mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
LontttaasLellaaer AUuttrirteS ÄMrfwIMAM.
g ■■■
{J2 100
vierteljährlicher Bezugspreis: btt ser Exxjdition 2 M., bet allen Postämtern 2,25 M. <ejcu Bestellgeld).
ZnserttonSgebühr: die gespaltene Zeile oder ocren Raum 15 Pfg. Neclamen: die Zeile SO Pfg.
Marburg
SitnSfag. 30. April 1907.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Berlagt Joh. Äug. Koch, UntverfitätS-Bttchdruckerei
Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
42. Jahrg.
Das Avoauemeut
mf die „Oberheffifche Zeitnng", das ^rötzte, meistgeleseastr «ad wett- verdrettetste Blatt Marburgs «ad der Umgegend kostet vierteljährlich nur 2.25 Mk. Inserate habe» beste» Erfolg.
!Was wir von den Engländern in der Polenfrage lernen können.
Der „Dziennik Kujawski" meinte kürzlich mit Bezug auf die von der Regierung angekün- higte neue Polenvorlage, unsere Feinde, die Engländer, würden sich ins Fäustchen lachen, Wenn wir uns durch die Barbarei unseres Vorgehens gegen die Polen vor der ganzen zivilisierten Welt kompromittierten. Diese Sorge um unseren guten Ruf ist rührend, wenn auch vielleicht nicht ganz glaubwürdig, jedenfalls aber ist der Hinweis auf die Engländer recht deplaciert. Erst kürzlich hat Professor Heinrich Zimmer in feinem trefflichen Büchlein: „Randglossen eines Keltisten zum Schulstreik in Posen »-Westpreußen und zur Ostmarkenfrage" darauf hingewiesen, wieviel wir in der Behandlung der Polen von den Engländern lernen können und wie das von den Engländern in Irland -eingeführte National System of Education in mancher Beziehung für unsere ostmärkische Schulpolitik vorbildlich sein könnte. „Der praktische Sinn der Engländer, so schreibt Zimmer, hatte schon früh richtig erkannt, daß die erste Stufe zur Assimilierung eines fremden Volkstums die Entfernung des stärksten Dammes für gesondertes Volkstum sein muß: der nationalen Sprache des zu assimilierenden Volkstums." Hierzu fei der erste Schritt, „daß die neu anzueignende Sprache die einzige Vermittlerin von Wissen und Bildung in der Schule" werde, wodurch von selbst die Volkssprache von der Stufe des Patois herabsinken müsse. „Solange in den Ostmarken die slavischen Idiome noch nicht auf dem Standpunkte des Irischen in Irland angekommen sind, sollten wir vernünftigerweise die von England seit 1834 in Irland befolgte Schulpolitik uns zur Richtschnur nehmen." Weder in Irland noch in Wales werde auch nur der Religionsunterricht in der Volkssprache erteilt. Und so wenig wir uns ein Gewissen daraus machten, in unseren niederdeutschen Volksschulen das Plattdeutsche und das Friesische zugunsten des Hochdeutschen zu unterdrücken, so wenig könnten wir doch ein Interesse daran haben, mit Hilfe des Religionsunterrichtes und des ihn unterstützenden Sprach-
25 (Rachbruck verboten.)
In der Schule des Leidens.
Roman aus dem New-Yorker Leben von Erich Briefen. , (Fortsetzung.)
XIV.
Aus unruhigem Schlaf schreckt Frau Mackay empor. Schreckliche Träume verfolgten sie während der ganzen Nacht — Träume, in welchen Thomas Mackay, Felicie und das Kind in grausigem Durcheinander herumschwirrten.
„Ha, schon fünf Uhr! Schnell auf!"
Sie zieht ihr bestes Kleid an — eine schwarze Seidenrobe, welche sie an Felicies Hochzeit getragen, ordnet ihr' dünnes graues Haar besonders sorgfältig und steigt in die Küche hinab, um alles hübsch sauber zu machen und ihren Mann in gute Stimmung zu bringen.
Und richtig! Kaum hat sie den Kaffee bereit, als Thomas Mackays plumpe Gestalt auch schon int Türrahmen auftaucht.
„Guten Morgen, Barbara! Das ist recht, hast dich schon fertig gemacht. Bist 'ne vernünftige Frau!"
