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mit dem Kreis-Latt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

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Snfextienlgebubr: die gespaltene Zeile ober orten Raum 15 Psg.

Reelamen: die Zeile 80 Psg.

Marburg

Freitag, 3. Mai 1907.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck und Verlag' Joh. Aug. Koch, Umvers>t!tS-Buchdruckerei 42. Jührg.

Marburg, Markt 21. Telephon öS.

Die auswärtige Politik im Reichstage.

/ Der Verlauf der Sitzung am Dienstag hat In erfreulicher Weise der geschichtlichen Auf- .tzabe entsprochen, die dieser bedeutungsvollen 'Kundgebung zu unserer auswärtigen Lage ge­sellt war. Es war kein großer Tag in dem bis­her üblichen Sinne, daß um geistreichen Wott- ^jgefechtes oder gar pikanten Klatsches willen müßige Zuhörer sich um die Tribünenplätze strit- Iten, sondern das ganze Aeußere des Reichstages, firn Saale wie auf den Tribünen, trug von vorn­herein einen ungemein ernsten Charakter, und ^iauch die Erklärungen der einzelnen Parteien blieben mit ihrer ruhigen Entschlosienheit und Bestimmtheit in diesem Rahmen. Selbst die Sozialdemokraten, die bezeichnenderweise Herrn p. Volkmar als Redner vorgeschickt hatten, stimmten trotz aller Kritik, an den Leistungen unserer Diplomatie der Eesamtauffassung im wesentlichen bei.

Die Rede des Zentrumsabgrordneten Frhrn. von Hertling leitete die Verhandlungen in fflarer und würdiger Weise ein. Besonders er­freulich war sein Hinweis darauf, daß alle in­neren Zwistigkeiten das Urteil über unsere siußere Politik nicht beeinslusien dürfen. Die Reden der Führer der derzeitigen Opposition werden dem Auslande in nicht mißzuverstehen- her Weise gezeigt haben, roie" töricht die hier «der dort etwa gehegte Hoffnung auf Deutsch­lands Uneinigkeit wäre. .

Von denselben vaterländischen Gefühlen durchdrungen waren auch die Reden der natio- svalliberaten, konservativen und mittelstands­parteilichen Redner, und sie alle waren darin einig, daß Deutschland sich auf Abrüstungsvor- schläge, wie sie für die Haager Friedenskonferenz geplant sind, nicht einlassen könne. Zwar wichen die Freisinnigen und Sozialdemokraten von der Ansicht der übrigen Frakttonrn insofern ab, daß fte eine Teilnahme an der Erörterung dieser Frage für wünschenswert hielten. Aber auch der freisinnige Redner, Abg. Wiemer, betonte rückhaltlos die Bereitwilligkeit seiner politischen Freunde, im Ernstfälle treu der Regierung zur Seite zu stehen. Diese nationale Entschlossen­heit gab der Rede des Reichskanzlers den aus­drucksvollen Rahmen, und die Ausführungen des Kanzlers gestalteten die ganze Verhandlung iin der Tat zu einem großen Tage, von dem die Geschichte einmal nicht wird sagen müsicn, daß er ein kleines Geschlecht gefunden habe. In Einzelheiten wird allerdings an den Ausfüh­rungen des Kanzlers manches auszusetzen fein. So lassen trotz gefälligen Scherzes gegen den Abg. Vafsermann seine Darlegungen der internattonalen Lage nicht die Beunruhigung

18 (Nachdruck verboten.)^

;; In der Schule des Leidens.

' Roman aus dem New-Potter Leben von Erich Friesen.

(Fortsetzung.)

Feliries Anwalt ist einer der bedeutendsten von ganz Newnork. Er weiß es so einzurichten, daß der Präsident seine Fragen so geschickt stellt, daß bei Frau Mackay auch der letzte Rest von Befangenheit schwindet. Klar und deutlich find ihre Antworten. Sie beschreibt das Brillant- KoMer so plastisch, daß die Richter es vor sich zu sehen meinen. Sie gibt seinen Wert an, dabei den Namen des bekannten Juweliers, der es abschätzte, erwähnend. Sie erzählt, wie sie ihrem Mann auf inständiges Bitten das Kollier für ein paar Tage überlassen, da er beim Pfand­leiher Geld dafür erheben wollte. Sie schildert die Aufregung ihrer Tochter, als fie gewahr wurde, daß die echten Diamanten herausge- ,brachen und wettlose Steine dafür eingesetzt waren.

