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tn der Reichskasse von 23,2 Millionen aber nicht auf, so mutz die den Reichsbeamten gewährte Beihilfe oder ein Teil davon in die ordentlichen Ausgaben für 1907 eingestellt und, da auch dann voraussichtlich ungedeckte Matrikularbeiträge von den Einzelstaaten werden erhoben werden, von diesen ganz oder teilweise bestritten werden. Co ergibt sich denn die Aussicht, datz die Einzel­staaten, von denen Preußen bekanntlich seiner Finanzlage wegen einmalige Beihilfen nur an die unteren Beamten zu gewähren im Stande war, dem Reiche das Geld dafür hergeben, datz dieses an feine unteren und mittleren Beamten Beihilfen gewährt. Das sind wirklich unhalt­bare Zustände, und man wird gut tun, auf bal­dige Besierung der Reichsfinanzlage Bedacht zu nehmen. Es wird ja auch jetzt noch durchaus anziierkennen sein, datz der Reichstag die Reichs­finanzreform von 1906 vorgenommen hat. Datz sie aber unzulänglich war, wurde damals be­reits von der Regierung betont. Jetzt zeigt es sich praktisch, wie wenig angebracht es ist, Fi­nanzsanierungen vom Standpunkte der Aengst- lichkeit aus anzupacken. Man hätte damals fester zufassen sollen und wäre dann auch bester gefahren. Jetzt ergeben sich schon nach kurzer Leit wieder Schwierigkeiten, wie fie oben ge­schildert sind, und die Einzelstaaten tränen als Ende die Lall.

Die Agrarkommissio» des Abgeordneten­hauses hat beschlosten, die Staatsregierung zu «suchen, Mittel im Etat bereit zu stellen zur Unterstützung derjenigen Landwirte, namentlich .in den Grenzbereichen, die durch im Jntereste der heimischen Viehzucht getroffene Sperrmah­regeln in ihrer Existenz bedroht werden. Es liegt nunmehr der Bericht der Agrarkommisfion vor. Danach waren die Bestrebungen anfänglich auf die Gewährung von Entschädigungen und anscheinend auf die Bildung eines Dispositions­fonds zu diesem Zwecke ausgegangen. Hierzu hatte ein Vertreter des Finanzministeriums fol­gende Erklärung abgegeben:Gegen den An­trag von Bieberstein und Gen. sind seitens der Finanzverwaltung die ernstesten und entfchei, denden Bedenken zu erheben. Ihm liegt der Ge­danke zugrunde, datz der Staat für die aus der polizeilichen Tätigkeit erwachsenden wirtschaft­lichen Nachteile einzelner verantwortlich sei. Ein solcher Gedanke ist mit der Zweckbestim­mung der Polizei unvereinbar, deren Eingrei­fen seine Begründung lediglich in dem Jntereste der Allgemeinheit und damit zugleich demjeni­gen des einzelnen findet. Wollte man, wie es anscheinend beabsichtigt ist, zu dem beregten Zwecke einen Dispofifionssonds im Ctaatsetat bereit stellen, so würde damit ein völlig neuer Vorgang geschaffen werden, der unzweifelhaft nicht nur alsbaldige Berufungen aus anderen Landesteilen als den Erenzteilen nach sich ziehen, sondern unabsehbare Konsequenzen auf allen Gebieten des polizeilichen Eingreifens des Staates herbeiführen würde." Die anfänglicken Absichten sind denn auch fallen gelassen. Die Agrarkommission hat sich mit dem schon oben erwähnten Anträge begnügt. Ob er von der Regierung gebilligt werden wird, mutz abge­wartet werden. Jedenfalls hat der Vertreter des Finanzministeriums auch dem neuen Wunsche gegenüber geäutzert, datz möglicherweise grundsätzliche Bedenken entgegenständen, weil Unterstützungen an einzelne nur bei allgemei­nen Notschäden gewahrt zu werden pflegen, diese Voraussetzung aber hier allgemein nicht zu­treffen dürfte.

Zur Ernennung des Gouverneurs von Schuckmann. Die Behauptung linksliberaler Rörgelblätter, die auch aus der letzten Wochen­chronik des v. Gerlachfchen Organs spricht, datz die jüngsten Personalveränderungen in der Ko­lonialverwaltung einen Triumph des Assesso- 'rismus bedeuten, zeugen von einem selbst bei dieser Preste ungewöhnlichen Mange! an sach­kundiger Urteilsfähigkeit: denn es liegt doch zu­nächst auf der Hand, datz gerade unter den ob­waltenden Verbältnisten die Berufung eines auch nach der formalen Seite den Dienstzweig völlig beherrschenden Mannes zum llnterstaats- sekretär im Reichskolonialamt durchaus ange­zeigt war, damit der Chef dieses Amtes nicht nötig hat, seine Kraft in Formalien zu zersplit­tern, sondern sie ganz auf die Lösung seiner sach­lichen große» Aufgaben konzentrieren kann.

