mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
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Marburg
Dienstag, 7. Mai 1907.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Dmck tmb Verlag-. Joh. klug. Koch, Umversitäts-Buchdnrckerei
Marburg, Markt 2L — Telephon 55.
42. Jahrg.
Das deutsch-amerikanische Handels- Abkommen.
.. Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" veröffentlicht in der Parlamentsbeilage das neue deutsch-amerikanische Handelsabkommen. In Artikel 1 gewährt der Präsident alle Zoller- Mätzigungen, die er nach Sektion 3 des Dingley- itarifes einem fremden Lande zugestehen kann. Danach tritt den uns bisher eingeräumten Vergünstigungen noch die für Schaumwein hinzu. Artikel 2 behandelt die Abänderungen auf dem Gebiete der Zollverwaltung, die ohne Eesetzes- sinderung herbeigeführt werden können. Diese umfassen folgende Punkte: 1) Als Verzollungswert wird der Marktwert der Ware im Ausfuhrlande zugrunde gelegt. Da die Feststellung dieses Wertes vielen Schwierigkeiten begegnet, soll einstweilen als Marktwert der Exportpreis gelten. 2) Sollen die amerikanischen Konsuln die nach Sektion 8 des Zollverwaltungsgesetzes vorgeschriebenen detaillierten Aufstellungen der Fabrikanten oder Exporteure über die Herstellungskosten und die Bezugsquellen ihrer Waren nur dann erfordern dürfen, wenn sie in einem in den Vereinigten Staaten eingeleiteten Zollverfahren von den Zollabschätzern verlangt werden. Ferner soll über die Entscheidungen der Abschätzbeamten über den Marktwert die nach der geltenden Praxis den Importeuren ohne Angabe der Gründe mitgeteilt wurden, künftig, falls die Oeffentlichkeit der Verhandlung, die bereits feit der vorjährigen provisorischen Regelung unter gewissen Voraussetzungen vorgeschrieben ist, versagt wird, dem Cchatzsekretär berichtet werden. Auch sollen in einem solchen Falle die Gründe der Entscheidung mitgeteilt werden. Ferner wird vereinbart, daß das persönliche Erscheinen des Versenders Lei der Beglaubigung der Faktura nur kn Ausnahmefällen, wenn besondere Gründe eine mündliche Aussprache erfordern, gefordert werden soll. Nach dem Zollverwaltungsgesetz Musi die Beglaubigung der Faktura in dem Bezirke desjenigen Konsulates erfolgen, in welchem der Ort des Kaufes oder der Fabrikation liegt. Ausdrücklich ist festgelegt, daß als Kaufort der Ort anzusehen ist, wo der Vertrag abgeschlossen kst, sofern der Exporteur daselbst seinen Geschäftsitz hat. — Ferner ist vereinbart, dasi die Beamten, die im Auftrages der Vereinigten Staaten in Deutschland Ermittelungen über den Marktwert der zu verzollenden Ware anstellen, der deutschen Regierung offiziell angemeldet werden und mit den deutschen Handelskammern Zusammenarbeiten. Werden die Angaben der Fabrikanten über den Wert der Ausfuhrwaren von den Abschätzungsbeamten der Vereinigten Staaten banstandet, so sind nach der neuen Bestimmung die amerikanischen Zollbehörden verpflichtet, die Handelskammerzeugniffs in Verbindung mit etwaigem anderen Beweismaterial zu würdigen. — Artikel 3 bezieht sich auf die
81 (Nachdruck verboten.).
In der Schule des Leidens.
Roman aus dem New-Porker Leben W von Erich Friese».
(Fortsehunr
An einem schönen Sonntagabend will Norbert seine Kollegin Gerda Douglas aufsuchen.
Langsam schlendert er von seiner Wohnung aus die kleinen, hinter knospendem Grün versteckten Villen entlang.
Auf den Blumenbeeten hinter den Eisen- tzittern duften Hyazinthen und Levkoven, und die Vöglein, die sich kaum in ir-r: Nestchen gewagt, zwitschern gedämpft hinein in die linde Abendluft.
Alles in der Natur atmet Lust und Bewegung.
, Norberts Gedanken weilen bei Felicie . . . ■ Armes Kind! So jung noch und bereits ereilt von solch tragischem Schicksal! Wäre es -richt besser für sie gewesen, wenn sie ihn nie gesehen hätte?
