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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

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Marburg

Sonnabend 4. Mai 1907.

Erscheint wöchentlich sieben mal. _ ,

Druck und Verlag' Joh. Nug. Koch, llmversitätS-Buchdnicherel 4sa, Marburg, Markt 21. Telephon 55.

Die hohen Kohlenpreise.

Im preußischen Abgeordnetenbause hat der konservative Abgeordnete Graf v. Kanitz eine Interpellation wegen der Kohlenpreise ieingcbracht. Die Interpellation verweist auf die Unzuträglichkeiten, die sich aus den dauernden .Steigerungen der Kohlenpreise ergeben, und fragt, ob die Regierung die Frage erneut prü­fen will, ob die ermäßigten Eisenbahntarife für den Export von Steinkohlen und Koks nach dem Auslände beizubehalten sind.

Abg. Graf Kanitz begründete die In- terpellatton, wobei er folgendes ausführte. Wir haben selten so andauernd hohe Kohlenpreise gehabt wie jetzt. Dabei sind die Verhältnisse der Kohlenproduzenten fortgesetzt günstig. Keine Zeche gibt weniger, als 10 Prozent Dividende: einzelne geben bis 30 Prozent (Hört, hört!) Weniger erfreulich ist die Lage der Arbeiter. Dabei müssen wir beobachten, wie unsere länd­lichen Arbeiter scharenweise nach dem Kohlen­revier gelockt werden, die Arbeiter, die wir er­zogen und ausgebildet haben. (Sehr wahr!) Die jüngsten Steigerungen der Kühlenpreise waren vollauf unberechtigt. (Sehr wahr!) Im Vorjahr wurden in Deutschland 136 479 885 Tonne» Kohlen produziert: 126 Millionen Tonnen wurden bei uns verbraucht. Eine Mark pro Tonne mehr bringt also den Kohlenprodu- ,seilten 126 Millionen Mark. (Hört, hört!) Was bedeuten gegenüber dieser Preissteigerung die gestiegenen Lebensmittelpreise? (Sehr wahr! rechts.) Die hoben Kohlenpreise steigern natür­lich auch die Eisenpreise. Selbst die Preise von Brennholz und Grubenholz sind in die Höhe ge­gangen. Ich will gern anerkennen, daß sich das Kohlensyndikat in der Preispolitik einer ge­wissen Mäßigung befleißigt hat, aber die sog. Mäßigkeitsapostel behalten nicht immer die Oberhand. Auffülligerwetse hat sich die Koh- lenausfuhr mehr als verdoppelt. Durch das Abstoßen erheblicher Mengen nach dem Aus­lande wird der einheimische Markt von Waren entblößt und die ausländische Industrie gestärkt. sfSehr richtig!) Bei der Kartellenquete hat es Generaldirektor Kirdorf abgelehnt, sich über die Kohlenpreise zu äußern, da er keine Geschäfts» geheimnisse preisgeben könne. (Hört, hört!) Blieben alle Koblen im Inlands, so wäre kein Kohlenmangel, wir hätten erträgliche und doch für die Produzenten lohnende Kohlenpreis«. IsSchr richtig!) 4050 000 Bergarbeiter könn­te n in anderen Berufszweigen Beschäftigung finden. Heute aber haben wir eine ländliche Arbeiternot. damit das Ausland billige Kohlen bekommt. Da richte ich an den Minister die Bitte, im Bundesrat für Einführung eines Ausfuhrzolles für Kohle tätig zu sein. (Beifall rechts.) Unserer am chronischen Defizit leiden­den Neichskasie wären die Einnahmen zu gön­nen. Nach allen diesen Erwägungen wird un­sere Interpellation berechtigt erscheinen. Eine reichsgesetzliche Regelung des Kartellwesens scheint nicht zu kommen. Ich habe auch die Ar­beiterfrage mitberührt, um auf unhaltbare Zu­stände aufmerksam zu machen. Möge die Re-

ein gewisses mit Freuden

Ah

Zum ersten Mal zeigt Felicie Interesse.

Der gute Geistliche nimmt es

wahr.

Sie haben drei Jahre?"

Sie nickt. ,

Wenn Sie sich in jeder Beziehung aut auf­führen, ist es möglich, baft Sie bereits nach zweieinhalb Jahren das Gefängnis verlassen

29 lRachdruck verboten.),

In der Schule des Leidens.

I Roman aus dem New-Yorker Leben

) von Erich Friesen.

i Fortsetzung.

