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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirckkain

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Zweites Blatt

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Handschuhmacher und jetzige Rentenempsäng« Paul Lehmann, 75 Jahre alt, aus Oelde i« Kreise Beckum. Zu Besuch ist augenblicklich bei Meier noch sein Sohn Josef, katholischer Kapla» und ledig, der in seinem Hauptberufe katholi­schen Kirchendienst ausübt. Wenn er nicht tole­rant ist, ärgert er sich vermutlich über den ge- schiedenen evangelischen Onkel Korn. Wir Wün­schen Karl Meier für sein musterhaftes Beneh­men besten Erfolg in der Landwirtschaft, ein­schließlich dicker Kartoffeln, ebenso auch in fein« GastwirtschaftKrug zur Tanne" und in feinet Bäckerei.

Marburg

Mittwoch. 29. Mai 1907

Vierteljährlicher Bezugspreis: btt ver Expedition 2 Mh, b« allen Postämtern 2,25 W. ^ti. Bestellgeld).

JnfertrouSgebuhr: die gespaltene Zeile oder vereu Raum 15 Pfg.

Neclaiuen: die Zeile 30 Pfg.

Ausland.

England und feine Kolonien. Die Bemüh­ungen der englischen Regierung auf der briti­schen Reichskonferenz, den kolonialen Delegier­ten die Notwendigkeit einer Neueinteilung der Veitragsleistungen für den Unterhalt der eng­lischen Flotte plausibel zu machen, sind vorläufig ebenso erfolglos geblieben wie der Versuch der kolonialen Staatsmänner, die Negierung des Mutterlandes für die Gewährung von Vorzugs­zöllen für britisch-koloniale Erzeugnisie zu ge­winnen. Daß auch in der Frage der Beitrags­leistungen für die Flotte die Verhaildluitgen zu einem befriedigenden Erfolg nicht geführt ha­ben, wird der genaue amtliche Bericht bestäti­gen, dessen Veröffentlichung in diesen Tagen zu erwarten ist. Nach den Erklärungen, die der Parlamentssekretär der Admiralität Mr. Ro­bertson auf wiederholte Anfragen im Unter­hause abgegeben hat, darf man schon fetzt schlie­ßen, daß an den bestehenden Verhältnissen wenig oder nichts geändert werden wird. Die kana­dische Negierung, die von jeher einen völlig ab­lehnenden Standpunkt gegenüber dem Anspruch einer Beteiligung an den Kosten der englischen Flotte eingenommen hat, zeigte auch auf der Konferenz keinerlei Bereitwilligkeit, irgend welche Zugeständnisse zu machen. Australien und Neuseeland haben im Jahre 1902 mit dem Mut­terland einen 8 Jahre laufenden Vertrag abge­schlossen, durch den sie sich zu einem jährlichen Beitrag von 4,8 Millionen M verpflichten, und an diesen Vertrag wird, wie Mr. Robertson er­klärt, bis 1910 voraussichtlich nichts geändert werden. Wenn aber eine Abänderung des Ver­trages oder eine Neuregelung der finanziellen Leistungen der genannten beiden Kolonien in Frage kommen sollte, dürfte das Ergebnis eher zu Ungunsten als zu Gunsten des Mutterlandes ausfallen. Zweifellos ist in Australien eine Be­wegung im Gange, die nach dem Vorbilde Ka­nadas hinsichtlich der maritimen Lasten, die an­gesichts der gegenwärtigen Weltlage ins Unge- messene steigen können und, wenn die britische Admiralität ihren in letzter Zeit oft genug be­kannt gegebenen Willen durchsetzt, ins Unge- messsne steigen müssen, eine möglichst vollstän­dige Unabhängigkeit vom Mutterland schaffen will. Innerhalb der englischen Regierung wird bereits mit diesem Umstand gerechnet. Auf eine Anfrage des unionistischen Abgeordneten Par­ker, ob es wahr sei, daß die australische Regie­rung den der Admiralität zugesagten Beitrag zurückziehen und für Zwecke der lokalen Vertei­digung verwenden wolle, erwidert Mr. Robert­son, er könne im Augenblick eine authentische Mitteilung über diese Angelegenheit nicht ma­chen. Diese Aeußerung klingt jedenfalls nicht besonders zuversichtlich', im Gegenteil wird sie den Besorgnissen, zu denen die australische Re­gierung durch die Behandlung britischer Fahr­zeuge und Seeleute wiederholt Anlaß gegeben hat, neue Nahrung zuführen. Endgültige Ent­scheidungen in dieser Frage können erst fallen, wenn die kolonialen Premierminister den ver­schiedenen Varlamenten über die Verhand­lungen der Reichskonferenz berichtet und wenn die parlamentarischen Vertretungen der Siede- lungen zu den Vorschlägen und Wünschen, wie sie einerseits von der Regierung des Mutter­landes, andererseits von den kolonialen Dele­gierten geltend gemacht wurden, Stellung ge­nommen haben. Dann werden neue Verhand­lungen zwischen den Einzelregierungen und der Admiralität beginnen, sodaß kaum vor dem nächsten Jahr mit irgend einer, wenn auch nur vorläufig abschließenden Entscheidung in dieser Angelegenheit zu rechnen sein dürste. Wie die Antwort der Kolonien ausfallen wird, steht da­hin; die auffallend scharfe Form aber, in die der Parlamentsuntersekretär für die Kolonien Winston Churchill in seiner Rede in Edinburg seine jede Hoffnung auf Vorzugsbehandlung der Kolonien ausschlictzende Erklärung über die Er­gebnisse der Konferenz kleidete, indem er sagte, daß die Regierung niemals auch nur einen Penny eines Vorzugszolles auf ein einziges Pfefferkorn zulassen werde, kann jedenfalls nicht dazu beitragen, die Stimmung in den Kolonien zu verbessern und in der Frage der Beitrags­leistung für die Flotte den Wünschen des Mut­terlandes geneigt zu machen.

