mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
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Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Berlage Joh. 9lug. Koch, llmverfitAS-Buchdruckkra Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
Marburg
Sonntag. 28. April 1907.
42. Jahr«.
Erttes Blatt, y
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Das Abonnement auf die „Oberheffifche Zeitung", daS größte, meistgelesenste «nd weitverbreitetste Blatt Marburgs und der Umgegend kostet vierteljährlich nur 225 Mk. Inserate haben besten Ersolg.
„Das Herz der preußischen Demokratie . .
„Es kann der Beste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbar nicht gefällt." In dies Dichterwort kann man die Stimmung zusammenfassen, die mit der alleinigen und selbstverständlichen Ausnahme der Sozialdemokratie zur Zeit das deutsche Volk beherrscht. Wenn am Sonnabend die englischen Journalisten zur Erwiderung des Besuches der deutschen Zeitungsleiter nach Berlin kominen, so werden ste hinreichend Gelegenheit haben, zu beobachten, welche Früchte die Jntrigen-Politik ihres Königs in Deutschland gezeitigt hat. Im Reichstage kam dies zu einem ebenso würdigen als unzweideutigen Ausdrucke in der Rede, die der Kriegsminister v. Einem am Dienstag hielt und in der er ohne Drohung, aber auch ohne Zögern aussprach: „Wir müssen kriegsfertig sein und wir sind jederzeit kriegsbereit!" Der rauschende Beifall, der dieser Rede folgte, sprach am besten aus, wie sehr Herr v. Einem damit dem deutschen Volke, mit Ausschluß der-Sozialdemokratie, aus dem Herzen gesprochen hatte. Und es war wohl eine Wirkung dieser Begeisterung, daß Herr Bebel tags darauf, am Mittwoch, seine lediglich zu agitatorischen Zwecken eingebrachten Anträge vorsichtiger und scheuer als sonst begründete. Man lieg ihn reden und schenkte seinem Geschwätz keine Beachtung. Um so lebhafter dagegen dankte das Haus dem Konservativen v. Olden- burg-Januschau, der in seinem urwüchsigen Humor nicht nur die Lächerlichkeit der Sozialdemokratie gründlich abfertigte, sondern auch den englischen Abrüstungsvorschlägen gegenüber das erlösende Wort fand, indem er darauf hinwies, daß Deutschland für seine Wehrkraft zu Lande und zur See pro Kopf der Bevölkerung 13,40 <M aufwendet, Frankreich dagegen 23,25, und England 6<tt 30,68 M, also vielmehr als das Doppelte von Deutschland. „Seht nur erst Eure Ausgaben für dre Wehrkraft auf die Summe, die wir dafür auf« Wenden, herab, alsdann, aber erst dann, werden auch wir mit uns über weitere Herabsetzung der Heereskosten reden lassen!" Bon.rechts wie von
41 lNachdruck verboten.),
In der Schule des Leidens.
Roman aus dem New-Yorker Leben
von Erich Friesen.
Fortsetzung.)
„Würde meine Anwesenheit meinem armen Kirche nutzen? Was ist überhaupt schon von der ganzen sache bekannt und was noch nichts Hat man bereits Kenntnis von den gestohlenen Diamanten? Wenn ich nur wüßte, weßhalb man mich als Zeugin vorladet! Ob ich wohl gegen Thomas Mackay aussagen soll? Er traut es mir nicht zu — aber vielleicht würde ich es doch tun. >jch hab' nichts mehr übrig für diesen Menschen — rein gar nichts. Er hat mich herabgezogen in den Schlamm, in dem er zu leben gewohnt ist — oder er hat es wenigstens versucht. Er hat mich körperlich und geistig ruiniert,- ja, er hat fast das Gewigen in mir getötet. Bom ersten Tage Unserer Verheiratung an hat er Felicie gehakt und verfolgt. Er stahl ihr das einzige, was ste belast, was ihr armer Vater ihr als Andenken hinterließ —- ihrs Diamanten, und als ste vernichte^ wenigstens einen Teil ihres gestohlenen Vermögens zurückzuerlangen, da überlieferte er sie dern Gericht. Er, der Stiefvater, der den wirklichen Vater ersetzen sollte! O, er ist ein schlechter Mensch, ein Schurke, und ich möchte shm schon die Maske vom Gesicht reißen, wenn ich kann!. . . Zuerst hatte ich ein bißchen Angst: aber jetzt nicht mehr — nein, ganz und gar nicht wehr. Ich werde offen und ehrlich sprechen und wein Gewissen beruhigen. Er denkt, ich fahre Morgen nach Lang Island. Ich werde ihn in dem Glauben lassen und für mich selbst handeln?"
