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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirckdain
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Vierteljährlicher Bezugspreis: btt ver Exprdirion 2 MH, bet allen Postämtern 2,25 W. ;ejcu Bestellgeld).
Znserttsnsgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfg.
Neclanien: die Zeile 30 Vm.
Marburg
Mittwoch. 5. Juni 1907.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck tmb Verlag: Joh. Aug. Koch, Universttäts-Buchdruckerei
Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
42. Jahrg.
Zweites Blatt.
Die militärische Bedeutung der Deportationsfrage.
Das immer mehr in den Vordergrund des Öffentlichen Interesses tretende Problem der StrafveLschickung berührt nach manchen Richtungen hin auch militärische Fragen. Zunächst kommt hierbei die Verwendbarkeit des überseeischen Strafvollzuges auf die zu längeren Freiheitsstrafen verurteilten Angehörigen der Armee und Marine in Betracht. Nach den Erfahrungen der französischen Strafkolonisation, insbesondere nach den Schilderungen Cor's über -ie erfolgreiche Verwendung soldatischer Deportierter in Neukaledonien, ist anzunehmen, daß sich bei dem Versuche einer deutschen Strafver- fchickung, — wie ihn der Deportationsausschutz pes Kolonialbundes zunächst für die Südsee- »nseln in Vorschlag gebracht hat, — die Mitver- fvendung von Militärsträflingen empfehlen würde. An freiwilligen Meldungen zu der bezüglichen Expedition würde es sicherlich auch bei •en Verurteilten des Heeres und der Flotte, in tlnbetracht des naturgemätzen Dranges nach größerer Bewegungsfreiheit, nicht fehlen. Die vtraftaten der soldatischen Elemente sind im Durchschnitte weniger der Ausflutz innerer Verderbtheit, als derjenige der Insubordination, ter Trunksucht, der Leidenschaft. Die Militär- siräflinge versprechen deshalb eine günstige Verwertbarkeit bei der ersten schweren Griin- iungsarbeiten der Strafkolonien. Und ihre Soldatische Schulung, gepaart mit jugendlicher knergie und Körperkraft, würde sie besonders geeignet erscheinen lasten, zur Sicherung der Niederlassungen bei etwaigen Friktionen mit Kriegerischen Eingeborenen beizutragen. Gut fch führende Leute könnten nach teilweiser Ltrafverbützung, entsprechend dem Vorgehen siutzlands auf Sachalin, zu Aufseherstellungen gefördert werden. Auch nach einer anderen siichtung hin würde die Durchführung des Ver- chickungsgedankens militärische Bedeutung gewinnen. Unsere zukünftigen Kriege werden jlller Voraussicht nach gegen Konstellationen Jon Seemächten anzukämpfen haben. Aus den deportierten unserer Zivil- und Militär-Straf- kechtspflege aber könnten die Arbeitskräfte ge- Jonnen werden, welche erforderlich erscheinen, m, nach dem Vorbilde der Kriegshäfen von Gibraltar, den Bermudas-Inseln usw., feste Stützpunkte der Marine, wie auch Zufluchtsorte Znserer Handelsschiffe, zu schaffen. England sietz durch die billige, und stets sicher zur Ver- jiigung stehende Arbeit der Deportierten an dielen wichtigen Punkten der Erde Küstenforts, Zitadellen, Kohlenstationen, und selbst ausgedehntere Befestigungsarbeiten verrichten. — Warum sollten wir dieses Vorgehen nicht nach- jahmen? Warum sollten wir nicht durch Auslage von Hafenbauten, Docks, Munitionslagern, pnd selbst größeren Verschanzungswerken an Iben Gestaden unserer afrikanischen, asiatischen und mikronesischen Besitzungen mittelst Depor- stiertenarbeit einerseits der Farmerbevölkerung unserer Kolonien im Falle von kriegerischen Anruhen einen militärischen Halt und Zufluchtsort verschaffen, anderseits