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Marburg

Mittwoch. 1. Mai 1907.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck und Verlag' Ioh. Mug. Koch, UmversitätS-vuchdruckerek 42. Jahrg.

Marburg, Markt 21. Telephon 55,

Die Reichsfinanzen im Jahre 1906.

Die Ergebnisse der hauptsächlichsten Ein­nahmequellen des Reichs für das Finanzjahr >1906 liegen nunmehr vor. Zunächst kommen Habei die Zölle und Verbrauchssteuern in Be­fracht. Sie haben insgesamt 925,6 Millionen Mark oder 19,6 Millionen Mark weniger als im Jahre 1905 ergeben. Der Hauptsache nach tra- 6fR die Schuld an der Minderung des Ertrages die Zölle. Indessen ist für die Beurteilung des Ergebnisses nicht der Vergleich mit dem Vor- Ijichre, sondern der mit dem Etat maßgebend. Hier stellt sich die Sache wesentlich anders. Zu­nächst sind, um einen zutreffenden Vergleich zu tziehen, der Ertrag der Zigarettensteuer mit 6,7 Millionen Mark sowie derjenige der Brenn- fteuer mit 1,8 Millionen Mark in Abzug zu bringen, weil beide Steuerarten im Etat nicht erwähnt sind. Es verbleibt demgemäß für den Vergleich mit dem Etat eine Einnahmesumme von 920,9 Millionen Mark. Im Etat sind für Zölle und Verbrauchssteuern 908,7 Millionen Mark ausgeworfen. Die Wirklichkeit hat dem­nach den Etatsanschlag um 12,2 Millionen Mark übertroffen, wobei allerdings zu bemerken ist, daß die Brausteuer allein ein Mehr von 12,6 Millionen Mark aufzuweisen hat und dieses Mehr der Steuerreform zu danken ist.

; Die Zölle haben 554,6 Millionen Mark abge­worfen oder 6,1 Millionen Mark weniger, wie ^im Etat vorgesehen. Noch im Februar hatte der .Reichsschatzsekretär, allerdings unter Vorbehalt, im Reichstage gemeint, es könnte der Etats­anschlag bei den Zöllen erreicht werden. Der Rückgang der Zolleinnahmen in den letzten Mo­naten gegenüber den gleichen des Vorjahres ist Jedoch beträchtlich gewesen. Noch im März hat er 23,4 Millionen Mark betragen. Die Tabak­steuer hat 10,0 Millionen oder 0,9 Millionen Mark gegen den Etat weniger gebracht, die Zuckersteuer 138,5 Millionen oder 8,5 Millionen Mehr, die Salzsteuer 55,6 Millionen oder 1,5 Millionen mehr, die Maischbottichsteuer 9,3 Millionen oder 4,8 Millionen weniger der beste Beweis für die Notwendigkeit der Reform dieser Steuer, die Branntweinverbrauchs» Abgabe 104,8 Millionen oder 0,8 Millionen mehr, die Schaumweinsteuer 5,2 oder 0,6 Mil­lionen mehr und die Brausteuer 42,9 Millionen Mark oder, wie schon gesagt, 12,6 Millionen Mark mehr.

Weiter sind die Ergebnisse der den Einzel­staaten zu überweisenden Reichsstempelabgaben veröffentlicht. Die Bötsensteuer hat dabei 57,1 pRiU. oder 9 Mill, über den Etatsanschlag, die iLosesteuer 34,9 Mill, oder 4,6 unter dem An­schläge und der Stempel für Schrffsfrachturkun- den die im Etat ausgeworfene Summe von 0,2 Mill. Mk. erbracht. Insgesamt haben diese iReichsstempelabgaben 92,2 Mill. Mk. oder 4,4 Mill. Mk. über den Anschlag abgeworfen.

Die Reichspostverwaltung, bei der diesmal duch die Portoerhöhung eine Rolle spielt, hat

26 lRachdruck verboten.^

In der Schule des Leidens.

Roman aus dem New-Porker Leben K

F von Erich Friesen.

(Fortsetzung.)

- Frau Mackay weiß nicht recht, was sie mit dem Tag anfangen soll. Auf der Straße will sie sich so wenig wie möglich blicken lassen, und jetzt schon ein kleines billiges Hotel aufsuchen cs ist erst gegen zehn Uhr erscheint ihr ebenfalls unklug.

