mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und.Kirchtzain.
SornrtaasbeilaLe: Alluttrirtes Son»taaSLlatt. **
M 121
Vierteljährlicher Bezugspreis: bet der Expedition 2 Ml, btt allen Postämtem 2,25 M. (exct, Bestellgeld).
JnsertlonSgebüchr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfg.
Reclamen: di« Zeile 30 Pfg.
Marburg
Sonntag. 26. Mai 1907.
Erscheint wöchentlich sieben mal«
Druck imb Verlag? Joh. Aug. Koch, Univerfitäts-Buchdruckerei 42. Jahrg.
Marburg, Markt 2t. — Telephon ob.
Erstes Blatt.
Bestellungen für den Monat Juni auf die „Oberhefsische Zei tung" nebst ihren Beilage« werden von unserer Expedition (Markt 21) unseren Ausgabestellen in Kirch. Hain, Neustadt und Wetter, sowie von allen Postanstalten und Landbriefträgern entgegengenommen.
Die Kanalufer.
Unmittelbar vor dem Pfingstfest ist dem Abgeordnetenhause eine Vorlage zugegangen, die für weiteren Crunderwerb am Rhein-WeserKa- nal 16 Millionen Mark fordert. Durch ' die eigentliche Kanalvorlage sind für Erunderwerb 6 714 000 Mark ausgeworfen worden. Die ge- machten praktischen Erfahrungen lasten es erwünscht erscheinen, in dem industriell stark entwickelten rheinisch-westfälischen Kohlengebiete noch mehr Flächen anzukaufen als bisher geplant war. Am Rhein-Hernekanal ist mit dem Erunderwerb bereits begonnen worden, bisher sind für 4 023 000 Mark Grundstücke erworben worden, am Ems-Weserkanal konnte mit dem Ankauf noch nicht vorgegangen werden. Da man auch am Lippekanal und den Seitenkanälen mit einer wesentlichen Steigerung der Vodenwerte rechnet, empfiehlt es sich in vermehrtem Umfange über den unmittelbaren Baubedarf hinaus Grundstücke zu erwerben, und zwar an allen Kanälen. Die Verteilung der 16 Millionen auf die einzelnen Kanäle kann endgiltig noch nicht erfolgen, vielmehr erscheint eine Verschiebung unter den einzelnen Unternehmungen derart zulässig, daß Ersparnisse bei der einen Strecke zur Deckung von Mehraufwendungen bei der anderen Verwendung finden. Falls es nicht gelingt, Grundstücke freihändig anzukaufen, tritt Enteignung ein. Die Wasterstrasienbeirüte sollen über die Art und Weise der Ankäufe gehört werden. Für die Folge ist auch geplant, den Beiräten in bestimmten Zeitabschnitten über die getätigten Ankäufe übersichtliche Mitteilungen zu machen.
Das Vorgehen der preußischen Staatsregierung fordert Anerkennung. Erst dieser Tage wurde über die Wirkung der geplanten Lippekanalisation aus dem Kreise Lüdinghausen berichtet, dort
(6 (Nachdruck verboten.).
In der Schule des Leidens.
Roman aus dem New-Porker Leben von Erich Friesen.
(Fortsetzung.)
Abends gegen acht Uhr im Zwielicht des entschlafenden Tages klopft es schüchtern an der kleinen Villa (Zehnte Avenue Nr. 32, Parterre linkst
Ein sauber gekleidetes Dienstmädchen öffnet. " „Ist Herr Barrington zu Hause?"
„Nein, er ist um diese Zeit immer im Theater."
„Wohnt Fräulein — Fräulein Douglas auch hier?"
„Nicht hier. Drüben!" Die Hand des Mädchens weist auf die andere Seite des Korridors. „Nur das gemeinschaftliche Speisezimmer und der Salon sind auf dieser Seite."
„Ist Fräulein Douglas zu Hause?"
! „Nein. Sie ist auch im Theater."
. ■ „Wann kehrt sie zurück?"
' „Ich weiß nicht. Manchmal um elf Uhr, manchmal auch später."
„Nicht früher?"
