mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhaiu.
Sanutaasbeilaaer Alluttrirtes EonntsaSLlatt.
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Marburg
Donnerstag. 9. Mai 1907.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck mtb Verlag- Joh. Aug. Koch, UniverfitätS-Buchdruckerei 42.
Marburg, Markt 2L — Telephon 55.
Erstes Blatt.
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Nochmals die Vizepräfidetttenkrise.
Wie schon mitgeteilt wurde, ist es am Schluffe ^er Sonnabendsitzung im Reichstage zu einem Zwischenfall gekommen, der nicht geringes Auf- ifehen erregt hat. Daff der Vizepräsident Kaempf church«ls im Rechte war, wenn er den Abgeordneten Ledebour, den eitlen „Kolonial-Obersachverständigen" der Sozialdemokratie, dreimal zur Ordnung rief, kann schlechterdings nicht bestritten werden. Schon eine leidliche gesellschaftliche Schulung wird es dem Abgeordneten verbieten, einem Teile der Reichstagsmitglieder vorzuwerfen, sie heuchelten Moral. Ebenso unpassend war es, daff „Genöße" Ledebour von dem „albernen Gelächter" der konservativ-liberalen Mehrheit sprach. Traurig genug, daff ein Abgeordneter, wie Herr Ledebour gar nicht merkt, daff sein ganzes Auftreten unwillkürlich zuni Lachen reizt. Um so notwendiger aber ist es, ihm dies auf dem Wege des Ordnungsrufes etmgermaffen verständlich zu machen. Und nun gar der Anlaß, aus dem heraus Herr Ledebour die Ohrfeige des dritten Ordnungsrufes erhielt, dem noch schliefflich nur böswillige oder besonders dickfällige Volksvertreter nicht entgehen können. In Wahrheit kann hier zwischen liberalen und konservativen und sonstigen Präsidenten ein Unterschied nicht konstruiert werden. Wie die Immunität der Abgeordneten zur Voraussetzung hat, daß sie alles das, was sie vorzubringen wünschen, zuvor auch aus seine Berechtigung sorgfältig nachprüfen, so hat auch die Redefreiheit des Parlaments zur Voraussetzung, dah jeder einzelne Redner sich in den Formen bewegt, die der Würde des Hauses üblich sein sollten. Diesen Anforderungen hat der Abg. Ledebour auch am Sonnabend nicht entsprochen, und als deshalb Vizepräsident Kaempf an das Haus die Frage richtete, ob es den Redner noch weiter hören wolle, verwies er damit nur auf das Grab, das Abg. Ledebour sich selbst gegraben hatte.
Bei der Beantwortung über die Frage des Vizepräsidenten handelte es sich lediglich um eine Entscheidung darüber, ob auch künftig bet Auftreten der einzelnen Abgeordneten ein gewisses Maß von Taktil und gesellschaftlichem Anstand erwartet werden dürfe. Mit anderen Worten darum, ob die parlamentarische Disziplin im Reichstage aufrecht erhalten bleiben soll. Im Vergleiche mit den Volksvertretungen anderer Nationen, kann im allgemeine» der deutsche Reichstag in Hinblick hierauf auch gewiß eine leidliche Note für sich beanspruchen. Nur einmal, in den Tagen der Obstruktion hat es im Reichstage eine ähnliche Szene gegeben, wie die von Herrn Ledebour hervorgerufene, damals nämlich, als vor mehr als 4 Jahren „Genosse" Singer die Präsidententribüne stürmte und deshalb wegen Mangels an „Be- nehmigung" von der Sitzung ausgeschloffen wurde. Das Sprichwort aber „böse Beispiele
33 lNachdruck verboten.),
In der Schule des Leidens.
Roman aus dem New-Yorker Leben
von Erich Friesen. 5/
(Fortsetzung.)
„Hm, liebes Kind — nicht sogleich. In einer halben Stunde findet ein Massentransport von Gefangenen nach New-York statt. Diesem müssen Sie sich anschließen. Ein Kind würde die ganze Disziplin stören. Sie sehen also. Sie müffen mir Walter schon geben, Felicie. Sie wissen, bei mir geschieht ihm nichts."
„Aber — wer soll ihn nach New-York hinüberschaffen, wenn nicht ich?"
