mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
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Jnserttonsgebühr: die gespaltnreZeile oderoercnRaum 15 Pfg.
Neclamen: die Zeile 80 Pfg.
Marburg
Sonnabend, 11. Mai 1907.
Erscheint wöchentlich sieben «al.
Druck und Verlag: Joh. Ang. Koch, Universitäts-Buchdruckers
Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
42. Jrhrg.
Erstes Blatt.
Äer hat das biMqste Brat?
In gewissen unverbesserlichen Hirnen hat sich die Meinung festgesetzt, daß das billigste Brot „natürlich" in England sei. Alle zahlenmäßig noch so bestimmten Nachweise von der Wir- kuirgslofigkeit mastiger Eetreidezölle auf den Brotpreis sind nicht im Stande, diesen Aberglauben der politischen Presie unserer Demokratie zu entkräften. Um so bezeichnender ist es, daß die wissenschaftlichen, sozialdemokratischen Zeitschriften in den Aufsätzen der Schippel, Calwer, Bernhard u. a. die tatsächliche Sachlage objektiver und unbefangener beurteilen. So vertritt neuerdings Calwer den Satz: Nicht der deutsche, sondern der englische Konsument hat ieinen höheren Brotpreis zu bezahlen. Er sagt zur Begründung:
„Das klingt zunächst unglaublich, pastt auch ganz und gar nicht nicht zu der üblichen Auffassung und wird daher nicht gerne gehört. Tatfachen soll man aber lieber bei Zeiten anerkennen, da sie sich schlietzlich doch Anerkennung erzwingen. Wir wollen nur hier die Beweise anführen, dast der Brotpreis in England höber steht als in Deutschland, dast wir trotz des Zolles billigeres Brot essen als die Engländer. Wir geben nachstehend für vier Stichtage im Jahre 1905 den durchschnittlichen Brotpreis in Groß- britannien, und zwar für vier englische Pfund in Pence:
England und WaleL Schottland Großbritannien
London
1. März 1. Juni
5,27 5,24
6,00 5,77
5,58 5.43
5.68 5.55
1. Sevt. 1. Dez
5,23 5,18
5,80 5.77
5,48 5,39
5.45 5,45
Nach deutschem Geld und Gewicht kostet demnach ein Kilogramm Brot, wenn wir das englische Pfund zu 453 Gramm und den englischen Penny zu 8 Pfg. annehmen, am 1. Dezember in London etwas über 20 Pfg. In England und Wales stellt sich der Durchschnittspreis am 1. Dezember auf annähernd 23 Pfg. Dast in Deutschland der Vrotpreis im Durchschnitt noch tiefer steht, dafür bedarf es wohl keiner weiteren Beweise. Selbst in Berlin stand er 1895 noch unter dem Londoner Preise und war etwa so hoch wie der Durchschnittspreis in England und Wales. Für ganz Deutschland dürfte sich der Durchschnittspreis auf etwa 22 Pfg. pro Kilogramm belaufen. Dieser Unterschied zwischen englischem und deutschem Brotpreis verblüfft zunächst, aber der Grund dieses Unterschiedes ist sehr einleuchtend: der Engländer istt ausschliestlich Weizenbrot, der Deutsche überwiegend Roggenbrot. Roggen steht aber an sich tiefer als Weizen. Dast Weizenbrot qualitativ höher stünde als Roggenbrot, läßt sich nicht behaupten: auch vom Standpunkte der Hygiene sind beide Brotarten mindestens gleichwertig. In Frankreich ist der Brotpreis nicht höher, als in England; selbst im Weizenlande Amerika ist der Weizen- brotpreis nicht viel niedriger als in Deutsch-
84 lNachdruck verboten.)
In der Schule des Leidens.
Roman aus dem Rew-Porker Leben von Erich Friesen.
(Fortsetzung.»
