Erstes Blatt
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(Nachdruck verboten.),
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Verhandlung über den am 12. März 1907 in Athen unterzeichneten Auslieferungsvertrag zwischen dem Reiche und Griechenland wurde zunächst vertagt. In der nun folgenden zweiten Beratung des d e u t s ch - a me r i - konischen Handelsabkommensmachte Abg. Graf Kanitz (konf.) darauf aufmerksam, daß die Nachgiebigkeit der deutschen Behörden die Rücksichtslosigkeiten der Amerikaner noch gesteigert habe. Nach seiner Auffassung könne die Meistbegünstigung nur solchen Staaten zugestanden werden, die auch uns das Meistbegünstigungsrecht gewähren. Das Abkommen sei für die deutsche Landwirtschaft irrelevant; sie gewinne und verliere nichts dabei. Aber der deutschen Industrie wird durch die amerikanischen Wertzölle großer Schaden zugefügt. Da angesehene Vertreter der deutschen Industrie sich über den Vertrag zustimmend geäußert haben, würden auch die Konservativen dafür stimmen. Abg. Herold (Ztr.) erklärte, auch das Zentrum sei bereit, das Abkommen anzunehmen, in der sicheren Erwartung, daß das Provisorium recht bald besie- ren Verkehrszuständen Platz macht, auf die die verbündeten Regierungen mit Kraft und Energie hinarbeiten mögen. Die Abg. Fuhr«««« (natl.) und Dr. Dohr« (frs. Vp.) sehen in dem Abkommen den ersten Schritt zu einem auf gerechter Grundlage aufgebauten, wirklich reziproken Vertrag. Von verschiedenen Seiten, so auch von dem Abg. Molkenbuhr (Soz.) wurde das Abkommen in der Hoffnung befürwortet.
Deutscher Reichstag.
In der Montagssitzung wurden mehrere dritte Beratungen ohne Debatte erledigt. Die
jetzigen Koalition besteht vielmehr darin, datz, unbeschadet jener Gegensätze, man zusammengeht in den Staats Notwendigkeiten der äußeren Politik, der Wehrkraft und der Kolonialpolitik, die von der Mehrheit des vorigen Reichstags zum Gegenstände unangemesienen Kuhhandels gemacht wurden. Es braucht nicht jedesmal eine Krisis heraufzuziehen, wenn einmal Konservative und Liberale gesonderte Wege gehen. Nur wird man bestrebt sein muffen, ein überflüssiges Auseinanderweichen in rein formellen Fragen der Geschäftsordnung und dergleichen zu vermeiden. So verstanden kann die Blockpolitik dann auch in heilsamer Weise zur Beseitigung manches Gegensatzes zwischen Konservativen und Liberalen beitragen, der weniger in politischen als in gesellschaftlich-geschäftlichen Heberlieferungen beruht. Und darüber hinaus mag sie in mancher Frage das Eis starrer Verneinung brechen, für die das gegenwärtige Geschlecht kein Verständnis mehr hat, da es seinen Anteil fordert an der positiven Mitarbeit. Wenn diese ihre gute Rückwirkung auch in mancher anderen Frage äußern und aus manchem Saulus von Manchester einen nationalen Paulus machen sollte, so wäre das ein doppelter Gewinn.
7 Erscheint wöchentlich sieben mal. ,
Druck und Verlag: Joh. Mug. Koch, UniversttätS-Buchblackerst
Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
Marburg
Mittwoch. 15. Mai 1907.
sie die hier mit der Fieberröte auf den Wan. gen tief unglücklich auf dem Schmerzenslager im Gefängnis ruht — an sie, die um seinetwillen zur Verbrecherin geworden, um feinet« willen jetzt vielleicht sterben must
„Ja, Licy, ich bin es, dein Norbert!
Mühsam hebt sie die Hand und legt sie auf seinen gesenkten Kopf. _ , .
So verharren die beiden einige Sekunden lang bewegungslos, ohne ein Wort zu sprechen.
Plötzlich nähert Felicie feine Lippen seinem ^.Jch muß dir etwas zeigen, Norbert!" wispert sie geheimnisvoll. „Sieh hier das Kind? Wie lieb es in meinen Armen liegt! Hat es nicht schöne Augen? O du süßes goldenes Kerlchen? Du darfst niemand sagen, datz ich es da habe, Norbert. Ich versteck es Frauen, d'e im Gefängnis find, die etwas schlechtes gemacht haben — die dürfen eigentlich ihre Kinder nicht bei sich behalten. Auch mir hat man es weggenommen Aber ein Engel brachte es mtr zuruck. Hahahaha, jetzt halt' ich es wieder tn meinen Armen. Sieh doch, fieh! Es ist ja auch dein Sohn!"
