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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain. 2

Sonutaasbeilaae: Stüutttfrtö Go»«taä-blatt-

Zweites Blatt

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck md Verlag: Joh. Äug. Koch, Universitäts-Buchdrucker« 42. Jaykg.

Marburg, Markt 2L Telephon 55.

Die Abstimmung ergab die Ableh« nung der Regierungsforderung gegen Rechte, Nationalliberale uni wirtschaftliche Vereinigung, de» Antrags Arendt gegen Rechte uni wirtschaftliche Vereinigung; bei Kommissionsbeschluß wurde durch bl« Blockmehrheit bestätigt.

Der Ergänzungsetat, bet bk Folge­rungen aus der Beendigung des Kriegszustandes in Südwestafrika zieht (Erhöhung der Reichszuschusses unter Verwinde* rung bet Anleihe) rourbe in zweitet Le­sung genehmigt, ebenso die Teuetungszu- lagen, wotübet Dt. Wiemer (fts. Vp.) be­richtete.

Es folgte bet Etat bes Reichstages. Hier begtündete Abg. Dt. Paasche eine von ihm im Einvetständnis mit dem Seniotenkonvent ge­stellten Anttag, wonach die annähetnd in Höh« von 200 000 Matk angesammelten Einttitts- gelbct für die Besichtigung des Reichstages auf den Etat gebtacht weiden sollten, feinet, daß das Eintrittsgeld von 50 auf 25 Pfg. ermäßigt werde, und daß die aus den Eintrittsgeldern sich ergebenden Summen zu Gunsten der Unter- und Hilfsbeamten de» Hauses Verwendung fänden. Abg. Dr. Arendt (Rp.) gab die Anregung, in den nächsten Etat 100000 Mark einzustellen für parlamentarische Studienzwecke. Abg. Lieber­mann von Sonnenberg (wirtsch. Vgg.) sprach der Verwaltung des Hauses seine volle Aner­kennung aus und schlug für die noch immer fehlende Inschrift vor:Das Volk in Waffen, den deutschen Volksvertretern!" Rach weiteren Reden bet Abg. Werner (D. Rfp.) und Kreth (kons.), die gleichfalls ihr Wohlwollen für bk Beamten des Hauses äußerten, wurde der E t a i des Reichstags mit dem Antrag des Senio- renkonvents genehmigt. Rach Eenehmigu»^ von Etatstesten folgte noch eine Reihe von Pe­titionen.

Deutscher Reichstag.

- Det Reichstag beschäftigte sich am Freitag zu­nächst mit bet zweiten Beratung des Er­gänzungsetats, betr. Farmer-Entschädig­ung in Südwestafrika. Die Kommission hatte beantragt, statt ?y3 Millionen nur 5 Millionen Mark zu bewilligen. Kolonialdirek- tor Dernburg bewirkte, es sei klargestellt, daß ein Rechtsanspruch auf Unterstützung nicht be­stehe, ebenso sei es nicht ausgeschlossen, daß Dar­lehne gewährt und zurückgegeben würden. Trotz­dem halte die Regierung die Bewilligung der höheren Summe für erforderlich, denn auch die Gerechtigkeit erfordere die Unterstützung von Leuten, die für die Kolonie gekämpft hätten. Abg. Eroeber (Ztr.) bemängelte die Art der Verteilung, die tatsächlich so gedacht sei, daß, wer einen großen Schaden gehabt habe, auch eine große Unterstützung erhalten solle; damit sei jeder Nachweis des wirklichen Bedürfnisses unberücksichtigt gelasien worden, wie überhaupt die ganze Feststellung des Schadens auf höchst unsicherer Grundlage beruhe. Abg. Dr. Paasche (natlib.) wandte sich gegen diese Ausführungen und meinte, sie seien geeignet, den Eindruck zu erwecken, als wolle das Zentrum überhaupt nichts, auch nicht einmal Darlehen bewilligen. Der Abstrich bei einer Anzahl Forderungen habe doch bewiesen, wie vorsichtig man bei der Fest' stellung des Schadens zu Werke gegangen sei. Er bitte um die Bewilligung der in der Vorlage geforderten 7Millionen. Abg. Fuhr. v. Richt- Hofen (kons.) trat gleichfalls für die Bewilligung der vollen Summe ein, bat jedoch andernfalls um die Annahme eines inzwischen eingegange­nen Antrags Arendt (Rp.), der die geforderte Summe auf 5/2 Millionen Mark erhöht wissen wollte. Abg. Arendt (Rp.) begründete seinen Antrag und bemerkte gegenüber dem Abg. Eroe- ber, wenn dieser gesagt habe, die Farmer seien teilweise mitschuldig an dem Aufstande, so lasse sich mit demselben Rechte sagen, daß dies bis zu einem gewissen Grade auch bei der Regierung zutreffe, die es seinerzeit an den Machtmitteln des Reichs habe fehlen lassen. Gouverneur von Lindequift erklärte, der indirette Schaden der Farmer durch Ausfälle während bet Kriegszeit sei in bet Forderung von 7y> Millionen nicht berücksichtigt; man könne also von einer vollen Entschädigung durch diese Summe nicht sprechen. Abg. Dr. Wiemer (frs. Vp.) trat für den An­trag der Kommission ein, behielt sich jedoch Er­wägungen bei einer zweckmäßigeren Fassung des Antrages in dritter Lesung vor.