„Nein."
j „Wohnt nicht noch eine Frau Mackay hier?" ■ „Frau Mackay? Ja, so heißt die Pflegerin von unserm Kind."
Bei dem Wort „Kind" fühlt Felicie einen Stich im Herzen.
Dort, nur durch eine dünne Wand von ihr getrennt, schläft ihr liebes Kind, ihr Augapfel, ihr Sonnenscheinchen . . . Und sie, die Mutter des Kindes, steht draußen vor der Tür — eine Bettlerin, eine Unglückliche, eine entlaufene Zuchthäuslerin! ...
Entlaufene Zuchthäuslerin!!!
Zum ersten Mal kommt ihr voll zum Bewußtsein, was sie ist ....
„ Entehrt — vogelfrei — ausgestoßen au» der menschlichen Gesellschaft —- ------
sei der Preis für den Morgen wenig ertragfähigen Sandbodens, für den bisher höchstens 100 Mark gezahlt wurden, bereits auf 3000 Mark gestiegen. Aehnlich stieg bekanntlich an der Mündung des Kaiser-Wilhelm-Kanals bei Brunsbüttel das Kanalland von 4000 Mark pro Hektar innerhalb weniger Jahre auf 80 000 Mark und am Teltowkanal auf 37 000 Mark. Um die Wiederkehr solcher Bodenspekulation unmöglich zu machen, ist von der Kanalkommission der wasserwirtschaftlichen Vorlage vom Jahre 1905 ein neuer § 16 eingesügt worden, der besagt: „Dem Staate kann an dem Kanal .. . durch Königliche Verordnung das Recht zur Enteignung solcher Grundstücke verliehen werden, deren Erwerb zur Erreichung der mit dem Unternehmen in Verbindung stehenden, auf das öffentliche Wohl gerichteten staatlichen Zwecke erforderlich ist. Von dem Enteignungsrecht ist spätestens bis zum 1. Juli 1909 Gebrauch zu machen." Fürst Knyp- hausen aber erwarb sich ein Verdienst, indem er bei seiner Interpellation vom 31. März 1906 im preußischen Herrenhause nach dem Umfange der von der Staatsregierung beabsichtigten Bodenerwerbung fragte und dazu noch die Schaffung eines Fonds von 14 Millionen empfahl. Unterstaatssekretär Dr. Holle konnte damals mitteilen, die Regierung wolle in Uebereinstimmung mit beiden Häusern des Landtages den Erunderwerb nach den Gesichtspunkten durchführen, die Lei der Beratung des Wasterstraßengesetzes festgelegt worden seien. Die neue Vorlage ist lediglich die Erfüllung jener Zusage.
Deutsches Reich.
— Ein Telegramm des Reichskanzlers an die in Deutschland weilenden englischen Kommunalpolitiker. Das englische Komitee zum Studium der städtischen Einrichtungen hatte beim Betreten des deutschen Bodens an den Kaiser ein Telegramm gerichtet. Am Donnerstag erhielt Lord Jvedon, der Präsident des Komitees, folgendes Antworttelegramm: „Auf allerhöchsten Befehl danke ich dem Komitee für das aus Goch gesandte Telegramm. Seine Majestät der Kaiser lasten dem Studienkomitee einen befriedigenden Verlauf seiner Fahrt wünschen und hoffen, daß die Mitglieder angenehme und nutzbringende Eindrücke in ihre Heimat zurücknehmen werden. Reichskanzler Fürst Bülow."
— Veränderungen in den höchsten Stellen der Marine. Der Chef der Marinestation der Ostsee v. Priitwitz und Gafsron, welcher jetzt zum Admiral befördert wurde, ist erst am 6. August 1870 Leutnant zur See geworden. Vizeadmiral ist er seit dem 27. Januar 1904. v. Prittwitz und Gafsron ist zwei Jahre Chef unseres Kreuzergeschwaders in Ostasten gewesen und als Kontreadmiral Inspekteur der 2. Ma-
Ein leiser Schmerzensschrei entringt sich ihrer Brust.
Dem Mädchen kommt die Fremde unheimlich vor. Es drängt dieselbe zurück und will die Tür schließen.
