mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
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Marburg
Dienstag, 11. Juni 1907.
Erscheint wöchentlich siebe» mal. _ ,
Druck und Verlag- Joh. Äug. Koch, UnivcrfitätS-Buchdruckerei 42. Jayrg. Marburg, Markt 2L — Telephon 55.
Kraftfahrzeuge.
Im zweiten „Vierteljahrsheft zur Statistik des Deutschen Reichs", welches soeben erschienen ist, findet sich u. a. auch eine Statistik über den Bestand und Verwendungszweck der Kraftfahr- geuge im Deutschen Reich nach dem Stande am 1. Januar 1907. In dieser Zusammenstellung, welche etwa 27 000 Kraftfahrzeuge umsaht, sind -die Fahrzeuge nach dem Verwendungszweck —
Personen- und zur Lastenbeförderung — ge- .sondert und innerhalb dieser Klaffen als Krafträder und Kraftwagen geschieden, wobei bei letzteren noch eine Trennung nach der Leistung der Maschinen in Pferdckräften durchgeführt ist. In einer zweiten Nachweisung sind die zur Personenbeförderung dienenden Kraftfahrzeuge nach ihrer besonderen Verwendung getrennt, und zwar als "Fahrzeuge, die im Dienst öffentlicher Behörden, im öffentlichen Fuhrverkehr, im Handelsgewerbe oder sonstigen Gewerbebetrieben, in der Land- und Forstwirtschaft, in anderen Berufsarten Merzte, Feldmeffer usw.) sowie für Vergnu- gungs- und Sportszwecke benutzt werden. In ähnlicher Weise sind die zur Lastenbeförderung dienenden Kraftfahrzeugs behandelt. Bei allen diesen Abscheidungen ist Rücksicht auf die Krast- leistung des Motors genommen worden.
Gleichzeitig mit dem Bestände der Kraftfahrzeuge wird eine Statistik über schädigende Ereignisse bei dem Betriebe von Kraftfahrzeugen in der Zeit pom 1. April 1906 bis 30. September 1906 gegeben. In dieser Zeit sind im Reiche 2290 Automobilunfälle vorgekommen, an denen 2331 Kraftwagen beteiligt waren, die in der ersten Uebersicht in der Weise abgeschieden find, datz zu ersehen ist, inwieweit die Besitzer der Kraftfahrzeuge ermittelt werden konnten, und inwieweit die Führer der Feststellung ihrer Person keine Schwierigkeiten entgegenstellten oder sich der Feststellung durch die Flucht entzogen oder dies zu tun versuchten. Die Zusammenstellung gibt weiter einen Ueberblick über die Zahl der Fälle, in denen Polizeistrafen festgestellt wurden, und zwar gegen Führer von Kraftfahrzeugen oder Führer anderer Fahrzeuge oder gegen dritte Personen. Die Tabelle zeigt weiter, wieviel Polizeiftrafen rechtskräftig wurden und in wieviel Fällen ein gerichtlichen Strafverfahren entweder gegen Führer von Kraftwagen oder gegen dritte Personen eingeleitet worden ist. Aus der zweiten llebersicht ergibt sich die Art und der Standort der an den Unfällen beteiligten Kraftfahrzeuge sowie die Art des verursachten Schadens, die Zahl der verletzten und getöteten Personen und die Höhe des Sachschadens. In ähnlicher Weise sind in einer dritten llebersicht solche
Unfälle besonders behandelt, bei welchen sich die Führer der Feststellung durch die Flucht entzogen und auch die Besitzer nicht ermittelt werden konnten. In einer weiteren Uebersicht find die bei den Unfällen beteiligten Kraftfahrzeuge nach ihrem eigenen Gewicht, nach der Zahl der Pferdekräfte ihrer Maschinen, nach der Art der verwendeten Triebkraft sowie nach ihrem vorzugsweisen Verwendungszweck gesondert. Ueber die Art und Ursache der Unfälle gibt eine fünfte Zusammenstellung Auskunft, aus welcher zu ersehen ist, inwieweit ein Zusammenstoß mit Fußgängern, Radfahrern, Straßenbahnwagen, anderen Kraftfahrzeugen, Reitern und Geschirren oder mit anderen Gegenständen erfolgte, und durch welche Ursachen die Unfälle veranlaßt wurden. In einer sechsten Tabelle sind die Unfälle unter Berücksichtigung der Unfallstelle gesondert, sie läßt erkennen, wieviel Unfälle in Großstädten, in kleineren Städten, auf Dorfstraßen und auf freien Landstraßen erfolgten. Die Tabelle zeigt weiter, an welchen Wochentagen und zu welchen Tageszeiten sich die Unfälle ereigneten.