Norbert schweigt. ......
Jener Abend kehrt in sein Gedächtnis zuruck, da Felicie die Ophelia gespielt da das ganze Publikum in Entzücken geriet ob der grandiosen Wahnfinnsszene... _
Sieht er jetzt nicht Ophelia vor sich? rade so sah sie damals aus; gerade so sprach sie, gerade so lachte sie.
Ein Schauder überfliegt seinen Körper
„Sie müssen ihrer Idee nachgeben! flüstert ihm die Pflegerin zu, die am Futzende des Bettes sitzt. „Sie weiß nicht, was sie spricht.
(Fortsetzung folgt.)
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Der Block und seine Gegner?
7 Der Verlauf der letzten Präsidentenkrists int Reichstage beschäftigt noch immer Freunde und iGegner^der Blockpolitik. Was dabei für und Wider die letztere vorgebracht wird, trifft nur Hum geringsten Teil den eigentlichen Kern der !ßache. Mit Recht aber wurde darauf hingewiesen, daß die hinter uns liegende Präsidentenkrisis einige sehr bezeichnende Vorläuferinnen tzehabt hat. So wurde am 8. November 1871 dem „Obergenossen" Bebel wegen Beschimpfung der Reichsverfassung vom Präsidenten Simson das Wort entzogen, nachdem das Haus hierzu feine Zustimmung erteilt hatte. Simson hatte den Redner aber nur zweimal unterbrochen, ohne ihn zur Ordnung zu rufen. Diese zwei- inalige Unterbrechung wollte Bebel nicht als Anwendung des § 14 der Geschäftsordnung gelten lassen, und das Haus beschloß in der nächsten Sitzung, die Frage an die Eeschäftsordnungs- kommiffion zurückzuverweisen mit dem Auftrage, das Verfahren der Wortentziehung bestimmter zu regeln. Darauf legte Simson sein Präsidium Dieder, wurde aber sofort wiedergewählt. In ähnlicher Weise sah der Präsident von Forcken- berg sich am 18. Dezember 1874 genötigt, das Präsidium niederzulegen, weil et in einer von Windthorst aufgeworfenen Eeschäftsordnungs- fragc nicht mit der Mehrheit des Hauses über- rinstimmte, wurde aber auf Antrag des Abgeordneten Windthorst selbst gleichfalls sofort wiedergewühlt. Der große Unterschied zwischen da- Mals und jetzt liegt darin, daß die heutige Minderheit die Niederlage, die selbst durch eine Zu- sallsmehrheit dem Präsidenten bereitet wurde, jmit ausgesprochener Schadenfreude für eine Niederlage des ganzen Blockgedankens bezeichnet jpnd bejubelt. Es läuft aber doch auf eine Verkennung des Wesens der jetzigen Blockpolitik Hinaus, wenn namentlich in der Zentrumspreffe ilmmer wieder darauf hingewiesen wird, datz »roch keine einzige Vorlage beraten sei, die zu drundsätzlichen Auseinandersetzungen zwischen jben Mehrheitsparteien Anlaß geben konnte, und daß doch schon durch Schuld des Blocks eine Präsidentenkrisis herbeigeführt sei.
