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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain. -

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Bierteljährlichcr Bezugspreis: bei ver Expedition 2 WL, bei allen Postämtern 2,25 W. (excu Bestellgeld).

IusertionS-ebühr: die gespaltene Zelle oder deren Raum 15 Pfg.

Reclamen: die Zeile 80 Psg.

Marburg

greitofl. 17. Mai 1907.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck und Verlage Joh. Ang. Koch, Universitäts-Buchdruckerei

Marburg, Markt 21. Telephon 55.

4L.Jahrg.,

Erstes Blatt.

Roch mehr links?

? Eine politische Gruppe, wie die der National- ,Sozialen, die lediglich vom Widerspruch lebt und sich nur durch fortgesetzte Nörgelei bemerk­bar macht, kann natürlich an der Mehrheits- bildrmg, die sich im neuen Reichstage so gut be­währt hat, keine Freude haben; denn bei einer dauernden Verständigung der bürgerlichen Par­teien, würde ja die von ehrgeizigen Politi­kastern hervorgerufenegroße" national-soziale Bewegung" sehr bald am Ziele sein, aber am Endziele aller unfruchtbaren Gründungen, nämlich an «der Auflösung. Diese Erkenntnis scheint denn auch in den Kreisen akademischer Theoretiker, die in naiver Begeisterung den Offenbarungen" der national-sozialen Phra­senhelden zugejauchzt, allmählich aufzudämmern. Wenn man aber annehmen wollte, daß sie sich durch diese fatale Erkenntnis bewogen fühlen würden, Einkehr bei sich selbst zu halten und einmal mit kritischem Auge das politische Pro­gramm, auf das sie eingeschworen sind, durch­zusehen, um die darin enthaltenen offensicht­lichen Irrungen und Wirrungen einer gründ­lichen Korrektur zu unterwerfen, schreiten sie unbelehrt durch die Tatsachen auf der ab­schüssigen Bahn weiter, auf der sie langsam aber sicher insrote" Lager gelangen müssen.

Aus dieser Pleitestimmung heraus wird eine Betrachtung überLiberale Realpoli­tik und Block der Linken" verständlich, die dem hiesigen national-sozialen Blatte aus Marburger akademischen Kreisen", wie in der Einleitung dazu gleichsam triumphierend her­vorgehoben wird, zugegangen ist. In diesem Aufsatze finden wir die volle Bestätigung der eben geäußerten Ansicht. Statt im Bunde mit den andern bürgerlichen Parteien kräftig schaf­fend mitzuwirken an den großen Aufgaben des Reiches, die immer höhere Anforderungen an die Vertreter des deutschen Volkes stellen, em­pfiehlt jener national-soziale Parteifanatiker die Schaffung einesBlockes der Linken" als Grundlage einerliberalen Realpolitik", d. h. ein offenes Schutz- und Trutzbündnis mit der Sozialdemokratie zum rücksichtslosen Kampfe gegen jede Reaktion. Mit dieser längst veralteten Phrase schließt der Appell des national-sozialen Akademikers, nachdem er zu­vor in eindringlichen Ausführungen denNa­tion allib er alen Spießbürger" da­rüber zu belehren gesucht hat, daß dieGespen­sterfurcht" vor derStaatsfeindlichkeit" und vor denrevolutionären Plänen der roten Inter­nationale" lächerliche Utopien seien. Mit an­deren Worten, die vielgescholtenenGenossen"

39 (Nachdruck verboten.),

In der Schule des Leidens.

Roman aus dem New-Yorker Leben :Vr von Erich Friesen.

(Fortsetzung.)

58 XXIII.

, Felkcies Genesung schreitet langsam vor­wärts. Schritt für Schritt durchwandelt sie die verschiedenen Stufen vom finsteren Abgrund des Todes, an dem sie bereits gestanden, bis zu den sonnigen Höhen vollpulsterenden Lebens.

Das Fieber ist nicht wiedergekommen. Nie wieder glaubt sie in wilden Phantasien, ihr Kind im Arm zu halten.

Aber merkwürdig sie spricht auch niemals von dem Kind. Hat sie seine Existenz vergessen?

