M 95
Bierteljährlicher BczugspreiSr bet öei Expedition 2 KtL, bet allen Postämtern 2,25 Nt. <excU Bestellgeld).
InscrttouSgebühr: die gespaltene Zelle oder deren Raum 15 Pfg.
Reclamen: die Zeile 30 Pfg,
Marburg
Mittwoch. 24. April 1907.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag' Joh. Äug. Koch, Univerfitätr-Buchdmckerel
Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
42. Jahrg.
Zweites Blatt.
Das Abonnement auf die „Oberheffifche Zeitung", daS größte, meistgelesenste und weitverbreitetste Blatt Marbnrgs und der Umgegend kostet vierteljährlich nur L.25 Mk. Inserate haben besten Erfolg.
Der neue Eisenbahn-Personen-und Gepäcktarif.
/" 1. Geltung des Tarifs.
_ Am 1. Mai tritt auf den deutschen Eisenbahnen ein neuer Eisenbahn-Personen- und Gepäck- tarif in Kraft. Durch den neuen Tarif werden die bisherigen Tarifungleichheiten der verschiedenen Vahnnetze beseitigt. Auf allen Staatsbahnen mit Ausnahme der Bayrischen und Badischen Bahnen und aus den meisten Privatbahnen werden vier Klassen mit gleichen Einheitssätzen eingerichtet. Auf den Bayrischen und Badischen Bahnen wird die vierte Klasse nicht eingeführt. Auf diesen Bahnen wird für die III. Klaffe der Persanenzüge der Fahrpreis IV. Klaffe der anderen Bahnen erhoben, während der Preis für die III. Klaffe der Schnell- und Eilzüge dem Preise der III. Klaffe der anderen Bahnen entspricht.
Die auf einzelnen Bahnnetzen bestehenden Ausnahmebestimmungen (Kilometerhefte, Landeskarten u. f. w.) werden aufgehoben.
. Die Personen- und Gepäcktarife mit außer- deutschen Bahnen werden einstweilen nicht geändert. Ihre Umarbeitung in Gemeinschaft mit den beteiligten ftemden Bahnen wird vorbereitet.
i 2. FahrgeldundFahrkarten.
Die Rückfahrkarten werden aufgehoben. Der Fahrpreis für die einfache Fahrt in II. und III. Klaffe wird auf die Hälfte des jetzigen Rückfahr- preifes herabgesetzt. Die Fahrpreisermäßigung, die auf Rückfahrkarten gewährt wird kommt also künftig allen Reisenden dieser Klasse zugute, ohne daß sie an die Zeit oder an den Weg gebunden sind.
Zur Bequemlichkeit der Reisenden können bei Antritt der Reise zwei Fahrkarten für einfache Fahrt gelöst werden, von denen eine bei der Ausgabe durch einen Rückfahrstempel für die Fahrt in umgekehrter Richtung gültig gemacht wird. Für die Rückfahrt können auch Karten ?elöst werden, die von einer anderen Station z. B. bei Ausflügen) für eine andere Klaffe, für eine andere Zuggattung, oder über einen anderen Weg gelten; auch können sie in größerer Anzahl entnommen werden als zur Hinfahrt. Für bett Stadt-, Vorort-, Markt- und Ausflugsverkehr werden Doppelkarten zur Hin- und Rückfahrt in Form einer Karte ausgegeben. Mit Karten, die den Rückfahrstempel tragen, und mit Doppelkarten kann die Rückreise sowohl am Tage der Lösung wie am folgenden Tage angetreten werden. Im Verkehr mit dem Auslande und mit den Nordsee- und Ostseebadeorten bleiben Rückfahrkarten mit längerer Geltungsdauer bestehen.
3. Schnellzugbenutzung.
Als Schnellzüge sind nur solche Züge vorgesehen, die dem großen durchgehenden Verkehr dienen. Ein sehr erheblicher Teil der heutigen Schnellzüge wird als „Eilzüge" bezeichnet. Die Schnell- und Eilzüge werden in den Kursbüchern durch fetten Druck der Stunden- und Minutenziffern, die Schnellzüge außerdem durch eine stark fmnktterte Linie an der linken Seite der Zug» palte hervorgehoben. Schnellzüge, die als Durch, gangs- (v)-Züge gefahren werden, werden durch Beisetzung des Buchstabens D vor der Zugnummer bezeichnet.
