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Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag'. Joh. Ang. Koch, UmverMtS-Buchdruckerei 42. Jahrg.
Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
mit dem Kreisdlatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
Eonntaasbellaüer Alluttrirtes
's Vierteljährlicher Bezugspreis: bei der ExpMition 2 MH,
130 ... bu allen Postämtern 2,25 Mk. hexcl. Bestellgeld).
- Reclamen: die Zette 30 Pfg. Raum 15 Pfg. Donnerstag, 6. Juni 1907.
Erstes Blatt.
- Die Sozialdemokratie und die Sozialpolitik.
f / Im letzten Reichstagswahlkampfe ist der So- Kialdemokratie mit Recht der Vorwurf gemacht morden, -atz sie die mit der kaiserlichen Botschaft von 1881 begonnene Aera der Sozialreform de- «mpft, und datz ihre parlamentarischen Vertreter sowohl gegen das Kranken«.er- ficherungsgesetz vom 15. Juni 1883, gegen das Unfallversicherungsgesetz vom 6. Juli 1884, wie gegen das Alters- und Jnvaliditätsgesetz vom 2. Juni 1889 gestimmt haben.
i Diese Feststellungen sind der Sozialdemokratie unbequem gewesen, und sie hat oft genug die Ausrede gebraucht, daß sie deswegen jenen Gesetzen ihre Zustimmung versagt habe, weil sie der Arbeiterklasse zu wenig geboten hätten. Die Tatsache, datz die sozialdemokratischen Vertreter im Reichstage gegen jene Gesetze gestimmt haben, läßt sich durch alle Sophistik nicht aus der Welt schaffen. Der Grund ihrer Ablehnung leuchtet politisch geschulten Leuten ebenso wenig ein, tzls wenn jemand für einen wohltätigen Zweck beantragen würde, zweihundert Mark zu bewilligen und weil sich eine Mehrheit nur für einhundert Mark zusammen findet, der Antragsteller gegen die einhundert Mark sich erklärt, also dafür stimmt, datz nicht ein Pfennig gewährt werden soll. Entscheidend mutz für die Beantwortung der Frage sein, ob jene drei großen Gesetze, die in ausländischen Staaten nach Jahren nachgeahmt worden sind, ein Fortschritt gegenüber dem früheren Rechtszustande sind pder nicht. Datz sie gegen früher gerade der Arbeiterschaft bedeutende Vorteile geboten und eine Unsumme von Elend aus der Welt geschafft haben, braucht heute nicht mehr bewiesen zu werden. Es ist längst durch die Tatsachen bewiesen. Die Sozialdemokraten haben also gegen Gesetze gestimmt, die für die Arbeiter einen wirtschaftlichen Fortschritt bedeuten. Sicherlich hat sie das Gefühl geleitet, datz mit Durchführung jener Gesetze eine neue Aera sozialer Zufriedenheit eintreten könne, und letztere wäre ja der Todfeind für die agitatorischen Bestrebungen der Sozialdemokratie. Gewiß haben seinerzeit auch andere Parteien gegen jene sozialpolitischen Gesetze gestimmt. Aber im Laufe der Zeit hat sich auch in jenen Kreisen, die unter dem Einfluh der volkswirtschaftlichen Manchesterlehre jedes staatliche Eingreifen in das wirtschaftliche Getriebe ablehnten, die Erkenntnis von der Notwendigkeit energischer So- tztalreform durchgerungen. Jeder ehrliche Freund eines sozialen Fortschritts mühte doch selbst eine kleine Verbesserung dem Nichts vorziehen.
55 (Nachdruck verboten.)^
In der Schule des Leidens.
Roman aus dem New-Porker Leben von Erich Friesen.
(Fortsetzung.)
Felicie wirst einen Blick auf das schmerzdurchwühlte Antlitz ihres Gatten: doch kein Funken von Eifersucht regt sich in ihr. Ernst und ruhig steht sie da — um Jahre gereift in den letzten Stunden.
„Latz mich zu ihr gehen;" wiederholt sie fest. »Ich habe ein Recht dazu."
Schon drückt sie auf die Türklinke.
