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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

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Liertcljährlichcr Bezugspreis: bei o« Expedition 2 Mk., bet alle» Postämtern 2,25 M. <ejcu Bcjtcllgeld).

JnscrtronSgebuhr: die gespaltene Zeüe oder deren Raum 15Pfg.

Reclamen: die Zeile SO Pfg.

Marburg

Tonnerslag 30. Mai 1907.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck und Verlag' Joh. Kug. Koch, UtuversitätS-Buchbruckercl 42. Jahrg.

Marburg, Markt 21. Telephon 55.

Zweites Blatt.

Bestellungen

für den Monat Zunk auf die

Ottrhessische Zek tung" nebst ihren Beilagen werden von unserer Expedition (Markt ^21) unseren Ausgabestellen in Kirch. Hain. Neustadt und Wetter, sowie von allen Poftanstalten und Landbriestragern ent« gegengenommen.

Deutsches Reich.

Samoa ohne Reichszuschutz. Wie es scheint ist Aussicht vorhanden, daß Samoa in abseh­barer Zeit finanzpolitisch auf eigenen Füßen stehen wird. In einem in derSamoan. Ztg." veröffentlichten Berichte über die Sitzung des Gouvernementsrats vom 5. April heitzt es näm­lich folgendermaßen: Herr Haeusler legt im Auftrags des Gouverneurs den Etatsvoran­schlag für 1908 vor. Zum Etat im allgemeinen bemerkte et, datz das Gouvernement zum ersten Male in der Lags sei, der im Eouvernements- rat wiederholt zum Ausdruck gekommenen An­sicht gerecht zu werden und den Etat ohne Reichszuschutz aufzustellen. Es fei von feher das Ziel des Gouverneurs gewesen, die Kolonie auf eigene Fütze zu stellen und ihre Ausgaben aus den eigenen Einnahmen. zu decken. Um dieses Ziel zu ermöglichen, mutzten die eigenen Ein­nahmen erhöht werden. Dies solle geschehen durch Einführung einer progressiven Einkom­mensteuer für 1908. Auf der Seite der Ausgaben seien die Positionen des Personaletats für die Verwaltung um ein erhebliches heruntergesetzt worden, da das Gouvernement mit Rücksicht auf den Wunsch des Reichstages, den Beamtenstab zu verringern, den Versuch machen wolle, mit weniger Personal zu arbeiten. Ob das auf die Dauer gehen werde, müsse die Erfahrung lehren.

Di« Flotte der deutschen Fischdampser und der Heringslogger hat sich so stark vermehrt, datz die Beschaffung der erforderlichen Mann­schaften immer größere Schwierigkeiten bereitet. >Es haben schon Fischdampfer liegen bleiben ^müssen, weil sie keine ausreichende Besatzung er­halten konnten. Es sind deshalb von den mit dem Deutschen Seefischerei-Vereine in Verbin­dung stehenden Kreisen schon die verschiedensten Versuche gemacht, diesen Mitzstand aus der Welt flu schaffen. So sollte ein Ersatz durch die Ein- jtetfung von Fürsorge-Zöglingen geschaffen wer­den. Da damit keine genügende Abhilfe erzielt ist, wird jetzt der Gedanke erwogen, ein Fischerei- schulschiff und ein besonderes Meldeamt einzu­richten. Man wird abwarten müssen, wie sich die Ausführung dieses Planes bewährt. Jeden­falls ist hier ein Gebiet vorhanden, auf dem die Nachfrage nach Arbeitskräften das Angebot übersteigt.

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HMn-Najjart und NachbargeLirte.

Frankfurt a. M., 27. Mai. Die Mitglieder der Royal Commission on Canals and Water- ways, die. auf einer Rundreise zum Studium von Wasserstraßen und Hafenanlagen begriffen sind, trafen am Samstag Abend von Köln hier 'ein. Großes Aufsehen erregte dieser Tage ein seltsamer Besucher des sechs Stockwerk hoch ge­legenen Ateliers des Hofphotographen Junior. Es war ein Pferd, das gemütlich aus dem Fen­ster schaute und hell wiehernd die Menge unten begrüßte. Luigi Rosst, der allabendlich im Zirkus Schumann mit seinem musikalischen HegsteEmir" auftritt, hatte infolge einer .Wette mit Sportfreunden den Gang zu Junior mitEmir" zu machen. Dieser mußte sechs Stock hoch die Treppen Zeigen, so lautete die Hauptbe­dingung der Wette. Das Tier gewann diese glänzend für seinen Herrn, indem es mit Leich­tigkeit sämtliche Treppen, Stufe um Stufe, nahm und oben angelangt, sofort durch sein Er­scheinen am Fenster, die unten harrenden Teil­nehmer an der Wette davon überzeugte, daß sie verloren hatten.