Abg. Lattmann (wirtsch. Vgg.) sprach im Sinne von Dr. Paasche, Dr. Arendt und Frhr. v. Richthofen. Keine falsche Sparsamkeit! Es gelte nicht den Standpunkt der Ansiedler, son­dern die weitere Entwickelung der Kolonie.

Preußischer Landtag.

Da» Abgeordnetenhaus nahm am Freitag zunächst einige Entwürfe auf Abänderung von Amtsgerichtsbezirken in dritter Lesung endgiltig an und erledigte dann die Berggesetznovelle in dritter Lesung. Das Wort nahm hier nur Abg. Dr. Boltz (natlib.), um zu erklären, daß sein« Freunde die Vorlage wegen der Abschwächung bet Bergbaufteiheit ablehnen. Der Entwutf rourbe darauf mit den Stimmen bet Rechten unb des Zentrums angenommen. Ebenso fand das Wanderarbeitsstättengesetz endgiltige An­nahme, nachdem Abg. v. Bodelschwingh (b. k. F.) seiner Genugtuung über das schnelle Zustande­kommen des seiner Initiative entsprungenen Entwurfs Ausdruck gegeben hatte. Nach Be-

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Fuß für Fuß zu verteidigen, keiner Kapitula­tion Gehör zu geben, und uns unter den Ruinen zu begraben. Unsere letzte Stunde naht, bk Geschichte wirb uns Gerechtigkeit widerfahren lassen."

Das stille unb traurige Missolonghi meld nur am Stranbe burch bk Fischerflotte ein einigermaßen belebtes Bild dar. Die flachen Inseln im Lagunenmeer, die der Stadt vorge- lagert find, bildeten eine vortreffliche Schutz­wehr auf der Seeseite. Auf dem Inselchen Clissowa erinnert ein Denkmal an die ruhm­reiche Verteidigung dieser Lagune durch den jungen Suliotenhäuptling Kitzos Tzavellas, bet mit wenigen hundert Freiwilligen die Lagune und ihre feste Kapelle gegen die Albanesen Kiutagis und gegen die Sturmversuche der tak­tisch geschulten Äegypter siegreich verteidigte unb schließlich bei einem kühnen Ausfall 12 flache Boote unb 2000 Gewehre eroberte unb dem Feinde in einem bis zur Dunkelheit wah­renden Kampfe einen Verlust von fast 1000 Mann zufügte. ,

Als die Trennungsstunde schlug, nahm ich mit Händedruck von liebenswürdigen Kamera­den Abschied und riß mich nur widerstrebend los von dem traurig-stillen aber erinnetungsvollen Missolonghi.

Am Abend waten rott in Patras, der zweit­größten Stadt Griechenlands, wenn man den Pitaeus zu Athen rechnen will. Patras bat gute Straßen und moderne Hotels ersten Ranges, fein Hafen ist voll Leben, aber dieses moderne Patras hat mich stets gelangweilt, uni) ich ziehe ihm manche kleinere Stadt vor, so z. B. das pittoreske Nauplia. Athen bleibt natürlich das Kleinod Griechenlands unb bas Zentrum des Hellenismus; mit Recht dürfte auch bet moSctne Athener bk Worte des Aristophanes sprechen: O violenbekränzte, du glänzende Stadt, »eid­würdigste, unser Athen bur

