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Bäckermeister und sein Geselle wurden durch den Anprall vom Wagen geschleudert und schwer verletzt. Dem Wunsche der Verunglückten, ihnen zu helfen, kamen die Insassen des Automobils nicht nach, sondern fuhren eiligst von dannen.
Mühlhausen, 14. Mai. Eine schöne Sitte ist hier vom Verschönerungsverein eingeführt worden. Jedem Brautpaar wird nämlich bei seiner Vermählung die Bitte vorgelegt, im Stadtpark aus Anlatz der Trauung zwei junge Eichen zu pflanzen und zu pflegen. Man hofft, durch diese Mahnahme nicht nur das Interesse für unseren herrlichen Stadtvark zu heben, sondern es wird dadurch gleichzeitig ein Eichenwald geschaffen, von dem spätere Generationen Nutzen haben werden.
Mainz, 14. Mai. Der Stadtverordnetenversammlung ist eine Vorlage über eine umfang, reiche Erweiterung des städtischen Elektrizitätswerkes zugegangen. Die Forderungen dafür belaufen sich auf 375 000 31.
Köln, 15. Mai. Unweit Wesseling, derselben Stelle, wo gestern bereits ein Automobilunfall stattfand, wurde gestern Abend der Begleiter eines Pulvertransportes von einem dahinsausenden Automobil überfahren und derart verletzt, datz später des Weges kommende Paßanten für alsbaldige Ueberführung des Verunglückten ins Kölner Hospital sorgten. Auch in diesem Falle fuhren die Automobiltnsaßen unerkannt davon, den schwerverletzten Mann seinem Schicksal überlaßend.
ein geistiges Denkmal türmen zu helfen, wie er das Vaterland in dieser Besonderheit noch nicht besitzt." Beträge find unter der Adresse „Nieder deutsches Archiv" an die Dresdener Bant Deposttenkasfe E, Berlin W 50, Kur« fürstendamm 238, zu richten.
Deutsches Reich.
— Der Rrichsetatsabschlutz. Nach dem Etats- ßtbschlutz, der dem Reichstage zugestellt wurde, Sietragen die Gesamteinnahmen und -Ausgaben e 2596 391629 31; davon entfallen auf den Ordentlichen Etat 2 338 890 619 31 und auf den Außerordentlichen 257 501010 31. Im ordentlichen Etat betrugen die fortdauernden Ausgaben nach dem Gesetzentwurf 2 024 380 557 31 und nach den Ergänzungsetats rc. 2 026 475 818 ,U. Davon sind in der zweiten Beratung 33 759 ,14t gestrichen, 186548 31 zugesetzt. Die fortdauernden Ausgaben belaufen sich daher auf ■2026 628 607 <ü. Von den einmaligen Ausgaben, für die im Etatsentwurf 272118 860 31 angesetzt waren, sind nun gestrichen worden 3924 235 31. Nach der zweiten Beratung bleiben 312 262 012 3L, die Summe der Ausgaben des ordentlichen Etats beträgt daher, wie oben angegeben, 2 338 890 619 31. Die Einnahmen fetzt der Etatsentwurf mit 2 296 499 417 31 an, । durch die Ergänzungse'tats erhöhte sich diese iSumme auf 2 342 281 325 31, und davon sind in der zweiten Beratung 32 935 926 31 gestrichen ^darunter 14,1 Millionen Fahrkartensteuer und 14,9 Millionen Mark Matrikularbeiträge) und 29 545 220 31 zugesetzt (19,9 Millionen Mark Zölle usw.). Im außerordentlichen Etat, für den an Ausgabe und Einnahme im Entwurf je 268 574 010 -K angesetzt waren, sind in den Ausgaben durch den zweiten und dritten Ergänzungsetat zusammen rund 22,5 Millionen Mark Kinzugetreten, nach dem fünften aber 31,1 Millionen Mark gestrichen worden und in den Einnahmen sind 10,8 Millionen Mark gestrichen. Ausgabe und Einnahme belaufen sich demnach auf 257 501 010 31.