Homburg v. d. H., 27. Mai. Der Homburger Hauptbahnhof wird auf Befehl des Kaisers erst am 1. Mai 1908 dem Verkehr übergeben.

Göttingen, 26. Mai. Der 2000. Student ist da! Da der glückliche Sieger im Wettlauf um diese Nummer indes noch in den Ferien weilt, so soll sein Name vorläufig noch geheim ge­halten werden. Wie bekannt, ist von der Stadt Göttingen eine besondere Ehrung vorgesehen, und ohne Zweifel wird auch von fetten der Uni­versität Nr. 2000 besonders gefeiert werden.

Hochschulnachrichten.

X E i s e n a ch , 26. Mai. Begünstigt vom herrlichsten Frühlingswetter feierte der Wingolf, welcher die Ideale des Christentums auf dem Boden des deutschen Studentums vettreten will, vom 21. bis 23. Mai sein 28. Wartburgfest in Eisenach. Von den Universitäten Berlin, Bonn, Breslau, Erlangen. Gießen, Göttingen, Greifs­wald, Halle, Heidelberg, Kiel, Königsberg, Leip­zig, Marburg, . München, Münster, Rostock, Straßburg, Tübingen, sowie von den technischen Hochschulen Charlottenburg, Darmstadt, Karls­ruhe, München, Stuttgart waren gegen 300 Studenten der dort ansässigen Wingolfsverbin­dungen, außerdem zahlreiche Vertreter der über ganz Deutschland sich erstreckenden, etwa 3000 Mitglieder umfassenden Philisterverbände er­schienen. Sämtliche Verhandlungen und Fest­lichkeiten fanden in dem für derartige große Veranstaltungen hervorragend geeigneten Hotel Der Fürstenhof" statt. Den Höhepunkt des Festes bildete der Festzug, der sich unter klin­gendem Spiel und wehenden Fahnen vom Karls- platz nach der Wartburg bewegte, in deren Hof der Vertreter der Argentina Straßburg, stuck. Hirtz'el, nach dem gemeinsamen Gesang des LutherliedesEin feste Burg", sowie nach einem Hoch auf den Burgherrn Se. Kgl. ^"bett den Großherzog Ernst Wilhelm von Scubien-Weimar, eine Rede auf den Wingolf hielt. Die festlichen Tage erzielten je länger je mehr eine große Ein­mütigkeit junger und alter Wingolfiten bei aller Verschiedenheit des induviduellen Charakters der einzelnen Verbindungen. Die Ergebnisse dieses Wartburgfestes werden, so steht zu hoffen, für die weitere Gestaltung des Wingolfs und seine Auswirkustg im studentischen Leben von fruchtbringender Bedeutung sein.

Wisienschstst, Kunst und Lttzru.

# Die Angst vor der Blinddarmentzündung. Die Fragebogen für die Statistik bet Blind­darmentzündung (Perityphlitis) werden das Ergebnis zeitigen, daß es sich um keine Volks­krankheit handelt. Eine Volkskrankheit ist aber die Furcht vor ihr so schreibt sehr treffend Sanitätsrat Dr. Klein-Berlin in derD. Med. Wchschr." und diese Furcht im Publikum zu beseitigen, müßten die Aerzte sich im Interesse der Patienten bestreben. Vor kurzem erkrankte ein junger Mann an leichter Blinddarmentzün­dung. Als Sohn eines Arztes etwas befangen, drang er durchaus auf eine Operation, die nur sehr unbedeutende Veränderungen am Wurm­fortsatz ergeben haben soll. Dieser junge Mann erklärte, nur eine Dame heiraten zu wollen, der vorher der Appendix (Wurmfortsatz) entfernt worden fei Dr. Klein ist überzeugt, daß die Furcht vor dem tödlichen Ausgange dieser ge­wiß manchmal tückischen Krankheit eine große Zahl von Patienten zu dem Verlangen, sich ope­rieren zu lassen, geführt habe. Ein anderer Teil von Operationen sei aber zweifellos auf den Furor operativus perityphliticus zurück­zuführen, der in manchen Chirurgen gefahren sei und der die so beliebten, häufig überflüssigen Operationen an den Nasenmuscheln, Warzenfort­sätzen usw. zurzeit in den Schatten stelle. Die inneren Aerzte" sollten sich alten Ernstes vor dieser unberechtigten Beeinflussung solcher Chi­rurgen hüten und, ausgestattet mit dem Mute eigener Ueberzeugung und nötigem therapeuti­schen Tickt, die Behandlung wie früher in die Hand nehmen und den Zeitpunkt für operative Eingriffe selbst bestimmen. Dann werde das Publikum nicht so viel von Operationen hören und die Volkskrankheit der Perityphlitisfurcht allmählich zum Wohle der Menschheit verschwin­den.

