mit dem Kreisblatt für die Meise Marburg und Kirchhain.
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Marburg
Mittwoch, 28. Mai 1907.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck Md Verlag' Joh. Aug. Koch, Universitäts-Buchdruckern Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
42. Jahrg.
Erstes Blatt.
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für den Monat Juni auf bie
„Oberhessische Zei tung" nebst ihren iveilagan ».verden von unserer Expedition (Markt 21) unseren Ausgabestellen in Kirch Hain, Neustadt und Wetter, sowie von allen Postanstalten und Landbriefträgern ent» gegengenommen.
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Kolonien und Seewesen in der deutschen Wissenschaft.
Von Professor Dr. K. Thieß in Danzig.
„Nun weht einmal der rechte Zug, . Gottlob, in deutschen Landen,
. Er kommt daher wie Mövenflug,
Er braust wie Meeresbranden. Er fährt mit Hellem Jubelklang Um Felder, Wald und Wiesen — Hei Seeluft, frischer Tatendrang, Dein Kommen sei gepriesen!"
Nie haben Schwabs Verse für Deutschland so gepaßt wie in der Zeit seit dem letzten Reichstagswahlkampf. Da ist der Seewind hinein- gefahreit in Regierung und Parteien und in die ganze Bevölkerung, hat vielen Aktenstaub aufgewirbelt und fortgetrieben. Noch immer weht isteser Wind, bringt Leben und Bewegung. Er ist selbst in die ehrwürdigen Pergamente der deutschen Universitäten mit Macht gefahren, hat sie gepackt, daß sie lustig mittreiben im Wirbel modernsten Lebens.
Es ist ganz erstaunlich, wie viele und rasche klenderuugen diese Bewegung in dem konservativen, schwer beweglichen Betriebe der deutschen Universitäten sofort, schon für den laufenden Sommer hervorgebracht hat. Kolonien und Meereskunde, Kolonial- und Schiffahrtspolitik überall? Was sich auf diesen Gebieten im Laufe der Jahrzehnte langsam aufgebaut hatte und was noch im letzten Herbst als wertvolle Errungenschaft aufgezählt und gepriesen werden konnte, das ist heut weit überholt. Vor einigen Jahren wurde im Reichstag darüber verhandelt, für Kolonialrecht und Kolonialpolitik wenigstens an einer deutschen Hochschule einen ständigen Lehrauftrag zu schaffen. Abgeordnete, die Jahr für Jahr immer wieder aus ihren Akten dasselbe vorzutragen pflegen, haben diese Forderung noch ganz neuerdings wiederholt. Sie ist heut längst veraltet. Heut würde sich die
weltentlegenfte Universität schämen, wenn sie von Kolonien und Seewesen garnichts fugte und lehrte und in ihrem Programm hätte. Manche Hochschulen sind eifrig dabei, die aus vielerlei Fachgebieten kommenden meereskundlichen und kolonialen Vorträge sorgfältig in ein System zu bringen. Höchst merkwürdig klingt es uns, wenn auf die wertvolle Anregung, die kürzlich im Reichstag gegeben wurde, die in Hamburg geplante allgemein« Hochschule zugleich mit den Aufgaben einer deutschen Kolonialakademie zu betrauen, die Antwort von Universitäten und Handelshochschulen kommt: Das sei nicht nötig. Das wollten und könnten sie machen. Wer hätte noch vor wenig Jahren solchen Eifer für möglich gehalten? Schwerlich könnte auf diesem Gebiete eine binnenländische Hochschule das leisten und ersetzen, was Hamburg hier unserem Volke zu geben imstande sein würde. Das Streben danach und der Wetteifer sind aber trotzdem dankenswert und gesund.
