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Erstes Blatt

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t Nachdruck verboten.)

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In Bezug aus die Förderung erwachsener Handwerker haben namentlich die seit 1901 be­gonnenen Meisterkurse günstig gewirkt. Bei ihrer Einrichtung ließ man sich von der Erkennt­nis leiten, daß das Handwerk in Posen und Westpreußen, namentlich in den mittleren und kleinen Städten und auf dem Lande gegenüber dem Handwerk der westlichen Provinzen infolge der allgemeinen nationalen und wirtschaftlichen Verhältnisse im Rückstände geblieben sei. Die Meisterkurse sollen Handwerkern, die bereits selbständig sind oder sich demnächst selbständig zu machen beabsichtigen, Gelegenheit bieten, die modernen Anforderungen an ihr Gewerbe und die Mittel ihnen gerecht zu werden kennen zu lernen. Sie gliedern sich in Vollkurse, die das Eesamtgebiet des betreffenden Handwerks um­fassen, und Sonderkurse, die sich auf Einzelheiten des betreffenden Handwerks erstrecken. Die Teil­nehmer sollen in der Regel mindestens 24 Jahre und nicht über 50 Jahre alt sein. Man will es also vermeiden, Zeit und Mühe an solche zu ver­schwenden, die in alten Betriebsgewohnheiten eingerostet sind, und rechnet klüglich mit den jüngeren Jahrgängen, bei denen sich noch ge­werbliche Früchte erwarten lasten. Diese Kurse erfolgen unter Beihülfe des Staates, der Pro­vinz und einzelner Städte und Kreise. Auch die Bildung von Rohstoff- und Werkzeuggenosten- schaften, zu der in den Kursen angeregt wird, hat sich als förderlich erwiesen. Die mit den Sonder­kursen gemachten Erfahrungen sind gleichfalls günstig. Besonders gilt dies für die Teilnehmer an den Jnstallationskursen (Master-, Gas- und elektrischen Installationen), aber auch für die Spezialtechniken anderer Handwerke, so der Tischler, Maler und Sattler, haben sich die Son­derkurse von erheblichem Nutzen erwiesen. Wenn unverkennbar durch die staatliche Tätigkeit auf dem Gebiete des Fortbildungs- und gewerblichen Unterrichts auch die polnischen Handwerker ge­fördert worden sind, so darf ihnen das gegönnt werden. Der größere Anteil des Erfolges ent­fällt doch auf die Deutschen und es liegen mehr- fache Zeugniste vor, wie dankbar so mancher deutsche Handwerker dem Staate für die ihm er­wiesene Fürsorge ist. So ist denn auch auf die­sem wichtigen Gebiete ein hoffnungsvoller Aus­blick in die Zukunft zulästig.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck und Verlag' Joh. Aug. Koch, Universitäts-Buchdruckers toGyTy*

Marburg, Markt 21. Telephon 55.

In der Schule des Leidens.

Roman aus dem New-Yorker Leben V- von Erich Friesen.

(Fortsetzung.)

Sieh doch, sieh!" wiederholt Felicie ein­dringlich.Ist dein Sohn nicht ein Pracht­junge? Seine hübschen Haare gerade wie deine. , Es lockt sich genau so hinter dem Ohr wie bei dir. Sieh doch, Norberts sieh!"

Ja, mein Liebling," erwitz^t Norbert ge­preßt.

Pst? Nicht so laut! Man könnte dich hören, und dann nimmt man ihn mir wieder weg. Er ist so brav, so artig! O, er weiß, daß er wieder fort muß, wenn er schreit. Er heißt Walter, nach meinem Vater. Es ist dir doch recht?"

,Meine Licy!"

Das erregte Sprechen hat di« fieberkranke ersichtlich angegriffen. Rasch hält die Pflegerin ein Glas Master an die heißen, trockenen Lip­pen. Gierig schlürfen sie den erfrischenden Trank.

Dann sinkt der Kopf in di« Kisten zurück.

Norbert nimmt beide fieberheißen Hände seines Weibes in die seinen.

Zuerst zucken sie noch ein wenig unter dem festen Druck. Dann fügen sie sich still.

Noch ein voller Blick auf den Gatten, ein glückliches Lächeln, ein schwacher Händedruck ihre Lider sinken herab.