Eine bittende Bewegung Felicies hindert es daran.
„Nur noch eins! Wie geht es dem Kind?"
„Eut. Es ist ein lieber, kleiner Engel."
Das Mädchen lächelt bei diesen Worten. Augenscheinlich liebt es das Kind.
Das Herz der Mutter frohlockt.
Eine warmfühlende Seele! Vielleicht — vielleicht --Felicie wagt kaum weiter zu denken.
Plötzlich faßt sie einen Entschluß.
Mit einer heftigen Bewegung reißt sie sich den Hut vom Kopf. Frei und festellos flutet die schwarze Lockenfülle um Stirn und Schläfen.
Verwundert blickt das Mädchen auf die eigentümliche Dame. Sie sieht auf einmal ganz verändert aus — so fein, so vornehm, so durchgeistigt . . .
„Schließen Sie die Tür noch nicht!" flüstert Felicie hastig. „Ich will Ihnen sagen, wer ich bin!"
„Dann aber schnell! Ich habe wenig Zeit!"
„Lasten Sie mich eintreten! So! Ich weiß nicht, warum ich Vertrauen zu Ihnen faste. Vielleicht, weil Sie mein Kind lieben. Was ich Ihnen jetzt sagen werde, muß tiefstes Geheimnis zwischen uns bleiben — verstehen Sie? Sie bringen sonst mich und den kleinen Walter in tiefstes Unglück!"
Die Augen des Mädchen öffnen sich weit. Ihre Neugierde erwacht.
„Ich werde nichts ausplaudern. Sprechen Sie nur!"
„Können Sie nicht denken, wer ich bin?"
„Nein."
„Haben Sie nie etwas von Walters Mutter gehört?"
„Nein." '
„Ich — ich bin seine Mutter."
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rine-Jnspektion. Vordem war v. Prittwitz und Gafsron 2. Admiral des 1. Geschwaders unter Prinz Heinrich. Als junger Kontreadmiral (13. November 1899 ernannt) finden wir ihn als Oberwerftdirektor der Werft Danzig. Diese Stelle bekleidete er auch schon als Kapitän zur See. Vordem hat er den Panzer „Wörth" kommandiert und ist auch einige Zeit Vorstand der Nautischen Abteilung des Reichs-Marine-Amts gewesen. Als jüngerer Kapitän hat Kurt von Prittwitz und Eaffron, welcher am 21. April 1866 in die Marine eingetreten ist, das längst zum alten Eisen geworfene damalige Panzerschiff 2. Klaste „König Wilhelm" kommandiert. Als Korvettenkapitän ist v. Prittwitz und Eaffron Kommandeur der 2. Abteilung der 1. Matrosendivision gewesen und später Chef des Stabes des Kommandos der Marinestation der Nordsee. Als junger Korvettenkapitän ist er erster Offizier auf der damaligen Kreuzer- Fregatta „Gneisenau" gewesen, die zum Kreuzergeschwader unter dem damaligen Kontreadmiral Knorr gehörte. Der neue Chef der Marine- station der Nordsee Vizeadmiral v. Ahlefeld ist am 19. August 1871 Leutnant geworden. In seiner jetzigen Charge befindet er sich seit dem 17. Januar 1905. v. Ahlefeld ist bekanntlich längere Zeit Direktor des Werftdepartements im Reichs-Marine-Amt gewesen. Als Kontreadmiral war er Direktor des Technischen Departements des Amts. Als Kapitän zur See war v. Ahlefeld, welcher am 15. April 1867 in die Marine eingetreten ist, Oberwerftdirektor der Werft zu Kiel.