V In ihrem schneeigen Spitzenbett ruht Gerda Douglas. Sie hat das Gesicht der Wand zugekehrt, so dah nur die aufgelösten, schweren, blonden Haarmassen sichtbar sind.
Regungslos steht Felicie in der Mitte des Zimmers. Die am Fußende des Bettes fitzende Pflegerin hat sich bei ihrem Eintritt in die Fensternische zurückgezogen.
In diesem Augenblick betritt Norbert das Zimmer.
Als ahne Gerda seine Nähe, ruft sie plötzlich leise. , üj r, j ■ j
- „Norbert!" '
ü Er finkt neben dem Lager in die Knie, das Gesicht mit beiden Händen bedeckend.
„Norbert?" wiederholt sie noch leiser.
„Hier bin ich, Gerda."
„Ist Felicie hier?"
.'„Sie ist hier."
; „Führen Sie Felicie zu mir!"
Langsam erhebt sich Norbert und schreitet auf seine noch immer unbeweglich in der Mitte des Zimmers verharrende Frau zu. ,
..Felicie — Gerda will dich sprechen!" " i*
Er saht sie bei der Hand und führt sie an das Krankenbett.
Dann verläßt er das Simmet.'
Einige Augenblicke herrscht tiefes Schweigen,
Nach dem Satze: „Alles oder nichts" handeln nur Unvernünftige.
Da den Führern der Partei des Klassenkampfes alle diese Feststellungen, welche doch hier und da die denkende Arbeiterschaft stutzig gemacht haben, peinlich sind, versucht sie nach bekannter Manier den Spieß umzudrehen und behauptet schlankweg:
„Die Sozialdemokratie resp. deren Vertreter war en es, von denen die Anregungen zu allen gesetzgeberischen Akten betr. den Arbeiterschutz a u s g i n g e n." (Vergl. z. B. „Casseler Volksblatt" Nr. 104 vom 6. Mai 1907.)
Diese Behauptung ist sowohl für Deutschland, wie für das Ausland gänzlich unwahr. Wenn man einen Blick in die Vergangenheit wirft, so darf hierbei daran erinnert werden, daß die ersten Anregungen zum Arbeiterschutz in Preußen zu einer Zeit ergangen sind, als es in Deutschland ebenso wenig eine Sozialdemokratie, wie überhaupt eine konstitutionelle Volksvertretung gab, und zwar war es einer der von der Sozialdemokratie so viel geschmähten preußischen Generale, die unter dem Eindruck der Schäden der Kinderarbeit in den Fabriken aus warmem sozialen Mitgefühl heraus seinen König auf die Notwendigkeit eines staatlichen Arbeiterschutzes hinwies.
Im Jahre 1828 berichtete der Generalleutnant v. Horn aus dem rheinischen Aushsbungs- gcbiete, daß die dortige Fabrikgegend ihr Kontingent zum Ersätze der Armee nicht mehr vollständig stellen könne und hatte bei dieser Gelegenheit der nächtlichen Fabrikarbeit der Kinder Erwähnung getan.
Dies veranlaßte den König Friedrich Wilhelm III. von Preußen am 12. Mai 1828 zu folgender Ordre an den Handels- und Unterrichtsminister:
„Der Generalleutnant v. Horn bemerkt in seinem Landwehrgeschäftsbericht, daß die Fabrikgegenden ihr Kontingent zum Ersätze der Armee nicht vollständig stellen können und daher von den Kreisen, welche Ackerbau treiben, übertroffen werden und erwähnt dabei des Uebelstandes, daß von den Fabrikunternehmern sogar Kinder in Massen des Nachts zu den Arbeiten benutzt werden. Ich kann ein solches Verfahren umsoweniger billigen, als hierdurch die physische Ausbildung der zarten Jugend unterdrückt wird und zu besorgen ist, daß in den Fabrikgegenden die zukünftige Eeneratton noch schwächlicher und verkrüppelter werden wird, als es schon jetzt sein soll. Daher trage ich Ihnen auf, in nähere Erwägung zu nehmen, durch welche Maßregeln jenem Verfahren kräftig entgegengewirkt werden kann und sodann an mich darüber zu berichten."
