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mit dem Kreisdlatt für die Kreise Marburg und KüMaiirl

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Marburg

Donnerstag, 6. Juni 1907.

' ' Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck Md Verlag' Joh. Aug. Koch, UniverfitätS-BuchdruckerÄ Marburg, Markt 21. Telephon 55.

42. Jahrg.

Zweites Blatt.

Die Vermögensverteilung in Frankreich.

In den Erörtungen der französischen Finanz­politiker über den Einkommensteuergesetzentwurf des Ministers Caillaux finden sich bemerkens­werte Angaben über den gegenwärtigen Stand der Bermögensverteilung in Frankreich. Die Berechnungen basieren auf derStatistik der jähr­lichen Hinterlassenschaften, die mit dem Jahre 1905 ab'chließt. In diesem Jahre wurden ge- zahlt rund 770 000 Todesfälle. Davon scheiden für die Untersuchungen über den Erwerb durch Todesfall rund 200 000 Fälle von vornherein aus, weil cs sich um jugendliche Verstorbene ohne eigenes Vermögen handelt. Es verbleiben somit rund 570 000 Todesfälle solcher Personen, die ihren Lebensunterhalt durch eigene Berufs­arbeit erwarben, bezw. einen eigenen Hausstand führten. Von diesen 570 000 Personen männ­lichen und weiblichen Geschlechts sind über 885 000 mit Hinterlassung eines nennenswerten Besitzes verstorben. Es kommen demnach auf 100 Franrofen und Französinnen, die im voll­jährigen Alter sterben, nicht weniger als 66 bis 67, die sich beim Tode int Besitz von Vermögens­werten befinden. Diese 385 00Ö Personen haben, fiun, wenn man ihre vererbten Vermögen zu- sammenzählt, einen Vermögenswert von 5746 Millionen Frs. hinterlassen, so das; auf den ein­zelnen Erblasser ein Betrag von rund 15 000 Irancs fällt. Im einzelnen ergibt sich folgendes Bild: Es haben hinterlassen 117 000 Personen weniger als 500 Frs 102 000 Personen zwi­lchen 500 und 2000 Frs., 108 000 Personen zwi­schen 2000 und 10 000 Frs. Der Gesamtwert der Hinterlassenschaft betrug in der ersten dieser drei, Klassen 29 Millionen, in der zweiten 127 Millionen, in der dritten 520 Millionen Frs., in allen drei -zusammen also 676 Millionen Frs., d. h. bei rund 327 000 Erblassern noch nicht ganz ein Achtel der insgesamt hinterlassenen Ver­mögenswerte. Weitaus der größte Betrag der Erbschaften findet sich in der vierten Klaffe, welche die Hinterlassenschaft im Werte von 10 000 bis 50 000 Frs. umfaßt. In ihr haben nur 44 000 Personen ein Gesamtvermögen von 944 Millionen Frs. hinterlassen. In dieser Klasse beträgt der Durchschnittswert des hinter­lassenen Vermögens 21430 Frs. gegen 250 Frs., 1255 Frs. und 4830 Frs. in den drei ersten Klassen. Aber auch einschließlich dieser Klaffe erreichen die Hinterlassenschaften, denen nun­mehr rund 370 000 Erblaffer entsprechen, mit 1020 Millionen Frs. noch nicht entfernt den drit­ten Teil des hinterlassenen Eesamtvermögens.

Die großen und größten Ver­mögen, die natürlich ganz anderszu Buch schlagen", sind in 9 Klaffen geteilt. Der Anteil der in ihnen vereinigten 15 000 Erblasser an der gesamten Hinterlassenschaft beträgt nahezu 75 Prozent. Es haben hinterlassen 7100 Personen zwischen 50 000 und 100 000 Frs., insgesamt 493 Millionen Frs., (Durchschnittsbetrag 69 240 Frs.), 4638 Personen zwischen 100 000 und 250 000 Frs., insgesamt 723 Millionen Frs. (Durchschnittsbetrag 155 900 Frs.); 1619 Per­sonen zwischen 250 000 und 50Ö000 Frs., insge- fam t 577 Millionen Frs. (Durchschnittsbetrag 358 400 Frs.); 816 Personen zwischen % und 1 Million Frs., insgesamt 565 Millionen Frs. (Durchschnittsbetrag 693 000 Frs.);328 Perso­nen zwischen 1 und 2 Millionen Frs., insgesamt 464 Millioneit Frs. (Durchschnittsbetrag 1 414 000 Frs.); 150 Personen zwischen 2 und 5 Millionen Frs., insgesamt 442 Millionen Frs. (Durchschnittsbetrag 2 947 000 Frs.); 34 Per­sonen zwischen 5 und 10 Millionen Frs., insge­samt 235 Millionen Frs; 12 Personen zwischen 10 und 50 Millionen Frs., insgesamt 253 Milli­onen Frs. (Durchschnittsbetrag 21,7 Millionen Frs.); endlich 3 Personen mit einerHinterlassen- schaft von mehr als 50 Millionen Frs., insge­samt 374 Millionen Frs.

