mit
und Kirchhain, s
Bierteijährlicher Bezugspreis^ bet ver Expck»itio» 2 Mk>, . f Tto* 4 6) 4 bei alle» Postämtern 2,25 Mk. (,ejcu Bestellgeld).
JnsertionSgrbuhr: die gespaltene Zelle oder deren Raum 15 Pfg.
Reclamen: die Zeile 80 Pfg.
Marburg
Donnerstag 30. Mai 1907.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck imb Verlag- Joh. Äug. Koch, Univer>Ms-Buchbrucker« 42. Jahrg.
Marburg, Markt 2L — Telephon 55.
Erstes Blatt.
Dernbmg über die Verwaltung der deutschen Schutzgebiete.
Der Leiter des neugebildeten Reichskolonial- aniies Hst, wie bereits kurz erwähnt wurde, eiukij^Mitarbeiter der „Neuen Freien Presse" iiber seine Absichten und Pläne bemerkenswerte Anfschlüffs gegeben, die umsomehr Beachtung verdienen, als sie in der Hauptsache ganz den Meinungen und Wünschen aller ehrlichen Kolo- nialsreunde in deutschen Landen entsprechen dürften. Das führende Wiener Blatt hat den Inhalt dieser Unterredung in einem längeren Aufsatz veröffentlicht, dessen wichtigste Stellen auch wir mitteilen möchten. Diese betreffen insbesondere die Mitarbeiter, die sich der neuernannte Staatssekretär ^für sein Reformwerk erköre» hat. Die Neuste Musen Dernbürgs über diese wichtige AntzelegrnMr'lauten recht hoff- «ungsfreudig. • ■
„Die Wahl des Gouverneurs von Linde- q u i st hum Unterstaatssekretär des R e i ch s k o l o n i a l a m t s ist", so äußert sich Staatssekretär Dernburg, „nicht in allen Kreisen Deutschlands einer gleichen Zustimmung begegne^ weil er durch seine neue Aufgabe dem süd- asrrtaiiischen Schutzgebiet entzogen wird. Für mich aber waren zwei Gesichtspunkte im wesentlichen maßgebend. Bis eine größere Selbständigkeit der Schutzgebiete und eine gewisse Selbst- oerwaltunG eingeführt werden kann, liegt der SchwerpuM der Verwaltung in Berlin aus staatsrechtlichen wie aus budgetären Rücksichten. Mir liegt die Aufstellung. und die Vertretung des Haushaltes der Schutzgebiete vor dem Bundesrat und Reichstag ob. Daraus .ergibt sich eine überaus schwere Aufgabe, und das Reichskolonialamt mutz deshalb, wenn nicht an die erste, so doch mindestens an die zweite Stelle eine Persönlichkeit ziehen, die durch lokale Sachkenntnis un> auf Erfahrung gegründetes Urteil einen gerechte» Ausgleich vorzunehmen imstande ist und gleichzeitig vor dem Parlament und vor dem Schutzgebiet jene Autorität genießt, ohne welche eine Vereinigung der verschiedenen Gesichtspunkte nicht denkbar ist. Daß hierzu nur ein im Dienste der Schutzgebiete herangewach- sener Beamter verwendet werden kann, und daß seine Wirksamkeit eine UU so bessere sein wird, -je größer die Erfahrung urtb je höher die bisher eingenommen» Stellung ist, liegt auf der Hand.
Aber auch das südwestafrikanische Schutzgebiet ist gerade bei dieser Macht berücksichtigt worden. Was diesem Schutzgebiet fehlt, ist, daß die Kenntnis seiner Eigenart in der Heimat von
einer mit starker Autorität ausgestatteten Persönlichkeit dauernd verbreitet wird, und daß diejenigen Kapitalien, ohne die gerade Südwestafrika nicht beftuchtet werden kann, gefunden werden. Diese Kapitalien müssen aus nationalen Gründen vorzugsweise in der Heimat gesucht werden. Nur hier können die Verhält- nisse mit den Landgesellschaften geregelt werden; nur hier können die Anregungen zu wissenschaftlichen Expeditionen, zum Bau von Staudämmen größeren Umfanges, zu Farm- und Viehzuchtunternehmungen, Eisenbahn- Lauten, Klein- und Großbesiedlungen erfolgen. Deswegen ist gerade die Berufung des Gouverneurs von Lindequist nach Berlin, der in seiner neuen Stellung sein warmes Interesse für seine bisherigen Schutzbefohlenen bewahren wird, erfolgt."