Ausfalltore (für unsere Kreuzer- und Kaperschiffe zur Beunruhigung der feindlichen Kriegs^ und Handelsflotten errichten? Lehrt uns nicht die Ee- ischichte des Seekrieges, insbesondere diejenige der „Alabama", welche imponderable Bedeutung ein derartiger maritimer Druck auf den Seeverkehr gewinnen kann? Gerade auch die für die Strafverschickung mit ins Auge gefaßten Inselgruppen der Marianen, Karolinen und Palaueilande werden, als natürliche Verbindungsglieder zwischen zwei Erdteilen, nach dem Musbauen des Panamakanales unserer Kriegs- jund Handelsflotte selbst in friedlichen Zeiten, behufs Einnahme von Feuerungsmaterialien, Lebensmitteln ufw., zu wesentlichem Vorteile gereichen. Freie Arbeiter zur Bewältigung sjener weitentlegenen Anlagen würden nur schwer zu gewinnen sein, jedenfalls aber wegen der großen Entfernungen nur gegen hohes Entgelt bezogen werden können. Dagegen wäre bei der Realisierung der Strafverschickung vielen Angehörigen von Armee und Marine, insbesondere auch pensionierten Offizieren, Militärbeamten und Mannschaften des Heeres und der Marine, die willkommene Gelegenheit geboten, bei der Organisation und Verwaltung der einzelnen Strafniederlastungen al« Ssm*
»erneute .Inspektoren, Aufseher usw., ein neues, interessantes und hochwichtiges Vetäti- gungsgebiet zu gewinnen, wobei sie zugleich, zufolge unentgeltlicher Ueberlastung von Kronland und von Arbeitskraft, die Aussicht hätten, an Stelle der dürftigen Chancen des Zivilversorgungsscheines sich in einem aussichtsreichen Neulande eine wirtschaftlich prosperierende Zukunft zu sichern.
Detttsches Neich.
— Invalidenversicherung, Wittweu- und Waisenverficherung. Die Berufs- und Betriebszählung vom 12. Juni d. Js. wird auch der Arbeiterversicherung nutzbar gemacht werden. In der Haushaltungsliste, die von allen Haushaltungsvorständen auszufüllen ist, wird nach den Personen gefragt, die gegen Invalidität reichsgesetzlich versichert sind. Bisher konnte die Zahl der Versicherten immer nur schätzungsweise ermittelt werden. Weiter wird festgest^llt, wer eine Invaliden- oder llnfallrente bezieh und in welchem Beruf die Invalidität oder der Unfall eingetreten ist. Auf diese Weise wird die Jnva- liditäts- und Unfallgefahr der einzelnen Berufe erkannt. Für die finanzielle Sicherung der Versicherungsanstalten ist dies von größter Bedeutung, um die Beiträge zur Invalidenversicherung richtig zu bemesten, die zum 1. Januar 1910 neu zu regeln sind. Ferner werden die Witwen und die Waisen gezählt. Von den Witwen wird zugleich eine Angabe über den Beruf des verstorbenen Ehemannes und von den Waisen über den Beruf des verstorbenen Vaters sowie darüber verlangt, ob auch die Mutter tot ist. Mittels dieser Nachweise wird sich ein Ueberblick über die Witwen und Waisen der einzelnen Berufsstände gewinnen lasten, der für die Vorbereitung einer Witwen- und Wai- senversicherung von größter Bedeutung ist.
— Kolonial-Banknoten. Durch die von dem Geh. Admiralitätsrat Köbner bei der Hauptversammlung der Kolonialgesellschaft erwähnten Banknoten für Kiautschou, mit deren Ausgabe Ende Mai begonnen wird, ist, wie die „T. R." schreibt, in mehrfacher Hinsicht ein neues System geschaffen, das über seine konkrete örtliche Anwendung hinaus möglicherweise imstande sein wird, eine grundsätzliche bankpolitische Bedeutung im Falle ähnlich auftretender Bedürfnisse der überseeischen deutschen Wirtschaftsentwicklung zu gewinnen. Nach mehrjährigen Ver- haitdlungen, bei denen mit der Marineverwal- tung alle anderen interessierten Ressorts der