Gehen Sie jetzt, mein Herr!" bittet die Pflegerin.Die Kranke hat Sie noch erkannt; aber wenn das Fieber ein paar Minuten an­hält, wird sie gänzlich besinnungslos sein. Ver­lassen Sie sie lieber, bevor die schrecklichen Fieberphantafien snsangeus" ... §ie heugt sich

Marburg

Donnerstag 16. Mai 1907.

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg and Kirchhain.

6 onrrtaasbettaaer AUrrktrirteS Smrrrtaashlatt. _________

sprochenen Wunsche.

Kurze Zeit danach hat er bereits die Gesang, nismauern im Rücken.

Gleich einem Nachtwandelnden schwankt die Straße entlang. Ihm ist, als sei er aus einem bösen Traum erwacht, als sei er von der Schwelle des Todes hinausgetreten in warm- pulsierendes, blühendes Leben.

Ha^dort^hinten die düsteren Gefängnis­mauern!' Dort liegt noch immer krank sein Weib> Dort wird sie noch jahrelang schmachten.

Zum ersten Male kommt es ihm voll zum Bewußtsein, was Felicie für ihn getan, und er schwört sich, ihr alles, alles später zu vergelten.

Nun zuerst zu meinem Kinde!

Dieser Gedanke gibt ihm neue Kraft.

Schnell nimmt er einige Bisten zu sich. Dann winkt er eine Droschke heran und fahrt nach Gerda Douglas' Wohnung. Aus den Zeitungen weiß er, daß das Furrersche Schauspielensemble nach Newyork zurückgekehrt und demnächst. die Vorstellungen imMetropol-Theater wieder aufnehmen wird. , ..

Gerda ist zu Hause. Ihr Mädchen öffnet di« Tür zum Wohnzimmer und zieht sich zuruck. ,

Einen Augenblick ist Norbert wie geblendet. Volles Abendrot flutet zum offenen Fenster herein und bestrahlt die Gruppe daneben-

zur Vorlage erklärt hatten, wurde diese darauf gleich in zweiter Lesung angenommen. Debatte­los in dritter Lesung angenommen wurde der Zusatzvertrag zu dem Auslieferungsvertrage mit Norwegen und ebenso in dritter Lesung das Handelsprovisorium mit Amerika. Nach en bloc« Annahme der Reichsbeamtengesetze ging das Haus darauf über zur Fortführung der dritten Lesung des Etats. Beim Etat des Auswärtigen Amts sprach Abg. Bastermann (natl.) die Er­wartung aus, daß man sich mit größerer Ener­gie der Entschädigungsansprüche deutscher Staatsangehöriger aus dem Vurenkriege an­nehmen werde, während Abg. Müller-Meinin­gen (frs. Vp.) noch auf die Entschädigungsan­sprüche aus Anlaß des russischen Aufstandes zu­rückkam und meinte, französische Ansprüche seien vom Auslande anstandslos bewilligt worden. Alles mache den Eindruck, als fehle es bei uns an der nötigen Energie und deshalb rufe er dem Staatssekretär zu:Etwas mehr Dampf, Herr Staatssekretär!" Auf die Ausführungen des Vorredners erwiderte Staatssekretär von Tschirschky, er müste den Vorwurf energisch zu­rückweisen, daß es der deutschen Vertretung ge­genüber dem Auslande an Energie fehle. Die Regierung trete im Rahmen der Möglichkeit und im Bewußtsein der Verantwortlichkeit so auf, wie sie es dem Volke gegenüber verantwor­ten könne. Rußland lehne jedoch eine Entschä­digung überhaupt ab. In einer weiteren Rede des Abg. Müller-Meiningen (frs. Vp.) sprach dieser die Ansicht aus, die deutsche Regierung würde wohl etwas erreichen, wenn sie sich Ruß­land gegenüber mit anderen Regierungen zur energischen Vertretung ihrer Ansprüche zusam­mentun würde. Diese Anschauung wies Staats­minister v. Tschirschky mit einer Handebewegung ab. >°Wg. Held (natl.) wandte sich gegen An­griffe oes Abg. Chrzanowski bei der zweiten Lesung und nahm den Allgemeinen Schulvereln in Schutz. Seim Etat des Reichsamts des In­nern kamen die Abg. Hue (6m.), Eoercke (natl.) und Cuno (frs. Vp.) auf die Explosion der Ro- burit-Fabrik bei Witten zurück und traten für chärfere Ueberwachungsvorschriften wie auch ür Maßnahmen der preußischen Regierung be- reffs einer Entschädigung der besonders ge- chädigten ärmeren Leute ein. Staatssekretär Graf Posadowsky erklärte, der preußische Han­delsminister scheine 'auf Grund einer Anfrage, welche Bedingungen für Genehmigung von Ex- plosionsstoff-Fabriken im Auslande bestehen, in Erwägung zu ziehen, die Konzessionsbeding­ungen in Preußen einer erneuten Prüfung zu unterziehen. Mas die Haftpflicht der Feuer­versicherungsgesellschaften betreffe, so sei dies jedoch eine zivilrechtliche Frage. Die Frage der Hilfe für die Geschädigten gehöre aber vor die preußischen Instanzen und er werde nicht unter­lassen, den Herrn Handelsminister auf die heu­tigen Ausführungen aufmerksam zu machen. Abg. Nacken (Ztr.) warf der Polizei anläßlich eines Streiks im Bezirk Aachen eine herausfor­dernde Haltung vor und trat für stärkere Ga­rantien des Koalitionsrechts ein, während Abg. Carstens (frs. Vp.) die glasindustriellen Unter-