Legt man der Betrachtung 4 statt 13 Klaffen zu Grunde, nämlich Vermögensklaffen unter 50 000, von 50 000 bis 250 000, von 250 000 bis 500 000 Frs. und über 500 000 Frs.. so ergibt sich folgendes Bild: es haben hinterlassen, wie schon erwähnt, 370 000 Personen weniger als 50 000 Frs., 11700 Personen zwischen 50 000 und 250 000 Frs.; 1620 Personen zwischen 250000 und 500 000 Frs.; endlich 1340 Personen mit mehr als 500 000 Frs. Die Eesamthinterlaffen- schaft betrug in der ersten Klaffe 1621 Millionen, kn der zweiten 1216 Millionen, in der dritten 577 Millionen, in der vierten aber 2332 Millio­nen Francs.

Auf den ersten Blick springt der enorme Reichtum Frankreichs von sehr großen Vermögen in die Augen. Im Jahre 1905 haben nicht weniger als 2962 Per­sonen ein Vermögen von 14 Million Francs hin­terlassen ! Darunter besaßen fast genau 200 ein

Vermögen von über 2 Millionen Frs. Unter die­sen reichsten Leuten Frankreichs waren wieder 150 mit 2 bis 5 Millionen Frs., 34 mit 5 bis 10 Millionen Frs. und noch 12 mit 10 bis 50 Mill. Frs. Vermögen. Unter den drei Hinterlaffen- schaften, die über den Betrag von 50 Millionen Frs. hinausgingen, befand sich eine mit 250 Mil­lionen Francs.

Es ist das das Ergebnis eines Jahres. Da statistisch die Dauer einer Generation auf 33 Jahre angenommen wird, würde man die Hin­terlassenschaft des Jahres auf das 33fache zu steigern haben, um das Cesamtvermögen des französischen Volkes zu ermitteln. Man erhält dann den Betrag von rund 190 Milliarden Frs. Selbstverständlich ist aber auch diese nur eine annähernde Ziffer; denn weder die ganz kleinen Vermögenswerte noch die sehr großen Vcr- mögensbeträge, die sich der steuerlichen und stati­stischen Erfassung zu entziehen wiffen, nach einem vielbeachteten Ausspruch des Finanz- ministers Caillaux soll dies in Frankreich ver­hältnismäßig leicht sein und recht oft vor­kommen sind darin enthalten.

Zum Vergleich sei angeführt, daß Schmoller im Jahre 1893 (Einleitung zum Bericht der Börsenenquetenkommission) den gesamten deut­schen Effektenbesitz auf 30 Milliarden = 17 % des Volksvermögens, das deutsche Volks­vermögen also auf etwa 180 Milli - arden Mark geschätzt hat.

Drntscheö Reich.

