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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marbmg und Kirchhain.»

SonataasbeUaaer Alluttrirtes

J2 96

Vierteljährlicher Bezugspreis: bei oer Expcküion 2 M., btt allm Postämtern 2,25 Mc. ^excl, Bestellgeld).

JnsertronSgebühr: die gespaltene Zeile oder oeren Raum 15 Pfg, Reclaincn: die Zeile 30 Psg.

Marburg

Donnerstag. 25. April 1907.

Erscheint wLchentlich sieben mal.

Druck und Verlage Joh. Lug. Koch, Univerfitätr-Vuchdruckerei

Marburg, Markt 21. Telephon 55.

42. Jahrg.

Das Abonnement 6ut dieOberhessische Zeitung", daS grStzte, Meiftgelefenfte und weit' verbreitetste Blatt Marbnrgs «nd der Umgegend kostet vierteljährlich nur 2.25 Mk. Inserate haben besten Erfolg.

Zur Friedeusshmphouie.

' Die Politik ist die Kunst des Dementierens. So scheint Herr Tittoni zu denken, dem bekannt­lich die Leitung der auswärtigen Politik des uns verbündeten Königreiches Italien obliegt; denn kaum hat sich die öffentliche Meinung in Deutschland und Oesterreich über Easta etwas beruhigt, so kommt das italienische Dementi. Wie nämlich aus diplomatischen Kreisen Wiens verlautet, hat Tittoni sowohl dem österreichi­schen, als dem deutschen Botschafter in Rom über Die Monarchenbegegnung in Gaöia Mitteilun­gen gemacht und erklärt, daß alle an diesen Vor­gang geknüpften Vermutungen jeg­licher Grundlage entbehren. Das klingt so treuherzig und schlicht, dah man's beinahe glauben möchte. Iedennoch in der Politik ist Mißtrauen viel besser angebracht, als gläu­biges Vertrauen. Wenn man darin auch nicht soweit zu gehen braucht, die Ansprache König Viktor Emanuels an Bord des italienischen Panzerschiffes ..Regina Elena" als gegen Deutschland gerichtet zu erklären, so mutz man sich immer vor Augen halten, datz die politisch und wirtschaftlich schwächste Macht des Drei­bundes iin Hinblick auf. die geographische Be­schaffenheit Italiens einen ängstlichen Respekt vor der englischen Seemacht hat und darum lie­ber eine servile Verbeugung vor dem Union Jack macht, als durch kühle Zurückhaltung ein ungnädiges Stirnrunzekn König Eduards zu er­regen. Ein ängstlicher Bundesgenosse aber ist ein unsicherer Kantonist, darum wird man in Berlin sowohl, als in Wien Herrn Tittonis Dementi mit gerechtfertigtem Mihtrauen aufge­nommen haben. Um aber nochmals auf die Ansprache des Königs von Italien bei Ueber- gabe der Fahne an das Panzerschiff, das den Namen der Königin Elena trägt, zurückzukom­men, so will es uns scheinen, als ob deren letzte Sätze bei aller Selbstverständlichkeit der darin geäußerten Meinung, doch nicht recht harmo­nieren wollen mit dem Friedesgeläute, das in den letzten Tagen und Wochen von England und Amerika herübertönte. Denn wenn auch die mit einer Widmungsansprache verknüpfte Ueber- reichung einer Fahne durch einen Monarchen an und für sich kein politisches Ereignis dar- stelli, so kann sie doch durch die augenblickliche Konstellation einen politischen Beigeschmack er-

21 (Nachdruck verboten.),

* In der Schule des Leidens.

Roman aus dem New-Yorker Leben von Erich Friese«.

(Fortsetzung.)

Felicie sinkt in den Fauteuil, neben dem sie bisher gestanden. In langen, weichen Falten fließt das weitze Schleppgewand an ihren schlan­ken Gliedern nieder. Ihre Hände ruhen ge­faltet im Cchoh. Die Lippen sind fest geschloßen. Die großen, starren Augen blickten weder den Gatten an, noch die Freundin, noch den Stief­vater; sie haben einen weltverlorenen, instch- gekehrten Ausdruck, als schauten sie in ein Traumland, in dem es nur Visionen, aber keine Wesen von Fleisch und Blut gibt. . . .