Langsam kehren ihre körperlichen Kräfte zu­rück; gesundes Rot beginnt die bleichen Wangen zu färben.

Und noch immer diese Apathie, diese Gleich­gültigkeit gegen alles um sie her . , .

Die Aerzte schütteln die Köpfe. Sie wissen nicht, was sie aus ihrem Zustand machen sollen.

Einmal, bald nach Varringtons Besuch im Gefängnis, war ein Brief an Felicie angäom- men. Er war von ihrem Gatten. Aus Vorsicht hatte man ihr denselben jedoch nicht gegeben. Ein zweiter folgte nicht.

Da sie noch sehr schwach ist, beschließt man, sie vorläufig noch in der Krankenabteilung zu behalten.

Nach einiger Zeit erhält sie die Erlaubnis, sn den Hof hinunter zu gehen. Hier fitzt fie sft stundenlang im Sonnenschein auf eine, Bank, mit großen Augen die hohen Mauern stnstarrend. Oder fie schleicht gesenkten Hauptes

Einmal, als Felicie gerade wieder auf den Rasenplatz entlang, . >.

seien gar nicht so schlimm, wie sie von derbösen reakttonären" Presse hingestellt würden, viel­mehr könne sich der Liberalismus nur Glück dazu wünschen, Arm in Arm mit den Sozissein" Jahrhundert in die Schranken zu fordern.

Wollte man boshaft sein, so könnte man sich diesem Glückwünsche mit schadenfrohem Lächeln anschließen; denn wer das Wesen jenes politi­schen Wechselbälgleins näher kennt, wird gleich uns der Meinung sein, daß ein Bündnis zwi­schen dem national-sozialen Linksliberalismus mit der stramm organisierten Bebel- und Sin­gerpartei ein Harakiri, d. i. einen Selbstmord nach altjapanischer Art, bedeuten müßte. Die Folße davon aber könnte nur die sein, daß der Sozialdemokratie bürgerliche Elemente zugeführt würden, die sich bisher ihr gegenüber ablehnend verhielten. Darum erscheint es an der Zeit, immer wieder auf das Bedenkliche jener un­klaren Bestrebungen aufmerksam zu machen, die in Praxi darauf hinauslaufen, eine Vorschule für die Sozialdemokratie einzurichten. Auch die altliberalen Parteien dürften sich auf die Dauer der Erkenntnis nicht verschließen, daß durch das Jrrlichtelieren der linksliberalen Fanatiker Un­sicherheit und Verwirrung erzeugt werden muß und daß damit ihrer eigenen Sache herzlich wenig gedient wird.

Wir leben in einer Zeit des Zusammen­schlusses auf wirtschaftlichem, wie auf politischem Gebiete, in der für derartige Eigenbrödelei nach national-sozialer Art kein Raum mehr vorhan­den ist. Heut gilt es: Farbe zu bekennen und Stellung zu nehmen zu jener Bewegung, deren Endziel trotz aller Vertuschungsversuche doch die Abschaffung des nationalen Staates in seiner heuttgen Gestalt bildet. Darum ist es sehr charak­teristisch, daß der von dem früheren Gouverneur v. Liebert gegründete Reichsverband, zur Be­kämpfung der Sozialdemokratie gerade von linksliberaler Seite so scharf befehdet wird. Dies hat sich recht deutlich wieder in unserer Stadt gezeigt, wo das national-soziale Blatt anläßlich der Gründung einer Marburger Orts­gruppe des Reichsverbandes eine scharfe Polemik gegen die verdienstlichen Bestrebungen dieser wahrhaft vaterländischen Organisation ver­öffentlichte. In dem Artikel wird die Frage aufgeworfen:Wie stellen wir (d. h. die Links­liberalen) uns zum Reichsverband?", worauf klipp und klar die Antwott erfolgt:Voll­ständig ablehnend". Dadurch ist aber­mals bekundet, daß die National-Sozialen für ein gemeinsames Vorgehen der bürgerlichen Ele­mente gegen die Sozialdemokraten nicht zu haben sind, daß sie also diesen näher stehen, als sie selbst z. Z. zugeben möchten. Das aber sollte jeder Wahlberechtigte für künftig im Gedächtnis bewahren!