„Ah, das laffen Sie nur meine Sorge sein!"
„Wann werde ich ihn wieder haben? Heute Abend schon?"
„Hm — natürlich!" .
■■■ „Ganz bestimmt, Frau Davis?"
„Ja, ja, bestimmt; Aengstigen Sie stch doch nicht! Ich komme gleich wieder zurück."
Die Hausmutter schließt die Tür hinter sich. Felicie ist wieder allein mit ihrem Kind.
Schlaftrunken öffnet es feine großen, blauen Cuckeln. Unverwandt blickt die Mutter in diese lieben, lieben Augen. Das Herz ist ihr so schwer — sie weiß selbst nicht, weshalb.
Nach wenigen Minuten schon kehrt die Hausmutter zurück.
Ihre Haltung ist jetzt eine völlig andre — ruhig, bestimmt, fast streng.
„So! Küffen Sie den Kleinen noch einmal! Und dann geben Sie ihn mir!"
Frau Davis reiß das Kind beinahe aus den Armen der Mutter.
In größter Eile verläßt sie mit ihm die Zelle.
Aber anstatt die Treppe emporzusteigen nach der Krankenabteilung, wo Felitte sich mit Wal
verderben die Sitten" hat auch in unfern Tagen noch immer Recht behalten, und darum war es die Pflicht des Hauses, Herrn Kämpf in seinem Kampfe gegen den roten Spektakelhelden nachdrücklichst zu unterstützen. Statt deffen aber gestattete sich die Mehrheit des Reichstages das Vergnügen, den Vizepräsidenten, der Hüter der Ordnung und Sitte, einem Manne, wie Ledebour gegenüber ins Unrecht zu setzen und ihm die bescheidene Schutzwaffe seiner Amtsgewalt aus der Hand zu winden. Der billige Triumph, den die Opposittonsparteien bei der Abstimmung erzielten, wird ja wohl nur ein Augenblickserfolg gewesen fein, da sie nur zufällig die Mehrheit bildeten, trotzdem aber bleibt ein derartiger Vorstoß gegen den parlamentarischen Brauch aus parteipolitischen Beweggründen immer ein schlechtes Zeichen, und man kann nur wünschen, daß seitens der wirklichen Mehrheit des Reichstages ähnliche Vorkommniffe in Zukunft verhindert werden, da solche das Ansehen des deutschen Reichstages schädigen müffen.
Besonders charakteristisch für die Haltung der Parteien bei der Anfrage des Vizepräsidenten war es, daß eine Anzahl Freisinniger ihrem eigenen Gesinnungsgenossen Kaempf in den Rücken fiel. Und doch werden wohl auch die Herren Naumann, Potthoff, Dr. Neumann- Hofer und die andern, die sonst noch von Freisinnigen sich an der Verbeugung vor der von Herrn Ledebour geleisteten Ruppigkeit beteiligten, zugeben müssen, daß ihr Gesinnungsgenosse Kaempf sich nicht hat zum Vizepräsidenten wählen laffen, damit ihm nachher bei der korekten Ausübung seines schwierigen und verantwortungsreichen Amtes feine nächsten Freunde Schwierigkeiten bereiten. Gerade die freisinnige Vereinigung hat aus ihrer Zugehörigkeit zur konservativ-liberalen Mehrheit ein großes Matz weitgehender Forderungen abgeleitet. Ihr sollte aber auch klar sein, daß die Zugehörigkeit zu dieser Mehrheit nicht bloß Rechte, sondern auch Pflichten mit sich bringt, und über diese Pflichten hat sich ein großer Teil ihrer Mitglieder am letzten Sonnabend in bedauerlicher Leichtherzigkeit hinweggesetzt. Dies verdient besonders int hiesigen Wahlkreise hervorgehoben zu werden, wo D. Naumann zahlreiche Freunde und Bewunderer zählt, die in ihm den Propheten und Vorkämpfer des nattonal-sozialen Liberalismus, des Bürgertums erblicken, während der Genannte, wie int obigen Falle schon mehrfach in kritischen Augenblicken den Schildhalter der „Eenoffen" im Kampfe gegen das Bürgettum gespielt hat.