Daß dieser Eifer so rasch gekommen ist, das «?ift erstaunlich, das ist noch mehr Erfreulich. Das sichertuns ftir dir Dauer dir Früchte dieser jüngsten Kampfe und Agitationen. Unsere hoffnungsfroheste Jugend wird so in das Verständnis der großen Uebersee-Jnteresien sorgfältig eingeführt, erhält die Rüstung und den Antrieb, das Panier der neuen Zeit zu erfassen, auf dem das Hansawort steht: Mein Feld ist die Welt. Wer seit dem Mai im Jahre des Heils 1907 in Deutschland sein Studium beginnt, der braucht sich nicht wie viele von den Aelteren dir Ueber- zeugung von der WichtigLeit der Schiffahrt und der Kolonien erst mühsam und künstlich anzu- letnen; ihm wird sie laut gepredigt und geht sie schon in aufnahmefähigster Jugend in Fleisch und Blut über. Er wird niemals mehr zweifelnd fragen: Sind wir Deutsche denn ein See- volk und sollen wir überseeische Beziehungen pflegen? Ihm wird das selbstverständlich sein.
Richt Kriegslust und Abenteurersinn haben diesen neuen Änlrieb zur See und über See entfacht, vielmehr die ernste, eindringliche Darstellung der wirtschaftlichen Aufgaben und Vorteile, die da herauszuholen sind. Als unser Volk selbst erstmals vor die verantwortungsvolle Entscheidung gestellt wurde, ob es wichtige Ueber- see-Jnteressen preisgeben oder sich erhalten wolle, da hat es mit Ernst studiert und geprüft und entschieden. Jetzt will es aber auch dauernd und gründlich darüber unterrichtet bleiben. Das haben die Universitäten überraschend schnell und feinfühlig herausgefunden und dem haben sie schnell entschlossen Rechnung getragen. So stehen wirtschaftliche Gesichtspunkte durchaus im Vordergrunds der neu aufschießenden Uebersee-Wis- senschaften. Gründlichste Behandlung der Meereskunde schließt sich an. In solchen Arbeiten
48 lNachdruck verboten.),
In der Schule des Leidens.
Roman aus dem New-Yorker Leben von Erich Friese«.
(Fortsetzung.)
Barrington!" fährt Gerda sanft fort, indem sie die Hand leise auf seinen Arm legt. „Als ich damals einwilligte, die andere Seite dieser Etage zu nehmen, geschah es, weil Sie mir in Ihrem Schmerz um Felicie leid taten. Ich sagte mir: „Mein Platz ist jetzt an seiner Seite; ich muß ihn trösten, ihn aufrichten." Jetzt sind^Sie nicht mehr so unglücklich, das Kind gedeiht, Ihre Schwiegermutter pflegt es — ich bi» nicht mehr nötig.“
, Ich weiß nicht, wo Sie hinaus wollen, Gerda —“ m
Nun wohl. Ich verlasse New-York nächste Woche. Heute Abend habe ich einen Kontrakt unterzeichnet, der mich für zwei Jahre nach San Franziska führt."
Norbert ist sehr bleich geworden.
Zuerst findet er keine Worte. Dann bricht er leidenschaftlich los:
„So gehe ich mit Ihnen!"
„Das Personal ist bereits vollzählig."
„So gehe ich als Uebcrzähliger mit!“
„Nein, Barrington, das werden Sie nicht. Die Harmonie unserer Seelen ist so vollkommen, daß Sie mich verstehen müßen, mein Freund. Leben Sie wohl!"
Sie hält ihm ihre schlanke Rechte hin.
Nur widerstrebend legt er die seine hinein.
Dann wirft er heftig hinter sich die Tür ins Schloß.
Jetzt ist es mit Gerdas Selbstbeherrschung zu Ende. Das Gesicht mit den Händen bedeckend, sintt sie aufs Sofa nieder und weint — weint heiße, bittre Tränen ....
XXVIII.
Erst gegen ein Uhr betritt Frau Mackay wieder ihr Schlafzimmer. Sie hatte das Theater
noch offen gefunden und mit dem Inspizienten alle Räume abgesucht nach Gerdas verlorenem Armband. Endlich fand man es in einem Haufen Tischzeug, welches nach der Vorstellung achtlos beiseite geworfen worden war.