# Wertvolle Dienste der Unterwasser-Gloaen- fignale. Die Unterwasser-Elockenstgnale des Nantucket-Feuerschiffes haben dem Dampfer Rhein" des Norddeutschen Lloyd in Bremen bei feiner letzten Reise wertvolle Dienste geleistet. Bei der Änsteuerung des Feuerschiffes herrschte dichter Nebel, leichter Südwind und mäßiger Seegang. Zuerst wurden die Unterwasser-Schall- fignale an Steuerbord voraus gehört und die Charatteristik war sofort deutlich auszumachen. Durch verschiedene vorgenommene Kursände­rungen konnte der Kapitän desRhein" als­dann bis auf einen Strich genau die Peilung des Feuerschiffes feststellen. Wie sich später ergab, betrug die Entfernung beim ersten Hören unge­fähr sechs Meilen. Das Nebelhorn des Feuer­schiffes wurde erst auf ungefähr zwei Meilen wahrgenommen. Als das Feuerschiff passiett war und ungefähr V/> Strich hinter dem Damp­fer lag, wurde das Nebelhorn nicht mehr gehört, dagegen die Unterwasser-Schallfignale noch auf ungefähr vier Meilen Entfernung.

# Die Schnelligkeit de» Lachses. Aeber die Geschwindigkeit schwimmender Fische sind bisher nur wenig zuverlässige Beobachtungen angestellt worden, was auch begreiflich ist, weil die Fische selten eine längere Zett in einer geraden Rich­tung sich fortbewegen. Jetzt hat Professor Metz­

ger an den Weserlachsen eine solche Feststellung vorgenommen. Diese Fische wandern im Herbste von den Laichplätzen in der Weser stromauf­wärts und legen in 24 Stunden etwa 40 Kilo­meter zurück. Bei einem durch eine Plombe ge­zeichneten Lachs wurde, wie dieAllg. Fischerei- Zeitung" mitteilt, ermittelt, daß der Fisch in 82 Stunden 136 Kilometer in der Weser auswärts geschwommen hat.

-st- Zu dem steinzettlichen Hirsesund« bei M e r s e b u g a. S., von dem kürzlich berichtet wurde, fügt der Mitarbeiter der Leipziger Neue­sten Nachrichten, denen wir die Notiz entnehmen, noch hinzu, datz nunmehr nach genauer Unter­suchung die Gattung der Hirse als Sefaria Ita­lien oder Kolbenhirse festgestellt wurde. In den Pfahlbauten der Steinzeit bei Roben­hausen hat man dieselbe Art in so großen Men­gen gefunden, datz sie als Hauptbrotfrucht jener Zeit anzunehmen ist: es ergibt somit der Fund, datz sie auch mit die Nahrung für dieSteinzeit­menschen" unserer Gegend gebildet haben muß. Die Kolbenhirse wurde bereits 2700 v. Ehr. in China, auch von den Aeqyptern, Griechen und Römern angebaut, sowie heute noch in Ostindien, Transkaukasien und China. In Europa ist sie wenig angebaut und wird meist als Vogelfutter verwendet, da sie weichlicher im Geschmack als die gemeine Hirse ist.