Der Waldkultus.

Von Fr. W. Steinbruch.

(Schluh.)

Wir hören sogar von einem heiligen Birn- brmm, dem die Bevölkerung große Verehrung erwies und den der heilige Martin fällen ließ.

Die Jrmensäule, welche Karl der Erotze zer­stören ließ, war ein uralter, gewaltiger Baum, der nach dem Glauben der Sachsen das Weltall trug und daher von ihnen göttlich verehrt wurde. Er stand in einem heiligen Haine und am Fiche desselben sprudelte ein heiliger Brun­nen mit süßem Master. Auch war viel Gold und Silber daselbst ausbewahrt, wahrscheinlich Kriegsbeute aus früheren Streifzügen, die hier den Eötern geweiht wurde. Von welchem Holze aber dieser Baum war, ist uns unbekannt.

Heilig war auch der Machandelbaum des Märchens, der Wachholder, der fein Grün im Winter nicht verliert und sich zur Zeit der Blüte beim leisesten Windhauch in einen weißen Claubmantel hüllt. Auch den duftenden Holun­der durfte man nicht fällen. Wer genötigt war, ihn umzuhauen, der betete zuvor entblößten Hauptes: Frau Ellhorn, gib mir von deinem Holz, dann will ich dir auch von meinem geben, wenn es wächst im Walde.

Andere Bäume, Sträucher und Kräuter wa- j ten andern Göttern und Göttinnen geweiht, j Don einem heiligen Baüme heißt es:Da fint i heiligen inne, die hoeren aller liute bet."

Mit der Heiligkeit gewisser Pflanzen war die Vorstellung heilender und zauberhafter Kraft« verbunden, die in dem Glauben an die in den Pflanzen hausenden Wesen -der ihres «erhält- «isses zu den Göttern ihren letzten Grund hat.

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Die Wirkung der Ernennung Son Herrn von Lindequist zum Unterstaatssekretär im Reichs­kolonialamt ist so ungefähr gerade das Gegen­teil von dem, was man als Astestorismus zu be­zeichnen pflegt. Was nun aber den Gouverneur vone Südwest-Afrika anlangt, so ist Herr von Cchuckmann zwar ursprünglich Beamter gewesen und hat eine Reihe von Jahren im auswärtigen und kolonialen Dienste gestanden. Seit dem Jahre 1900 aber ist er praktischer Landwirt ge­wesen und zwar im vollen Sinne des Wortes. Er ist also so wenig ein Mann des reinen Schreibtisches wie ein Kaufmann oder In­dustrieller, der in jungen Jahren einmal im Staatsdienste gestanden hat, und bringt für sein neues Amt die vollen Erfahrungen und An­schauungen praktischer wirtschaftlicher Tätigkeit mit. Datz aber in einer, in der Hauptsache land­wirtschaftlich produzierenden Kolonie, wie Süd- west-Afrika, die Erfahrungen des praktischen Landwirtes auch für den leitenden Gouverneur von besonderem Wert sind, wird der näheren Darlegung nicht bedürfen. Auch diese Ernenn­ung kann daher bei unbefangener Würdigung nicht als ein Triumph des Astestorismus bezeich­net werden. Es entbehrt jeder tatsächlichen Unterlage, wenn behauptet wird, datz unsere Kolonialpolitik bei diesen neuesten Ernenn­ungen von dem mit der Berufung des Staats­sekretärs Dernburg an die Spitze der Kolonial­verwaltung eingeschlagenen Kurse abgewichen sei. Hierbei wird von anderer Seite noch daran erinnert, datz der neue Leiter unseres südweftafrikanischen Schutzgebietes während sei­ner früheren amtlichen Tätigkeit in Kapstadt im Gegensätze zu anderen deutschen Konsuln sich durchaus als Sachwalter der deutschen Inter­essen bewährt hat, um schließlich dem Einfluß von Rhodes z. Z. der Burenbegeisteruna in Deutschland zum Opfer zu fallen. Auch in seiner späteren Tätigkeit als stellvertretender Gouver­neur von Kamerun hat sich Herr v. Schuckmann durch sein energisches Vorgehen ausgezeichnet, wofür ihm der Schwertorden verliehen wurde.