Als Gerda Douglas das Konverfattonszim- mer verlaßen hat, nimmt der Detektiv neben der Tür Aufstellung, während Thomas Mackay sich mit einem Fluch in den Gang zurückzieht.

Die Bude wird noch nicht zugemacht!" schreit er den Pförtner an, welcher das Theater schlie­ßen will.Ich geh' nicht fort, so lange der Bogel d'rin ist."

Verwundert bleibt der brave Mann stehen.

Welcher Vogel?"

Haha, die Betrügerin!"

Welche Betrügerin?"

Ihre Ophelia die schöne Frau Barring­ton! . . . Hat Namensunterschrift gefälscht. Mutz in Zuchthaus."

Wer sagt das?"

Ich ihr Stiefvater!"

Sie ihr Stiefvater? Und sie selbst klagen sie an? Hm, hm!"

Mit einem leisen Pfiff verschwindet der Pförtner.

Inzwischen versucht Norbert auf iebe Weise, Felicie aus ihrer Starrheit zu erwecken.

Sieh mich an, Licy!" schmeichelt er, ihr Haar und Wangen streichelnd.Ich glaube ja nichts von all dem dummen Zeug. Du und Namens­unterschrift fälschen Unsinns Ein Irrtum,

halten, der zu mancherlei Deutungen Anlatz giebt. Eines aber kann man aus den Worten König Viktor Emanuels als sicher entnehmen und das ist die Gewißheit, datz man auch in Italien den Friedensklängen von jenseits der Meere kein rechtes Vertrauen entgegenbringt. Und das ist nur allzu begreiflich; denn schon mehrfach ist der allen geschichtlichen Erfahrungen widersprechende Humanitätsgedanke des Welt­friedens zur Erreichung politischer Ziele gemitz- braucht worden.

Schon einmal war es England, das in nichts weniger, als ehrlicher Absicht einen Abrüstungs­vorschlag machte,- wie er jetzt in demselben Be­streben wiederholt wird, dendeutschen Michel als Friedensstörer hinzustellen. Am 1. Februar 1870 war es, da fragte Lord Clarendon, der britische Minister des Auswärtigen, bei Bis­marck wegen einer allgemeinen Abrüstung an. Natürlich geschah auck damals der Vorschlag im Namen der Humanität, Zivilisation und an­derer höherer Ideale, während der Lord in Wirklichkeit einem Wunsche Kaiser Napo­leons III. folgte, besten Bestreben darauf hinausging, Preußen zu schwächen und die von Bismarck erstrebte Einigung Deutschlands zu hintertreiben. Die feingesponnene Jntrigue, die im letzten Grunde einer Idee des als Vismarck- haster bekannten österreichischen Grafen Beust entstammte, führte freilich nicht zum Ziele, trotz­dem Lord Clarendon noch einmal Mitte Februar 1870 mit demselben Ansinnen an Bismarck herantrat. Bismarck erklärte sehr kühl, über solche Sachen könne er mit seinem königlichen Her''« gar nickt sprechen; denn wenn er es täte, würde der König in der bloßen Tatsache eine Aenderung der bisherigen Gesinnung des eng­lischen Kabinetts erblicken.

Das Dichterwort vomperfiden Albion", an welches jener politische Trick des edlen Lords gemahnte, soll heutzutage, wie es scheint, in mehrfacher Hinsicht bestätigt werden. Denn während einerseits der Leiter des gegenwärtig nm Ruder befindlichen Kabinetts den hin­reichend bekannten und besprochenen Friedens­und Abrüstungsvorschlag gemacht hat, entwickelt der englische König, der nach der britischen Ver- fastung eigentlich lediglich Repräsentations­figur ist. eine erstaunliche politische Tätigkeit im Umherziehen, die nichts weniger als geeignet erscheint, die idealen Welffriedensvorschläge zu fördern, vielmehr ganz unverhüllt darauf ab­zielt. die britische Weltmacht so zu stärken, daß diese bei etwaigem Abschlüße einer Äbrüstungs- konvention im Haag als allen Nationen über­legen dasteht. Darum auch der so eilig betrie­bene Ausbau der englischen Flotte, die ebenso, wie die des verbündeten Japan durch Schlacht­schiffe von unerhörter Größe vermehrt wird; darum, auch die vonOnkel Ede" angebotene uneigennützige" englische Hilfe zum Ausbau der spanischen Flotte!

eine Verwechslung! . . . Komm', gib mit deine Hand, mein Liebling? Ich bin bei dir, dein Gatte, dein Norbert, der dich verteidigen wird bis zum Aeutzersten . . . Ein Irrtum ist es ja, nur ein grenzenloser Irrtum!"