Im Anschluß an diese Statistik ist ferner eine Gegenüberstellung der in den einzelnen Staaten und Landesteilen am 1. Januar 1907 nachgewiesenen Kraftfahrzeuge und der daselbst während des Sommers 1906 vorgekommenen Unfälle gegeben, wobei die Unterabteilungen die Personen- und Lastfahrzeuge nach der Kraftleistung ihrer Maschine und nach dem Verwendungszweck getrennt find.
Landtagsschluß.
Run hat auch der preußische Landtag, wie der alte Windthorst zu sagen pflegte, „die Bude zugemacht". Die Volksvertreter dürfen daheim oder in der Sommerfrische Erholung suchen, und der kritische Beobachter macht die Rechnung auf, was diesmal beim Zusammenarbeiten von Regierung und Parlament herausgekommen ist. Man darf rühmend anerkennen, daß eine arbeits- und erfolgreiche Seffion zu Ende gegangen ist. Genau 5 Monate hat das Parlament getagt. Das Abgeordnetenhaus hielt 72, das Herrenhaus 17 Sitzungen ab. Vom Etat abgesehen ist eine lange Reihe von Vorlagen verabschiedet worden.
Von wichtigen Vorlagen sind verabschiedet worden die Novelle zum Berggesetz, die Jagdord- nung, das Gesetz gegen Verunstaltung hervorragend schöner Ortschaften und Landschaften, das Wanderarbeitsstättengesetz, die Kreditvorlage zum Zwecke von Ankauf von Grundstücken an den neu herzustellenden Wasserstraßen, und schließlich der Nachtragsetat betreffend die Bewilligung von 13 Millionen Mark zur Gewährung von
Teuerungszulagen im Betrage von je 100 -K an die unteren und deren am meisten bedürftigen mittleren Beamten. Wenn die Berücksichtigung der mittleren Beamten auch nicht ganz so weit geht, wie dies im Reiche geschehen ist, so wird die Bereitstellung von 5 Millionen Mark zur Verwendung für diese doch einem großen Teile derselben, insbesondere denjenigen, welche in- bezug auf das Gehalt den Unterbeamten am nächsten stehen, eine überaus erwünschte Zulage bringen. Nahezu die Hälfte der Gesamtzahl der mittleren Beamten wird bei dieser Zuwendung berücksichtigtwerden können. Wenn man bedenkt, wie große finanzielle Schwierigkeiten der Bereitstellung der dazu erforderlichen Geldmittel entgegenstanden, so wird man anerkennen müssen, daß der Finanzminister mit der Zustimmung zur Einstellung dieses Betrages in den nächstjährigen Etat einen Beweis weitgehender Fürsorge für die preußischen Beamten geliefert hat.
Preußischer Landtag.
Das Abgeordnetenhaus beschäftigte sich in seiner 72. Sitzung vom 8. Juni zunächst mit einer Petition des Magistrates zu Berlin. Diese forderte: 1. Aenderung der §§ 33, 35, 60 des Kommunalabgabengesetzes (Heranziehung des Einkommens aus gewinnbringender Beschäftigung zur Eemeindeeinkommensteuer in derjenigen Gemeinde, in der die gewinnbringende Beschäftigung stattfindet, auch wenn sie nicht die Wohn- sttzgemeinde des Steuerpflichtigen ist), 2. Heranziehung des gesamten dienstlichen Einkomn:ens der Beamten, Geistlichen und Lehrer zu der Eemeindeeinkommensteuer. Die Kommission beantragte, die Petition teils durch Tagesordnung zu erledigen, teils zur Erwägung zu überweisen. Abg. Rosenow (frs. Vp.) bat, die gesamte Petition zur Erwägung zu überweisen. Geh. Oberfinanzrat Dr. Strutz wies Angriffe zurück, die anläßlich der Kommisfionsberatung ein Berliner freisinniges Blatt gegen ihn gerichtet hatte und die seine Stellungnahme auf seinen Wohnort außerhalb Berlins zurückführten. Das Verlangen der Petition sei sachlich ungerechtfertigt. Abg. Hammer (kons.) verwies auf die erheblichen Vorteile, die Berlin von den Vororten habe. Das Haus beschloß nach dem Kommissionsantrage.