Dementi. B e r l i n, 26. Mai. Das durch die englische Presse verbreitete Gerücht, daß die deutschen Behörden ein deutsch-russisches Kom­plott gegen das Leben des deutschen Kaisers ent­deckt hättten und die Verhaftungen von russi­schen Anarchisten seien auf diese Entdeckung zu- rückzufübren. entbehrt jeder Begründung. Die von einer Berliner Lokalkorrespondenz danach formulierte Nachricht ist dementsprechend auch geoenstandslos.

Aufgeklärte, Zwischenfall. Berlin, 26. Mai. Die spanischen Blätter brachten vor einigen Wochen die Nachricht von erheblichen Grenzverletzungen seitens der Kameruner Echutztruppe im spanischen Batagebiete; unter anderem sollten spanische Flaggen deutscherseits wiedergeholt worden sein. Die Nachrichten, welche auch in deutschen Blättern Aufnahme ge­funden hatten, wurden kurz darauf durch di« spanische Regierung dementiert. Zur völligen Klarstellung der Angelegenheit wurde das Gou­vernement Kamerun zu einem telegraphischen Bericht in der Angelegenheit aufgefordert. Nach dem inzwischen eingetroffenen Bericht handelt es sich um folgendes: Im November vorigen Jahres benutzten einige eingeborene Soldaten des dem deutschen Erenzkommissar Hauptmann Förster zugeteilten Begleitkommandos ohne Wissen ihres europäischen Vorgesetzten einen Patrouillengang zu Räubereien im spanischen Grenzgebiet. Die Beteiligten wurden bestraft. Es liegt also lediglich ein gemeines Verbrechen vor, welches die erforderliche Sühne gefunden hat und welchem keinerlei politische Bedeutung beizumessen ist.

Ausland.

Vom 8. Internationalen laudwirischajt, Nche« Kongreß. In der Sektion für Acker- und Pflanzenbau hielt der Ministerialsekretär Dr. Hoffmeister aus Wien einen Vortrag über die Bedeutung des Getreidebaus für die mitteleuropäische Landwirt­schaft. Die Darlegungen des Mebnets riefen eine lebhafte Aussprache hervor, die zur An­nahme einer Resolution führte, in welcher der Kongreß folgende Kulturmaßnahmen als we-

Mit der Einführung des Christentums ver­blaßten zwar die alten Götter, aber fie schieden nicht aus dem Leben; fie wurden zu bösen Gei­stern, die den Menschen zum Bösen verleiten unb die et darum zu fürchten hat.

Wuotan gehet noch auf den Fittichen des Windes und wandelt auf des Meeres Wafler- wogen. Im Umzüge deswütenden Heeres" oder derwilden Jagd" ist das Andenken an ihn und seinen Namen bis auf den heutigen Tag unter uns erhalten. Besonders zu den Zeiten der ehemaligen Feste, um Weihnachten, fährt er mit Toben und Brausen in den Lüsten über Berg und Tal.

Es braust der Sturm, es rauscht das Meer, Die Felsgebirge zittern:

Gott Wuotan reitet rasch einher

In schwarzen Ungewittern."

Donar, der personifizierte Donner fährt auf den Wolken, wie auf einem Wagen; fein Gesell, der Donner, zeuget von ihm. Auch in seiner ver­gnügten Gestalt erinnert er an feine Entstehung, an seine Verwandtschaft mit dem Landmann: er tummelt nicht ein stolzes Rotz, wie sein Later und dessen Helden, sondern er geht zu Fuß oder fährt wie der Bauer. Er haust in der Eiche, von wo aus er über Wolken und Regen gebietet. Daher erkennt das Volk in ihm

!Den nahen Freund im Wetierprahk,

Sein Blitz verjagt die schwülen Riesen', _ ' Sein Regen tränket Feld und Flur."

