mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
L onntaasbeilaaerÄUuktrirtes TsntttaasLlaSL.
Jis. 133
———a—3—igaao—wK»
Vierteljährlicher Bezugspreis: bet der Exptdition 2 Ml* bei offen Postämtem 2,25 Mk. (ejcl. Bestellgeld).
JnserttonSgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 1b Pfg.
Rcelanien: die Zeile SO Pfg.
Marburg
Sonntag, 9. Juni 1907.
Erscheint wöchentlich siebe« mal.
Druck und Verlage Joh. Aug. Koch, UniverfitLtS-Buchdruckera Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
42. Jahrg.
Erstes Blatt.
f —
Deutscher Grenzkampf.
Von A. Geiser.
Der politische Blick der Deutschen im Reich i)ßt den weiten nationalen Horizont noch nicht ferooHtiew', dessen ein großes Volk bedarf. Die ragenden Türme von Heimatsstadt oder -städt- »hen, das buntslatternde Gewirr der Parteibanner und Fähnlein, die düsteren Schranken bcr konfessionellen Gegensätze verdecken ihn dem Auge der meisten. Westen Blick über sie hinweg zu den schwarz-weiß-roten Grenzpfählcn tragt, dem erkennt man schon äußerste Sehschärfe zu. wer über ste hinausschaut, den zeiht man der Weitsichtigkeit, und die ist bekanntlich — ein Sehfehlcrl Denn jenseits von diesen Grenzpfählen beginnt das „Ausland", und eine aktive Beschäftigung mit seinen politischen Verhältnissen bedeutet nach dem im Deutschen Reich besonders dickleibigen Spruchwörterbuch diplomatischer Korrektheit: „Einmischung in die internen Angelegenheiten fremder Staaten", mit denen wir in Frieden zu leben bestrebt sein müssen. Diese Auffassung ist ebenso bequem wie oberflächlich und unhaltbar. Sie berücksichtigt nicht einmal die Tatsache, daß die Lebensinter- csfen einer Nation nicht an die Grenzen des von geschichtlichen Entwicklungen abhängigen, wandelbaren Eiaatstums, sondern an die des durch Abstammung und Sprache zu einander gehörigen Volkstums gebunden find und daß starke Kräfte dieses deutschen Volkstums durch das Geschick außerhalb der politischen Grenzen des Deutschen Reiches zu leben gezwungen sind. Sie verflacht und verengt ferner den Begriff des Krites zu der landläufigen Auffaffung des bewaffneten Konflikts zweier Staaten. So wird übersehen, daß auch in sogenannten Friedens- zciten ein ständiger Erenzkrieg geführt wird, dessen Schlachten nicht an den Grenzen der Staaten, sondern an den Volks- und Sprachgrenzen geschlagen werden, ein Erenzkampf, in dem in Vordringen und Abwehr der Besitzstand des einen Volkstums gegen das andere verteidigt wird. Und doch ist dieser Kampf für den dauernden Bestand und die Zukunft eines Volkes und Reiches wie das deutsche vielleicht von 'entscheidenderer Bedeutung als noch so ein blutiges Ringen auf der Wahlstatt. Der Ausgang eines Waffenganges, auch des gewaltigsten, cwird immer die Geschicke der beteiligten Völker /nur auf begrenzte Zeit hemmend oder fördernd beeinflussen; seine Wunden vernarben und die -innere Lebenskraft und die Znkunftsfreudigkeit her einmal unterlegenen Ration wird immer
lNachdruck verboten.),
Keimweh Nach Muck.
Roman von ErichFriesen. '(Fortsetzung).
Jetzt lockert der Fremde den festgeschlostetzen Dolmamnantel, nimmt den Kalabreser ab, der bisher fast sein ganzes Gesicht verdeckte und schleuderte ihn achtlos bei Seite.
Beim grellen Schein eines jäh aufzuckenden Blitzes bemerkt Rolf Alfen, daß der Fremde kein junger Mann ist, wie seine lebhaften Bewegungen zuerst vermuten ließen.
Lange, silberweise Locken hängen ihm bis auf die Schultern herab. Das glattrasierte Gesicht ist faltig und zeigt einen unheimlich scharfen, gespannten Ausdruck.
Rur die schwarzen Augen glühen in jugendlichem Feuer.
