mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
Lonntaasbeilaaer AlluktrtrteS So««taa-blatt. '
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Marburg
Sonnabend, 11. Mai 1907.
Erscheint wüchtntlich siebe» mal.
Druck und Verlag« Joh. Slug. Koch, UniversitätS-Buchdruckerei 42. Jayrg. Marburg, Markt 21. — Telephon 55,
fingen werde. (Zustimmung.) Abg. Stadttat Ruetz bemerkt, daß durch die Vorlage einmal dem Raummangel der Landesbibliothek abgeholfen und zugleich die Schaffung eines Landesmuseums ermöglicht werde. Museumsdirektor Dr. Döhlau gab zur Vorlage einige Erläuterungen. Auch er betrachtet die Errichtung eines hessischen Landesmuseums als eine Ehrenpflicht der Hessen. Nachdem Landeshauptmann Frhr. Riedesel zu Eisenbach und Landrat v. Keudell zu dem Museumsplan gesprochen, wurde die Vorlage einstimmig angenommen.
Cassel, 8. Mai. Der Kreistag des Landkreises Cassel beschloss zu den Kosten der Erbauung einer Brücke über die Fulda bei Dennhausen und zur Herstellung der erforderlichen Zu- fuhrstrahen einen Beitrag aus Kreismitteln in Höhe bis zu M 35 000 zu bewilligen, mit der Massgabe, dass diese Summe sich in dem Masse verringert, als die wirklichen Kosten der Brücke hinter dem auf <4t 200 000 festgesetzten Voranschlag zurückbleiben.
Weilburg, 6. Mai. Einige Radfahrer von hier kamen von Hattersheim und kreuzten vor dem Orte ein Automobil. Dabei wich der 20- jährige Maurer Krell nach der verkehrteit Seite aus, sodass das Auto ihn erfasste. Dem Unglücklichen drangen die Speichen des eigenen Rades dermassen in die Brust, dass ihm der ganze Brustkorb eingedrückt wurde. Das Auto war von zwei Aerzten besetzt. Dieselben nahmen den Ueberfahrenen sofort mit nach Höchst ins Krankenhaus. Dort ist er im Laufe der Nacht gestorben.
Frankfurt o. M., 8. Mai. In der letzten Nacht gegen 4 Uhr machte der Lokomotivführer eines Eüterzuqes, der gerade die Staatseisenbahnbrücke passiert hatte, auf dem Hauptbähn- hof die Mitteilung, dass er auf der Brücke zwischen den Geleisen einen menschlichen Körper gesehen habe. Die Brücke wurde sofort abgesucht und man fand ungefähr in der Mitte in dem linken Geleise die vollständig zerstückelte Leiche des 27 Jahre alten Brückenwärters Hern- rich Dämel, der in schrecklicher Weise verunglückt ist. Er war seit gestern Abend 6 Uhr im Dienst und hatte die Brücke zu patroullieren. Nach dem Befund kann man mit Bestimmtheit annehmen, dass er nach 3 Uhr nachts beim Passieren der Brücke mit dem einen Bein in der Schiene hängen blieb und von dem um diese Zeit einge- gangen.-n Orient-Eppretzzug Ostende-Wien erfasst utü getötet wurde. Das Bein stak noch in den Schienen, die übrigen Körperteile fand man etwa 150 Meter davon entfernt.
Wiesbaden, 6, Mai. Ein ca. 40 Jaber alter Mann, welcher aus der Niederwaldstrasse kam und die Schiersteinerstrasse überschreiten wollte, wurde beim Passieren der Strasse von einem nach der Jnfanteriekaserne fahrenden Motorwagen der elektrischen Bahn, den er anscheinend ,richt hatte kommen selten, erfasst und mit voller Wucht zu Boden geschleudert, wobei er schwere Verletzungen am Kopf und zwar besonders an der rechten Kopfseite erlitt. In bewusstlosem Zustande wurde der Verletzte nach dem in der Nahe befindlichen Paulinenstift gebracht, wo er nach kurzer Zeit, ohne das Bewusstsein wieder erlangt zu haben, starb. Die Identität des Verunglückten konnte bis jetzt nicht festgestellt werden, da keinerlei Papiere bei ihm gefunden wurden welche hierüber Auskunft gaben..