— Amerikanisches Konservenfleisch. Die Chicagoer Eroßschlächtereien behaupten bekanntlich, nachdem ihnen in den „Sinklairschen Enthüllungen" so unangenehme Dinge gesagt worden sind, daß sie jetzt die „Betriebsmethoden in ihren Schlachthäusern reformiert hätten". — Wie es mit dieser „Reform" aussieht, darüber berichtet der. englische Äonfulin Chicago folgendes: „Die großen Firmen nehmen sich jetzt recht in acht mit den Konserven, welche sie unter ihrem eigenen Namen verkaufen: aber die meisten, wo nicht alle von ihnen, verarbeiten die minder guten Bestandteile des Schlachtviehes in Konserven, welche unter einer weniger bekannten Firma in den Handel kommen. Das Produkt, das den Namen der bekannten Firmen trägt, ist gut, aber entsprechend teurer." — England ist bekanntlich der Hauptabnehmer der amerikanischen Fleischkonserven, und besonders in der britischen Armee wurde bisher von dem Zeuge viel verbraucht, wenn man auch neuerdings bemüht ist, den Bedarf so viel wie möglich aus den eigenen Kolonien zu decken. Der englische Vertreter in Chicago hatte also begründete Ursache, sich den „Betrieb" genau anzusehen, und wir lernen aus seinem Bericht, daß alles Verdächtige nach wie vor einem geschätzten Publikum offeriert wird, nur unter anderem Namen! — Das geht nicht allein die Engländer an, sondern berührt auch uns; denn via Großbritannien wird gewiß auch
„Ja — und heute aus dem Gefängnis entflohen!"
„Großer Gott!" *
Das Mädchen weicht zurück.
„Ja, ich bin Frau Barrington und komme direkr aus dem Gefängnis," wiederholt Felicie ruhiger. „Diesen Hut und die rote Bluse legte ich nur an, um mich unkenntlich zu machen. Glauben Sie Mir oder nicht?"
Ein paar Sekunden blickt das Mädchen fest in Felicies voll zu ihm aufgeschlagene Augen. Dann entgegnet es ernst:
„Ich glaube Ihnen." .
„Dars ich eintreten und mein Kind sehen?" „Sa.
Sanft faßt das Mädchen Felicie bei der Hand und zieht ste in den Korridor.
„Führen Sie mich in das Zimmer meines Mannes! Das Kind schläft gewiß daneben?"
„Nein, das Zimmer des Kindes liegt neben dem gemeinschaftlichen Salon."
„So führen Sie mich ins Kinderzimmer. Ist meine Mutter — ich meine, Frau Mackay bei Walter?"
„Nein, Madame. Frau Mackay ist auch int Theater. Ich habe versprochen, ost nach dem Kind zu sehen. Es ist ein sehr gutes Kind — schläft gewöhnlich die ganze Nacht hindurch. Kommen Sie, Madame!"
Mit zitternden Knieen eilt Felicie dem Mädchen nach — durchs Eßzimmer, durch den Salon, hin zum Kinderzimmer. Vor ihren Augen dreht sich alles. Wiederholt lehnt sie sich an die Wand, um neue Kraft zu sammeln.
Jetzt öffnet das Mädchen die Tür nach dem Kinderzimmer.
Felicie tritt ein.
Im ersten Augenblick vermag sie nichts zu erkennen. Die Vorhänge der beiden Fenster sind herabgelassen. Auf dem Tisch brennt eine kleine Nachtlampe, alles um sich in dämmeriges Halbdunkel hüllend.
Doch nach und nach unterscheidet Felicie die einzelnen Gegenstände. —-— - -
heute noch amerikanisches Büchsenfleisch zu UM gelangen.
— Die Vermehrung der Eisenbahnbetrieis, mittel. In welchem erheblichen Umfange di« Vermehrung der Betriebsmittel bei der preußi. schen Eisenbahnverwaltung fortschreitet, ergib! sich aus nachstehender Zusammenstellung des Be- standes der Betriebsmittel am 1. April 1906 und 1907 und des voraussichtlichen Bestandes am 1. April 1908, wobei auch die Beschaffungen für die Ausrüstung der zur Eröffnung gelangenden neuen Bahnlinien und die voraussichtlich« Ausmusterungen usw. berücksichtigt sind:
ätintl. rveiland am 1. 4.
1906 ......
Vermehrung gegen 1. 4.
19 5 .....-
Wirk!. Bestand am 1. 4.
1907 ......
Vermehrung gegen 1. 4.
1906 .......
Voraussicht!. Bestand am 1. 4. 19C8 . . .