Glückstrahlend kehrte Frau Mackay m*t dem wiedergefundenen Schmuckstück nach der zehnten Avenue Nr. 32 zurück. Und da Gerda über starke Kopfschmerzen klagte, blieb sie noch ein Biertel- ftündchen bei ihr sitzen, um ihr kalte Umschläge auf die heiße Stirn zu machen.
Jetzt empfindet sie Gewissensbisse Walter) wegen. Zwar hat sie ihn vor zwei Stunden schlafend verlassen; ab»'r — was kann solch kleinem Ding nicht alles passieren!
Sie beugt sich über das Bettchen. Rzchig schlummernd liegt das Kind da. Rich» einmal das Kissen hat er verschoben, der liebe, kleine Kerl; es ist, als sei es soeben erst aufgeschüttelt worden.
Frau Mackay setzt ihr Licht auf das Nachttischchen und beginnt sich auszukleiden, dazwischen von Zeit zu Zeit heftig gähnend.
Gerade will sie ins Bett steigen, als der Fenstervorhang sich leise bewegt. Gleichzeitig wird ein schwaches Geräusch hörbar.
Mit einem Schrei springt die alte Dame wieder empor. „Sind Diebe hier im Zimmer? Öder Mörder?"
Aengstlich lugt sie nach dem Fenster, jeden Augenblick gewärti-» daß ein schwarzbärtiger Kerl mit einem Mester auf sie zustürzen werde.
Da--sieht sie recht? Täuscht sie ihre er
regte Phantasie? ...
Die Vorhänge teilen sich. Eine zierliche weibliche Gestalt in roter Bluse, die dunklen Haare wirr um das bleiche Gesicht hängend, tritt langsam näher.
Abwehrend streckt Frau Mackay beide Hände aus, als sehe sie einen Geist.
„Erschrick nicht, Mutter! Ich bin es wirklich, dein Kind, deine Felicie!“
Sie sinkt zu Füßen der Mutter nieder, den Kopf in deren Schoß bergend.
besteht seit Alters eine internationale Arbeitsteilung und Arbeitsgemeinschaft. Die gegenwärtige Bewegung in Deutschland führt dazu, auch ausländische Forschungen vermehrt zu benutzen und andererseits ebenso wieder auf die. Studien anderer Nationen befruchtend und fördernd einzuwirken. So wird hier eine internationale Kulturgemeinschaft gefördert und werden friedliche Fortschritte angebahnt.
Dem Anstoß zu der ganzen Bewegung entsprechend stehen im Augenblick die Kolonien bei der Vermehrung der llniverfitätsvorlesungen im Vordergrund. Wir nehmen überall aus den Sommervorlesungen dieses Jahres die schon früher bestehenden und die jetzt neu hinzugekom- menen zusammen. Sie bilden ja jetzt eine Einheit und ergänzen sich. Im laufenden Sommer tragen über Kolonialpolitik vor: die Nationalökonomen Dr. Zoepfl und Admiralitätsrat Koebner in Berlin, Professor v. Wenckstern in Breslau, Prof. Rathgen in Heidelberg, Prof. Anton in Jena (K , der Niederlande und Deutschlands und Uebungen zur K.), Professor Hasse (Deutsche K.) und Prof. Eulenburg (Vergleichende Kolonialwirtschaft und K.) in Leipzig, Prof. Sieveking in Marburg, Prof. Knapp in Straßburg, Prof. v. Zwiedineck-Südenhorst an der Technischen Hochschule Karlsruhe, Prof. Arndt an der Akademie für Sozial- und Handelswissenschaften zu Frankfutt, Prof. Wiedenfeld an der Handelshochschule Köln (Kolonialgeschichte und K.).
Daran schließen sich die Vorlesungen der Juristen über Kolonialrecht: Prof. Köbner in Berlin (K. Deutschlands und der wichtigsten fremden Staaten), Professor Gmelin in Freiburg (Deutsches Kolonialstaatsrecht mit Berücksichtigung des englischen, französischen und holländischen), Prof, kv; Hoffmann in Göttingen (Deutsches K ), Prof. Arndt in Königsberg (Völker- und K.), Dr. Neurneyer in München. Man darf ohne weiteres vermuten, daß heut auch in den Vorlesungen über Völkerrecht das Kolonialrecht eine größere Nolle als früher spielt, ebenso wie die Kolonialpolitik in den Vorlesungen über Handelspolitik.