Hachenburg, 6. Mai. In der vergangenen Nacht gegen 10 Uhr brannte in Willingen Wohnhaus und Scheune des Hermann Schorn bis auf den Boden nieder.
Nerlos, 6. Mai. Ein hiesiger Einwohner wollte ein kleines, vor seinem Besitztum gelegenes Gemeindegrundstück von zirka 30—40 Quadratmeter Grösse kaufen, um dasselbe bebauen zu können. Bei der öffentlichen Versteigerung wurde aber von einem Nachbar, mit dem ersterer nicht auf gutem Fuss steht, der Preis der kleinen Fläche so kolossal in die Höhe getrieben, dass schliesslich 51 M pro Oua- dratmeter erzielt wurden, ein Preis, wie er stlbst für Städte eine Seltenheit sein dürste.
Laasphe, 7. Mai. Das Konsistorium zu Münster hat die Wahl des Herrn Pfarrer Adams zum ersten Pfarrer, sowie diejenige des Herrn Pfarrers Stein zu Rödgen zum zweiten Pfarrer der Gemeinde Laasphe bestätigt.
Wissenschaft. Kunst und Leben.
# Die neue afrikanisch« Forschungsreise des Herzogs Adolf Friedrich wurde jüngst in der Maifitzung der Berliner Gesellschaft für Erdkunde vom Geh. Rat Prof. Dr. Hellmann erwähnt. Mit hoher Befriedigung gedachte Professor Hellmann der Tatsache, dass Herzog Friedrich zu Mecklenburg, begleitet von einer stattlichen Schar von Offizieren und Fachgelehrten, eine grosse Reise durch Astika unternehmen will. Die eigentliche Forschungsreise beginnt in Bu- koba. Zunächst wird die Nordwestecke unseres ostafrikanischen Schutzgebiets erforscht. Es ist in Aussicht genommen, nicht nur das Gebiet des Kivu-Sees, sondern auch daq des Ruvenzori -u
Zweites Blatt.
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Hessen-Nassau und Nachbargebiete.
Cassel, 8. Mai. Wie schon kurz gemeldet, hat sber Kommunallandtag für Kurhessen der Er- jkichtung eines hessisches Landesmuseums in Cassel zugestimmt, lieber die diesbezüglichen Verhandlungen entnehmen wie der „Caff. Allg. Ztg." folgendes: Abg. Geh. Oberregierungsrat Dr. Steinmetz-Marburg begründet die Vorlage !und betont, die Errichtung eines Landes- Musoums bedeute eine Aufgabe von so hoher Idealität, dass die Kürze der aktenmähigen Vorbereitungszeit — seit 1903 — Wunder nehmen könnte, wenn die Erklärung nicht in der Er- Deumnis läge, dass mancherlei Bedürfnisse verschiedener Art seit langer Zeit so deutlich auf dieses Ziel hin herangereift waren, dass Ereignisse der letzten Jahre alle beteiligten Faktoren ^schnell über das allein richtige Mittel der Beförderung sich einig werden liessen. Wie einesteils für das Gebiet des ehemaligen Kurfürstentums Hessens die Errichtung eines Landes- Museums mit erweiterten Zwecken an sich höchst erstrebenswert erscheint, so mussten andererseits die bisherigen Mängel eines solchen umso fühlbarer hervortreten, als eine auch nur flüchtige Umschau lehrte, was dagegen die Nachbargebiete sHessen-Darmstadt) zurHebung des Kunst- gewerbes in jüngster Zeit getan haben. Das nunmehr hier zu errichtende Landesmuseum solle dem lebenden Geschlechte das Beste aus der hessischen Vergangenheit vor Augen führen und «s über die Grundlagen seiner heutigen kulturellen. Existenz zur Klarheit bringen, wie es auch die patriotische Freude an dem gegenwärtigen Besitz beleben solle. Wahrlich ein hoher Zweck, zu dessen Verwirklichung beizutragen. Staat, Stadt und Bezirk sich zur Ehre rechnen Müssen. Der Redner geht hieraus näher auf die Vorlage ein und bemerkt dann weiter, dass sich unsere Landesbibliothek seit langer Zeit in räumlicher Bedrängnis befinde und obwohl mehrfach im Laufe der