... Der Geistliche schlägt andere Themen an. Dor allem ist ihm darum zu tun, diese erstarrte Seele zu erwecken. Sie dann auf den richtigen Weg zu leiten, wird ihm nicht schwer fallen.

Und richtig plötzlich kommt Leben in Fe- licies gleichgültig starre Augen. Der Geistliche hat soeben geäußert, daß sie ihre Strafzeit ab- knrzen könne, wenn sie wolle.

Wie das?"

Sie fragt es ungläubig, aber ersichtlich ge­spannt. i ,

Indem Sie sich ruhig und ohne Widerstand den Hausgesehen fügen."

Ich füge mich ja."

Aber nur passiv. Aus freiem Willen, freu­digen Herzens müssen Sie tun, was von Ihnen verlangt wird."

Und dann?"

Dann werden Sie täglich eine Marke für gutes Betragen erhalten, und eine gewisse An­zahl solcher Marken berechtigt Sie zu früherem Verlassen des Eefängnisies."

gierung von allen Mitteln Gebrauch machen, um diesen Kalamitäten abzuhelfen. (Stürmi­scher Beifall recht, vereinzeltes Zischen links.)

Handelsminister Dr. Delbrück gab in Beant­wortung dieser Fragen folgende Erklärung ab: Ich bedauere die hohen Kohlenpreise. Schwan­kungen in den Kohlenpreisen sind erklärlich und zu niedrige Kohlenpreise wären bedenklich. Die Zahlen des Vorredners sind nicht genügend zu dem Beweise, daß wir ungerechtfertigt hohe Kohlenpreise haben. Auch hier entscheiden die Kosten der Produktion und Angebot und Nach­frage. Haben die Kohlenpreise nach oben die zulässige Grenze überschritten^ Ich muß die Frage verneinen. Die jetzigen Preise haben den Stand von 1901 noch nicht erreicht. Dabei geht die Kurve der Selbstkosten und Arbeitslöhne nach oben, die Kurve der Ueberschüsse nach un­ten. Im letzten Jahrzehnt haben sich die Koh­lenpreise stets nach der Konjunktur gerichtet. Bei uns haben sich die Preise mehr als im Aus­lände normalen Verhältnissen genähert. Gleich­wohl erkenne ich an. daß heute die Kohlenvreise eine unheimliche Höhe erreicht haben. (Sehr wahr? und Hört! hört!) Die Regierung wird Abwehrmaßregeln ernst zu erwägen haben. Ne­ben den grundsätzlichen Bedenken, die sich gegen einen Ausfuhrzoll erheben lassen, ist zu beden­ken. daß der Zoll von den einheimischen Produ­zenten getragen werden müßte u. a. m. Wird aber der Zoll eingeiührt, so sind entweder stei­gende Einnahmen für die Neichskasie zu erwar­ten oder gesteigerte Vorräte im Inland: beides zugleich ist nicht denkbar. Der Staat hat aber die Pflicht, seine eigenen Kohlenschätze zu er­höhen: das ist geschehen. Ilm die Schwierigkei­ten für den kleinen Abnehmer zu erleichtern, habe ich wiederholt Anweisungen an die Berg­werksdirektionen ergehen lasten. Uebrigens sind die an ausländische Händler abgegebenen Menaen ständig gesunken.

Eisenbahnminister Breiteubdch erklärte sich bereit, erneut zu prüfen, ob die ermäßigten Tarife für den Export von Kohlen und Koks beizubehalten sind? Die Ausfuhr hat sich ge­steigert. Die Frage wird den Landeseisenbahn- rat noch beschäftigen. (Beifall.)

Hiernach beschloß das Haus einstimmig die Besprechung der Interpellation.

Abg. Hirsch I. Esten (natlib.) suchte die Preispolitik de« Koblensyndikots in längeren Ausführungen zu rechtfertigen: die Aufhebung der Frachtvergünstigung für die Ausfuhr werde zu keiner Ermäßigung der Kohlenpreise führen, denn diese ständen in ursächlichem Zusammen­hang« mit der starken Steigerung der Produk­tionskosten, insbesondere der Arbeitslöhne. Diese aber sei wieder veranlaßt durch die Stei­gerung der Preise von Getreide, Fleisch und an­deren Lebensbedürfnisien. Wer daher wirksame Agrarzölle wolle, müsie auch hohe Kohlenvreise in den Kauf nehmen. Abg. Herold (Ztr.) wandte sich entschieden gegen diese Behauptung, erklärte den zunehmenden Arbeitermangel in der Landwirtschaft für eine schwere Kalamität, aber für eine notwendige Begleiterscheinung der jetzigen Phase unseres Wirtschaftslebens, die hoffentlich bald vorübergehen werd«. Ein

Deutscher Reichstag.

