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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirckbain. v

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Marburg

Sonntag. 5. Mai 1907.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck imd Verlag' Joh. Lug. Koch, Umhersitätr-Buchdntckerä 42. Jahrg.

Marburg, Markt 21. Telephon o5.

Vierteljährlicher Bezugspreis: bet der Expedition 2 ML, J2 105 ... btt «fiat Postämtern 2,25 Ml. zexcl. Bestellgeld).

*/,-e JusertcouSgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfg.

Reclamen: die Zeile 80 Pfg.

Zweites Blatt.

Rückblick.

5 Eine in politischer Beziehung äußerst be­wegte Woche liegt hinter uns, eine Zeitspanne, auf die wir Deutschen mit einiger Befriedigung zurückblicken können. Es war, als ob das Nahen des Maien, den unsere Marburger Musensöhne nach Art unserer altgermanischen Vorfahren bei lodernden Flammen und Lichterglanz mit stür- mischen Freudenrufen und jubelnden Gesängen begrüßten, auch die Brust der Männer, die die Geschicke des deutschen Reiches lenken oder Mit­arbeiten an den großen Aufgaben unseres Volkes, mit neuer Zuversicht und fröhlichem Mute erfüllt hätte. Der nationale Ge­danke vor allem war es, der wie ein strahlen­der Stern am nachtschwarzen Himmel aufleuch­tete und uns alle mit der tröstlichen Gewißheit erfüllte, daß die schwertumgürtete Germania ruhig und sicher ihre Bahn wandelt, ohne irgend welche Gelüste nach Kletterkünsten am Rande gefährlicher Schluchten und Abgründe. Diesen beruhigenden Eindruck erweckte nicht allein die schon eingehend besprochene Darlegung des Reichskanzlers über die auswärtige Politik des deutschen Reiches, sondern auch die rühmliche £vdtung des deutschen Reichstages in der De­batte vom letzten Dienstage, die der Presse un­sererfreundlichen" Nachbarn wegeil der sel­tenen Uebereinftimmung der Meinungen fast aller Vertreter der Parteien des Reichstages nicht wenig Anlaß zu tiefsinnigen Betrach­tungen gegeben hat. Besonders dürfte die Rede des konservativen Abgeordneten Winckler Eindruck gemacht haben, der zweifellos im Sinne aller guten Deutschen handelte, als er dem preußischen Kriegsminister v. Einem für sein Auftreten im Reichstage warmen Dank aussprach, wobei er hervorhob, daß der An­erkennung, die der Kriegsminister dem Reichs­tage dafür gezollt hatte, daß dieser alles zur Bewaffnung und Vervollkommnung unseres Heeres Erforderliche bewilligt habe, nicht nur die Bedeutung eines Rückblickes in die Vergan­genheit, sondern auch eines Ausblickes in die Zukunft innewohne. Mit Recht erinnerte Abg. Winckler an den Ausspruch des Eeneralfeld- marschalls Moltke:Was Deutschland in dem großen Kriege erworben habe, werde es fünf­zig Jahre hindurch verteidigen müssen", und wies darauf hin, daß unser Volk nunmehr be­reits sechsunddreißig Jahre seine Waffen- rüftung nur zu dieser Verteidigung getragen habe, daß ihm also alle Angriffsgelüste fehlen.

Erfreulicherweise klang, wie schon bemerkt, aus den Reden der übrigen Reichstagsabgeordneten bis zur äußersten Linken eine ganz ähnliche An­schauung, sodaß zu hoffen steht, daß Bismarcks Ausspruch:Unsere jeder feindlichen Koalition gewachsene Landmacht und Landallianz sind und bleiben die feste Grundlage unserer Eroß- machts-, unserer Weltmachtsstellung" immer mehr die feststehende Ueberzeugung aller Deut­schen werden wird.