Aus seinem vergnügt grinsenden Gesicht merkt sie sofort, daß er nichts argwöhnt. Ihr Herz hüpft vor Freude. Jetzt gilt es, ihn weiter bei guter Laune zu erhalten.
„Ich bin recht in Sorge um dich, Thomas!" beginnt sie liebenswürdig. „Wer wird während meiner Abwesenheit deine Wäsche ausbessern und für dich kochen und —“
„Das laß meine Sorge fein, Alte!" lacht er vergnügt. „Werd' mir schon meine Hemdenknöpfe selbst annähen und Kartoffeln kochen und Kaffee und Eier. Amüsier' dich nur gut!"
„Da sind noch ein paar Vorräte Thomas — Hier in der Speisekammer Käse und Brot und Hutter und ein Nestchen Schinken — dort im Korb Kartoffeln und Zwiebeln. In dieser Dos« steckt der Zucker dahinter, frischgebrannter
Unterrichtes den Polenkindern, die von Hause aus nur einen polnischen Dialett sprächen, die ihnen gänzlich unbekannte polnische Schriftsprache erst künstlich beizubringen. Und wenn man bei uns gelegentlich die Stimme engbrüstiger Politiker hören kann, die unserer Unterrichtsverwaltung einen Vorwurf daraus machen, daß sie die Polen durch die Vermittelung deutscher Sprachkenntnisse im wirtschaftlichen und nationalen Kampfe stärke, so weist Zimmer an der Hand des irischen Beispiels darauf hin, wie die sprachliche Assimilierung die Vorstufe jedes weiteren ist und wie ein jedes Volk, das ein anderes assimilieren will, damit zu beginnen hat, dieses Volk erst zweisprachig zu machen. Je mehr die Sprache des herrschenden Volkstums das Organ werde, in dem sich das Denken des anderen Volkes vollziehe, um so rascher werde jene Assimilierung vorschreiten.
Geht unsere ostmärkische Schulpolitik von heute bewußt auf eine Verdeutschung der Heranwachsenden polnischen Bevölkerung aus? Wir möchten es bezweifeln und halten das Ziel auch nicht für ein solches, das eine mit gegebenen Größen rechnende Staatskunst sich heute, wo die nationalen Leidenschaften bei den Polen so hoch gehen, bereits zu stecken vermöchte. Daß aber eine gesunde Entwicklung sich künftig einmal in dieser Richtung bewegen muß, wer möchte das leugnen? Darum wird uns jede Schulpolitik int Osten recht sein, die dieser Entwicklung nicht die Wege verbaut. Je mehr sie sich dabei an das englische Vorbild hält, desto besser.
Deutscher Reichstag.
Auf der Tagesordnung des Reichstages stand am Sonnabend die Beratung des Post- etate. Hierzu lagen vor Resolutionen der Abg. Ortet und Sieg (nott.), sowie v. Camp (Reichsp.) und v. Eersborfs (kons.), betr. Ostmarkenzulagen für untere und mittlere Reichsbeamte schon für das Jahr 1907. Ferner die Resolutionen Ablaß (frs. Np.) aus höhere Anrechnung des Nachtsund Feiertagsdienstes der Postbeamten, sowie auf Aenderung der Personalordnung für die mittlere Postbeamtenlaufbahn. Eine Resolution Hompesch (Zentr.) endlich wünschte früheren Schluß der Bearbeitung von Massenauflieferungen. Abg. Dr. Dröscher (kons.) sprach sich für die Resolution Hompesch sowie für die eine Resolution Ablaß, betr. Nacht- und Feiertagsdienst, aus, empfahl jedoch die zweite Resolution Ablaß ihrer Tragweite wegen erst nach einer sorgsamen Prüfung in der Kommission. Was das System der gehobenen Stellen für Unterbeamte betreffe, so habe sich dieses nicht bewährt, da es durch das Zusammenarbeiten von gehobenen und nichtgehobenen Beamten in derselben Beschäftigung Unzufriedenheit ge-
Kaffee. Wenn du sorgsam damit umgehst, hast du bis Montag genug. Ich vermute, dann wirst du mich wieder zurück haben wollen — wie?"
Und sie blickt ihn forschend von der Seite an.