Petitionen von Volksschullehrern und Lehrerinnen um Revision des Lehrerbesoldungsgesetzes wurden als Material überwiesen. Abg. v. Ezarlinski lVole) wurde wegen der Aeußer- ung, der Kultusminister habe sich von der Regierung zu Marienwerder belügen kaffen, vom Präsidenten v. Kröcher zur Ordnung gerufen.
Nach Erledigung weiterer Petitionen befchb/ß das Haus auf Antrag des Abg. v. Pappenhel» (fonf.) sich zu vertagen. Präsident v. Rtöfct machte noch Mitteilung vom Tode des Ab- Wolgast (frs. Vp.) Das Haus ehrte das An- denken des Verstorbenen in der üblichen Art,
Abg. Hobrecht (natl.) sprach dem Präsidenten für seine Geschäftsführung den Dank des Hauses aus. (Beifall.) Präsident v. Kröcher dankt« dem Redner für die anerkennenden Worte und ebenso dem Hause, daß es sich diesen Worten angeschloffen. Er müffe aber sagen, daß er diesen Dank nicht voll verdinet "habe, denn er habe tu dieser Session manchen Schwupper gemacht, (Heiterkeit), aber noch mehr Fehler, die nicht gemerkt worden seien (Heiterkeit). Es sei nur so gut gegangen, weil man so ungeheuer liebenswürdig gegen den Präsidenten gewesen sei und weil er so treffliche Unterstützung bei dem Vizepräsidenten und dem Schriftführer gefunden habe. Auf diese Herren dehne er den ihm ausgesprochenen Dank mit aus. (Beifall.) Der Präsident schloß: „Wir sind nun anscheinend am Schluffe unserer Geschäfte angelangt. schließe die Sitzung mit dem Rufe: Se. Majestät der Kaiser unser allergnädigster König und Heri lebe hoch!" (Die Versammlung stimmte dr:r. mal lebhaft in bc:t Ruf ein.) Schluß nach %1 Uhr.
Herrenhaus. Der Vizepräsident Becker begrüßte das neu in das Haus eingetretene Mitglied Staatssekretär Grafen Posadowsky. einmaliger Schlußberatung wurden angenem* men der Lotterievertrag mit Waldeck, der Entwurf zur Erweiterung des Kaiser Wilhelm- Kanals, der Nachtragsetat mit den Teuerungsvorlagen, die Jagdordnung und die Wegeord- nung für die Provinz Posen. Damit ist die Tagesordnung erledigt. Reichsbanrprafident Dr. Koch dankte dem Präsidium für die umsichtige Geschäftsführung. Vizepräsident Becker dankte und schloß dann die Sitzung mit einem dreifachen Hoch auf den König. Schluß 1214 Uhr.
Die Schlußsitzung beide« Häuser des Landtages fand nachmittags 3 Uhr statt. Präsident v. Kröcher eröffnete die Sitzung und berref zu Schriftführern die Herren Grafen v Hutten- Czapski und von Arnim-Boitzenburg sowie die Abgeordneten Grafen Praschma und Holtsch.e. Ministerpräsident Fürst Bülow verlas hieraus die allerhöchste Botschaft, nach der die gegen; roärtige Session geschloffen wird. Präsident v. Kröcher: Se. Majestät der Kaiser unser aller- gnädigster König und Herr lebe hoch! (Die Versammlung stimmte dreimal lebhaft in den Rus ein Der Saal leerte sich, während Fürst Bulow noch längere Zeit im Gespräch mit dem Grafen Mirbach und anderen Parlamentariern verweilte. Schluß nach 3 Uhr.
8 (Nachdruck verboten.),
Heimweh nach Glück.
Roman von Erich Friesen.
(Fortsetzung).