Im Reichstage erklärte am Donnerstag vor Eintritt in die Tagesordnung Abg. Frhr. w« Heql (natlib.) unter Hinweis auf die am 14. März und 22. April gegen ihn gerichteten An­griff« des sozialdemokratischen Abgeordneten Heine, unter den vielen Tausenden von Arbei«

Kohlenausfuhrzoll sei nicht angängig, eine Be­seitigung der Ausfuhrtarife könne keinen Ein­fluß auf di« Kohlenpreise üben. Wenn auch das Kohlensyndikat nicht immer einwandsfrei gehandelt haben möge, so sei seine Politik doch im ganzen segensreich gewesen. Industrie und Landwirtschaft müßten zusammenstehen. Diese« Zusammenstehen werd« durch di« einseitig anti- agrarische Tendenz eines Teils der liberalen Presse gestört. Beide Teile müßten sich im Ge­genteil entgegenkommen zu gemeinsamem Wir­ken zum Wohle der Gesamtheit. (Lebhafter Beifall.) Abg. Dr. Wagner (freikons.) stellte sich im wesentlichen auf den Standpunkt des Vorredners. Abg. Münsterberg (frs. Vgg.) be­dauerte die hohen Kohlenpreise: Ausfuhrzöllen aber in jeder Form ständen seine Freunde grundsätzlich ablehnend gegenüber. Abgeordne­ter Dr. Hahn (Bund der Landwirte) erklärte: Ich bin kein grundsätzlicher Gegner der Syndi­kate an sich. Aber jedes Syndikat muß sich in den Dienst der Gesamtheit stellen. Ich bebaure das Verhalten des Herrn Kirdorf in der Kar­tellenquete: Tatsachen sind doch nicht einfache Eeschäftsgeheimniste. Leider ist dem Minister nicht gelungen, auf das Eeschäftsgebahren des Kohlensyndikats Einfluß zu gewinnen Die Einschränkung der Förderung durch das Syndi­kat lag nicht im Eesamtinteresie. Hier hätte der Staat einateifen müsien. Der Staat muß ein Wort mitsprechen bei der Preis- und Förde- rnngspolitik des Syndikats. Leider wird der Export überschätzt, die Bedeutung des inländi­schen Marktes für den Absatz unterschätzt. Die Erklärung des Eisenbahnministers begrüße ich mit Genügtuung. Die Entwickelung treibt ge­genwärtig dahin, daß einzelne Industriefami- lien uns alle wirtschaftlich beherrschen, und daß die Bodenschätze wie Kohle und Kali in die Hand weniger Privatpersonen kommen. Da muß der Staat seine Kohlenfelder vermehre«. Stbg. Hirsch möchte auch die Schuld an den hohe« Kohlenpreisen den bösen Agrariern zuschieben. An den hohen Fleisch- und Brotpreisen sind die Landwirte nicht schuld. (Sehr richtig!) Richtig ist, daß gerade umgekehrt die hohen Kohlen­preise die Lebensmittelpreise in die Höhe ge­schraubt haben. Graf Kanitz gebührt das Ver­dienst, auf einen schweren wirtschaftlichen Miß­stand hingewiesen zu haben. Sein Bemühen war keine Feindschaft gegen die Industrie. (Sehr wahr! rechts.) Die Industrie verdankt ihre Schutzzölle der agrarischen Reichstagsmehr­heit. Fördern wir den Absatz auf dem Inlands­markte! Möge das Syndikat den Zechen freie Hand in der Förderung lassen. (Lebh. Beifall rechts, Zischen links.)

Das Haus vertagte sich alsdann.

Jetzt öffnet Felicie die Augen.

Frau Davis?«

'^Jch ich möchte mein Kind sehen. Ist es ein Junge oder"

Es ist ein Junge."

Und Frau Davis nimmt ein graufarbenes Bündel vom Lager nebenan und legt es der jungen Mutter in di« Arme.

Felicie blickt nieder auf das kleine rote Köpf­chen mit dem Büschel blonder Haare am Schopf. Die Augen sind weit offen große blaugraue Augen, in welchen die junge Mutter das Eben- btib des Vaters zu erkennen meint.