' Gewiß werden die Mehrheitsparteien bestrebt fein müssen, solche Ueberrumpelungen durch eine Zufallsmehrheit zu vermeiden. Im Pbrigen' aber wird es an grundsätzlichen Auseinandersetzungen und an verschiedener Stimmabgabe nicht fehlen, ohne datz der Grundgedanke der Blockpolitik beeinträchtigt zu werden braucht. Es verlangt ja niemand, datz in grundsätzlich trennenden Fragen, namentlich wirtschaftlicher Natur, Konservative und Liberale ihre alten Grundsätze aufgeben. Das Wesen bet
dem Vorwurfe zu reinigen, datz et dem deitt- fchen Reiche eine Niederlage, ein neues 3e«t gewünscht habe; dagegen bezeichnete er die Ausführungen des Eeneralfeldmarfchalls v. Hahnke auf bet Kölner Tagung des Deutschen Flottenvereins als provokatorisch. Abg. Basserma«« (natl.) freute sich demgegenüber des einmütig« Resultates der Kölner Tagung und stellte fest, daß der Flottenverein sich durch die aufklärende Arbeit, die er geleistet, den Dank der Ratio« verdient habe. (Stürmischer Beifall.) Redner wies weiter nach, datz in dem zu Ende gehende« Cessionsabschnitt ein tüchtiges Stück Arbeit ge- leistet sei. Abg. Kautzmann (dtsch. Vp.) . w zeichnete den Parteidiktator Bebel, als einen ,Scherbenrichter", dessen fanatische Taktik das stärkste Hemmnis für den Fortschritt sei. (Stürmischer Beifall.) Aus dem Fanatismus er- wachse bet Terrorimus, und bie Strafe für diesen, ist die Wahlniederlage der „Genossen gewesen. (Beifall.) Abg. Dt. Müller-Meiningen (fts. Vp.) polemisierte gegen Bebel, bet bte Ab. machung im Seniorenkonvent, die er selbst zunächst befördert habe, im Plenum nicht inne gehalten. sondern in unverantwortlicher Weise feine im Seniorenkonvent gegebenen Zusagen gebrochen habe. Redner kam dann auf die Hatz, liche kampfesweise Bebels gegen Eugen Riwtei zu sprechen und trieb dabei den in seiner unmittelbaren Nähe sitzenden Abg. Bebel immer mehl in die Enge. Er wies ihm zahllose grobe Irrtümer und Wiedersmiiche nach und rechtfertigte das gegenwärtige Verhältnis der Freisinnigen zur Sozialdemokratie mit den Worten: „Wenn Ihnen unsere Haltung und Kampfesweise nicht patzt, so ersehen wir daraus, daß wir auf dem rechten Wege sind." (Bravo). Abg. Dr. Roeficke (kons.) bemerkte, wenn bet Abg. Bebel den Block stärken wolle, müsse er noch mehr solche Reden Haien wie heute. Bebel bat auch heute wieder seinem Hasse gegen Preuhen bte Zugei schießen lassen. Jeder, der ehrlich urteilen will, müsse anerkennen, datz in Preußen Aufopferung, Vaterlandsliebe und ernste Tattraft in vorbildlicher Weise zu finden sind. In der Agitation mit dem „Fleischwucher", dann mit dem „Brot- wucher" liege System. Redner rotes bte Angaben Bebels, ber neue Zolltarif fei allem Schuld an ber Steigerung der Roggenpreise, als unrichttg und seine Prophezeiungen als ge- genstandslos zurück. Abg. Liebermann v. Sonnenberg (wirtsch. Vgg.) erklärte: Preußen habe ein halbes Jahrhundert lang bte schwere Last ber Rüstung für Deutschland allein getragen. Preußen sei Deutschlands Schwert gewesen Es habe also unbestreitbar seine volle Schuldigkeit getan. Nachdem noch Abg. Bebel oute sehr schwächlich ausfallende Erwiderung tn recht kleinlautem Tone von Stapel gelassen hatte, wurde in die Spezialdiskussion eingetreten. Eine Debatte über die Frage der braunschweigischen Thronfolge, an der ein Vertreter bet braunschweigischen Regierung. Geh. Regierungs- rat Boden, und bie Abg. v. Damm (wirtsch Vaa) Wehl (natl.), Dr. Warenhorst (Rp.) und Götz von Olenbnfen (Ztr.) sich beteiligtet füllte den Rest der Sitzung aus.
