mit dem Kursblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
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Erscheint wöchmtlich sieben mal.
Druck mtb Verlag' Joh. Lug. Koch, Universitätr-Vuchdruckerel 42. Jayrg.
Marburg, Markt 2t. — Telephon 55.
Marburg
Donnerstag, 2. Mai 1907.
Vierteljährlicher Bezugspreis; btt ser Expedition 2 M, l^o 1H9 bet allen Postämtern 2^5 M. «.excl. Bestellgeld).
**■— InkerttonSgebühn die gespaltene Zeile oder veren Raum 15 Pfg.
Neclanicn: die Zeile 30 Pfg.
Erstes Blatt.
Bebel als MilitSrkritiker.
r Bei der Beratung des Militäretats im Reichstage hat der Abgeordnete Bebel wieder, jwie schon früher einmal, die Möglichkeit einer Bedeutenden Herabsetzung der für die deutsche ivM.ee notwendigen Ausbildungszeit und der Md damit zu begründen versucht, daß er auf 'das Beispiel Schwedens und der Schweiz hin- 'wiee. Was die letztere anbetreffe, so sei be- ikannt, daß die schweizerischen Schützen im Schienen zu einer Virtuosität ausgebildet seien, die iin Deutschland ganz unbekannt wäre. Außerdem stehe die schweizerische Artillerie trotz ihrer sganz außerordentlich kurzen Ausbildungszeit durchaus auf der Höhe, nicht nur nach dem Ur- steile Bebels, sondern auch nach dem hervor- sragender militärischer Fachleute. Die Leistungen der schweizerischen Kavallerie seien vorzüglich. wie die ausländischen Stimmen über die Schweizerischen Manöver bewiesen. — Hierzu fwird der „Kölnischen Zeitung" unter dem 26. April aus Bern Folgendes geschrieben: „Das iUtteiC des sozialdemokratischen Parteiführers jüber die schweizerischen militärischen Verhältnisse wird niemand mehr überraschen, als ge- Irade die schweizerischen Militärfachleute selbst, jbie bekanntlich seit Jahren an der Neueintei- üung und Neuordnung des schweizerischen Heeres ^arbeiten und immer wieder darauf Hinweisen, sbaß die bisherige Ausbildungszeit im Verhält- jnis zu den Anforderungen an eine schlagfertige jmit den modernen Verhältnissen rechnende Mi- ^izarmee durchaus unzureichend sei. Als sehr Einschränkend für die Behauptungen des Abge- jordneten Bebel über die Militärverhältnisfe in cher Schweiz wird man außerdem die Tatsache iempsinden müssen, daß gerade vor kurzer Zeit .von der Bundesversammlung der Entwurf einer -neuen Militärorganisation zu Ende beraten 'wurde, durch den die Ausbildungszeit erheblich .erweitert wird und nach jeder Richtung größere Anstrengungen für die Vervollkommnung der schweizerischen Armee gemacht werden, als es bisher geschehen ist. Dennoch bezweifeln heute noch sehr maßgebende militärische Fachleute der Schweiz, daß die neue Militärorganisation allen Anforderungen, die im Interesse einer schlagfertigen und leistungsfähigen Armee gestellt werden müssen, gerecht wird, und zu diesen zählen gerade diejenigen, denen die maßgebendste Stimme zukommt: die Berufsoffiziere. Um vollends die sehr geringe Beweiskraft der Be- belschen Auslassungen zu beleuchten, muß bet diesem Anlaß auch darauf hingewiesen werden,
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In der Schule des Leidens.
Roman aus dem New-Yorker Leben H
von Erich Friesen. :
(Fortsetzung.)
XV.
Am nächsten Vormittag zehn Uhr.
Gesenkten Hauptes, die Wangen mit tiefer Schamröte bedeckt — so betritt Fclicie Barrington den Eerichtssaal.
Als ste auf der Anklagebank Platz nimmt, geht ein Gemurmel durch die Zuhörerreihen. Sie wagt nicht, die Lider zu heben. Ihr ist, als richteten sich die Tausende von Blicken schadenfroh auf sie.
Kurz bevor sie zur Gerichtsverhandlung abgeholt wurde, hatte sie ihrer Wärterin eine rührend kindliche Bitte ausgesprochen.