Ueber Herrn v. Schuckmann, dessen Wahl von verschiedenen Seiten angegriffen worden ist, sägte der Staatssekretär:
„In der deutschen Presse ist von. mehreren Seiten die Vermutung ausgesprochen worden, * daß nicht sachliche Erwägung, sondern Druck von gewissen,, nicht näher bezeichneten Stellen- zu dem Vorschlag, Herrn v. Schuckmann zum Eou- verneur zu ernennen, geführt hätte. Das ist durchaus unrichtig. Herr v. Schuckmann ist einer meiner ältesten Bekannten. Meine Bekanntschaft mit ihm datiert aus dem Jahre 1888, wo wir beide in den Vereinigten Staaten tätig gewesen sind. Die Hauptaufgaben des Gouverneurs bestehen erstens darin, eine enge Fühlung mit den heimischen Behörden zu halten. Durch unsere langjährige . Bekanntschaft ebenso wie durch die zwischen Herrn v. Lindequist und Herrn v. Schuckmann seit langem bestehende Freundschaft ist ein einheitlicher, kräftiger Aufbau, die Entwicklung gesunder deutscher Institutionen und die Pflege deutscher Gesinnung im Schutzgebiete gesichert. Gerade die Tendenzen, die Herr v. Schuckmann während einer mehrjährigen Tätigkeit als deutscher Generalkonsul in Kapstadt entfaltet hat, sind mitbestimmend für den dem Kaiser gemachten Vorschlag gewesen. Wenn man beobachtet, wie schnell das Deutschtum in fast allen Weltteilen fremden Einflüffen unterlegen ist, wird man darauf einen ganz besonder» Wert zu legen haben."
Zum Schluffe wandte sich Dernburg der Frage- der Heranziehung von Kaufleuten für den Kolonialdienst zu und bemerkte:
„Sie erinnern mich an die Enttäuschung, die der Umstand verursacht hak, daß unter sämtlichen Ernennungen im Kolonialamt sich kein Kaufmann befunden hat, was man nach der Vorbildung des neuen Leiters mehr oder weniger erwartete. Nun, hier ist zu bedenken, daß es sich um die Stellen von Referenten und vortragenden Räten in der Zentralverwaltung
handelt. Bei der verhältnismäßig geringen Höhe der für solche verantwortungsvolle Stellen ausgeworfenen Besoldungen und Pensionen und dem strikten Unterordnungsverhältnis, welches in einer Zentralbehörde, bei welcher die Spitze die gesamte Verantwortung trägt, notwendig ist, ist es leicht einzusehen, daß im Erwerbsleben erfolgreiche und unabhängige Persönlichkeiten schwer gefunden werden können. Es liegt in der Natur eines erfolgreichen Kaufmannes, daß sein Ziel der Gelderwerb im wirtschaftlichen Kampfe und die Unabhängigkeit aus einer pekuniären Basis ist. Wo das nicht der Fall ist, ist eben die sich Kaufmann nennende Persönlichkeit auch nur Beamter höher» oder nieder» Grades in einem Erwerbsinstitut und fällt aus der Reihe der erstklaffigen Kapazitäten heraus. Wo sich der kaufmännische Ehrgeiz, wie es ja leider oft genug der Fall ist, auch auf Titel und Würden richtet, gibt es genug Wege, ihn auf andere Weise zu befriedigen, als es durch den Eintritt in ein Beamtenverhältnis geschehen kann.. Aber abgesehen davon ist es in hohem Grade, zweifelhaft, ob selbst opferfrohe - Kaufleute, die ‘es auf sich nehmen wurden, im Jntereffe der -Sache in der Zentralverwaltung in eine vierte und fünfte Stelle einzurücken, denjenigen Anforderungen entsprechen könnten, die von einer solchen Tätigkeit nicht getrennt werden können. Was Deutschland von seinen Kolonien erwarten muß, ist eine ordentliche Verwaltung, eine der Heimat gleiche Rechtssicherheit, eine vorausschauende und verständige Cingeborenenpolitik, ein geordnetes Beamten- wesen und. diejenigen hngienischen und sanitären Einrichtungen, welche in den meisten