Was also tun?

Plötzlich kommt ihr ein Gedanke. Wie wär's, wenn sie versuchte, Felicie zu sprechen?

Verflogen die Scheu vor dem Untersuchungs­gefängnis, verschwunden die Angst, ihre Tochter ganz niedergedrückt und verändert zu finden. Eine gewaltige Sehnsucht ergreift plötzlich von ihrem ganzen Sein Besitz eine unbezwing­liche Sehnsucht nach dem einzigen Wesen, das sie auf Erden liebt, das bis vor kurzem noch ihr Glück, ihr Sonnenschein, ihr Alles war. . .

Ja, hin zu ihr der geliebten Tochters , Ihre freudige Aufregung ist so groß, daß sie sogar die Kosten für eine Droschke nicht scheut. Nur schnell, schnell?

Am Untersuchungsgefängnis angelangt, er­hält sie den Bescheid, die Gefangenen seien nur nachmittags zwischen zwei und drei Uhr zu sprechen t

Also weiter warten? . . .

Sie zieht den schwarzen Schleier fest über düs Gesicht und promeniert in der Nähe auf und ab eine Stunde lang, zwei Stunden, drei Stunden. ... Sie merkt gar nicht, doch die Essenszeit heranrückt. Unverwandt fiti> ihre

eine Einnahme von 564,5 Mill. Mk. oder 12,7 Mill, mehr, die Reichseisenbahnverwaltung von 116,5 Mill. Mk. oder 9,1 Mill, mehr zu verzeich­nen gehabt. Bei beiden ist zu beachten, daß es sich nicht um Reinüberschüsse handelt. Bei der Postverwaltung steht es vielmehr nach den Aeußerungen des Reichsschatzsekretärs vom Fe­bruar ziemlich fest, daß die Steigerung der Aus­gaben größer gewesen ist, als der Einnahme- Überschuß.

Von den neuen Steuern ist die Zigaretten­steuer mit einem Ertrage von 6,7 Mill. Mk. schon erwähnt; der Frachturkundenstempel hat 11,5 Mill., der für Personenfahrkarten 10,9 Mil­lionen, die Steuer für Kraftfahrzeuge 1,2 Mil­lionen, für Vergütungen an Aufsichtsratsmit­glieder 2,3 Millionen, die Erbschaftssteuer 3,6 Millionen erbracht. Der Gesamtertrag dieser neuen Steuern beläuft sich auf 36,2 Mill. Mk. Für sämtliche Einnahmen auf Grund der neuen Steuergesetze ist in dem Etat eine Summe von 61,7 Mill. Mk. eingestellt.

Wenn man sich nun auf Grund der veröffent­lichten Ergebnisse die Frage vorlegt, wie sich da­nach die Reichsfinanzlage im Jahre 1906 ge­staltet, so wird man, soweit die Reichskasse selbst in Frage kommt, eine erschöpfende Antwort nicht geben können. Gewiß haben sich verschie­dene, darunter beträchtliche Ueberschreitungen des Etats feststellen lassen, denen ein Fehlbetrag bei den neuen Steuern gegenübersteht. Um aber klar übersehen zu können, wie sich die Lage der Reichskasse gestaltet, ist es nötig, über die Mehr­ausgaben der großen Betriebsverwaltungen so­wie über die Abschlüsse der oben nicht aufgeführ­ten Verwaltungen unterrichtet zu werden. Der Reichsschatzsekretär erwartete im Februar aus der Reichsbankverwaltung einen beträchtlichen Ueberschuß. Auch andere wie die Münzverwal­tung dürften mehr erbringen, als im Etat vor­gesehen. Aus der Wechselstempelsteuer ist sogar schon ein verhältnismäßig bedeutender Ueber- schuß festzustellen gewesen. Genau läßt sich trotz­dem die Sachlage hier noch immer nicht über­sehen. Man darf sich nur der Hoffnung hin­geben, daß der Finalabschluß für die Reichskasse nicht viel anders ausfallen wird, als im Etat in Aussicht genommen ist. Anders steht es mit dem finanziellen Verhältnisse der Einzelstaaten zum Reiche. Dies ist, abgesehen von den Aen- derungen kalkulatorischer Art, die jedenfalls noch nötig sein werden, genau für 1906 zu über­sehen. Von den Ueberweisungssteuern haben die Branntweinverbrauchsabgaben ein Mehr von 0,8, die Reichsstempelabgaben von 4,4, die Maischbottichsteuer ein Weniger von 4,8 Mill. Mk., zusammen ein Mehr von 0,4 Mill. Mk. er­geben. Um diese Summe verbessert sich das Ver­hältnis, wie es im Etat vorgesehen ist. Bedenkt man aber, daß int letzteren für die Einzelstaaten ein ungedeckter Matrikularumlagebetrag von einigen 80 Millionen Mark vorgesehen ist, so wird man zu dem Schlüsse kommen müssen, daß das Reichsfinanzjahr