And obgleich der Donnerer schon fest Jabr- Hunderten in tiefen Schlummer versunken ist, | noch heute werden ihm an einem und demselben i Tage auf Bergen, Hügeln und Feld«» hell« sichernde Feuer angezündet und Kind« und Er­wachsene strömen hinzu, tanzen jubelnd und fingend um das Frühlingsfeuer und schwenken jauchzend die Hüte.Denn wo das Osterfeu« geflammt hat, da brennt kein Kaur ab und ver-j

fentlich bezeichnete, um die Ertrage und die Rentabilität des Getreidebaues zu heben: 1. Anbau ertragreicher hochgezüchteter Kulturfor­men des Getreides im intensiven Betriebe und in klimatisch bevorzugten Landstrichen. 2. Ver­schärfte Saatgutauslese und züchterische Ver­besserung bei dem Landgetreide in Gegenden, wo die Hochzuchten nicht passen. 3. Sin« ver­besserte Landbautechnik, namentlich mit Rück­sicht auf die Bodenbearbeitung und die Bekämp­fung des Unkrautes und der parasitischen Schäd­linge. 4. Eine verbesserte Stallmistwirtschaft, die sich die Konservierung des Düngerstickstoffes zum wichtigsten Ziele setzt. 5. Eine ausgedehn­tere Anwendung der Leguminosen-Eründüng- ung. In der Sektion IX (Fischereizucht und Fischerei), die unter dem Vorsitze des Vertreters der franzöfischen Fischereigesellschaft Lucien Mersey ihre Beratungen abhielt, wur­den nach einem Referate des Dr. v. Kadich (Wien) über die staatliche Einwirkung auf die Fischerei die Einsetzung einer, aus Repräsentan­ten aller beim Kongresse vertretenen europäi­schen Binnenttaaten bestehenden Kommission be­schlossen, welche jene Gebiete des Fischereiwesens festzustellen haben wird, auf denen die Tätigkeit der Einzelltaaten nach international einheit­lichen Gesichtspunkten wünschenswert wäre. Diese Kommission, bezw. die von ihr zu be­stellenden Referenten haben dem nächsten Kon­gresse positive Anträge zu unterbreiten. Ueber einen Antrag auf Uebertragung der chinesi­schen Fischkultur nach Europa wurde beschlossen, an die Regierungen mit der Bitte heranzutreten, datz diese ihre Gesandtschaften in Priing beauftragen, Material über die chine­sische Teichwirtschaft sammeln zu lassen und das­selbe in entsprechender Weise zu publizieren. Einen interessanten Vortrag hält in dies« Sek­tion Baron Hammerstein (Petzenkirchen) über seine Erfahrungen über die Resultate bei der Wiederbevölkerung derFlüsse mit Fischen. Am Sonnabend fand die feierliche Schlußsitzung des internationalen landwirt­schaftlichen Kongresses statt. Als Ort des näch­sten Kongresses wurde Berlin festgesetzt.

Mexiko und Guatemala. Mexiko, 26. Mai. Mehrere mexikanische Regimenter und Bataillone sind nach der Grenze von Guatemala unterwegs. Die beiden Männer aus Guatemala die kürzlich hier den früheren Präsidenten von Guatemala, General Barillas, ermordeten, wer­den wahrscheinlich erschossen.

Marburg und Umgegend.

(Nachdruck aller Origmalartttri ist gemäß ß 18 del Urheberrechts nur mit bet deutlichen Quellenangabe

Dfcrtkff. Mg." gestattet)

Marlmrst, 27. Mai.

) ( Universität. Wie uns mitgeteilt wird, ist der Privatdozent für deutsches und bürgerliches Recht, sowie Zivilprozeßrecht an der hiesigen Universität, Professor Dr. jur. Paul Meyer, zum außerordentlichen Professor in Aussicht ge­nommen. Dem Kreisarzt und Medizinalrat Dr. Karl Coestet in Rinteln wurde anläßlich feines 50jährigen Doktor-Jubiläums von der medizinischen Fakultät der hiesigen Universität das Diplom «neuert.

* Die Kriegervereine bei Kaiserparaden. In Zukunft sollen, gemäß ein« Kaiserlichen Verfü­gung, nur solche Kriegervereine bei Kaiser­paraden oder im Spalier vor dem Kaiser Auf­stellung nehmen, die dem Landeskriegerverbande bezw. dem deutschen Krieg«bunde angehören.

)( Marburger Studenten. In derSchaum­burg« Zeitung" finden wir folgenden Bericht über den Besuch Marburg« Studenten in Rin­teln: Seit langet Zeit hat Rinteln kein so ftöhliches, echtes Studentenleben gesehen wie in den letzten Tagen. Hatte doch die Turnerschaft Schaumburgia aus Marburg, die von Studenten aus der Grafschaft im Jahre 1884 ins Leben gerufen wurde, beschlossen, ihren Alten-Herren- Tag wieder einmal in der Grafschaft zu feiern, und natürlich hatten es außer den Alten Herren auch die aktiven Mitglieder nicht versäumt, in

hagelt das Feld nicht; es wird zu Gottes Ehren angezündet."

