Schauspiel ansehen wollen, und es sei daher nicht versäumt, ihnen für die Wahl des Platzes usw. einige wohlgemeinte Winke zu geben. Zwar beginnt schon am Donnerstag die wilde Jagd, doch ret»

lohnt es sich nicht, schon em diesem Tage sich das Rennen anzusehen, da es pch nur um ein Aus» stheidungsfahren handelt. Erst am Freitag mor­gen beginnt das Hauptrennen, zu dem nur die 30 besten internationalen Schnellfahrer zugelaf- fen sind. Was die Wahl des Standortes anbe- langt, so ist am meisten Weilburg zu em­pfehlen, da man hier auf große Entfernungen die Rennwagen schon heransausen sieht. Sehr zu empfehlen ist der oberhalb Weilburg liegende Kanonenhügel" bei Eubach, in dessen Nähe be­sonders scharfe Kurven liegen, ebenso der Tier­garten. Doch ist es sehr schwierig, bis zu diesem Punkte zu gelangen, da schon vor 7 Uhr die ganze Rennstrecke abgespertt wird. Wer noch jut rechten Zeit über die Rennstrecke will, muß in Marburg spätestens um 4,43 Uhr abfahren, da in Weilburg selbst, weil es neutrale Zone ist, von dem eigenttichen imposanten Rennen nichts zu sehen ist.

)( Schwurgericht. Zu der am nächsten Montag beginnenden SchwurgeriMsperiode wurden folgende Herren als Geschworene aus­gelost:

Bauunternehmer Hugo Reisfing, Marburg Landwirt Franz Kaiser, Wittelsberg Bürgermeister Heinrich Baum, Mendorf an der Landsburg

Gutsbesitzer Joh. Klingelhöfer, Caldern Kaufmann Heinrich Dern, Marburg Kaufmann Heinrich Runckel, Marburg Professor Dr. Josef Disse, Marburg Professor Heinrich Hölzerkopf, Marburg Färbermeister Heinrich Holland, Marburg Bürgermeister Johs. Happel, Bellnhausen bei

Gladenbach

Kaufmann Robert Klee, Marburg Kaufmann Jakob Döring, Marburg Inspektor Hermann Erb, Bernsdorf Major a. D. Richard John, Marburg Bürgermeister Hans Heinrich Heinmoller, Flörshain

Archivar Friedrich Küch, Marburg Postdirektor a. D. Wilhelm Bach, Marburg Landwirt Johs. Wisker jun., Kernbach Buchdruckereibefitzer Heinrich Bauer, Marburg Ackermann Jobs. Stock, Wiera

Rentner Ludwig Matthäi, Marburg Rentner Wilhelm Allmeroth, Marburg Landwirt Heinrich Friedr. Estor, Schweinsberg Oekonom Karl Hoffmann, Hof Görzhausen Landwirt Konrad Herbener III., Eroßseelheim Kaufmann Franz Milchsack, Biedenkopf Privatmann Adolf Metzler, Marburg Buchhändler Max Stephani, Biedenkopf Bierbrauer Otto Hoffmann, Biedenkopf Bürgermeister (5. H. Riehn, Rückershausen