Als dritte Gelehrtengruppe kommen die Geographen von allen Seiten an die Behandlung der Kolonien heran. Außer ihren allgemeinen Vorlesungen sind die folgenden Spezialvorlesungen zu verzeichnen: in Göttingen Dr. Simbronn: Geographische Ortsbestimmung mit Rücksicht auf die Kolonien, in Kiel Dr. Eckert: Die deutschen Kolonien, ebenso in Frankfurt Dr. Kraus. An der Berliner Handelshochschule trägt Prof. Dunkel über Geschichtliche Entwicklung und geographische Grundlagen der modernen Kolonialreiche vor, an der Frankfurter Akademie Prof. Deckert übet England und sein Kolonialreich.
„Kind! Kind!"
Mehr bringt Frau Mackay nicht heraus. Sie hebt Felicie vom Boden auf, schiebt sie mit beiden Armen etwas von sich ab, um sie besser betrachten zu können, und schüttelt dann traurig den Kopf.
„Mein armes, liebes Kind!"
„Laß mich ein bißchen ruhen, Mutter! Ich bin todmüde."
„Mein armes, liebes, liebes Kind?"
Auf schluchzend schlingt Frau Mackay die Arme um die vor Müdigkeit fast umfallende Tochter.
„Kann ich ein Weilchen in deinem Bett liegen, Mutter?"
„Aber natürlich. Komm, Kind, ich will dich enttleiden! Fort mit den alten Sachen! Was für gräßlich plumpe Schuhe! Und erst die grau- gestrickten Strümpfe! Deine Füße sind ja ganz kalt, Licy! Schnell zu Bett! Ich reibe sie dir dann so lange, bis sie warm find. Hier hast du ein Nachthemd vor mir, mein allerschönstes, mit Spitzen chesetzt! Riech' mal — es duftet nach Lar- ' ’ _ Schnell über mit dem Nachthemd! So' "''hist du dich nicht wie neugeboren?"
Prachtvoll!" schluchzt Felicie, sich behaglich streckend.
Tränen ersttcken fast ihre Stimme.
„Jetzt leg' dich nieder! Und dann geb' ich dir Walter ins Bett! So —! Ist er nicht ein herziger Junge? Jetzt will ich dir Schokolade machen —"
„Bitte Tee, liebe Mutter!"
„Auch gut. Also Tee!"
„Und bitte, liebe Mutter, wecke Norbett nicht!"
Als Frau Mackay nach einigen Minuten mit dem Teebrett aus der Küche zurückkehrt schlafen Mutter und Kind bereits tief und fest.
Frau Mackay ist eine einfache, praktische Frau. Wie es kommt, daß Felicie hier ist, was später aus ihr werden soll — darüber zerbricht sie sich vorläufig nicht den Kopf. Felicie ist da
Mit den Geographen wetteifern heut d.< Historiker. Dr. Schmitt in Berlin behandelt die Geschichte der Kolonial- und Seemacht Englands; das gleiche Thema auch Professor Michael in Freiburg. In Bonn spricht der Volkswirt Prof. Eckert über die Handels- und Kolonialgeschichte der Neuzeit, in Leipzig Dr. Strieder über Erundzüge der Kolonialgeschichtc der europäischen Staaten.
Die Mediziner steuern zu diesen Wissenc- gebieten verschiedene Vorträge über Tropen» Hygiene und Tropenkrankheiten bei: in Berlin Dr. Plehn und Dr. Steubel, in Göttingen Prof; Bendix, in Heidelberg Prof. Reumann und so fort. Auch da kommen schon in den allgemeine > Vorlesungen die Kolonien immer mehr zur Ec:« tung. Ebenso in den Naturwissenschaften. In Göttingen lieft der Chemiker Prof. Fischer Über die Industrie Deutschlands und der Kolonie«, der Botaniker Prof. Peter über die Nutzpflanze« der deutschen Kolonien. In Rostock tt. a. 9. werden auch die Zoologie und die Pharmakognosie mit besonderer Rücksicht auf die Kolonie« vorgetragen. Die Theologen kümmern sich ia den Vorlesungen über Mission eingehend um die Kolonien. So lieft in Rostock Prof. Hashage« über Islam, Heidentum und christliche Miss io« in den deutschen Kolonien; in Halle Professor Warneck über katholische und evangelische Mss fion, Geschichte, Örganisationen, Arbeitsweise und Erfolge.
