eontttaLSb-Uaaer^AUuttrtrt-S S-»EäEit. -
UNd
JV» 110
Vierteljährlicher Bezugspreis: bei sei Expedition 2 MH, bei allen Postämtern 2,25 Mk. (excl. Bestellgeld).
InserttonSgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum iS Pf».
Reclamen: die Zeile 80 Psg.
Marburg
Sonntag, 12. Mai 1907.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag: Joh. Aug.Koch, Univcrsitäts-Buchdruckerei 42. Jahrg.
Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
Erstes Blatt.
' Landwirtschaftliche Unterrichtskurse für Soldaten.
Ein sehr beachtenswertes Mittel, der in vielen Gegenden des Reiches immer mehr um sich greifenden Landflucht wenigstens bei einem «Teil der ländlichen Jugend zu steuern, wurde kürzlich in der Beilage zur „Allgemeinen Zei- tung" von Regierungsrat v. Braun in Augsburg erörtert. Der Verfasser geht von der Tatsache aus, dass die allgemeine Wehrpflicht, so hoch wir sie als unumgängliches Verteidigungsmittel unseres Vaterlandes auch schätzen müssen, doch gerade der Landwirtschaft insofern ein erhebliches Opfer auferlegt, als feststehender- maßcn ein nicht unbeträchtlicher Teil der ländlichen Jugend durch sie der Scholle entfremdet und an das städtische Leben mit seinen Versuchungen und scheinbaren Vorteilen gewöhnt wird, so daß der größte Teil dieser jungen Männer bei der Entlassung nicht mehr den Weg in die Heimat zurückfindet, sondern einen oft noch so armseligen städtischen Dienst dem auf die Dauer so unendlich segensreicheren Leben in dem heimatlichen Dorfe vorzieht. Diese Tatsache hält indessen v. Braun, der in erfreulicher Weise gegenüber den städtischen Künsten der Brentano und Genossen die Ueberlegenheit der ländlichen Lebensweise für Volksgesundheit und Heerestauglichkeit hervorhebt, für sehr bedauerlich, und hält cs vielmehr sowohl im Jnteresie dieser jungen Leute selbst, als der Landwirtschaft überhaupt für erforderlich, durch geeignete Mittel dieser Neigung der Heeresentlassenen zum Verbleiben in der Stadt zu steuern und ihnen die Liebe zum ländlichen Beruf zu erhalten. Als besonders wertvoll in dieser Hinsicht empfiehlt er die Abhaltung freiwilliger landwirtschaftlicher llnterrichtskurse in den Garnisonen für die aus landwirtschaftlichen Kreisen stammenden Soldaten, die in Deutschland bisher noch wenig bekannt, in anderen Ländern aber, so besonders in Frankreich, Belgien, Dänemark und Italien, bereits seit längerer Zeit und mit bestem Erfolg (?) eingeführt sind. In Belgien bestehen solche llnterrichtskurse schon seit 1890; in Frankreich hat man seit 1900 landwirtschaftliche llnterrichtskurse zuerst nur für den Winter, seit 1902 aber teilweise auch für den Sommer eingerichtet und zugleich mit praktischen Versuchen verbunden. In ähnlicher Weise ist man in Dänemark vorgegangen; am weitesten aber ist dies landwirtschaftliche Unterrichtswesen für Soldaten in Italien entwickelt, wo nach einer Statistik von 1906 in 220 Garnisonen Unterrichtskurse dieser Art eingerichtet und von nicht weniger als 45 000 Soldaten be-
85 lNachvruck verboten.),
In der Schule des Leidens.
/ Roman aus dem New-Yorker Leben '7' E von Erich Friesen.
(Fortsetzung.)
... Durch den Wortwechsel entsteht eine kleine Stauung in der langsam sich fortbewegenden Menschcnschlange.
Aergerlich befiehlt eine der wachthabenden Wärterinnen, Ordnung zu halten.
Schon spazieren die Paare wieder gleichmäßig im Kreis herum ....
„Sie da!" wispert Felicies neue Begleiterin ihr ins Ohr. „Hüten Sie sich vor Liddy John- foy! Die ist eine gefährliche Sorte. Spioniert erst überall herum und verklatscht dann bei den Wärterinnen. Wir alle können sie nicht leiden; aber wir tun, was sie will, weil wir sie fürchten. Sehen Sie nur ihre bösartigen Augen an!"