,Zch möchte gern so hübsch wie möglich aus- sehen," hatte sie leise gesagt. „Aber ich bin so aufgeregt, daß mir ganz schwarz vor den Augen wird. Möchten Sie mir nicht etwas aus meinen Sachen heraussuchen, was mich ein bißchen kleidet? Vielleicht, wenn ich nicht gar zu häßlich aussehe, daß die Richter nicht so streng mit mir verfahren
Zwar zuckte die Wärterin die Achsel; aber dem flehenden Blick, dem bittend emporgehobenen bleichen Antlitz konnte sie doch nicht widerstehen.
Mit mehr Takt, als man es sonst Leuten ihres Schlages zutraut, hatte sie ein einfaches weißes Mullkleid herausgesucht.
■ Als die zierliche, kindliche Gestalt, in eine weiße Mullwolke gehüllt, vor ihr steht — ein Bild der Unschuld und Reinheit — da konnte selbst die harte Wärterin einen Ausruf der Bewunderung nicht unterdrücken.
klnd jetzt sitzt dieses blumenzarte Wesen auf der Anklagebank — auf derselben Anklagebank, auf der fonst hartgesottene Verbrecher, Diebe,
daß es in der Schweiz kaum militärische Fachleute gibt, die sich nicht von den beinahe unüberwindlichen Schwierigkeiten Rechenschaft geben, die das Milizsystem für die Feldtüchtigkeit der Armee mit sich bringt und die diese Schwierigkeiten nicht schon gerade neuerdings im Hinblick auf die wachsenden Anforderungen, die an verwendungsfähige Heere gestellt werden müsien, betont hätten. Außerdem möge sich der Abgeordnete Bebel darüber Rechenschaft geben, daß die Schweizer Armee trotz aller Bemühungen um ihre möglichste Vervollkommnung nur die Rolle einer Verteidigungsarmee zu übernehmen hat und übernehmen kann, also im Ernstfälle Aufgaben zuerteilt bekommt, die sich auch nicht einmal im entferntesten mit denep messen lasten, die dem deutschen Heere zukommen können. Die verhältnismäßig große Schießtüchtigkeit der schweizerischen Soldaten ist auch nicht der mindeste Wahrscheinlichkeitsbeweis dafür, daß sich bei einem andern »Volke mit ähnlichem Heeres- system ähnliche Leistungen erreichen lasten, weil dieser Schießtüchtigkeit wie überhaupt der körperlichen Leistungsfähigkeit der Schweizer Soldaten Landesverhältnisse und Volksgewohnheiten zugute kommen, für die nur in der Schweiz die Bedingungen gegeben sind. Was gar die ausländischen Stimmen über die schweizerischen Manöver anbetrifft, so muß hier darauf hingewiesen werden, daß man im Vorjahre in der Schweiz selbst davor gewarnt hat, aus solchen Beifallskundgebungen voreilige Schlüsse zu ziehen, eine Tatsache, die der eigenen Urteilsfähigkeit der Schweizer in militärischen Dingen ein besseres Zeugnis ausstellt, als dem Abgeordneten Bebel seine schlecht angebrachten Vergleiche der schweizerischen und deutschen Militär- verhältniste." — Auch aus diesem Beispiele läßt sich erkennen, wie leichtfertig die Sozialdemokratie zu Werke geht, um Anklagen oder abfällige Urteile gegen das deutsch« Heerwesen vorzubringen!
Fürsorgeerziehung im Reg. - Bezirk Cassel.
Die Zahl der im Berichtsjahre 1905 zur Fürsorgeerziehung überwiesenen Minderjährigen betrug 180 (1904 168). Die Ueberweisung erfolgte bei 53 auf Grund des § 1 Ziffer 1 des Für- forgeerziehungsgefetzes, bei 10 auf Grund des § 1 Ziffer 2 und bei 117 auf Grund des 8 1 Ziffer 3.
Von den neu Ueberwiesenen find 16 noch nicht schulpflichtig, 118 schulpflichtig, 46 aus der Schule entasten, 124 männlichen, 56 weiblichen Geschlechts. 102 Knaben und 50 Mädchen gehören der evangelischen, 22 Knaben und 6 Mädchen der katholischen Konfession an.
Mörder und ähnlicher Auswurf der Menschheit, Platz nehmen.