Augen au' das weiße Zifferblatt der großen Uhr am Untersuchungsgefängnis gerichtet, deren schwarze Zeiger so langsam vorwärts schleichen.

Endlich zwei Uhr.

In fieberhafter Aufregung steigt Frau Mackay abermals die breite Freitreppe empor.

Nach Erledigung verschiedener Formalitäten wird sie von einer robusten Eefangenwätterin einen langen Gang entlang geleitet.

Plötzlich Halt vor einer eisenbeschlagenen Tür.

Die Wärterin schließt auf. Zögernd steht Frau Mackay auf der Schwelle, vor der mehr als dürftigen Ausstattung der Zelle zurück­schreckend.

In der Mitte des kleinen halbdunklen Rau­mes sitzt an einem groben Tisch eine weibliche Gestalt. Beim Rasseln des Schlüsselbundes hebt sie den Kopf von dem Buch, in welchem sie anscheinend gelesen.

Mutter!!!"

Mit einem Aufschrei finkt fie der zaghaft nähertretenden Frau an die Brust. Fest fest schlingen sich die Arme der Mutter glücklich um ihr unglückliches Kind.

Meine Licy!"

Eine Zeitlang sprechen beide kein Wort. Die Erregung des Augenblicks ist zu groß.

Die Wärterin hat sich in die äußerste Ecke der Zelle zurückgezogen und beginnt in einem mitgebrachten Buche zu lesen.

Langsam lösen sich die Arme der Mutter von dem Hals der Tochter. Ein prüfender Blick um­faßt die bebende Gestalt.

Wie dünn ist sie geworden! Wie bleich find die Wangen, wie dunkel umrändert die Augen! Ach, man sieht x- diesen Augen an. daß sie iq

1906 für die Einzelstaaten trotz dieser kleinen Besserung außer« ordentlich ungünstig abschließt.

Deutscher Reichstag.

Auf der Tagesordnung der 41. Sitzung stand zunächst die erste Beratung der Gesetzentwürfe bett. Aenderung des Reichsbe amten- gesetzes (Pensionen), betr. Beamten- Hinterbliebenen und Militär-Hin­terbliebenen. Schatzsekretär v. Stengel: Absicht der Entwürfe ist, die materielle Lage der pensionierten Beamten zu verbessern und ebenso für die Hinterbliebenen zu sorgen. Wir handeln dabei nicht nur im Interesse der Be­treffenden, sondern auch im eigensten Interesse des Reiches. Die Verbesserung der Lage der pensionierten Beamten ist, nachdem im Vor­jahre für die pensionierten Militärs besser ge­sorgt worden ist, ein Gebot ausgleichender Ge­rechtigkeit. Und das rechtfertigt es auch, daß wir hier vorgehen ohne Rücksicht auf die Finan­zen des Reiches. Bei allem Wohlwollen hoben wir uns doch auf das Notwendigste beschränken müssen und das Gebot der Sparsamkeit wslten lassen. Ich erkläre gleich, dass die verbündeten Negierungen mit ihren Vorschlägen bis an die äußerste Grenze gegangen sind. Der Staats­sekretär ging dann auf die Einzelheiten der Vorlagen ausführlich ein.