2. 'NWW'
> Gegen elf Uhr nachts. . . .
' Strahlendes Mondgeflimmer. Glitzernde Sttkmenpracht.
। Eine jener märchenhaft träumerischen, von milden Lüften durchhauchten Zaubernächte, wie |ie im Süden so oft einem glühenden, gemittet; und sturmdurchtobten Schirokko - Tag folgt — eine Nacht, die sich beruhigend in aufgeregte Herzen schmeichelt und bedrückte Seelen wieder mit warmer Lebensfreudigkeit erfüllt, dem Glücklichen aber sein Glück erst recht zum vollen Empfinden bringt.
In feenhaftem Glanze erstrahlt bet Park der Vila Helios. t
In her Ferne Gitarren- und Mandolrnen- klang. Schmelzende Weisen durchzittern die weiche Luft. . M t L
Und jetzt aufsprühende buntfarbige Raktten. Drehende Sonnen. Taghell erschimmernde bengalische Beleuchtung.
In der etwas zurückliegenden Vila alle Fenster erhellt.
„Evviva! Evviva!" frohlockt es durch die schweigsame Nacht.
Dann Eläsetklingen. Ueßermütiges Mädchenlachen. Stürmischer Jubel.
Durch ein ihm bekanntes Hinterpförtchen tritt Rolf mit seinem Begleiter ein ins Haus.
Sein Herz vocht rascher. Et weiß, er kommt Noch nicht zu spät. Das Festeffen ist kaum beendet: die Polonäse hat noch nicht begonnen.
,Jch will mich nur in Lack, Frack und Clague werfen. Dann bin ich wieder unten," raunt et seinem Gefährten hastig zu. „Werde einem Dienet Auftrag geben, daß er sie vorläufig.in den kleinen Privatsalon geleitet und .ößnen eine Erfrischung bringt, mein Herr. Au) Wiedersehen!"
Schnell eilt er die Treppe hinauf.
Nicht mehr sieht et den entsetzten Blick des andern; nicht mehr hört et die fast heiser hervor- gestoßenen Worte:
„Rein, nein — um Eotteswillen, nein! Wie könnte ich einen Biffen zu mir nehmen unter diesem Dach!"
Seine Gedanken weilen schon drunten in den festlich geschmückten Sälen — bei ihr, deren achtzehnten Geburtstag man heute so pompös feiert, bei seiner Cousine Angelina--
Noch lange kein Iaht ist et fort gewesen von dieser Scholle, und schon erscheint es ihm wie eine halbe Ewigkeit. Wie verlangt ihn darnach, dem braven Onkel die Hand zu schüttelii, Angelina in das strahlende Gesichtchen zu blicken, ihr herzlich „Willkommen daheim!" zu vernehmen, die lieben Augen in inniger Zuneigung auf« leuchten zu sehen--
Ein kräftiger Tusch weckt ihn aus seinen Träumereien. ,
Der Ausruf zur Garten-Polonäse. .j*
Also rasch!
In wenig Minuten ist die Toilette beendet.
Mit vor Erwartung gerötetem Gesicht eilt er hinab nach den Eesellschaftsräumen.
Auf der Schwelle der weit geöffneten Flügeltür bleibt er einige Sekunden stehen. Mit einem Blick umfaßt et den ganzen festlich dekorierten Saal. Auf einer erhöhten Estrade harrt die Musikkapelle, des Winkes gewärtig, um die Garten-Polonäse anzufühten.
Soeben arrangieren sich die einzelnen Paare.
Glänzende Uniformen. Weißleuchtende Schultern und Arme. Funkelnde, sprühende Augen. Glitzernde Diamanten. Ein Hin- und Her- bewegen edelsteingeschmücktet Fächer, ein Neigen und Wiegen, ein Lächeln und Flüstern, ein Scherzen und Kokettieren — echt südlicher Frohsinn voll Verve und Grazie.
All diese strahlende Schönheit beachtet Rolf Asien nicht. Ungeduldig irrt fein Blick an den einzelnen Paaren vorbei. -. .