Zeit teilweise Abhilfen durch Erweiterung gewährt seien, werde von der Direktion der Landesbibliothek der Wunsch nach Errichtung eines neuen Bibliothekgebäudes festaehalten. Bei der abschreckenden Höhe einer solchen Ausgabe müsse indessen der sich bietende Ausweg wenigstens als Versuch begrüßt werden, mit der Hinzufügung des aus den Verfassungskümpfen des Jahres 1831 dem Kurfürstlichen Fideikommiss und dem heutigen preussischen Staate zugewachsenen Erdgeschoss des Museum Fridericianum auszureichen, als der ideellen Hälfte des ganzen Gebäudes, welche vom Staate dem Bezirksverbande für einen Erwerbspreis von 200 000 cW angeboten wird., Da' der Landcsausschuss die Angemessenheit dieses Kanforeiies gevrüit hat und mit Entschiedenheit bestätigt, so könne sich auch wohl der Kom- munallandtag an dieser Prüfung genügen lassen und dem angebotenen Erwerb zustimmen. Dadurch werde der Bezirksverband Herr des ganzen Gebäudes des bisherigen Museum Fridcri- cianunt werden und seiner Landesbibliothek die sehr notwendige Ausdehnung der Magazinräume geben können. Freilich würden dadurch auch die bisherigen lluterhaltungskosten steigen. Der Redner berichtet weiter, wie sich die Vorlage der zweiteir von der Staatsregierung gestellten Bedingung gegenüber verhalten: dass nämlich die Stadt Cassel und der Vezirksoer- band oder einer dieier beiden Faktoren die.Hälfte der künrtigen Unterhaltungskosten übernehmen solle. Wenn auch zugegeben sei, dass der Staat nicht verofttchtet sei, ein Landesmuseum zu errichten, dessen Ausgabe über die bisherigen der Museen weit hinausaeht, so lasse sich doch -auch andererseits eine Vervfichtung des Be- 'zirksverbandes. für die Hälfte der Unterhal- lungskosten allein oder zusammen mit der Stadt einzutreten. nickt begründen. Aus den sich ergebenden Vorteilen, die das Kunstwerk nicht nur in der Stadt Cassel, sondern aus dem ganzen Bezirk durch das Museum geniessen soll, rechtfertigte sich allerdings die Uebetnahme "eines gewissen Teiles von der Hälfte der auf jährlich 36 000 veranschlagten Unterhaltungskosten auf den Bezirk, indessen nur des gerin- geren, weil die Stadt Cassel das grössere Interesse habe. Falls also die Stadt Cassel sich bereit finden lasse, die Hälfte der Unterhaltungskosten 'mit 18000 -tt zu übernehmen, so soll nach der Vorlage der B^irksverband ihr eine jährliche Beihülfe von 3200 zusagen, während der bereits jetzt zur Förderung künstlerischer Zwecke der hiesigen Gewerbehalle gewährte Jahreszuschuss von 800 in Kraft bleiben soll. Der Redner befürwortet diesen Vorschlag. Der hoffentlich zusagende Beschluss des Kommunalland- kages werde den idealen Standpunkt in einem Masse starken, dass, wie vertraut werden dürfe, auch über gewisse noch schwebende Differenzen bezüglich Vereinigung der einzelnen Eammlun- jWtt oder deren Teile schnell eine Einigung ge-
bereisen. Dann soll das Kongogebiet ausgesucht werden, dessen Erforschung als Nachbarland unserer Kolonie für uns von hohem Interesse ist. Hierauf gedenkt der Herzog nordwärts durch die Urwaldzone amAequator zum Uelle (Ubängi) vorzudringen, wo Schweinfurth und Junker seinerzeit gearbeitet haben, lleber die weitere Fortsetzung der Reise liegt noch kein Beschluss vor. Prof. Hellmann hält es für ratsam, durch Französisch-Kongo hindurch nach Kamerun zu ziehen. — Mit dem beabsichtigten Besuch des Kongostaates steht eine Besprechung im Zusammenhang, die der Herzog mit König Leopold in Brüssel hatte.
