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gestellt worden: Mittwoch, den 5. Juni: T. und n. Beratung des Gesetzes, betr. Rhein-Weser« Kanal, Nr. 388; I. und II. Beratung des An­trages Brütt auf Annahme eines Eesetzentwur- fes, betr. die Erweiterung des Kaiser-Wilhelm- Kanals, Nr. 408; Einmalige Beratung des Staatsvertrages mit Wald«k, betr. Lotterie- verhältnisse, Nr. 403; I. und n. Beratung des Nachtragsetais in Berbindung mit dem Antrag der Budgetkommisfion, betr. Beamtenbesoldun­gen; I. Beratung des Antrages Nielsen-Hanssen, betr. Kreisordnung für Schleswig-Holstein, Nr. 94; Beratung des Antrages Viereck, betr. Straf­vollzug, Nr. 104, 106; Petitionen. Donnerstag, den 6. Juni: III. Beratung des Gesetzes, betr. Nhein-Wefer-Kanal; III. Beratung des Nach- tragsetats; II. und III. Beratung der Wegeord­nung für Posen, Nr. 340 (Kommisfionsbericht wird erwartet); Vom Herrenhause zurückge­langte Vorlagen (Jagdordnung?); Rest vom Mittwoch; Antrag Linz, betr. Rheinische Ge­meindeordnung, Nr. 159; Antrag v. Bieberstein betr. Entschädigung für Sperrmatzregeln, Rr. 214, 404; Petitionen. Freitag, den 7. Juni: Vom Herrenhause zurückgelangte Vorlagen (Verunstaltungsgesetz, Wanderarbeitsstiittenge- setz?); Antrag Bachmann, betr. Deamtengesetz, Rr. 17; Antrag Ernst, betr. Vorschulen, Rr. 84 sKommisstonsbericht wird erwartet); Einmalige Beratung der Reiseberichte über Mädchenunter­richt. Rr. 405; Petitionen. Sonnabend, den 8. Juni: Vom Herrenhause zurückgelangste Vor­lagen; I. Beratung des Antrages Dr. Arendt (Mansfeld), betr. Steuerfreiheit von Kriegern, Nr. 34; Antrag Friedberg, betr. § 20 Abf. 2 der Geschäftsordnung, Rr. 259 (Kommissionsbericht wird erwartet); Petitionen.

Heber den bedingten Strafaufschub in Preutzen während seines mehr als elfjährigen Bestehens vom 23. Oktober 1895 bis End« 1906 entnehmen wir der amtlichenStatist. Äon. folgende Angaben:

Der bedingte Strafaufschub ist im ganzen 70 741 Verurteilten gewährt worden. Die Zahl der bedingt Begnadigten ist von Jahr zu Jahr, zumeist sehr stark, gestiegen; sie betrug 1906 11166, 1905 10 179, 1904 8941, 1903 8770, 1902 7461, 1901 5351. Vom Hundert der Fälle des bedingten Strafaufschubes betrafen im Durch­schnitt der letzten acht Jahre 80 männliche und 20 weibliche. Trotzdem also nur ein Fünftel auf das weibliche Geschlecht entfällt, ist der Anteil der weiblichen Personen höher als fich gegen­über ihrer allgemeinen Kriminalität erwarten lätzt. Dem Grundsätze, datz die bedingte Begna­digung in erster Reihe jugendlichen Personen gewährt werden soll, entspricht es, datz unter 100 Begnadigten im Durchschnitt der letzten 8 Jahre 85 unter 18 Jahre alte Personen waren. Noch nicht vorbestraft waren 98,5, bereits vorbe­straft 1,5 v. H., doch steigt der Anteil der Vorbe­straften, der in den beiden letzten Jahren 3 v. H. betrug. Dasselbe gilt auch von den wegen Ver­

brechens Verurteilten, deren Anteilsziffer von 18 v. H. im Jahre 1899 auf 28 v. H. in den Jahren 1905 und 1906 gestiegen ist, während auf die Vergehen im Jahre 1906 nur 64 (1899 72) v. H. und auf die Uebertretungen nur 8 (10) v. H. entfallen. Ganz überwiegend bei etwa neun Zehnteln der Fälle handelte es fich um Aussetzung der Vollstreckung von Gefängnis­strafen, seltener bei rund einem Zehntel um Haftstrafen, niemals um Zuchthaus und nur zweimal um Festungshaft. Die Dauer der aus­gesetzten Gefängnisstrafe betrug i. I. 1906 in 51 (1899 in 61) v. H. aller Fälle nicht über eine Woche, in 25 (19) v. H. über eine Woche bis einem Monat, in 11 (7) v. H. über 18 Monat, in 4 (2) v. H. über 36 Monat und in 1 (0,2 v. H.) über 6 Monat. Die Aussetzung erfolgte in 21 (1899 in 27) v. H. auf weniger als 2 Jahre, während die Bewährungsfrist in 72 (68) v. H. aller Fälle 23 Jahre und in 7 (5) v. H. 3 Jahre und mehr betrug. Eine allmäh­liche Ausdehnung der Bewährungsfrist ist also unverkennbar.