Der Tanz fördert di« Heiratsluft. In kurzem wird in Barcelona der Kongreß aller Tanz­meister der Welt stattfinden, und da ist es denn sehr nützlich, zu erfahren, daß das Heiraten durch nichts mehr gefördert wird als durch das Tan­zen. Herr (Sträubet, einer ber größten Meister ber choreographischen Kunst, hat bas, so lesen wir in berM. Allg. Ztg.", einem Mitarbeiter besFigaro" anvettraut. Wo unb wie macht man am häufigsten die Bekanntschaft ber Frau, die man heiratet? Diese hochwichtige soziale Frage hat bie internationale Tanzmeister-Aka­demie, deren Präsident Herr Giraubei ist, 3096 Tanzlehrern der ganzen Welt vorgelegt. Auf den ersten Blick scheint bie Lösung dieser Frage etwas schwierig zu fein; bie 3096 Tanzlehrer haben sich aber sofort für kompetent erklärt und durch eine gründliche Enquete bei 1097 503 Tanzschülern, die bereits verheiratet sind ober sich demnächst verheiraten wollen, nachstehendes festgestellt: Von den in Betracht kommenden Heiraten oder Heiratsplänen sind in Deutsch­land 97 Prozent, in ber Schweiz 85 Prozent, in Frankreich 83 Prozent, in Amerika 80 Prozent, in Griechenland 79 Prozent, in Belgien 73 Pro­zent, in Oesterreich 71 Prozent, in Italien 70 Prozent, in Spanien 68 Prozent, in Holland, Bulgarien unb England 65 Prozent, in Austra­lien und Rumänien 60 Prozent, in Rußland 57 Prozent, in Ungarn 55 Prozent, in Dänemark unb Serbien 53 Prozent, in Schweden 51 Pro­zent, in Aegypten 50 Prozent, in der Türkei 48 Prozent, in Portugal 47 Prozent und in Nor­wegen 39 Prozent auf Bällen ober bei sonstigen Tanzvergnügungeneingefädelt" worden. Von den Tanzlehrern selbst haben 92 Prozent ihre Frauen auf Bällen kennen gelernt. Logischer Schluß: der Tanz ist ber mächtigsteEhehebel" ber Welt. Also sprach Herr Eiraubet, unb seine Absicht ist, in Barcelona ben Tanz als wirk­samstes Mittel zur Neubevölkerung des bevöl­kerungsarmen Reiches ber Franken zu em­pfehlen.

Einer, der das Publikum satt hat. Aus Wien wirb derNl. Ztg." geschrieben: Rudolf Rittner ist bei dem Gastspiel bes Lessing-The­aters hier außerordentlich alsFlorian Geyer" gefeiert worben. Aber er folgte, wie schon in Berlin, keinem Hervorrufe unb sprach sich zu einem feiner österreichischen Freunde über die Ursachen seines Schweigens aus. Es wird über bie ganze Geschichte das Folgende erzählt: Ritt­ner faß am Schluß ber Aufführung, als alles nach ihm rief unb schrie, ganz gemütlich in seiner Earberobe. Er hatte sich eingeschlossen und ließ niemanden hinein, geschweige denn, daß er sich hinausgewagt hätte. Als man ihn hervorlocken wollte, meinte er:Meinetwegen sollen sie bis morgen früh schreien unb applaubieten, bas ist doch schließlich dasselbe Volk, das mich auch ge­legentlich angeblasen hat. Aus ist's! Die Erde hat mich wieder!" Er blieb also in feinet Gar­derobe, schminkte sich ab und verließ durch einen Nebenausgang das Theater.

Im Ballon durch den Main. Am Sonntag Mittag 6 Uhr unternahm wieder Fräulein Paulus vom Zoologischen Garten aus einen Ballonaufstieg. Sie benutzte dazu keinen Korb, sondern stand während der Fahrt auf einem Drachem der an dem Ballon befestigt ist. In einer Höhe von etwa 800 Metern wurde der

Ballon erst in nördöstlicher Richtung davonge­trieben. Nach einet glücklichen Fahrt von 40 Minuten wollte Fräulein Paulus in der Nah« von Seligenstadt landen. Wegen des starke» Windes ging bie fianbung jedoch nicht so glatt von statten, und da der Main dort mehrer« Krümmungen macht, wurde ber Ballon zwischen Groß- unb Klein-Welzheim bald an das rechte und bald an das linke Ufer geworfen und ge­schleift. Schließlich geriet bie kühne Luftschif­ferin, in den Main unb mußte bis an die Brust im Wasser schwimmen. Dabei hielt sie no.türlick doch die gasgefüllte Ballonhülle, bie vollständik unbeschäbigt blieb, über Wasser, bis endlich Hilst kam, sodaß ber Ballon ans Ufer gezogen werbe« konnte. Nachdem bie beherzte Dame ihren Ballot in Sicherheit gebracht und sich von dem kühlei Bade einigermaßen erholt hatte, konnte sie bi Rückreise antreten und sich noch kurz vor 11 Uh dem Publikum im Zoologischen Garten zeigen.