Und jetzt leuchtet es in leinen blauen Augen auf
Am Ende des Saales steht eine wunderziet- liche Mädchengestalt. Er kann ihr Gesicht nicht sehen; aber er kennt das goldigglänzende Haar, das in langen Wellen fessellos übet Schultern und Rücken fällt, bis weit über den silbernen Gürtel, welcher das lose, weiße Spitzengewand zusammenhält; kennt die unvergleichlich graziöse Haltung des feinen Köpfchens kennr die scherzend abwehrende Bewegung der kleines diamantenfunkelnden Hand.
Neben dem Mädchen, nachlässig an eine der gedrehten Marmorsäulen gelehnt, steht ein mittelgroßer, tiefbrünetter Mann in tadellosem Eesellschastsanzug.
Er scheint dem Still-Beobachtenden dort auf der Türschwelle bereits etwas angejahrt — besonders im Vergleich mit der «erlichen kindlichen Mädchengestalt, zu der er sich eben herabbeugt, um ihr etwas zuzuflüstern.
Mit der ihr eigenen, halb schmollenden, halb neckischen Eeberde antwortet die junge Dame, indem sie sich ein wenig umwendet.
In diesem Augenblick bemerkt sie den einsamen Mann auf der Türschwelle. Gin Freudenschimmer verklärt die feinen, durchsichtig zarten Züge.
Impulsiv, mit ausgestreckten Händen eilt sie auf den jungen Mann zu.
„Rolf! Lieber Rolf! . . . Endlich!"
Mit festem Griff faßt Rolf die beiden kleinen Hände.
„Angelina!"
Sein Blick sucht den ihren.
Doch schon hat fie sich losgemacht.
„Vater? Vater!" ruft fie lebhaft, mit heller, froher Stimme. „Rolf ist da! Unser lieber Rolf!!"
Verschiedene Paare werden aufmerksam. Von allen Seiten eilt man herbei um den jungen Mann, welchen die meisten rennen zu bewillkommnen.
. Halloh, Junge! Brav, daß Du gekommen bist!" ruft mitten hinein fn »en Begrüßungstrubel eine joviale, behäbige Männerstimme. „Angelina hat den ganzen Abend den Kops
hängen lassen, daß ihr Rolf nicht anwesend ist an ihrem Ehrenfeste. . . . Na, werd' nur nicht gleich rot, kleiner Hitzkopf! 's ist doch wahr! ... Nun bist Du wohl zufrieden, was?" /
Und liebevoll tätschelte der alte Craubark das gesenkte Gesichtchen, das plötzlich wie mit Blut übergoffen ist.
Voll Entzücken ruht Rolfs Blick auf dem liebreizenden Mädäienbild. Jetzt erst empfindet er mit vollster Klarheit, was ihn so mächtig her- zog nach dem wonnevollen Eiland. Nicht die grandiosen Felsschrofen, nicht der weitgerühmte Zauber der Sireneninsel; auch nicht der brave Onkel dort, der ihm seit Jahren Vater mar.
Nein ein Paar meerestiefe, unergründliche Augen, ein roter, lächelnder Kirschenmund, eine kleine, biegsame Elfengestalt mit langem wallendem Loreleyhaar--
„Die Polonäse beginnt!"
Mit schallender Stimme ruft es der Festordner durch die Säle. .
„Darf ich?" fragt Rolf fröhlich, der Cousine den' Arm bietend. , . ,, ... .
Sie schüttelt den Kopf, wobei ihm ist, a.s husche etwas wie Befangenheit über das reizende
„Nicht? . . . Wir führten doch stets seit Jahren die Polonäse an bei allen Festen in der „Vila Helios"? Warum nicht heute?
„Du kamst zu spät, Rolf, zch bin schon engagiert. Es tut mir_ herzlich leid, aber ich kann wirklich nichts dafür."
Mit einer gewissen Unruhe blickte sie hinüber nach der Marmorsäule, an der noch immer jener tiefbrünette Herr lehnte, die Lippen von leicht sarkastischem Lächeln umspielt wahrend seine schwarzen, etwas tiefliegenden Augen dm Gruppe beobachteten. .
„Ah, Torlonia!" lacht der Oberst jovial..,^ verstehe. Ra ja, dann lauf nur, kleine He«e^ Die Polonäse wartet. Kannst ihm später Rolf vorstellen. Marsch!" . , ,, |
, .... (Fortsetzung folg!.) :