So ärgerlich der Zwischenfall im Reichstage war, der ja, wie schon bemerkt, sicherlich nutzlos inszeniert worden ist, so hat er doch vielleicht durch die Aufklärungen, die er gegeben, manches Gute gestiftet. Vor allem dürfte der Trick der Zufallsmehrheit vom letzten Sonnabend den wenn auch unbeabsichtigten Erfolg haben, daß sich die Parteien des nationalen Blocks im Reichstage nur noch enger zusammenschließen werden.
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ter gewöhnlich tagsüber aufhält, eilt sie den langen düstern Korridor entlang.
Hier öffnet sie eine Tür zur Rechten — zum Besuchszimmer.
Sofort erheben sich zwei Damen von ihren Sitzen, die augenscheinlich hier auf die Hausmutter gewartet haben.
„Da ist das Kind!" murmelt Frau Davis finster. „Gott wird mir verzeihen, daß ich der armen Mutter vorlog, sie werde es heute Abend zurückerhalten. Ich konnte nicht anders!"
Die ältere der beiden Damen schluchzt leise auf.
„Und sie weiß nicht einmal, daß ihre Mutter das Kind pflegen und bewachen wird?"
„Nein. Glauben Sie, das hätte dem armen Ding über den Trennungsschmerz hinweggeholfen? Sie können ihr morgen alles schreiben. .. Nun ziehen Sie den Kleinen rasch um und schaffen Sie ihn weg! Ich stehe für nichts, wenn die Mutter ihn nochmal zu Gesicht bekommt."
Die jüngere der beiden Damen nimmt das verwundert um sich blickende Kind aus den Armen der Hausmutter und drückt sein rosiges Gesichtchen an ihre Wange, Ihre Lippen zittern vor Erregung.
Kurze Zeit danach schon befinden sich die beiden Damen mit dem Kinde außerhalb der Ee- fängnismauern.
XX.
Wenige Minuten, nachdem man Felicie Barrington ihr Kind weggenommen, erscheint die Wärterin wieder in der Zelle, um die Gefangene fortzuführen.
Felicie folgt ihr, ohne ein Wott zu sprechen.
Hin geht'» durch enge Korridore, treppauf, treppab, bis eine Liste, auf welcher das Verbrechen jeder Einzelnen, sowie die Dauer der Strafzeit vermerkt ist.
Deutsches Reich.
— Zur Personentarifreform. Die „Kölnische Zeitung" schreibt: Uns gehen von zuverlässiger Seite Klagen über Unstimmigkeiten zu, die sich bei der Personentarifreform u. a. bei Ser Abrundung gewißer Preise nach oben ergeben. Wir sind darüber unterrichtet, daß an amtlicher Stelle das Bestreben herrscht, im Laufe der Zeit diese Unstimmigkeiten nach Möglichkeit zu begleichen, die an sich bedauerlich find, da aber gegenüber dem großen Vereinfachungsgedanken, den die Reform durchzuführen bestrebt ist, doch nicht durchschlagend ins Gewicht fallen können.
— Die Errichtung einer deutschen Bank in Persien. Das Reutersche Bureau veröffentlicht folgende Meldung aus Paris: Das zwischen dem deutschen Gesandten in Teheran Stemrich und der persischen Regierung am 1. Juli 1906 vereinbarte Uebereinkommen hat folgenden Wortlaut:
Artikel 1: Die Regierung Seiner Majestät des Schahs verpflichtet sich, einer beliebigen deutschen Bank oder einer beliebigen Gruppe von deutschen Kapitalisten, die ihm von der deutschen Gesandtschaft in Teheran empfohlen worden ist, die Erlaubnis zur Errichtung einer Bank in Persien zu erteilen. Artikel 2: In dem Falle, daß die kaiserlich deutsche Regierung von dem Rechte, das ihr in dem vorliegenden Uebereinkommen zugestanden wird, Gebrauch macht, sollen sowohl die Konzessionsbedingungen als auch die Statuten der Dank Gegenstand eines zwischen der kaiserlichen persischen Regierung einerseits und der deutschen Gesandtschaft in Teheran oder einem Vertreter der Gründer der Bank andererseits zu schließenden