Stunde auf Stunde verrinnt...
Den Fischern läuft der Schweiß über die braunen Gesichter. Die Muskeln der sehnigen Arme sind aufgctrieben von der harten Arbeit, als sollten sie platzen.
Roch kein Wort ist gefallen zwischen den Insassen des Bootes.
Einmal versucht Rolf Alsen dem Pasquale etwas zuzurufen. Vergebens. Ein heftiger Windstoß fing den Ton auf und verwehte ihn.
Eine seltsame Fahrt. . . .
Rach und nach klärt sich der Himmel. Der Sturm läßt nach. Rur noch wie fernes Vesuv- grollen rollt der Donner dahin über die schäumenden, spritzenden, tanzenden Wogen..i
„Capri!"
' Rolf Alsen ist cs, der das Wort ausruft — jubelnd, voll innerster Begeisterung.
Der Fremde, der bis dahin in sich versunken dagefessen und nicht ein einziges Mal um sich geblickt, fährt herum.
Gleich einer schlafenden Sphinx — ruht der dunkle Felscnkoloß vor ihnen im brandenden Meer.
Wie magnetisch angezogen, starren die brennenden Augen des Fremden nach dem Eiland. In den bewegungslosen Körper ist plötzlich Leben gekommen. Unruhig rückt er auf dem |
imstande sein, mit neugesammclter Kraft auf ein Jena ein Sedan folgen zu lasten. Die Blutsopfer eines solchen Kampfes sind für starke Völker eine Saat auf Hoffnung, sei es, daß ste den Sieger anspornen, der Väter wert zu bleiben, sei es, daß sie im Unterlegenen das glühende Sehnen nach Vergeltung und Aus- wetzung der erlittenen Scharte anfachen. Anders im Erenzkampf um das Volkstum. Was hier einmal an den Gegner verloren ist, steht in Gefahr, verloren zu sein auf alle Zeit. Die Verluste, die hier erlitten werden, bergen keine Zukunftssaat, sie fallen dem Gegner als Reingewinn und Kräftezuwachs unverkürzt zu: die entdeutfchten Volksgenossen werden als Renegaten die leidenschaftlichsten und gefährlichsten Geaner des verlassenen Muttcrvolkes.
Kein Volk Europas ist gezwungen, diesen nationalen Erenzkampf in solchem Umfange zu führen, für keines hat er eine ähnliche Schicksalsbedeutung wie für das deutsche, das durch das Geschick in die Mitte anderer Völker gestellt, die, ihm bluts- und sprachenfrsmd, von allen Seiten gegen feine Volks- und Sprachengrenzen anbranden und sie zu überfluten droben. Mögen diese Vclksgrenzen an manchen Stellen auch hunderte von Meilen jenseits der Reichsgrenze sich binziehen, mögen sie als Volks- und Sprachinseln im Herzen fremder Staaten von fremdem Volkstum umbrandet sein, das deutsche Volk im Reich hat ein Lebensinteresse daran, daß sie nicht verschlungen werden. Wenn wir mit Recht im Deutschen Reich die gewaltige Festung der deutschen Volksmacht sehen, so wisten wir auch, daß eine moderns Festung nicht mehr durch einen einfachen Palisadenzaun oder Mauer- und Grabenkranz verteidigt werden kann, daß sie vielmehr gezwungen ist. ihre Wälle und Außensorts weit in das Vorland hinauszuschieben. Solche Außenwälle sind die Stellungen der Deutschen an den Sprachgrenzen des deutschen Volkstums, solche Außenforts die deutschen Sprachinseln im Auslands, sie zu stützen und auczubauen ist daher Lebensnotwendigkeit für das gesamte deutsche Volk auch im Reiche. Je weniger seine amtlichen Vertretungen, die Regierungen, aus Gründen politischer Gebundenheit dies zu tun im Stande sind, je weniger die deutschen politischen Parteien unter der Last der innerpolitischen Tagesarbeit Kraft und Zeit hierzu finden können, desto notwendiger wird die Uebernahme dieser Arbeit durch die nationalen Vereine, desto dringender die Pflicht aller Deutschen, diesen die Mittel und Hilfskräfte zu gewähren, deren sie zur Durchführung dieser Arbeit bedürfen. Die Lage des deutschen Volkes in diesem Erenzkampf fordert gebieterisch das Einsetzen der ganzen Kraft; denn es ist eine Tatsache, daß es
schmalen Sitz hin und her, als könne er die Zeit nicht mehr erwarten, den Boden der Sireneninsel zu betreten.