tropischen Kolonien allein ein längeres Verweilen des Europäers gestatten. In all diesen Dingen ist für eine rem kaufmännische Betätigung, das heißt für einen Erwerb für Rechnung des Fiskus, gar kein Platz. Dazu gehören staatsrechtlich und technisch verwaltungsrechtlich und hygienisch ausgebildete und im Schulamtsdienst erfahrene und vorgebildete Personen, die verstehen und zu lesen wiffen, was ihnen aus dem Schutzgebiet berichtet wird. Darin unterscheidet sich gerade die Natur einer Zentralbehörde von einer Schutzgebietsverwaltung, die sehr viel mehr geeignet ist, kaufmännische Talente zu verwenden. Dort sollen sie auch in möglichstem Umfange verwendet werden. Aber auch solche Talente müssen erwogen werden und von der Pike auf dienen, und es ist unmöglich, sie von vornherein in leitende Stellungen zu bringen. Ich wiederhole demnach hier nur das Bild, das ich im deutschen Reichstage gebraucht habe, wo ich die Kolonialverwaltung mit einem Eisenbahnunternehmen verglich. Auf dem festen Unterbett der Rechtssicherheit und einer vorurteilsfreien und verständigen, aber auch sachverständigen Verwal
tung, auf der glatten Strecke einer zielbewußten, Politik von der Heimat her, ohne die falsche» Weichen einer Verordnungssucht und die unnützen Kurven der Ueberhebung und des Klassendünkels muß die wirtschaftliche Entwicklung die eigene Kraft entfalten, den Zug der Prosperität in fröhlichem Tempo durch die Kolonien zu leiten. Die Verwaltung kann und wird die Wege ebnen; die wirtschaftliche Entwicklung ist Sache einer überlegt geförderten private» Zui- titttioe; Die Frage ist nicht, wie viele Kaufleute stecken-in einer Zentralverwaltung, sondern wieviel kaufmännischer Geist wird von ihr gewürdigt und entfaltet. Ein großer Klumpen Hefe macht noch keinen guten Kuchen."
LeuLjches Reich.
. — Das Kaiserpaar und der Kronprinz wohnten gestern der Enthüllung der fünf Oranierstandbilder auf der Schloßterraffe bei. Der feierliche Akt fand statt in Gegenwart dcs englischen Botschafters Lascelles, des holländischen Gesandten Baron Gevcrs, der Minister v. Studt und v. Bethmann-Hollweg, sowie der Spitzen der Zivil- und Militärbehörden. — Die Standbilder sind in Bronze ausgeführt. Sie stellen Wilhelm I., Moritz, ferner Friedrich Heinrich, Wilhelm II. und Wilhelm III. dar. Eine Kopie des Standbildes Wilhelms I. kommt nach Wiesbaden, eine Kopie des Standbildes Wilhelms III. nach England. — Der Kaiser besichtigte die Denkmäler und unterhielt sich mit den anwesenden Künstlern, den Bildhauern Martin Wolf, Bancks, den Profefforen Schilt, Bruett und Haverkamp, denen Ordensauszcich- nungen verliehen wurden.
— Die Regentenwahl I« Braunschweig. Wie schon gestern auf Grund drahtlicher Benachrichtigung mitgeteilt wurde, ist Herzog Johann Albrecht zu Mecklenburg- Schwerin vom braunschweigischen Landtage
1 an Stelle des an der Ausübung seines Thron- rechtes verhinderten Herzogs von Cumberland einstimmig zum Regenten des Herzogtums Braunschweig gewählt worden. Diese Wahl, die, wie bekannt, durch den Heimgang des früheren Regenten, des Prinzen Albrecht von Preußen, notwendig geworden war, muß umso freudiger begrüßt werden, als dadurch einem langen und an unerfreulichen Zwischenfällen reichen Interregnum ein Ende gemacht worden ist. — Wie die „Braunschweigische Landesztg." mitteilt, hat sich Herzog Johann Albrecht zu Mecklenburg bereit erklärt, eine Deputation des braunschweigischen Landtags am nächsten Sonnabend auf Schloß Wiligrad zu empfangen.