„Weshalb ist sie hier?"
: „Sie hat ihren Mann vergiftet. Zuerst kriegte sie Todesstrafe. Wurde dann zu lebenslänglichem Zuchthaus begnadigt. Sehen Sie das große L auf ihrem Kleid? Das bedeutet „lebenslänglich" .... Mir scheint. Sie sind gerade das Gegenteil von Liddy Johnson. Sie sehen freundlich und lieb aus. Und auch nicht einmal sehr traurig!"
Unwillkürlich lächelt Felicie ein wenig.
„O, ich habe etwas, was mich sehr, sehr glücklich macht!"
„So? Was denn?"
„Ein Kind — einen süßen, kleinen Engel!" Wie alt ist Ihr Kind?"
„Fünf Monate."
„So wurde es drüben geboren, in —"
„In Brooklyn — im Gefängnis."
„Wirklich? Und es tut Ihnen nicht ein bißchen leib, daß Sie sich von ihm trennen mußten?"
Wieder lächelt Felicie.
„Es war ja nur für wenig Stunden. Heute Abend hab' ich ihn wieder!"^ -
sucht wurden;, für diese Lehrzwecke sind nicht weniger als 100 eigene Versuchsfelder zur Verfügung gestellt worden und 500 Landwirtschaftslehrer nebenamtlich tätig. In Deutschland dagegen ist man für's Erste trotz wiederholter Bemühungen von feiten ifet berufenen landwirtschaftlichen Körperschaften in dieser Beziehung noch nicht über schüchterne Versuche hinausge- kommen; vor allem bringt, wie es scheint, unsere Heeresverwaltung dieser wohltätigen Neuerung aus dem Grunde ein gewisses Mißtrauen entgegen, weil sie angesichts bei großen Ansprüche, bie schon bnrch bie zweijährige Dienstzeit an Körper unb Geist ber Solbaten gestellt werden, eine noch weitere Belastung durch Unterrichtsgänge dieser Art für ein gewagtes Unternehmen ansieht. Diese Befürchtung hält jedoch v. Braun für irrig, da einerseits bei der Freiwilligkeit dieser Kurse die Teilnahme daran nicht als Last empfunden werde, andererseits aber die Beschaffung mit dem dem früheren Beruf des Soldaten entnommenen Lernstoff nach der Eintönigkeit des Dienstes eher unterhaltend und erfrischend als ermüdend wirke. Die Zeit für diesen Unterricht zu gewinnen, werde trotz der konzentrierteren Ausbildung von heute sehr wohl möglich sein, und wenn diese etwa dem Wirtshausbesuch von feiten der Mannschaften entzogen würde, so könne das sicherlich nicht als ein Schaden betrachtet werden. Der Verfasier braucht sich indessen zur Empfehlung seines Vorschlages nicht auf theoretische Darlegungen zu beschränken, sondern kann erfreulicherweise aus der Praxis über die Möglichkeit, solche landwirtschaftlichen Unterrichtskurse für Soldaten auch bei uns einzurichten, und die guten Erfolge dieser Neuerung berichten. Seit Beginn dieses Jahres ist nämlich, wie er mitteilt, auf Veranlasiung der bayrischen Regierung in Augsburg ein Versuch mit solchen Unterrichtskursen bei dem dort stehenden Kavallerieregiment gemacht worden, das wegen der dreijährigen Dienstzeit seiner Soldaten sich dafür am besten eignet. Es werden dort durch den Vorstand der Augsburger landwirtschaftlichen Winterschule zweimal wöchentlich in den Abendstunden an die vom Lande kommenden Mannschaften des zweiten und dritten Jahrganges Vorträge landwirtschaftlichen Inhalts gehalten, deren Hauptzweck die Weckung bezw. Wacherhaltung des Interesses am landwirtschaftlichen Beruf und die Hervorhebung der Vorteile desselben gegenüber den städtischen Erwerbsgelegenheiten bildet. Zu diesem Vortragskurs, dessen Besuch völlig freiwillig ist, haben sich über 40 Soldaten gemeldet, die mit Freude die Gelegenheit ergreifen, ihre Beziehungen zu dem Beruf, dem sie entstammen, aufrecht zu erhalten. Es ist ferner beabsichtigt, den Teilnehmern an diesen Kursen, soweit sie nicht zur Bewirtschaftung des väterlichen Gutes in die Heimat zurückkehren oder sonst dort in Arbeit treten, noch vor der Entlassung landwirtschaftliche Stellungen zu vermitteln, damit
Polly hüstelt.