Jeder Zuhörer ist aufs tiefste ergriffen. Die Antipathie, welche der Belastungszeuge ohnehin heroorgerufen, steigert sich. Vereinzeltes Zischen wird laut.

Auf Thomas Mackays Stirn stehen große Schweißtropfen. Sein aufgedunsenes Gesicht ist fast verzerrt vor Wut. Wiederholt während der Aussagen seiner Frau murmelt er halbunter­drückte Flüche in seinen Bart hinein.

Still dal Sonst schaff' ich Sie weg!" .raunt ihm ein Gerichtsdiener zu.

Thomas Mackay verstummt. Das Gefühl des Triumphes hat sich in Furcht verwandelt Furcht für seine persönliche Sicherheit.

Wie die meisten bösartigen, gewissenlosen Menschen, ist er überaus abergläubisch. Er be­greift nicht, wie seine Frau, die er gestern selbst 6n 5ua nach Lona Island hat fottfahren sehen.

entschwinden, und der Vergleich zwischen den Reisen des Kaisers Wilhelm und des Königs Eduard hält vckr einer unbefangenen Prüfung doch kaum stand, zumal Delcassvs Enthüllungen gerade das Gegenteil von der Ansicht des Fürsten Bülow beweisen. Auch die Aeußer- ung des Reichskanzlers, daß di« Verminderung der Reibungsflächen zwischen England und Rußland un» nur wünschenswert erscheinen könne, werden auf starken Widerspruch stoßen und nicht die Auffassung des Fürsten Bismarck entkräften, daß in Um Gegensätze zwischen den englischen und russischen Interessen der Angel­punkt der deutschen Politik liege. Aber es mag zugegeben werden, daß taktisch im Augenblicke jene wohltuende Bemerkung des leitenden deut-- schen Staatsmannes klug gewählt war. Auch die kühle Gelassenheit, mit der der Reichskanzler die Zusammenkunft in Gaeta und das Verhält­nis Deutschlands zu Italien und England be­handelte, erschien mehr takttsch begreiflich als sachlich gerechttertigt, und die Hoffnung auf ein allmähliches Schwinden des Mißtrauens zwi­schen Deutschen und Franzosen konnte im Rah­men dieser Rede wohl kaum fehlen, und bedeu­tete nicht, daß man sich auf deutscher Seite irgendwie über die Kriegsstimmung der Fran­zosen Zweifeln hingebe. Denn ausdrücklich be­tonte der Reichskanzler, daß wir von Schwierig­keiten und Gefahren umgeben sind, daß wir diese aber um so sicherer überwinden werden, je mehr wir eine ruhige, stetige, sachliche aus­wärtige Polittk treiben, und je mehr wir uns entschlossen zeigen, unseren Frieden, unsere Ehre, unsere Weltstellung durch Sammlung aller Kräfte im Innern zu wahren, und wenn es not tut, einmütig zu verteidigen.

Dieser Erundzug der ganzen Rede fand nun eine besondere Verstärkung in den Ausführun­gen des Reichskanzlers über die Haager Kon­ferenz. Es ist wertvoll, die Sätze festzuhalten, in denen der Reichskanzler den Standpunkt der deutschen Regierung darlegte, sehr erfreulicher­weise im Gegensätze zu dem Rate jener Ueber- klugen, die, um den kriegerischen Schein zu ver­meiden, am liebsten Deutschland an der Erör­terung der Abrüstungsfrage beteiligt gesehen hätten. Mit Recht wies der Kanzler darauf hin. daß wir durch eine solche Taktik einen bes­seren Schutz gegen ungerechte Verdächtigungen unserer Friedensliebe nicht erreicht haben wür­den. Und die Gründe, aus denen Deutschland es sich versage ,an jener Erörterung teilzuneh­men, der es im übrigen bestens Erfolg wünsch«, kennzeichnete er mit folgenden Sätzen:

Die deutsche Regierung ist dieser Aufforder­ung nachgekommen, hat aber keine Formel ge­funden, die der großen Verschiedenheit der geo­graphischen, wirtschaftlichen und politischen Lage der verschiedenen Staaten gerecht würde und ge­

heute früh plötzlich im Eerichtssaal auftauchen konnte. Das geht nicht mit rechten Dingen zu. Eine übernatürliche Macht muß die Hand mit im Spiel gehabt haben. ...

