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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

Sonntaasb-ilaae: AUuttvirtes SorrrrtaaEatt.

J2 135

vierteljährlicher Bezugspreis: bet der Expchition 2 Wk» bet allen Postämtern 2,25 Mk. (.ejcU Bestellgeld).

Jnserttonsgebuhr: die gespaltene Zelle oder vrren Raum 15 Psg.

Rcclainen: die Zeile 80 Psg.

Marburg

Mittwoch. 12. Juni 1907.

Erscheint wöchentlich siebe« mal.

Druck imb Verlag: Joh. A«g. Koch, UniversitätS-Buchdruckerei 42. Jahrg.

Marburg, Markt 21. Telephon 55.

Freisinnige Propheten in der Wüste.

Staatssekretär Dernburg hat vor kurzem im ,.Berl. Tgbl." eine längere Erklärung dafür ver­öffentlicht, aus welchen Gründen es ihm un­möglich gewesen sei, überall Kaufleute an Stelle Her Berufsbeamten in unsere Kolonialverwal- tiuig drinnen und draußen zu bringen. Im Verlauf dieser an und für sich sehr interessanten Darlegungen hat der Kolonial-Staatssekretär auch «Ser^bie Bedeutung einer blü­henden Landwirtschaft im Lande für Industrie und Gewerbe ein über­raschend treffendes Urteil abgegeben, das bisher noch nicht genügend beachtet worden ist. Es sei noch gar nicht tauge her, daßdie Land- und Grundbesitzer mit ihren Interessen von weiten Teilen des Volkes nicht verstanden wurden", schreibt Staatssekretär Dernburg. Noch vor zehn Jahren habe seinFreund und Meister" Dr. Georg von Siemens, (bekanntlich freisin­niger Reichstagsabgeordneter, Bankdirektor und als Grundbesitzer Mitglied der Milchzentrale in Berlin), dessen Charakterfestigkeit als liberaler Politiker von keiner Seite angezweifelt werden könne, ganz allein unter seinen Freunden ge­standen, wenn er in der Stärkung der Kaufkraft der deutschen Landwirt­schaft die Sicherung der Zukunft der deutschen Industrie sah. Er ent­sinne sich noch der Verwunderung, die folgender Siemensscher Ausspruch hervorgerufen habe:

Die deutsche Industrie wird für sich selbst ein viel Größeres leisten, wenn sie es fertig bringt, an jedes Bauernfenster eine Gardine und in jede Bauernstube einen Teppich zu brin­gen, als wenn sie durch Pousiieren des Ausfuhr­geschäfts die deutsche Industrie dauernd von der Kaufkraft und dem Wohlwollen des Auslandes abhängig macht!" . A

An diesen staatsmännischen Ausspruch seines verstorbenen Freundes und Meisters fügte der frühere Bankdirektor, jetzige Staatssekretär Dernburg noch folgende eigenen Worte:

Wer die Entwickelung der deutschen In­dustrie verfolgt hat und ihr heutiges Blühen scharf beurteilt, wird zu dem Schluffe kommen, brß diese zurückzuführen ist auf die Verstärkung des inneren Konsums und die da­raus folgende Unabhängigkeit von ausländischer Konkurrenz!" " So sehr und so vollkommen wir mit diesen ,Steuerungen der beiden inTBankierstande groß gewordenen freisinnigen Politiker übereinstim- Unen, so wenig vermögen wir dem Staatssekretär 0u glauben, daß in den über die Ketzerei des j Herrn von Siemens am Manchesterdogma vor ! zehn Jahren verblüfften Kreisen jetzt eineer-

4 (Nachdruck verboten.),

Heimweh «ach Glück.

Roman von Erich Friesen.

' '(Fortsetzung). T-'

Leicht, tote auf Elfenfüßchen, schwebt die weiße Gestalt von bannen ein Traumbild aus ..Tausend und einer Nacht".

Auch der alte Marchese eilt hinweg, c : ' Rolf ist sich selbst überlasten.

Er sieht, tote Angelina auf den brünetten Herrn zuschwebt, sieht, wie er mit einer gewissen Vertraulichkeit ihre Hand durch seinen Arm zieht, sieht, wie das zarte Gesichtchen mit einem, ihm sonst fremden, schwärmerisch anbetenden Ausdruck zu dem dunklen Männerkopf aufblickt und er hat die Empfindung, als springe plötzlich eine Saite in seinem Innern.