All« diese Gedanken erwägt die atme Frau, als iie wieder den Inhalt der amtlichen Schrift« Wes überfliegt...
links wurde dieser Gedankengang mit stürmischem Beifall aufgenommen. Und als hierauf der Abgeordnete Liebermann von Sonnenberg erklärte, daß wir die Friedensschwärmerei den Weibern beiderlei Geschlechts überlassen sollten, löste sich schallende Heiterkeit aus. Die Rede des Führers der Wirtschaftlichen Vereinigung schloß damit, daß es ein unerträgliches Mittel für den Frieden gebe: man möge uns in Frieden lassen! Nochmals nahm der Kriegsminister das Wort und erklärte im Eingänge seiner Rede: „Ich bin vollständig einverstanden mit den letzten Worten des Herrn Vorredners."
Gewiß hat Herr v. Einem an beiden Tagen nur als Fachminister gesprochen. Dennoch wird die Wucht der politischen Bedeutung seiner Rede in der Welt verstanden werden, und überall wird man es heraussAhlen, daß für die Ungeschicklichkeiten, welche die deutsche Diplomatie seit Bismarcks Entlastung begangen hat, schließlich nicht das deutsche Volk in seiner Gesamtheit verantwortlich gemacht werden darf. Diesen Eesichts- puntt hat auch der Abg. Müller-Meiningen mit Recht betont, indem er ausführte:
„Ich halte die Lage nicht für gefährdet, aber für ungemütlich. Unsere Diplomaten haben selbst viel Schuld daran. Ich weiß durch meine Besuche in England, daß Graf Wolff-Metternich ein sehr unfähiger Botschafter ist. Er hat mit den kaufmännischen Kreisen in England, die die Politik bestimmen, gar keine Fühlung. Er hat sich seiner Zeit von der Entente mit Frankreich vollständig überraschen lassen. Er wußte noch nichts davon, als sie schon fertig war. Es ist bedauerlich, daß die Regierung diesen Botschafter noch immer im Amte läßt, trotzdem man sie genügend über seine Unfähigkeit unterrichtet hat. Wir Freisinnigen sind an sich große Freunde von England. Wir haben immer die englische Politik und Kultur bewundert. Aber wir verurteilen die Art, wie England ruhig weiter rüstet und seine Schiffstypen so geheim hält wie keine andere Nation, dabei aber nach außen hin markiert, daß es abrüsten wolle. Ich lege Wert darauf, dies öffentlich zu konstatieren, daß wir Freisinnigen diese zweideutige Politik Englands durchschauen. England scheint tatsächlich die Absicht zu haben, uns zu isolieren und mit uns eines Tages den Krieg anzufangen, wenn es eine Konstellation gegen uns zusammengebracht hat. Namentlich, wenn Frankreich ihm den Gefallen tut. Aber vorläufig sind wir noch nicht so weit."
Ungefähr so sagt es der Konservative auch, nur mit ein bischen anderen Worten. Und es sagens aller Orten alle Herzen im deutschen Ba- terlande. Selbst der bisher am meisten in der Verneinung gebliebene Abg. Dr. Müller-Sagan, der sich jetzt Müller-Berlin nennt, hat in einer freisinnigen Parteiversammlung unter dem Beifall seiner Zuhörer eine mannhafte Erklärung abgegeben, indem er hinwies aus die Treibereien
Zuerst wird ihr ganz wirr im Kopf von dem vielen Grübeln und Denken. Doch nach und nach klärt sich das wüste Chaos in ihrem Hirn.