Dann schweifen seine Gedanken hin zu Gerda Douglas, zu seiner Kollegin und Lehrerin, der jer, wie er meint, sein ganzes Können verdankt.
Wie edel hat sie sich gegen Felicie benommen! Wie glücklich ist der Mann, der sich ihr Freund nennen darf!
Inzwischen ist er an Gerdas Wohnung angelangt.
Er wird sofort vorgelassen.
Gerda Douglas sitzt in ihrem kleinen Wohnzimmer am Fenster. Die Lampe ist mit einem blauen Schirm verhängt. Voll ergießt sich das Mondlicht auf ihre edlen, ernsten Züge.
Bei seinem Eintritt streckt sie ihm die Hand (entgegen.
„Sie wollten mich sprechen, Barrington?"
„Ja, Fräulein Douglas. Ich möchte Sie um kiat fragen. Heute früh erhielt ich diesen Bries |ter —- -- ' -• • — • .
deutschen Eegenkonzesfionen. Bei der gegebenen Sachlage konnte nur eine Auswahl unter den Zollsätzen des geltenden Vertragstarifs in Frage kommen. Von der Gewährung von Zollbegünstigungen mußte abgesehen werden, deren ja die Erzeugnisse der Vereinigten Staaten schon jetzt nicht teilhaftig sind. Es konnte sich daher für die der Union zu gewährenden Zugeständnisse nur um die ermäßigten Zollsätze aus den Verträgen mit Belgien, Italien, Oesterreich- Ungarn, Rumänien, Rußland, der Schweiz und Serbien handeln. Das Ausscheiden der Konzessionen an Bulgarien und Schweden und die uneingeschränkte Weitergewührung der Zollsätze obiger sieben Verträge war für dieses Abkommen nicht angezeigt. Bei der engeren Wahl war die Gewährung der vertragsmäßigen Zollsätze für die wichtigsten Roherzeugnisse der Land- und Forstwirtschaft unvermeidlich. Ferner war die Einräumung der Verträgssätze für Erdöle und einige damit im Zusammenhang stehende Erzeugnisse nicht zu umgehen. Bei den Zollsätzen für Jndustrieerzeugnisse erstrecken sich die Zugeständnisse auf Leder, Lederwaren, Käutschukwaren, Papier, Papierwaren, Glas und Glaswaren. Hinsichtlich der chemischen Erzeugnisse, der Steinwaren, der unedlen Metalle und Waren aus solchen sind einige Vertragssätze zugestanden worden. Artikel 4 sichert die beiderseits eingeräumten Vorteile auch der indirekten Einfuhr. Artikel 5 stellt klar, daß sich dies Abkommen auf Luxemburg und die Zollenklaven einerseits, auf Portorico und Hawai andererseits erstreckt. Artikel 6 regelt die Vettrags- dauer. Rücksichtlich des Charakters des Abkommens ist die Geltungsdauer einjährig bemessen, jedoch mit der Maßgabe, daß, wenn innerhalb dieser Frist ein anderer Vertrag nicht vereinbart wird, dies Abkommen mit sechs- monatlicher Kündigung weiterläuft. — Dem Abkommen ist eine Denkschrift über die Entstehungsgeschichte desselben beigegeben, welch« dem Reichstage am Sonnabend zugegangen ist.
Deutscher Reichstag.