, Wer ist jener Mann? Was vor allem ist er Angelina? Was diesem Hause? ...

i Jähe Blässe überhaucht Rolfs frische, offene Züge. Ihm ist plötzlich, als wäre es bester ge­wesen, wenn er heute gar nicht hergekomme«. ! Bester für ihn, bester für Angelina. Bester für sie alle.

i Ahnt er die grauenvolle Tragik des Geschicks, besten Fäden in diesem Moment sich zu knüpfen beginnen? ...

i Der Saal hat sich fast geleert. Nur von Rente hört man schmeichelnde Mendolinen- flänge, untermischt mit perlendem Mädchen- ölachen.

Da tänzelte eine mit auffallender Eleganz gekleidete ältere Dame auf Rolf zu. Ohne von bei ersichtlichen trüben Versunkenheit des jungen Mannes auch nur die geringste Notiz zu nehmen, redet sie atemlos auf ihn ein, dabei aufgeregt den großen Ctraußenfederfächer vor dem er­hitzten Gesicht hin und her bewegend.

!Liebster, teuerster Neffe! Endlich zurück! iMein Bruder schickt mich;; ich soll Dich unten j halten, bis die Polonäse zu Ende ist. Was ifagft Du zu unserer Angelina? Hat sich sehr

hebliche Aettderung der Anschauungen" einge­treten sei. Der manchesterliche Linksliberalis­mus der Kreise, denen Siemens und Dernburg angehörten, würden gewiß über dieagrari­schen" Anwandlungen des letzteren heute genau so erstaunt gewesen sein, als vor zehn Jahren über die seinesFreundes und Meisters". Sieht inan es denn nicht täglich vor Augen, wie diese linksliberalen Kreise und ihre Presse rastlos weiter die Jagd nach dem Exportglück betreiben, wie sie fortgesetzt dem Auslande unsere agrari­schen Schutzzölle, sogar den SeuiMschutz der deutschen Viehbestände einen nach dem andern bereitwilligst hingeben möchten, wenn sich dafür auch nur die entfernte Möglichkeit einer vor­übergehenden Exporterleichterung eintauschen ließe? Niemand von diesen Manchesterleuten beachtet im geringsten, daß es unsere Industrie auf das schwerste schädigen müßte, wenn der schutzlos preisgegebene deutsche Bauer keine Gardinen, Teppiche" und andere Jndustriepro- dukte mehr kaufen könnte. Staatssekretär Dern­burg wird genau so wie früher der freisinnige Politiker von Siemens ein vereinsamter Pro­phet in der Manchesterwüste bleiben.

Die Autler.

Wir sind jetzt wieder in die liebliche Jahres­zeit eingetreten, in der draußen int Freien auf langen Strecken der Duft der Blumen von üblem Benzingeruch gar arg bedrängt wird. Einseitige, zu gedankenloser Bewunderung nei­gende Sportsfreunde preisen die in oft wahn­sinniger und tollkühner Schnelligkeit dahin- sausenden Kraftwagen und staunen ihre staub­bedeckten Leiter fast als Halbgötter an. Dabei scheint leider an zuständiger Stelle nicht bemerkt zu werden, daß sich in breiten Volkskreisen die berechtigte Abneigung gegen die Ueberautler allmählich in eine Erbitterung verwandelt hat, deren Fortbestand wahrlich nicht im allgemeinen Jntereffe liegt. Tagtäglich meldet die Tages- preffe von Unglücksfällen, die die Mordsautler auf dem Eewiffen haben. Es murrt der Klein­bürger und Arbeiter, deffen knapp bemessene Er­holungszeit durch die Autler stark beeinträchtigt wird, es sorgen die Eltern, die ihre Kinder durch die Großbebrillten bedroht glauben, und un­mutig fragt der Bauersmann, ob denn die Landstraßen für fein Gespann, das die Früchte des Feldes dem Konsumenten zuführt, geschaffen seien ober für eine kleine Minberheit von Leu­ten, bie ben Wert ihrer Zeit regelmäßig zu hoch einschätzen. Obendrein aber finden sich unter den Autlern auch noch Elemente, bie auf bet Erbitterung Mühle durch ihr herrisches und