Vermischtes.
Klondyke. Das Goldfeld von Klondyke hat jetzt durch die Geologische Landesuntersuchung von Canada eine gründliche Erforschung erfahren. Von allen Gebieten, die einmal ein regelrechtes Goldfieber hervorgerufen haben, ist Klondyke das modernste. Die Macht des Goldes hatte sich kaum je zuvor so zwingend offenbart wie in diesem Fall, als auf die Kunde der Entdeckung grosser Goldschätze Tausende von Abenteurern in die furchtbarste Wüste im nördlichsten Amerika eilten, um dort teils gewaltige Reichtümer zu sammeln, zu viel grösserem Teil aber elend unter den Unbilden eines Klimas von unerhörter Rauheit zugrunde zu gehen. Seitdem ist es in Klondyke viel ruhiger geworden und man hött auch nur noch selten von diesem Goldlande, obgleich doch erst wenige Jahre seit seiner Entdeckung verstrichen sind. Die Entwickelung scheint, nachdem das eigentliche Goldfieber sich gelegt hatte, eine recht verständige gewesen zu fein. Es sind vortreffliche Wege angelegt worden, eine Eisenbahn über den Weissen Pass ist vollendet, und die Hauptstadt Dawson-City ist jetzt von Vancouver aus in weniger als einer Woche zu erreichen. Wie die Geologen jetzt fest- gestellt haben, sind die goldführenden Quarzadern in dem grössten Teil des Gebiets in Schie- ferlagsr eingeschlossen, die ursprünglich vulkanischer Natur sipd. Für den Goldbergbau am wichtigsten aber sind die Sande, die von den Flüssen aus diesen Gesteinsschichten bereitet worden find, übrigens aus jugendlicher Zeit stammen müssen, weil sie außer Mammuthknochen auch die Neste vieler noch heute lebender nordi-- scher Tiere enthalten. Die Verwitterung der Felsen muß in jenem Gebiet eine ungeheure gewesen fein, weil nur so die gewaltige Ausbreitung goldhaltiger Kiese zu erklären ist. Die Quarzadern, die das Gold führen, sind übrigens viel jünger als die von ihnen durchsetzten Schiefer. Der Bergbau ist überall dadurch erschwert, dass die Oberflächenschicht des Bodens das ganze Jahr über gefroren bleibt, und zwar bis zu einer Tiefe von 20 bis 60 Metern. Im Sommer kauen die Sandlager, die nickt von Moos oder anderen niederen Pflanzen geschützt sind, bis zu einer Tiefe von 2 bis 3 Metern auf. Die wichtigste Frage für die Zukunft von Klondyke besteht selbstverständlich darin, wie lange die dortigen Goldfelder aushalten werden. Das ist nun freilich schwer zu sagen. Wie schon erwähnt, ist die Ausdehnung goldhaltiger Sande, und die Verbreitung anstehender Goldadern eine ungewöhnlich grosse. Die Möglichkeit ihrer Verwertung aber wird durch viele Umstände bedingt und erschwert. Bis jetzt hat Klondyke ungefähr 34 Millionen Mark Gold jährlich geliefert, während alle anderen Goldfelder von Canada nur etwa 25 Millionen gebracht haben. Im Jahre 1896, ehe mit der Ausbeutung dieses Gebietes begonnen wurde, hatte ganz Canada eine jährliche Golderzeugung von nur 11 bis 12 Millionen Mark, und im Jahre 