Er zuckt die Achseln.
„Ich weiß noch nicht. Vielleicht hol' ich dich ab. Mir wird ein kleiner Luftwechsel auch gut tun. Bist übrigens ein braves Weib, Alte. Ich glaube beinahe, ich werde dich vermissen."
Eine Stunde sväter sind beide aus dem Weg nach dem Bahnhof.
Frau Mackay vermeidet sorgfältig, ihren Handschuh auszuziehen, damit Thomas das Fehlen des Traurings nicht bemerke. Fest preßt sie die Hand auf die Brust, als müsse sie die mühsam erkauften 6 Dollars, die sie wohlverwahrt in einem Täschchen am Band um den Hals trägt, doppelt schützen.
Auf dem Perron das übliche Hasten und Drängen.
Jeder schiebt und stößt und pufft den andern, als hinge das Leben davon ab, im Coups einen Fensterplatz zu erhalten.
Thomas Mackay geleitet seine Frau direft in ein Coups, ind welchem bereits eine andere Dame Pkatz genommen hat.
„Guten Morgen, Frau March! Meine Frau wird sich freuen, in Ihrer Gesellschaft zu reisen. Frau March fährt nämlich auch nach Long Island, liebe Barbara."
Beide Frauen begrüßen einander — Frau March lebhaft erfreut, Frau Mackay mit schlecht verhehltem Mißvergnügen.
Langsam setzt der Zug sich in Bewegung.
Thomas winkt vom Perron aus mit der Hand. Seine Frau erwidert den Abschiedsgrutz durch Herausnicken aus dem Coupsfenster.
Jedermann muß die beiden für ein friedliches Ehepaar halten. Keiner ahnt, daß zwischen ihnen ein schreckliches Geheimnis besteht, daß sie getrennt find für immer.
Die kleine rundliche Krämersfrau fängt in ihrer lebhaften, ungenierten Art sofort ein Ge
schaffen habe. Auch für die konservative Resolution, betr. die Ostmarkenzulage, sprach Redner, und befürwortete dann noch eine Aufbesserung der Beamtengehälter. Abg. Kämpf (srs. Vp.) wünschte eine Herabsetzung des Weltpostportos, die, wie England gezeigt habe, eine Steigerung des Handelsverkehrs bringen würde, und empfahl der Regierung die Einführung des Post- scheckverkehrs. Staatssekretär Stätte erklärte, die Regierung sei dabei, betr. des Postscheckverkehrs, der sich beispielsweise in Oesterreich gedeihlich entwickelt habe, neue Vorschläge auszuarbeiten, und begrüßte es, daß die Partei des Vorredners zu dieser Frage jetzt eine andere Stellung einnehme als vor sechs Jahren, wo sie eine diesbezügliche Vorlage ablehnte. Wenn auch ferner die Ermäßigung des Weltportos eine Steigerung des Verkehrs zur Folge hätte, so dürfte doch andererseits nicht vergessen werden, welche enormen Mehrausgaben dies für uns mit sich bringen würde zu einer Zeit, wo wir des Geldes so nötig bedürfen. England habe allein siebzehn Jahre gebraucht, um die Höhe seiner Einnahme wieder zu erreichen, die es vor Durchführung des Penny-Portos aufwies. Abg. Eamp (Reichsp.) begrüßte gleichfalls die veränderte Stellungnahme der Freisinnigen zum Postscheckverkehr. Maßnahmen müßten jedoch getroffen werden, daß der durch Einführung des Postscheckvcrkehrs sich mehrende Eeldbestand der Reichsbank dem Julande zugute käme und nicht etwa bloß zur Deckung von Verpflichtunaen in das Ausland fließen würde. Redner befürwortete ferner die Vorlegung eines Postsparkassengesetz-Entwurfes, die Verbilligung der Telephongebühren auf dem Lande, sowie die Ostmarkenzulage. Staatssekretär Frhr. v. Stengel erklärte, die Regierung habe die Forderung der Ostmarkenzulage, die sie für das Heer sowohl wie für die Post schon in den Jahren 1904 und 1905 gestellt habe, bisher nicht mehr gebracht, da sie damals vom Reichstage abgelehnt worden fei. Zu dem Anträge Pachnicke, betr. eine unwiderrufliche Gewährung könne er jedoch namens der verbündeten Regierungen eine Erklärung nicht abgeben; nehme das Haus eine Resolution in diesem Sinne an, so müsse er die Entschließung darüber den verbündeten Regierungen vorbehalten. Abg. Hamecher (Zentr.) sprach sich gegen eine Portoherabsetzung aus, wünschte Erleichterungen im Fernsprechverkehr auf dem Lande, und wandte sich gegen die politische Beeinflussung der Beamten bei den letzten Reichstagswahlen. Eingehend begründäe Redner auch die Resolution Hompesch und erklärte sich ferner mit der Resolution Ablaß betr. Aenderung der Personalordnung einverstanden. Abg. Duffner (Zentr.) begründete eine Zentrumsresolution betr. das Fernsprechwesen auf dem Lande und befürwortete Wünsche der Postbeamten, insbesondere der in den Schutzgebieten, sowie der Telephonistinnen. Darauf wurde die Weiterberatung auf Montag 2 Uhr vertagt. Schluß 4% Uhr.