Während der ganzen Prozedur hat Felicie kein Wort gesprochen. Eine der Oberwärterinnen, eine freundlich blickende ältliche Frau, auf welche die ernste Schönheit der jungen Gefangenen Eindruck macht, teilt ihr mit, sie werde dafür sorgen, dast man ihr keine zu schwere Arbeit zuerteile. Auch werde sie es hier insofern angenehmer haben als im Brooklyner Hilfsgefängnis, weil nicht zu Jsolierhaft verurteilt sei. Zwar schlafe sie in ihrer eigenen Zelle und nehme auch ihre Mahlzeiten dort ein; aber sie arbeite in einem großen Saal in Gemeinschaft mit anderen, sie süste in der Kirche zusammen mit den Mitgefangenen und könne während der Freistunden auf dem Gefängnishof mit einer Kameradin, die ihr zuerteilt werde, spazieren gehen. Eie dürfe an den allgemeinen Chorge- sangübungen sowie an den täglichen Unterrichtsstunden teilnehmen. Auch erhalte sie auf Wunsch Bücher zum Lesen. Wenn sie sich ordentlich aufführe, wie ihrem verfeinerten Aussehen nach zu erwarten sei, so gehöre die Zeit von 5 Uhr bis zum Schlafengehen ihr; sie könne dieselbe ganz nach Belieben ausnützen.
Felicie hat anfangs gleichgültig zugehört. Doch als die Wärterin bei Aufzählen des Tagewerkes das Kind gänzlich unerwähnt läßt — da bemächtigt sich ihrer groste Unruhe.
„Wissen Sie, daß ich verheiratet bin?" fragt sie endlich zögernd. „Mein Mann ist ein bedeutender Schauspieler und ich selbst —"
„Sie sind wegen Scheckfälschung hier — ich au«B “ lüttt M» 9Rnrh>r(« ei». . Gebäre« allo
land. Dagegen stellt sich in Rußland das Roggenbrot billiger; aber es ist auf dem Lande auch danach. Wir führen diese Unterschiede einmal wieder an, um die üblichen oberflächlichen Preisvergleichungen zwischen Inland und Ausland in ihrer Unhaltbarkeit darzutun."
Das stimmt natürlich schlecht zu dem Wucherzollgeschrei, mit dem die Sozialdemokratie ihre Massen in Marsch hält. Der Tag wird aber doch kommen, wo der denkende Teil der deutschen Arbeiterschaft dem unerhörten Widerspruch zwischen der objektiven Wahrheit der sozialistischen wissenschaftlichen Forscher und der Ianitscharen- musik der Parteiführer begreifen wird.
Deutscher Reichst«?.
Dem Reichstage lag am Mittwoch zu dem Spezialetat des Reichsschatzamts zunächst ein von Mitgliedern aller Parteien unterzeichneter Antrag vor, der dahin lautete, die zu diesem Etat sowie zum Etat der Zölle und Verbrauchssteuern vorliegenden Resolutionen mit Rücksicht auf die Geschäftslage von der Tagesordnung abzusetzen. Die Heiterkeit des Hauses erregte es dabei mehrmals, als die Abgg. Graf v. Kanitz (kons.), Speck (Zentr.), Ristler lkons.), Dr. Roeficke (V. d. L.) und Graf Car- mer (kons.) ihrem Bedauern über Notwendigkeit der Absetzung der Resolutionen Ausdruck gaben mit der Hoffnung, daß ihre Wünsche im Herbst gleich nach Wiederaufnahme der Sitzungen zur Beratung und Annahme gelangen möchten. Unter großer Heiterkeit des Hauses bedauerten dagegen die Abgg. Wiemer (frs. Vp.) und Singer (Soz.), dast.sie ihre entgegengesetzten Anschauungen zu dem Standpunkte der Abgg. Graf Kanitz und Speck zur Mühlenumsatzsteuer Resolution nicht näher mehr begründen könnten. Beim (Etat des Schatzamts betonten sodann die Abgg. Kirsch (Zentr.) und Cickhosf (frs. Vp.) das Erfordernis rechtzeitiger Neuregelung des Wohnungsgeldzuschusses. Staatssekr. ». Stengel erklärte, die Vorarbeiten über diese Regelung seien bereits so weit gefördert, daß die verbündeten Regierungen ihrer laut Beschluß des Reichstags gesetzlichen Verpflichtung nachkommen werden, die Frage des Wohnungsgeldzuschusses bis zum Jahre 1908 neu zu regeln. Beim Titel: Zuschuß zu den Verwaltungskosten der Universität Straßburg beklagte Abg. Everling (natl.), daß infolge eines Prozesses zwischen der els.-lothr. Regierung und dem Thomasstift in Straßburg über die Zuschußpflicht zur Deckung der Kosten jener Fakultät, für letztere nicht hinreichend gesorgt werde. Els.-Lothr. Geheimrat Halley erwiderte, Abhilfe werde eintreten, sobald in dem Prozesse das Maß der Zuschyßpflicht des Stifts festgesetzt sei. Nach einer kurzen Erklärung des Reichsschatzsekretärs Frhr. v. Stengel der diese Frage als eine zur Zuständigkeit der els.-lothr. Regierung gehörige bezeichnete und einer Rede des Abg. Schrader (frs. Vgg), der
zur gebildeten Klasse. Sogleich beginnt der allgemeine Spaziergang unten im Hof. Ich werde zusehen, daß Ihnen eine ordentliche Partnerin zugeteilt wird. Guten Morgen!"