Mögen auch die folgenden Zeitläufe jenen Ideen nicht günstig gewesen sein, so bleibt doch das Verdienst jenes hochherzigen Generals ungeschmälert. Daß es auch die politischen Parteien des Bürgertums an Verständnis für die soziale Reform nicht haben fehlen lassen, dafür
Setz' dick) aus den Stuhl neben mich!" bittet nach einer Meile Gerdas weiche Stimme.
Den Kopf tief gesenkt, nimmt Felicie Platz.
„Steh' mich an, Licy! Du brauchst dich nicht zu fürchten, mein Gesicht ist nicht entstellt, nur mein Körper."
Langsam hebt Felicie die Lider.
Groß und voll blicken die beiden Augen- paarc ineinander — groß und voll wie damals vor zwei Jahren im Konversationszimmer des Mctropol-Theaters. Rur daß die schwarzen Augen sich jetzt nicht unruhig senken vor dem lBheitsvollen, fast überirdischen Blick der leuchtend-grauen Augensterne.
„Gerda!" murmelt Felicie mit bebender Stimme.
Eine Art Ehrfurcht beschleicht sie vor der Größe dieser Frauenseele.
„Licy!" wiederholt die Kranke matt, den Kopf etwas seitwärts wendend, um Felicie besser sehen zu können, „wirst du ihm eine gute Gattin sein? Du hast dich sehr verändert!"
„O, Gerda!" schluchzt Felicie auf. „Du opfertest dich um meines Kindes willen, und du fragst mich, ob ich gut sein will! Ja, Gerda, ich will gut sein: ich werde versuchen, dir ähnlich zu werden, damit ich dich dereinst dort oben im Himmel wiedersehe."
Eine Weile liegt Gerda still da: die Unterhaltung greift sie sichtlich an. Dann sagt sie leise:
„Beuge dich näher zu mir, Licy! So? Ich bin euch beiden stets eine treue Freundin gewesen — auch als du nicht bei ihm warst, Licy. Ich versuchte, für euer Kind zu sorgen und auch Norbert das Leben erträglich zu machen, bis zu deiner Rückkehr. Es gibt zwei Arten von Liebe, Licy: die eine zieht den Menschen herab und weckt alle schlechten Eigenschaften in ihm; die andere hebt empor aus dem Staub des Alltagslebens und befestigt das Gute und Edle, das in jedem Menschenherzen wohnt. Felicie, ich habe mit allen Kräften danach gestrebt, Norbert mit dieser
ließen sich genügend Beispiele ansühren, so z. B. die stete Agitation einer Partei der äußersten bürgerlichen Linken, der deutschen Volkspartei, für die überaus wichttge Frage der Arbeitslosenversicherung, zu einer Zeit, als die Sozialdemokratie sich mit jenem Problem noch niemals ernstlich beschäftigt hatte. Es soll nicht geleugnet werden, daß in den letzten Jahrzehnten auch von der Sozialdemokratie manche Ver- besierungen auf dem Gebiete des Arbeiterschutzes angeregt wurden, wenn sie auch ebenso oft, mit agitatorischem Beiwerk versehen, über die Grenzen des Realen und Durchführbaren hinausge- schosien haben. Die Frage der Priorität der Anregungen auf dem Gebiete des Arbeiterschutzes muß zu Ungun st en der Sozialdemokratie entschieden werden. Eine Partei, die sich mit dem Namen der Arbeiterpartei brüstet, hätte, wenn der ehrliche Wille ihre Haupttriebfeder gewesen wäre, in den Parlamenten doppelt vorsichtig sein müsien, um durch ihre Abstimmungen die wirklichen Arbeiterinteresien nicht zu schädigen. Jene Sünden der Sozialdemokratie vorzuhalten, wird so lange notwendig sein, als sich die sozialdemokratische Partei in einem bewußten Gegensatz zu unserer staatlichen und wirtschaftlichen Ordnung stellt. Die großen Kulturfortschritte der Menschheit sind niemals sprunghaft auf dem Wege der Utopie und des eigensinnigen Radikalismus herbeigeführt worden, sondern nur auf der Bahn langsamer, ernster und organischer Fortentwicklung.
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PrerMiber LaMsq.