Das Spiel ist aus!" murmelt sie in sich hinein.

Augenscheinlich hat sie seine Worte gar nicht verstanden.

Sanft zieht er ihren Kopf zu sich herab und bettet ihn an seine Brust.

Du bist müde, armes Kind!"

Nein nein!" Sie schüttelt den Kopf, ihren Mund seinem Ohr nähernd.Es ist wahr; ich bin schuldig. Wozu leugnen? Ich wußte, datz es eines Tages so kommen würde. An meinem Hochzeitstag da fürchtete ich schon, das Un­glück würde hereinbrechen. Aber nein, Gott war barmherzig. Mir blieben", sie zählt an den Fingern ab "ein, zwei, drei, vier bei­nahe fünf Monate unaussprechlichen Glückes. Ja, ja, dieses Glück war es wert, daß ich die Tat beging. Ich bereue sie nicht!"

Ihre Stimme stirbt in leidenschaftlich er­regtem Flüstern.

Ein Schauer überfliegt Barrington. Hat ihr Verstand gelitten? Ist sie wahnsinnig ge­worden? ...

Eine halbe Stunde vergeht in lautloser Stille nur hie und da unterbrochen durch die brutalen Fußtritte Thomas Mackays draußen im Gang oder ein unterdrücktes Aufstöhnen des armen, gequälten Wesens, das wie geknickt in den Armen des Gatten liegt . . .

Endlich draußen Pochen an der Tür.

Der Detektiv öffnet.

Mit warmen Hüllen auf dem Arm tritt Gerda ein.

Hier, Licy, schnell! Den langen grauen Mantel um! Die Kapuze über den Kopf! . , . So! Und jetzt, mein Herr" sie wendet sich zu dem Detekttvtun Eie Ihrs Pflicht!"

Mechanisch bat Felicie sich den Händen der Freundrn überlasten. Mechanisch auch folgt sie dem Detetttv ins Freie

Angesichts solch' unerhörter Bestrebungen auf englischer Seite müßte es doch geradezu als Aberwitz bezeichnet werden, wenn sich der deutsche Michel durch gütliches Zureden seiner wirtschaftlichen und politischen Neider und Feinde bewegen ließe, sein bewährtes und gut geschliffenes Schwert aus der Hand zu legen, um im Falle eines sehr wahrscheinlichen Bru­ches der Friedenskonvention wehrlos allen An­griffen preisgegeben zu sein! Daß die ganze Bewegung mehr oder weniger gegen das Deutsche Reich gerichtet ist, kann man schon aus den immer und immer wiederholten Versuchen der ausländischen Preße erkennen, Deutschland für die militärische Rüstungen der Großmächte verantwortlich zu machen. Das Unsinnige dieses Versuches hat jüngst der Berliner Pro- festor Paulsen durch einen längeren Aufsatz in derNeuen Freien Preße" klargelegt, dem wir folgende beherzigenswerte Ausführung entneh­men:Ich möchte zeigen," schreibt der Genannte, datz das deutsche Volk allerdings auf dem Kon­gretz in einer sehr eigentümlichen Lage ist, nicht weil es das kriegerischeste Volk in Europa ist oder hat jemand den Mut, Deutschland eine kriegerische und eroberungslüsterne Macht zu nennen, wie es das Frankreich Ludwigs XIV. oder Napoleons I., oder das England des 18. Jahrhunderts war, das Kant einmal die kriegerregend st e unter allen Na­tionen nennt?, sondern weil das fried­liebendste zugleich das bedrohteste Volk der Erde ist. Vor allem möchte ich die Engländer ersuchen, sich einmal in die Lage Deutschlands zu versetzen." Man kann dem Berliner Philosophen nur beistimmen, wenn er zu dem Schlüße kommt, datz es angesichts der Lage des Deutschen Reiches, das eingeklemmt ist zwischen allen Nattonen des Kontinents, nur verständlich wäre, wenn wir Deutschen keinen großen Enthusiasmus für die Abrüstung zur Schau trügen. Dies umsomehr, weil wir in der Entwickelung als Weltmacht am meisten zurück­geblieben sind und vielfach erst nachzuholen haben, was andere Nationen schon vor Jahr­hunderten erreicht haben.