— Zur Verabschiedung des Gouverneurs von Puttkamer. Die deutschen Kolonialskandale, Über die sich das gesamte nichtdeutsche Ausland lustig macht, bilden nachgerade einen Schandfleck auf unserer nationalen Ehre; denn sie lassen unseren Volkscharakter als ein Gemisch von Fraubajenklatsch und Bedientenhaftigkeit erscheinen. Mit einer Kaltblütigkeit, die einer besseren Sache würdig wäre, wird da seit Jahren Männern, die sich um das Vaterland und die Kolonien verdient gemacht haben, die Ehre tzlbgeschnitten, ohne datz man sich auch nur ettist- thaft bemühte, das etwaige Matz ihrer Schuld jnn dem ihrer Verdienste' abzuwägen. Ein Teil der Presse und des Reichstages betrachten es 'als ihre besondere Aufgabe, diese Hetze zu verstärken, und kein Gesetz der Welt schützt den Beschimpften gegen die Besudelung seiner Ehre. Vielen deutschen Kreisen scheint das Verständnis dafür vollkommen abhanden gekommen zu sein,
Erscheint wSchentlich sieben mal.
Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, UmversMS-Buchdruckerei 42. Jayrg.
Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
Im Blütenschnee.
Ein Pfingstnovellette von O. Elster.
(Schluß.)
.. ..Was soll das heitzen, Lothar?" fragte Gräfin scharf. „Hat dir der General schrieben?"
Marburg
Sonnabend, 18. Mai 1907.
„Nein, meine Liebe," entgegnete der Graf kachelnd. „Aber ich denke, wir werden morgen schönes Wetter haben und da wäre es doch möglich, datz dieser oder jener auf den Gedanken käme, uns zu besuchen."
„Wer wird bei diesem Wetter hier in die Berge gehen," meinte die Gräfin mißmutig.
Aber in Erikas Herzen regte sich eine kleine Hoffnung. Papa hätte sie heute Mittag nach Empfang des Briefes so eigentümlich lächelnd angesehen, ihr liebkosend die Wange geklopft und gesagt: „Es mutz doch Frühling werden, meine Kleine . .
Und dann hatte er ein Telegramm fortgeschickt, den Haushofmeister gefragt, ob auch der Weinkeller gut versorgt und genügend Champagner vorhanden sei, und mit dem Koch eine lange geheime Unterredung gehabt.
Das deutete doch darauf hin, daß der Papa Gäste erwartete. Wer aber konnten diese Gäste fein?
Aber das war ja einerleiI Der General würde nicht kommen, mithin würde auch Walter nicht kommen, und andere Gäste waren Erika höchst gleichgültig.
In der Nacht schlief Erika nur wenig und sehr unruhig. Sie träumte, sie befände sich wieder auf dem Balle bei dem kommandierenden General und der „rücksichtslose Leutnant" forderte fiejmmer von neuem zum Tanze aus und
Vermischtes.
2000 Morgen Waldbestand vernichtet. Dem Waldbrande, der, wie wir färon kurz mitteilten, in den Waldungen bei Eollnow in Pommer» gewütet hat, sind etwa 2000 Morgen zum Opfel gefallen. Der Eesamtschaden wird bis jetzt aus 300 000 31 geschätzt. Das Feuer brach Sonntag Nachmittag zwischen 1 und 2 Uhr an der Bahnböschung bei der Station Nörchen an der Strecke Alt-Damm—Eollnow an zwei Stellen zugleich aus. Das durch die in den letzten Tagen herrschende Hitze ausgetrocknete Holz und der noch wenig entwickelte Pflanzenwuchs boten dem durch die Funken einer Lokomotive entstandenen Brand reichliche Nahrung. Von dem königlichen Forst, von dem 250 Morgen niedergebrannt sind, sprang das Feuer auf den Gollnower Stadtforst über, von dem 1500 Morgen dem Feuer zum Opfer gefallen sind. Gleichzeitig hat sich das Feuer auch auf den Waldbestand des Gutes Lützin ausgedehnt, von dem ebenfalls 250 Morgen den Flammen preisgegeben werden mußten Die Feuerwehren aller umliegenden Ortschaften waren bei der Löschung tätig. Da es bei der ungeheuren Ausdehnung der Flache aber nicht möglich war, des Feuers Herr zu werden, so wurden die Einwohner aller Ort« der Umgegend alarmiert, denen es erst nachts 12 Uhr gelang, das Feuer durch Abholzungen, Laufgräben und Eegenfeuer teilweise zum Stehen zu bringen. Mit welcher Schnelligkeit die Flammen um sich griffen, geht daraus hervor, datz zwei an eine Klafter Holz gelehnt« Fahrräder von Löschmannschaften mit ve« brannten, ohne datz dies verhindert werden konnte.
