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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marbmg und Kirchbain. -
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»ierttljährlicher Bezugspreis; bet der Expedition 2 Mtz, bet allen Postämter« 2,25 Mt. leid. Bestellgeld).
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Marburg
Freitag 24. Mai 1907.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Dntck und Verlag. Joh. Ang. Koch, UnivcrsttätEuchdruckertt 42. Jahrg.
Marburg, Markt 2L — Telephon 55.
Erttes Blatt.
Die neuen Männer.
Nachdem der Reichstag in seiner letzten Sitzung die Bildung eines Reichskolonialamtes mit den dazu gehörigen Posten bewilligt hatte, ist der bisherige stellvertretende Direktor der Kolonialabteilung, Herr Dernburg, zum Staats- HekrMr des Reichskolonialamtes ernannt worden. Er beabsichtigte bekanntlich bereits Ende Mai oder im Juni eine größere Reise nach Afrika anzutreten, hat diese aber schließlich auf den Besuch unserer ostafrikanischen Kolonie beschränken und hinausschieben müssen, um zunächst das neue, ihm übertragene Amt seinen großen Aufgaben entsprechend einzurichten. Das ist nun geschehen, und die Ernennungen des Unterstaatssekretärs, des Direktors, und der vortragenden Räte sind erfolgt. Es ist zweifellos ein glücklicher Griff, daß Dernburg zum Unterstaatssekretär den bisherigen Gouverneur von Deutfch- Südwestafrika, Friedrich v. Lindequist, ernannt hat. Denn seit Begründung unserer Kolonien ist wohl nie einem Beamten mit so allseitigem Vertrauen entgegengesehen als diesem tüchtigsten unserer bisherigen Gouverneure. Er ist noch verhältnismäßig jung, 1862 geboren und 1892 als Negierungsassessor in die Kolonialabteilung berufen. Nachdem er von 1894 bis 1900 als Vertreter des Landeshauptmanns in Deutsch- Südwestafrika war, wurde ihm das Generalkonsulat in Kapstadt übertragen, und er hat dort die Tätigkeit der kapländischen Behörden und sonstigen Gegner unserer deutschen Kolonialpolitik gründlich an der Quelle studiert. Im Gegensätze zu jener, wie verlautet, leider recht zahlreichen Sorte von Generalkonsuln, die es unter ihrer Würde halten, die Verhältnisse ihrer Schutzbefohlenen zu studieren, hat Lindequist oft radezu den Harun-al-Raschid gespielt, und den teinen deutschen Farmer /wie auch den Buren bei der Arbeit aufgesucht. So erschien er den nationalpolitischen Kreisen als der gegebene Mann für den durch Leutwein heruntergewirt- ?afteten Eouverneurposten von Deutsch-Süd- <iest, und das einzige Bedenken, das gegen seine -nunmehrige Ernennung zum Unterstaatssekretär sich aufdrängt, wäre das, daß er in Südwest- afrika zur Zeit noch unentbehrlich erschiene. Er selbst teilt diese Ansicht indessen nicht, will sich aber noch einmal nach Südwestafrika begeben, um den zu seinem Nachfolger ernannten bisherigen Geh. Leg.-Rat Dr. v. Schuckmann die Einarbeitung in die dortigen Geschäfte zu erleichtern. Auch dieser ist kein Fremdling in den Kolonien, hat insbesondere bereits den Gouverneur von Kamerun vertreten, und war gleichfalls längere Jahre Generalkonsul in Kapstadt. Der
41 (Nachdruck verboten.),
In der Schule des Leidens.
Roman aus dem New-Parker Leben von Erich Friese«.
kFortsetzung.)
Felicie hat an diesem Morgen viel gehustet. Es wundert also niemand, daß die todkranke Anny Holm sich fest in ihren grauen Schal ein« Wickelt. Ist sie doch schon wochenlang nicht mehr ins Freie gekommen.
Frau Palmer, die übrigen Pflegerinnen, die ranken Gefangenen, welche mit ihr denselben Saal bewohnten — alle kommen, um ihr .Lebewohl" zu sagen. Da sie schon über ein Jabr krank ist, kennt sie jeder in der Krankenabteilung und jeder hat sie gern ihres bescheidenen, freundlichen Wesens wegen.