* Barzahlung an Handwerker. Das Ergeb­nis einer von der Hamburger Gewerbekammer veranstalteten Umfrage an die deutschen Hand­werks- und Eewerbekammern über zweckmäßige Maßregeln gegen das Vorgunwesen im Hand­werk wird imDeutschen Handwerksblatt" ver­öffentlicht. Zweierlei muß Verwunderung Her­vorrufen. Erstens, daß große Handwerkskam­mern eine so wichtige Umfrage überhaupt der Untersuchung nicht für wett hietten, was aus der Nichtbeanttvoriung der gestellten Fragen hervorgeht. Zweitens, daß bisher so wenige und so wenig durchgreifende Mittel zur Anwen­dung gelangt find, nyt dem Vorgunwesen auf­zuräumen. Dabei führt seit Jahrzehnten nahezu das gesamte Handwerk Klage, daß ihm durch LberlangeKreditgewährung an das Publi­kum die Möglichkeit des Verdienstes auf das äußerste geschmälert werde, und daß wesentlich infolge dieses Mißstandes das Handwerk längst keinengoldenen Boden" mehr habe. Ist aber das Publikum allein schuld an dem Borgun­wesen? Keineswegs. In der Regel geraten nur Leute mit chronischem Geldmangel in Auf­regung, wenn ihnen mit dem Empfang einer Ware oder nach Ausführung einer Leistung die quittierte Rechnung präsentiert wird. Zah­lungsfähige Personen find für eine möglichst rasche Begleichung von Forderungen. Die Hand­werker können davon überzeugt sein: nicht zehn v. H. der Kunden nimmt es übel auf, wenn der Handwerker eine alsbaldige Regelung wünscht. Bei Licht betrachtet stellen sich dis Unwilligen großenteils als unsichere Kantonisten heraus; solche Kundschaft einzubüßen, ist eher ein Ge­winn als ein Verlust. Es ist klar, daß Fernand unter dem frischen Eindruck einer empfangenen Leistung bereitwilliger zur Zahlung sich ver­steht, als etwa nach Jahr und Tag, wo vielleicht die Erinnerung an die Leistung entschwunden ist. Die Handwerker klagen über das Borgun­wesen das Publikum klagt, womöglich noch lrthafter, darüber, daß nur zu häufig von den Handwerkern die Rechnung nicht zu bekommen ist. Entweder, der Handwerker hatkeine Zeit" das ist mehr als BeguemlichkeitsausrÄe oder er will abwarten, bis ein Mehreres von Aufträgen für denselben Kunden zusammenge- kommen ist. In beiden Fällen leistet man dem Publikum, das verdrießlich wird wegen der ver- iieblichen Mahnung und unerwartet hohe Ge- amttechnungen nicht liebt, einen schlechten TSenst. Das Borgunwesen wird verschwinden, wenn die Handwerker an gute kaufmännische Gepflogenheiten sich gewöhnen. Das Publikum wird schon dafür Verständnis gewinnen.

* Die Pilzezeit hat begonnen. Bei dieser Gelegenheit sei darauf hingewiesen, daß man beim Sammeln der Pilze darauf zu achten hat, daß sie nicht mit der Wurzel herausgerissen, sondern nur vom Stock abgeschnitten werden. Hiergegen wird meist stark gesündigt, und so kommt es, daß an Orten, wo noch vor einigen Jahren Pilze in großer Menge zu finden waren, heute solche nur vereinzelt ober gar nicht mehr angetroffen werden. Mitunter sieht man so­gar, daß beim Pilzesuchen das Moos mit einer Harke entfernt und ganze Strecken umgewühlt werden; bei einem derartigen Verfahren wer­den alle Pilzkeime mit vernichtet. An die Pilzsammler richtet sich die wohlzubsachtende Warnung, daß auch anerkannt gemsßbare und bekömmliche Sorten geeignet fein können, die menschliche Gesundheit zu schädigen, sobald sie eine teilweise Zersetzung erlitten haben. Es ist daher beim Einkauf «nd beim Sammeln völl

Pilzen darauf zu achten, daß nur junge, durch­aus gesunde Exemplare als Nahrungsmittel Verwendung finden dürfen, während die alten, ausgejDadjfenen, sehr wässerigen Pilze zu ver­werfen find. Bor allem muß davor gewarnt werden, unbekannte Sorten von Pilzen zu ge­nießen. Besonders wird darauf hingewiesen, daß an vielen Stellen ein dem Wiesen-Champignon ähnlicher Pilz, derKnollenblätterschwamm", vorkommt, der stark giftig ist, sich vom Champig- non aber durch den am Grunde knollig verdickten Stiel, das Fehlen des würzigen Geruchs und die Farbe der Lamellen unterscheidet.

)( Strafkammer. Unter der Anklage, eine Privaturkunde gefälscht und davon Gebrauch gemacht zu haben, stand ein Geschäftsmann aus LStzelburg im Kreise Homberg. Es handelte sich um einen Wechsel in Höhe von 169,40 dl, den der Angeklagte durch Hinzufügung einer 1 in Buchstaben und Ziffern utf 1000 dl erhöhte. Der Angeklagte machte geltend, daß er im Ein­verständnis feines Schuldners, der ihm den Wechsel gegeben, so gehandelt habe. Sie seien leider in Geldverlegenheit gewesen und hätten sich dadurch geholfen. Es sei auch niemand ge­schädigt worden. Bemertt sei, daß der fragliche Wechsel bereits vernichtet war und deshalb dem Gericht nicht mehr vorlag. Nach Vernehmung einer ganzen Anzahl Seligen kam das Gericht zu dem Resultat, daß der Angeklagte doch die Ur­kunde absichtlich gefälscht und andere Leute zu schädigen versucht hat. Das Urteil lautete auf 6 Monate Gefängnis.