Deutscher Reichstag.

Im Reichstage wurde am Dienstag die Be­ratung desEtatsdesReichsjustizamts fortgesetzt. Abg. Kreth (kons.) sprach sich gegen die Jmmunitätsresolutton aus und begrüßte den vom Minister in Aussicht gestellten beschleunig­ten Gang des amtsgerichtlichen Prozeßverfah­rens. Diejenigen, die stets mit Vorliebe die preußische Regierung angriffen, sollten jedoch nicht vergeßen, daß zu großen Aufgaben nicht so schnell Entschlüße gefaßt werden können. Als Redner der sozialdemokratischen Preße vorhielt, daß sie alles herunterziehe, was der Mehrheit

Unten vor dem Eingang des Theaters stehen zwei geschloßene Droschken.

Die erste besteigt Detektiv Barns mit seiner Arrestantin, die zweite Gerda Douglas mit Norbert Barrington.

Zum Bahnhof!"

Die Wagen rollen davon.

XII.

In New-York wird Felicie von dem Detektiv Barns sofort dem Polizeibureau überliefert, gßebet ihr Gatte noch Gerda dürfen sie dorthin begleiten.

Man hatte Gerdas Bitten, die Arrestantin in ihrer Garderobe im Rochester Theater rasch umkleiden zu dürfen, nicht nachgegeben. Es sei zu gefährlich und etn Fluchtversuch bei solcher Gelegenheit nicht ausgeschlossen. In New-York, im Polizeibureau werde eine Wärtettn sie ihres Ophelia-Kostüms entledigen.

Still, in sich zusammengesunken, hockt jetzt die weiße Gestalt in einer Ecke des zellenartigen Raumes das seidenglänzende Kleid be­schmutzt, die gelösten, dunklen Haare wirr um den Kopf hängend.

So hockt sie da und starrt vor sich hin schweigend, tränenlos, als watte sie auf etwas..

In kurzer Zeit bringe ich dir einen Ver­teidiger, mein Lieb!" hatte ihr Gatte ihr beim Abschied hasttg zugeflüstert.

Vielleicht wartet sie auf ihn, auf ihren Ver­teidiger! . . . Vielleicht auf Norbett! . . . Vielleicht auf irgend ein Wunder, das sie aus dieser fürchterlichen Situation befteien soll!. . , . Sie wartet und wattet .» .

Nach ein paar Stunden Felicien erschei­nen sie wie eine Ewigkeit dreht sich der Schlüße! in der eisenbeschlagenen Tür.

Barrington und ein kleiner, grauhaariger Herr mit scharfen Eefichtszügen, einer goldenen Brille und glattrasiertem Kinn treten ein.

Klapp fliegt die Tür wieder zu. Klirre« klirr raffeln die Schlüssel.

Die drei find allein.