Im Reichstage stand am Sonnabend bei der Fortsetzung der Beratung des Etats des Reichs-Kolonialamts zunächst die Errichtung einer Kolonial-Akademie in Hamburg zur Diskussion. Die Abgg. Frhr. ». Kerstins (3tr.) und v. Richthofen (tonf.) befürworteten dieses Vorhaben und wiesen darauf hin, daß Mittel für ein solches Institut bereits gesammelt seien. Kolonialdirektor Dernburg begrüßte die Ausführungen der Vorredner mit Dank und bemerkte, er habe sich in dieser Angelegenheit bereits mit maßgebenden Persönlichkeiten in Hamburg in Verbindung gesetzt. Rach kurzer Erörterung wurde dann auf Antrag des Abg. Wie- mer (frs. Vp.) für die Schutztruppe ein Stabsoffizier als Abteilungschef „in der Stellung
eines Regimentskommandeurs" bewilligt. (Die Kommission hat die Anstellung eines Generalmajors gestrichen.) Zu einer längeren Erörterung kam es danach bei den in der Vorlage geforderten Beiträgen von je 10 000 Mark zu den Unterhaltungskosten der Kolonialschulen in Witzenhausen und Hünfeld (Engel- port). Hierbei bemerkte Abg. Dohrn (frs. Vgg.), es habe sich in der Kommission herausgestellt, daß es eine Kolonialschule in Hünfeld gar nicht gebe; bei Engelport, über welches eine Kontrolle bisher nicht ausgeübt sei, wisse man aber gleichfalls nicht, wofür der Zuschuß Verwendung finde, da Engelport nur eine Missionsschule sei. Abg. Arendt (Rp.) trat für die Kommisfionsbeschlüsse ein, einschließlich der Resolution, den Reichskanzler zu ersuchen, int nächsten Etat für Witzenhausen 20 000 Mark einzustellen. Abg. Lattmann (wirtsch. Vg.) empfahl eine Resolution, bett. Einstellung von Mitteln in den nächsten Etat für die protestantische und katholische Mission, zur praktischen Vorbildung der Missionare in der Erziehung der Schwarzen. Kolonialdirektor Dernburg erklärte, wenn auch ein Unterschied zwischen den Schulen in Witzenhausen und Engelport bestehe, so empfehle es sich doch, der letzteren den Zuschuß nicht zu verweigern. Würde der Resolution Lattmann jedoch entsprochen, so könnte man sich dem Ansuchen auch anderer Missionen nicht entziehen. Rach weiteren Bemerkungen der Abgg. Arning (natl.) und Dohrn (frs. Vgg.) meinte Abg. Storz (südd. Vp.) der Zuschuß für Hünfeld, das nur eine Missionsanstalt sei, sei offenbar nur auf Drängen des Zentrums in den Etat hineingekommen, das sonst den Zuschuß für die Kolonialschule in Witzenhausen nicht berücksichtigt hätte; denn damals sei das Zentrum allmächtig gewesen. Die Pfui-Zwischen- rufe des Zentrums, die den Redner hierbei unterbrachen, veranlaßten den Präsidenten Grafen Stolberg, das Haus an die Unzulässigkeit dieser Rufe zu erinnern. Der Zuschuß für Engelport wurde darauf bewilligt und die Resolution der Kommission angenommen. Damit war der E t a t des Kolonialamts erledigt.
Beim Etat der Schutzgebiete zunächst für O st a f r i k a richtete Abg. v. Siebert (Rp.) an den Kolonialdirektor den Appell, die Kolonie, die durch den berüchtigten Sansibar-Vertrag auf fünfzig Jahre schwer belastet sei, durch geeignete Maßnahmen zu unterstützen. Auch die Militärlasten sollten vom Reiche übernommen werden, dann werde sich das Budget der Kolonie erst günstiger gestalten. Kolonialdirektor Dernburg dankte dem Vorredner für seine Hinweise auf Mißstände in der Kolonie, bemertte jedoch, daß er eine eingetretene Belastung der Kolonie durch den Sansibar-Vertrag nicht anerkennen könne. Ueber die Verteilung der Militärlasten
Sie nimmt den Brief aus seiner Hand und liest ihn von Anfang bis zu Ende durch.
„Sie akzeptieren natürlich?"
Der Klang ihrer Stimme ist ruhig wie gewöhnlich; doch erscheint sie auffallend bleich — vielleicht der Reflex der matten Mondes- strahlen.
Norbert blickt sie einen Augenblick an. Dann sagt er, sich neben sie setzend:
„Ich weiß noch nicht, ich wollte gerade mit Ihnen darüber sprechen —“
„Was gibt es da zu besprechen," fällt sie in eigentümlich schroffem Ton ein. „Man offeriert Ihnen ein brillantes Engagement an einem der ersten Theater von Baltimore und Sie greifen natürlich mit beiden Händen zu!"
„Und Sie —?“
„Ich!"
Gerda steht rasch auf, schließt das Fenster und läßt den Vorhang herab, die Mondesstrahlen aus dem Zimmer bannend. Dann nimmt sie den Lampenschirm herunter und schraubt die Lampe höher.
Grelles Licht durchflutet plötzlich den Raum.