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* Schweinsberg, 11. Juni. Heute Morgen gegen 7Z4 Uhr ist auf der Ohmtalbahn zwischen hier und Niederofleiden noch rechtzeitig ein Un­glück verhütet worben, welches schwere Folgen haben konnte. Die Maschine mit einem Wagen, welche den Steinzug von dem Basaltwerk bei Niederofleiden abholen wollte, hatte Ver­spätung, sie fuhr im schnellen Tempo an hiesiger Station vorbei, um noch rechtzeitig am Kreuzungspunkte Niederofleiden anzukommen. Inzwischen war auch der Personenzug auf dem­selben Geleise von Riederofleiden abgefahren. Die betr. Maschine war nur noch eine kurze Strecke von dem entgegenkommenden Personen­zug entfernt, als dieses die Lokomotivbeamten merkten und schleunigst Eegensignal gaben, wo­nach die einzelne Maschine nach hiesiger Station zurückfuhr, wo sie in ein zweites Gleis rangierte, bis der Personenzug die Strecke freigegeben hatte. Unglücklicherweise war auch der Telephon befett, sodaß eine Verständigung zwischen den Stationsbeamten über die Abfahrt des Zuges usw. nicht möglich gewesen sein soll. Bei dichtem Rebel hätte zweifellos ein Zusammenstoß statt­gefunden.

§ Ederbringhausen, 12. Juni. Bei dem am Montag hier niedergegangenen Gewitter schlug bet Blitz in die dem Müller Huschin gehörige Mühle und zerstörte diese teilweise. Der ange­richtete Schaden ist ein beträchtlicher.

Wincherode (Kreis Ziegenhain), 10. Juni. Hier stieß die 8jährige Tochter des Landmannes Kalbfleisch aus Unvorsichtigkeit eine Kaffee­kanne um. Der heiße Kaffee ergoß sich über den Körper des halbjährigen Schwesterchens, das derart schwere Verbrennungen erlitt, daß es wenige Stunden darauf verstarb.

)( Corbach, 10. Juni. Wie schon kurz er­wähnt, fand am Sonntag hier der 5. Vertreter­tag der Handwerkskammer zu Cassel statt. Mit derselben hatte man auch gleichzeitig eine Lehr- lingsarbeiten-Ausstellung verbunden, die in jeder Beziehung als gelungen zu bezeichnen war und an dem Versammlungstage von rund 600 Personen besichtigt wurde. Anläßlich des so zahl­reichen Besuches von Handwerkern aus allen Teilen Hessens und Waldecks hatte die Stadt ihr Festkleid angelegt. Die Verhandlungen be­gannen um 1 Uhr in dem bis auf den letzten Platz besetzten Saale des Waldecker Hofs. Der Vorsitzende der Handwerkskammer, Bäckermei­ster Simmen-Cassel, hielt zunächst eine kurze Begrüßungansprache. Im Anschluß sprach Syn­dikus Thanheiser-Cassel über das ThemaSchutz des Baugewerbes, Sicherung der Bauforderun­gen und den sog. Heinen Befähigungsnachweis für das gesamte Handwerk". Besonders wurde auf die Nützlichkeit des letzteren für das Klein- Handwerk hingewiesen. Eine Resolution, sich den Entwürfen der Regierung, bett, den Schutz des Baugewerbes und Sicherung der Baufor- berungen, anzuschließen, fand Annahme. Bei Titel:Freie Aussprache" wurden allerhand Handwerkerfragen erörtert. U. a. kritisierte Herr Werner-Marburg die staatlichen Holzverkaufs-Bedingungen, die zu Ungunsten des Heinen Handwerkers geändert seien. Der Große erhalte längere Frist, während der Kleine gleich bezahlen muß. Der kleine Meister werde weder berücksichtigt, noch lege man Wert auf sei­nen Meistertitel. Ebenso beklagte der Redner auch die Tatsache, daß viele Eltern ihre Kinder zu gut für ein Handwerk halten. Rach ein­gehender Aussprache wurde, wie schon erwähnt, als Ort bet nächsten Versammlung Mendorf an der Werra gewählt

Hessen-Naffarl rmd Nschbar^bietk.