Und jetzt ist ste fest, ganz fest entschlossen.
Flugs macht ste sich zum Ausgehen bereit und fährt nach der Waterstraße, zur früheren Wohnung ihres Schwiegersohnes.
Sie weiß zwar nicht, wo er sich augenblicklich aufhält. Seit jenem verhängnisvollen Abend in Rochester hat sie weder von ihm, noch von Felicie etwas gehört. Die Tochter hat nicht ein einziges Mal aus dem Untersuchungsgefängnis an ste geschrieben, und bet armen Frau fehlte der Mut, selbst die Jniative zu einem Briefwechsel zu ergreifen . . .
Nun will ste sehen, ob ste bei Barringtons früherer. Wirtin irgend etwas Näheres erfahren, vielleich gar den Schwiegersohn selbst sprechen kann.
Auf ihr Befragen teilt ihr Frau Brassey mit, daß Herr Barrington während der letzten vierzehn Tage dreimal in seiner alten Wohnung geschlafen habe, daß et augenblicklich nicht da sei daß ste ihn aber heute Abend noch von Rochester her erwarte. >
Frau Mackay denft einige Augenblicke nach.
„Hm — ja —" beginnt sie dann zögernd, „ich möchte Sie gern etwas fragen. Ich bin nämlich die Schwiegermutter von Herrn Bar- rington."
„Ah — wirklich?" Frau Brassey gewinnt plötzlich Interesse an der bleichen, vergrämten Dame da vor ihr. „Sie sind also die Mutter der armen Frau Barrington, die morgen vor Erricht stehen soll! Bitte, wollen Eie nicht näher treten! Lin Täßchen Tee —"
„Vielen Dank, Frau Brassey. Aber ich muß gleich wieder fort. Ich möchte nur wissen ob Ihnen vielleicht lufäüia bet Name he* «echt*.
des englischen Königs und betonte, daß seine Pattei rückhaltlos die deutschen Heeresforderun- gen bewilligen werde: „Wir sind Deutsche und wollen Deutsche sein. Hinter dem Vaterlande kommt erst die Partei. Wenn die Regierung nach Ablauf des Quinquennats mit neuen Forderungen für die Verkehrstruppen kommen sollte, so können ste des Volkes wegen nicht mehr ein Handelsobjekt zwischen den Freisinnigen und der Reichstegierung sein"
Die „Freisinnige Zeitung" hat im Anschluß hieran ausdrücklich erklärt, daß Dr. Müller-Berlin mit seinen Anschauungen durchaus seine Pattei hinter sich habe. Die freiftnntge Pattei hat sich damit in der Tat nur auf ihre eigenen besten Ueberlieferungen besonnen, und auf Zieglers stolzes Wort: „Das Herz der preußischen Demokratie wird alle Zett dott schlagen, wo Preußens Fahnen wehen!"
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Deutsches Reich.
— Die nebenbahnähnlichen Kleinbahnen in Preußen haben nach einer dem Abgeotdneten- hause übermittelten Denkschrift der Regierung eine Geleisgesamtlänge von 8977,77 km. Die Provinz Pommern nahm davon 1537,43 km in Anspruch, es folgten Hannover mit 862,32, Brandenburg mit 860,11, Posen mit 792,43, Rhcinprovinz mit 765,77, Ostpreußen mit 758,46, Sachsen mit 721,50 km. Jedenfalls hat nach dieser Aufstellung der Osten der Monarchie eine größere Geleisgesamtlänge in Kleinbahnen auszuweisen als der Westen. Die bei weitem überwiegende Betriebsform ist die mit Dampflokomotiven. Sie ist auf 7658,28 km eingeführt: elektrische Motoren wurden nut auf wenigen Strecken benutzt. Vorzugsweise für landwirtschaftliche Zwecke dienen 4606,58 km, annähernd in gleichem Matze für Handel und Industrie sowie für Landwirtschaft 2271,96 km. vorzugsweise für Handel und Industrie 1031,91 km, der Rest für Personen- und Fremden- (Bade-) Verkehr. Das Anlagekapital belief sich auf 457,4 Millionen Mark. Davon find ober werben aufgebracht vom Staate 66,6 Millionen, von den Provinzen 57,6 Millionen, von den Kreisen 101,2, von den Zunächstbeteiligten 52,6 Millionen und der Rest in sonstiger Weise.