Deutsches Reich.

' HaagerAbrüst»ngs"-Daten. Es ist nicht Interesse, festzustellen, inwieweit gerade die Mächte, die auf dem zweiten Haager Frie­denskongreß die Frage der Abrüstung beraten sehen wollen, dem auf dem ersten Kongresse aus­gesprochenen Wunsche Rechnung getragen haben, die Ausgaben für die Rüstungen zu vermindern. Unter hauptsächlicher Berücksichtigung der Riist- ubungen zur See ergibt sich, wie'dieTägl. Rundschau" mitteilt, etwa folgendes Bild: Eng­land hat zunächst von der Zeit des ersten Haager Kongresses an, 1900 bis 1906, feine Jahresaus­gaben für die Flotte von 524 auf 648 Millionen Mark gesteigert, d. h. derart, daß sie l/, der Ausgaben aller Staaten zusammen (für ihre Flotten) ausmachen. Den Höhepunkt haben die Aufwendungen für die Flotte Großbritanniens Im Finanzjahre 1904 mit 751 Millionen Mark erreicht und haben von 1899 bis 1906 zusammen 5209 Millionen Mark betragen. In den Ver­einigten Staaten von Nordamerika ist man seit dem ersten Haager Friedenskongreß von 236 auf 417 Millionen Mark Jahresaufwendung für die Marine geklettert, also um 181 Millionen oder fast 75 v. H. Im ganzen hat die Union von 1899 bis 1906 2690 Millionen Mark aufgewen­det. Frankreich verbrauchte für seine Marine von 1899 bis 1906 zusammen 2086 Mill. Mark. Deutschland hat seine Ausgaben für die Marine von 1899 bis 1906 von 145 auf 251 Mill. Mark gesteigert und im ganzen in dieser Zeit 1603 Mill. Mark aufgewendet, also nur % des Ver­brauchs von England und erheblich weniger als die Vereinigten Staaten und Frankreich. Italien wendete von 1899 bis 1906 für feine Marine im ganzen 795 Millionen auf, Oesterreich-Ungarn 341 Millionen: ersteres brachte sein Budget von 81 auf 111, letzteres von 30 auf 96 Millionen. Seit dem ersten Haager Friedenskongreß ha­ben also die sechs größten Seemächte zusammen ihre Jahresausgaben für die Marine um 531 Millionen Mark gesteigert. Die jährlichen Aus­gaben für Landheer und Flotte betrugen im Jahre 1893 in England 720 Mill., in Deutsch­land 680 Mill, und waren 1903 in England auf 1720, in Deutschland auf 870 Mill. Mark gestie­gen. Auf den Kopf der Bevölkerung zahlte 1906 England 29, Deutschland nur 16 Mark für sei­nen militärischen Schutz zu Wasser und zu Lande. Wo also die absolut größeren Mehr­aufwendungen zu sucheil sind, wem daher ein Bleiben auf demstahis quo aller Mächte am wenigsten gefährlich sein würde, ist aus der vor- ftehenden Statistik wohl ohne weiteres ein­leuchtend.