Der Dank der englischen Gäste für die Auf­nahme in Berlin. Das Präsidium des Komitees der englischen Journalisten hat vor der Abreise von Berlin an den Herzog zu Trachenberg ein Schreiben gerichtet, deffen Wortlaut erst jetzt be­kannt wird. Das Schreiben lautet in Üeber- setzung:Berlin, 31. Mai. Euerer Durchlaucht bitten wir vor unserer Abreise von Berlin, uns zu gestatten, Ihnen selbst und durch Sie den Mitgliedern des Empfangskomitees unseren aufrichtigsten und tiefgefühltesten Dank aus­sprechen zu dürfen für die uns während unseres hiesigen Aufenthaltes und überhaupt während der ganzen bisherigen Reise erwiesene Liebens­würdigkeit und Gastlichkeit. Die für unser Wohlergehen und unseren Komfort von den Mitgliedern Ihres Komitees von Anfang bis zu Ende bewiesene Rücksicht hätte gar nicht grö­ßer sein können. Unsere Fahrten sind uns durch die unermüdliche Liebenswürdigkeit und Auf­merksamkeit der Herren, welche die Güte hatten, uns zu begleiten und in Berlin sich unser anzu- nehmen. sehr bequem gemacht worden. Der Aufenthalt in Ihrer Hauptstadt war für uns eine Quelle ständigen Interesses und Entzückens. Wir werden noch lange an der Erinnerung zehren und das von Ihrem Komitee veranstal­tete großartige Bankett am Abend unserer An­kunft und an die herzlichen Worte der Begrüß­ung und des Entgegenkommens bei dieser be­sonderen Gelegenheit. Ebensowenig können wir unseren Empfang durch den Oberbürgermeister und den Magistrat von Berlin in dem pracht­vollen Rathaussaale vergeffen, sowie die vor­nehme Gastlichkeit, die wir seitens der Handels­kammer und int Reichstage erfahren haben, und die wirklich großartige Vorstellung, die uns heute Abend im Opernhause geboten wurde. Wir möchten ferner ehrerbietigst zum Ausdrucke bringen unser Gefühl für die außerordentliche Ehrung, die uns der Kaiser hat zuteil werden lassen, als er unsin fernem Lande und in sei­nem Hause" willkommen hieß, wenn wir hier die eigenen gnädigen Worte Seiner Majestät, die er heute zu uns in Potsdam sprach, zitieren dürfen. Zum Schluß möchten wir der Hoffnung und Zuversicht Ausbruck geben, daß dieser für uns selbst so denkwürdige Besuch in Deutschland Frucht tragen möge zur Förderung gegenseitiger Freundschaft und Zuneigung zwischen unseren beiden Ländern. Ihre gehorsamen Diener Fredk. W. Wilson, Präsident, Fredik W. Dickinson, Ehrensekretär,

Aufhebung der Kontrolle über Kautschuk­ringe. Nach § 2 Abs. 1 des Reichsgesetzes, betr. die Verwendung gesundheitsschädlicher Farben bei der Herstellung von Nahrungsmitteln und Cebrauchsgegenständen, ist die Verwendung von antimonhaltigem Gummi zu Umhüllungen und Schutzbedeckungen, in denen Nahrungs- und Ee- nußmittel auföewahrt werden, als unzulässig zu erachten. Als derartige Schutzbedeckungen kom­men bei Flaschenverschlüssen die antimonhalti­gen Kautschukringe und -Scheiben in Betracht. Nach neuerding angestellten Versuchen kann aber die Verwendung von schwefelantimon­haltigem Gummi zur Dichtung der Verschlüsse von Gefäßen, die zur Aufbewahrung von Nah­rungs- und Eenußmitteln dienen, als v ö l i g unbedenklich für die Gesundheit ange­sehen werden, so daß einer Aufhebung des gesetz­lich bestehenden Verbots an sich nichts im Wege stände. Es liegt aber nicht in der Absicht, ledig­lich für den einen Gebrauchsgegenstand eine

Aenderung des Gesetzes herbeizuführen, zumal das Verbot seither ohne praktische Bedeutung geblieben zu sein scheint und nicht bekannt ge­worden ist, daß schwefelantimonhaltige Gummi­dichtungen beanstandet worden wären. Um der­artige Beanstandungen auch in Zukunft zu ver­meiden, werden durch eine gemeinsame Ver­fügung des Unterichtsu nisters, des Ministers des Innern und des Ministers für Handel und Gewerbe die mit der Ueberwachung des Nah­rungsmittelverkehrs befaßten Polizeibehörden angewiesen, von einer Kontrolle der zur Dich­tung von Gefäßverschlüssen verwendeten Kaut- schuk-Ringe und -Scheiben inbezug auf ihren Antimongehlt Abstand zu nehmen.

Hochschulnachrichten.

'X Der Leiter der zahnärztlichen Poliklinik in Jena, Privatdozent Dr. Th. Degendorf, hat einen Ruf als a. 0. Professor der Zahnheilkunde und als Leiter der zahnärztlichen Universitäts­klinik in Leipzig angenommen.

X Jena. An der Universität Jena beträgt die Zahl der Studierenden, einschließlich der Hörer, zur Zeit 1608.

X Kiel. Die Gesamtzahl der an der 4(ni» versität Kiel im laufenden Sommersemester im­matrikulierten Studierenden beträgt 1278 (ge­gen 1200 im Sommer 1906).

X Die studentische Sonnenwendseier in Friedrichsruh findet am 21. Juni statt. Sie beginnt nachmittags 4 Uhr mit einem Festessen im Ratsweinkeller zu Hamburg, an dem außer den Vertretern der Studentenschaft der Ham­burger akademische Bismarckausschuß teilneh-, men wird. Nach Schluß des Essens, gegen 7 Uhr, begeben sich die Teilnehmer zu Wagen nach dem Hauptbahnhof zur Fahrt nach Aumühle. Nach der Feier an der Säule erfolgt sofort die Rück­fahrt nach Hamburg, wo gegen 11 Uhr in den Räumen der Patriotischen Gesellschaft ein Kom­mers stattfinden wird.