Ein Gemurmel des Mitleids durchschwirrt den Eerichtssaal. . . ,
Die Gerichtsverhandlung nimmt ihren Anfang.
Zuerst wird das der Angeklagten zur Last gefegte Verbrechen verlesen und sie gefragt, ob sie sich für schuldig halte.
Gerade will sie, ihrer offenen und ehrlichen Natur gemäß, erklären, daß sie schuldig sei. Da fällt ihr Blick auf ihren ganz in der Nähe fitzenden Rechtsanwalt, dessen Augen fest und mit warnendem Ausdruck auf ste gerichtet sind.
„Nicht schuldig!" murmelt sie kaum vernehmbar.
Als Belastungszeuge erscheint Thomas Mackay.
Schon sein Auftreten ruft den ungünstigsten Eindruck hervor.
Wie er breitspurig an den Zeugenstand herantrfit, wie er mit triumphierendem Blick um Nch schaut und das arme Opfer dort auf der Anklagebank hämisch angrinst — nicht einer unter den sämtlichen Anwesenden hat die Empfindung, es mit einem Ehrenmann zu tun zu haben.
Dabei bringt er seine Anklagen in der rüdesten Weise hervor. In dem erhebenden Bewußtsein, endlich einmal der verhaßten Stieftochter eins anhaben zu können, schießt er sogar wiederholt übers Ziel hinaus. Die Richter eröffnen ein Kreuz- und Querverhör, um ihn der Unwahrscheinlichkeit mancher Behauptungen zu überführen — er läßt sich nicht verblüffen. Er fährt fort, seine Stieftochter als ein vollkommen verdorbenes Geschöpf zu charakterifieren, welches es bloß darauf abfieht, anderen zu schaden.
Felicie folgt seinen lügnerischen Auseinandersetzungen mit wachsender Empörung. Tödliche Blässe wechselt auf ihrem Antlitz mit fliegender Röte. Dicke Schweißtropfen perlen ihr von der Stirn.
Von den Ueberwiesenen stammen aus dem Stadtkreise Castel 60, dem Landkreise Cassel 8, dem Kreise Eschwege 5, Frankenberg 5, Fritzlar 1, Fulda 7, Gelnhausen 6, Gersfeld 1, dem Stadtkreise Hanau 8, dem Landkreise Hanau 8, dem Kreise Hersfeld 6, Homberg 8, Hünfeld 4, Kirchhain 1, Marburg 11, Melsungen 4, Rinteln 4, Rotenburg 3, Schlüchtern 2, Schmalkalden 13, Witzenhausen 8, Wolfhagen 5 und Ziegenhain 2.
Gegen die Ueberweisung von Fürsorgezöglingen ist in 8 Fällen mit 14 Minderjährigen Beschwerde eingelegt worden. Es handelte sich hierbei um 7 ältere schulentlastene und 3 schulpflichtige. Bei 6 der schulentlassenen Minderjährigen war die Beschwerde erfolgreich. Gegen die Ablehnung der Ueberweisung zur Fürsorgeerziehung wurde in 2 Fällen mit 2 Minderjährigen Beschwerde erhoben und zwar mit Erfolg.
Von den überwiesenen 180 Zöglingen gehen infolge von Beschwerden 9 ab. Von den verbleibenden 171 waren 121 am 1. April 1906 untergebracht oder die Unterbringung angeordnet. Von diesen sind 73 in Anstalten, 48 in Familie, Dienst und Lehre untergebracht. Bei 28 war am 1. April 1906 noch keine Anordnung über die Unterbringung getroffen, bei 22 war die Rechtskraft der amtsgerichtlichen Beschlüsse noch nicht eingetreten.
An Fürsorgezöglingen und Zwangszöglingen waren insgesamt in Fürsorgeerziehung am 1. April 1906 1064, davon 376 in Anstalten, also 35 Proz. in Familie, Lehre und Dienst 688 — 65 Proz.