Ostara, des Donner«s Schwester, die Göttin des aufsteigenden Lichts und wiederkehrenden Frühlings, ist mit der Liebesgöttin der Römer zur Frau Venus verschmolzen. Heilig waren dies« milden Göttin die Maiblumen und die gelben Pantoffelblümchen, die man ihr im Osterfeuer opferte. Diese und Osterspiele ihr zu Ehren find noch an vielen Orten gebräuchlich I undmeines Herzens Osterspiel" war früher ein süßes Schmeichelwort für die Geliebte. Unweit des Meißner befindet sich eine Höhle, die den Namen des hohlen Steins führt. In diese Höhle tragen am 2. Oft «tage Jünglinge und Mädchen d« benachbarten Dörfer Blumensträuße und schöpfen sich dann kühlendes Wasser, weil dieses für besonders heilkräftig gilt; ohne Blumen aber wagt niemand hinab zusteigen. Auch das Färben der Ostereier ist auf die Verehrung Donars und der Öftere zurückzuführen: Die ro­ten gelten dem Bruder, die gelben der Schwester. Wer aber den Reizen der Verlockungen der Ostara-Benus folgt und stch von ihren Zauber- armen umschlingen läßt, der ist dem Heidentum wieder verfallen und feine Seele gehört zu den Verlorene».

Um die Vorstellung von der Heiligkeit der Stätte, auf welch« man sich bisher versammelt hatte, auf die neuen Tempel zu übertragen, wurden fie häufig an alten Opferstellen er­richtet.

Die heidnischen Feste wurden mehr und mehr fit christliche umgewandelt und in manchen Stücken nachgeahmt. An die Stelle des Festes d« Wiedergeburt der Sonne ttat uns« Weih­nachtsfest. Lichter und grüne Zweige waren aber auch bei unf«n Vorfahren beliebte Fest­zeichen und so berührt sich also die Sitte des Wmhnachtsbaumes m-i jener der Heiden, fc. Das Fest der wiederkehrenden Fruchtbarkeit

Kemlich großer Anzahl zu erscheinen. So wär denn schon am Dienstag auf der Bürte bei dem offiziellen Begrüßungsab-^d eine stattliche Ko-, rona versammelt, die in -angeregtster Stim­mung alte Erinnerungen an langst vergangene' Zeiten austauschte. Am Mittwoch morgen trafen noch manche liebe Gäste ein, denen ihr Beruf es verbot, früher zu erscheinen, sodaß bei dem Frühschoppen im Ratskeller und bei dem Festessen in Stadt Bremen mindestens 5060 alte und junge Schaumburger Herren und Da­men in bunter Reihe versammelt waren. Gegen y23 Uhr fuhren dann die Teilnehmer an der Feier nach einem Umzuge durch die Hauptstra­ßen der Stadt, bei dem namentlich die Chargier­ten in ihrem prächtigen Vollwichs berechtigtes Aufsehen erregten, nach der Schaumburg. In fröhlicher Stimmung, in der noch manch schönes Wort zu Ehren der Schaumburgia, der Alten Herren und natürlich auch der Damen gesprochen wurde, und manch herrliches, frisch-fröhliches Komm«slied erschallte, verflossen die Stunden« Leider nur zu früh mußte zum Aufbruch ge­mahnt werden, und nach lustiger Fahrt blieben die meisten noch lange auf der Bünte zusammen, obwohl manche der Alten Herren durch die frühe Abfahrt der Züge zum baldigen Ausbruch ge­zwungen wurden. Für Donnerstag nachmittag hatten sich namentlich die jüngeren und aktiven Mitglied« ein ganz besonderes Vergnügen auf» gespart, nämlich einen Ausflug nach Todenmann mit Damen der Verbindung und besonders aus Rinteln. Bei fröhlichem Tanz und munterem Geplauder verflogen die Stunden; fchießlich ging man in langem Zuge, beinahe wie bei einer Polonaise, nach Rinteln, wo man eben» falls noch eine Zeitlang beisammen blieb. Und nun kam nach dem Abschiednehmen, bei dem man.immer wieder die WorteAus Wieder­sehen" hörte, ein echter, prächtiger Studenten­streich. Mit dem Glockenschlag 12, unter den flammenden Blitzen zogen etwa 10 aktive Mit­glieder der Schaumburgia zu Fuß aus, um in Hameln den frühesten Zug nach Marburg zu er­reichen. Hoffen wir, daß ihnen dieser Marsch gut gelungen ist, hoffen wir auch, daß sich jene WorteAuf Wiedersehen" erfüllen und wir wieder einmal solch fröhliche Studenten in un­seren Mauern begrüßen dürfen.