Eassel, 10. Juni. Der 17jährige Banklehr­ling Eysell, der Ende April flüchtete, nachdem et 17 000 Mk. Postgelder unterschlagen hatte, ist am Samstag in Dalmatien verhaftet warten.

Hersfeld, 9. Juni. Für den am 6. 7. und 8. Juli in Hersfeld stattfindenden 16. Feuer­wehrtag des Feuerwehr-Verbandes für den Re­gierungsbezirk Cassel ist u. a. folgendes Pro­gramm festgesetzt worben: Sonnabenb, den 6. Juli, nachmittags 4*4 Uhr, Abgeordnetenver- fammlung des Feuerwehr-Verbandes für den Regierungsbezirk Cassel in der neuen Turnhalle. Abends 7 Uhr Schulübung der Hetsfelder Feuer­wehr auf dem Marktplatz. 7y.> Uhr Schulübung der Steigerabteilung der Hersfelder Feuerwehr auf dem städtischen Schulhof. Vormittags 10 Uhr Abgeordneten-Versammlung des Feuer- wehr-Krewvertandes Hersfeld in der Turnhalle. 11 Uhr Besichtigung der Ausstellung. Festzug durch die Hauptstraßen der Stadt, während des­

selben Hauptübung der Hetsfelder Feuerwehr mit Hinzuziehung von vier ländlichen Feuer« wehren des Kreises Hersfeld. Hieraus Schul­übung der vier ländlichen Feuerwehren av.f dem Festplatz.

Hersfeld, 9. Juni. Am 30. September, 1. und 2. Oktober findet in unserer Stadt die dies­jährige Hauptversammlung des Hessischen Lclks- schullehrervereins statt.

Eießen, 11. Juni. Auf hiesigem Bahnhof« wurde der 19jährige Bahnarbeiter Heb aus Al- lendorf (Lahn) beim Ueberkreuzen des Bahn­körpers vom Schnellzuge 5.56 Eießen-Koblenz erfaßt und sofort getötet. Unter starkem Zu­drang sand heute die Echwurgerichtsverhand- lung wegen der Totschlagsaffäre auf der Straße Naufenbetg-Lollar statt. Der Landwirt Louis Klinke! von Ruttershausen unterhielt mit einem Mädchen aus Staufenberg ein Verhältnis, das drei Staufenberger Burschen, Former Zechet, Maurer Krells und Schuhmacher Stephan sämtlich 21 Jahre alt nicht leiden wollten. Sie paßten ihm am 7. April auf der Straße auf und richteten ihn mit Holzscheiten und Prügeln so furchtbar zu, daß er bewußtlos liegen blieb und trotz alsbaldiger Operation in der Klinik nach fünftägigem schweren Leiden an den inneren Verletzungen starb. Kinkel war 24 Jahre alt und die einzige Stütze seiner alten Ettern. Er galt für einen braven, soliden jungen Mann. Die Geschworenen sprachen die Ange­klagten schuldig. Der Gerichtshof erkannte gegen Zecher und Krells auf je vier Jahre, gegen Stephan auf zwei Jahre Gefängnis.

Roth (Dillkreis), 10. Juni. Ein furchtbares Gewitter mit Wolkenbruch ging heute um 4 Uhr über unser Dorf nieder. Das Wasser stand wohl einen halben Meter hoch und drang in Keller, Scheune und Stallungen ein. Die Wiesen sind als solche kaum kennbar. Kartoffel- und Pftan- zen-Aecker find buchstäblich fortgeschwommen, die Sttaßen mit tiefen Rinnen und Gleisen ver­sehen. Der durch das Unwetter angerichtete Schaden ist groß. (Rh. Kur.)