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Preußischer Landtag.

Das Abgeordnetenhaus trat am Mittwoch noch zu einer kurzen Sitzung zusammen, um das Jagdgesetz fertigzustellen. Die Vorlage wurde mit geringen Aenderungen angenommen; gegen den Entwurf stimmte nur eine Minderheit der Konservativen. Nach Verabschiedung auch der Vorlage über die Erweiterung des Stadtkreises Hannover begannen die Psingstferien, die vor­aussichtlich bis zum 5. Juni dauern.

Deutsches Reich.

Wiesbadener Kaisertage. Wiesbaden, 15. Mai. Zur heutigen Frühstückstafel beim Kaiser war außer dem Abt Fidelis von Stotzingen von Maria-Laach auch dessen Begleiter Pater Pla­cidus vo Spee geladen. Heute Nachmittag machte der Kaiser eine Automobilfahrt zur Platte und von da einen Spaziergang bis zur Eisernen Hand. Der Kaiser hat den Kriegs­minister v. Einem ä, la suite des Kürassterregi- menis von Driesen Nr. 4 gestellt. Der vierte Abend der Festspiele brachte Saint Säens Samson und Dalila". In der großen Hofloge erschien unter Fansarenklängen der Kaiser und Prinz August Wilhelm und die Exzellenzen von Lucanus und Graf Hülsen-Häseler. Den Sam­son sang Herr Kalisch, die Dalila Frau Nelly Brodmann. Beide waren gut, besonders auch im Spiel. Die Chöre waren voll Klangfülle und Wucht. Die Ausstattung übertraf noch die Berliner.

Prinz Friedrich Leopold von Preußen ist gestern Mittag von Potsdam nach Madrid ab- gereift, um als Vertreter des Kaisers an den dort stattfindenden Tauffestlichkeiten teilzu­nehmen.

Der Reichskanzler hatte am Dienstag abend etwa 300 Gäste zu einem parlamen­tarischen Abend geladen, darunter den Herzog Johann Albrecht zu Mecklenburg, den Präsidenten des Reichstages, Eeneralfeldmar- schall v. Hahnke, den braunschweigischen Minister v. Otto, den Staatssekretär Grafen Posadowsky, die Minister Studt, Beseler, Delbrück und Schönstedt, Kolonialdirektor Dernburg, sowie zahlreiche Parlamentarier. Der Empfang, der im Garten stattfand, verlief äußerst gemütlich.

Die Reise des Kolonialdirektors Dernburg nach Afrika hat eine wesentliche Aenderung er­fahren. Die Organisatton des neuen Kolonial­amts macht eine Hinausschiebung der Reise un­umgänglich. Nicht nur neue Ernennungen wie die des Unterstaatssekretärs sind nötig, sondern die einzelnen Teile müssen auch in praktische Tättgkeit treten. Alle diese Umstände haben es dahin gebracht, daß in diesem Jahre nur Ost­afrika besucht, die Reise nach Südwestafrika aber für jetzt aufgehoben und auf eine spätere Zeit verschoben wurde. DieWeserztg." will sogar aus parlamentarischen Kreisen erfahren haben, daß Kolonialdirektor Dernburg seine Reise nach

ihrer Bank fitzt, kommt die Gefangene Johnson auf fie zu. Die robuste Frau ist auch wieder ein­mal von Unwohlsein gepackt worden, so daß sie für einige Tage nach der Krankenabteilung übersiedelte.

Na, wie geht's? Waren lange krank, wie?" Felicie blickt auf.

»Ja."

Geht's wieder besser?"

.Za."

Freut mich, es war auch zu dumm von Ihnen, damals in Ohnmacht zu fallen. Ge­wöhnen Sie sich endlich daran, von Ihrem Kind getrennt zu sein, wie?"

Liddy Johnson erhätt keine Antwort mehr.

Gedankenvoll sitzt Felicie da, sich die Sttrn reibend, als suche sie nach irgend etwas in ihrer Erinnerung....

Plötzlich steht fie auf und geht schweigend in das Haus.