Ein unendliches Gefühl durchbebt ihr Herz.

Inbrünstig faltet sie die Hände übet dem grauen Bündel. Ihre Augen tragen einen »er­klärten Ausdruck. Es ist, als ob ein Hauch ihres früheren tiefen Empfindens über sie glom­men sei.

Von nun an erscheinen di« Ding« «m sie her Felicien tn einem neuen Licht.

Sie ist nicht länger unglücklich. Was küm­mern sie die Gefängnismauern, was der Man­gel an Unterhaltung, was das Bewußtsein, daß sie eingefperrt ist! Ein Blick in die Augen ihres Kindes, und ihr Herz erbebt in reinstem Mutterglück.

Das kleine, weiche GefichtHen streicheln, die winzigen Fingerchen in di« ihr«n nehmen, den leisen Atemzügen lauschen und jebet andere Wunsch erstirbt in ihr.

Selbst der Gedanke an die Trennung von dem Gatten ist ihr jetzt nicht mehr so schrecklich. Sie hat das Kind es braucht die Mutter. Hier ist ihr Platz ...

Auf einem Gefängnis lastet gewöhnlich eine recht drückende Atmosphäre. Lachen. Scher-e«. Sonnenschein sind dort jettens vaste

Noch über zwei Jahre!"

Felicies Kopf finkt auf die Brust herab. Ihre ganze Natur sträubt sich dagegen, sich den strengen Gefängnisregeln geduldig zu fügen. Und lohnt es sich überhaupt, den Kampf mit dieser ungebärdigen Natur aufzunehmen, mit der Aussicht auf mehr als zwei Jahre Gefäng­nis? ... , ,

Und wieder versinkt sie in ihr früheres Schweigen.

Kopfschüttelnd verläßt der Geistlich« bte

Felicie Barrington wird vorerst als Kranke behandelt. Sie erhält reichliche Fleifchnahrung und wird soviel wie möglich von den andern, meist rohen ungebildeten Gefangenen, fernge­halten.

Trotzdem in gleicher Weis«, wie ihr« Seele erschlafft, verfällt ihr Körper. Bon Tag zu Tag wird sie magerer, verliett ihr Gesicht mehr die gefonbe Farbe.

Alle (befangenen müssen arbeiten. Felrcien hat man Näharbeit zugewiesen.

Aber selbst das bißchen Nähen fällt ihr schwer. Stundenlang hockt sie, übet ein Stück Leinwand gebeugt, die Radel zwischen den ab» gezehrten Fingern, in der Ecke und friert vor sich hin, oder sie murmelt selbstvergessen:

Das Spiel ist aus! Das Spiel ist aus!"

Hat ihr Geist gelitten?

Der EefLngnisarzt fragt es sich oft besorgt. Mit Bangen steht et der Zukunft entgegen.

XVII.

Auf einem säubern Lager bet Äranfenabtei« lung des Frauengefängnisses tn Brooklyn liegt Felicie Barrington totesmatt, mit geschlosse­nen Augen.

Neben dem Lager steht die Hausmutter, eine robuste, starkknochige Frau, uttb becHsLftt >U Atemzuge ihrer Schutzbefohlene»^---