Falschmünzer. Ende 1906 und Anfang 1907 wurden an verschiedenen Orten des Oberschlesischen Jndustriebezirks falsche Zwei- und Fünf- Markstücke angehalten. In den meisten Fallen wurde festgestellt, datz ein etwa 16 Jahre altes Mädchen das falsche Geld in Verkehr gebracht hatte. In dem Mädchen wurde die unverehelichte Stanislawa Sczepainski aus Schroten, tochlowitz ermittelt. Sie wohnte bei dem Werksarbeiter Isidor Nowak, der eine Schwester von ihr zur Frau hatte. Dort wohnte auch dq Werksarbeiter Duczek. Wie eine Haussuchung in dieser Wohnung ergab, war hier die Falsch« münzerwerkstatte. Die vier Personen wurdet festgenommen und standen vor dem Schwurge. richt Beuthen. In der Hauptverhandlung wurde festgestellt, daß Nowak und Duczek tn den Nachten das Geld nachgemacht hatten; sie wurden mit Rücksicht auf ihre Jugend, beide sind noch militärpflichtig, Duczek ist noch nicht 20 Jahr« alt je zu 1 Jahr 6 Monaten Gefängnis verur- teilt Die unverehelichte Stanislawa Sc^e* painski erhielt 4 Monate Gefängnis. Die gleiche
Und der frühe Wanderer hatte sie auch erkannt und er schwenkte den Hut und als sie er- rötend tief aufatmend vor ihm stand, da streckt« er ihr die Hände entgegen und tm nächster Augenblick lag sie lachend und weinend zugleick atT ^Erika^— meine süße Erika" . . . flüstert« ei " Wie konntest du willen, daß ich kommen würde? — Hat Papa doch geplaudert?
Papa? — Nein, er hat mir nichts gesagt — aber es war ja Frühling geworden und da mutztest du ja kommen, wie du es versprochen ..
Ja Erika — ich mutzte kommen. Zch hielt es länger nicht mehr aus. Als mein Gcnetal des schlechten Wetters roeaen die Fahrt nicht unternehmen wollte, da schrieb ich an beuten Papa, ob ich nicht allein kommen dürfe, und als ich sein Telegramm erhielt, da Machte ich mich gleich auf und bin die Nacht hindurch gefahren und da bin ich."
Oh Walter — rote lieb — wie gut! — Vor wenigen Tagen noch Schnee und Sturm und Nebel und jetzt Frühling, sonniger Frubllng.
Sie verbarg ihr Gesichtchen an seiner $tuft, und er küßte ihren blonden Scheitel und flüsterte ihr zärtliche Worte in das kleine Obr
Und dann schritten sie Arm in Arm dahin unter den blühenden Kirschbäumen, die ihre leichten Schneeflocken auf sie niederschüttelten und ihren Weg mit Blüten bestreuten.
„Fast glaubte ich noch in den Schnee zu kommen, Ettka," sagte Walter lächelnd. „Die blühenden Bäume täuschten mich."
„BlLtenschnee ist es, Liebster," flüstert« Erika, seinen Arm sanft presiend. „Und der Frühling ist da und hat dich gebracht — du, mein lieber Frühlingsbote." . . .
Glücklich lachend schaute sie 5« tfijnauf, unb er küßte ihren roten Mund, die köstlichste Blütq,; die der Frühling ihm geschentt, —
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.^
GontttaaSbeilaaer ÄUnttrirteS SonEckKLlätt. ______
Wissenschaft, Kunst und Leben.