daß es bie freundschaftlichen Beziehungen zwischen dem deutschen und dem amerikanischen Volke fördern werde. Abg. Dr. Böhme (Wirtsch. Vgg.) wandte sich gegen Molkenbuhrs Lob ber Caprivischen Handelsverträge und erklärte, datz man über das Handelsprovisorium in der vorliegenden Gestalt keineswegs erfteut sein könne, insbesondere weil dem Reichstage die Mitwirkung aus der Hand genommen worden sei. Die Besserung bestehe lediglich darin, daß man statt eines Verlustes von einer Million in Zukunft etwa einen solchen von 900 000 M haben werde. Ein kleiner Fortschritt, aber ein B e r l u st ist es immer. Die öffentliche Meinung werde damit irregefühtt, daß ein Umschwung in den Vereinigten Staaten zu erwarten sei. Noch kritischer als vom Standpunkt der Industrie müsse man da vom Standpunkt bet Landwirtschaft sein. Es sei ein großer Irrtum, wenn man keine erhebliche Verstärkung ber amerikanischen Konkurrenz befürchtet, die berufensten Sachkenner find entgegengesetzter Ansicht. Dazu kommt, datz die Vereinigten Staaten heute, wo Japan so machtvoll emporgestiegen ist, nicht mehr so politisch unangreifbar dastehen wie bisher. Seine Partei rechne mit Sicherheit darauf, daß insbesondere, sobald die Konkurrenzverhältnisse sich ändern, Deutschland kündigen wird. (Beifall rechts.) Hufnagel (kons.) sprach sein Bedauern aus über die Zustimmung ber Jnbusttie zu bem Abkommen; er will nicht gegen bas Abkommen stimmen, erhebt aber mit großem Nachdruck die Forderung, daß die Regierung beim Abschluß eines neuen Vertrages die Interessen des bayrischen Hopfens waht- nehme. Hilpert (bayr. Bbd.) sprach in ähnlichem Sinne. Darauf wurde das Handelsprovisorium angenommen; dagegen stimmen nur wenige Mitglieder ber Rechten.
Es folgte die zweite Lesung der Reichsbeamtengesetze und der beiden Htnterbliebenengesetze. In ber Generaldebatte hielt Abg. Bebel (Soz.) unter anhaltender Unruhe und Heiterkeit bie übliche „Abrechnung" mit allen, bte auf einem anderen politischen Standpunkt stehen als er und [eine Partei. Er behauptet, baß „boch" die Schaffung einer Kolonialarmee beabsichtigt sei, daß die Kolonien „boch" als weltpolitische Sttitzpuntte gebraucht werben sollen, er warf ben Freisinnigen ein politisches Canossa, dem „Block" allzu- grotze Empfindlichkeit, unehrliche materielle Machenschaften, dem Flottenverein ein verdächtiges Eeheimverfahren vor. Hebet die sogenannte Haager Friedenskonferenz dentt er wesentlich anders wie sein Parteifreund v. Voll- mar, der begeistert für die Abrüstungsidee ein« trat. Bebel erklärte: Er stehe dem Abtüstungs- gedanken skeptisch gegenüber. Es werde bei einer Erörterung dieser Frage nichts herauskommen. Eher sollte man auf eine Erweiterung der Kompetenz, der Schiedsgerichte hinarbeiten. - Er glaube dem Abrüstungsgedanken am besten zu dienen mit der internationalen Vereinbarung, baß alleMehrforderungen künftig auf dem Wege bet Einkommens- und Vermögenssteuer aufzu- btingen feien. Redner suchte sich schließlich, allerdings mit sehr zweifelhaftem Erfolge, von
In der Schule des Leidens.
Roman aus dem New-Yorker Leben von Erich Friesen.
(Fortsetzung.)
Mit gerunzelter Stirn überfliegt Direktor Dudley das Telegramm. Die ganze Angelegenheit ist ihm äutzerst unangenehm. Wenn das Publikum erfährt, daß der erste Liebhaber eine Frau hat, so ist der ganze Nimbus dahin. An« bernteUs möchte er auch wieder seinen besten Darsteller nicht verlieren.
Nochmals überfliegt er das Telegramm.
Ja, die Frau liegt unbedingt im Sterben! Das vernünftigste ist, Varrington spielt heute Abend seine Partie, reist morgen früh nach New- Uork, findet seine Frau schon tot — und niemand braucht von der ganzen dummen Geschichte etwas zu erfahren. In den Augen des braven Theaterbirektors ist ber Erfolg einer Vorstellung eine viel wichtigere Sache als bas Leben unb Sterben eines Weibes, welches im Zuchthaus sitzt . . .
„Hier haben Sie Ihr Telegramm zurück, Varrington. Heut' Abenb nach ber Vorstellung können Sie reisen. Jetzt nicht."
Einen Moment steht Norbert wie erstarrt. Gleich einer Vision schwebt an seinem geistigen Auge bas Bild seiner lieblichen Eatttn vorüber. Es lächelt ihn an mit dem bezaubernden ErÜb- chenlücheln; es streckt bie Arme nach ihm aus...