Reichsverwaltung mitgewirkt haben und auch das Reichbankdirektorium in dankenswerter Weise seine Erfahrungen zur Verfügung gestellt hat, kam das von uns im Handelsteil bereits wiedergegebene Abkommen mit der Deutsch-Asiatischen Bank zustande, durch das sowohl die Be- dllrfniste des Verkehrs hinsichtlich der glatten Einlösung und der Sicherheit der Banknoten, als auch der wünschenswerte Einfluß der öffentlichen Organe zwecks Ausübung der unbedingt erforderlichen Staatsaufsicht, sowie endlich ein angemessener Gewinn für den Fiskus durch eine besondere Banknotenabgabe sichergestellt sind. Durch Konzession des Reichskanzlers vom 8. Juli 1906 hat die Bank auf 15 Jahre die Befugnis erhalten, Banknoten durch ihre im deutschen Gebiete Kiautschou und in China befindlichen Niederlassungen auszugeben. Die vom Fiskus als Gegenleistung für Verleihung der Befugnis zur Notenausgabe ausbedungene Abgabe beträgt 1 v. H. auf den Durchschnitt oes täglichen Notenumlaufs. Sie wird völlig unabhängig davon, ob sich in dem betreffenden Jahr ein Gewinn der Bank aus dem Ratengeschäft nachweisen läßt, stellt also gewissermaßen eine Bruttoab- gabe dar. Nach einer Vereinbarung zwischen den beteiligten Restarts fließt die Abgabe von den auf Tsingtau-Währung lautenden Noten der Eouvernementskaste des Schutzgebietes, diejenige von den übrigen Noten der Legationskaste des Auswärtigen Amtes zu. Für die ersten vier Monate vom Beginn der Notenabgabe ab bleibt die Bank von der Verpflichtung der Zahlung frei. Entsprechend der im Handelsverkehr herrschenden Verschiedenheit der Währung werden die neuen Noten teils auf mexikanische Dollar, teils auf Tael lautend ausgegeben. In Tsingtau werden nut Dollarnoten und zwar im Betrage von 1, 5, 10, 25 und 50 Dollar ausgegeben, in Tientsin, Schanghai, Hankau und Peking diese fünf Arten Dollarnoten und vier Arten Tael- noten, nämlich solche zu 1, 5, 10 und 20 Tael. Als Dollar gilt der sog. „mexikanische" Dollar mit einem Feingehalt von 902,7 Tausendteilen, einem Gewicht von 27,073 Gramm und einem Mindestgewicht von 26,633 Gramm oder aber eine durch den Handelsverkehr an den einzelnen Plätzen oder durch gesetzliche Bestimmung als gleichwertig erkannte Münze. Als Tael gilt die bei Äusaabe der Banknoten am Ausgabeorte
geltende gleichnamige Werteinheit der chinesischen Silberwährung.
— Deutschlands Handel mit England «ud seine« Kolonie«.
Millionen Mark
Deutschlands Deutschlands
Einfuhr aus: Ausfuhr nach:
1906 1905 1906 1905
Britisch-Asien 358,6 312,2 114,7 98,8
Britifch-Auftralien 179,6 160,1 64,4 51,4
Britisch-Afrika 99,1 93,6 48,0 47,2
Britisch-Amerika 21.4 17,5 26,7 23,6
Kolonien insgesamt 658,7 58 >
Crofebritannien 824.3 718
,4 253,8 221,0
.4 1067.2 1042,4
1488,0 130 i
,8 1321,0 1263,4
ES ist demnach 1906 gegen 1905 durchweg eine Steigerung festzustellen. Gegenüber den britischen Kolonien ist unsere Handels, b i l a n z in den letzten Jahren eine sehr negative gewesen, dem Mutterlande gegenüber jedoch eine positive, ohne daß aber dieses Plus das Minus auszugleichen im Stande ist.
Unsere Handelsbeziehungen zu denjenigen englischen Kolonien, die unsere Waren zugunsten Englands difserenzierrn, haben sich in den letzten Jahren wie folgt gestaltet: g
Millionen Mark
Deutschlands
Deutschlands
Einfuhr aus:
Ausfuhr nach:
1906
1905
1906
1905
Kanada
11.3
9,8
24,5
21,8
Südafrika
35,9
36,0
32,7
34,3
Neuseeland
1,8
1,5
5,0
4,6
Marburg und Umgegend.
(Nachdruck aller Origtnalartikel ist gemäß § 18 dei> Urheberrecht» nur mit der deutlichen Quellenangabe .Obrrhest. gtg." gestattet)
Marburg, 4. Juni.