Wissenschaft, Kunst und Leben.

# Der chloroformierte Bär. Wie die von Dr. I. H. Bechhold in Frankfurt a. M. heraus­gegebene ZeitschriftDie Umschau" mitteilt, wurde zur Erinnerung an die Einführung der Ehloroformnarkose in Deutschland jüngst aus Staatsmitteln eine drollige Vronzegruppe, die von dem Bildhauer Wilhelm Wolff (genannt Tierwolff stammt, angekauft und in der staat­lichen Sammlung ärztlicher Lehrmittel im Kai­ser Friedrich-Hause in Berlin aufgestellt. Der künstlerischen Schöpfung dieses Monuments lag der folgende mcdiko-historische Tatbestand zu Grunde: Der Berliner Kliniker Professor Schön­lein, wollte als erster in Berlin die Wirkung des Chloroforms an Tieren prüfen. Friedrich Wil­helm IV. gab die Erlaubnis, einen erblindeten Baren in dem von ihm gestifteten Berliner Zoolooikck>en Garten zu chloroformieren, damit ihm in der Narkose der Star gestochen werden könnte. Die Operationgelang vortrefflich", aber der Bär erwachte aus seinem tiefen Schlafe nicht mehr. Ganz Berlin amüsierte sich über das Mißgeschick der Kliniker und des Meister Petz. Der Bildhauer Wolff modellierte nun diese Gruppe, indem er zugleich den Tieren die Phy­siognomien der bekannten Berliner Professoren gab; der Bär z. B. war Prof. Schönlein selbst. König Wilhelm verlangte den Guß dieser Gruppe und wünschte eine Erläuterung dazu in gebundener Rede. Der Bildhauer Wolff setzte als Preis für die beste dichterische Erklärung einen weiteren Bronze-Abguß aus. Die ge­lungensten Verse, die auch der König erhielt, lauteten:

Der Bär ist nun ein toter Mann,

Das Chloroform hat schuld daran, ' M -L Ein ärztliches Kollegium x/-:?

* Ging mit dem Vieh zu menschlich um. ' ! ° Das Füchslein greint, das Bärlein flennt,

Der Wolff setzt ihm dies Monument."

Der Verfasser dieser Verse war ein junger Student mit Namen Paul Heyse, der spätere berühmte Romancier.

Vermischtes.

Er will in de» Löwenkäfig! Bei der Direk­tion des Zoologischen Gartens zu Leipzig ging folgender Brief ein:Eine Wette mit einigen meiner Bekannten veran­laßte mich, an Sie die ergebene Anfrage zu rich­ten, ob Sie es ev. gestatten würden, daß ich am nächsten oder übernächsten Sonntag während der Vorstellung von Miß Heliot den Löwenkäfig be­treten könnte, um ein Glas Bier und einen hal­ben Aufschnitt darin zu mir zu nehmen. Da allerdings die verabredete Wette im Betrag zu gering ist, um so etwas zu riskieren, frage ich hierdurch an, ob Sie mir bei Ausführung meines Vorhabens fine gewisse Summe, vielleicht 1000

Mark auszahlen würden. Sie könnten ja diese kleine Episode ev. zu einer größeren Reklame benutzen, wobei ich natürlich mit Namen ano­nym bleiben müßte, und wodurch Sie ev. noch bedeutende Mehreinnahmen erzielen würden. Ihren gefälligen Bescheid zunächst postlagernd mit Angabe der zu zahlenden Summe gern er­wartend, zeichne Hochachtungsvoll und ergebenst (Unterschrift). Der Einsender erhielt hieraus vom Zooloaischen Garten nach Mitteilung der Leipz. Neuesten Nachr." folgende Antwort: Bevor wir Ihrem Ansinnen entsprechen können, wollen Sie uns nachstehende Fragen beantwor­ten und das Verlangte beibringen: 1. Wie all sind Sie? 2. Wenn unmündig, eine Bereinig­ung resp. Erlaubnis der Eltern. 3. Bestätigung der Polizeibehörde. 4. Ein ärztliches Attest über Ihren Geisteszustand. 5. Einen Nachweis über Ihre Vermögenslage, damit wir ersehen, daß Sie solche Dummheiten nicht aus Verzweif­lung begehen. 6. Sie verlangen 1000 M, in­folgedessen haben Sie 1000 -tt Kaution zu stel­len für den Fall, daß Sie es mit der Angst zu tun bekommen. 7. Nicht während der Vor­stellung von Miß Claire Heliot dürfen Sie in den Käfig, sondern nachdem Miß Heliot den Käfig, verlassen hat, auch nicht unter ihrem Schutze, sondern allein. Hochachtungsvoll (gez.) Zoologischer Garten."