Nach kurzer Erörterung wurde die Vorlage aus Antrag des Abg. Grafen Hompesch an eine besondere Kommission überwiesen. Darauf setzte das Haus die Beratung des Postetats fort. Abg. Beck-Heidelberg (nat.-lib.) trat in bezug auf die Rssoltuion Hompesch gleichfalls für eine vermehrte Sonntagsruhe ein, hielt jedoch als bestes Mittel zur Erreichung dieses Zieles die in bet zweiten Resolution Ablaß vorgeschlagene erhöhte Anrechnung des Nacht- und Feiertags­dienstes auf die Dienststunden. Den größten Wert: lege feine Partei auch auf ein ungehin­dertes Jnverbindungsetzen mit Abgeordneten in persönlichen wie in dienstlichen Änaeleaenhei- ten, da eine Schädigung der Disziplin hierbei nicht zu befürchten sei. Abg. Singer (Soz.) be­zeichnete die Resolution betr. die Ostmarken­zulagen als ein Produkt derkonseroativ"-libe- ralen Paarung. Die Resolutionen seien für seine Partei unannehmbar; denn sie würden für die Negierung nur ein Mittel zu politischem Mißbrauch sein, um die Beamten zu korrupie- ren. Schatzsekretär Frhr. v. Stengel bemerfte, die Notlage betr. Teuerungszulagen werde in den nächsten Tagen dem Bundesrate zugehen und von diesem wohl angenommen werden. Staatssekretär Kraette wandte sich mit Schärfe gegen den sozialdemokratischen Redner und wies; dessen Behauptung von einer unzulässigen politischen Einwirkung der Behörde auf die Be­amten energisch zurück. Abg. Lattmann (wirtsch. Vgg.) trat ein für Herabsetzung des Weltportos und richtet an den Staatssekretär die Frage ob die deutsche Verwaltung den Beschluß des Welt- postkongresses in Rom, auf Erhöhung der Ge­wichtsgrenze bestimmt am 1. Oktober d. I. ein- führe^ ferner auf welchen deutschen Geldsah sie den Sah von 15 Centimes bringen werde. Der

den letzten drei Wochen viel geweint haben viel gemeint und wenig geschlafen!

Sanft geleitet die Mutter Felicie zum Stuhl. Wie einem Kinde streichelt sie ihr Hände, Haar und Wangen.

Meine liebe, liebe Licy!"

Und endlich wird Felicie ruhiger. Das herz­ergreifende Schluchzen hört auf. Nur noch ein paar heiße Tränen rollen die schmalen Wangen herab.

Morgen ist der Tag, Mutter, morgen!"

Ja, mein Kind."

Ich werde wie eine Verbrecherin auf der Anklagebank sitzen. Alle Augen werden auf mich gerichtet fein. Man wird flüstern, tuscheln, sich über mich lustig machen. Und dann dann verurteilen sie mich o ?"

Mein armes, armes Kind! Könnt' ich es für dich tragen!"

Hastig wischt Felicie sich die letzten Tränen aus den Augen.

Sprich nicht so, Mutter! Auch bereue ich nichts. Ich würde gegebenenfalls genau so han­deln für ihn, für meinen Norbert!"

Kleine Pause. Die Mutter weiß nicht mehr, wie sie ihr unglückliches Kind trösten soll.

Warum warum kamst du nicht ftüher, Mutter?"

Ich fürchtete die Aufregung für dich, mein Herzblatt. Und dann sagte auch Thomas Mackay

Felictes Brauen ziehen sich zusammen.

Was sagte er, Mutter?"

Ich dürfe dich nicht sprechen."

Und warum bist du heute gekommen?"

Weil ich hoffe, dir helfen zu können, mein Kind,"

Resolution des Zentrums wegen Erleichterung des Fernsprechwesens auf dem platten Lande würde er zwar zustimmen, weil er diesen Wunsch grundsätzlich für berechtigt halte. Aber wenn die Resolution mit den Schlußworten ende! eventuell unter gerechterer Repartierung bei Kosten zwischen Stadt und Land," so sehe bas ja aus, als ob ber Stadt das Fernsprechwesen verteuert werden solle zu gunsten des platten Landes, und diesem Gedanken könne er keines­falls beipflichten. Wünschenswert fei auch eine bessere Fühlung der Verwaltung mit den ein­zelnen Beamtengruppen. Eine moderne Ver­waltung solle sich dem nicht widersetzen, am allerwenigsten aber den Beamten ihr Peti- ttonsrecht einschränken wollen, wie dies das preußische Ministerium des Innern getan habe. Zu beklagen, zumal Angesichts des schweren Eisenbahnunglücks bei Ottersdorf, sei, daß die zahlreichen Posten stets gleichsam alsSchutz- wagen" liefen. Das billige Ortsporto müsse wieder hergestellt werden. Abg. v. Ehlapowo- Cblapowski (Pole) trat ausführlich gegen die Gewährung von Ostmarkenzulagen an Vostbe- amte ein. Abg. Kopsch (sreis. Vp.) empfahl Rückkehr zum billigen Ortsporto, erklärte sich aber int Prinzip ausdrücklich gegen Postspar­kassen.