Die Platzkartengebühr in den v-ZLgen wird «oben. Um von den durchgehenden Zügen r die Durchgangsreisenden lästigen Lokal- verkehr fernzuhalten, wird in den Schnellzügen, gleichviel ob es v- oder Abteilzüge sind, ein Schnellzugzuschlag erhoben. Die Eilzüge sind zuschlagfrei.
Der Schnellzugzuschlag beträgt:
für 1—75 km 0,50 Ml. in der LU Klaffe.
. , , 0,25 , , , III.
, 76-150 , 1,00 , . . I./IL .
, 76-150 , 0,50 . . . IU
über 150 , 2,00 , , , ML ,
, , ' 1,00 . ' , ni. '
Er entspricht also dem Preise der Platzkarten; tzuf Entfernungen bis 75 km tritt jedoch eine Ermäßigung aus die Hälfte der Platzbtrtenge- bühr ein. Für Reisende, die jetzt mit einfachen Fahrkarten Schnellzüge oenutzen, tritt durch den neuen Tarif eine außerordentliche Berbilligung et«.
f Der Schnellzugzuschlag ist entweder den $teb len der Fahrkarten eingerechnet oder er wird mit
besonderen Zuschlagkarten erhoben. Reisende, die von einem Personen- oder Eilzug auf einen Schnellzug übergehen wollen, erhalten Zuschlagkarten am Fahrkartenschalter oder auf den Bahnsteigen bei den zur Ausgabe von Zuschlagkarten bestellten Beamten.
In den V-Zügen werden den Reisenden keine festen Plätze angewiesen. Doch können Reisende, die sich einen bestimmten Platz sichern wollen, auf den Ausgangsstationen der V-Züge einen Platz kostenlos bestellen.
4. Fahrtunterbrechung.
Die Reise kann nach den bisher geltenden Vorschriften unterbrochen werden, doch fällt die lästige Bescheinigung der Fahrtunterbrechung auf den Stationen fort.
5. Gepäckbeförderung.
Für das jetzt frei beförderte Gepäck — 25 Kilogramm auf eine Fahrkarte — beträgt die Gebühr auf Entfernungen bis 50 Kilometer 0,20 Mk. von 51 , 300 , 0,50 ,
, , über 300 . 1,00 ,
Diese Gebühren werden bei Eepäcksendungen bis einschließlich 200 Kilogramm auch erhoben, wenn mehrere zusammengehörige, nach einer Bestimmungsstation reisende Personen ihr Gepäck auf einen Gepäckschein ausfertigen lassen.
Diese Gebühren sind, namentlich in den ersten beiden Zonen so gering, daß die Aufgabe des Gepäcks meistens im eigenen Interesse der Reisenden liegen wird. Die Mitnahme der Gepäckstücke als Handgepäck würde mit Rücksicht auf die den Gepäckträgern zu zahlenden Gebühren, abgesehen von den damit verbundenen Unbequemlichkeiten, sehr häufig teuer werden.
Die meisten übrigen Sätze des Eepäcktarifs sind niedriger als die jetzigen Tarifsätze. Die Gepäckftacht wird nach einem einfachen Zonen- und Gewichtsstufenfystem berechnet, dessen Sätze in den Kursbüchern enthalten sind. Die Entfernungszone ist den Frachtkarten aufgedruckt, so daß jeder Reisende die Richtigkeit der Frachtberechnung nachprüsen kann. Auch sind die Einrichtungen so getroffen, daß bei oen Massensendungen im Gewichte bis zu 25 kg die Zahlung der Eepäckfracht an der Annahmestelle selbst oder unmittelbar daneben erfolgen kann, so daß dem Reisenden besondere Wege zum Schalter erspart werden. Die Einfachheit des Tarifs ermöglicht überdies an sich eine Beschleunigung der Abfertigung.
6. Fahrpreisermäßigung.
Die zusammenstellbaren Fahrscheinhefte werden unter den alten Bedingungen beibehalten. Sie berechtigen zur Benutzung der Schnellzüge ohne Zahlung eines Zuschlages.