Ihre Eefängniszeit ist abgelaufen! Diese Tatsache macht sie für alle zum Gegenstand des Interesses. Sebnsüchtig blicken die Armen, die hier bleiben müffen, in die ferne, ach so ferne Zukunft, da auch sie wieder herumwandeln, daheim bei ihren Familien fein, ihre Lieben herzen und küssen können.
Ob es alle erreichen werden? Ob nicht für ie meisten die düstern Gefängnismauern das (:>rab bedeuten?
O, ihr Armen, die ihr eine schwache Stunde Aut der Freiheit, wohl gar mit dem Leben sbüßen müßt! Eine Stunde, die ihr vielleicht gleich darauf aus tiefstem Herzen bereutet, die aber keine Reue, kein Flehen, kein Gebet ungeschehen machen konnte! Möge Ruhe und Frieren in euere geknickte Seelen Heljen! . . .
. Endlich ist der allgemeine Abschied vorüber, siur Felicie — oder vielmehr diejenige, welche han für Felicie hält — fehlt noch.
„Wo ist die Barrington?" heißt es Allgemein. Jedermann kannte die Freundschaft, welche die
neue llnterstaatssekretär war, wie bekannt, seit Ende vorigen Jahres in der Kolonialabteilung tätig und hat die sein Schutzgebiet betreffenden Etatsvorlagen im Reichstage mit Geschick und Erfolg vertreten. Die Entschlossenheit, mit der er für die Farmerentschädigung eintrat, bewies, daß er in der Besiedelung die Hauptaufgabe der Kolonialabteilung erblickt, wie er ja auch oft genug ausgesprochen hat. Zum Direktor des Reichskolonialamtes ist der Geh. Oberfinanzrat Dr. Peter Conze ernannt worden, der bereits seit Juli vorigen Jahres aus dem preußischen Finanzministerium beurlaubt und mit der Wahrnehmung der Direktorialgeschäfte beauftragt war. Zu seiner Vertretung ist nunmehr der Wirk!. Leg.-Rat Dr. Schnee mit der Ueber- nahme eines Teiles der Direktorialgeschäfte beauftragt worden, der seither das Personalreferat geleitet hat. Zu vortragenden Räten im Reichskolonialamt sind ernannt die Herren Baurat Baltzer, Herr Reg.-Rat Haber, Reg.-Rat Dr. Heinke und der bisherige kommissarische Oberrichter von Deutschsüdwestafrika, Dr. Anton Meyer. Baltzer war längere Jahre technischer Ratgeber im japanischen Verkehrsministerium in Tokio und dann, wieder im preußischen Eisenbahnministerium. Haber ist Bergmann, hat im Auftrage der Deutschen Bank Australien und Neuseeland bereift, und war seit 1901 erster Referent für das Schutzgebiet Deutsch-Ostafrika. Dr. Meyer war Vorsitzender der Kommission zur Prüfung der Entschädigungsforderungen der Ansiedler für im Aufstande erlittene Schäden. Dr. Heinke war längere Jahre im ostafrikanischen Dienste, und war seit 1905 als ständiger Hilfsarbeiter in der Kolonialabteilung gewesen.
Auch die zu ständigen Hilfsarbeitern ernannten Legationsrüte Otzwald und Brückner haben in Südwestafrika und Kamerun gearbeitet, und der zu gleichem Berufe ernannte Privatdozent Dr. Zoepfl hat als Handelsattachec im Generalkonsulat in Valparaiso gute Ausländserfahrungen erworben.
So stellt das neue Amt sich also unter Leitung eines unbestritten tüchtigen Kaufmannes als ein Ministerium dar, in dem Männer von praktischer Erfahrung und geeigneter Vorbildung stehen. Was dies bedeutet, wird man erst ermeffen können, wenn man Rückblicke wirft auf die Jammerseligkeit der früheren Verwaltung, deren Hauptergebnis in der Verdrängung aller um die bisherige Entwickelung der Kolonien verdienten Männer bestand. Wenn man die Kläglichkeit des früheren Systems erwägt, wird man die jetzt vollzogene Reform an Haupt und Gliedern mit Dank und Genugtuung begrüßen müssen. Herr Dernburg hat von Anfang an jedenfalls bewiesen, daß et Mannes genug war, für seine Ausgabe einzustehen. Und zu dem Un- terftaatssekretär haben alle Unterrichteten das gleiche Vertrauen. Man wird von Herrn Dern-
beiden Gefangenen miteinander verband, und verwundert sich nun über die Gleichgültigkeit der Banington.