„Und ich sage Ihnen, ich reise jetzt!" ruft et leidenschaftlich, „und wenn ich mein Engage- inent bei Ihnen aufgeben müßte! Adieu, Herr Direktor?"
Ehe der verblüffte Direftor sich von seinem Entsetzen über diese Kühnheit erholt, ist Norbert bereits auf und davon.;
„Entsetzen übet die unerwartete Trennung von ihrem Kind."
Norbert fährt zurück.
„Barmherziger Gott! Mein Weib stirbt, weil es die Trennung von dem Kind nicht ertragen kann, und ich — ich habe es noch nicht einmal gesehen!"
Schweigend gehen die beiden Männer weiter, bis der Arzt plötzlich vor einer Tür Halt macht.
„Da sind wir!"
Leise öffnet er bte Tür unb bebeutet Norbert einzutreten.
Dann schließt sich bie Tür roiebet hinter ihm.
Auf einem ei fernen Bettgestell liegt eine weiße Frauengestalt. Zwei bunteirote Fieberflecken brennen auf ben Wangen. Das ehemals so üppige schwarze Lockenhaat ist kurz geschnitten: nur auf Stirn unb Schläfen ringeln sich noch ein paar vereinzelte Löckchen. Die Augen finb geschloffen.
Norbert wagt kaum zu atmen.
Ist bte stille Gestalt bort wirklich fein Weib — feine muntere, lustige, jugendfrtfche Licy? Lebt sie noch? Ober hat bet Tob bereits mit feinen knöchernen Fingern Besitz von ihr et- grifffen?
Zögernd tritt et nähet. Mit angstvoller Scheu beugt et sich über bas abgezehrte Gesichtchen.
Wie von einem- Magnet angezogen, öffnet Felicie die Augen. Groß und voll blickt sie den Gatten an, ohne irgend ein Zeichen der Heber« raschung.
„Norbert!" flüstert sie kaum hörbar. „Nor- bert!"
Mit unterdrücktem Aufschluchzen kniet et neben dem Lager nieder. In diesem Augenblick ist alles andere vergessen — das Theater, Gerda Douglas, das Kind. Rur an sie dentt er — «n
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain. -
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XXII.
Am folgenden Morgen — kaum beginnt die Dämmerung heraufzuziehen — hält eine Droschke vor dem. großen Eisentor des Frauen- gefängniffes in New-York.
Bleich und übernächtig springt Norbert vom Trittbrett. Er weist dem Posten das Telegramm vor und wird sofort eingelassen.
Ein anderer Posten fiihrt ihn ins Wartezimmer, bis seine Ankunft gemeldet ist.
Namentlich stützt Norbert den Kopf tn bie Hanb.
Hat er Recht getan, fein glänzendes Engagement so plötzlich abzubrechen? Wenn es mit Felicie nicht so schlecht stünde? Wenn sie wieder gesund würde? In zwei Iahten ist sie fre — müßte et da nicht suchen, für sie und sich selbst ein kleines Vermögen zusammenzusparen? Kein Theater wird eine Schauspielerin engagieren, welche im Zuchthaus gefeffen hat! Unb auch feine Aktien finken, wenn man bte Tatsache erfährt! . . . Freilich — ihm bleibt immer noch Direktor Furrer! Der wird ihn mtt Freuden wieder aufnehmen! ... Und dann ist er auch wieder mit Gerda Douglas zusammen. Ihre Anregung, ihre Inspiration hat ihm während der acht Tage in Baltimore gar sehr gefehlt. ..
Seine Gedanken beginnen zu wandern .., Da tritt der Anstaltsarzt ein.
„Gut, daß Sie gekommen find, Herr Bar- rington. Folgen Sie mir!" ' ,
„Wie geht es meiner Frau?" .;
„Schlecht." ’?■
„Ist keine Hoffnung mehr?"
„Man darf die Hoffnung nie auf gebe«; aber Frau Barrington ist s^r krank."
Langsam schreiten beide durch die düsteren Korridore der Krankenabteilung zu.
„Was ist die Ursache der plötzlichen Ctkran- kung meiner atmen Stau, Herr Doktor?*
Aierteltährlicher Bezugspreis: bet der ExpHition 2 Mk., U 444X bei allen Postämtern 2,25 Ml. (ejcL Bestellgeld).
V12. IIä JnsertisnSgebühr: die gespaltene Zelle oder verenRanm 15 Pfg.
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