1 Mehrausgaben für Wohnungsqeldzuschuß.

Bekanntlich läuft im Reiche am 1. April 1908 die jetzige Seroisklasseneinteilung ab. Zu dem­selben Zeitpunkte finb in Preußen die Klassen­einteilungen nach dem Gesichtspunste einer rich­tigen Bemessung des Wohnungsgeldzuschusses neu zu ordnen. Um diese wichtigen Aufgaben -sachgemäß und entsprechend den tatsächlichen Verhältnissen lösen zu können, sind im Reiche wie in Preußen sehr umfangreiche Ermitte­lungen darüber veranlaßt, wie sich die tatsäch­lich ausgezahlte Wohnungsmiete zu dem Woh- Nungsaeldzuschuß verhält. Auf diese Weise wird man ein sehr umfangreiches Material zur Be­urteilung der Frage beschaffen, und es wird, jtoenn dieses Material, das erst allmählich ein­geht und seines großen Umfanges wegen von dem Statistischen Amte bearbeitet wird, gesichtet ist, eine sichere Unterlage dafür gewonnen wer­de», ob und gegebenenfalls nach welchen Rich­tungen eine Aenderung des Wohnungsgeldzu- ichußtarifs vorzunehmen fein wird. Daß bei der heutigen Entwickelung jede Neueinteilung der Servisklassen zu einem Aufrücken zahlreicher Ortschaften in höhere Klassen führt, lehrt die 'Erfahrung. Man wird daher auch mit einem ,olchen Aufrücken bei der im nächsten Etatsjahre bevorstehenden Neueinteilung der Servisklassen zu rechnen haben, und man wird wohl in der Annahme nicht fehlgehen, daß dadurch allein für Preußen ein Mehrbedarf für Wohnungsgeld­zuschuß von etwa zehn Millionen Mark sich er­geben wird. Kommt man weiter, was noch nicht ganz sicher ist, aber immerhin wahrschein­lich ist, zu dem Entschlüsse, die Aufbesserung der Bezüge der oberen und mittleren Beamten we­nigstens zum großen Teil nicht an das Gehalt, sondern an den Wohnungsgeldzuschuß anzuschlie­ßen, so wird sich, sofern man eine Erhebung des­selben nach dem Vorgänge bei den Unterbeam­ten mit durchschnittlich 50% in Aussicht nimmt, ein weiterer Mehrbedarf von mindestens 20 Mill. Mark ergeben. Unter dieser Voraussetz­ung wird man daher schon für den nächstjähri­gen Etat mit einer Mehrausgabe f ü r Wohnungsgeldzuschuß von im ganzen mindestens dreißig Millionen Mark zu rechnen haben.