verändert in dem letzten Jahre, wie? Vom Kind zur Jungfrau ist nur ein Schritt. Wie bist Du übrigens hergekommen? Das Schiff ist doch ausgeblieben! Na, schließlich ift's ja egal, wenn Du nur da bist! Und jetzt bleibst Du recht lange, nicht wahr? Ich hab' Dir so viel zu erzählen, so fürchterlich viel zu erzählen? Du wirst sicher staunen. Wenn mich nur meine neapolitanische Schneiderin nicht Hütte sitzen taffen! Denk nur, dies Kleid trug ich schon auf dem Ball bei bet Contessa bi Rudeni! Wollte biesmat in Orangefarben mit dunkelblau er­scheinen und dazu große Büschel von roten Ka­melien. Run bin ich wieder grün, olivgrün mit altgolb; bas steht mir gar nicht, sagte gestern noch mein teurer Bruder, Dein guter Onkel Carlo! Wirklich schrecklich! Dahinten späht Amselnw umher. Gewiß sucht er mich wegen des Einkühlens des Champagners. Ich muß eben überall fein; ohne mich geht alles schief und krumm. Auf Wiedersehen, lieber Reffe! Auf Wiedersehen! Mach Dir's nur bequem. Du bist ja hier zu Hause!"

Und, ihre lange olivgrüne Seidenschleppe über den Arm nehmend, will die spaßige Dame wieder davon tänzeln.

Da fühlt sie sich am Arme festgehalten.

>Einen Augenblick, Tante Petronella!" Natürlich, natürlich! Auch zwei, mein teurer Reffe. Was willst Du wissen?"

Du kennst einen Fürsten Arturio Tor- lornia?"

Pftffiges Lächeln zieht den ohnehin großen Mund der Dame ganz breit.

Ob ich ihm kenne hahaha!"

'1Er ist hier auf dem Fest?"

*Natürlich, natürlich?"

Kannst Du ihm eine Botschaft bringen, Tante Petronella?" .. ;

Aber gewiß!" -»v

Dann sage ihm, droben im kleinen Privat­salon wartet ein Herr auf ihn, der ihn sobald wie möglich zu sprechen wünscht! Verstehst Du sobald wie.möglich!" - *- --

rücksichtsloses Auftreten immer neues Wasser leiten.

Kein Verständiger denkt daran, unserer auf- blühenden Automobil-Industrie Steine in den Weg zu legen. Aber nicht nur die Rücksichts­losigkeit vieler Autler, sondern auch ein unleug­bar zu weit gehendes Entgegenkommen amt­licher Stellen gegenüber autelnden Wetffahrern sorgt dafür, daß man sich dieses Aufblühens nicht recht freuen kann. Wie weit dieses Ent­gegenkommen zur Benachteiligung wichtiger Er- werbskreise geht, dafür hat dieser Tage ein kon­servativer Abgeordneter in einer Zuschrift an dieKreuzzeitung" ein Schulbeispiel mitgeteilt. Es handelt sich um das Automobilwettrennen im Taunus. DieKreuzzeitung" schickt in tat­sächlicher Hinsicht voraus, daß die nach der Ver­fügung des Regierungspräsidenten am 13. Juni von früh 3 Uhr bis 4% Uhr nachmittags und am 14. Juni von früh 5 Uhr bis 3 Uhr 20. Min. nachmittags für jeden Verkehr vollständig ge­sperrte Rennstrecke nach der offiziellen Strecken- brrte des Automobilklubs eine Länge von 118,1 Kilometer hat. Sie berührt im ganzen 20 Ort­schaften, außerdem mehrere Einzelansiedelungen. In dem, von höheren Ministerialbeamten be­arbeiteten v. Bitterschen Handwörterbuche der preußischen Verwaltung Band 2, S. 784 wird als Gegenstand der Wegepolizei angeführt: Die Fürsorge für die ungeschmälerte Erhaltung der Wege für den öffentlichen Verkehr, sowie der Schutz der Wege gegen Schädigung und des Ver­kehrs auf ihnen gegen Störung. Der betref­fende Abgeordnete aber sagt mit Recht:Die Rechtsbeftändigkeit jener Verfügung erscheint im höchsten Maße zweifelhaft. Kann eine Regie­rungsverfügung überhaupt den Verkehr und bie Kreuzung öffentlicher Wege im Jntereffe einer Industrie in ber verkehrsreichsten Jahreszeit in solcher verkehrsreichen Gegend einfach verbie­ten? Die in Frage kommenden Wege sind in der Hauptsache Eigentum des Bezirksverbandes Wiesbaden und von diesem auf öffentliche Kosten, d. h. durch Bezirkssteuern zu unterhal­ten. Ist die Verwaltung des Bezirksverbandes verpflichtet oder auch nur berechtigt, zu dulden, daß ber Verkehr in einem großen Teile des Re­gierungsbezirks in so einschneidender Weise be­hindert wird? Wenn auch anzunehmen ist, daß die Jntereffenten des Automobilspotts zur In­standhaltung der Wege vor dem Rennen einen namhaften Beitrag leisten, wer trägt bie sehr erheblichen Kosten der Wiederinstandsetzung der Wege nach dem Rennen? Daß diese sehr erheb­lich fein werden, ist unzweifelhaft, denn es han­delt sich nicht etwa nur um bie Abhaltung ber Rennen. Schon seit Monaten wird unter arger Belästigung des Verkehrs auf der Rennstrecke

