mit dem Meisblatt für die Kreise Marburg undKirchhain.
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Erstes Blatt.
(Nachdruck verboten.);
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Erscheint wöchentlich sieben mal. ; _ CVaViva
Druck und Verlag' Joh. Aug. Koch, UnivrrfitStS-Buchdruckerä 4Z. >ZlMg< Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
Gefängnis fein, ist so gut wie tot. Und nun soll sie plötzlich vor ihn hintreten und ihm sagen:
„Da bin ich wieder — ich, dein dir angetrau- tes Weib, dem du am Altar gelobtest, es zu lieben und zu ehren, bis der Tod uns scheidet. Hast du diesen Schwur gehalten?"
In der Nähe des Metropol-Theaters verläßt sie den Stadtbahnwagen. Sie fürchtet nicht, im Theater Bekannten zu begegnen. Es ist zwei Uhr — die Zeit, da die Probe zu Ende ist und die Mitglieder zu Mittag essen. Außerdem sieht sie in der auffallenden Kleidung und mit der veränderten Haarfrisur sowieso der früheren Felicie Barrington gar nicht ähnlich.
Das ganze Theater ist wie ausgestorben. Nur ein Arbeiter nagelt an einer widerspenstigen Kulisse herum.
Felicie fragt ihn nach der Adresie von Nor-
seren Handel vernichten, in der Zeit, wo er in einem vielversprechenden Anwachsen begriffen ist.
Bei dieser Sachlage hat es geringeren Wert, im Haag oder anderswo mit England über die Berechtigung unserer Rüstungen auch nur Worte zu verlieren. Wenn England Deutschland sein Daseinsrecht überhaupt unbestritten ließe, so würde für das ganze englische Gerede der Hinweis auf die Tatsache vernichtend sein, den der Abg. v. Oldenburg in der Reichstagssitzung vom 24. April gab, daß nämlich Deutschland für Heer und Flotte pro seiner Bevölkerung nur 13,40 Mark ausgebe, dagegen Frankreich 23,21 Mark, und England 30,68 Mark, also mehr als das Doppelte der deutschen Ausgaben. Aber die ganze Politik Englands läßt ja erkennen, daß alle noch so triftigen Gründe der Logik ihm gleichgiltig sind, und daß es rücksichtlos die Einkreisung Deutschlands und desien Ausschaltung aus dem Konzerte der Weltmächte anstrebt. Auch das französisch-japanische Bündnis ist nur ein weiteres Glied in der Kette dieser englischen Machenschaften, da es klar erkennbar darauf hinausläuft, im Kriegsfälle Kiautschou durch Japan besetzen zu lassen, die englisch-französischen Streitkräfte in Ostasien aber für anderweitige Verwendung frei zu bekommen. Bei dieser Sachlage würde es eine schwere Vernachlässigung unserer vaterländischen Pflichten bedeuten, wenn wir nicht ernsthafter, als es bisher geschehen, für den Schutz unserer heimischen Küsten und den Ausbau unserer Hochseeflotte sorgten. Die Voraussetzung, daß nach Durchführung des Flottengesetzes der dirette Küstenschutz von geringer Wichtigkeit sein würde, erweist sich als gänzlich unzutreffend. Eine Beschleunigung des Bautempos der Hochseeflotte dürfte bei den jetzt an der maßgebenden Stelle herrschenden Anschauungen nicht erreichbar sein. Um so dringender ist es deshalb geboten, die Befestigung der Ems- Mündung auszubauen, namentlich aber die Elbe- und Jade-Befestigungen zu verstärken. Dis während des letzten Jahrzehnts für die Küstenverteidigung gemachten Aufwendungen haben kaum genügt, den früheren Stand aufrecht zu erhalten. In Fachkreisen wird die Notwendigkeit einer großzügigen und umfangreichen Küstenverteidigung aber immer mehr erkannt. Sie hat gar nichts mit der Frage zu tun, ob wir gegenüber der neugeschaffenen Lage aus Seegeltung verzichten wollen oder nicht. Gewiß ist der Hieb die beste Parade und im Angriffe liegt der Sieg. Aber darüber darf doch niemals der Wert der zweiten Verteidigungslinie, also im vorliegenden Falle einer guten Küftenverteidigung vergessen werden!