Das Herrenhaus, in welches Graf Posa- dowsky-Wehner neu berufen worden ist, nahm gestern die Vorlage auf Bewilligung weiterer Staatsmittel zum Bau von Wohnungen für Arbeiter in staatlichen Betrieben und für gering besoldete Staatsbeamte ohne Erörterung an.
Es folgte die Beratung des vom Abgeordnetenhause angenommenen Antrags Funck auf Abänderung des Gesetzes, betreffend die Umlegung von Grundstücken in Frankfurt a. M. Der Entwurf wurde angenommen.
Nach Erledigung von Rechnungssachen des Oberrechnungshofes wurde der Entwurf auf Erweiterung des Stadtkreises Crefeld nach kurzer Erörterung gleichfalls angenommen.
Es folgte die Erörterung der Petttion der oftpreußischen Eenerallandschaftsdirektion zu Königsberg um Förderung der Entschuldung des land- und forstwirtschaftlich genutzten Grundbesitzes: a) durch Gewährung des Rechts auf eventuelle Ausdehnung oder Aufhebung der Ueberschuldungsgrenze, b) durch unbeschränkte Befreiung der Schuldtilgungsbeiträge von der Einkommensteuer und c) durch Ablösung des
Domänenzinses durch die Rentenbanken. Die Kommission beantragte bei a) Tagesordnung, bei Punkt b) und c) Erwägung.
Nachdem mehrere Redner hierzu gesprochen hatten, beantragte Graf v. Finkenstein Absetzung des Gegenstandes von der Tagesordnung. Das Haus beschloß darauf die Absetzung. Auch die Petition von Bahnsteigschaffnern um Gehaltserhöhung, Stellenzulage und Sommerurlaub wurden durch Uebergang zur Tagesordnung erledigt.
Damit war die Tagesordnung erschöpft.
Mittwoch 2 llhr: Kleinere Vorlagen.
Deutsches Reich.
— Die Kaiserin traf gestern Nachmittag zur Teilnahme an der Hohenfriedbergfeier des K1- rassierregiments „Königin" in Pasewalk ein und wurde am Bahnhof von dem Kommandeur des Regiments, Oberst v. Heydebreck, empfangen. Unter begeisterter Begrüßung durch das Publikum fuhr die Kaiserin« zum Kasino, wo sie unter den Klängen des Hohenfriedberger Marsches zu Pferde stieg. Nach einer kurzen Ansprache des Kommandeurs an die Kaiserin begann die Feier mit der Verlesung der von Friedrich dem Großen vollzogenen Stiftungsurkunde des Regiments. In einer weiteren Ansprache an die Kürassiere dankte der Kommandeur für die hohe Auszeichnung, die dem Regimente durch den vorjährigen Besuch des Kronprinzen und jetzt durch die Kaiserin erwiesen wurde und schloß mit einem Hoch aus den obersten Kriegsherrn. Die Kaiserin ritt darauf die Fronten ab, worauf ein Vorbeimarsch erfolgte. Nach kurzem Aufenthalt in der Wohnung des Regimentskommandeurs fuhr die Kai- fetttt zum Offizierskafino, wo sie den Tee ein« nahm. Um 514 Uhr erfolgte die Weiterreise nach Potsdam.
— Bundesrat. In der am Sonnabend abgr- haltene Plenarsitzung des Bundesrats wurde dem Entwurf einer Verordnung zur Ausführung des Gesetzes vom 15. Februar 1900, betreffend die Freundschaftsverträge mit Tonga und Samoa und den Freundschafts-, Handels- und Schiffahrtsvertrag mit Zansibar die Zustimmung erteilt. Dem Deutschen Klub in Salonik wurde die Rechtsfähigkeit verliehen. Von dem am 6. Juli 1906 in Genf abgeschlossenen Abkommen, betreffend die Besierung des Loses der Verwundeten und Kranken bei den im Fels stehenden Heeren, nahm die Versammlung Kenntnis. Mit der Ueberweisung der Vorlage, betreffend der Vorschriften über den Verkehr mit Geheimmitteln und ähnlichen Arzneimitteln au die zuständigen Ausschüße, erklärte sie sich einverstanden.
edlen, uneigennützigen Liebe zu lieben. In wenig Stunden werde ich nicht mehr unter euch weilen. Ich möchte nur eines noch besonders, ganz besonders betonen, Licy: ich habe stets ehrlich und als treue Freundin gegen dich gehandelt, und auch Norbert hat dich nie, niemals, weder durch Wort, noch durch irgend eine Handlung beleidigt. Glaubst du mir, Felicie? Ich fühle mich sehr, sehr schwach — ich kann — kaum mehr sprechen. Glaubst du mir?"