Doch merkwürdig, die Barrington läßt sich nicht blicken — zur großen Erleichterung Feliciens, welche glaubt, die Freundin vor all den neugierigen Augen nicht ruhig umarmen zu können.
Vorsichtig geleitet man die vermutlich Schwerkranke, welche feit langem zum ersten Mal den Krankensaal verläßt, die Treppen hinab, in das Zimmer des Direktors.
Dieser hat gerade mit dem Arzt eine Konferenz. Beide blicken nur flüchtig auf, als ihnen gemeldet wird, die „Holm" wolle ihnen Lebewohl sagen.
galten Sie sich brav!" sagt der Direktor zerstreut, ihr die Hand reichend.
„Hübsch vorsichtig, damit Sie noch ein bißcyen Ihre Freiheit genießen können!" fügt der Arzt hinzu.
Dann wird sie noch in aller Eile photographiert, ihr der neue „Abgangsanzug", ein Bün- delchen, ihre übrigen Sachen enthaltend, und dreißig Dollars eingehäudigt. Und nun gehts zum Geistlichen.
„Zieh mit Gott, meine Tochter!"
Ernst ruhen die klaren Augen des Seelsorgers auf den Zügen der entlaffenen Strafgefangenen. Felicie ist es, als müsse sie in die Erde sinken vor diesem forschenden, gütigen Blick.
Doch auch diese Minute der Angst ist glücklich vorbei.
Felicie betritt, mit ihrem Bündelchen in der Hand, das Empfangszimmer.
Vom Sofa erhebt sich eine mittelgroße, stattliche Dame in moderner, etwas auffälliger Toilette. fa.
Das muß Olivia fein, Annys Schwester. * fe
bürg erwarten dürfen, daß er seine Aufgabe wie ein großes Geschäft kaufmännisch anfassen, und daß er in dies, Geschäft etwas hineinstecken wird. Sehr richtig hat er erkannt, daß ohne den Bau von Bahnen keine Kolonialpolitik getrieben werden kann, am allerwenigsten in Afrika, wo bis zur Stunde noch der Transport aller Güter im wesentlichen auf Negerköpfen erfolgt. Auch darin wird man ihm durchaus beipflichten müssen, daß für die Erziehung der Eingeborenen zur eigenen Plantagenarbeit das Vorbild großer, europäisch geleiteter Plantagenunternehmungen nicht fehlen darf. Und was er bisher auf dem Gebiete des Baumwollenbaues und der Kautschukproduktion getan hat, hat Hand und Fuß. Nur die schwerwiegende Frage, ob Dernburg bei seiner ganzen Vergangenheit und seinen Beziehungen gewillt sein wird, dem großkapitalistischen Klüngel der Landkonzesfionsgesellschaften mit der Entschlossenheit zu Leibe zu rücken, die nötig sein wird, um dem Unwesen der Landspekulation bei Zeiten einen Riegel vorzuschieben, scheint manchem Kolonialfreunde Sorge zu machen. Allein auch in dieser Beziehung bietet die Person Dernbutgs gewiß einige Gewähr; denn ein so hervorragender Praktiker, wie der neue Staatssekretär Wird zweifellos die Mißstände abzustellen bemüht sein, die sich aus dem Konzessionssystem ergeben haben.
Deutsches Reich.