„Sie find mir stets eine liebe Kollegin gewesen," fähtt er etwas unsicher fort. „Wir find so daran gewöhnt, zusammen zu spielen--
Werden Sie mich gar nicht vermissen?"
„Gewiß, ich werde Sie vermissen, Barrington. Trotzdem rate ich Ihnen: akzeptieren Sie!"
Einem plötzlichen Impulse folgend, springt Norbett empor. Mit großen Schritten geht et ein paar Mal im Zimmer auf und ab und bleibt dann vor Gerda stehen.
„Sie waren mir und meiner armen Frau die treueste, aufopferndste Freundin, Gerda. Ich werde Ihnen das nie vergessen. Aber solche Freundschaft webt auch feste Fäden, die umstricken und gefangen halten und nicht mehr loslassen. Ich gestehe, ich möchte gern das Engagement am „Elcesior-Theater" in Balttmore annehmen. Wie wär's, wenn auch Sie
Abwehrend erhebt Gerda die Hand.
„Nein, Barrington — ich nicht. Ich würde kein Engagement am „Excelfior-Theater" annehmen, selbst wenn man mich dort haben wollte. Meine Kräfte» würden an einem ersten Theater für große Partien nicht ausreichen, und kleine würde ich nicht spielen."
„Wie?" fragt Norbert im höchsten Grad betroffen; „Ihre Kräfte würden für erste Partien nicht ausreichen? Sie, unser Stern, unsere Lehrmeisterin, unser Vorbild —"
Gerdas Lippen zitterten vor verhaltener Erregung. Hastig wendet sie sich ab.
„Das war einmal, mein Freund."
„War einmal?" wiederholt Norbert immer erstaunter. „Gerda, ich versteh« Sie nicht?"
Wehmütiges Lächeln umspielt ihre stolzen Lippen.
„Mein lieber Freund, ich bin mir meiner Kräfte nur zu bewußt. Einst glaubte auch ich, auf den Gipfel des Ruhmes steigen zu können. Bobei, vorbei — meine Kraft ist gebrochen."
„Nein!" ruft Norbert mit Enthusiasmus; „Ihre Kraft ist nicht gebrochen. Versuchen Sie nur, immer höher zu steigen — immer höher —“
Traurig schüttelt sie den Kopf.
„Ich bin bereits auf dem Gipfel meines Könnens angelangt. Wenn ich noch weiter schreiten wollte, würde ich langsam, aber sicher vorwärts gehen. Lassen Sie mich, mein Freund! Ich weiß selbst, was mir gut tut!"
Sie hat sich von ihm abgewendet, so daß er nur einen Teil ihres Profils, die reine Linie von dem kleinen Ohr bis zum Hals, den schweren blonden Haarknoten im Nacken sicht. Die Haltung ihres Körpers hat etwas müdes, gleich- gülttges.
„Gerda!" ruft Norbert, von plötzlicher Angst erfaßt, „ich verstehe Sie nicht mehr. Ist etwas zwischen uns getreten? Habe ich Sie erzürnt? Sie sind in letzter Zeit sehr verändert. Gerda," jährt er eindringlicher fort, „Ihnen fehlt etwas.
schwebten jedoch noch Verhandlungen im Bundesrate. Nach weiteren Reden der Abgg. Schwartze-Lippstadt (Zentr.), der besonders für die Entwickelung des Eisenbahnwesens in Ostafrika eintrat, und Abg. Dr. Arendt (Rp.), der sich diesen Ausführungen anschloß, sowie einer Rede des Abg. Sommer (frs. Vp.), der sich zum Titel Regierungsschulen gegen konfessionelle Trennung aussprach, war auch der Etat für Ostafrika erledigt.