III.

Vorüber das glänzende Fest in ber Villa Helios.

Versprüht bie drehenden Sonnen. Abge­brannt die bengalischen Flammen. Ausgelöscht die elektrischen Lichter.

Dunkel liegt bet weite Park da.

Dunkel auch die ganze Villa Helios.

Doch nein zwei Fenster nach ber hinteren Parkfeite find noch matt erleuchtet.

Es ist Rolfs Schlafgemach bas Zimmer, das er seit seiner Knabenzeit stets inne hat.

Der junge Mann hat sich noch nicht entklei­det. Den blonden Kopf in die Hand gestützt, fitzt er am runden Sofatisch und grübelt.

Ihm zu Füßen liegt Nero, die große englische Dogge, sein Lieblingshund, der ihm auf Schritt und Tritt folgt.

Zärtlich schmiegt der kleine Kopf des Tieres sich an Rudolfs Knie, während die treuen Augen jeder Bewegung seines Herrn folgen.

Du gutes Tier!" murmelt Rolf wehmütig, Du freust Dich, daß ich zurückgekehrt bin! . . . Du allein!"

Und, als ob der Hund die Empfindungen feines Herrn verstände, sitzt er stille, ohne sich zu rühren.

Plötzlich leises Knurren. Nero hebt den Kopf.

Und nun draußen Schritte.

Dann klopfen an der Türe.

Der Hund springt empor.

'Kusch, Nero! Ruhig!"

Jetzt erst öffnet Rolf.

Verzeihen Sie, daß ich Sie so spät noch auf- suche," läßt sich eine weiche geschmeidige Män­nerstimme vernehmen. Haben Sie einige Mi­nuten Zeit für mich übrig, bevor Sie sich zur Ruhe begeben, mein junger Freund?"

Rolfs Stirn verfinstert sich. Er ist nicht in ber Stimmung zu einer aufgezwungenen Unter­haltung am allerwenigsten mit bem Manne da, ber, gleich wie et selbst noch in voller Ge- fellschaftstoilette, kühl überlegen vor ihm steht.

von ben beiteiligten Firmen trainiert, und meh­rere Menschenleben sind schon hierdurch verloren gegangen. Kann ben Steuerzahlern bes Bezirks Wiesbaden zugemutet werden, im Jntereffe eines kleinen, zum allergeringsten Teil im Be­zirk Steuern zahlenden Teils der Industrie solche große Opfer zu bringen? Vor allem aber, kann die Aufsichtsbehörde Unglücksfälle unbetei­ligter Personen beim Trainieren und bei den Rennen verhindern? Die oben mitgeteilten Verluste an Menschenleben schon während der Vorbereitungen zum Rennen beweisen das Ge­genteil."