An der Göttinger Unjversität, im Univer« sitütsseminar für orientalische Sprachen zu Berlin, an der Handelshochschule Berlin, an bet Frankfurter Akademie sehen wir Bestrebungen, das ganze koloniale Wissensgebiet von mehrere« Seiten aus systematisch zu behandeln und sich den Aufgaben von Kolonialakademien anzu nähern.
Das Seewesen wird heut hauptsächlich in der Kollegs der Geographen über „Meereskunde' behandelt. Dazu haben die Tiefsee- und Polarforschungen manches neue Material gebracht Die neue politische Bewegung hat die Aufmerksamkeit für das Thema gesteigert. Darüber tragen in diesem Sommer vor in Berlin Professoi Penck und Prof. Grund (Der Ozean), in Breslau Pros. Leonhard, in Greifswald Prof. Cred- ner, in Halle Prof. Philippson, in Leipzig Prof. Parisch, in Marburg Prof. Oestreich (Hebungen zur Küstenkunde), in Straßburg Prof. Gerlend (Kontinente und Meere), in Tübingen Prof Sapper (Das Meer und seine Bedeutung im Leben der Völker), an der Dresdener Technisch..-« Hochschule Prof. Eravelius (Der Atlantische Ozean).
Die Beziehungen bet Juristen zum Ces- verkehr werden in den Vorlesungsverzeichnissen meistens nicht sichtbar. Denn die Behandlung
und unglücklich dazu — das bleibt für ihr schlich tes Gemüt die Hauptsache.
And nun schläft Felicie so schön und fest; Fra» Mackay beschließt, sie nicht zu wecken. Der Tee läuft ja nicht fort.
Und Felicie schläft die ganze Nacht hindurch. Erst gegen Margen, als Walters Fingerchen an ihren Haaren herumzupfen, öffnet sie die müden Lider. Lachend blicken die blauen Kinderaugen in die ihren. >
Es ist nach früh am Tage. Leuchtender Sonnenschein erfüllt das ganze Zimmer. Fra« Mackay hat beide Fenster geöffnet. Luft und Licht strömen in Menge herein.
New-York im Hochsommer ist im allgemeinen kein erfrischender Aufenthalt. Aber selbst ein Augustmorgen in New-York kann sein Angenehmes haben.
Mit großen, glänzenden Augen blickt Felicie sich in dem lichtdurchfluteten Zimmer um. Dann setzt sie sich aufrecht im Bett, nimmt ihr Kind empor und fängt an, mit ihm zu spielen.
Frau Mackay bereitet inzwischen den Tee, ohne Mutter und Kind mit irgend welchen Fragen zu belästigen.
Während Fo-icie das aromatische Getränk hinunterschlürft und ein paar Cakes dazu ißt sitzt Frau Mackay still an ihrem Bett.
„Wie spät ist es, Mutter?"
„Sechs Uhr, Kind."
„Ist noch niemand auf?"
„Meiner Seel' — nein. Fräulein Douglas frühstückt in ihrem Zimmer und kommt nie vor zehn Uhr zum Vorschein."
„Und Norbett?"
„Dein Mann frühstückt ebenfalls in seinem Zimmer. Ich sehe ihn nur bei den Hauptmahl zetten.“
„Besucht er Walterchen nicht jeden Tag?"
„Bewahre. Denkst du, berühmte Künstler kümmern sich um Kinderstuben? Die sind füt «ns Frauensleute."
Ein Seufzer hebt Felicies Brust.
(Fortsetzung folgt.)