itubig. über ben wahren Charakter bet Maß­regelung von Gurtius aufkÜrrte. Hierzu wird pon einem als national bekannten Leipziger Blatte folgendes bemerkt: Daß eine Mißstim­mung des Kaisers gegen Dr. Curtius infolge der Hohenlohememoiren die Schuld an bet Richtein- (ttbung trage, (wie von verschiedenen Blättern behauptet wurde), ist jedenfalls ein Märchen, wie überhaupt die ganze Sache erst von Dt. Cut- (ius befreundeter Seite aufgebauscht und zu 0ner Staatsaktion gemacht worden ist. Nach dieser Darstellung würde die Sache allerdings ein ganz anderes Gesicht bekommen und sich in der Hauptsache als ein, wenn auch scharfer Kon­flikt zwischen dem Statthalter der Reichslande pnd Dt. Curtius darstellen, während bisher die ^reibende Kraft für die Nichteinladung vielfach «in einer höheren Stelle gesucht wurde. Ob itiun Professor Curtius im Juni sein Amt nie­derlegen wird, wie mehrfach gemeldet und dann alsbald widerrufen wurde, oder nicht, erscheint bei Beurteilung desFalles" nebensächlich, uns

wie alle patriottsch empfindenden Deutschen be­rührt es angenehm, daß durch diese Darlegung jene freisinnig - demokratischen Sensationsmel­dungen widerlegt sind, welche in offensichtlicher Tendenz darauf abzielten die Person des Kaisers in die Angelegenheit hineinzuziehen.

Eine andere Angelegenheit, die kürzlich sich ereignet hat und auch in derObeth. Ztg." be­sprochen wurde, ist derFall Naumann". In Bezug auf diesen Fall könnte es scheinen, als ob unser Urteil ein wenig zu scharf gewesen, da, rote nachträglich bekannt geworden, von derLi­beralen Korrespondenz" auf Grund einer Er­klärung T>. Naumanns am Schlüsse des Proto­kolls über die Reichstagssitzung vom 4. d. M. eine Darstellung des Falles verbreitet worden ist, welche ihn in etwas milderem Lichte erscheinen läßt. Hiernach nämlich hat D. Naumann bei der Ledebouraffäre" erst im Augenblicks der Abstimmung den Saal betreten und nut aus Versehen sich bei der Abstimmung von dem Eros seiner freilich nur sehr spärlich ver­tretenen politischen Freunde getrennt. Er hätte, wie die von ihm dazu autorisierte Korrespondenz weiter mitteilt, wenn er sich über die Entstehung des Konflikts zwischen dem Präsidenten und dem sozialdemokratischen Abg. Ledebour ein auf per­sönlicher Wahrnehmung beruhendes Urteil hätte bilden können, für die Auffassung des Präsidenten gestimmt. Dieses offene Zu­geständnis eines begangenenSchnitzers" kann einen Mann, wie Naumann, der überhaupt nicht recht in die Gesellschaft der Börsenschutztruppe hineinpaßt, nur ehren. Auffällig aber unb tadelnswert bleibt immerhin die laxe Art, mit der in diesem Falle der national-soziale Führer seiner Aufgabe als Reichstagsabgeordneter nach­gekommen ist. In einer Frage, über die man nicht ganz genau unterrichtet ist, durch Abgabe seiner Stimme ein unter Umständen entschei­dendes Urteil abzugeben, muß doch jeden recht eigentümlich berühren! Wenn nun aber D. Naumann im Schlußsätze seiner derLi­beralen Korrespondenz" übermittelten Erklä­rung die Bemerkung macht:Die dissentierende Abstimmung einiger anderer freisinniger Mit­glieder dürfte wesentlich durch die Tatsache her­beigeführt worden sein, daß der Abgeordnete Ledebour von der Rechten schwer gereizt worden war," so muß man doch sagen, daß eine solche Betrachtungsweise die wie aus dem Reichs­tagsberichte hervorgeht, durchaus nicht den Tat­sachen entsprach einer Verbeugung vor den Sozis" verzweifelt ähnlich sieht, und daß wir darum so Unrecht nicht hatten, wenn wir unse­rem Bedauern darüber Ausdruck gaben, daß Herr Naumann mit seinen Freunden hier wie­der, wie schon mehrfach in kritischen Augenblicken den Schildhalter beiGenossen" im Kampfe gegen bas Bürgertum gespielt hat.