Die sozialdemokratische Konsumgenossen- schaftsbeweguug macht immer größere Fort­schritte. Dem Zentralverbande der unter sozial­demokratischen Einfluß stehenden Konsumver­eine gehören bereits 800 solcher Vereine mit 720 000 Mitgliedern an, während die Zahl der übrigen Konsumvereine in Deutschland fich auf 1300 mit rund 600 000 Mitgliedern beläuft. Der Umsatz der dem Zentralverbande angeschlossenen Vereine betrug im verflossenen Jahre nicht we­niger als rund 188% Millionen Mark. In die­ser Summe ist der Umsatz der Eroßeinkaufsge- sellschaft mit einbegriffen. Da die sozialdemo­kratische Konsumgenossenschaftsbewegung auch darauf ausgeht, die Produktion derMasfenwaren in eigene Hand zu nehmen, kann man fich dar­über nicht wundern, daß fast der zehnte Teil der in den Komsumvereinen verkauften Waren, nämlich für rund 17% Millionen Mark aus eige­nen Produktionswerkstätten hervorgegangen war. In erster Linie befaßte fich diese Eigen­produktion mit Backwaren und Schlächterei, dann aber auch mit der Herstellung von Wäsche, mit der Konfektion, mit Zigarrenfabrikation, Müllerei, Schuhmacherei, Limoncchen- und Mi­neralwasserfabrikation usw. Nicht weniger als 130 Konsumvereine haben eigene Bäckereien, da­gegen sticht der von nur 17 Vereinen eingeführte Schlachtereibetrieb stark ab, befindet fich aber ge­rade jetzt in Zunahme. Die Konsumvereine hat­ten im Berichtsjahre einen Grundbesitz im Werte von 28% Millionen mit einer Hypothekenlast von rund 14% Millionen. Als Eefchäftsüber- fchutz gelangte an die Mitglieder die Summe von 6% Millionen Mark zur Verteilung, also kein sehr erheblicher Betrag. An Personal waren in den Konsumvereinen 9595 Arbeiter beschäftigt, die bekanntlich unter der Prinzipalität ihrer Kollegen nicht auf Rosen gebettet sind.

Marburg «ud Umgegend.

(Nachdruck aller Origrnalartiket ist gemäß 8 18 del Urheberrecht» »ur mit der deutlichen Quellenangabe

JDtetfcfl. Ztg." gestattet)

Mardnrst, L Juni.

Frauenbildung Fraueustudium. In der am Mittwoch den 29. d. M. stattgefundenen Mit­gliederversammlung unserer Abteilung bekam man ein fehr interessantes Bild von dem, was die die^ährige Hauptversammlung in Weimar den Mitgliedern gewährt hatte. Frau Wester­kamp berichtete, nachdem fie einen kurzen lleber- blick über die geselligen Veranstaltungen gegeben hatte, über die geschäftlichen Verhandlungen, die die Anträge der Abteilungen Greifswald und Frankfurt betrafen. Befouders der letztere ist vielleicht von allgemeinerem Interesse. Er be­zieht sich auf die Einberufung eines Kongresses zur Frage der höher» Mädchenbildung. Nach einer stundenlangen, z. T. sehr erregten Debatte ist in Weimar beschlossen worden, daß der Kon­greß einberufen werden solle, aber erst, wenn die neuen Lehrpläne für die höh. Mädchenschule erschienen sein werden; denn sie sollen die Grund­lage der Kongreßarbeit bilden. Frau Hildebrand machte wertvolle Angaben über die Kassenver­hältnisse des Vereins und ging dann näher auf den Dringlichkeitsantrag ein, durch den di« Ab­teilung Weimar aufgefordert hatte, der Verein möge die Bestrebungen desdeutschen kolonialen Frauenbundes unterstützen. Zweck dieses Bun­des sei, deutsche Frauen zu ermutigen und in den Stand zu setzen, in die Kolonien zu gehen, wo es für fie kulturelle und wirtschaftliche Aufgaben von hoher Bedeutung zu erfüllen gebe; denn nur durch die Mitarbeit der Frau und Gründung deutschen Familienlebens könne in unfern Ko­lonien nach und nach ein Neudeutschland ent­stehn. Schon gestern Abend zeichnete fich eine Reihe Anwesender in eine Liste ein, die gegen Zahlung von 3 Mark Mitglied des deutschen ko­lonialen Frauenbundes werden wollen. Frau Hildebrand berichtete auch noch kurz über den öffentlichen Vortrag, den Frl. Dr. Gertrud Bäu­mer den ersten Abend in Weimar gehalten hatte über das Themadie nationale und polittsche Bildung der Frau. Den zweiten öffentlichen Vorttag hatte Professor Weine! übernominen, über dessen Ausführungen Frl. Hast sehr fesselnd und eingehend berichtete, nachdem fie vorher den Gang der Verhandlungen bei Besprechung meh­rerer, innere Lereinsangelegenheiten be­treffende Anträge beleuchtet hatte. Seine Vorschläge überdie Reform des Religions­unterrichts hat Professor Weinel mit den Worten eingeführt:Große Gedanken und ein reines Herz, das ist es, was wir uns von Gott