Die Anstalten, in denen Zöglinge des diesseitigen Bezirkes untergebrächt sind, werden sowohl von den zuständigen Kreisärzten, wie von dem Landeshauptmann oder dessen Stellvertreter, soweit möglich, jährlich mindestens einmal besichtigt. Im Berichtsjahre wurden von dem Landeshauptmann oder dem betreffenden Dezernenten in 19 Anstalten 345, sowie von den in Familien untergebrachten Zöglingen an 273 Orten 566 besichtigt, so daß bei 911 der Pflegebefohlenen die Unterbringung geprüft und ihnen Gelegenheit gegeben worden ist, ihre etwaigen Beschwerden und Wünsche zu äußern. Die Familienunterbringungen sind mit wenigen Ausnahmen zweckmäßig und gut befunden worden, ebenso sind bezüglich der Anstalten Mißstände nicht hervorgetreten. Von bett geistig minderwertigen Fürsorgezöglingen des Bezirks- Verbandes befinden sich in Jdiotenanstalten 13, in den Landesheil- und Pflege-Anstalten zu Marburg, Haina und Merxhausen 3, ferner wurden in der Blinden-Anstalt zu Paderborn 1 und in der Taubstummen-Anstalt zu Homberg 5 Zöglinge unterrichtet.
Großer Gott! Ist denn solche Entstellung der Tatsachen nur möglich!
Einmal, bei einer besonders rüden Beschuldigung, fährt sie empor. Ihre Augen blitzen hinüber zu dem Schurken, der sich ihr Stiefvater nennt und dabei ihr wütendster Todfeind ist.
Dr. Maxwell befürchtet jeden Augenblick ein unbedachtes Wort von seiner Klientin. Schnell kritzelt er ein paar Zeilen auf ein herausgerissenes Blatt feines Notizbuches, faltet es zusammen und steckt es der Ängekalgten zu.
Mit zitternden Finger entfaltet sie den Zettel. Sie ist so erregt, daß schwarze Punkte vor ihren Augen tanzen . . .
Endlich entziffert sie die wenigen Worte:
„Bewahren Sie ihre Ruhe! Sie verschlimmern sonst Ihre Lage. Binnen kurzem tritt Ihre Mutter als Entlastungszeuge auf."
Felicie saßt neuen Mut. Dankbar blickt sie den kleinen Rechtsanwalt an, der ihr freundlich zunickt.
Jetzt wagt sie sogar, die Augen zu dem Publikum zu erheben, welches in dichten Reihen die Bänke füllt. Aus dem chaotischen Durcheinander von Gesichtern, Hüten, Federn und Blumen heben sich bekannte Züge ab — das ermutigend lächelnde Gesicht Gerda Douglas'.
Und daneben — Felicies Herz beginnt fast hörbar zu klopfen — daneben taucht ein geliebtes Antlitz auf — sein Antlitz, das Antlitz des Mannes, um dessentwillen sie hier auf der Anklagebank fitzt...
Barringtons Züge find schmaler, bleicher geworden; ein etwas scharfer Zug zwischen Nase und Mund läßt ihn um Jahre gealtert erscheinen.
Er leidet — leidet um ihretwillen! Also liebt er sie noch!
Ein glückliches, rührendes, dankbares Lächeln umspielt ihre Lippen. Das Schreckliche ihrer Lage ist für einige Augenblicke vergessen.
Thomas Mackay hat seine Aussagen beendet. Mit selbstzufriedener Miene setzt er sich auf die
Im Berichtsjahre sind von den auf Grund des Fürsorgeerziehungs-Gesetzes überwiesenen Zöglingen 33 entlassen worden. Bei 24 ist, soweit dies jetzt beurteilt werden kann, der Zweck der Fürsorgeerziehung erreicht worden. Die Entlassenen sind sämtlich in vorgerückterem Alter überwiesen worden, sonst würden die Erfolge noch besser sein. Es ist anzunehmen, daß, wenn die Minderjährigen frühzeitig überwiesen werden, in weitaus den meisten Fällen der Zweck der Fürsorgeerziehung erreicht wird; je später die Ueberweisung erfolgt, um so geringer werden die Erfolge sein. Die kurz vor dem 18. Lebensjahre überwiesenen Minderjährigen bieten, wie auch schon in den früheren Berichten ausgeführt worden ist, wenig Aussicht aus Erfolg.
...... Sä 1
Deutsches Reich.