* Bo« den langen Tagen. Die längsten Tage des Jahres bringt uns der Juni. Der 21., 22., 23. und 24. Juni sind die Tage mit der kürzesten Nacht, denn an diesen Tagen geht die Sonne, die am 1. Juni 3 Uhr 45 Min. auf- und 8 Uhr 9 Min. untergeht, schon 3 Uhr 39 Min. auf und erst 8 Uhr 24 Min. unter. Am 25. Juni tritt bereits eine Verkürzung der Tages- dauer um 1 Minute ein und am letzten Tage des Juni ist die Tagesdauer schon 3 Minuten geringer. Arn 22. Juni, 3 Uhr nachmittags tritt unser Tagesgestirn aus dem Zeichen der Zwillinge in das des Krebses, kommt um Mittag dem Scheitelpunkt am nächsten und beginnt damit auch der kalendarische Sommer. Die Mondphasen sind im Juni wie folgt: Am 3. vormittags 6 Uhr letztes Viertel, am 11. morgens 1 Uhr Neumond, am 19. morgens 4 Uhr erstes Viertel und am 25. abends 10 Uhr Vollmond. Am 12. Juni befindet sich der Mond in Erdferne und am 25. Juni in Erdnähe.
* Große Wäsche auf der preußische« Eisenbahn. Bei Beginn des stärkeren Reiseverkehrs sieht sich Minister Breitenbach veranlaßt, die Eisenbahndirektionen an die sorgfältigste Beachtung der Vorschriften zu erinnern, die den Unterhaltungszustand der Personenwagen, ihre Reinhaltung, Kühlung und die Versorgung mit frischem Waffer zum Gegenstände haben. Insonderheit sollen die Wagenwärter und Schaffner angehalten werden, darauf zu achten, daß die Türen gut schließen, die Fensterscheiben nicht klappern, die beweglichen Fenster sich leicht öffnen und schließen lassen, daß die Beleuchtung, die Waschräume, die Wasserbehälter in Ordnung sind. Es wurde auch darüber Klage geführt, daß das Zugpersonal Beschwerden der Reisenden über Mängel in den Wagen nicht immer mit der Bereitwilligkeit nachgehe, die im Interesse des Reiseverkehrs erwartet werden muffe. Derartigen Beschwerden müsse, soweit es irgend angehe, schon auf der Fahrt, nicht erst auf der Endstation Folge gegeben werden.
* Badereglen. So gesund für Jung und Alt das Baden im Freien ist, so sind doch verschiedene Vorsichtsmaßregeln zu beachten. So ist es niemals ratsam, ein Bad bei gefülltem Magen zu nehmen. Die beste Zeit ist daher morgens vor dem Frühstück, ein Stunde nach dem Mittagessen und nachmittags vor dem Abend- effen. Man gehe ferner niemals erhitzt in das Waffer, sondern erst bann, wenn aller sichtbarer Schweiß geschwunden ist, ein vermehrter Herzschlag oder eine vermehrte Atmung sich beruhigt hat. Man bade niemals bei starker Gemütsbewegung oder bei statthabender Brustbeklemmung und llebelkeit. Je kälter das Waffer ist, desto kürzere Zeit darf man im Waffer bleiben. Ein längeres Verweilen als 4 Minuten im Waffer ist völlig unnütz, schon ein mehrmaliges schnelles Untertauchen, eine kräftige Bewegung von bet Dauer einer Minute ist völlig ausreichend, um die heilsame Wirkung eines kalten Bades zu erfahren. Dor dem Eintritt in bas
Wasser wasche man Kopf und Brust. Dai Hineinspringen bet guten Schwimmer mit bem Kopf zuerst erfordert bei sehr kaltem Waffel und blutreichen Personen große Vorsicht, denn der eintretende scharfe Temperaturwechsel hat schon manchen Schlagfluß herbeigeführt. Nach dem Verlassen des Bades sorge man für eh kräftiges Frottieren des ganzen Körpers, benti das erhöht die wohltuende und kräftige Wil hing des kalten Bades.
* Keine Schreibgebühr mehr bei Fahrgeld. Rückerstattung. Soweit Strecken der preußisch- hessischen Staatseisenbahnen in Betracht kommen, erfolgt von jetzt ab, nach einem Erlaß desi Ministers der öffentlichen Arbeiten, die Rückerstattung von Fahrgeld in den Fällen, in denen der Reisende eine Fahrkarte nur zum Teil ausgenutzt hat, ohne Abzug einer Schreibgebühr Der Reisende muß jedoch glaubhaft machen, daß et an der vollständigen Ausnutzung durch zwingende Ursachen, die ohne sein Verschulden eingetreten sind, verhindert wurde. Andernfall- findet eine Rückzahlung überhaupt nicht mehr statt, wie sie auch von vornherein dann ausgeschlossen bleibt, wenn die Fahrkarte bei der Rückgabe nicht mehr gültig war. Für zusammenstell- bare Fahrscheinhefte, mit denen die Reise nu: zum Teil ausgeführt worden ist, wird wie bisher keinerlei Ersatz geleistet. Die entrichtete Fahrkartensteuer wird stets mit dem vollen Betrag» einbehalten; eine Rückerstattung ist hier ausgeschloffen.