preußische Staat in seiner Wirt« schäft eine Entwicklung hinter sick hat, die als ganz bedeutend bezeichnet werden muß. l
— Bekämpfung der Tuberkulose. Am Mittwoch Vormittag fand im Plenarsitzungssaale de« Reichstages die 11. Generalversammlung bes „Deutschen Zentralkomitees zur Bekämpfung der Tuberkulose" statt, dessen Protektorin die Kaiserin ist. Die Versammlung wurde vom Staats« sekretär Grafen Posadowsky eröffnet, der in fei« ner Ansprache die Ursachen dieser schleichende» Krankheit beleuchtete, die auf wirtschaftlichem, hygienischem und sittlichem Gebiet liegen. Im Grund sei der Kampf gegen die Tuberkulose auch der Krieg gegen das ganze menschliche Elend. Statistisch sei nachgewiesen, daß die so oft als unwirksam verschrieene Heilstättenbehandlunz große Erfolge aufzuweisen habe. Nach dem sich daranschließenden Geschäftsbericht des Generalsekretärs Oberstabsarzt a. D. Dr. Nietner sprach Geheimer Regierungsrat Kehl-Düsseldorf über die Tuberkulosebekämpfung auf dem Lande und trat vor allem für eine Aufklärung der Landbevölkerung, Vermehrung von Krankenhäusern und Pflegepersonal und allgemeine Durchführung der Krankenversicherung ein.
— Der neue Gouverneur von Deutsch-Südwestafrika, Herr von Schuckmann wurde 1857 geboren und 1886 nach bestandenem Assessorexamen in das Auswärtige Amt einberufen, er war zunächst der Gesandtschaft in Hamburg zugeteilt und wurde 1888 zum Vizekonsul in Chicago ernannt. Von 1890 ab war er, seit 1891 mit dem Charakter als Legationsrat, im Auswärtigen Amt als Hilfsarbeiter tätig und wurde während dieser Zeit zu einer sechsmonatigen Vertretung des Gouverneurs nach Kamerun entsandt. Im April 1895 wurde v. Schuckmann zum Wirkt. Legationsrat und vortragenden Rat im Auswärtige Amt zurückberufen und zum Geheimen Legationsrat ernannt. Durch Order vom 17. Dezember 1900 wurde v. Schuckmann aus gesundheitlichen Gründen (Augenleiden) in den einstweiligen Ruhestand versetzt. Diese Behinderung ist inzwischen behoben.
— Auf die Ministerkandidatur des Frankfurter Oberbürgermeisters Adickes geht die „Frkf. Ztg." nochmals ein. Sie schreibt: In Frankfurter maßgebenden politischen Kreisen wird überaus viel die Tatsache besprochen, daß gestern bei dem Festmahl der englische Sekretär Dr. Lunn bei dem Hoch auf den Oberbürgermeister Dr. Adickes auch auf dessen politische Tätigkeit anspielte und von der „zukünftigen politischen Laufbahn" des Oberbürgermeisters sprach. Dies ist um so bemerkenswerter, als Dr. Lunn erst
Trutsches Reich.