— Das Ergebnis der Etatsberatung. Cs ist eine erfreuliche Tatsache, daß der vom preußfe scheu Finanzminister vorgelegte Etatsentwurf für 1907 vom Abgeordnetenhause so genehmig^ ist, daß die Summen der Einnahme und Aus-« gäbe unoeränbert geblieben sind. Lediglich eine kleine Verschiebung ist zwischen den andauernd den Ausgaben einerseits und den einmaligen und außerordentlichen andererseits vorgenom- mcn. In Einnahme und Ausgabe schließt bet vom Abgeordnetenhause genehmigte Etat mit 3187109 250 Mark, d. h. mit der gleichen Summe ab, die der Negierungsentwurf auf« wies. Da das Herrenhaus, an das der Etat nunmehr ergangen ist, ihn nur im ganzen an- ttehmen oder ablehnen kann, so ist als sicher anzunehmen, daß er in der jetzt vorliegenden Gestalt zur Geltung kommen wird. Die Behandlung, die der Etat int Abgeordnetenhause erfahren hat, gibt Zeugnis davon einmal, daß die preußische Finanzverwaltung den Etatsentwurf möglichst zweckmäßig ausgearbeitet hat und sodann davon, daß Regierung und Parlament über die mit Ausgaben verknüpften staatlichen Maßnahmen bis ins Kleinste hinein völlig gleicher Meinung sind, eine Erscheinung, die auf ein gedeihliches Zusammenarbeiten von Regierung und Parlament auch auf anderen Gebieten nicht ohne Wirkung Meißen dürfte.
— „Kürschners Deutscher Reichstag 1907". Wenige Wochen nach dem Zusammentritte des Reichstages und dem Erscheinen seines getreuen Mentors „Kürschners Kleinem Reichstag" ist bereits die 3. starke Auflage dieses trefflichen Büchleins (Hermann Hillger Verlag, Berlin W. 9, Preis 60 notwendig geworden, gewiß ein Beweis für das andauernd starke politische Interesse, an dem mitgewirtt zu haben das biographisch-statistische Handbuch sich zum Ruhm rechnen darf, welches seit 1890 in weit über y2 Million Exemplaren ins deutsche Voll hinausgegangen ist. Die neueste 3. Auflagt der Ausgabe 1907 enthält alle Aenderungen itz Partei- und Personalbeständen bis zum Todf 6======= Zeugenbank und die Hände in die Hosen laschen. Von Zeit zu Zeit schielt er zu der Am geklagten hinüber, sich an deren ersichtlicher Er regung weidend. 1
Plötzlich preßt er einen Fluch zwischen ber Zähnen hervor. Tiefe Röte steigt in seine häß. lichen Züge und macht sie noch abstoßender.
Der Teufel auch — ist das nicht seine Fra:» die soeben, von einem Gerichtsbeamten geleitet die Schwelle überschreitet?!
Frau Mackay ist ersichtlich ängstlich, Git schwankt fast in den Saal herein.
Als sie Gerda Douglas' Eckplatz passiert fühlt sie die leise Berührung einer weicher Hand, und eine aufmunternde Stimme flüster ihr zu:
„Mut, Frau Mackay? Vergessen Sie nicht Sie verteidigen ihr eigenes Kind?"
Die wenigen Worte haben eine elektrisierend« Wirkung aus die arme Mutter. Kerzengerade richtet sie ihren gebrechlichen Oberkörper auf Erhobenen Hauptes schreitet ste nach dem Zeugenstand.
Ruhig läßt sie die üblichen Formalitäten über sich ergeben, hebt ste die Hand zum Schwur küßt sie die Bibel.
Dann blickt sie Felicie an. deren traurige Augen fest auf sie gerichtet sind, und eine Vision zieht an ihrem Geist vorüber: sie sieht ihr Kinlk als Säugling in der Mutter Armen; sie sieht es als tapferes Mädchen, die Mutter gegen die Roheiten des Stiefvaters verteidioend; sie sieht es als glückliche Braut vor dem Alstar, in eine Wolke von schneeigem Weiß gehüllt.
Und sie vergißt Thomas Mackay, sie vergißt । seine Wut, sie vergißt ihre fürchterliche Angst . vor ihm . . .
Sie fühlt plötzlich den Mut einer Löwin durch ihre Adern rinnen — den Mut einer Löwin, die ihr Junges verteidigt.
(Fortsetzung felgt.)