Dachdecker und Millionärstochter. Die 21- jährige Tochter eines zwanzigfachen Millionärs und Schloßherrn aus Jsle Adam, unweit Paris, ist mit einem Dachdeckerssohn, der ihr Herz ge­wann, entflohen. Von dem flüchtigen Liebes- zmar fehlt bis jetzt jede Spur.

Bom Hauptmann von Köpenick. Wie aus Amsterdam berichtet wird, erfreut sich in Nieder­lind auf dem platten Lande der Hauptmann von Köpenick einer gewissen Popularität, die er einer rundreisenden Schauspielertruppe, welch-: ihn verherrlichte, zu verdanken hat. Die un­angenehmen Folgen dieser Popularität erlebte jüngst, wie dieD. Wochenztg. für die Nieder!." berichtet, Leutnant H. aus Herzogenbusch, der mit einem nordbrabantischen Dorfbürgermeister wegen der Einquartierung während der Herbst­manöver dienstlich unterhandeln sollte. Der Bürgermeister ließ den Leutnant ruhig ait£> reden und fragte ihn dann mit malitiöseri Lächeln, ob er vielleicht auch die Gemeindekasse mitnehmen wolle. Anfänglich begriff der ver­dutzte Offizier den Dorfhäuptling nicht. Als dieser jedoch immer deutlicher wurde und schließ­lich die ganze Köprnickiade in Versen vortrug, ging dem Leutnant ein Licht auf und er verließ ärgerlich die Bürgermeisterei, auf Schritt und Tritt gefolgt vom Gemeindepolizisten, der vom Bürgermeister den Auftrag erhalten hatte, dem .Köpenicker" gut auf die Finger zu sehen. Glück-

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck nnd Verlag' Joh. Aug. Koch, Universitäts-Buchdmckerei 42. Jahrg.

Marburg, Markt 21. Telephon o5.

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Marburg und Umgegend.

Machdruck aller Originalartikek ist gemäß § 18 del Urheberrecht» nur mit der deutlichen Quellenangabe . . . »Oberheff. Mg." gestattet))

Marburg, 28. Mai.

)( Bodenlehrkursus. Der vorn landwirt­schaftlichen Kreisverein veranstaltete Bodenlchr- kursus nimmt am Mittwoch, den 29. Mai, vor­mittags 10 Uhr, in der alten Realschule seinen Anfang. Auch Nichtmitglieder können teils nehmen.

* Sebimdesteuer-Beraulagung. In diesem Jahre soll eine allgemeine Revision der V?ran«

lagung der Gebäudesteuemutzungswertes aller Gebäude der Stadt stattfinden.

* Deutsch-Evangelischer Frauenbund. Wir möchten an dieser Stelle nochmals auf die Mit­gliederversammlung Hinweisen, die Mittwoch, den 29. Mai, um 5 Uhr im großen Saale Bei Seebode stattfindet und die bei einer Tasse Kaffee noch nach dem Bericht zu zwangloser Be­sprechung Gelegenheit bietet.

* Von der Bürgerschule-Nord. Die letzten Ar­beiten zur Vollendung des Anbaues unserer Bürgerschule-Nord werden gegenwärtig vorge­nommen. Ende dieser Woche dürfte das inter­essante Gebäude, das sich dem Hauptbau würdig anschließt, fertiggestellt sein, sodaß es in Kürze dem Schulbetrieb übergeben werden kann. Wie verlautet, soll die Uebergabe in etwa 14 Tagen stattfinden. Bis dahin werden auch die Auf­füllarbeiten am Schulhofe der Knabenabteilung beendet sein.