Er möchte aufspringen und fliehen; aber wie mit eiserner Faust hält es ihn fest. Rur seine bösen Blicke funkeln zu ihr hinüber, wie. die Augen eines Raubtieres, das sich auf feine Beute stürzen will.

Kaum hat Frau Mackay ihre Aussagen be­endet, als auch ihr Mut wieder zusammenbricht. Aengstlich und an allen Gliedern zitternd, will sie an ihrem Manne vorbeischleichen, hinaus zum Eerichtssaal.

Aber Gerda Douglas hält sie auf.

Setzen Sie sich zu mir, liebe Frau Mackay!" flüstert sie ihr liebevoll zu.Sie werden heute Abend nicht nach Haufe zurückkehren wollen. Schlafen Sie bei mir!"

Ein dankbarer Händedruck ist die stumme Antwort.

Inzwischen hat Dr. Maxwell ums Wort ge­beten.

In klaren, beredten Motten schildert er das unglückliche Verhältnis zwischen Stiefvater und Stieftochter. Er faßt noch einmal alles das, was Frau Mackay ausgesagt, zusammen und gibt zu bedenken, daß die Jugend der Ange­klagten und ihre Unkenntnis der Gesetze ein be­deutender Milderungsgrund sei. Sie habe gar nicht das Bewußtsein gehabt, daß fie ein Ver­brechen begehe, als fie den Schttk fälschte; fie habe stch nur einen Teil ihres gestohlenen Gutes zurückholen wollen....

Felicies Augen stehen voll dicker Tränen bei dieser ergreifenden Verteidigungsrede. Di« Her­zen ihrer Freunde dort unten im Publikum schlagen höher im Gefühl der Hoffnung ... .

Sie muß ja freigesprochen werden fie muß--

Jetzt gibt der Präsident kurz das Resümee der Verhandlung. Auch er weist auf di« Jugend

eignet wäre, diese Verschiedenheiten zu besei­tigen und als Grundlage für ein Abkommen zu dienen. Mir ist auch nicht bekannt, daß andere Regierungen glücklicher gewesen wären und eine solche Formel gefunden hätten. So lange aber nicht einmal sichere Hoffnung auf eine befrie­digende Lösung der Frage und auf di« Möglich­keit ihrer prakttschen Durchführung besteht, ver­mag ich mir auch von einer Erörterung auf einer Konferenz nichts zu versprechen. Es liegt im Gegenteil die Gefahr vor, daß durch die Be­rührung der widerstreitenden Interessen eine zweckwidrige Wirkung einträte. Ich kann nicht bestreiten, daß schon die Aussicht auf eine Be­handlung dieser Fragen auf der Konferenz eine beruhigende Wirkung auf die internationale Lage ausgeübt hat.

Mit feinem Spotte wies der Reichskanzler dann darauf hin, daß bei der Erörterung des Kriegsvölkerrechtes auf einer Brüsseler Kon­ferenz der englische Delegierte erklärte, seine Regierung könne sich an der Konferenz nur be- teftigen, wenn die Frage des Kriegsbeuterechts mittelbar oder unmittelbar berührt werde. Und das gleiche hätten wir jetzt auch tun können und unsere Beteiligung an der Haager Konferenz davon abhängig machen können, daß die Ab­rüstungsfrage nicht berührt wurde. Mit Rück­sicht auf das russische Programm haben wir das nicht getan, sondern wir beschränken uns darauf, diejenigen Mächte, die sich einen Erfolg von der Diskussion versprechen, diese Diskussion allein führen zu lassen.