Roch eine Viertelstunde angestrengtester Arbeit — und das Boot landet an der großen Marina, dem kleinen Hafenplatz.
Auch hier tiefes Schweigen — wie früher in Sorrento. Kein Mensch zu sehen weit und breit.
Rolf Alsen zieht die Uhr.
„Zehn! Schon so spät! Angelina wird denken, ich komme nicht mehr."
Rasch lohnt er die Fischer ab, legt noch ein Goldstück als Trinkgeld darauf, winkt dem schlau grinsenden Pasquale freundlichen Abschiedsgruß zu, ergreift seine Handtasche und schreitet nach einer stummen Verbeugung gegen den Fremden, der sich wieder scheu beiseite gedrückt hat, die berganführende Straße empor.
Ohne, daß er es will, beschäftigen fick seine Gedanken immer wieder mit dem seltsamen Menschen, der ihm seine Gesellschaft bei der nächtlichen Bootfahrt fast aufgedrängt hat und der es jetzt nicht einmal für nötig hält, ihm wenigstens ein Dankeswort zu sagen.
Wer er nur sein mag? . . . Und was er wohl hier will auf der Sireneninsel zu nächtiger Stunde? . . .
Ein Bettler? . . . Rein. Dafür war sein Benehmen zu elegant und ungezwungen. Ein Tourist? . . . Auch nicht. Der würde besseres Wetter abwarten.
Vielleicht ein Sonderling, ein Abenteurer, ein Unglücklicher, ein--
Wo er nur bleiben mag in dieser finsteren Nacht? Ob er überhaupt Bescheid weiß auf der Insel? _
Unwillkürlich wendet Rolf sich um.
Da unten steht noch immer die dunkle, hagere Gestalt, wie unschlüssig, wohin sich wenden.
„Heda!" ruft Rolf über die Steinmauer hinweg nach unten. ..Wo wollen Sie denn hin?"
„Nach der Stadt," erwidert die seltsam melodiöse vibrierende Stimme von unten herauf.
„Wissen Sie denn hier Bescheid?", „Nein." i
bisher diesen Kampf nur an wenigen Stellen erfolgreich, an vielen verlustreich, an manchen nicht einmal in Ehren geführt hat. Ein kurzer Ueberblick über die Kampfesgebiete wird uns das bestätigen, er wird denen, die bisher gleichgültig oder ahnungslos beiseite standen, auch ein Bild des Umfanges und der Bedeutung
dieses Kampfes geben.
Im Norden des Reichs kämpfen Deutsche und Dänen um die schleswigsche Nordmark. Der deutschen Auffassung eines deutschen Nordschleswig stellt sich die dänische eines „Südjütland" entgegen und juckt in zäher Agitation durch Zurückdrängen des deutschen Boden- und Sprach- besiües fick durchzusetzen.
Im Westen und Südwesten steht deutsches Volks- und Sprachtum dem welschen, dem romanischen im Kampf gegenüber. In Belgien ringen 3(4 Millionen niederdeutsche Vlamen in der vlämilcken Bewegung um Gleichstellung ihrer niederdeutschen Svrache mit der von bet wallonischen Minderheit qebätschelten französischen und bilden dadurch einen Deich gegen eine welsche Ueberflutung unserer westlichen Volksgrenze. Im reichsdeutschen Elsaß führen die verwelschten Volkskreise unter klerikaler Führung einen zähen Verteidigungskampf gegen das vordrinqende Deutschtum. In der Schweiz schiebt fick die welsche Sprackgrenze immer tiefer in alte Gebiete deutschen Volkstums vor, weil sie ihr vom schweizerischen Deutschtum kampflos überlassen werden. Erst die neueste Zeit zeigt kleine Ansätze erwachenden völkischen Pflichtbewußtseins auch auf deutsch - schweizerischer Seite.