über Felicie.Die Arme schläft ganz ruhig. Merkwürdig zum ersten Male feit acht Tagen."

Ein wehmütiges Lächeln umspielt Norberts Lippen.

Das kommt daher, weil ich ihre Hände halte. Ich besaß stets die Macht, ihre erregten Nerven zu beruhigen."

Wenn Sie noch ein paar Stunden weiter- schläst wer weiß"

Ich möchte bei ihr bleiben."

Da muß ich erst den Herrn Direktor um Er­laubnis fragen."

So fragen Sie!"

Die Pflegerin verläßt das Zimmer und Norbert setzt sich auf den Bettrand nieder, die kleinen, heißen Hände immer fest in den seinen haltend.

Bald darauf tritt die Pflegerin in Beglei­tung des Arztes wieder ein.

Die Kranke liegt jetzt still da. Die Fieber­röte auf den Wangen ist tiefer Bläste gewichen. Der Atem geht ruhiger, gleichmäßiger.

Aufmerksam beobachtet der Arzt alle diese Symptome. Dann nimmt er einen Fieber­thermometer aus der Tasche steckt ihn vorsichtig, ohne die Schlafende zu wecken, in deren Achsel­höhle und blickt auf seine Uhr.

Nach einer Minute zieht er den Thermo­meter zurück. Befriedigt nickt er mit dem Kopf.

Die Temperatur fällt!" bemerkt er zur Pflegerin.Beobachten Sie die Kranke genau, Frau Holm. Jede Stunde mesten Sie die Tem­peratur. Und Sie, mein Herr" er wendet sich zu Barrington, der leuchtenden Auges den klei­nen Vorgang beobachtetwenn Ihre Kräfte nicht versagen, halten Sie die Hande Ihrer Frau. Sie kamen gerade zur rechten Zeit. Es ist möglich, daß Sie ihr Leben retteten,,,,

nehmer gegen sozialdemokratische Angriffe iT zweiter Lesung in Schutz nahm. Auf eine Au« regung des Abg. Spahn (Ztr.) erwiderte S^ch- sekretär Frhr. v. Stengel, es sei stets sein Se* streben, die Etatsvorlagen so schnell als möglich an den Reichstag zu bringen, doch müste auch den Verbündeten Regierungen Zeit gelastet! werde, den Etat zu prüfen. Ein allzu stärket Drängen verteuere nur den Etat. Abg. Dr. Hahn (B. d. L.) forderte schärfere Haftpflichts­bestimmungen für die Industrie. Weitere Wünsche sprachen die Abg. Graf Oriola (natl.) und v. Maltzahn (kons.) für einen höheren Zu­schuß zur Förderung der Obstzucht aus. Nach weiteren Auseinandersetzungen der Abg. Raab (wirtsch. Vgg.) und Heckscher (frs. Vgg.) Über das sozialpolitische Verhalten von Groß-Rese- reien und anderen Nachträgen zur zweiten L^ sung, wurde der Etat des Innern bewilligt. Nach unerheblicher Erörterung auch eine Reihe weiterer Etats. U. a. gelangte auch der Kolo­nialetat zur Annahme: das selbständige Nerchs- kolonialamt wurde also bewilligt. Beim Ptcu des Reichseisenbahnamts betonte gegenüber den Ausführungen des Abg. Ulrich (Soz.) der hes­sische Minister v. Reidhardt, sowie Abg. Frhr. v. Eamp (Rp.), Hesten sei bei der preußisch- hessischen Eisenbahngemeinschast keinesfalls zu kurz gekommen.