— Offiziersjubiläum. Der Generalleutnant z. D. Konrad v. Krell beging am gestrigen Dienstag den 50jährigen Gedenktag seines Ein
ig (Nachdruck Verboten.);
In der Schule des Leidens.
Roman aus dem New-Yorker Leben M: von Erich Friesen.
«Fortsetzunq.-
1 „Du magst recht haben, Mutter. Aber Gerda — kümmert sie sich auch nicht um Walter?"
„Doch, sie hat ihn sehr lieb. Jeden Tag must ich ihr de» Kleinen für ein halbes Stündchen hinüberbringen."
„Sie selbst kommt nie hieher?"
„Bewahre, Kind. Sie hat so viel zu tun. Jeden Tag Probe und Vorstellungi Du kennst das ja."
So plaudern die beide» fort, bis es Frau Mackay auf einmal einfällt, daß der Tag fort- schrettet und daß sie bald wiffen muß, was mit Fclicie anfangen.
Vorsichtig beginnt sie auszufragen, warum sie nicht mehr im Gefängnis sei, ob man die Polizei fürchten muffe und wie alles gekommen wäre.
Felicie legt ihr Kind sorglich in die Kissen nieder und streicht sich das Haar aus den Augen.
„Warum ich hier bi», Mutter? Du trägst die Schuld."
„Ich? Bist du wahnsinnig, Licy?"
„Nein, Mutter. Aber an dem Tage, an welchem ich deinen Brief erhielt, fehlte nicht viel dazu."
„Mein Gott! lind wie führtest du deine Flucht aus?"
„Anny half mir dabei."
„Wer ist Anny?"
„Gleichviel, Mutter. Anny ist ein liebes Mädchen und fand Mittel, mich zu befreien. Mehr kann ich dir nicht sagen."
Fran Mackay schweigt verblüfft. Dann Murmelt sie ängstlich:
„Ich hätte es dir nicht schreiben sollen, Kind."
„Doch, Mutter. Und nun Lin ich hier, um herauszufinden, ob du mit deinem Briefe recht hattest. Wenn ich den Inhalt leicht genommen hätte, würde ich nie den Mut gefunden, das zu wagen, was ich wagte. Glaubst du, es ist leicht, Mutter, aus den doppelten und dreifachen Ee- fängnismauern zu entkommen? Rein, Mutter. Du hast das Feuer der Eifersucht wieder in mit entfacht. Entweder es verlöscht gar bald oder es flackert immer höher auf, alles um sich her mit fortreißend. Du siehst eine Frau in mir, die zu allem fähig ist; aber erst mutz ich Beweise haben — Beweise. Und wenn ich sie habe, dann ist Felicie Barington tot für immer; dann belästigt sie euch nicht mehr."
„Kind, Kind!,, ruft Frau Mackay entsetzt, „was hast du vor? Deine Augen erschrecken mich."
„Ich bin eine Zuchthäuslerin, Mutter." Bitter lacht Felicie auf. „Wit Zuchthäusler find nun einmal nicht anders. Einen Tag mußt du mich noch hier behalten — dann wird es wohl entschieden sein."
„Und ich soll deinem Mann nichts davon sagen, daß du hier 6i|t?"
„Nein."
,Fnd Fräulein Douglas?"
„Auch nicht."
„Aber das Mädchen? Es hat dich herein gelaffen, Licy!"
„Das Mädchen nehme ich auf mich. Es wird schweigen. Schicke es nachher zu mir, Mutter!" F rau Mackay verspricht es und verläßt kopfschüttelnd das Zimmer. Sie weiß, es ist bester, wenn sie der Tochter in ihrem jetzigen Gemütszustand nachgiöt.
Das kleine, saubere Deinstmädchen folgt mit Freuden der Aufforderung, „Frau Barrington" wolle es sprechen. Das Geheimnis, desten Mit- wifferin sie ist, drückt ihr fast das Herz ab und sie trägt das brennende Verlangen, mehr zu erfahren.