Marburg

Sonntag, 12. Mai 1907

Vierteljährlicher Bezugspreis; bet oet Expedition 2 Mh, Ty* Jon bet allen Postämtern 2,25 M. «.excl. Bestellgeld).

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600 Mann, um alle Versuche der Türken abzu- weisen. Im Dezember 1823 mußte Mustal bte Belagerung aufheben und sich mit einem Ver­lust von 2000 Mann nach Epirus zurückziehen; vorher vergrub er aber sein Belagerungsge­schütz und schmückte den Platz als einen Türki­schen Kirchhof aus. Die Griechen ließen sich täu­schen unb zeigten mit Stolz auf bie Stelle, wo türkische Bei» begraben sein sollten, aber im Jahre 1825 grub Kiutagi die verborgenen Ge­schütze aus unb oerroenbete sie gegen Misso­longhi.

An unserem Tische erschien nun bet Geistliche der Stadt, ein Epirot, ein stlberlockiger, kleiner Herr mit großen, braunen, melancholisch blicken­den Augen und sympathischen EesichtszLgen; mein Reisegefährte stellte mich als einen echten Philhellenen vor, und unser Verkehr wurde ein sehr herzlicher. Der Geistliche hatte unsere Zeche bezahlt und zum Abschied zog er mich zum Kuß an seine Brust.

Nach flotter Fahrt mit frischen Pferden er­reichten wir Missolonghi und speisten vortreff­lich im Restaurant Karatzoli; es gab ben be­rühmten Seefisch bei Lagunen von Missolonghi, ben Petallia, unb guten Wein von Zanos unb Roche aus Athc«. An langen Tafeln speisten getiennt bie Offiziere bet Garnison unb bk Zivilisten, benn Missolonghi, eine Stabt von annähernd 10 000 Einwohnern, ist bet Sitz ver­schiedener Behörden unb bes Generalkommandos von Westgriechenland.

Die Stadt macht einen melancholischen Ein­druck; die Erinnerungen an den tragischen Un­tergang zur Osterzeit des Jahres 1826 bleiben vorherrschend. Auf dem schattigen Kirchhofe er­hebt sich der hohe Grabhügel, der die Gebeine von Tausenden der Gefallenen unb bet ermorbe- ten Frauen unb Kinder enthält; rühmte sich doch Ibrahim Pascha, daß seine Äegypter allein 3000 Köpfe gesammelt hätten. Daneben befin­det sich das Denkmal für Lord Byron, das Grab

Eine Reise nach Missolunghi, Anatolikon und Aarinion.

Von Boysen, Oberst z. D. W" (Schluß.)

Um von Agrinion durch die berühmte Patz- schlücht, die Klissura, nach Anatolikon und Missolonghi zurückzukehren, mieteten wir für 35 Papierdrachmen einen höbschen Wagen mit munteren, kleinen Pferden. Es wat ein herr­licher Frühlingsmorgen, in dem schönen Laub- iroalbe sangen die Vögel und auf guter Chaussee erreichten wir den See, dessen Oberfläche mit iSeetosen bedeckt war, und dann ging es in die Paßschlucht, die völlig unserem Bodetal im Harz gleicht und sich% Stunden lang bis zum Klo­ster Eleoussa erstreckt.

Da» Kloster hat eine entzückende Lage am Ausgang der Schlucht mit dem Blick auf die grüne Ebene und auf das Lagunenmeer, bas bie Insel mit dem hübschen Städtchen Anatolikon trägt. Wie eine Wasserrose scheint Anatolikon puf dem See zu schwimmen, denn nur zwei lange Brücken verbinden die Stadt mit dem Festlande, bas Trinkwasser wird durchFuhrwerke von den nahen Quellen des Festlandes geholt. «In dem kleinen Casthause des anscheinend wohl­habenden und von 5000 Menschen bewohnten Städtchens fanden wir zahlreiche Gäste. Unser Gespräch drehte sich bald um bie Belagerungen, welche dar heroische Anatolikon im Freiheits­kriege erduldet hat, und deren Einzelheiten mir genau bekannt waren.

-Nach dem Tode des Marcos Botzaris erschien Mustal, Pascha von Skodra (Skutari) im No­vember 1823 vor Anatolikon, zu ihm stieß Omer Vrione mit 4000 Türken, und beide belagerten bie Stadt. Den heutigen Feuerwaffen g«^en- Lber hat Anatolikon gar keinen militärischen Wert, aber damals genügten sechs alte Schiffs- tzeschütze unb bie Tapferkeit einer Besatzung von

Rückblick.