* Gemeindebeamten-Berband. Die diesjäh­rige (8.) Hauptversammlung der Gemeinde» beamten des Reg.-Bez. Cassel findet am 1. und 2. Juni d. I. patt. Auf der Tagesordnung stehen u. a. folgende Anträge des Ortsverbandes Cassel: der Zentraloerband ist zu «suchen, Schritte zu tun, daß a) auch für die Kommunal» beamten die llnfallsürsorge nach den gleichen Grundsätzen gesetzlich geregelt wird, wie sie für die Reichs- und Staatsbeamten bereits geregelt ist, b) die den Reichs- und Staatsbeamten zuteil werdenden Titel- und Ordensv«leihungen auch auf die Kommunalbeamten ausgedehnt werden, Am Montag, den 3. Juni, findet ein Ausflug nach dem Jnselberg statt.

* 3% prozentige Anleihe der Stadt Mar» bürg. Laut Beschluß der städtischen Körper­schaften vom 25. Mai wurde dem Angebote des hiesigen Bankhauses Baruch Strauß zur Uebernahme von 550000 Jt 3^,prozentiger An* leihescheine der Stadt Marburg der Zuschlag erteilt. Wie uns von genanntem Bankhause mitgeteiU wird, besteht die Absicht, obige An­leihe an der Frankfurter Börse zur Notiz zu bringen und sie in den nächsten Tagen in Mar­burg und den benachbarten Kreisen zur öffent­lichen Zeichnung aufzulegen.

* Hessischer Sparkassenverband. Die Haupt» Versammlung des Hessischen Sparkassenverbands findet am 8. Juni im Palmengarten in Frank­furt a. M. statt. Aus her Tagesordnung stehen u. a.: Vortrag des Beigeordneten Dr. Wevers-' Worms überModerne Kasseneinrichtung" und üb«Derficherungsangelegenheiten", und Ju» stizrat Mickel-Erünberg überDie Erteilung von Auskünften über Spareinlagen durch Spar»'

der Erde wurde im Februar zu Ehren der Ner» thus mit brennenden Kerzen und mit Umzügen^ der Götterbilder von Hain zu Hain gefeiert.* Mochte die Kirche auch noch so sehr gegen den! heidnischen Unfug wettern und an die Stelle! jenes FestesMariä Reinigung" setzen, das, Volk hielt die alten Gebräuche in seinen Fast-' nachtsumzügen in Ehren.

Die Gebräuche bei den Festen zu Ehren des Frühlingsgottes gingen mit Blumen, Eiern und Festfeiern auf Ostern und Pfingsten über. Das Ei war das Zeichen der Fruchtbarkeit, das Rot aber die Farbe der Freude und noch werden in manchen Gegenden die roten Osterei« bevor­zugt. Die früher dem Frühlingsgott geweihten Pfingstmaibüsche find noch an vielen Orten in Gebrauch.

In die Mitte des Hochsommers fiel bas Fest der Sonnenwende, das gleich den andern mit Opfern, Kränzen, Tänzen und Gelagen gefeiert wurde. Die christliche Kirche verlegte auf den Tag das Fest Johannes des Täufers, schmückt die Kirche mit Sommerblumen und segnet die Kräuter, die man für heilsam hält. Aber das Volk hielt an den alten Gebräuchen fest, wenn auch die Bedeutung des Festes verloren ging. Das Fest des heidnischen Kultus ward zum Volksfest mit Umzügen, Lichtern und Tänzen unter geschmückten Bäumen.

Die Reste dieser alten Feste, Sitten und Ge­bräuche erinnern uns überall an den Waldkul­tus. Man kann fie durch alle Entwicklungs­stufen, die unser Vaterland in seinem Innern erfahren hat, bis in die neueste Zeit verfolge» und erkennt aus den Namen vieler Orte die Stätten, an denen Feste, Volksversammlungen unb Gerichtstage abgehalten wurden.Heili­genforst, Hillgenforst, Hilligenholt" weisen deut­lich auf die Wälder und Haine hin, die zu got­tesdienstlichen oder sonstigen öffentliche»! Zwecken gedient haben. --h