„Noch einen Augenblick —"
Doch schon fällt die schwere Eisentür krachend hinter ihr ins Schloß. Der Riegel knirscht — Felicie ist wieder allein.
,Zch muß Geduld haben!" seufzt sie in sich hinein. „Nach dem Spaziergang wird man mir das Kind wohl bringen. Hätte ich nur den Mut gefunden, die freundliche Wärterin danach zu fragen! .... Wie hübsch die Zelle ist! Viel geräumiger als in Brooklyn! Und das Fenster ist auch größer. Gewiß wird die Luft meinem Walterchen gut bekommen!"
Felicies Gesicht heitert sich etwas auf. Wohlgefällig blickt sie an ihrem neuen Anzug hinunter. Der kurze Rock und die lose Bluse von dunkelblauem bedruckten Kattun können sich keiner besonderen Kleidsamkeit rühmen — aber Felicie meint, ihrem Walterchen wird gewiß das Muster gefallen. Ihr dickes, schwarzes Haar ist fast gänzlich versteckt unter einer groben weißen Haube — aber Walterchen wird sicher diese vorsündflutliche Mütze Spaß machen.
Noch ganz mit ihren glücklichen Gedanken beschäftigt, wird sie plötzlich durch das Aufknirschen des Eisenriegels an ihrer Zelle aufgeschreckt.
Eine jüngere Wärterin holt sie ab zum täglichen Spaziergang.
Nachdem Felicie einen bienenkorbartigen, groben Strohhut über die weihe Haube gestülpt hat, folgt sie der Wärterin durch Gänge und Hallen über Treppen und Treppchen nach dem großen, quadratenen Hof.
Eine Masse Frauen wandert bereits paarweise um einen umfangreichen runden Rasen- olaü herum, ffitttiae Eekanaene. größtenteils
für die protestantisch-theologische Fakultät eintrat, wurde der Etat des Reichsschatzamts genehmigt. Die Etats der Zölle und Verbrauchssteuern wurden darauf debattelos angenommen. Beim Etat der Maischbottichsteuer meinte Abg. Südekum (Soz.), die Kommission habe durch die Art ihrer Arbeit das Zustandekommen der Novelle noch in dieser Tagung verhindert, dadurch habe man das Gewerbe unnötig beunruhigt. Bei den Reichsstempelabgaben sprach Abg. Graf Kanitz (kons.) die Hoffnung aus, daß die Befreiung der Reichs- und Staatsanleihen vom Stempel werde rückgängig gemacht werden. Auf eine Beschwerde aus Handelskreisen, die Abg. Dove (frs. Vgg.) vortrug, daß bei Sendungen, die in einheitlichem Transport, aber in gebrochenem Perkehr expediert werden, der Frachturkundenftempel zweimal erhoben werde, erwiderte Frhr. v. Stengel, es handele sich hier um einen Wunsch, dem nur Rechnung getragen werden könne im Wege der Aenderung des Gesetzes. Dies könne man jedoch jetzt, wo das Gesetz kaum ein Jahr in Kraft sei, noch nicht tun.
Damit war auch dieser Etat erledigt.
Es folgte dann der Etat für das Süd- we st afrikanische Schutzgebiet.