— Die Kaiserin wohnte mit der Prinzessin Eitel Friedrich gestern der 41. Delegiettenver- ammlung des Vaterländischen Frauenvereins bei, welche unter Leitung des Staatsministers Dr. Schoenstedt zu Berlin im Abgeordnetenhaus« i stattfand. I
— Die preußische Staatswirtschaft bleibt in I der Entwicklung hinter der Privatwirtschaft nicht I zurück. Das lehrt ein Blick auf Einnahmen und I Ausgaben, wie sie sich in den letzten zehn Jahren I gestaltet haben. Allein die etatsmätzigen Einnahmen find von 2,3 Milliarden Mark im Jahre I 1898 auf 3,2 Milliarden im Jahre 1907 gestiegen. Es ist interefiant zu beobachten, wie sich I die bedeutenderen einzelnen Einnahmezweige bei I dieser Entwickelung verhalten haben. Domänen I und Forsten brachten vor zehn Jahren 100,4 I Millionen, jetzt sollen sie nach dem Etat 133,5 Millionen abwerfen, die direkten Steuern 184,5 I und 254,2 Millionen, die indirekten Steuern 86,5 I und 111,8 Millionen Mark, die Berg-, Hütten- I und Salinenverwaltung 164,4 und 244,8 Millio- I nen, die Eisenbahnverwältung 1,3 und 1,9 Mil- I liarden Mark. Am Ertrage der dem Reiche zu- stehenden Branntweinsteuern und Stempelab- I gaben nahm Preußen 1898 mit 92,7 und 1908 I mit 124,3 Mill. Mark teil. Man sieht, daß alle bedeutenden Einnahmezweige des preußischen Staatshaushalts immer größere Beträge abwerfen . Die Ausgaben haben allerdings eine gleiche Entwickelung gehabt. Die etatsmäßigen dauernden stiegen von 2,2 auf 2,9 Milliarden, die etatsmäßigen einmaligen von 105,9 auf 283,9 Millionen Mark. Was die einzelnen Ausgabezahlen angeht, so sind die an das Reich zu zahlenden Matrikularbeiträge nicht miteinander zu vergleichen, weil seit 1904 durch die lex Stengel eine vollständige Verschiebung darin eingetreten ist. Den Hauptausgabeposten nimmt natürlich die Eisenbahnverwaltung in Anspruch. Ihre Betriebs- usw. Kosten sind von 758,6 Mill. Mark auf 1222,9 Millionen gestiegen, ihre einmaligen von 58,5 auf 186,6 Millionen Mark. Dazu kommen noch die außeretatsmäßigen Ausgaben, die gleichfalls in einer fast stetigen Steigerung begriffen gewesen sind. Die Summe der ] Staatsverwaltungsausgaben machte 1898 noch 457,9 Mill., 1907 dagegen schon 676,9 Mill Mark aus, hat sich also in dem letzten zehnjährigen Zeiträume um nahezu 48 Prozent erhöht. Die Staatsschuld belief sich 1890 auf 6484,9 Millionen Mark und 1907 auf 7764,7 Millionen. Dementsprechend stieg der Aufwand für die Verzinsung von 221,7 auf 264,3 Millionen Mark. Auf jeden Fall ergeben die vorstehenden Zahlen, daß während der letzten zehn Jahre auch der
i Der Schutz der deutschen Küsten.
T'*- Die vielbesprochene Rede des englischen Mriegsininisters Haldane muß als charakteristi- sfches Kennzeichen der Art und Weise gelten, wie jmart in englischen Regierungskreisen die deutschen Verhälrnisse insbesondere unsere Macht- jmittel zu Lande und zu Wasser zu betrachten be- jliebt. Airgesichts der bevorstehenden Haager Konferenz ist es wertvoll, sich auch dieses in dis Erinnerung zurückzurufen. Herr Haldane war bekanntlich so gütig, sich auch mit den Kosten der deutschen Armee und Flotte zu beschäftigen, und er kam zu dem Ausspruche, daß es nur schwer denkbar sei, daß irgend eine andere Nation die Lasten der Kriegsausrüstung nach dem deutschen Maßstabe ertragen könnte. DieserVortrag aber ist in seinem Anlasse und in seinen Zielen nur recht verständlich wenn man die Rede dagegen hält, die der Marineminister Lord Ttveedmouth im April im Oberhause über das englische Marine- Programm und die internationale Beschränkung ■ der Rüstungen aussprach. Der Minister stellte voran als Hauptgesichtspunkt den Satz, daß die Last der jetzigen Marine-Ausgaben zu schwer fei. Seit zwanzig Jahren wechselnder Verwaltungen würden die Rüstungen zur See immer fortgesetzt und verlangten jetzt die notwendige Konsequenz. — Also 20 Jahre hat England schon daran gearbeitet unter allen Ministerien, um sich in die Lage zu setzen, allen Rattonen ein 'Halt zu gebieten, wenn sie ein gewisses Maß überschreiten. Jetzt ist es soweit und darum stellt man die Abrüstungsfrage, auf welche Deutschland nicht - eingehen kann. Jetzt kann England nicht länger warten, schon aus finanziellen Gründen. Man will die Rüstung auch verwerten. Das Uebergewicht Englands soll auch für die Zukunft sichergestellt werden. Die Erfahrung hat stets gelehrt, daß die Ueberlegen- heit der Kriegsflotte auch die der Handelsflotte mit sich bringt: ein Seehandel, der unter einer feindlichen Nebenbuhlerschaft ausgeübt wird, ist zum Vegetieren und zum Verschwinden verurteilt. Die Nationen werden gezwungen, sich den wirtschaftlichen Gesehen zu fügen, die England „ihnen vorschreiben will. Sie werden in eine volle Abhängigkeit von England kommen, das als Herr der Meere die Herrschaft über den Kontinent > führt. Wir sehen daraus, was uns droht: denn das ist fürchterlicher Ernst bei den Engländern, die schon die Grenze der Leistungsfähigkeit in den Rüstungen erreicht haben. Sie wollen un*
... — - -
Marburg
Somabmd. 25. Mai 1907.