* Landwirtschasliche Haftpflicht-Versicherung. Dem Jahresbericht derHaftpflicht-Versicheruitgs- anstalt der Hessen-Nassauischen landwirtschaft­lichen Berufsgenossenschaft für die Zeit vom 1. Januar bis 31. Dezember 1906 entnehmen wir folgendes: Die Mitgliederzahl ist während des Berichtsjahres wiederum in erfreulicher Weise gestiegen. Während die Anstalt am Schlüsse des Jahres 1905 10 687 Mitglieder mit einem Ar­beitsbedarf von 4 820 783 Arbeitstagen zählte, ist sie bis zum Schlüsse des Jahres 1906 auf 13 933 Mitglieder mit einem Arbeitsbedarf von 6 367 694 Arbeitstagen gewachsen. Die Ver­sicherung wegen Beschädigung durch Schußwaf­fen haben 150 Personen gegenüber 122 im Vor­jahre beantragt. An Beiträgen wurden wie­derum nur die auf die versicherten Betriebe ent­fallenden Grundtaxen mit 15 739 M, sowie die Prämien für Schußwaffen-Versicherung mit 1500 -tl, zusammen also 17 239 erhoben (gegenüber 13 325,50 T<M fr 1905). Die Erhebung einer Umlage ist auch für das Jahr 1906 nicht erforderlich gewesen. An Entschädigungen find im Jahre 1906 in 43 erledigten Schadensfällen 3312,65 M gezahlt worden. Für 11 weitere Fälle, bei welchen am Schluffe des Rechnungs­jahres die Ersatzpflicht zweifelhaft war oder die Höhe der Ersatzleistungen noch nicht zahlen­mäßig feststand, sind 3900 -ü als Schadensreserve zurückgestellt worden. Durch die Verwaltung der Anstalt ist eine Vermehrung des Personals der landwirtschaflichen Berufsgenossenschaft nicht erforderlich gewesen. An Verwaltungs­kosten sind verausgabt bezw. der landwirtschaft­lichen Berufsgenossenschaft ersetzt 1800 JL Der Reservefonds betrug am Schluffe des Jahres 1906 16 073,50JL Die Gesamteinnahmen be­tragen a) aus Beiträgen 17 239 -ll, b) aus Zinsen 306,93 <K, zusammen 17 545,93 X Die Gesamtausgaben einschließlich der 10 prozen- tigen Rücklagen in den Betriebs- und Reserve­fonds betragen a) an Verwaltungskosten ein­schließlich Kosten der Schadenregulierung 1906,35 oU, b) Entschädigungen einschließlich Schadenreserve 7212,65 M, e) Rücklagen an Be­triebs- und Reservefonds 1823,80 -tt, zusammen 10 942,80 M, mithin Ueberschuß 6603,13 <M. Die Einnahmen und Ausgaben im Jahre 1906 be­tragen demnach 17 545,93 -ll. Die Rücklagen be­trugen am Schluffe desJahres 1906 24 189,07 <M. Mutmaßliche Verpflichtungen (Schadenreserve 6650 cll, bleiben 17 539,07 <31. Hierzu kommen bis zum Jahresschluß aufgelaufene, aber noch nicht vereinnahmte Zinsen mit 153,71 <H, Ver­mögen 17 692,78 <U.

* Meier, der Mustermensch und die Berufs­zahlung. Von Zeit zu Zeit taucht im deutschen Vaterlands ein Mustermensch auf, der die Augen aller übrigen Landsleute auf sich lenkt und amt­lich in seiner vorbildlichen Eigenschaft aner­kannt und als vorbildliches Beispiel hingestellt wird. Es geschieht dies bei den Volkszählungen und jetzt wieder bei der bevorstehenden Berufs­und Betriebszählung. Meier heißt diesmal der Wackere, was man übrigens beinahe im Voraus hätte erraten können. Im Hauptberufe betreibt er die Landwirtschaft, und zwar als Eigen­tümer, nebenbei aber noch eine Gastwirtschaft und Bäckerei. Eine reichsgesetzliche Rente bezieht et nicht. Meier ist verheiratet und katholisch, gebürtig aus Pitz im Kreise Bergheim. Seine Ehefrau Josefine stammt aus Rixdorf, und viel­leicht hat er sie als flotter Tänzer beimRix- dorfer" kennen gelernt. Die Frau scheint fleißig zu sein, denn siehilft" ihrem Manne in seinem Geschäfte. Sie ist 47, Meier 48 Jahre alt. Ihr 24jähriger Sohn Franz ist noch ledig undhilft" als Geselle in der Bäckerei und Landwirtschaft. Im Hause wohnt auch die Mutter Meiers, was auf ein verträgliches Gemüt der Familienmit­glieder schließen läßt. Sie ist Witwe, ihr ver­storbener Mann war Fleischermeister. Dann ist noch da der Onkel Ernst Korn, Rentenempfän­ger, 60 Jahre alt, evangelisch und geschieden. Zuletzt war er Zimmermann, jetzt beschäftigt er sich als Hirte in der Landwirtschaft. Als Knecht dient im Hause Meiers Rudolf Haase aus Schkorlopp im Kreise Merseburg. In Kost und Wohnung befindet sich weiter dort der frühere