# Zur Erhaltung des plattdeutschen Sprachstammes verbreitet ein Ausschuß, dem Max Dreyer, Georg Engel, Rochus v. Liliencron, Thomas Mann, Max Möller, Wilhelm Raabe, Professor Dr. Reifferscheid, Spielhagen, Sudermann und Ernst v. Wildenbruch angehoren, einen Aufruf, in dem es heißt: „Die Statistik hat vor kurzem eine herbe Gewißheit verbreitet: Die plattdeutsche Sprache, das gemütvolle Idiom Fritz Reuters, das frische, kräfttge, bilderreiche Niederdeutsch, liegt im Verscheiden. Schon hat sich der Dialett in immer engere Kreise zurückgezogen, bald wird et gänzlich verschwunden und vergesien fein. In dieser Not der Stunde hat die Königl. Universitäts-Bibliothek zu Greifswald ein „Niederdeutsches Archiv" gegründet, in dem alle Denkmäler der plattdeutschen Mundart, die ältere Literatur sowohl wie die neueste, kurz alles, was je von niederdeutscher Kunst, von niederdeutschem Sein und Wesen Zeugnis ab- legte, zusammengefaßt werden soll, damit auf diese Art das Gedächtnis des einstmals fo blühenden Sprachstammes für die Forschung und die Späteren erhalten bleibe. Alle, denen das „behagliche Urdeutsch", wie es Goethe nannte, jemals an Herz und Gemüt gerührt hat, werden aufgefordert, das Niederdeutsche Archiv zu Greifswald für feine umfangreichen Erwerbungen durch eine Geldspende auszurüsten und somit
Drei Tage war sie nicht draußen gewesen. Aber wie hatte sich in dieser kurzen Zeit die Natur verändert? Statt der braunen Knospen grüne Blättcken und zarte weiße Blüten ringsum' Statt der düsteren Nebelwolken goldener Sonnenschein, und statt des eisigen Nordwindes ein laues Maienlüftchen, das schmeichelnd die Schlüsselblumen und die weißen Anemonen auf den Wielen umspielte
Bunte Schmetterlinge schaukelten sich auf den Sonnenstrahlen, und eifrig summende Bienchen steckten ihre Köpfchen tn die geöffneten Blumenkelche. In den Zweigen fangen die Vögel und vom Walde her tönte der Ruf des Kuckucks.
Wie verzaubert und berauscht von dem Duft der Blüten, von den Fluten des goldenen Sonnenlichtes schritt Erika unter den blühenden Kirschbäumen dahin, die sich rote eine zarte, schimmernde duftige Schneedecke über ihrem Haupte wölbten.
Wenn er, der sehnlichst Erwartete, doch heute kommen wollte! Das war ihr einziger Gedanke, der ihr Herz rascher pochen machte und ihre Wangen mit zarter Röte überhauchte.
Da stand sie an dem Fußpfade, der zum Städtchen hinabführte, und sah hinunter auf die tm Sonnenglanz daliegende Stadt, an deren anderem Ende sich der Eisenbahndamm entlang zog, auf dem gerade ein Zug vorüberdampfte, um bald darauf in den Bergen zu verschwinden.
Plötzlich schrak sie zusammen. Am Kreuzungs- puntt der Wege erschien eine schlanke Männergestalt in kleidsamem graugrünem Touristen- tostüm.
Wer konnte so früh des Weges daher- kornmen? Und wohin wollte der ftühere Wanderer? Dtefet Weg führte ja auf das Schloß — und jetzt erkannte sie ihn und mit einem jubelflden Ausruf flog sie ihm entgegen.
wie sehr diese Dinge auf unser Volk in den Augen des Auslandes zurückfallen. Welcher anständige Ausländer müßte sich nicht mit Ekel von jenem Treiben abwenden, das z. B. in dem Berliner Metropoltheater monatelang gegen den Gouverneur v. Puttkamer beliebt wurde. Noch bevor die Schuldfrage dieses in einundzwanzig Dien st jähren bewährten Beamten auch nur untersucht war, wurde er an dieser Bühne Abend für Abend einen ganzen Akt lang als schuldig verrissen und mit faulen Berliner Kalauern und „Kouplets" beworfen. In England würde ihm eine Klage auf Entschädigung zustehen, und jeder dortige Gerichtshof würde diese in einer für den Weiterbestand eines solchen Theaters mehr als fraglichen Höhe bemessen. Anders bei uns! Sein Prozeß wurde öffentlich verhandelt und erwies als Ergebnis dieses ganzen Höllenspektakels drei Dienstvergehen, die dem Gouverneur eine Gesamtstrafe von 1000 Mark eintrugcn. Klar wurde dabei festgestellt, daß irgend welche Ehrenrührige Handlungen nicht begangen seien, und datz er in keinem Falle vorsätzlich ein Recht verletzt hat. Es kann unter allen Kennern der Kolonie nur eine Meinung geben, datz die jetzt erfolgte Kaltstellung Puttkamers im Saget Akwas mit einem Gelage von Akwavit stürmisch gefeiert werden wird. „King" Akwa und fein „Prinz" wißen ja nun, wie es gemacht werden mutz, um jeden ihnen mihliebigen Beamten in Zukunft wegzubeitzen. Mag auch bei in den „einstweiligen Ruhestand" versetzte „Afrikaner" einige „Entgleisungen" Begangen haben, so mutz man doch bedenken, daß sich das Leben tn den Tropen zumal für Europäer unter ganz anderen Bedingungen abspielt» als in unseren Breiten! — Die Kaltstellung v. Puttkamers erscheint auch insofern unangebracht, weil solches Verfahren nicht gerade geeignet ist, zur Nachfolge zu ermutigen und dem Tropendienst brauchbare Kräfte zuzuführen.