(Schluß des Berichts 6 Uhr.)

Preußischer Landtag

Das Abgeordnetenbaus begann am Montag die erste Lesung der Sekundärbahnvor« läge. Die Beratung eröfnete Minister Brel- te,ibach, der foloendes ausführte: Die Vorlage fordert einen Kostenaufwand von 222 289 000 Mark. Davon entfallen 111 204 000 Mark auf die Herstellung von Eisenbahnen, 71 630 000 Mark auf die Anlage weiterer Geleise, 5 Mil­lionen auf den Bau von Kleinbahnen ufro. Der Entwurf entspricht dem alten Grundsatz, daß der weitere Ausbau des Staatsbahnnetzes im wesentliche» im Melioration-intcrosse liegt und daß man bestrebt sein mülle, oss'-bmoßig über den ganzen Staatsbereich Nebenbahnen zu bauen. Auch in bezug auf die Beteiligung bet Interessenten an den Grunderwerbskosten hält sich die Vorlage in den als richtig erkannten Grenzen. Fm ganzen bandelt es sich hier sowohl um die Interessen ber Hebung der Landeswohl- fabrt wie um politische, zum Teil militärische und schließlich auch fiskalische Rücksichten. Der Mnister bot ein umfangreiches Zahlenmaterial über die seit der Verstaatlichung bis jetzt ge­bauten Haupt- und Nebenbahnen und bat schließlich. den Entwurf wohlwollend zu prüfen. (Beifall.) In der Debatte begrüßte es Abg. vWkiuast (kons.), daß in der Vorlage vorsorg- ltcherweise sogleich der Grund und Boden für zwei Geleise angekauft werden solle, und bat zu erwägen, ob nicht die Kreise besser tun, den Grund und Boden selbst zu kaufen, statt dem Staate eine Summe dastir zu neben. Die Denk­schrift gebe zwar ein erfreuliches Bild von bet Entwicklung des Kleinbahnwesens: gleichwohl müsse bet Bau von Kleinbahnen ein noch schnel­leres Tempo annehmen. Abg. Macco (nat(.) stand der Vorlage ebenfo freundlich gegenüber.

Wie elektrisiert fnrana Felicie empor.

Helfen? . . . Wieso?"

M't wehmütigem Lächeln drückt Fra« Mackay ihre Tochter wieder auf den Stuhl nieder.

Es ist nicht viel, Licy aber doch etwas. Sieh' mich nicht so unglücklich an, Kind? Ich kann bett Blick nicht ertragen... Also ich bin für morgen als Zeugin vorgeladen. Du weißt die Diamantengeschichte"

O Mutter!" schreit Felicie plötzlich auf, bie Hand der alten Frau krampfhaft an sich drückend, glaubst du. daß ich frei komme?"

Frau Mackay seufzt tief auf. Soll sie bet un­glücklichen da vor ihr den letzten Trost nehmen? *

Ich ich weiß nicht, Kind? Vielleicht hebt ein Vergehen das andere aus?"

Und wenn nicht, Mutter? Wenn ich ver­urteilt würde? Wenn ich ins Gefängnis zurück müßte? Wenn ich Norbert monote-, vielleicht jahrelang nicht sehen dürfte? Wenn et mich vergäße? . . . O mein Gott, mein Gott? . . « Und mein Kind! Was wird aus ihm? . . . Mutter, wenn ich verurteilt werde, habe ich Gott nur um eins zu bitten" ihre Stimme sinkt zum Flüsterton herabdaß er mein un­schuldiges Kind davor bewahtt, in der Schänd« zu leben, daß er cs zu sich nimmt in fein himm­lisches Reich."

Der Wärterin dauert die Unterredung zU lange. Sie bedeutet Frau Mackan, die Unter« suchungsgefangene jetzt zu verlallen.

Gleich darauf knirscht der Eisenriegel hint« den beiden Frauen.

Felicie ist wieder allein. f

(Fortsetzung folgt.)