Der Rest des Etats und des Etatsgesehes wurde genehmigt.

Nach 25 Minuten trat das Haus noch zu einer zweiten Sitzung zusammen, um den Aus­lieferungsvertrag mit Griechenland in "tutet Lesung, sowie einige Wahlprüfungen zu erledi- aen Damit war bett Vereinbarungen gemäß Der in Betracht kommende Arbeitsstoff aufgearbei­tet, und das Haus vertagte sich brs zum 19. November.

RMMß.

Der Reichstag stimmte am Dienstag zu­nächst dem Anträge der Verbündeten Regie­rungen auf Vertagung des Hauses bis zum 19. November zu, und trat dann in die erste Be­ratung des Auslieferungsvertrages mit Grie­chenland ein. Nachdem die Abg. Müller-Mei­ningen (frs. Vp.), Heine (Soz.), Kirsch (Ztr.) Junck (natl.). und Dove (frs. Vgg.) neben eini­gen sachlichen Bemerkungen ihre Zustimmung

Preußischer Landtag.

Das Abgeordnetenhaus fetzte in der Diens- tagssitzung die zweite Lesung des Entwurf* über die Ausübung des Jagdrechts fort.

§ 6 bestimmt in Absatz 1, daß alle Grund­flächen eines Eemeinde-(Euts-) Bezirkes, welche nicht zu einem Eigenjagdbezirk gehören undNi» Zusammenhang wenigstens 75 Hektar umfasten, den gemeinschaftlichen Jagdbezirk bilden.

Absatz 2 besagt:Mit Genehmigung des Kreisausschustes und wenn eine Stadtgememdr beteiligt fft.des Bezirksausschusses können ffe doch aus ihnen auch mehrere selbständige fl* meinschastliche Jagdbezirke gebildet werden von denen in der Regel aber keiner weniger als Wk Hektar im Zusammenhang umfassen darf. Aus nahmsweise kann im Jntereste der Jagdgenossen schäft eine Herabsetzung bis zu 75 Hektar sta.

Die Kommission hat weiter noch einen neuen Absatz 4 eingeschaltet:Mit Genehmigung de, Kreisausschustes, in Stadtkreisen des Bezirk- ausschustes, kann die Hauptfeldmark eines Ge­meinde- (Guts-) Bezirks auch bei einer geringe­ren Größe als 75 Hektar im Zusammenhang ztzr

Als der Arzt gleich darauf eintritt und^incn prüfenden Blick auf die Kranke wirft, sagt et nur ein Wort:

Gerettet!"

Dann bittet er Norbert, das Zimmer zu verkästen. Sobald die Patientin crwache wurde sie voraussichtlich so schwach sein.dabledeEr. reauna ibr schaden könne. Herr Barringron ^n» 9nprfußeit kein daß man seiner Gattin jede nur mögliche Sorgfalt und Pflege werde an9Un?9?ot6ertnfügt sich dem bestimmt ausge-

Einen Augenblick Frau Holm, ich will Ihnen noch ein paar Anweisungen geben."

Arzt und Pflegerin verlasten das Zimmer.

Die Gatten sind allein.

Mit unbeschreiblich zärtlichem Ausdruck blickt Norbert in die müden Züge seines Weibes. Vorsichtig beugt er sich nieder und küßt die Lip­pen, beten frische Nöte ihn ehedem so oft ent­zückt und die jetzt so bleich sind ach, so bleich

Meine süße Blume," murmelt er in tiefster Erregung,o, werde wieder gesund! Wenn du dann zu mir zurückkehrst, will ich dich hegen und pflegen, damit nicht wieder ein rauher Sturm dein zartes Blütendasein knickt!"