— Die Grundsätze bet Sträflingsbeschäftigung. Gegenüber den Klagen über Schädigung des Handwerks durch die Gefängnis- und Zuchthaus- arbeit wird von amtlicher Seite festgestellt, daß die Grundsätze, nach denen die Arbeit der Gefangenen in den Strafanstalten und Gefängnissen geordnet ist, kurz folgende sind: Alle Bedürfnisse sowohl bet eigenen Anstalten als bet gesamten Eefängnisverwaltung sind soweit trgenb möglich durch Arbeit bet Gefangenen zu befriedigen. Die Herstellung von Eebrauchsgegenstänben für Reichs- unb Staatsbehörden ist möglichst zu fördern. Mit Landeskulturarbeit sind Gefangeneinmöglich st gtoßetZahl,
anwalts bekannt ist, der meine Tochter morgen vor Gettcht vertreten wird?"
„Aber natürlich, Frau Mackay. Herr Dat- rington kommt ja immer nur von Rochester herüber, um mit dem Rechtsanwalt seiner Frau zu verhandeln."
„Et heißt -?"
„Dr. Maxwell!"
„Unb seine Adresse?—
„Die werd' ich Ihnen gleich sagen, liebe Frau Mackay. Bitte, wollen Sie nicht einen Augenblick nähet treten. Ich suche Ihnen die Adresse inzwischen heraus."
„Nein, ich danke wirklich, Frau Brassey; aber ich habe keine Sekunde Zeit. Bitte, bitte, machen Sie recht schnell! Ich bin in solcher Sorge —“
„Das glaub' ich gern, liebe Frau Mackay. Ich eile schon —"
Und die brave Wirtin verschwindet hinter der Tüt.
Nach einer halben Minute ist sie bereits wieder zurück, in der Hand einen Fetzen Papier.
„Hier, liebe Fran Mackay! Wenn Sie sich eilen, treffen Sie Herrn Dr. Maxwell noch in seinem Bureau an — Broadway Nr. 204."
„Danke, danke! Der Himmel vergelte es Ihnen!"
Fest schließt Frau Mackay die abgezehrten Finget um das Stückchen Papier. Um Gotteswillen — es nut nicht verlieren! Ihr ist, als halte ste mit der Adresse des Rechtsanwalts die Freisprechung der Tochter in den Händen.
Dr. Maxwell ist noch anwesend, als Frau Mackay schüchtern das Bureau bettttt. In au« votkommendet Weise gibt et ihr alle möglichen Anweisungen betreffs ihres morgigen Verhaltens vor Gericht.
„Und verspäten Eie stch nicht!" schließt er ernst, „Ihre Aussagen find von größter Wich- tiidbtU, a»nor kürckte ick — Nlicht» tanx «eine
soweit dies ohne Schädigung des Strafvollzug«« geschehen kann, zu beschäftigen. Die übrigen Gefangenen werben im öffentlichen Ausgebot an Unternehmer für Ausführung von Industrie« arbeit vergeben.
Mit diesen Grundsätzen, nach denen der ge< samte Arbeitsbetrieb in den Strafanstalten uni Gefängnissen gestaltet ist, haben, sich beide Hauset des Landtages wiederholt einverstanden erklärt. Die Zahl der für Unternehmer beschäftigten Gefangenen ist im fortdauernden Rückgänge begriffen und beträgt jetzt nur noch 21,4 Prozent. Dazu kommt noch, daß unter den mii Jndusttiearbeiten beschäfttgten Gefangenen ein« größere Anzahl mit solchen Arbeiten befaßt ist, die der freien Arbeit überhaupt keine Konkurrenz machen. Dagegen wird der Forderung, Gefangene zu Landeskulturarbeiten zu verwenden, im weitesten Umfange entsprochen. Obwohl lebenslänglich Gefangene sowie Gefangene mit langen Strafresten, ferner altersschwache, an schwere Arbeit nicht gewöhnte oder sonstwie unbrauchbare Gefangene ausscheiden müssen, sind doch regelmäßig 1400 bis 2000 Gefangene mit Landeskulturarbeiten beschäftigt. Bon dieser Seite her steigen die Ansprüche, und es können, nachdem in der Kriminalität seit einigen Jahren ein erfreulicher Rückgang sich zeigt, gar nicht soviel Gefangene gestellt werden, als von der landwirtschaftlichen Verwaltung verlangt werden.