Wohlsahrtsmarken. Der im März d. Js. in Berlin unter dem Ehrenvorsitz des Fürsten von Bülow begründeteVerein für Wohlfahrts- marken E. V.", welcher nach dem Beispiele ande­rer Länder auch in Deutschland durch Herstell­ung und Verbreitung von Marken zur Bekämr- fung von Volkskrankheiten (der Säuglingsstero- lichkeit, der Tuberkulose u. a.) aufbringen will, hat mit der Ausgabe seiner ersten Marke begon­nen. Sie trägt in schmucker, doppelfarbiger Aus­stattung das Bildnis der Kaiserin und der Prinzessin Viktoria Luise. Die Marke, deren Preis 5 Pfennig, bei Abnahme von 5000 Still und mehr 4 Pfennig beträgt, eignet sich als Ver- fchlußmarke für Postsendungen aller Art un'3 muß auf der Rückseite der Briefumschläge, Post­karten usw. angebracht werden. Die Reichs­postverwaltung hat ihre Entwertung durch den Ankunftsstempel gestattet. Die hochbedeutsamen Zwecke des Vereins kann der Einzelne fördern, indem er entweder Vereinsmitglied wird, oder auch ohne Mitalied zu sein Marken verwendet Ordentliches Mitglied kann jeder werden, wel­cher sich bereit erklärt, von den Wohlfahrtsmar­ken im Jahre mindestens für einen Betrag von 10 Mark zu entnehmen. Zu Ehrenmitgliedern können vom Kuratorium solche Personen er­nannt werden, welche jährlich für mindestens 100 Mark Wohlfahrtsmarken zu entnehmen ge­willt sind. Anmeldungen zur Mitgliedschaft nimmt die Geschäftsstelle des Vereins, Berlin W., Wilhelmstraße 68 (Kultusministerium) ent­gegen, welche auch die Versendung der Marken an die Mitglieder vermittelt. Im übrigen er­folgt der Markenvertrieb durch die Hauptge­schäftsstelle des Vereins: die Lose-Vertriebs-Ge- sellichaft Königlich Preußischer Lotterie-Ein­nehmer, Berlin N. 24, Monbijou-Platz 2, ferner durch die Königlichen Lotterie-Einnehmer, zahl­reiche Buchhandlungen und sonstige Markenver­kaufsstellen.

Getreide - Wochenbericht der Preiiberichtstelle des Deutschen Landwirt- schastsrats vom 28, Mai bis 3. Juni 1907.

Trotzdem die zu Beginn der Woche aus Süd- rußland und Rumänien gemeldeten Nieder­schläge nur auf einzelne Distrikte beschränkt blie­ben und vielfach zu spät kamen, um noch eine entscheidende Besserung der Ernteaussichten zu ermöglichen, hat seither dennoch eine ruhigere Stimmung allgemein die Oberhand gewonnen, zumal sich auch in Nordamerika der Einfluß günstigerer Witterungsverhältnisse im Preis­gang bemerkbar macht. In Deutschland war das Wetter zeitweise recht kühl und für die Ent­wicklung der Saaten nicht immer förderlich: Nachtfröste um die Mitte der Woche haben dem in Blüte stehenden Roggen geschadet und auch sonst in den Feldern vielfach Schaden angerich­tet; es fehlt aber andererseits nicht an Berichten, die den Stand der Felder als gebessert bezeich­nen. In geschäftlicher Beziehung hat sich auf den deutschen Märkten nichts geändert. Die Ver­sorgung ist allgemein unzureichend, das Angebot genügt kaum zur Befriedigung aufs äußerste eingeschränkter Bedarfsansprüche. Indessen er­blicken die Mühlen in dem Absatz ihrer Erzeug­nisse wenig Anreiz zur Ergänzung ihrer Be­stände. Dem stockenden Warenverkauf int Jn- lande war es auch zuzuschreiben, daß ein für Deutschland bestimmter Segler australischen Weizens wieder nach England abgelenkt und einige Posten russischen Roggens zu Export- Zwecken nach Hamburg verkauft wurden. Aus dem Terminmarkte erfolgten darauf Deckungen, denen sich unter anziehenden Preisen Memungs- käufe anschlossen, als Argentinien kleinere W-