Beruhigend auf das jenseits des Kanals her­vorgerufene Gefühl der Nervosität dürfte auch die nachdrückliche Betonung des Freundschafts­und Bundesverhältnisses wirsen, das uns mit der Doppelmonarchie an der Donau verknüpft; denn trotz des Nationalitätenhaders im Kaiser­staate, wie der magyarischen Absonderungs­bestrebungen, stellt nach wie vor Oesterreich- Ungarn eine Macht dar, die Beachtung verdient. Die Sendung des Ministers der auswärtigen Angelegenheiten Freiherrn v. Aehrenthal nach Berlin ist als ein abermaliges Zeichen dafür aufzufassen, daß auch hierin an den Bismarck- schen Traditionen festgehalten wird. Wie überdies schon mitgeteilt wurde, beschränkt sich die Sendung des Freiherrn v .Aehrenthal nicht allein auf den Besuch in Berlin, vielmehr hat er auch Auftrag, sich von Berlin an den italieni­schen Hof zu begeben und dort auch mit Tittoni Rücksprache zu halten. Zweifellos soll dadurch die Wirkung der Besuchsfahrt König Eduards, des wandernden Politikers, entkräftet werden, der jetzt zu einem Jnkognitobesuche in Paris eingstroffen ist, wo er sich in jüngeren Jahren trefflich zu amüsieren wußte. Wenn aber der alte Lebemann jetzt wieder int Reisekostüm als Privatier an der Seine auftritt, so darf als sicher angenommen werden, daß er dabei in Wahrheit politische Zwecke verfolgt, zumal ge­genwärtig alle Faktoren des britischen Welt­reiches in gesteigerter Tätigkeit sind, um der ge­samten Menschheit den höchsten Respekt vor der englischen Flagge einzuflößen. Demselben Zwecke vornehmlich soll ja wohl auch die jetzt in London tagende allbritische Kolonialkon­ferenz dienen, bei der es allerdings zum Aerger John Bulls nicht ganz ohne Eigenbrödelei ab­gehen will. So hat der Leiter von Transvaal, Herr Louis Botha, deutlich erkennen lasten, daß er den ehemaligen Burenfreistaat am liebsten durch Zollschranken vom britischen Freihandel absperren möchte, jedenfalls mit einigen in seiner Stammeseigenschaft begründeten Hinter­gedanken. Auch aus der neuen Friedenskund­gebung, die Sir Wilfried Laurier, der Premier­minister, der britischen Kolonie Kanada im Bunde mit den Vereinigten Staaten angekün­digt hat, klingt ein Tödchen hervor, das jeden­falls in London nicht übermäßig angenehm be-

Marburger

Studenten - Erinnerungen.

Von L. Müller, lSchluß.)

30. Berschwundene Studentenlokale.

Lokale, die mit den Studenten in innigster Beziehung standen, sind viel verschwunden, und em Student, der vor mehr denn fünfzig Jahren hier studierte, wird vieles verändert finden, wenn er wieder nach Marburg käme. Beginnen wir vor dem Tore der Stadt, da stand rechts vor der Elisabethenbrücke an der Lahn ein Haus mit großem Garten, es war eine vielbe- xfuchte Schenke, gehörte dem Joh. Diehl und hieß cherKalte Frosch". Lange Jahre hatten die sHessen-Nastauer hier ihre Kneipe, jetzt ist eine Bleicherei auf diesem Grundstücke. Der Lahn .'gegenüber auf dem Saurasen lag derHaarige 'Ranzen", sein Besitzer hieß Schmidt, hier wur­den zuweilen Mensuren geschlagen. Heute be­findet sich hier ein Fabriketablistement. An dem offenen Bach, im Deutschhaushofe, stand ehedem ein einstöckiges Gebäude, es war das Fechthaus, worin der alte Harms, der Groß­vater vom jetzigen Fechtmeister, den Studenten Unterricht im Fechten erteilte. Am Eingang nach Zwi'chenhausen vom Steinweg rechts wohnte ein Wirt namens Schäfer, die Stuben« ten nannten ihn denSchlapsschwanz"; hier verkehrten die Hessen-Nassauer besonders im Winter. Jetzt ist ein Cafä und eine Stehbier­halle dort. Im Runkelschen Garten im Roten­graben gab cs eine WirtschaftZum fidelen Loch", hier hatten die Hessen-Nassauer zuletzt ihre Kneipe, bis sie in ihr eigenes Vereinshaus übersiedelten. Oberhalb am nördlichen Schloß­berg lag ein Haus mit Wirtschaftsgarten, es war dasBunte Kitzel". Sonntags fand in dem geräumigen Saale Tanzmusik statt und in der Woche benutzten ihn die Studenten, um rhre Mensuren hier auszufechten. Es hatten