Die schallende Heiterkeit, mit der der Reichs­tag diese elegante Ausführung aufnahm, wird hoffentlich dem Auslande beweisen, wie abge­schmackt die Aeußerungen der deutschfeindlichen Presse sind, di« uns Nervosität vorwarfen. Noch mehr aber wird diesen Dienst uns der Hinweis auf Deutschlands Einigkeit und Stärke leisten; denn fuhr der Kanzler fort:

Deutschland kann nicht unter einen Druck ge­stellt werden, auch nicht unter einen moralischen. Um unsere Ruhe nach außen zu sichern, sind wir bisher nach dem Grundsatz der Kriegsbereitschaft verfahren, und dieser Grundsatz hat sich bewährt. Trotz allen in der Welt gegen das deutsche Volk heimlich vorhandenen Uebelwollens ist Deutsch­land seit der Errichtung des Reiches von keiner Seite angegriffen worden. Ich füge sofort hinzu, wir haben auch niemanden angegriffen, wir haben unsere militärische Stärke niemals mißbraucht und werden das auch in Zukunft nicht tun.

Deutscher Reichstag.

Der Reichstag, der sich am Dienstag bei der Beratung des Etats des Reichskanzlers mit den großen Fragen der auswärtigen Politik beschäf-

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und Unerfahrenheit der Angeklagten hin und auf den vorhergegangenen Diebstahl, den, nach der Aussag« der Zeugin, der eigene Stiefvater an ihr begangen. Aber er weist nach, daß zwei Verbrechen nun und nimmer mehr einander aufheben, daß Unrecht stets Unrecht und Recht stets Recht bleibe. Eindringlich und mit beson­derem Nachdruck betont er die Größe eines Ver­brechens wie Wechsel- und Scheckfälschung und warnt vor der Gefahr, di« jedem Besitzenden drohe, wenn das Gericht einen solchen Fall leicht nehme.

Rach diesen ernsten, fast ftterlichen Worten, welche wie ein kalter Wasserstrahl auf die er­hitzten Gemüter der Zuhörer niederbrausen, zieht der Gerichtshof sich zurück.

Atemlos« Stille . . . Kaum wagt man sich zu rühren....

Geisterbleich, mit gefalteten Händen, be­wegungslos gleich einer Niobe so starrt Fe- licie nach der Tür, durch welche die Herren so­eben verschwunden sind.

Nach wenigen Minuten schon tritt der Ge- ttchtshof wieder ein.

Mit ernster, feierlicher Stimme verkündtt der Präsident das Urteil:

Drei Jahre Zuchthaus!" >

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Da das Frauengefängnis in Newyork zur Zeit überfüllt ist, schafft man die Verurteilte vorläufig in die Unterabteilung nach Brooklyn.

Wochenlang vegetiert sie in einer Art Traumzustand dahin gleichgültig gegen alles um sie her. Mechanisch bewegt fie fich unter den übrigen Gefangenen. Kaum, daß hie und da ein Wort über ihre Lippen kommt.

Der Gefängnisgeistliche, ein ältlicher Herr mit unendlich guten, wohlwollenden Zügen, be­sucht fie jeden Tag. Eindringlich spricht er auf sie ein; auf jede Weise versucht er, sie aus ihrer Lethargie zu befreien. Er erwähnt ihres Eat-