etSttten sollen.- Wenn der Religionsunterricht zu diesen ewigen und wahren Gütern führen solle, müsse man vier Gesichtspunkte nicht aus dem Auge verlieren:

1. Das Ziel des Unterrichts, das nicht verschwommen, sondern scharf gezeichnet werden müsse als eine klare Auseinandersetzung zwischen Schule und Leben einer-, zwischen Gott und Leben andererseits. 2. DasMotivder Erziehung, das sich fern halten müsse von jeder Lohn- und Etrafetheorie, weshalb das Notengeben im Religionsunterricht durchaus verwerflich sei; 3. Den Beweis für das Ehr ist en tum, den es eben nicht gebe, da das Christentum dem Erleben unterliege. So fei z. B. das Wunder des Glaubens Kind, nicht der Grund desselben, sodaß bei der Be­sprechung der Wunder weniger das Wunder selbst, als die darin offenbarende Liebe des Sünderheilands zu betonen sei; 4. Die Me­thode, bei der der Memorierstoff möglichst zu beschneiden, ja zu vermeiden sei. Die Anwen­dung von Sprüchen und Liederversen müßten den Höhepuntt der Religionsstunde, nicht aber systematisch das Mittel zum Auswendiglernen bilden. Die schlichte Erzählung der biblischen Geschichten solle int Mittelpunkt des Unterrichts stehen, jedes zerstückelnde Abftagen dagegen möglichst vermieden werden.

)( Ein Marburger Student im Würzburger Karzer. In Würzburg hatte kürzlich ein ehe­maliger hiesiger Studierender eine Karzerstrafe zu verbüßen. In Ermangelung eines solchen Jnstttuts richtete man im Pedellenzimmer ein Provisorium ein und in diesem nahm der Delin­quent Wohnung. Sein Einzug gestaltete sich würdevoll, denn außer den Kommilitonen gaben ihm auch viele Zuschauer das Geleit und das mit Recht, denn man hatte seine Gestalt in ein weißes Büßerkleid gehüllt. Auf dem Zuge in den Karzer wurden verschiedene photographische Aufnahmen davon gemacht.

V Strafkammer. Eine interessante Ge­schichte. die schon mebr an Voraänoe in Wild- West erinnert, beschäftigte gestern in einer um­fangreichen Verhandlung die Strafkammer. Unter der Anklage, den 67 Jabre alten Müller Gotting von der sog. Göttingsmühle bei Greben­hagen überfallen und schwer mißbandelt zu ha­ben, standen der Taglöbner Job. Georg Lieber­mann aus genanntem Orte, geboren im Jahre 1876, und dessen Mutter, sowie eine jüngere Frau namens Martha Stiebeling aus Hergerts- feld. Die 53jährige Frau, welche zuerst ver­nommen wurde, hat schon ein umfangreiches Vorstrafenregister, auch ist sie wegen Verschwen­dung entmündigt. Sie gab etwas folgendes an: Am 30. November v. I. sei die Frau Stiebeling aus Hergertsfeld zu ihr gekommen und habe ihr gesagt, sie möge doch einmal mit ihr -m dem alten Götttng gehen, der doch sein Werk, die Mühle, verkauft habe und bei dem man jedenfalls ohne viel Geld ein Spinnrad bekommen könne. Cie

(Mehr als 30 Sorten.)

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rze Kochzeit - Suppen zz.

kommt der ttauslran an den heissen Sommertagen

Hur mit Wesset* aufgekocht, gibt ein Würfel zu IO Pfg. in kürzester Zett 2 Teller wohlschmeckender Suppe.

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81. Mai 1907, vormutagA. Nachdruck verboten.

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Montag, den 10. 3ttni 6.1., Lorm. 11 Nhr

öffentlich vergeben werden.

Die Lieferungsbedingungen können während der Dienst­stunden bei uns eingcsehen werden. Anaebote auf Bor» druck, das daselbst erhältlich, sind bis zum genannten Zeit­punkt an uns einzureichen.

Gießen, den 80. Mai 1907

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