Ohne ein Wort zu sagen, verläßt Felicie den verblüst dareinschauenden Arbeiter.
„Also — es ist doch wahr! Vorbei! Vorbei!
Ihre wiedergewonnene Freiheit erscheint ihr plötzlich wie ein Geschenk des Teufels. Was soll sie mit ihr anfangen? Wohin sich wenden?
Ach, nur einmal noch möchte sie ihr Kind sehen, sein herziges Lachen hören, seine weiche» Händchen fühlen! - - ■=!
Und dann —' —~ , n
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Hand auf Olivias Arm legend. „Ich gebe Ihnen das ganze Geld, welches ich in der Tasche habe, dafür."
„So—? Das ändert die Sache. Behalten Sie also Bluse und Hut! Hätte wohl ohnehin kaum das Herz gehabt, es Ihnen fortzunehmen. Bin eben eine gute Seele — sagt Tom. Und nun | geben Sie mir das Geld! Werd' dann sofort nach | Philadelphia zurückfahren." .
„Hier. Ich behalte nur ein paar Cents für die Stadtbahn."
Olivia steckt die Banknoten ein. Dann reicht sie Felicie die Hand.
„Lasten Sie es sich gut gehen!"
„Danke, ebnfalls!"
Olivia steigt in ihren Zug. Felicie eilt zur nächsten Stadtbahn-Haltestelle, um nach dem „Metropol-Theater" zu fahren und sich dort nach der jetzigen Adreste ihres Mannes zu erkundigen, xxvr.
In Olivias roter Bluse und dem hohen Strohhut macht Felicie durchaus nicht den Eindruck einer vornehmen Dame.
Als ste in den Stadtbahnwagen einsteigt, begegnet sie bereits einigen zudringlichen Blicken, denen bald anzügliche Scherze und Bemerkungen folgen.
Ueber und über rot tm Gesicht, drückt sie sich verlegen in eine Ecke und beginnt, über ihre Zu-
etn.
Sie malt sich das Entsetzen ihres Mannes -ei ihrem unerwarteten Anblick in den grellsten Farben aus. Er glaubt sie im Gefängnis. I«
Vierteljährlicher Bezugspreis: bei ver Expedition 2 Mh, , tbz» «nn bei allen Postämtern 2,25 Mk. (e$cU Bestellgeld).
. vl2. -l*v JnsertlonSgebuhr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfg.
Reclamen: die Zeile 30 Pft.
Endlich leert sich der Wartesaal.
Felicie ist allein mit Annys Schwester.
„Nun sprechen Sie!" beginnt Olivia hastig.
„Was bedeutet das? Wer sind Sie?"
Aus Felicies Gesicht ist jede Spur von Farbe gewichen, als sie jetzt mit leise bebender Stimme die Frage durch eine andere beantwortet:
„Woher wissen Sie, daß ich nicht Anny bin?"
Olivia rückt ihren Stuhl etwas näher an Felicie heran.
„Hm, ich ahnte schon so etwas, als Sie dort int Wagen so energisch auftraten, als Sie mit Ihr Geld nicht geben wollten. Anny war schon als Kind schwindsüchtig und deshalb energielos. Auch kam mit auf einmal Ihr Organ so fremd vor. Ich guckte Sie schärfer an — und nun war ich meiner Sache sicher. Das Muttermal neben dem rechten Ohr fehlte . . . Aber wer sind Sie eigentlich?" , .
Felicie kämpft einen Augenblick mit sich. Dann erwidert sie ernst:
„Vielleicht ist es bester. Sie erfahren meinen Namen nicht — bester für mich und auch für Sie. Anny dachte sich den Plan aus. Sie wollte ihrer Schwester nicht zur Last fallen."