Ostheim, 10. Juni. Schwer heimgesucht würbe gestern Morgen infolge des dichten Ne­bels eine Anzahl italienischer Arbeiter, welche im hiesigen Basaltwerk beschäftigt sind. Die­selben oeftiegen bei der Steinklopsmaschine einen Rollwagen ihrer Kleinbahn, um nach der Sta­tion Malsfeld zu fahren. Die Betreffenden wollten nach Melsungen zur Kirche und dann, wie gewöhnlich Geld nach ihrer Heimat senden. Nichts ahnend fuhren sie vergnügt von oben ab. Infolge des dichten Nebels bemerkten, sie die ihnen entgegenkommende Lokomotive nicht und fuhren mit aller Wucht gegen dieselbe. Ein Mann wurde getötet, drei schwer und drei leicht verletzt. Der Tote ist 30 Jahre alt und hinter- läßt Frau und Kinder. Hoffentlich wird dieses manchem zur Warnung dienen.

Wiesbaden, 10. Juni. Ein moderner Bruder Straubinger wurde gestern in der Stadt bs- obachtet. Der auf derWalze" befindliche Kunde ein Schlosser sauste nämlich, den Ranzen auf den Rücken geschnallt, mit einem Motorrad in der Stadt umher und sprach bei verschiedenen Meistern wegen Arbeit vor. Da er anscheinend passende Beschäftigung nicht fand, verließ er gegen Abend in der Richtung auf Mainz die Stadt. So muß auch die Poesie des Wanderlebens der nüchternen Prosa der Neuzeft weichen. -

Wissenschaft, Kunst und Leben.

# Der etikettierte Rhein. In Koblenz tagte derRheinisckie Verkehrsverein" und faßte den schönen Beschluß:Die cm Rhein gelegenen Ortschaften sollen veranlaßt werden, am Ufer Tafeln mit ihren Namen aufzustellen, damit die Vorüberfahrenden ohne Mühe zu erkennen ver­mögen, welchen Ort sie vor sich haben." Dazu bemertt derKunstwart": Wir bitten dringend, nur ja recht deutlich! Der Rhein ist breit und | die Schiffe fahren ja in der Dämmerung und I bet Nebel: vier Meter hoch mässen die Vuch- I staben mindestens werten, wenn man sie aus I der Ferne gut lesen soll. Und recht schön schwarz I auf knallweiß! Abends mußte man sie während derSaison" beleuchten. Aber es müßten sich I auch die etwas abgelegenen Ortschaften und je großer e'itieren, je weiter sie auf den rad- fahrenden Fremdling zu schreien hätten. Ferner versteht fich's von selbst, daß die sonstigen Sehenswürdigkeiten nicht zurückbleiben. Wie wird die Pfalz und der Mäuseturm gewinnen, wenn man erst recht hübsch deutlich dran lesen kann:Pfalz" undMäuseturm", wie nett wird es fein, wenn man am Loreleifelsen nicht mehr zweifeln kann, ob es auch der richtige ist, und wenn man an- all den Ritterburgen rechts und' links wie an Affenkäfigen mit Namensschildern iwrbefführt. Gar nicht zu sagen, wie das der Rheinpoesie aufhelfen und wie es die Reisenden anlocken wird!

! * Rosegger über Sprachsünden. In einer

hübschen Plauderei überSprachsünden" in fei» I item BucheSünderglöckel" behauptet Peter Rosegger, feine Muttersprache lerne man zwar auch in der Schule, aber noch besser im Leben. Dann wendet er sich gegen diejenigen Sprach­bücher, dje durchihre entsetzlichen Fremdwör­ter Artikel Prädikat, Deklimaticn, Substantiv, Subjett, Konjugation, Adjektiv, Pronomen, Ad- verbium usw., die sie in die deutsche Sprache hineinzerren," dem deutschen Kinde dieGram­matik" und so die Muttersprache selbst gründlich verleiden. Rosegger wendet sich dann gegen fremden Schwall und Schwulst und redet ein­facher, klarer und gefälliger Sprache mit Recht das Wort. Dazu gibt er folgende hübsche Bei­spiele : Hat der Deutsche Zeit, so sagt er:Es tritt an uns die dringende Aufforderung heran, für die Befestigung unserer Existenz bedacht zn sein." Hat er nicht Zeit, so sagt er:Wir müs­sen uns unserer Haut wehren." Hat er Zeit, so sagt er:Es wäre höchst wünschenswert, wenn den Forderungen der Opposition Ausdruck ver­liehen würde." Hat er nicht viel Zeit, so meint er:Die Gegenpartei soll ihre Meinung sagen." Ist der Mann gespreizt, so sagt er:Eine Cpe-