Abg. Graf Hompesch (Ztr.): Ich habe für meine Partei eine Erklärung abzugeben: nachdem unsere Anträge wegen der Truppenstärke abgelehnt worden sind, haben wir keine Garantie gegen eine dauernde Belastung der Kolonie und des' Reiches mit Ausgaben in einem Umfange, wie sie uns nicht nötig erscheinen. Da wir uns aber nicht der Mißdeutung aussetzen wollen, als wollten wir der Kolonie den nötigen Schutz versagen, so werden wir uns hier der Stimmabgabe enthalten. Abg. Lattmann (w. Vgg.) stellte gegenüber einer Bemerkung Lede- bours in der Budgetkommission fest, daß die Denkschrift des Kolonialdirektors tatsächlich davon spricht, daß an den zweifelhaften und verbrecherischen Elementen bei der Einwanderung tatsächlich das russisch-jüdische Element eine Rolle spiele. Abg. Ledebour (Soz.): Dann wundere ich mich, daß die Kolonialverwaltung sich in Schweigen hüllt. Redner geht dann nochmals auf die Verhältnisse in der Kolonie ein.
Kolonialdirektor Dernburg: Ich will dem Vorredner auf das Gebiet einer allgemeinen Kolonialdebatte heute nicht mehr folgen. Ebensowenig will ich mich in seinen Streit mit Herrn Lattmann mischen. Herr Ledebour sagt: Wir duldeten keine Kritik. Das trifft nicht zu. Eine öffentliche Kritik ist uns nur erwünscht. Selbst eine Kritik des Herrn Ledebour. (Heiterkeit). Aber dagegen muß ich mich doch wenden, als ob, wie Herr Ledebour andeutet, die Kolonialverwaltung Kapitalisten in die Kolonie einführe mit der Aufforderung, sich zu bereichern! Hierfür ist Herr Ledebour den Beweis schuldig geblieben und er wird ihn schuldig bleiben. Falsch ist auch, als ob wir jedermann diskreditierten,
die älteren und kränklichen, sitzen auf hölzernen Bänken ringsum. Hohe Mauern glotzen von allen Seiten auf die öde Szenerie herab.
Die Wärterin geleitet Felicie zu einer andern Gefangenen.
Beide schließen sich der langsam im Kreise herumziehenden Menschenschlange an.
Auf Felicies gespannte Nerven wirkt die körperliche Bewegung b eruhigend. Neugierig betrachtet sie ihre Gefährtin — eine große, wohlgebaute Frau mit stechenden schwarzen Augen und einem grausamen Zug um die fest- geschlossenen Lippen.
Voll Interesse erwidert die Frau den Blick.
„Eie sind heute erst hergekommen?"
Felicie nickt.
„Wie alt sind Sie?"
„Achtzehn Jahre."
Verwundert gleitet de: Blick der Fra« an Felicie hinunter.
„Ich hielt Sie für ein Kind."
„Nein, ich bin verheiratet und Mutter," lautet die indiguierte Entgegnung.
Die Frau lacht.
„Scheinen ein Hitzkopf zu sein. Müssen sich den hier abgewöhnen. Tut nicht gut. Weshalb eingespsrrt?"
„Wegen Scheckfälschung."
„Ah — gehören also zur sogenannten Aristokratie unter uns Gefangenen. Hätt' das nicht geglaubt. Sie sehen nicht klug genug aus für so was."
Ein tiefer Seufzer hebt Felicies Brust.
„Ich hab's aber doch fertig gebracht."
„Hm —! Wieviel haben Sie gekriegt? Fünf oder sechs Jahre?"
„Drei Jahre!"
„Rur drei? Hm —! Wie kam es nur. daß Sie fo wenig kriegen?"