Unter diesen Umständen muß das Bestreben, den Gefängnissen die Arbeiten für Staats- und Reichsbehörden zu beschränken oder wohl gar zu nehmen, den allerernstesten Bedenken begegnen. Nachdem die neue Organisation der Gefängnis« arbeit mit Zustimmung und zum Teil auf Anregung des Landtages mit großer Mühe unb Sorgfalt durchgeführt und dabei das Interesse der freien Arbeit insbesondere aber des Handwerks auf das sorgfältigste und bereitwilligste gewahrt ist, soll man nunmehr auch der Gefängnis« Verwaltung Ruhe gönnen und nicht wohlerwogene und erprobte Grundsätze beseitigen wollen, weil dadurch hin und wieder ein Privatinteresse sich verletzt glaubt. Ein gut geordneter Strafvollzug, der ohne zweckmäßig organisierte Arbeit nicht möglich ist, liegt im allgemeinen Staatsinteresse, hinter welchem das Privatinteresse selbst wenn es einmal geschädigt würde, zurücktreten muß.
— Jährliche Viehzählungen, Das Landes- Oekonomie-Kollegium Preußens hat das Ersuchen an die Staatsregierung gerichtet, zur Beschaffung vollkommen zuverlässigen Materials über den Stand der deutschen Viehzucht die Vornahme alljährlicher Viehzählungen zu veranlassen. Mit Rücksicht auf diesen Antrag der offiziellen Vertretung der preußischen Landwirtschaft dürste die Stellungnahme von Interesse fein, die das Preußische Statistische Landes-
Klientin von der Verurteilung retten; aber — es ist ein gewaltiger Unterschied zwischen drei Jabren Zuchthaus und zehn Jahren!"
Bei dem Wort „Zuchthaus" zuckt Fran Mackay zusammen.
„Unb — und — wenn ich nun morgen nicht vor Gettcht erscheine?" fragt sie mit versagender Stimme.
„So machen Sie sich einer strafbaren Handlung schuldig und werden gerichtlich belangt."
Frau Mackay weiß genug. Unter viele« Dankesbeteuerungen empfiehlt sie sich und besteigt die Stadtbahn, um nach ihrer Wohnung zuriickzukehren.
„Jetzt mag kommen, was da will," murmett sie vor sich hin, „ich trete morgen als Zeugin auf! Mag Thomas fluchen und schimpfen, mag er mich totschlagen! Was liegt daran? Vielleicht kann ich meinem Kinde nützen, wenn '■* di« Wahrheit aussage — die volle Wahrheit. Wen« ich nur etwas Geld hätte? Freilich wird Thoma, mit morgen ein paar Dollars einhändigen — für meine ersten Bedürfnisse in Lang Island: aber das ist zu unsicher. Nein, nein, ich muß sehen, was ich mir selber verschaffen kann. Wenn er nur noch nicht zurück ist?"
Thomas Mackay ist noch nicht zurück.
Hastig kramt seine Frau in ihren Schubladen herum, ob sie irgend etwas wertvolles findet, was sie zu Geld machen könne. An bar hat sie nur noch anderthalb Dollars — Thomas ist sehr sparsam mit dem Wirtschastsgev) — das reicht nicht. Und die paar alten Ringe unb eine vergoldete Brosche, ziemlich wettlose Dinger, tragen ebenfalls nicht viel ein.
Ihr bleibt nur noch bet Trauring. Zwar schreckt sic vor dem Gedanke zurück, ihn zu veräußern, aber um ihres Kindes willen---
, (Fortsetzung folgt.)
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