auf demBunten Kitzel" folgende Wirte ihr Domizil: Neumüller, Enkhausen, Treuer, Keu­scher und als letzter der sog. Kaffee-Keßler. Als im Jahre 1873 im August das Gebäude ab- brannte, baute es Keßler wieder auf, aber fei­nem früheren Zwecke wurde cs entzogen, es kam in Privathände. Justizrat Grimm legte hier einen Part an. Gehen wir durch die Wetter­gaste nach der Reitgasse, da wohnte in dem jetzigen Eberhardschen Hause der Kneip- und Speisewirt Peter Zimmermann mit seiner Frau Regine, es war ein bekanntes Studentenlokal. Schräg gegenüber war die Markeessche Kondi­torei mit ihrer Weinstube und dem schönen Sülchen. Oben am Eck der Marttgasse wohnte der Punsch-Möller mit seiner bekannten Wein­stube. Am Ende der Barfüßerstraße imKtonn- bergs S>of" war das Museum, ein Institut, in dem meistens Studenten verkehrten, der Wirt hieß Becker. Neben dem Museum war ein großer Garten, in dem im Sommer alle 14 Tage Tanz, der sog.Schwindel", abgehalten wurde. 1851 richtete Becker in seinem Hause neben dem Mu­seum für die Teutonen eine Kneipe ein, bis diese später den vor dem Renthöfer Tor gelegenen, früher Eberhardtschen Garten von Professor Brommeis kauften und eine Kneipe in dem alten Gartenlokal errichteten. Vor dem Bar« füßertor neben dem alten Friedhof lag das Henndorfsche Lokal mit großem Garten und schräg gegenüber der Heusersche, später Dörrsche Garten, die beide viel von Studenten besucht wurden. Der darüber gelegene Lederersche Garten diente mitunter einem Korps zum Sommerlokal. Das Bier wurde damals in Mineralwasterkrügen eingelegt und mit Ge­würzen vermischt. In Ockershausen war das Pfannenkuchenhäuschen mit seinem Garten, ein heute verschwundenes Lokal, das von den Stu­denten, um Pfannenkuchen ,u essen, fleißig besucht wurde. Heute findet raunt noch jemand bte Stette, wo es gestanden hat; es war ein ein« stockiges Haus mit Garten, wohin man Übgx

rühren dürfte. Wenn nämlich Herr Laurier das britische Reich als einenKomplex von Rationen" definiert,die in legislativer Be­ziehung unabhängig find, aber ausnahmslos die Oberhoheit des Königs von Großbritannien anerkennen", so spricht daraus etwas von jenem amerikanischen Unabhängigkeitsgefühle, das den Leitern der allbritischen Politik fehr unsym­pathisch ist; denn auch die überzeugtesten Freunde Chamberlains werden als praktisch denkende Engländer die Möglichkeit int Auge behalten, daß dermaleinst trotz der eisernen Klammern der britischen Riesenschlachtschiffe der über alle Weltteile verstreuteKomplex von Nationen" auseinander brechen kann. Vor­läufig allerdings scheint diese Möglichkeit noch in weiter Ferne. Trotziger, als je, hebt Albion das Haupt und seine Flagge beherrscht nach wie vor die Meere. Darum auch wird ein Ab- rüstungsoorschlag von englischer Seite wohl schwerlich für Ernst genommen werden, da John Bull niemals freiwillig auf seine maritimen Machtmittel verzichten wird; sintemalen dies ebenfo für England den politischen Selb st mord bedeuten würde, wie die Ab­rüstung zu Lande für das deutsche Reich.

Damit wären wir wieder im Vaterlande angelangt, wo man auch in innerpolitischer Be­ziehung nicht müßig gewesen ist; denn im Reichstage sowohl, wie auch im preußischen Ab­geordnetenhause hat man fleißig gearbeitet und praktische Erfolge erzielt besonders auf dem Ge­biete fozialer Fürsorge. Ein parlamentari­sches Ereignis von außergewöhnlicher Bedeu­tung war, wie bereits aus unserem gestrigen Berichte hervorging, die Jnterpellatton des Grafen Kanitz über die hohen Kohlenpreise im preußischen Abgeordnetenhause, durch die einer allgemeinen, berechtigten Klage Ausdruck ge­geben wurde. Selbst der Minister Delbrück, der die Ausführungen des Grafen Kanitz abzu­schwächen fuchte, mußte zugeben, daß die der­zeitigen Kohlenpreise eine unheimliche Höhe er­reicht haben. Die Ursache hiervon aber ist, wie der konservative Redner ausführte, lediglich zu suchen in der rücksichtslosen Preispolitik, d. h. Profitgier der Zechenbefitzer bezw. des Kohlen- fyndikats. Diese Feststellung verdient um so mehr beachtet zu werden, als die kleineren und kleinsten Kohlenverbraucher nur allzusehr ge­neigt sind, den Zwischenhandel für diese unge­rechtfertigte Preissteigerung verantwortlich zu machen, obwohl dieser im vorliegenden Falle zumeist selbst mit unter diesem Mißverhältnis zu leiden hat. Die Regierung würde sich zwei­fellos allseitigen Dank erwerben, wenn es ihr gelänge, die Preisbewegung auf dem Kohlen­markte günstig im Sinne der Verbraucher zu beeinflussen.