,Hm, wer hat Ihnen das gesagt?"
„Frau Davis, die Hausmutter in Brooklyn . . . Warum sehen Sie mich so eigentümlich an?"
„Weil Sie mir leid tun. Kleine. Sie sind zu gut für's Zuchthaus; Sie gehören nicht hierher. Die Hausmutter hat Sie belogen."
„Wie?"
„Sie werden Ihr Kind nicht wiedersehen!" „Was sagen Sie?" schreit Felicie auf. „Halten Sie mich! Meine Füße versagen mir den Dienst. Was sagten Sie soeben?"
„Sie werden Ihr Kind nicht Wiedersehen, bis Sie aus dem Gefängnis entlassen sind, arme Frau!"
Ein markerschütternder Schrei . . .
Ohnmächtig gleitet Felicie zu Boden.
XXI.
Die plötzliche Ohnmacht der Gefangenen Barrington erregt kein besonderes Aussehen.
In Gefängnissen, zumal in Frauengefängnissen, ist man an so etwas gewöhnt. Die Gefangenen fingieren alle Arten von Krankheiten — entweder, um Aufmerksamkeit zu erregen, oder um in die Krankenabteilung zu kommen, wo sowohl Essen wie Behandlung besser sind.
Einen solchen Trick vermutet man auch heute.
Schweigend eilen zwei Wärterinnen herbei, fassen die OhnrEchtige unter die Arme und schleppen sie in ihre Zelle.
Bald öffnet Felicie die Augen.
„Trinken Sie!" befiehlt die eine der Wärterinnen kurz, ihr den Wasserkrug an die Lippen haltend. „Sie scheinen von der Reise ermüdet zu fein. Sehen nicht besonders kräftig aus. Legen Sie sich nieder! Ich bin gleich wieder da."
Felicie blickt sinnend um sich. Sie begreift noch nicht gleich —
Plötzlich kehrt ihr die Erinnerung zurück. Oh —! "
„Gehen Sie nicht fort! Bleiben Sie!“ fleht sie angstvoll, die Wärterin am Kleide zurückhaltend. „Um Eytteswillen sagen Sie mk
nicht die meist unter dem Zeichen erhöhten Al- koholgenuffes stehneden Tage der Entlastung mit der dadurch bedingten Notwendigkeit, sofort Verdienst zu suchen, die Leute doch alsbald nach der nächsten Arbeitsgelegenheit in der Stadt führen und so den Zweck der ganzen Einrichtung vereiteln. Sicherlich ist das Mittel, das hier Regierungsrat v. Braun vorschlägt, nur ein kleines unter jenen, die heute der Landwirtschaft Nutzen zu bringen und sie lebenskräftig zu erhalten bestimmt sind; aber wenn es dadurch auch nur gelingt, einen Teil der Bauernsöhne, bie sonst bet Abwanderung in die Großstädte verfallen würden und dadurch für sich und ihre Nachkommen allen Gefahren der Proletarisierung ausgesetzt werden, der landwirtschaftlichen Arbeit und Verufszugehörigkeit zu erhalten, so bedeutet das schon einen großen Gewinn, unb es ist daher sicherlich an ber Zeit, daß die Einführung der dargelegten Einrichtungen von den maßgebenden Vertretungen der Landwirtschaft an zuständiger Stelle mit allem Nachdruck für alle Teile des deutschen Reiches gefordert wird.
Deutsches Reich.
— Gesetze über die Pensionierung und die Hinterbliebenenversorgung der Reichsbeamten. Berlin, 8. Mai Die Reichstagskommission hat an den ihr überwiesenen Gesetzen über die Pensionierung ber Reichsbeamten unb bie Versorgung ihrer Hinterbliebenen wenig g e- änderi. Das Hinterbliebenengesetz soll nut rilckwirkenbe Kraft für biejenigen Witwen von Kriegsteilnehmern haben, deren Ehe schon zur Zeit des Krieges bestand. Die übrigen Kommisfionsbeschliiste sind von unwesentlicher Bedeutung.