spräch mit ihrer Nachbarin an. Sie weiß von der morgenden Gerichtsverhandlung und wundert sich über die anscheinende Gleichgültigkeit der Mutter.
„Sie verlassen wohl New-York, um der Sache aus dem Weg zu gehen, wie?"
Frau Mackay zögert mit Antwort. Aengst- lich blickt sie sich in dem vollgestopften Coups um, ob auch niemand sie hören kann.
„Nein," erwidert sie dann leise, ihren Mund dem Ohr der andern nähernd. „Darf ich Ihnen etwas anvertrauen, Frau March?"
„Aber gewiß, liebe Frau Mackay."
„Werden Sie mich auch nicht verraten, Frau March?"
„Aber nein, liebe Frau Mackay. Nur heraus damit!"
„Sie werden also nicht —" sie weist mit der Hand zum Fenster hinaus — „seine Partei nehmen?"
„Wessen Partei?"
„Die meines Mannes."
„Hm! Wenn ich zwischen Ihnen beiden wählen müßte — ich bin sicher, ich würde auf Ihrer Seite stehen, Frau Mackay."
„Danke, Frau March! Also — ich bitte Sie um nichts weiter, als zu schweigen. Ich fahre nämlich nicht nach Long Island."
„Aber Sie haben doch ein Billet bis Long Island. Ich hab' es selbst gesehen —“
„Schi, scht! Das Billet mag dorthin wandern, wo der Pfeffer wächst! Ich steige an der nächsten Station aus und fahre zurück nach New-York. Und nun um des Himmelswillen — reinen Mund, Frau March, wenigstens bis die Gerichtsverhandlung vorbei ist! Wenn Sie mich verraten, haben Sie das Unglück einer armen, verzweifelnden Mutter auf dem Gewissen!"
Auf Frau March machte der tragische Ton, die flehende Miene ersichtlich Eindruck. Ganz erschrocken lehnt sie sich in ihre Ecke zurück.
geruhigen Sie sich nur, liebe Frau Mackay!
Kein Sterbenswörtchen kommt über meine Lippen. Hier meine Hand darauf!"
Beide Frauen schütteln einander kräftig bi* Hand.
Frau Mackav atmet auf.
„So, nun bin ich beruhigt. Als ich Sie vorhin zuerst sah — ich muß gestehen, ich glaubte, mein Manu hätte Sie extra hergeschickt, um auf mich acht zu geben."
Die toten Wangen der kleinen Krämersfta« werden noch um ein erhebliches röter. Ihre Augen blitzen.
„Pfui, Frau Mackay! Wenn ich nicht wüßte, daß Sie erregt sind — nie würde ich Ihnen diese Beleidigung verzeihen. Aber so —"
Und nochmals drücken die beiden einander verständnisinnig die Hand.
Niemand in dem überfüllten Coups hat von der leise geführten Unterhaltung auch nur ein Wörtchen verstanden. Als der Zug gleich darauf hält und Frau Mackay mit freundlichem Kopfnicken gegen ihre Nachbarin aussteigt, glaubt jeder, sie sei an ihrem Bestimmungsort angelangt.
Ein Seufzer der Erleichterung hebt die Brust der einsamen Frau auf dem Perron, als der Zug in der Ferne wieder verschwindet. Der Anfang ihres Planes ist geglückt. Ihr Mut wächst.