tigt hatte, führte am Mittwoch die Beratung dieses Etats bei den Fragen der inneren Poli­ttk fort. Abg. Kaempf (frf. Vgg.) trat als erster Redner für den Anttag Ablaß ein, in welchem der Reichskanzler ersucht wird, schleunigst ein« Aenderung der Gesetze in dem Sinne herbeizu­führen, daß für den Verlust des Wahlrechts zum Reichstage und anderer öffentlicher Rechte we­der bicienigen Unterstützungen in Frage kom­men dürfen, die in Form freier Lehr- und Lern­mittel, freier ärztlicher Behandlung, Verabrei­chung von Arzneien und Heilmitteln oder der Aufnahme in ein Krankenhaus gewährt wer­den, noch solche Unterstützungen, die vor Aus, Übung des beir. Rechtes zurückerstattet seien. In einem Erlasse des Reichskanzlers sei zwar den Gemeinden anheimgegeben worden, Fonds für derartige Zwecke zu stiften; den Gemeinden könne man aber nicht zumuten, ihrerseits Feh­ler der Gesetzgebung zu korrigieren. Staats­sekretär Graf Posadowsky erwiderte auf die letz­ten Ausführungen, mit dem betr. Erlasse habe wenigstens ein Versuch gemacht werden sollen, durch Errichtung gemeindlicher Fonds Unter­stützungen für gesundheitliche Zwecke zu ermög­lichen. ohne die Folge einer Entziehung des Wahlrechts. Eine Prüfung dieser ganzen Frage werde jedoch von den verbündeten Negierungen veranlaßt werden. Abg. Götz o. Olenhusen (Welfe), der die Haltung des Reichskanzlers i der braunschweigischen Frage scharf verurteilte, erhielt, als er die Aeutzerung tat, einem Kanz­ler, der noch im Grabe als Agrarier geehrt sein will, und der eine Million in römischen Villen anlegt, könne das Volk in Braunschweig kein Vertrauen schenken, vom Präsidenten Grafen Stollberg wegen dieser Aeußerung eine Rüge. In feiner Erwiderung auf die Ausführungen des Vorredners bemerkte der Reichskanzler Fürst Bülow zunächst, er habe sich, seit er an dieser Stelle stehe, allen Parteien und allen Mitgliedern des Hauses gegenüber rein sach­lichen Ton befleißigt, und er möchte, daß er auch ferner dabei bleibe, daß die Verhandlungen sich durch Sachlichkeit und Würde auszeichnen. Des­halb werde er nicht in dem Tone antworten, den der Vorredner angeschlagen hab«. In der braunschweigischen Frage habe er sich streng auf die Wahrung der Interessen des Reiches be­schränkt. Braunschweig habe weder in geistiger noch in kultureller Beziehung bei dem jetzigen Zustande zu leiden gehabt. Deutschland habe in der Vergangenheit durch den inneren Zwist zwischen Fürsten und Staaten zu sehr gelitten und müsse alles fernhalten, was einer Wieder­holung solcher Vorgänge Vorschub leiste. Braun­schweig könne jeden zum Regenten wählen, der dem Reiche genehm sei. Die verbündeten Ne­gierungen wünschten lediglich, Braunschweig möge eine Regierung beschieden sein zum Segen Braunschweigs selbst und zum Wohle des Rei­ches. Abg. Dauib (Soz.) meinte, die Red« des Reichskanzlers habe so recht gezeigt, daß Macht vor Recht gehe; das Fürstentum von Gottes Gnaden habe stch stets auf den Knauf des Schwertes gestützt. Redner verbreitete sich tt. a.

ten, ihrer Zukunft nach Ablauf der drei Jahre vergebens.

Müde schüttelt fie zu all seinen Bemühungen den Kopf; höchstens, daß sie wie geistesabwesend vor stch hinmurmelt:Das Spiel ist aus?"

Auch heute sitzt der brave Geistliche wieder in der kleinen Zelle Feltcien gegenüber. Ihr Zustand hat sich insofern geändert, als ihre, Gleichgültigkeit einer nervösen Erregtheit fic-' wichen ist. Zwar spricht sie auch jetzt noch nichts viel: aber oft schreitet sie stundenlang ruhelos, in ihrer kleinen Zelle auf und ab, den Kopf ge- senkt, die Hände über der Brust gefaltet.

In einem solck---- unmüdlichen Spaziergang hat st« soeben der Eintritt des Geistlichen ge-' stört. Roch liegt die Röte der Erregung auf ihren schmalen Wangen.

Wie geht es Ihnen, meine Tochter?"

Schweigend zuckt fie di« Achseln.

Sie dürfen stch nicht ganz Ihrem Schmerz hingeben. Es ist nicht recht!"

Wieder keine Antwort.

Sie sollen beten, meine Tochter, und den Allmächtgen dort oben anflehen, daß er Ihnen Kraft gebe, die über Sie verhängte Prüfung i» Geduld zu ertragen!" ,

Ich kann Gott nur um eins bitten, mur­melt ste kaum hörbar.

Und das wäre"

Daß er mein Kind zu sich nimmt."

Traurig schüttelt der Geistliche den Kopf.

Ein solches Gebet wird Gott nicht erhören."

Es ist der einzige Wunsch, den ich augen­blicklich habe."

Nochmals versucht der Geistliche, auf ihr Ge­wissen einzuwirken. Er spricht von der Gnade Gottes, von seiner unendlichen Güte und daß selbst der größte Verbrecher, sofern er wahrhaft bereut, Gottes Verzeihung sicher sek . ..

Ruhig hört Felicw zu. Keine Muskel i* ihrem stillen Antlitz bewegt stch; es ist, als ob in ihr alles tot sei. (Frts. folgt.)