Sonach ist das hier den Autlern bewiesene Entgegenkommen mit den Aufgaben der Wege­polizei unvereinbar. Und der preußische Poli- zeiminister? So viel Rühmliches auch von der bisherigen Amtstätigkeit des Herrn von Beth- mann-Hollweg gemeldet werden kann, in der Autlerfrage hat er es leidet nicht verstanden, zu einem volksfreundlichen und sachlich berechtigten Standpunkte zu gelangen. Er schöpft aus der Tatsache, daß man sich allmählich an die Rad­fahrer gewöhnt habe, die Hoffnung, man werde sich schließlich auch an bie Autler gewöhnen, und bas ist alles. Dabei übersieht er leider, daß zwischen einem Fahrrad und einem Kraftwagen nach Gewicht, Kraft usw. und zwischen einem umgefahrenen und einem totgefahrenen oder zum Krüppel gemachten Fußgänger schließlich doch ein kleiner Unterschied besteht. So lange aber an dieser einflußreichen Stelle nicht andere Seiten aufgezogen werden, wird die Mahnung die vor Jahren Prinz Heinrich von Preußen bei Autlern zugerufen hat:Du sollst Deinen Näch­sten lieben wie Dich selbst!" kaum ben wün­schenswerten Erfolg haben.

Deutsches Reich.

Das deutsche Kaiserpaar wird sich, wie das Ritzausche Bureau in Kopenhagen mitterlt, am 3. Juli nach Dänemark begeben, um >em Köniz und der Königin einen Besuch abzustatten. Der Aufenthalt soll sich auf einige Tage erstrecken.

Bundesrat. Berlin, 10. Juni. In der heutigen Sitzung bes Sunb«s'Vsjutöe über bie Berechnung bes Hint-rbl^b-nen-Versicher- ungsfonbs gemäß bet dem § 15 des Zolltarif­gesetzes vom 25. Dezember 1902 zu überweisen­den Zollbeträge Beschluß gefaßt.

Die Haager Konferenz, die am nächsten Sonnabend zusammentritt, wird sich, wie bas Verl. Tgbl." erfahren hat, in den beiden ersten Sitzungen mit bet Festsetzung des Arbeitsplanes und ber Entgegennahme von Anträgen befaffen. Auch die deutschen Delegierten dürften einige Anträge einbringen. Dann werden die

Doch unterdrückt er feinen aufquellenden Un­mut.

Gewiß, Fürst Torlonia. Wollen wir nkchß lieber in ben Salon nebenan gehen? Es ist g<> mütlicher."

Der Fürst nickt und schreitet Rolf voran bie weite Halle entlang, bis zum kleinen, ganz in Rot unb Gold gehaltenen Empfangssalon, wo er sofort bas elektrische Licht aufdreht.

Rolf und ber Hund folgen, wobei Nero eine ganz eigentümliche Unruhe zeigt.

Der Fürst nimmt Platz auf einem der vielen bequemen Sessel und bedeutet Rolf, sich neben ihn zu sehen.

Ich habe Ihnen noch tausendmal zu dan­ken für Ihre große Liebenswürdigkeit, mit der Sie meinenarmen alten Freund" in Ihrem Boot einen Platz einräumten," beginnt er nach kurzer Pause, während welcher Rolf sein Gegen­über mit nichts weniger als freundlichen Blicken betrachtete.

Der Ton, in welchem der Fürst die Worte meinen armen alten Freund" ausspricht, be­rührt Rolf unangenehm. Abwehrend hebt er bie Hand.

Warum haben Sie ben Herrn nicht hier be­halten?" fragt er kühl.Wenn er IhrFreund" ist, würde mein Onkel ihm gewiß ein Zimmer eingeräumt haben, wie so vielen seiner Gäste!"

Leises Lächeln umspielt bie schmalen Lippen bes Fürsten.

Ich selbst habe meinem Freunde diesen Vorschlag gemacht; aber er schlug es ab. Er ist. eben eine etwas exzentrische Natur, mein armer alter Freund"?"

Schon wieder dieser fatale Ton. Rolf zieht die Brauen zusammen. Er weiß nicht recht, was ihn an ben Fürsten Torlonia so anti­pathisch berühtt vom ersten Augenblick an. Eine ausgesprochene Antipathie, bie sich auch nicht verlor, als ber gute Onkel Carlo bie beiden Herren miteinander bekannt machte, und der Fürst sofort feine glänzende Konversationsgabe schillern ließ. (Fortsetzung folgt.)