Es folgte der Etat für K a m e r u n. Hierbei stellte nach einer Rede des Abg. Bebel (Soz.) Kolonialdirektor Dernburg fest, daß Abg. Bebel feine damalige Behauptung gegen den Oberleutnant Dominik, et habe den Auftrag zu Grausamkeiten gegen Eingebotenen-Kindet erteilt, zurückgenommen habe, und machte ihm zum Vorwurf, daß Bebel mit der Ehr« eines anständigen Mannes unvorsichtig umgegangen sei. Nach einet kurzen Erwiderung des Abg. Bebel (Soz.) kam es infolge der Ausfälle des Abg. Ledebour (Soz.) zu einem dramatisch-bewegten Zusammenstoß zwischen dem Redner und dem Vizepräsidentei, Kaempf. Abg. Ledebour sprach von der Möglichkeit, daß die Rechte ihre Moral nut heuchele, und erhielt dafür vom Vizepräsidenten Kaempf den ersten Ordnungsruf. Das Gelächter bet Rechten reizte den sozialdemokratischen Redner zu der Bemerkung: „Lassen Sie doch Ihr albernes Gelächter." Für diese Aeußerung erhielt et den zweiten Ordnungsruf. Als der Redner es danach als charakteristisch bezeichnete, daß ein liberaler Präsident so mit der Redefreiheit umspringe, rief ihn Vizepräsident Kämpf zum dritten Male zur Ordnung und richtete zugleich an das Haus die Frage, ob es den Redner noch weiter anhören wolle. Eine aus Zentrum und Sozialdemokraten bestehende Zufallsmehrheit entschied jedoch, daß der Redner weiter sprechen solle- Dieser brach jedoch bald danach seine Rede ab: Abg. Wiemer (frs. Vp.) bezweifelte schließlich dis Beschlußfähigkeit des Hauses, worauf die Sitzung abgebrochen werden mußte.
Preußischer Landtag.
Das Abgeordnetenhaus überwies am Sonnabend zunächst einen Antrag der Abgg. Dr< Friedberg (natl.) und Gen. der Eeschästsord« nungskommission, nach dem die Kommission ptüv fen soll, ob übet einen in zweiter oder dritter Lesung gestellten Antrag auf Kommissionsberatung sofort abzustimmen ist. Darauf wurden mehrere kleinere Entwürfe in dritter Lesung endgiltig angenommen. Hauptgegenstand bet Tagesordnung war die zweite und dritte Beratung der Sekundärbahnvorlage. Zn der allge- ===== 1 Wollen Sie mir, Ihrem besten, treueste« Freund, nicht vertrauen?" \
Langsam hebt Sie die Augen zu ihm empor Zhr Antlitz ist totenbleich. -
„Ist es nicht genug, wenn ich Ihnen fage, daß wir scheiden müssen, Barrington? So lang« Ihre Frau bei Ihnen war, fühlte ich mich glücklich. Ich liebte euch beide und suchte, euch eine treue Freundin zu sein. Jetzt da Felicie fort ist, habe ich gekämpft, gerungen und — bi« unterlegen."
Sie macht eine kleine Pause und streicht sich die schweren Haarwellen aus bet Stirn.
Robert steht unbeweglich ba. Nut seine Augen sprechen.
„Dieser Kampf hat meine Kräfte geschwächt, mein Talent verstümmelt," fährt sie nach einet Weile fort. „Wenn ich mit Ihnen spiele, ft geht etwas von Ihrer Kraft auf mich übet — Sie hypnotisieren mich gewissermaßen. Sobald Sie mich verlassen, sobald Ihr Einfluß nicht mehr auf mich wirkt, bin ich weiter nichts als eine mittelmäßige Schauspielerin . . Ich sage Ihnen dies alles, weil ich stets ehrlich und offen bin, Trotzdem ich weiß, daß ich. ohne Sie als Partner, künstlerisch sinke, sage ich Ihnen: Si« müssen das Engagement am „Excelsior-Theater" annehmen — unbedingt! . . . Kein Wort dagegen, Barrington! Ich will nichts von Ihnen hören, was ein Unrecht gegen Ihre unglückliche Frau wäre? . . . Die paar Jahre gehen. vorüber. Dann kommt Ihre kleine hübsche Licy wieder und — die glückliche Zeit von ehedem kehrt zurück. Norbett, mein lieber Freund, lassen Sie mich nicht umsonst gekämpft haben? Seien Sie sich selbst treu! Ich will Ihnen dabei helfen. Ich will beweisen, daß eine Frau einen Mann am meisten liebt, wenn sie ihn auf dem Pfade bet Ehre zu halten weiß . . Und nun gehen Sie, mein Freund!"
Mit offenem Freimut hält sie ihm die Hand hin, auf die er ehrfurchtsvoll seine Lippen drückt, ^Fortsetzung folgt.)