Merkwürdige Sorte!" brummt die Johnson hinter ihr her.Wenn die nicht verrückt ist, will ich sofort

Was fie will, bleibt ungesagt. Eine Wär­terin, welche die kleine Szene beobachtet hat, tritt auf sie zu und führt sie hinweg.

Eines Tages überreicht die Pflegerin Feli­cien zwei Briefe.

Unschlüssig dreht diese die Briefe in der Hand hin und her. Dann aber schießt plötzlich tiefes Rot in ihre Wangen.

Briefe im Gefängnis find ein« große Selten­heit. Klopfenden Herzens eilt Felicie in ein stilles Eckchen, um ihre Schätze näher zu be­sichtigen. Der eine ist von ihrem Gatten §te erkennt ihn sofort an der Handschrift.

Ihn öffnet sie zuerst.

Leuchtenden Auges überfliegt st« hi« eng- geschriebenen Seiten. Und je weiter fie tieft, um so leichter wird ihr. Ihr ist. atz

kruste sich von ihrem Herzen löse, als ob alles Weh, welches seit acht Monaten dort ansam­melte, hinwegschwände. Tränen füllen ihre Augen die ersten seit langer, langer Zeit,

Jede Zeile fast handelt von ihrem Sohn wie groß er wird, wie verständig er ist, wie wohl er aussieht. Sie hat die Empfindung, als würde ihr Kind ihr neu geschenkt.

Zuerst nach jener furchtbaren Krankheit hatte sie seine Existenz fast vergessen. Dann ge­wöhnte sie sich daran, ihn als tot zu betrachten tot wenigstens für sie ... . Und nun lebt er wieder vor ihr auf. Sie sieht ihn auf dem Schoß des Vaters sitzen, sieht ihn in dessen dunk­len Haaren wühlen, sieht ihn mit großen, klugen Augen umherblicken.

Ihre Lippen bewegen sich beim Lesen all die­ser kostbaren Nachrichten, als wollte fie jedes Wott hinunterschlürfen.

Einmal ertappte sie sich sogar bei einem kleinen Anfall von Eifersucht. Aber gleich dar­auf lächelt sie wieder. Vater und Sohn find eins, fie lievt sie beide gleich tief innig es tröstet sie sogar, die beiden bei einander zu wissen...

Roch hat sie den Brief nicht ganz beendet, als eine Pflegerin sie ruft, fie möge ihr beim Austeilen der Suppe behilflich fein.

Rasch steckt Felicie die beiden Briese in die Tasche und folgt der Frau in die verschiedenen Krankenabteilungen.

In einem größeren Raum neben verschiede- tten anderen Patientinnen liegt ein Junges Mädchen von etwa zwanzig Jahren schwer krank an der Auszehrung darnieder.

Die Gefangene Anny Holm muß sehr hübsch gewesen sein, als noch gesundes Rot die Wan­gen färbte, als noch frische Lebenslust aus den jetzt übergroßen, krankhaft glänzenden Auge« leuchtet^----~La

den Kolonien überhaupt aufgegeben habe, «in« Meldung, die unglaubwürdig klingt. Den Ko­lonialdirektor werden wie schon erwähnt, auf der Reife nur die beiden Mitglieder des Ko­lonialamtes Baurat Baltzer und Oberleutnanl Graf Henckel von Donnersmarck begleiten. Ein«, kleine Zahl von Industriellen wird sich anfchlie- ßen. i

Die Deutsche Armee-, Marine -und Kolo- nial-Ausstellung in Berlin wurde am Mitt­woch vom deutschen Kronprinzen eröffnet.