einen tiefen Graben mittelst eines Steges ge­langte. In Weidenhausen wohnte der Matthäi (Hachenburger), bet hinter seinem Hause einen Wirtschaftsgarten hatte. Der Wingolf kneipte bei Heuser. Runkels waren bekannt wegen guter Küche. Frau Runkel richtete diesen ein Lokal für ihre Kneipe ein. Jetzt haben fast alle Korps und Verbindungen eigene Vereinshäuser, früher kannte man dieses nicht, sie zogen umher wie die Nomaden.

31. Die akademische Freiheit in Gefahr.

Die Marburger Studentenschaft hatte einen Sonderkonflikt mit dem preußischen Kultus­minister bekommen. Die Motive zu diesem Streit waren eine Sympathiekundgebung für die Inns­brucker Studenten, wegen der die Hannoveraner gemaßregelt wurden. Der Minister hatte an­läßlich einer Kundgebung der Marburger Stu­denten zu Gunsten der akademischen Freiheit, die sich durch die Vorgänge in Hannover bedroht glaubten, dem Vertreterausschusse als Antwort auf ihre Eingabe verschiedene Wünsche geäußert, und zwar: die Studentenschaft möge bei Be­schwerden den Instanzenweg einhalten, ferner akademische Streitigkeiten nicht sofort in der Presse behandeln und schließlich darauf ver­zichten, mit anderen Studenten sich über Be­handlung studentischer Fragen in Verbindung zu setzen. Der Ausschuß der Marburger Studenten- fchaft hielt jedoch diese Wünsche alle als uner­füllbar und als eine weitere Beschränkung der akademischen Freiheit bezweckend. Dagegen wolle man volle Satisfaktton dafür geben, daß der Minister versehentlich nachts um 12 Uhr durch ein von ihnen als dringend bezeichnetes Telegramm aus dem Schlafe geweckt worden fei. (Man hatte nämlich am 4. Februar eine Reso­lutton an den Minister abgesandt, die diesem um 2 Uhr nachts überreicht wurde, so daß dieser im Schlafe gestört wurde.) Am 6. Februar 1905 !«tobte bet Minister den Geh. Rat Daude wegen tiefes Vergehens und der nächtlichen Ruhe«

Deutscher Reichstag.

Der Reichstag befaßte sich am Freitag zu­nächst mit der Abstimmung über die Resolutio­nen zum Postetat. Die Resolutionen wurden sämtlich angenommen und zwar die Ostmarken« Zulagen-Resolutton mit dem Zusatz des Abg. Pachnicke, die Zulagen nur unwiderruf­lich zu gewähren. Debattelos geneh­migt wurde darauf der Etat des Reichs­militärgerichts. Es folgte der Etat des Reichskolonialamts, der die Ausgaben für einen Staatssekretär und für ein selbständi- ?es Staatsfekretariat fordert. In Verbindung iermit stand die Beratung der Ausgaben für ein selbständiges Schutztruppen-Kommando.