1898 war sie bereits auf 46 und im Jahre 1900 auf 102 Millionen Mark gestiegen. Damit war aber der Höhepuntt auch erreicht, und seitdem ist eine ständige Abnahme des Goldgewinns. namentlich in Klondyke in der Umgebung des Yukon-Flusses, zu verzeichnen gewesen. Im Jahre 1902 betrug die Koldproduktion von Canada nur noch 85 Millionen Mark, 1904 war sie schon auf 65 und im Jahre 1905 gar auf etwa 55 Millionen gesunken. Dafür haben die Beamten der Geologischen Landesuntersuchung im Jahre 1905 in der Umgebung des Tagish-Sees ein neues Feld nutzbarer Mineralien entdeckt, dem möglicherweise eine bedeutende Zukunft bevorsteht, da hier die Quarzadern einen grossen Reichtum an verschiedenen Silbererzen aufweisen. (Cass. Tgbl.)
Los »6m Pneumatik! Ein Ersatz für Pneu- matics, bet auf der Erfindung eines sächsischen Ingenieurs beruht, hat in industriellen Kreisen erhebliches Aufsehen erregt, so dass beispielsweise der Konsul der Vereinigten Staaten in Chemnitz es für angezeigt erachtet Hatz gewisse Ein- zechetten dieser Neuerung seiner Regierung mtt- zutetlen. In der neuen Erfindung wird ein wichtiger Schritt in der Entwicklung der Selbst- ff Wahrer gesehen, indem sie das fundamentale I Problem löst, ein genügend elastisches Rad zu I liefern, das der Umgürtung mit einem Pneu
matikreifen entbehren kann. Das neue Rad wird ganz aus feinstem Stahl hergestellt. Die Speichen sind nicht einfache Radien eines Kreises, wie bei den gewöhnlichen Rädern, sondern stellen volle Durchmesser des Kreises dar, find also Doppelspeichen. Diese bestehen in runden Stäben, die jedoch in der Mitte abgefalcht sind, wo sie mit der Nabe fest verbunden und etwa rechtwinklig um sie herumgebogen find. Die Nabe wird aus zwei dicht aufeinander passenden Teilen gebildet, die jedoch gegen einander um ein Geringes verschiebbar istz Die Folge davon ist, dass bei der Belastung die Speiche, deren Spitze gerade am augenblicklichen Berührungspunkt zwischen dem Radkranz und der Unterlage endet, sich etwas verkürzt, und dass infolgedessen ihr rechtwinkliger Ergänzungsteil um denselben Betrag verlängert wird. Dadurch erhält das Rad für jedenAugenblick eine schwach elliptische Form, an deren Entstehung tn höherem oder geringerem Grade alle Speichen und Felgen teilnehmen. Die Lage der Ellipse innerhalb des Rades ändert sich mit dessen Umdrehung in jedem Augenblick, wie eben dre Belastung von einer Speiche nacheinander auf die folgenden übergeht. Es entsteht also eine fortgesetzte springfederartige Formänderung des Rades die zur Verminderung der Erschütterung beiträgt. Diese Wirkung kann auch gesteigert werden durch Einfügung von festen Gummireifen, die auf einem Luftkissen in der Kehlung des Radkranzes zu liegen kommen. Die bedenklichste Frage bei dieser Erfindung scheint di« Haltbarkeit zu sein, weil Stahl immer einet stetigen, wenn auch langsamen Verschlechterung unterliegt.