Den bedeutungsvollsten, für seine Zukunft in Mitteleuropa wohl entscheidenden Erenzkampf führt das deutsche Volk in Oesterreich- Ungarn, wo rund 12 Millionen Deutsche um Erhaltung ihrer volklichen und sprachlichen Eigenart im beißen Ringen stehen. In Tirol wehrt sich das kerndeutsche Bauerntum Südtirols gegen das von Süden andrinaende Italiener- tum. In Ungarn stehen 2’4 Millionen Deutscher im Kampf gegen die mit allen Mitteln einer mißbrauchten Staatsgewalt betriebene Magy- arisierung. In Böhmen. Mähren und Oesterr.- Schlesien setzen 3(4 Millionen Deutsche ihre Kraft ein gegen den größten Gegner deutschen Volkstums, den Slawen, in seinen gefährlichsten Vertretern, dem tatkräftigen und fanatischen Tschechen und dem intriganten, verschlagenen Polen. Von der Krone im Stich gelassen, auf die eigene Kraft gestellt, haben sie im Parlament wie auf der heimischen Sckolle den Kampf für ihr Volkstum und die Machtstellung des Deutschtums in Oesterreich zu führen, von dessen Ausgang am letzten Ende auch die Geschicke des deutschen Volkstums im Osten des Deutschen Reichs selbst abhängen werden, das heute schon
„So kommen Sie! Ich nehme Sie mit!"
Mit der Behendigkeit eines Jünglings läuft der Mann die Straße empor.
„So! Jetzt schnell!" ruft Rolf lebhaft. „Ich habe keine Zeit zu verlieren. In „Villa Helios" erwartet man mich."
„Villa Helios?" wiederholt der Fremde, indem er seinen Schritt dem hochgewachsenen Jüngling anpaßt. „Sagten Sie nicht — Villa Helios? Dorthin will auch ich!"
„Ah? Sie sind ein East des Marchese Marqoni?"
„Nein."
„Aber Sie kennen ihn doch? Oder vielleicht meine Cousine Angelina?"
„Auch nicht. Aber — verzeihen Sie, mein Herr — Sie sprachen soeben von Ihrer Cousine Angelina. Ist die junge Dame die Tochter des Marchese Carlo Margoni?"
„Ja, sein einziges Kind. Wollen Sie meine Cousine sprechen?"
,I!ein." ?’
„Wen denn?"
Der Fremde zögert. Dann sagt et leise, und etwas wie tiefer Groll zittert in seiner Stimme nach:
„Den Fürsten Torlonia — Arturo Torlonia!"
„Was hat der Fürst Arturo Torlonia mit meinem Onkel, dem Marchese Margoni, zu tun?"
„Er ist sein East."
„Ah, ich verstehe. In der Villa Helios findet heute, wie alljährlich am Eeburtstage meiner Cousine, ein großes Gartenfest statt. Und dazu hat auch der Fürst Torlonia eine Einladung erhalten. . . . Nun wohl, mein Herr, wenn Sie den Fürsten sprechen wollen, will ich es arrangieren. Vorerst werde ich Sie in das Haus meines Onkels einführen. Darf ich um Ihren Namen bitten?"
Der Fremde bleibt plötzlich stehen. Er atmet schwer. Das rasche Bergaufsteigen scheint ihn angegriffen zu haben.
„Mein Name — tut nichts zur Sache," erwidert er mit einer Schroffheit, die seltsam zu seinem übrigen feinen, den gebildeten Mann verratenden Benehmen kontrastiert.
trotz Staats-Hilfe und -Autorität nur in mühe- samer Defensive im Schicksalskampf mit dem national und wirtschaftlich erstarkten Polen- tum im Reicke zu bestehen vermag. Vorgeschoben diesem entscheidenden böhmischen und preußischen Erenzwall deutschen Volkstums kämpfen deutsche Außenposten im österreichischen Staat, in Galizien und der Bukowina, im russischen Zarenreich, in den deutschen Kolonistengebieten Südrutz- lands und der Wolaa und in dem alten deutschen Kulturland, den Ostseevrovinzen. um Erhaltung von Sprache und Volkstum. Wir sehen also: Feinde ringsum! Und Kampf auf der ganzen Linie des deutschen Erenzwalls! Mit welchen Mitteln und mit welchen Ansichten dieser Kamps im einzelnen geführt wird, das bedarf einer besonderer Erörterung. Diese Zeilen sollten nur dazu dienen. >-ett Gleicharmigen und Ahnungslosen im deutschen Vaterland zu zeigen, daß wir keine Zeit haben, die Hände müde in den Sckoß zu legen, daß wir uns vielmehr Mann für Mann einzusetzen haben in dem deutschen Erenz- kamvf in dem um die Zukunft des deutschen Volkes gerungen wird. Wir singen in unserem Nationalliede, daß uns dos Deutschland, das von der Maas bis an die Memel, vom Etsch bis an den Veli reicht, über alles gehe auf der Welt. Sorgen wir dann auch dafür, daß Maas und Memel, Etsch und Belt deutsch bleiben! Der Alldeutsche Verband, dessen Verbandsschrift, den „Alldeutschen Blättern", dieser Aufsatz entstammt, und der Allgemeine Deutsche Schulverein zur Erhaltung des Deutschtums im Auslands bieten einem jeden die Möglichkeit, seine Waffenpflicht in diesem Kampfe zu tunk
Zur Deportatioilsfrage.