der an der Kolonialverwaltung Kritik übt« Herr Lrdrbs« wirkt überhaupt mehr mit der Macht seiner Phrasen, als mit der Macht seiner Gründe. Er hat sich auch beschwert, daß der Kommandeur in Südwestafrika gegen 1700 Hottentotten nach bet Haifisch-Insel hat bringen lassen. Aber wir konnten diese Leute unmöglich im Rücken unserer Truppen in Windhuk lassen. Es ist biet hin und her erwogen worden, wo man bil Hottentotten unterbringen könne. 68 wurde gedacht an Ostafrika, an Togo, an Adamaffa, schließlich auch an einen Küstenstrich in Kamerun. Aber überall standen dem Bedenk» entgegen. Und während noch die Verhandlung« schwebten, ist den Leuten beigebracht worden, daß sie deportiert werden sollten. Da wurden • sie so aufsässig, daß sie schleunigst nach der Haifisch - Jnsei gebracht wurden. Nun sagt Herr Ledebour, die große Sterblichkeit, unter den Hottentotten auf dieser Insel sei eine Folge ihres Aufenthalts daselbst gewesen. Dal läßt sich ja nicht widerlegen, ebensowenig aber kann Herr Ledebour beweisen, daß die Sterblichkeit unter den Leuten geringer gewesen wäre, wenn sie nicht auf der Haifisch-Insel gewesen wären. In den französischen Gefangenen- Lagern 1870-71 haben wir ja ähnliche Sterblichkeitserfahrungen gemacht. Also eS läßt fick gar nicht beweisen, daß die Hottentotten fl stark eingegangen find, weil fie auf der Hai- fisch'Jnsel waren. Die Tatsache, daß 120C Leute umgekommen sind, ist ja tiefbedauerlich. Aber soll und kann man deshalb gegenüber dem Kommandeur Kritik üben, weil er bi« Leute noch der Insel schickte? Er sagte fick eben: wenn ich die Leute hier nicht wegnehmtz kann ich den Krieg nicht zu Ende führen. (Beifall.) . ...........
Abg. Ledtboitt: Es ist bezeichnend, daß der Kolonialdirektor auf die Hottentotten den Ausdruck anwsndete, sie feien .eingegangen'. Von „Eingehen' redet man doch sonst nur bei Tieren! Wie kann und darf er auf Menschen einen so herabsetzenden Ausdruck anwenden ff Die große Sterblichkeit in KonzentrationS- Lagern ist doch bekannt. Redner wies dann darauf hin, daß man die gefangenen Eingeborenen hätte nach Adämassa bringen sollen.
Kolonialdirektor Xtrrttttj: Ich will auf die übrigen Bemerkungen des Vorredners nicht weiter eingehen. Nur in Bezug auf seine letzten Worte erwidere ich ihm: Ich fordere Sie auf, einmal von Kamerun nach Adamasse 1000 Kilometer in der Tropensonne zu gehen. Si§ werden bann anders denken k (Heiterkeit.)
Der Etat für Südwestafrika wurde dan> genehmigt.
Außerdem gelangte zur Annahme die Resolution der Budgetkommisfion: Der Reichstag erwarte, daß dis vom Oktober 1907 ab in Höhe von 4000 Mann in Südwestafrika ver-
„Ich will Ihnen nächstens etwas davon erzählen, wenn Sie wollen."
„Ja, bitte! Vielleicht wird's mich interessieren. 's ist hier ohnehin so langweilig. Heut haben wir mal 'nen kleinen Festtag —“
„Festtag? Wieso?"
„Weil eine Masse frische Ware — ich meine Gefangene — hertransportiert worden ist. Da hört man mal was aus der weiten Welt draußen. Sind Sie neu oder kommen Sie von Brooklyn?"
„Zehn Monate."
„So —! Das ist nicht viel. Da können Sie mir noch etwas neues aus der Welt da draußen erzählen. Ich bin schon sechs Jahre hier. Welche Partei war gerade am Ruder, als Sie ins Loch mußten, die Republikaner oder die Demokraten?"
Verblüfft starrt Felicie ihre Gefährtin an.
„Ich — ich weiß nicht —"
„Und hat Cleveland Chance, wrederge- wählt zu werden?"
„Ich — ich habe mich nie um Politik gekümmert."
„So —? Hm — Sie sind ’ne armselige Sorte? Um was haben Sie sich denn gekümmert?"
„Um's Theater. Interessiert Sie das nicht?"
„Hm — ja und nein. Jedenfalls ist's besser, als gar nichts. Waren Sie beim Theater?"
„Ja."
„Wobei denn? Beim Ballett?"
„Rein, beim Schauspiel."
„So —. . Heda, Polly!" ruft fie gedämpft zu einer kleinen Frau hinüber, deren häßliche Züge unverkennbar den Stempel einer gewissen Gutmütigkeit tragen. „Nimm du die hier —" fie deutet auf Felicie — „sie ist mir zu dumm. Sie weiß nicht mal, welche Partei am Ruder war, als man fie einsteckte. Deine Kameradin kann mit mir wefter spazieren." (Forts, folgt)