Abg. Spahn (Ztr.) erklärte, die Stellung seiner Partei zur Frage eines selbständigen Ko­lonialamtes sei dieselbe wie im vorigen Jahre. Er wies dann darauf hin, wie wenig Europäer, zumal Deutsche, in unseren Kolonien seien und wie teuer uns die Kolonien gegenüber ihrem Werte bereits zu stehen kämen, selbst wenn man alle die Faktoren für richtige annähme, die der Kolonialdirektor in seiner Denkschrift in Rech­nung gestellt habe. Abg. Wiemer (srs. Vp.) gab die Zustimmung feinet Freunde für ein selbständiges Kolonialamt auch diesmal ab. Habe man die Kolonien, so müsse man auch den Schluß ziehen, daß zu ihrer wirtschaftlichen Er­schließung eine geordnete Verwaltung gehöre, und gerade dazu bedürfe es einet Neuorganisa­tion. Abg. Lin, (Hosp. d. Rp.) hob die Bedeu­tung der Missionen für die Kolonien hervor und wünschte eine Entschädigung der Missionare in demselben Maße wie bei den Farmern. Abg. Bebel (Soz.) meinte, weit wichtiger, als ein Staatssekretariat für dieKolonien wäre ein sol­ches für die Sozial- und Versichetungspolitik; die Gefahr in bet Errichtung eines selbständi­gen Staatssekretariats läge besonders in dem Umstande, baß es nach Betätigung drängen, neue Bedürfnisse und Ausgaben schaffen, , und uns insbesondere in internationale Schwierig­keiten verwickeln würbe. Wegen dieser Rei- bungsflächen sei es notwendig, die Kolonial^ Politik in bet Hanb bes Staatssekretärs des Auswätttgen Amtes zu belassen ober die Ver­waltung höchstens einem Unterstaatssekretär zu übertragen. Staatssekretär Gras Posadowslq erwiderte auf die Ausführungen des Abg. Bebel, die Befürchtungen von Reibungen mit dem Auslande für den Fall der Trennung der Kolonien von dem Auswärtigen Amte feien un­begründet. Auch das Kolonialamt würde sich bei Beziehungen zum Auslande, wie jedes an­dere Ressort, erst an das Auswärtige Amt zu wenden haben. Abg. Arning (natlib.) sprach im Namen seiner Freunde dem Kolonialdirektor Vertrauen und Dank aus für das für die Ko^ Ionien neuerweckte Interesse und wünschte den Kolonien eine möglichste Selbstverwaltung.

Abg. Frht. v. Richthofen (kons.) erklärte sich namens feinet Freunde mit der Neuotganisaz i - === = - ==g

ftötung halber nach Marburg. Der Geh. Rai leitete eine resultatlose Untersuchung gegen die Missetäter ein. Nun wurde bet Kommissar auf telegraphischem Wege von Berlin angewiesen zwei Mitglieder des Studentenausschusses mif nach Berlin zu nehmen, um dort protokollarisch vernommen zu werden. Als Anlage dieses Prcst tokolls wurde nun den beiden Studenten ei# Entwurf zu einem Entschuldigungsschreiben zur Uebermittlung an den Studentenausschuß ich Marburg eingehändigt. Ueber diese Angelegen« heit gab es lange Verhandlungen zwischen dem Studentenausschüsse und der Berliner Behörde, bis diefe endlich am 23. Februar 1905 Zuge­ständnisse an den Studentenausschuß machte, womit die Protestkundgebung der Marburger Studentenschaft ihr Ende erreichte. ,

Der Minister machte folgende Zugeständnisse: 1. Freiet Verkehr von Ausschuß zu Ausschuß. 2. Direkter Verkehr mit dem Ministerium. 3. Freier Ver­kehr mit der Presse. Hiermit war der Streit um die akademische Freiheit, für welche die Marburger Studenten solidarisch für die Hannoveraner eintraten, beigelegt. Die Motive zu dem Streit waten eine genannte Sympathie­kundgebung für die Innsbrucker Studenten, wegen des die Hannoveraner gemaßregelt wur­den; hiergegen zogen die Behörden die schärflten Saiten aus und gingen mit Strafen vor, wo eine Belehrung am Platze gewesen wäre. Die studenttsche Bewegung hatte eine große Aehn- lichkeit mit der burschenschaftlichen Aaitatio» nach den Karlsbader Beschlüssen. Damals traten unter dem Kampfrufe:Butschew heraus, für die akademische Freiheit!" die imssenschaft- liche Jugend in die politische Arena. Am 1. März nachmittags um 2 Uhr brachten unge­fähr 800 Studenten dem derzeitigen Rettot, dem Universitäts-Professor Dt. Korschelt eine im­posante Ovation. Von der Ketzetbach aus zogen die Studenten, alle Korporationen durchein­ander gemengt, die ganze Straßenbrette ein« j