Anerfreuliche Einblicke in die Ergebnisse des bisherigen Strafvollzuges gewährt wieder dis vor Kurzem erschienene Kriminalstatistik des deutschen Reiches für das Jahr 1004. Von je 100 000 Personen, die nur eine Vorbestrafung erlitten hatten, wurden rückfällig: 2652: bei zwei Vorbestrafungen: 7421; bei 3—5 Norbe- strafungen: 11 905; bei 6 oder mehr Vorbestrafungen: 20 335. — Die Rückfälle betrugen also in der zweiten Klasse 280 Prozent, in der dritten 452 Prozent und in der vierten 767 der Rückfälle der ersten Klasse. Die schon in früheren Erhebungen fefioestellte Tatsche, daß der Rückfall um so häufiger stattfindet, je schwerer das Vorleben des Verurteilten belastet ist, kommt in jenen Ziffern zum unzweideutigen Ausdrucke. — Es heißt dieses in anderen Worten, daß unser derzeitiger Zellensirofvoll- zuq nicht etwa eine abschreckende und bessernde Wirkung auf die Sträflinge ausübt, sondern im Gegenteil einen die Kriminalität auf das
Und, als empfinde er selbst peinlich diese Ungezogenheit, fügt er in sichtlicher Erregung mit verhaltener Stimme hinzu:
„Verzeihen Sie, mein Herr! Sie waren so überaus liebenswürdig und großmütig gegen mich — und ich. ich--aber sehen Sie: cs
gibt im menschlichen Leben Situationen, da ist man nicht Herr über seine Emvsindungen — ist man kaum Herr über seine Handlungen —*
„Schon gut! Schon flut!" wehrt Rolf jovial ab. „Ick respektiere jede Empfindung. Kommen Sie nur!"
Er hat eine kleine Laterne aus der Tasche gezogen und drückt jetzt auf den elektrischen Knopf.
Helles Licht ergießt sich auf den schmalen Treppenweg, zu dessen beiden Seiten über hoben Mauern goldalühende Orangen aus dunklem Laub hervorschimmern.
Rolf blickt sich nach seinem Bealeiter um, der ein wenig zurückgeblieben ist. Dabei fällt ein blendender Strahl der Laterne auf dessen Gesicht.
Rolf erschrickt. Die Züge des Fremden find fast verzerrt.
Ist es etwas wie Haß, der aus den schwarzen Augen loht? Der die schmalen, blutlosen Lippen so fest zuiammeuvressen läßt, daß sie wie eii^ Strich erscheinen? . . .
Ein beklemmendes Gefühl beschleicht Rolf, als er fortan schweigend neben dem unheimlichen Menschen daherschreitet und nur ab und zu einen forschenden Seitenblick auf die schmächtige Gestalt wirst.
Gewiß, diese Züge müssen einst schon und edel gewesen sein, bevor ein unbarmherziges Geschick sie verwüstete, bevor Kummer und Sorge oder lange Krankheit das volle, üppige Haar bleichte! ...
Als vor den beiden schweigsamen Wanderern die ersten Häuser des Städtchens Capri auf- tauchten, hat der Wind sich vollkommen beruhigt. Gleich einem Nebelvorhang davongezogen die schwarzen Eewiterwolken. t f
Hell und klar leuchtet der Mond am tiefblauen Himmel, - -
■ (Fortsetzung folgt.)