D e r F a l l C u r t i u s" so war ein Kapitel Überschrieben, bas in jüngster Zeit von freisin­nigen unb demokratischen Blättern mit Vorliebe erörtert wurde. Zur Vorgeschichte dieser Ange­legenheit, bie von den Organen obenbezeichnetei Richtung in sensationeller Weise ousgebeutet würbe, ist folgendes zu bemerken. Vor einem halben Jahre erschienen dieDenkwürdigkeiten" pes Fürsten Hohenlohe-Schillingsfürst, und er­regten mit ihrem kläglichen Gemisch von klein­licher Nachrederei und taktlosem Vertrauens- Bruche Unwillen und Empörung. Herausgeber piefes Klatsches, der eine taktlose Unehrerbietig­keit gegen den Kaiser bedeutete, war Ober- jkonsistorialprästdent Curtius, der erste Vertreter per evangel. Landeskirche der Reichslande. Schon dieser ungemein vorgeschobenen Stellung jroegen hätte sich Prof. Curtius von der Heraus- igabe jenes Buches zurückhalten müssen. Er aber scheint bis zuletzt die Auffassung gehabt zu Ha­chen, dem deutschen Volke mit jener kläglichen Veröffentlichung einen besonderen Dienst erwie- jsen zu haben. Als jüngst der Kaiser in bie Reichs- jlande kam, hatte man es selbstverständlich für fbtig gehalten, ihm den Anblick des Herrn Cur- ius zu ersparen. Der Statthalter ließ diesem jmitteikn, daß er nicht, wie sonst üblich, zur Kaisertafel gezogen werden würde. Diesen deut­lichen Wink für Herrn Curtius betrachteten piiiige Herren des Oberkonsistoriums als eine peinliche Zurücksetzung dieser Kirchenbehörde ßelbst und wandten sich mit einer diesbezüglichen Beschwerde an den Statthalter, der sie sehr

des Betzaris und das des braven Schweizer- Philhellenen Mayer. Es finden sich noch Reste früherer Bastionen, aber der modernen Eisen« babnbau ließ die meisten verschwinden. Ein liebenswürdiger Artillerie-Offizier, Herr An- gellopulos, hatte Tische, Stühle und Kaffee un­ter einem schattigen Baurn bereit stellen lassen, und wir verweilten längere Zeit an diesem interessanten Ort. Vor langen Jahrzehnten hatte der berühmte französische Bildhauer Da­vid d'Angers das Grab des edlen Botzaris durch ein Denkmal geschmückt. Er schuf nach der Ee- Stalt seiner geliebten jungen Tochter ihr unbe- leidetes Ebenbild, ein im Kindesalter stehen­des Mädchen, das halb liegend den Namen Botzaris" auf den Erdboden schreibt. Rohe Menschen verstümmelten das reizende Kunst­werk durch Pistolenkugeln und jetzt befindet es sich im Museum der Polytechnischen Schule zu Athen; dort hat es Herr Oberleutnant Niko Kokides für mich photographiert. Auch die alte Druckerpresse des braven Mayer, des Heraus­gebers der Hellenischen Chronik, ist von Misso­longhi in das Museum gekommen. Sein letztes Blatt enthält folgende Worte:Wir sind in die Notwendigkeit versetzt, uns von ben unsaubern- Sen Tieren zu nähren, wir leiden fürchterlich urch Hunger und Durst, unb Krankheiten ver­mehren noch unsere Bedrängnisse; 1740 unserer Gefährten sind bereits gestorben, 100 000 Ku­geln und Bomben haben unsere Häuser unb Bastionen zerstört, es fehlt uns Holz zum Feuer, unb die Kälte setzt uns gewaltig zu. Dennoch Ist es ein schönes Schauspiel, den Eifer unb die Pflichttreue der Besatzung unter so vielen Ent­behrungen zu beobachten. Nur noch wenige läge, unb biese Helben werben körperlose Gei­ster fein! Im Namen unserer braven Trupen, bes Noti Botzaris, bes Diamantopulos und mei­ner klbst, dem die Regierung ben Befehl über ein Detachement anvertraut hat, erkläre ich, baß wir bem Himmel geschworen haben, Missolonghi