Am Telephon. Ein heiteres Telephon-Ee- schichtchen. das den Vorzug hat, wahr zu fein, wird der „Alsf. Oberh. Ztg." aus einer Nachgemeinde berichtet. Einem langst gehegten Wunsche entsprechend, wird bei der dortigen Postagentur auch eine Fernsprechstelle errichtet. Die Leitung ist fix und fertig und kann der Benützung übergeben werden. Es gilt nur noch, den betreffenden Agenten in die Geheimnisse der Fernsprechkunst einzuweihen. Zu diesem Zwecke lässt sich der damit beauftragte Beamte mit einer dem Agenten bekannten Persönlichkeit verbinden, worauf er demselben das Hörrohr übergibt und ihn nun ermuntert, irgend ein Gespräch mit feinem Freunde anzuknüpfen. Kopfschüttelnd mit zitternder Hand führt unter Held nun das Hörrohr an seine Ohrmuschel und guckt mit allen Zeichen der Neugierde, aufs höchste gesvannt und scharfen Auges unentwegt in die Schallmündung. Jedenfalls aber scheinen sich die Erwartungen, die er sich von der Neuerung verspricht, nickt zu erfüllen und so meint er nach kurzer Pause: „Ja, Hannes, aich seh ja naut do’ b'r!“ Tableau!
Der „Sohn bes Hauses". Durch einen Gaunerstreich, der eines komischen Beigeschmacks nicht entbehrt, wurde in Budapest der kgl. ungarische Kämmerer Nikolaus Eseper schwer geschädigt. Während er dienstlich abwesend war, erschien in seiner Wohnung ein eleganter Herr mit einer Reisetasche und fragte den ihn empfangenden, erst seit kurzem angestellten Diener: „Ist Papa zu Hause?" Aus die Frage des Dieners mit wem er die Ehre habe, erzählte der Fremde dass et der Sohn des Kämmerers und jetzt aus dem Auslands zurückgekebrt sei, wo er feit drei Jahren studiert habe. Den Gast tief bekomplimentierend, führte der Diener diesen in dieWohnung des alleinstehenden Kammerers ein wo es sich der junge Herr alsbald bequem machte, sich eine Zigarette ansteckte und zwei Kognaks trank, bei welcher Gelegenheit er auch dem Diener huldvollst einen verabreichte, ehr er ihn verabschiedete. Eine Viertelstunde spater trat der „junge gnädige Herr" mit seiner Handtasche wieder in das Vorzimmer, liess fick Ueber- zieber, Hut und Stock reichen und erklärt^ ct wolle noch einen notwendigen Gang macken: wenn Papa nach Haufe komme, solle man ihm sagen, der „junge gnädige Herr" fei angekom- men und kehre bald zurück. Der Kämmerer kam, nach Haufe, aber er wartet beute noch auf die Rückkehr des Eaftes, um ihn festnehmen zu lassen da er selbstverständlich nicht sein Sohn, sondern ein ebenso geriebener rote frecher Gauner war der während seiner kurzen Abroestn- heit den Sekretär erbrochen und neben einer beträchtlichen Summe auch zahlreiche wertvolle, Schmucksachen mitgenommen hatte.
Eskimo-Brillen. Die Rot macht erfinderisch, und so find die Eskimos, um die Augen gegen Wind Schnee und vor allem gegen die blendende Wirkung des Sonnenstrahls, den Schnee und Eis widerspiegeln, zu schützen, zur Erfindung von Brillen gekommen. Mit diesen Eskimo-Brillen beschäfttgt sich Dr. Pergens im „Zentralblatt für Augenheilkunde" und weiss nicht weniger als vier Formen zu beschreiben. Die eine Art bet Brille, die allerdings anj Kunstlosigkeit wohl nicht S« übertreffen ist, be- steht lediglich aus einem Stück Solaas in seiner Form nach der OberfiLchenoeschaffenheit bet