— Zwanzig Mark Diäten und Freifahrt werden in einem Gesetzentwürfe gefordert werden, den sämtliche Parteien des Abgeordnetenhauses gegenwärtig vorbereiten. Der Entwurf will an Stelle der jetzigen festen Tagesdiäten von fünfzehn Mark An- wesenheitsgelder von zwanzig Mark täglich, nach dem Muster der im Reichstage bestehenden Anwesenheitsgelder, eingeführt sehen; außerdem wird er die Gewährung freier Eisenbahnfahrt während der ganzen Dauer der Session, also auch während der Vertagung, fordern. Jetzt haben die SJlitglieber de sAbgeordneten- hauses nur Reiseentschädigung beim Beginn und beim Schluß bet Session für die Reise zwischen ihrem Wohnsitz und Berlin. Diese Forderungen wurden schon seit längerer Zeit geltend gemacht, nur die konservative Partei verhielt sich bisher ablehnend gegen diese Bestrebungen. Nackdem auch sie jetzt ihre ablehnende Haltung aufgegeben hat, besteht unter sämtlichen Parteien Einigkeit in dieser Frage. Der Finanzminister hat bereits fein Einverständnis mit ber Gewährung einer Pauschalsumme von 3000 M
die Wahrheit? Die Frau da unten im Hof irrt sich, nicht wahr?"
Die Wärterin zuckt die Achseln.
Ich weiß nicht, wovon Sie sprechen. Was wollen Sie? Schnell! Ich habe keine Zeit."
„Die Hausmutter in Brooklyn versprach mit, daß ich mein Kind heute Abend hier haben würde, und die Frau da unten —“
„— sagt das Gegenteil, wie?"
Ja."
"llnb deshalb wurden Sie ohnmächtig?"
Ja Es war ein schlechter Spatz, mich so zu erschrecken. Ist mein Kind schon da?"
Unwillkürlich fährt die Wärterin sich mit dem Handrücken über die Augen.
„Armes Ding? Die Frau unten hat Recht; Kinder dürfen nicht nach dem Hauptgefängnis gebracht werden. Die Hausmutter drüben in Brooklyn meinte es gewiß gut, wenn sie Ihnen die Unwahrheit sagte. Eie scheinen zu der gefühlvollen Sorte zu gehören — schlimme Sache hier im Gefängnis."
„Ich danke Ihnen?"
Felicies Stimme klingt vollkommen ruhig.
Die Wärterin wendet sich zum Gehen.
„Kann ich noch etwas für Sie tun?"
„Nein, danke."
Felicie ist allein in ihrer Zelle.
In der folgenden Nacht erschallen aus Zelle 301 ganz eigentümliche Töne . . .
Die benachbarten Gefangenen heben den Kopf von dem harten Pfiihl und lauschen . . .
„Schlaf, Kindchen, schlaf!"
Eine Welt von Liebe und Zärtlichkeit spricht aus den leise verhauchenden Tönen. Die Frauen ringsum, zum größten Teil schwere Verbrecherinnen, sehen ihre unschuldige Jugend wieder vor ihrem geistigen Auge erstehen. Sie sehen sich zu Füßen der Mutter, die ihnen traute Märchen erzählt, die ihre Händchen zum Gebet faltet, die ihnen den Gutenachtkuß auf die reife Kinderstirn drückt,,,,
erklärt mit ber Bedingung, daß wie im Reich« tag Anwesenheitslisten eingeführt mich für jeden ohne Entschuldigung versäumten Sitz« ungstag 20 M abgezogen werden sollen. Da« gegen ist zu der Frage der Gewährung vo< Freifahrkarten auch bei Vertagung des Landl tages noch keine Zustimmung der Regierung epi folgt; indessen, bemertt hierzu die „lägt Rundschau", ist es unwahrscheinlich, daß bi( preußische Regierung ihr Parlament auf di( Dauer schlechter behandeln wird, wie der Bum tat den Reichstag.