Ein vereitelter Gaunerstreich. In Mönche« sah ein findiger Kopf streikende Blechwaren arbeiter beim Frühstück sitzen und verfiel au eine geniale Idee. Er warb die ganze Gesell schäft als Ingenieur des Kriegsministerium« *-, für eine epochemachende Erfindung, ging aud zum Schein zum Arbeitsamt und wollte dann einen Wirt anpumpen zur Lohnzahlung, da die Generalmilitärkasse schon geschlossen sei. Der Wirt, ein früherer Telegraphenarbeiter, fragt« den Herrn Staatsingenieur nach der Art der Ar­beiten, die da zu vergeben seien, stellte sich recht unverständig dabei und erhielt die Antwort, datz es sich um drahtlose Telegraphie vermittels Erd­leitung handle. Dieses veranlaßte den Wirt, den drahtlosen Gauner festnehmen zu lassen. Die Arbeiter, bie schon auf gut Glück gezehrt hatten, konnten ben genialen Erfinder zuvor noch burchbläuen, und ein großer Trupp gab ihm auch ein rachsüchtiges Geleite zur Polizei.

Aushebung einer FalichmLnzerwerkstatt, Göttingen, 27. Mai. Eine Falschmünzer- werkstatt ist durch die hiesige Polizei entdeck! worden. Schon feit einiger Zeit waren hier falsche Zehnpfennigstücke im Umlauf, ohne daß es bisher gelungen war, dem Verfertiger auf bie Spur zu kommen. Als ber Verbrecher wiederum versuchte, die Falsifikate durch Kinder, in Ge­schäften verausgaben zu lassen, führten bie sofort angestellten Ermittelungen zu seiner Entdeckung Es war ber in ber Nikolaistraße wohnende Ar­beiter Neiseke, ein ehemaliger Zuchthäusler. In seiner Wohnung, wo ihn bie Polizei Überrascht« unb verhaftete, sand man falsche Fünf-, Zwei- und Einmarkstücke, bie mittels Gipsformen her­gestellt waren. - Neiseke war offenbar. noch ein Anfänger in seinemFach", bie Falschstücke sink leicht als solche kenntlich.

Kleine Nachrichten. Ifeber einen Eisenbahn­unfall wird aus Benrath amtlich gedrahtet: Heute Morgen 7 Uhr 15 Minuten ist bei Kilo­meter 57,1 auf dem Uebcrgang der Hildener Straße am Bahnhof Benrath ein Fuhrwerk des Unternehmers Overdick aus Urdenbach infolge vorzeitigen Oeffnens ber Wegschranke überfah­ren worden.

Getreide > Wochenbericht der Preisberichtstelle des Deutschen Landwirt- schaftsratS bom 7. bis 13. Mai 1907.

Unter dem Einfluß ungünstiger Saatenbe­richte setzten bie nordamerikanischen Börsen ihr« Aufwärtsbewegung fort, ber sich bie westeuro­päischen Märkte erst zögernb, bann aber rück­haltslos anschlossen, als aus Südrutzlanb und Rumänien Meldungen einliefen, wonach bi( Ernteaussichten durch anhaltende Dürre ernst lich gefährdet erscheinen. Nach ber amtliche! Berichterstattung für Deutschland stehen die Um pflügungen, die im Reichsdurchschnitt bei Wet zen 27,4, bei Roggen 4,1, für Preußen alleir 34,03 bezw. 3,45 pCt. betragen, denen des Jah­res 1901 nicht viel nach. Hinsichtlich ber Saaten lautet ber Bericht umso erfreulicher, als bie In der zweiten Monatshälfte eingetretene Witte­rungsänderung und die damit zweifellos ver­bundene Besserung ber Ernteaussichten bartn noch nicht zum Ausbruck kam. Auf bie Markt­lage blieb letztere unter Berücksichtigung ber Vorgänge im Äuslanbe ohne Einfluß, zumal bei anbauernde Mangel an inländischem Angebot bie Festigkeit wesentlich unterstützte. Das Aus land hat seine Forberungen beträchtlich erhöht: argentinische Ablader machten sogar Rückkaufs­angebote auf frühere Abschlüsse, für bie sich atu berweitig bessere Verwendung bietet. Einige Ladungen ausländischen Weizens, die sich in deutschem Besitz ^fanden, wurden an England und Frankreich abgegeben. In Deutschland hal­ten sich die Mühlen, so wert dies die Bedarfs- verbältnisse gestatten, unter Hinweis auf den schlechten Mehlabsatz von Weizeneinkäufen zu­rück. Umsätze waren namentlich im Roggen­geschäft gering, da die Nachfrage für diesen Arti­kel trotz vielfach eingeschränkten Mühlenbetrie­bes das Angebot bei Weitem überstieg. Da» ohnehin spärliche und unlohnende russische An- aebot wurde zuletzt teilweise »ach Nordrußland