Uebereinkom- tnens sein. In letzterem Falle ist die Zustimmung der deutschen Gesandtschaft einzuholen. Artttel 3: Wenn nach Ablauf eines Jahres vom Zeitpunkte der Unterzeichnung des vorliegenden Abkommens an die notwendigen Unterhandlungen noch nicht begonnen sein sollten, soll das Abkommen als null und nichtig angesehen werden. — Laut Nachrichten aus zuständiger französischer Quelle wünschte die persische Regierung vor zwei Jahren, daß eine ftanzösische Gruppe die Tertilindustrie in Persien einführen sollte. Der Plan erschien indeffen der russischen und der britischen Regierung nicht empfehlenswert; erstere machte den Einwand, daß die Einführung französischen Kapitals in Persien Deutschland eine ähnliche Idee suggerieren könnte. Als später die Gründung einer französischen Bank diskutiert wurde, wurden wieder Einwendungen erhoben, und von der russischen Regierung wurde darauf hingewiesen, daß ja eine ruffische Bank bestehe, die allen Erforderniffen entspreche. Wie berichtet wird, erhielt die deutsche Regierung von diesen fruchtlosen Versuchen Frankreichs Kenntnis, und Stemrich sicherte daraufhin das obige Abkommen. — Dazu bemerkt das Wolffsche Telegraphen-Bureau: Die dieser Meldung zugrunde liegende, inhaltlich schon bekannte, Erklärung der persischen Regierung ist nicht von dem Gesandten Stemrich, sondern geraume Zeit vor dessen Ankunft in Teheran von
Nun allgemeine Feffelung.
Als man die Handeisen an Felicies feinen Gelenken befestigt, steigt ihr die Schamröte in die Wangen. Doch widersetzt sie sich nicht.
Unter Leitung einiger Wärterinnen marschiert die ganze Gesellschaft durch einen schmalen, dumpfen Gang in einen engen Hof, wo eine Anzahl grünangestrichener Transportwagen sie erwartet. , „
Jeder dieser Wagen ist in kleine Abteilungen eingeteilt, in welchen je eine Gefangene Platz nimmt.
Ein Zeichen der Oberwätterin — langsam bewegt sich der traurige Zug vorwärts.
Felicie nimmt von dem üblichen Klopfen, Flüstern, Husten und anderen Anstrengungen der einzelnen Mitgefangenen, sich unter einander bemerkbar zu machen, nicht die geringste Notiz. Ihr ganzes Herz ist erfüllt von der Sorge um ihr geliebtes Kind . . .
Wird es sicher in New-York ankommen? Wird es die Mutter bis heute Abend sehr vermißen? Wird es bei dem niederprasselnden Gewitterregen auch nicht erklärten?
Als die grünen Wagen auf dem Bahnhof anlangen, werden sämtlichn Gefangene nach dem Hintern Perron geleitet, von wo aus der Zug sie nach New-York schaffen soll.
Klopfenden Herzens blickt Felicie um sich. Vielleicht, daß die Hausmutter den kleinen Walter bereits mit demselben Zug nach New- York bringen läßt.
In ihrer Erregung vergißt fte ganz ihre erniedrigende Lage. Eifrig drängt fie sich vor, um bester um sich blicken zu können.
Eine Menge Publikum umringt die Schar gefistelter Frauen. Felicies Schönheit, die selbst der unkleidsame Eefängniskittel sowie eine un» förmliche Haube nicht zu verdecke» vermögen.
dem damaligen deutschen Eeschäftsttäger ent« gegengenommen worden. Die französischen Schritte, von denen am Schluste der Meldung die Rede ist, waren bisher nicht bekannt. Es besteht kein Zusammenhang zwischen dem Fehlschlägen solcher Versuche und der Haltung Deutschlands.
Jedenfalls aber hat Deutschland in Persien Frankreich den Rang abgelaufen. Und da die» Frankreich und England gleich unangenehm ist, so hat man schon seit einigen Wochen Lärm geschlagen über „deutsche Absichten in Persien" und hängt jetzt voll Äerger die ganze Sache an die große Glocke.