Schüchtern klopft sie an der Tüt, welche den Salon vom Kinderzimmer trennt.
.„Herein!" erschallt Felicies melodiöse Stimme. „Und nun schließen Sie die Tür wieder, bitte! Ist jemand im Salon?"
„Nein, Fräulein — ich meine, Frau Bar- rington.“
„Setzen Sie sich! Wie heißen Sie?"
„Mary, Frau Barrington."
„Sie haben mir gestern abend einen großen Dienst geleistet, Mary. So lange ich lebe, werde ich Ihnen dankbar sein."
Und sie reicht dem vor Freuden erglühenden Mädchen die Hand.
„Wie alt find Sie, Start)?" fragt Felicie wieder.
„Neunzehn Jahre, Frau Barrington." .
„Neunzehn Jahre? Also gerade so alt wie ich — nut daß ich unglücklich bin und Sie nicht. Aber ich hoffe, wir werden einander dennoch verstehen, Mary."
„Ganz gewiß," schluchzt das Mädchen auf und bricht vor Rührung in einen Tränenstrom aus.
„Bitte, weinen Sie nicht, Mary! Es könnte es jemand hören!"
Rasch wischt Mary sich die Augen mit dem Schürzenzipfel. Dann blickt sie vckll Erwartung in das dicht zu ihr geneigte Gesicht der Herrin.
„Kann ich Ihnen vertrauen, Mary?"
„Ja, Frau Barrington, ganz gewiß."
„Ich bleibe noch einen Tag hier bei meinem Sohn — im Zimmer meiner Mutter, der Frau Mackay. Aber ich habe meine Gründe, weshalb ich meine Anwesenheit meinem Mann, sowie Fräulein Douglas noch verheimliche."
Marys wasserblaue Augen leuchte» verständnisinnig auf. Lebhaft nickt sie mit dem Kopf.
„Wenn Sie mir also nicht fest versprechen, über meine Anwesenheit vorläufig noch zu schweigen, so muß ich sofort dieses Haus ver« taffen."
„Ich sage nichts," beteuert das Mädchen. „Aber Fräulein Douglas — sie ist sehr klug — sie wird bald etwas merken."
,Zch glaube nicht. Cie sind Fräulein Douglas lehr zugetan, Mary?"
Ein schneller Blick aus Marys kleinen Augen streift das Gesicht vor ihr. Das Mädchen hat Herrn Barrington stets für einen Witwer gehalten und das Fräulein Douglas für die zukünftige Herrin. Jetzt taucht auf einmal eine rechtmäßige Frau auf —■ und die ganze Situs tion ist verändert.
Marys romantisches, leicht gerührtes Herzchen erglüht in hellen Begeisterungsflammer für die junge, schöne Frau Barrington.
„Nicht so sehr," erwidert sie zurückhaltend „Ich liebe Sie viel Mehr, Frau Barrington."
„Danke, Mary. Also Sie schweigen?"
„Wie das Grab."
Und Mary hebt zur Bekräfttgung ihrer Worte die Hand wie zum Schwur.
XXIX.
Gegen zwei Uhr nachmittags unternimmt Frau Mackay mit Walter ihren alltäglichen Spaziergang. Sie wollte denselben heute aus- setzen; doch Felicie wollte nichts davon wiffen. Das Kind sollte wenigstens nicht unter ihrer Anwesenheit leiden — wie sie sagt. In Wirklichkeit will sie die Mutter mit ihrem beständigen Geplauder und Gefrage ein wenig los sein, um ihre Gedanken zu sammeln.
Im Hirn der armen Frau Mackay wirbelt alles wie im bunten Chaos durcheinander . . .
Ihre einzige Tochter aus dem Gefängnis entflohen — im Haus ihres Mannes versteckt, ohne daß er eine Ahnung von ihrer Anwesenheit hat — vielleicht bald die Polizei auf ihrer Fährte — das ist zu viel für den schlichten, einfachen Sin» der alten Dame.
Sie kürzt den Spaziergang möglichst ab, um bald wieder daheim zu sein.