Voraussicht! Vermehrung gegen 1. 4. 1)07
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9324
370361
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23'4 (7,3’M
993
11,9 •/.
23351 (6,7 V
Es darf erwartet werden, daß es gelingen wird, den starken Personenverkehr im Sommei und den starken Güterverkehr im Herbst dieses Jahres glatt zu befriedigen.
— Ueber den Seeverkehr in den deutsche» Hafenplätzen im Jahre 1905 werden im dritten Teil des Bandes 174 der „Statistik des Deutschen Reiches" ausführliche Nachweisungen veröffentlicht, aus denen die wichtigsten Angaben bereits im ersten Heft des Jahrgangs 1907 btt „Vierteljahrshefte zur Statistik des Deutschen Reichs" mitgeteilt worden sind. Danach sind im ganzen deutschen Küstengebiet im Jahre 1905 198 887 Schiffe mit einem Raumgehalt von 48 405 743 Registertons zu Handelszwecken an- gekommen und abgegangen, gegen das Vorjahr 7978 Schiffe (4,2 v. H.) und 3 632 732 Registertons (8,1 v. H.) mehr. Im Jahre 1875 hatte die Summe aller im Deutschen Reiche ein- und ausgelaufenen Schiffe 87 558 mit 12 722 710 Regi- stertons Raumgehalt betragen, seitdem hat als« die Schiffszahl eine Vermehrung um 127,1 v. H., der Raumgehalt sogar um 280 5 v. H. erfahren. Die bedeutende Verkehrssteigerung ist hauptsächlich durch die immer reger sich gestaltende Tätigkeit der Dampfschiffahrt herbeigeführt worden; während im Jahre 1875 17189 Dampfer mit einem Raumgehalt von 7 182 061 Registertons netto im deutschen Küstengebiet ein- oder ausgelaufen sind, stellte sich die entsprechende Zahl im Jahre 1905 auf 124 475 mit
Die Längswand des Zimmers nimmt ein großes Bett ein . . . Und dort, int Schatten bet Nachtlampe, steht ein kleines Himmelbettchen mit mattrosa Vorhängen und Spitzenvolants.
Felicie will hinstürzen zu dem Bettchen. Doch nein — nicht aufwecken? . . .
„Ich danke Ihnen," wendet sie sich zu dem Mädchen, welches in der offenen- Tür stehen ge blieben ist. ' „Sie können jetzt gehen."
Ein etwas ängstlicher Ausdruck fliegt »bei die gutmütigen Züge des Mäd^ens.
„Ihr Wort darauf," beginnt sie stockend, Sie sind —"
„Die Mutter des Kindes! Und ich wünsch« mit ihm allein zu fein.“
Ihr Ton hat etwas so Hoheitsvolles, Ve fehlendes — das Mädchen verläßt sofort dar Zimmer.
Die Mutter ist allein mit ihrem Kind . . .
Ganz leise auf den Fußspitzen, schleicht Felicie hin zu dem Bettchen. Ein ganz eigenes Gefühl erfaßt sie. Sie hat die Empfindung, als versänke die Erde rings um sie her und eine unsichtbare Macht trage sie aufwärts — höher und immer höher, direkt ins Paradies . . .
Mit zitternden Händen schrebt sie bte Rosavorhänge beiseite. .
Ein kleiner Kopf mit blondem Lockengermgel wird sichtbar und ein geballtes Grübchenhändchen und ein weißes gesticktes Nachtkleid.
Tief aufatmend preßt sie ihre Lippen auf das Händchen. Eine Welle glückseligen Friedens durchflutet die Seele.
Das Kind fährt ein wenig zusammen. Dann öffnet es schlaftrunken seine großen, blauen und richtet sie auf die fremde Frau.
Mit einem unterdrückten Freudenschrei nimmt Felicie das Kind hoch. Jede Furcht ist geschwunden, jeder Schwächeanfall vorbei.
Ihr Kind fest an die Brust gedrückt — f» sinkt sie nieder nvf die Chaiselongue. V.
Bald schlafen beide tief und fest.
(Fortsetzung jolgtZ