— Militärisches. Die „Kölnische Zeitung" mewet aus Berlin: Laut Kabinettsorder vom 21. Mai wurde dem Kommandierenden General des 9. Armeekorps, General der Infanterie von Bock und Polach, der erbetene Abschied unter Stellung zur Disposition bewilligt, an feiner Stelle, wurde Generalleutnant Frhr. v. Viettng- hoff gen. Scheel, Kommandeur der 8. Division, mit der Führung des genannten Armeekorps beauftragt. Ferner wurde Generalmajor Kuntze, Kommandeur der 41. Infanterie-Brigade, mit der Führung der 3. Division beauftragt. Oberst Frhr. v. Süßttnd, Kommandeur des Füsilier- Regiments Nr. 80, wurde unter Beförderung zum Generalmajor zum Kommandeur der 41. Infanterie-Brigade, Oberst v. Conta, beim Stabe des Infanterie-Regiments Nr. 116, zum Kommandeur des Füsilier-Regiments Nr. 80 ernannt. General der Infanterie v. Werneburg, Inspektor der Verkehrstruppen, wurde zur Disposition und gleichzeitig auch a la suite des Eisenbahn-Regiments Nr. I gestellt; an seiner Stelle wurde Generalmajor Frhr. v. Lyncker, Kommandeur der 39. Infanterie-Brigade, zum Inspekteur der Verkehrstruppen, und Oberst v. Quast, Kommandeur des Kaiser Franz-Garde- Erenadier-Regiments, unter Beförderung zum Generalmajor zum Kommandeur der 39. Infanterie-Brigade, Oberst Frhr. v. Knesebeck, beim
Felicie fühlt ihre Knie zittern. In ihrer Aufregung vergißt sie, nach „Tom" und „Jack" und „Alici" zu fragen. Selbst das Wort „Olivia" bringt sie nicht über die Lippen.
Nur ihre großen Augen schlägt sie voll zu der Dame auf -i- Augen, in denen ein rührend stummes Flehen um Vergebung geschrieben steht.
„Da bist du also!" beantwortet die Dame das stumme Bitten und küßt Felicie auf die Wange. „Wie gräulich du aussiehst — die reine Nachteule! Wirst recht schlecht in unfern Haushalt passen. Nun komm' mal mit! Unten steht ein Wagen."
Krampfhaft umklammert Felicie die Hand der Dame und schreitet mit ihr die Treppe hinab, durch den Hof, an dem aufgestellten Posten vorbei.
Gleich darauf schließt sich das hohe Eisentor hinter den beiden.
„Frei! Frei!! Frei!!!"
Felicie breitet beide Arme aus. Kaum vermag sie, die lauten Jubelrufe, die sich ihr auf die Lippen drängen zurückzuhalten.
Mit dem Bewußtsein der Freiheit wächst ihr Mut. Leichffüßig springt sie in den Wagen und reicht ihrer etwas schwerfälligen Begleiterin die Hand.
„Komm', liebe Olivia, laß mich dir helfen. Es tut mit so leid, daß du soviel Plage rntt mir hast!"
„Mein Gott, 's ist ja meine Pflicht als Schwester!" Und die „liebe Olivia" stößt einen tiefen Seufzer aus. „Schnell nach dem Bahnhof, Kutscher! Ich will nach Philadelphia. Und jetzt, Anny, zieh' dir hier im Wagen rasch diese Bluse an! Du wirst doch nicht denken, daß ich mich mit dir in solchem Auszug aus der Straße sehen lasse. Jedermann hält dich für eine dutch- gebrannte Zuchthäuslerin. Warum wirst du auf einmal so bleit»? Na. ’s war nickt so schlimm ae-
Stabe des Kaiser Alexander-Earde-Grenadier» Regiments, zum Kommandeur des Kais« Franz-Regiments ernannt
— Die Tagung der deutschen Koloinalgesell» schäft zu Worms wurde eingeleitet durch eine» Herrenbegrüßungsabend am 21. d. M. im städtischen Festhause, dessen Saal stark gefüllt war. Die Versammlung begrüßte den erlauchten Präsidenten durch Erheben von den Sitzen. Die Musik intonierte den Beethovenschen Festmarsch. Im Namen der Abteilung Worms begrüßte Herr Rauch j-m. die Erschienenen. Er erntete lebhaften Beifall für die Mitteilung, daß die Abteilung Worms neuerdings auf 225 Mitglieder aus allen Schichten der Bevölkerung an- gewachsen sei. Den Gruß bet Regierung überbrachte Herr Kreisamtmann Wolff und fein „herzlich Willkommen im Hessenlande!" wurde mit lautem Händeklatschen beantwortet. Für die alte Wormatia sprach Herr Oberbürgermeister Köhler, voll Poesie und mit weiten geschichtlichen Ausblicken, erfüllt von vaterländischem Geiste, und starker Applaus lohnte ihn, als et davon sprach, daß das ganze deutsche Volk hinter der deutschen Kolonialgesellschaft stehe. Freiherr v. H e tH 3 u Herrnsheim, der langjährige Vertreter des Kreises für den Reichstag, betonte, daß dank der vielseitigen Verknüpfungen der Wormser Industrie mit dem Welthandel auch unter den Wormser Arbeitern Verständnis für Kolonial- und Ueberseeftagen herrsche, und schloß mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf die deutschen Kolonien. !