Was der neue Reichstag bislang geleistet hat. Der Reichstag hat in seinem ersten Tag­ungsabschnitte außer dem Reichshaushaltsetat für 1907 sowie den Ergänzungsetat in dec Hauptsache nur die beiden Handelsabkommen mit den Vereinigten Staaten von Amerika unb; mit der Türkei erledigt. Trotzdem verdient er eine gute Note. Einmal hat er gerade bei den Etatsberatungen wettgemacht, was der vori« Reichstag unterlassen zu können glaubte. Er hat unserer Kolonialpolitik den Boden gegeben, auf dem allein ein gutes Gedeihen möglich ist. Sodann aber hat er auch bei den verschiedensten anderen Gelegenheiten gezeigt, daß der konser­vativ,liberale Block ganz gut zu arbeiten im*1 stände ist. Damit ist, worauf in der ersten Ta­gung des jetzigen Reichstages viel ankam, der Beweis erbracht, daß die Idee, von der die Auf­lösung des vorigen Reichstages getragen wurde, sich bewährt hat, es ist aber auch die Hoffnung gegeben, daß int nächsten Tagungsabschnitte die! positive Arbeit des Reichstages noch mehr als bisher gefördert werden wird. Es ist selbst­verständlich, daß die durch die Neuwahlen aus ihrer Machtstellung im Reichstage verdrängte« Parteien, Zentrum und Sozialdemokratie, einer solchen Entwicklung mit recht gemischten Ge- füblen gegenüberstehen. Die Sozialdemokratie gibt ihrem Aerger über das Zusammenarbeiten^ von Konservativen und Liberalen recht drasti­schen Ausdruck, während das Zentrum, wenig­stens soweit seine führenden Persönlichkeiten i« Frage kommen, weniger damit hervortritt. D'-'de aber würden es nur zu gerne gesehen haben, wenn zwischen den Blockparteien sowohl^ wie zwischen diesen und der Regierung nicht so große Uebereinstimmung geherrscht hätte. Sie gaben sich redliche Mühe, die Uebereinstimmung zu stören. Gelungen ist es ihnen aber nicht und. hoffentlich gelingt es ihnen auch in Zukunft nicht. Die jetzigen Mehrheitsparteien des Reichstages haben gesehen, daß die großen na­tionalen Fragen durch ihr Zusammenhalten den gewünschten Lösungen entgegengeführt werden konnten. Sie werden sich späterhin bei einiger­maßen gutem Willen auf allen Seiten auch da­von überzeugen, daß selbst wirtschaftliche Pro­bleme in gleicher Weise behandelt werden kön­nen Sie müssen sich nur immer die Zustande im alten Reichstage vor Augen halten. Ern« beträchtliche Anzahl von Vorlagen mußte aller, dings unerledigt bleiben und bis zur Herbst­tagung verschoben werden. Es sind dies Job genbe: 1. die Maischbottichsteuernovelle (be­findet sich in der Kommission), 2. der Entwurf betreffend Herstellung von Zigarren in der Hausarbeit, 3. der Entwurf über die Bestrafung

Felicie fühlt sich merkwürdig zu diesem Mad- chen hingezogen, und Anny vergilt dieseFreund- schäft durch fast demütige Anhänglichkeit .

Und, was das Eigentümlichste ist die bei- den ähneln einander auffallend: dasselbe Oval des Gesichts, dieselben großen, schwarzen Augen derselbe kleine, etwas volle Mund. Nur, daß Felicies Gesichtsfarbe eine gesundere ist un» daß sie ihr Haar im Wellenscheitel ttagt wah­rend Annys Stirn von krausen Löckchen be- bC<f$>eute als Felicie der armen Kranken die Suppe bringt, da öffnet diese ihre übergroßen Augen noch weiter.

Was hast du, Felicie? Du siehst ganz ver­ändert aus so glückstrahlend!"

Felicie lächelt. ~ . , , - ,

Das bin ich auch, Anny. Ich habe Nach­richt von meinem Gatten erhalten und von mei­nem lieben kleinen Kind. Soll ich du heute abends davon erzählen?"

Schon "reicht Felicie einer anderen Kranken. ^So geht es der Reihe nach, bis alle beftie- bi03et?"eUt Felicie mit ihren Briefen wieder' trt Noch einmal liest fie Norberts Brief von An­fang bis zu Ende durch. Dann fängt, sie von vorne an diesmal langsamer, bedächtiger ...

Sie kann sich ganz genau sein Leben vor­stellen. Er ist wieder Mitglied des Metropol-, Theaters unter Direktor Furrer. Natürlich spielt et allabendlich mit Gerda Douglas. Aber Felicie ist nicht mehr eifersüchtig ® Gerda ist gut zu Walter und Walter liebt fie dafür. Und außerdem sorgt die Mutter für beide. Welch Mckliches Zusammenleben!

*- .-(Fortsetzung folgt.)