6 Heffenland. Der Inhalt der Nr. 11 bet „Hessenland" ist folgender: Schöner, Dr. E. Die Ortsnamenwelt in der Umgebung Gelnhausens. Ein Hintergrund für ein Kulturbild. — Jugenderinnerungen des Fabrikanten Karl Heinrich Arnold in Caffel. Mit Ergänzungen von August Woringer (Fortsetzung). — Vertel- mann, H. Hessisches Städtchen. (Gedicht.) Mit Zeichnung von Hans Meyer-Cassel. — Traudt, Valentin. Das Mützeneck (Skizze). — Aus Heimat und Fremde. — Hessische Bücherschau. — Personalien.
Hatzfeld, 1. Juni. Die hiesige Oberförster- stelle wurde dem Oberförster Guter, bisher in Potsdam, übertragen.
Aus dem Kreise Biedenkopf, 2. Juni. Aus bem Eansbachtal wird dem „Nh. Cour." geschrieben: Man hatte allgemein die Hoffnung, daß mit der Neubesetzung der Arztstelle zu Gönnern durch Herrn Dr. Schneider, wenn nicht eine Filiale, doch wenigstens in dessen Hände die Ec- nehmigung für eine Hausapotheke gelegt würde, nachdem diese vom verstorbenen Dr. Barth gehalten werden durfte. Aber die Bemühungen sind bis jetzt leider ohne Erfolg. 8000 (schreibe achttausend) Seelen sind wieder in den alten Zustand versetzt, nötigen Falls 2—4 Stunden Weges bis in die Apotheken zu Biedenkopf oder Straßebersbach zu verlieren. Ein ganzer Tag — mit dem Besuch des Arztes oft nocki mehr — geht wieder darauf, bis das ersehnte Tränklein da ist, manchmal viel zu spät, wie es in diesen Tagen schon wieder der Fall war. Der Sarg hatte den Toten schon aufgenommen, als das Heilmittel, die letzte Hoffnung, eintraf. Um so unverständlicher ist die bis jetzt nicht erfolgte Genehmigung der Hausavotheke, da durch diese den Amtsapotheken zu Biedenkopf und Straßebersbach keineswegs ein geringerer Absatz an Medikamenten entsteht: im Gegenteil, der Inhaber der Hausapoteke muß die Medizinmittei nachweisbar von Biedenkopf und Stratzebers- bach beziehen. Hoffentlich wird unserem Wunsche in aller Kürze doch entsprochen werden zum Segen und zur Beruhigung von 8000 Menschen.
.vussen-NHur und Nachbargebiete.
r4- Zimmersrobe, 2. Juni. Unter Vorsitz des Kreisschulinspektors Herrn Pfarrer Steinbock zu Bischhausen wurde heute die amtliche Konferenz der Klalle Borken II abgehalten.
Caffel, 2. Juni. Spaziergänger fanden gestern Nachmittag auf dem Wege zwischen Neue Mühle und Waldhaus an einem Baurn erbangt einen älteren aut gekleideten Mann. In seiner Tasche fand sich ein Notizbuch mit einem Abschiedsbrief an Frau und Kind, unterzeichnet M. B. Er sagt darin, daß er nickt leben bleiben dürfe. Der Selbstmörder war Beamter.
Butzbach, 2. Juni. Seine Durchlaucht. Fürst Karl zu Solms-Hobensolms-Lich. hat den Ehren- Vorsitz für die am 16. und 17. Juni d. I. statt- finbenben Veranstaltungen gnädigst übernommen und sein Erscheinen nebst das hoher Angehörigen bei der Festlichkeit in Aussicht gestellt.
Biebrich, 30. Mai. Dieser Tage tagte Bier die 63. Generalversammlung desEewerbevereins für Naffau. Der Verein ist um drei Einzel- \ vereine gewachsen und zählt deren heute 138 mit 11253 Mitgliedern, gegen 75 resp. 6784 vor 12 Jahren. Der ihm gewährte Staatszuschuß beläuft sich heute auf 99 000 M. „Seitdem der all- ' gemeine Befähigungsnachweis aus der Debatte