Herzog Johann Albrecht zu Mecklenburg erhob sich sogleich und führte, oft von starkem Beifall unterbrochen, das folgend« aus: i
„Meine Herren von der Kolonialgesellschaft? Lassen Sie mich meine besondere Freude zum Ausdruck bringen und meinen herzlichen Willkomm, daß Sie so zahlreich von allen Teilen bef Reiches hier zusammen gekommen sind. Durch diese selten zahlreiche Versammlung haben Sie am deutlichsten die Antwort erteilt dem Herr« Vertreter der hiesigen Abteilung auf seine wannherzige Einladung, die er in Königsberg an uns richtete. Meine Herren, so weiß ich mich eins mit Ihnen, wenn ich unserem warme« Dank hiermit Ausdruck gebe sowohl dem Herrn Vertreter der Abteilung, der heute aufs neue wie damals in Königsberg den rauschende» Jubel der Gesellschaft erntete, wie dem Herr« Vertreter der großherzoglichen Regierung mit der Bitte, unseren Dank seiner vorgesetzten Behörde freundlichst übermitteln zu wollen, daß sie teilnimmt an unseren Bestrebungen, dem Herrn Abgeordneten des hiesigen Reichsiagswahlktei- ses, sowie denjenigen, die ihn in den Reichstag entfanbten, mit denen er uns Allen aus dem Herzen gesprochen hat. Meine Herren! Si« sehen die alte Reichsstadt geschmückt mit Fahnen, wie einst in den großen Zeiten, wenn unser« Kaiser hier einzogen. So auch heute. Der Plan ist bereitet zum frohen Waffenspiel. Jetzt ist der Moment gekommen, wo die Freunde wohl darauf achten müssen, daß nicht böser Zauber die
meint! . . . Sieh', ich hab' dir hier in dieser Handtasche eine alte rotseidene Bluse von mit mitgebracht und einen weißen Strohhut. Die Bluse wird dir etwas weit fein. Schadet nichts; ziehst den Gürtel mehr zusammen. Nun schnell herunter mit der grauen Joppe und hinein i«f die Bluse! Niemand sieht dich in dem geschlossenen Wagen auf dem einsamen Weg. Wie gefällt dir der Hut? Hast lange genug kein an-, ständiges Kleidungsstück mehr auf dem Körper gehabt, armes Ding! Hübsche Bluse, wie?"
„O wunderhübsch, wunderhübsch! Dan^ Olivia, tausendmal Dank!"
Felicie ist in der Stimmung, die ganze Wett zu umarmen. Die übermächtige Freude, frei zu sein, macht sie fast schwindlig.
„Jetzt siehst du ganz anständig aus " nickt Olivia beifällig. „Rot kleidet dich gut. Du siehst lange nicht so schlecht aus, wie man mit da drüben" — sie deutet nach der Richtung des Gefängnisses zu — „weis machen wollte. Von Sterben gar keine Spur. Freu'st dich wohl, daß du die Geschichte hinter dir hast, wie?"
„Ach, sehr!"
„Glaub's wohl! Hast du übrigens bei deinem Abgang Geld erhalten?"
„Ja. Dreißig Dollars." f
„So wenig? Ich dachte, mindestens das Doppelte. Na, 's wird schon reichen für den Wage» und die Billets nach Philadelphia und die Bluse und den Hut. Außerdem werde ich zu Haus deine Gefängnissachen gleich an einen Kleiderjude» verkaufen. Da gibt's auch noch etwas 'raus!"
Der Wagen hält am Bahnhof.
Die beiden Damen steigen aus. Da der Zug nach Philadelphia erst in einer Stunde abgehtz nehmen sie fm Wartesaal Platz und bestelle» Tee.
(Fortsetzung folgt.)