Hessen-Nassau «nd Nachbargebirte.

Caffel, 26. Mai. General a. D. v. Barde­leben beging heute fein 50jähriges Militärjubi­läum. Der Genannte wurde am 2. März 1839 hier in Caffel als der Sohn des damaligen Majors und Kommandeurs der Kurhefstfchen Garde du Corps geboren, der 1843 zum Kom­mandeur des Leib-Dragoner-Regiments, spä­teren Husarenregiments ernannt wurde und di« Garnison Hofgeismar bezog. Dort verlöte, ss berichtet dieKl. Presse", Bardeleben ferne Ju­gendjahre, besuchte mit den Kindet» der Regi­mentsangehörigen die dortige Schule und kam, als 1849 bas Regiment seine Garnison ver­tauschte, auf das Gymnasium in' Caffel. 1854 trat er ins Kadettenkorps ein, als Leibpage des letzten Kurfürsten. 1866 stand Vardeleben bei der Main-Armee und wurde am 9. Februar 1867 Premierleutnant bei den 13er Husaren. 1869 bis 1870 zum Reitinstitut kommandiert, wurde er aw 15. Dezember 1869 zum Rittmeister befördert und machte als solcher den Feldmq 1870/71 im Husaren-Regiment 13 mit. 187» zum Major ernannt, wurde Vardeleben ins Husaren-Regiment 4 versetzt, dem er von 1882 bis 1886 angehörte, um dann von 1886 bis 1890 im Dragoner-Regiment 16 vom 15. Februar 1887 an als Oberstleutnant als Kommandeur zu fungieren. 1890 zum Brigadekommandeur, am 22. Mai 1889 zum Oberst und 1892 zum Generlmajor ernannt, schied er 1893 aus dieser Stellung. ,,

Friedberg (Oberh.), 25. Mai. Wie schon kurz gemeldet, wurde dahier ein großer römischer Töpferofen ausgegraben. Der hiesige Eeschichls- verein hat nun das hochinteressante Wer! freige- legt und mit Mitteln des Archäologischen In­stituts durchforscht. Von dem Ofen ist der ganze untere Raum, d. h. der überwölbte Feuerherd und die daran anschließenden beiden Heizkckm- mern die durch Steinpfeiler von einander ge­trennt sind, vollständig erhalten. Letztere sind mit einer Reihe nach links und rechts ausmmi- dender Luftschächte versehen, während bte ge­wölbte Decke siebartig von den sogenannten Pfeifen durchbohrt ist, durch die die Hitze in den barüberliegenden eigentlichen Brennraum ge­leitet wurde. Da dieser Brennraum aber ganz zerstört ist, so konnten Tongefäße nicht mehr ge­funden werden, doch sind in dem Abraum vor dem Ofen eine Reihe von Gesäßen und Resten, Ziegelstempeln und Formen gehoben worden, die eine genaue Zeitbestimmung für die Be­nutzung des Ofens zulassen. Die Stempel und die anderen Fundstücke beweisen, daß der Ofen in der frühen gutrömischen Zeit benutzt worden ist; er gehört dem Anfang des zweiten Jahrhun­derts n. Chr. an.