— Der Schutz landschaftlicher Schönheit. Die Deutsche Gesellschaft für Gartenkunst hat zu dem Gesetzentwurf gegen die Verunstaltung von Ortschaften und landschaftlich hervorragender Gegenden eine Eingabe an das preußische Abgeordnetenhaus gerichtet, aus der nach der „Köln. Ztg." folgende wichtige Punkte hervorzuheben sind:
Wohl bestehen Gesetze und Verordnungen, die historische Baudenkmäler schützen; auch der Schutz von Naturdenkmälern ist in gewißem, vorwiegend botanischem Sinne durch die Er- .richtung der staatlichen Stelle für Naturdenkmalpflege gewährleistet, aber den Schutz historischer Gartenkunstschöpfungen bezweckt bisher noch kein Gesetz, noch keine Verordnung. Eine große Anzahl hochinterestanter Eartenschöp- fungen befinden sich in fiskalischem und Privatbesitz, z. B. unterstehen die für die Geschichte der Kunst bedeutsamen Anlagen zu Marienwerder bei Hannover und Abtei Loccum der Klosterkammer zu Hannover. Diese Parke stehen in Gefahr, ihrer Schönheit und Eigenart vollkommen verlustig zu gehen infolge des allzu starken Ueberwiegens der wirtschaftlichen Jnteresten. Es erscheint außerordentlich wünschenswert, Bestimmungen in das Gesetz aufzunehmen, wodurch derartige Kunstschöpfungen zu schützen sind vor ästhetisch unbegründeter Zupflanzung oder Verwachsung von Sichten und Flächen, Abholzung wichtiger Pflanzungen, Errichtung von Nutz- und Zierbauten, durch die der Gesamtcharakter gefährdet wird.
Von ebenso großer Bedeutung ist die ästhetische Bewertung der Forstbewirtschaftung. Immer dringender werden Forderungen laut, die dem nur materiellen Nutzen erstrebenden Forstmann die Pflege des Waldes mehr als bisher zur Pflicht machen. Ganz besonders wichtig ist die Berücksichtigung ästhetischer Bedenken bei der Anwendung von Kahlschlägen. Diese forstwirtschaftliche Betriebsform sollte in solchen Gebieten, die Tausenden und Abertausenden als Erholungsstätten dienen, durch gesetzliche Be- ftimmungen überhaupt verboten werden. Wird der vorliegende Gesetzentwurf zum Gesetz, so ist bei dessen Ausführung die Beurteilung, was landschaftlich schön ist, von größter Bedeutung, und es wird in jedem einzelnen Falle zu prüfen fein, in welcher Weise die wirtschaftlichen Inter« eßen mit den ästhetischen Grundgesetzen zu vereinbaren sind. Gerade in diesem Puntte zeigt der Gesetzentwurf eine Lücke. Er bezeichnet die
erregt bald allgemeines Aufsehen. Dreiste Blicke, rüde Späße finden den Weg zu ihr. .
Sie kümmert sich nicht darum. Ihre traurigen Augen wandern den Perron auf und ab — nichts von einem kleinen Kind ist zu sehen.
Herbe Enttäuschung malt sich in ihren Zügen, als sie ihren Mitgefangenen in ein Toups dritter Klaffe folgt.
Nach einer halben Stunde hält der Zug bereits in New-York.
Und wieder steht eine Anzahl grünet Wagen bereit. Und wieder nimmt jede der Frauen ihre kleine Zelle in denselben ein.
Und wieder fitzt sich der Zug langsam in Bewegung — dem großen Frauen-Hauptge- fängnis zu.
Nach etwa einftünbigem Fahren halten die Wagen. Sie haben soeben ein niedriges eisernes Tor pasfiett. Der große Gefängnis ist erreicht.
Eine Gefangene nach der andern klettert aus dem Wagen. Die Handfeßeln werden abge
Und wieder stehen alle in Rech und Glied, der Musterung gewärttg.
Gleich danach erscheint der Eefangmsbirek- tor — ein ältlicher, militärisch aussehender Herr — in Begleitung seines Gehilfen und zweier Ober-Gefangenwärterinnen.
Nachdem alle Formalitäten erfüllt find, wird jede einzelne nach ihrer Zelle abgefühtt.
Es ist gerade Mittagszeit. Felicie erhält, durch die geöfnete Klappe der eisernen Zellentür ihr Mittageffen: Brot und Suppe. Dan« findet eine ärztliche Untersuchung statt und die Uebergabe der neuen Anstaltskleidung.
(Fortsetzung folgtJ >