tern, die er (Redner) beschäftige, seien nur 39, mit denen er einenVertrag" geschlossen habe. Diese Betreffenden befänden sich aber in Stel« fangen, in denen sie Fabrikgeheimnisse zu wah­ren hätten, sie seien Vettrauensmänner, mit denen hauptsächlich den unlauteren Machen« schäften einer ausländischen Konkurrenz gegen­über Verträge abgeschlossen seien. Als Ergän­zung kämen jedoch in Betracht, daß diesen «er- trauensleuten und ihren Witwen höhere Pen« fionen zugesichert seien. In diesem Zusammen­hänge seien die Verträge geschlossen, und in die­sem Sinne seien sie zu verstehen. Darauf trat das Haus in die erste Beratung des Ergan zungsetats zur Erweiterung des Kai­ser Wilhelm-Kanals. Abg. Leonhari ffreif. Volksp.) bemerkte hierbei, es sei Tatsache daß der Kanal nur für Hamburg einen Vorteil gebracht habe: Hamburg sollte daher auch zu den Kosten herangezogen werden. Wenn das trotzdem nicht geschehe, so beweise dies umso­mehr, daß die wirklich nottuende KanalerweUe- rung, weniger wirtschaftlichen als strategischen Interessen dienen solle. Er beantragte die Ver­weisung der Vorlage an die Budgetkommftsion. Nach weiteren Reden des Abg. Frhr. von Richt- hofen (kons.), der gleichfalls Ueberweisung an die Vudaetkommission wünschte, sowie Frohm« (Soz.), Kirsch (Ztr.), Eoercke (natlib.), Speth- mann (frei?. Volksp.), Burchardt (wirtsch. Vgg.) und Graefe (dtsch. Rsp.) begrüßteStaots- sekretär Graf Posadowskq, daß alle Redner di« Notwendigkeit des Umbaues des Kanals aner­kannt hätten. Was die Leistungen von Ham­burg und Preußen anlange, so werde das in der Kommission zu erörtern fein; anzunehmen sei jedoch, daß Hamburg die Gründe, die es gel­tend machen könne, auch geltend machen werde. Hierauf wurde die Vorlage der Budgeikomnns- sion überwiesen. Es folgte die erste Lesung des Vertrages mit der Schweiz über Beglaubigung offen!fieber Urkunden. Die Genehmigung er­folgte debattelos gleich in zweiter Lesung. Da­rauf setzte das Haus di« Beratung des P o st» etats fort. Abg. Bruhns (dsch. Rsp.) trat hierbei für eine Entlastung der Unterbeamten ein und befürwortete die Resolution bett, die Ostmarkenzulagen. Abg. Derlei (natlib.) be­merkte, die Ostmarkenzulagen seien nicht politi­scher Natur, sie seien als ein Ausgleichsgeld für die dortigen besonders schwierigen Lebensver- hältnisse zu verstehen. Entschieden zurückweisen müsse er die gestern ausgesprochenen Verdächtig­ungen des Äbg. Kulerski gegen die deutsche« Beamten und Lehrer. Abg. Fritzen (Ztr.) führte aus, bei den Ostmarkenzulagen handel« es sich lediglich um ein Glied in der preußischen Polenpolitik. Seine Partei werde trotz Eintre­tens für das Amendement Pachnicke, die Zu­lagenunwiderruflich" zu erklären, dennoch das ganze ablehnen. Abg. Reumann-Hofer (frs. Vgg.) trat für unwiderrufliche Ostmarkenzu­lagen und für stärkere Ausdehnung des Fern­sprechwesens auf dem Lande ein. Starke Be­denken seien auch zu erheben gegen den Erlaß des Minifters des Innern, der den Beamten verbiete, sich an einzelne Abgeordnete zu wen­den. Nach einer kurzen Rede des Abg. Hutz

Felicie und ihr Kind bilden für alle, die mit ihnen in Berührung kommen, einen Lichtpunkt in dem düsteren Einerlei.

Die junge Mutter blüht auf unter diesem Sonnenstrahl des Glückes wie eine herrliche Rose, so daß man bei ihrem Anblick ganz das graue Sträflingskleid, das Finstere ihrer Um­gebung vergißt.

Und bald erregt auch die Schönheit des Kin­des allgemein« Verwunderung.

Es ist ein eigentümliches Kind, der kleine Walter, mit einem überernsten Ausdruck in den großen, blauen Augen. Es schreit nie, es ist nie krank, es schläft die ganze Nacht hindurch. Und wenn es lächelt, bann ist es. als ob ein wärmen­der Sonnenstrahl die Eefängnismauern durch­brochen hätte und aufleuchte in all den bleichen Gesichtern ringsum.

Da das Kind der beständigen Wartung bet Mutter bedarf und in der Zelle nicht Platz für beide ist, beschließt der Gefängnisdirettor. Fe- lieci« in der Krankenabteilung zu behalten.

Einen großen Teil des Tages verbringt sie mit dem Kleinen auf dem hock>ummauerten Ee- fängnishof. Ihr strahlendes Gesicht, das un­schuldige Stammeln des Kindes drinaen hinein bis in die Herzen selbst der verstocktesten Sün», der. Jeder freut sich auf den täglichen Spazier-' gang im Eefängnishof, bloß um die beiden dort zu sehen.

Die Hausmutter und die Wärterinnen ge­winnen Felicie lieb und erleichtern ihr den Aufenthalt, soviel es in ihrer Macht steht. Und Felicie selbst ist stets bereit zu helfen, zu trösten. Nie spricht sie von ihrem Gatten, nie von der Mutter, nie von der Vergangenheit sie lebt und atmet nur in der Existenz ihres kleine» Walter, '

;f_______^Fortsetzung folgt.)