„Ja, ja, ich glaube dir!" schluchzt Felicie.
„O Gott, daß Norbert so blind sein konnte, um ein kleinliches, armseliges Herz, wie das meine,
zu begehren, wo dein großes, edles, goldenes
Herz haben kon ' Gerda, Gerda, jetzt erst be
ginne ich dich zu "ehen!"
In den Au. der Sterbenden leuchtet es auf.
„Dann sterbe ich nicht umsonst," flüstert sie glückselig. Versprich mir eins, Felicie! Versuche, Norbert eine gute, im edelsten Sinn des Wortes gute Gattin zu sein! Tu' es — um meinetwillen, weil ich dir dein Kind rettete!"
„Ja, Gerda, ja — ich verspreche es dir heilig.
Ich will dir ähnlich werden, Gerda?"
Wieder liegt die Sterbende ein Weilchen still da.
Plötzlich flüstert sie ganz leise:
„Es wird so dunkel — ganz dunkel um mich her — aber — ich leide nicht — 0 nein, ich bin sehr glücklich? Und jetzt — jetzt ist es auch wieder hell und licht! Licy, ich möchte — Nobert noch einmal sehen!"
Nach wenigen Sekunden schon steht Nobert neben seiner Gattin an dem Sterbelager.
„Nimm Licys Hand in die deine, Norbert!"
flüstert sie kaum hörbar. „Eie wird dir fortan — eine gute Gatttn sein, Norbert; sie hat es mir versprochen. Ich'nenne dich — mit dem schwesterlichen „du". Jetzt, angesichts des Todes — schadet es keinem mehr? Lebt wohl, ihr Lieben! Grüßt Walterchen! Ich habe euch drei lieb — sehr lieb! Ha, das Licht wird größer — und
immer größer — es umstrahlt mich ganz — es hüllt mich ein — es--“
Glückseliges Lächeln verklärt die edlen, bleichen Züge —
Der Atem wird schwächer; der Pulsschlag stockt —
Laut aufschluchzend beugt Felicie sich nieder
Ein edles Frauenherz hat aufgehört *• schlagen . . .
xxxm.
Eingehüllt in weiße Spitzenwolken, inmitten duftender Blumen und knospendem Grün liegt Gerda Douglas im Sarg, die schönen Züge selbst im Tode noch verklärt von glückseligem Lächeln, gleich einem schlafenden Engel.
Tiefernst, tränenlos steht Norbert vor diesem überirdischen Bild. Der Schmerz um die Tolk hat sein ganzes Innere aufgewühlt. Sein Antlitz erscheint gleichsam wie versteinert.
Behutsam, als fürchte er, die Schlummernde zu stören, legt er ein Sträußchen Immergrün auf ihre Brust. Dann geht er hastig zum offenen Fenster; die kühle Abendluft kühlt seine heiße Stirn.
Noch ein letzter wehmutsschwerer Blick nach der stillen, weißen Gestalt — und er verläßt müden Schrittes das Sterbezimmer.
Im Salon nebenan sitzt Frau Mackay mit verweinten Augen in einem Fauteuil. Walter spielt zu ihren Füßen auf dem Teppich — lachend und jauchzend nach Kinderart.
„Wo ist Felicie?" fragt Norbert, sich gewaltsam beherrschend. „Ich war fast den ganzen Ta; fort und möchte sie sprechen."
..Ich weiß nicht. Ich habe sie seit vielen Stunden nicht gesehen. Vielleicht dort —"und die alte Dame deutet scheu nach dem Nebenzimmer. I
Norbert schüttelt den Kopf. Was mag der unruhige Geist seiner Frau wieder ausgebrütet haben! * 1 * * * * * * * * * , b ■ ;>
^Fortsetzung folgt.)