Stundenlang hockt Norbert, ohne sich zu rüh­ren, auf dem Vettrand Felicies Hände in den seinen. Die Arme werden ihm steif er achtet es nicht. Die Brust schmerzt ihn er kümmert sich nicht darum. Er weiß, das Leben seines Weibes hängt ab von seiner Ausdauer, seiner Energie.

Und er hält aus.

Ein paar Mal bittet ihn die Pflegerin, sich auszuruhen. Er schüttelt nur den Kopf und nimmt ein paar Tropfen Kognak zur Stärkung seiner Kräfte. . .

Felicie schläft zwölf Stunden lang ohne Unterbrechung.

Da fühlt Norbett die kleinen Hände in den seinen feucht werden. Große Tropfen perlen von der Stirn der Kranken.

Die Pflegerin mißt die Temperatur.

LastenSie ihre Hände los, Herr Barring­ton! Die Temperatur ist normal. Das Fieber ist geschwunden."

Ganz sicher?"

Ganz sicher."

Leise zieht Norbert seine Hände fort. Die Finger sind ihm völlig steif. Fast taumelnd er­hebt er sich vom Bettrand -

Das Fortbildungsschulgesetz und seine Erfolge in der Ostmark.

l Als Fürst Bismarck im Jahre 1886 dazu über- tjcngi auch in der Polenpolitik mit dem Prinzip Gehen- und Eeschehenlassens zu brechen, ,Amren es insbesondere zwei Gesetze, mit denen die aktive Polenpolitik inauguriert wurde, das Ansiedlungs- und das Fortbildungsschulgesetz. «Dazu gesellte sich die polizeiliche Maßnahme der Ausweisung zahlreicher in den Ostmarken an­sässiger, aber nicht naturalisierter Polen außer- preußischer Herkunft. Hebet die Wirkungen des Ansiedlungsgesetzes haben die amtlichen Ziffern der Volkszählung von 1905 erfreulichen Auf­schluß gewährt. Dagegen steht eine amtliche Ver­öffentlichung über die Erfolge der Fortbildungs­schulgesetzes noch aus. Wir. glauben, daß man iim wesentlichen auch mit den Wirkungen der auf Krilnd dieses Gesetzes ins Werk gesetzten Veran­staltungen zufrieden sein bar. Das Fortbil- Dungsschulgesetz ist ja kein aus ein begrenztes Gebiet beschränktes Spezialgesetz. Günstige Er- ffolge für das Deutschtum oder zum wenigsten für 4>ie Kenntnis der deutschen Sprache versprach sich der Kanzler besonders davon, daß durch die Fortbildungsschule die große Zeitlücke zwischen -er Volksschule und der Militärdienstzeit, in ^welcher der polnische Nachwuchs nur zu häufig sei es spontan, sei es durch Einwirkung des lSokols u. bergt des in der Volksschule Ge­lernten völlig verlustig ging, ausgefüllt und eine Auffrischung des deutschen Sprachunterrichts be­wirkt werden sollte. Diese Wirkung hat das Ge­setz auch zweifellos gehabt, wenn sich natürlich auch niemand darüber täuscht, daß die Kenntnis des Deutschen noch keinen Deutschen macht. Vor Allein aber ist der Erfolg des Gesetzes darin zu 'erblicken, baß der deutsche Handwerker in bett Ostmarken konkurrenzfähiger gemacht worden ist ,durch Besterung seines intellettuellen Niveaus, Hebung seines Geschmacks, seiner manuellen Ge­schicklichkeit und seiner Fachkenntniste. Was den der Jugend erteilten eigentlichen Fortbildungs­unterricht anlangt, so ist zu unterscheiden zwi­schen der erzieherischen Einwirkung und der prak­tischen Ausbildung. Aus naheliegenden Grün­den handelt es sich in der Ostmark zunächst um die erstere, während die gewerbliche Ausbildung erst weiterhin an die Reihe kommt. Roch mehr als in rein deutschen Gegenden hat man begreif­licherweise auch im Osten mit geistiger Trägheit ,vnd Voreingenommenheit auf Seiten der Meister zu kämpfen gehabt. Aber in geduldiger, zäher Arbeit ist man der Schwierigkeiten mehr und imehr Herr geworden.

vierteljährlicher Bezugspreis: bet der Expedition 2 Mk trz» bet allen Postämtern 2,2b Ml. rexcl. Bestellgeld).

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