Rasch wechselt sie einen ihrer sechs Dollars, um sich ein Billet nach New-Bork zu kaufen, und schon nach einer halben Stunde dampft sie denselben Weg, den sie soeben gekommen, wieder zurück.
Als der Zug in die weite Bahnhofshalle einläust, wird sie ganz nervös, vor Angst, ihren Mann zu sehen. Es ist eine alte Erfahrung: wünscht man brennend gern, eine bestimmte Person zu treffen — man kann hundert gegen eines wetten, daß man ihr nirgendwo begegnet. Fürchtet man aber eine solche Begegnung, rennt man ihr gewöhnlich schon an der nächsten Straßenecke in die Arme, . (Frts. folgt.)
Preußischer Landtag.
Das Abgeordnetenhaus führte am Sonnabend die dritte Lesung des Etats 8» Ende. Beim Kultusetat rollte Abg. Schmieding (nati.) noch einmal unter lebhafte« Ausfällen gegen die Positiven die Fälle Römer, Cesar und Jatho auf. Dies bedauerte Abg, Heckenroth (kons.), da innere Angelegenheiten der evangelischen Kirche nicht vor dem interkonfessionellen Abgeordnetenhause behandelt werden dürfen. Diesen Stanbpunft vertrat auch Kultusminister Dr. v. Studt, bet auf bie Verhandlungen bet Genetalsynode verwies. Bei« Etat bes Innern fragte Abg. Schmedding (Ztr.) an, ob in bet Tat ein Erlaß des Ministers bestehe, der den Beamten das Petitionsrecht verkümmere. In ausführlicher Rede erwidette Minister des Innern v. Bethmann-Hollweg, bie Verbindung zwischen Beamten und Abgeordneten habe et nicht verboten, sofern bet Beamte bie Amtsverschwiegenheit nicht verletzte unb bie Form wahre, bie ihm sein Amt auf- etlege. Die Beamten sollen sich an bie einzelnen Abgeordneten aber nicht mit Wünschen unb Anliegen wenden, die ihre persönlichen Dienstverhältnisse betreffen und deren Erfüllung oder Versagung der Zuständigkeit der vorgesetzte« Behörde unterstehe. Das Haus möge mit dazu beitragen, einet Lockerung der Disziplin unter den Barnten entgegenzuwirken. Die Abg. Lu» sensky (natt.). Frhr. v. Zedlitz (fkons.), Mün- sterberg (frf. Vgg.) und Cassel (ftf. Vp.) baten, diese Absichten des Ministers auch im Wortlaut des Erlasses zum Ausdruck zu bringen. Abg. Dr. v. Heydebtand (kons.) fügte dem noch hinzu wenn bet Erlaß bie Disziplin stärken solle, biirfe in dieser wichtigen Frage nicht ein Ressort allein vorgehen. Beim Etat der Eisenbahnver- waltung kam Abg. v Brandenstein (kons.) auf bie Frage bet mißbräuchlichen Benutzung bet höheren Eisenbahnklassen durch Eisenbahnbeamte zurück und bekämpfte einzelne in der Zwischenzeit gegen ihn gerichtete Vorwürfe. Ein Schlußantrag wurde mit den Stimmen der Konservativen und Nationalliberalen angenommen. Die Abg. Schmidt-Warburg (Ztr.), Werner (Wild), Kirsch (Zentr.) und andere bedauerten die frühzeitige Schließung dieser Beratung und bezweifelten, daß die Mehrheit für den Antrag gestimmt habe. Abg. Dr. v. Heydebrand (kons.) erklärte: Wenn der Wunsch aus Wiedereröffnung der Diskussion bestände, würden seine Freunde nicht Einspruch erheben. Präsident Kröcher erwiderte hierauf: Das Bureau sei einig gewesen, daß die Mehrheit stand. Würde ein Antrag auf Wiedereröffnung gestellt, so müßte et Einspruch erheben. (Bewegung.)
Damit war der Etat der Eisenbahnverwal- tung erledigt.
Beim Etat her Bauverwaltung begründete Abg. v. der Wense (freikons.) einen Antrag nach dem bei staatlichen Bauten, ins-