„Wenn es aber her auskommt und man mich als Helfershelferin einsperrt? Was wird Tom sagen?"
„Sie waren ja nicht im Komplott; Ihnen kann nichts geschehen, Sie haben einfach gar nichts gemertt."
„Hm, hm — und Anny?"
„Stirbt im Gefängnis unter meinem Namen." Ottvia wird bedenklich.
„Sie sind also jetzt „Anny Holm", wie mit scheint. Was fangen Sie nun an?"
„Das lasten Sie meine Sorge sein!"
„Mit mir kann ich Sie natürlich unter diesen Umständen nicht nehmen. Tom —"
„Ich will auch gar nicht mit Ihnen gehen."
„Und die Bluse und den Hut geben Sie nur vuch wieder her! Für meine Schwester ist mit nichts zu schade; aber für, eine Fremde —“
„QflffiSn Sie mir beides?" bittet Felicie, ihre
bett Barrington.
Der Mann nimmt sich gar nicht die Mühe aufzublicken. Daß eine Dame sich nach bet Adreste des gefeierten „ersten Liebhabers" erkundigt, ist nichts außergewöhnliches.
.Lehnte Avenue Nr. 32, Parterre lrnks, leiert er mechanisch herunter und klopft kraftrg mit dem Hammer auf dem Nagel herum.
„Danke. Wohnt er allein?" -
Jetzt hebt der Mann doch den Kopf. Ei» mißtrauischer Blick trifft die seltsame Fragen».
kunst nachzudenken. - ■ I - Er hat sein Kind bei sich. -Daneben -
Die Aufregungen der letzten Tage, die ge- I zehnte Avenue Nr. 32, Parterre rechts woh
-plante Flucht, die Angst, ob dieselbe gelingen I Fraulein Gerda Douglas. <
würde, die Freude über die plötzlich wiederge- | »Ah __
wonnene Freiheit — all dies hat Felicies leicht erregbares Temperament in eine Art Taumel versetzt. Sie kam gar nicht dazu, an den Brief ihrer Mutter und die darin enthaltenen Mitteilungen zu denken.
Jetzt, zum ersten Mal, seit sie frei »st, sturmen diese Gedanken wieder mit aller Macht auf sie
In der Schule des Leidens.
Roman aus dem New-Parker Leben von Erich Friese».
(Fortsetzung.)
Felicie hat schon lang darüber nachgedacht, Tbann sie die Dame da neben ihr ins Vertrauen ziehen soll. Immer noch schrickt sie davor zurück. Wer weiß, wie Annys Schwester die ganze Sache aufnimmt! Vielleicht schickt dieselbe sie zurück ins Gefängnis?
Ein Schauder überfliegt Felicie. Jetzt, nachdem sie die Freiheit wieder gekostet, obgleich es nur eine Stunde ist — jetzt erscheint LHr das Gefängnis doppelt entsetzlich.
Noch grübelt sie darüber nach, wie sie Olivia am besten die Wahrheit beibringt, als diese sie ganz unvermittelt fragt: .
.. . „Hast du ein Portemonnare ber dir, Anny?
„Nein."
' JDös dachte ich mir. 's ist nicht sicher, soviel Geld lose in der Tasche herumzutragen. Erb es mir!“
Schon streckt sie die Hand aus, um bte Summe in Empfang zu nehmen. ,. J.-cz;.
. Doch Felicie schüttelt den Kopf.
!’ „Nicht jetzt. Ein andermal."
■r Ihr Ton ist so energisch und bestimmt, so ganz anders, wie Olivia es an ihrer sanften Schwester gewohnt war — Olivia blickt Felicie scharf an.
Und Felicie errötet schuldbewußt unter die- feat durchbohrenden Blick, errötet tiefer und tiefer, je länger der Blick auf ihr haftet.
Endlich hält sie es nicht mehr aus. Sie springt auf und beginnt im Wartesaal auf unv ab zu gehen.
„Ruhig, bis die Leute hier in den nächsten Zug einzesttegen find!" mahnt Olivia leise. „Wir dürfen kein Aufsehen erregen. Haben Sie leine Angst? Ich verrate sie nicht!", , Felicie schweigt. Ihr Herz klopft saft Horbas