— Die Sage in Deutsch-Südwestafrika. Ber« lin, 9. Mai. Das Truppenkommando von Deutsch-Südwestafrika meldet: Die Verfolgung Simon Köppers, der trotz des Versprechens, sich zu unterwerfen, in die Kalahariwüste zurückgekehrt war, ist nach zwei^ maligem Versuch infolge Wassermangels erfolg»' los geblieben. Die Verfolgung wird jedoch zu gegebener Zeit toieberaufgenommeit werben, sobald sich Menschen und Tiere an die Tsamas- frucht (wasserhaltige Kürbisart) gewöhnt haben. Augenblicklich befindet sich Simon Köpper unmittelbar an ber englischen Grenze, wo er Don ben zunächst liegenden Stationsbesatzungeq burdi Kameelreiterpätrouillen beobachtet wird — Mit Teilen ber Anfang Februar 1907 aus« einanbergefprengten Bande des Führers Laim bert fanden am 20., 21. und 24. April erfolg« reiche kleinere Patrouillengefechte statt, in denen der Gegner fünf Tote und eine Anzahl Gefangene verlor. Unsererseits sind Verluste nicht zu verzeichnen. — Der Hottentottenführer Fiek- ling hat sich am 5. April allein gestellt. Ein zu seinem Anhang in den Karras-Bergen entsandter Bote brachte vier Mann ohne Gewehr mit. Auch Morries hat das Unterwerfungsabkommen vom 23. Dezember 1906 unterzeichnet und will auf deutsches Gebiet zurückkehren. Etwa tausend Bondelzwarts befinden sich in den ihnen durch die Friedensbedingungen zugewie- fenen Lokationen. Die Arbeitsamkeit unter den Hottentotten nimmt zu.
Ausland.
— Die britische Reichskonserenz. London, 9. Mai. In ber gestrigen Sitzung der Reichs- konferenz betonte bet Unterstaatssekretär bei Kolonien Churchill bie ungeheuren Schwierig, feiten, bie bet Bewilligung einer Vorzugsbe- hanblung ber Kolonien entgegenständen. Di« Regierung fei bet Ansicht, daß das System bet Vorzugsbehandlung an sich verfehlt und für den einträchtigen Zusammenhalt bes Reiches gefährlich sei. Der australische Premierminister Deakin führte bagegen aus, bie Befürchtungen Churchills seien zum größten Teile nut eingebildet. Kolonialsekteiät Gart of Elgin erklärte, bie Regierung sei außer Stande, einer Neube- kräftigung ter in dieser Frage auf ber letzten
Was Not und Entbehrung, was jahrelang« Zuchthausstrafe, was eindringliche Ermahnungen und Drohungen nicht fertig brachten — diese süße Stimme vermag es: Reue, schmerz- liche Reue durchbebt die Hetzen bet Verbreche- rinnen ringsum, Reue über ein verfehltes Le- ben, welches, ehedem treu behütet von sorgen- ben Mutteraugen, nun imZuchthau s enden soll.
Und sie meinen, meinen, meinen, die Armen. Und manche Hände falten sich unb manche Lippen murmeln stille Gebete. .
Und in manch verstocktes Herz zieht bet Friebe ein . . .
Früh am nächsten Morgen ofnet die Wärterin bie Klappe ber Eisentür von Zelle 301.
Leichten Schrittes schwebt eine weiße Gestalt in bem kleinen Raum hin unb her. Sie wiegt ihr Kopfkissen in den Armen, es von Zeit zu Zeit an ihre Brust drückend.
Beim Eintritt der Wärterin legt sie den Finger an den Mund.
„Pst? Sttll? Ganz still! Mein Kind schlaft. Pst! Nicht sprechen? Sehen Sie, ich hab's doch noch bekommen, obgleich man rnit's nicht geben wollte. Am Tag versteckt' ich«; aber nachts, da gehört es mir!"
Leise lacht sie auf — leise und hell, gleich bem Lachen eines Kindes.
Eisigkalt überläuft es bie Wärterin.
Jetzt legt bie weiße Gestalt das Kissen aufs Lager nieder und deckt es sorgsam mit der groben Wolldecke zu.
„So, mein Liebling? Schlafe! Du bist wieder bei mir; nichts soll dich mir wieder entreißen. Die Mutterliebe überwindet alles!"
Triumphierend jauchzt sie die letzten Wort« heraus. Dann hebt sie beide Hände Über den Kopf unb beginnt zu tanzen — erst langfaiG wiegend . . . zuletzt in wahnsinniger Eile sich, um sich selbst drehend, dabei hie und da abge* rissens Worte murmelnd ober wild auflachend..
(Fortsetzung folgt.)