— Die Schiffahrt des Kiautschou-Eebiets. Das Reichsmarineamt hat eine hochinteressante Denkschrift über die Entwielung des Kiautschou- Eebiets während der Zeit vom Ottober 1905 bis Oktober 1906 herausgegeben. In dieser Denkschrift werden u. a. bemerkenswerte Mitteilungen über die Entwickelung der Schiffahrt gemacht. Es heißt dort: Der Schiffsverkehr hat auch im Berichtsjahr weiter zugenommen. Im ganzen sind 425 Schiffe mit 476 646 Registertons gegenüber 413 Schiffen mit 420 517 Registertons im vorigen Jahre, also ein Mehr von 12 Schiffen mit 56129 Registertons zu verzeichnen.
Vierteljährlicher Bezugspreis! bet bet Exposition 2 Mk„ TB«? -HR bei allen Postämtern 2,25 M. <<£01.Bestellgeld).
vi— Jnf erttonSgebühr: die gespaltene Zelle oder seren Äaum 15 Pfg.
Reclamen: die Zeile 80 Pfg.
Hessen-Nassau und Rachbargebiete.
Göttingen, 14. Mai. In der Nähe von Hedemünden stteß das Fuhrwerk eines Bäckermeisters mit einem Automobil zusammen, wodurch ersteres total zertrümmert wurde. Der ließ sie keinen Augenblick allein. Sie wollte ihm entfliegen und lief und lief, bis sie sich plötzlich auf dem Eivfel eines hohen Berges befand. Zu ihren Füßen gähnte ein dunkler Abgrund — der „rücksichtslose Leutnant" kam näher und näher, da sprang sie in den Abgrund hinunter und fiel und fiel und fiel — Bis sie mit einem Aufschrei erwachte und sich zitternd umschaute, tm ersten Augenblick nicht wißend, wo sie sich befand.
In die Fenster ihres Schlafgemachs strahlte die herrlichste Frühlingssonne, die sich so lange hinter Wolken und Nebel verborgen hatte.
Da sprang Erika rasch aus dem Bett und warf ihr Morgengewand über. Die Sonne — der Frühling — Pfingsten, bas lieblichste Fest, war erschienen — und Erika stieß Feibe Flügel des Fensters auf, ließ die Sonne voll in das Zimmer fluten und atmete mit tiefen Zügen die frische, balsamische Luft des ftühen Morgens ein. — ...
Die Stare lärmten ftöhlich tn den großen, fast noch kahlen Lindenbäumen, und die Kir- chenglocksn klangen vom Tale herauf — ganz anders, weit fröhlicher und lustiger, als gestern Abend — und da — welch ein Wunder hatte sich über Nacht zugetragen! Die Kirfchbaume des Gartens prangten im vollen weißen Vluten- fchmuck, datz Erika tm ersten Moment glaubte, es fei über Nacht wiederum Schnee gefallen.
Aber dieses Mal war es der Blütenfchnee des Frühlings, der endlich, endlich gekommen war.
Es war noch früh am Morgen. Dennoch litt es Erika nicht mehr im Zimmer; rasch kleidete sie sich an und eilte hinaus in den Park und in die Kirschenplantage, die sich den Schloßberg herab fast bis an das tm Tal liegende» Städtchen hinunterzos,