Felicie hebt den Kopf. Ein mattes Lächeln umspielt ihre bleichen Lippen,

des Volkes heilig sei, und die Aeutzerung de» Vorwätts", die Königin Luise sei eine intri- gante Persönlichkeit gewesen, eine Schamlosigkeit nannte, wurde der Abg. Stadthagen (Soz.) we­gen seines Zwischenrufesunverschämt" vom Präsidenten Grafen Stolberg zur Ordnung ge­rufen. Abg. Prinz Schoenaich-Carolath (natlib.) trat für eine baldige Regelung des Automobil­verkehrs ein. Staatssekretär Dr. Rieberding er­klärte auf die Ausführungen des Vorredners, die Regierungen teilten die Auffassung, daß neben einer Regelung des Automobilverkehrs auch die Regelung der Haftpflichtfrage notwendig sei. Erst auf Grund einer neuen, vom Hause verlangten Statistik werde die Regierung aber in der Lag« sein, Stellung zu neuen Haftpflichtvorschlägen zu nehmen. Abg. v. Oertzen (Reichsp.) betonte die Notwendigkeit einer Regelung in der Behand­lung geisteskranker Personen und meinte in Be­zug auf den Zeugniszwang für Redakteure, zu einer so unmoralischen Handlung dürfe ein Rich­ter niemanden zwingen. Darauf wurde ei« Schlutzantrag angenommen. Es folgte eine Reihe persönlicher Bemerkungen seitens der Abgg. Heine (Soz.), Kreth (kons.) u. a. Bei der Abstimmung gelangten die Resolutionen betr. Haftung des Reiches für Versehen von Reichs­beamten, ferner die Resolution Treuenfels betr. Abschwächung der Tierhalterhaftung, die Reso­lution betr. Automobilhaftung, die Resolution betr. den Zwangsvergleich außerhalb des Kon­kurses, die Resolution wegen Sicherung der Bau­handwerkerforderungen, ferner die Resolution betr. gleichmäßige Zuziehung aller Stände zu» Geschworenen- und Schöffendienst und Zahlung von Diäten an Schöffen und Geschworene zur An­nahme. Abgelehnt wurde die Resolution Basier- manns betr. Haftung des Staates für Versehe« von Staatsbeamten. Darauf wurde der Titel Staatssekretär" genehmigt. Bei einem weitere« Titel verbreitete sich Abg. Stadthagen (Soz.) über die Frage der Konkurrenzklausel und be­hauptete, daß bei der Prüfung dieser Frage die Heranziehung von Sachverständigen eine einsei­tige sei. Staatssekretär Dr. Rieberding erklärte, auch zu der erneuten Prüfung der Frage der Konkurrenzklausel würden Sachverständige her­angezogen werden; auf die Beurteilung solcher Enqueten seitens des Vorredners brauche er je­doch nicht zu antworten. Nach einer weiteren Rede des Abg. Bassermann (natlib.), der die An­wendung der Konkurrenzklausel möglichst einge­schränkt wissen wollte, wünschte Abg. Heckscher (frs. Vgg.) die Schaffung von Seeschöfsengerich- ten im Interesse der Seeleute. Staatssekretär Dr. Rieberding empfahl dem Redner die An­bringung seiner Wünsche bei der Hamburgische»

Barrington tritt rasch auf sie zu und faßt ihre Hand. I

Dies ist Herr Dr. Maxwell, Licy ein be­rühmter Rechtsanwalt, der deine Verteidigung vor Gericht übernehmen wird."

Sie schüttelt den Kopf.

Ich brauche keinen Verteidiger, Norbert. Ich werde vor Gericht selbst sprechen. Wozu die Kosten für einen Rechtsanwalt!"

Er unterbricht sie mit einer raschen Hand­bewegung.

Das laß meine Sorge fein! ... Du darfst dich vor Gericht nicht selbst verteidigen, mein Liebling. Das tut dein Rechtsanwalt für dich. Ihm mutzt du alles sagen"

Ich will mich auch gar nicht verteidigen. Ich will nur die Wahrheit sagen, will erzählen, wie es kam"

Nun, und wie kam es?" fragt Dr. Maxwell, indem er einen Stuhl heranzieht und sich neben Felicie setzt.

Furchtsam hebt die junge Frau die Lider.

Als sie die klugen, grauen Augen des Man­nes auf sich gerichtet sieht, hat sie die Empfin« düng wie etwa eine Fliege, welche sich im Netz einer großen Spinne verfangen hat und nir­gends einen Ausweg findet.

Wenn sie während der fünf Monate, die feit ihrem Verbrechen vergangen, jemals Gewissen­bisse fühlte, wenn eine ungewisse Angst vor bet Zukunft sie befiel dann brachte die Hoffnung ihr Trost, ihr heißgeliebter Gatte möge niemals erfahren, datz sie um seinetwillen eine strafbare Handlung beging. Ja, um diese Kenntnis von ihm fern zu halten, ist sie sogar gewillt, das Ge­heimnis zu bewahren, datz ihr Stiefvater sie be- stohl'n, daß er also die direkte Veranlassung zu ihrem Verbrechen war . . . Wie könnte Norbett jemals wieder eine ruhige Minute haben, wenn er wüßte--

O Opferfreudigkeit des Frauenherzens, wenn es sich um das Wohl des Einzig-Eeliebten han­delt! ,,,

------- ' - '(Fortsetzung folgt.)