Die Sonntagskarten bleiben zu den alten Preisen bestehen. Ihre Benutzung wird durch die allgemeine Zulassung der Fahrunterbrechung und des Uebergangs in eine höhere Klasse erleichtert. Unverändert bleiben auch die Preise der Zeitkarten (Monatskarten, Monatsneben- karten usw.) und der Arbeiterkarten. Die Fahrpreisermäßigungen für Schulfahrten, akademische Ausflüge und zu milden Zwecken werden gleichfalls aufrecht erhalten. Beseitigt ist die Fahrpreisermäßigung für Eesellfchaftsfahrten von mindesten» 30 Personen in den ersten drei Klassen. Dagegen werden Eesellschaftssonder- zügr zu ermäßigten Preisen auch nach dem neuen Tarife gestellt. Unter Beibehaltung der jetzigen Mindestgebühr tritt eine Herabsetzung des Fahrpreises für die einzelnen Fahrkarten zum Sonderzuge ein. Feriensonderzüge zu ermäßigten Preisen werden auch künftig gefahren. Die Fahrpreise der Ferienzugkarten entsprechen etwa den jetzigen Fahrpreisen. Die Geltungsdauer der Ferienzugkarten beträgt 2 Monate.
7. Fahrradbeförderung.
Eine wesentliche Erleichterung für Reisende mit Fahrrädern ist dadurch geschaffen, daß die Reisenden nicht mehr gezwungen sind, das Rad selbst an den Zug zu bringen und dort abzuholen. Auf Entfernungen über 100 km werden Fahrräder wie anderes Gepäck abgefertigt. Auf Entfernungen bis 100 km hat der Reifende die Wahl, das Rad selbst an den Zug zu bringen und dort abzuholen, oder es als Gepäck bei der Gepäckabfertigung aufzugeben. Im ersteren Falle hat er eine Fahrradkarte zum Preise von 20 Pfg. zu lösen, während er im letzteren Falle eine Fracht von 30 Pfg. (bis 50 km) oder 50 Pfg. (von 51 bis 100 km) zu zahlen hat.
8. Uebergangsbestimmungen.
Rückfahrkarten mit 45tägiger Gültigkeit können noch bi» 30. April b. I. einschließlich gelöst werden. Für Fahrkarten, die vor dem 1. Mai b. I. gelöst sind, gelten noch die alten Beförderungsbedingungen. Insbesondere find Reisende mit Rückfahrkarten von der Zahlung des Schnell- zugszuschlaaes befreit, wenn ste die Rückfahrt nach dem 1. Mai ausführen. Benutzen sie nach dem 1. Mai einen V.Zug, so brauchen sie auch Platzkarten nicht zu lös«, ;
Wird nach dem 1. Mai Reisegepäck auf Fahrkarten aufgegeben, die vor dem 1. Mai gelöst sind, so gelten für die Beförderung gleichfalls die alten Bedingungen. Es wird also such Freigepäck gewährt, soweit ein solcher Anspruch den Inhabern der Fahrkarten jetzt zusteht.
9. Auskunftserteilung.
Ueber die Einzelheiten des neuen Tarifs erteilen die amtlichen Auskunftsstellen Auskunft. Auch werden von den Auskunftsstellen und an den Fahrkartenschaltern unentgeltlich Merkbücher für den Reiseverkehr abgegeben, die den Reisenden auf alle ihm gebotenen Bequemlichkeiten Hinweisen.
Deutsches Reich.
— Reichstagsresolutionen. Berlin, 19. April. Wiederum sind einige Anträge als Resolutionen zur zweiten Beratung des Etats im Reichstage eingebracht worden. So beantragen die Konservativen, daß noch in dieser Session ein dem bekannten Anträge von Treuenfels entsprechender Gesetzentwurf über Aenderung des § 833 des B. E. B. (Haftung des Tierhalters) vorgelegt werde. Die Nationalliberalen fordern, gleichfalls in Resolutionen zum Etat des Reichsjustizamtes, Aufhebung des Zeugniszwanges gegen die Presse, einen Gesetzentwurf zur Sicherung der Forderungen der Bauhandwerker, einen Gesetzentwurf über den Zwangsvergleich außerhalb des Konkurses, endlich einen Gesetzentwurf über die unmittelbare Haftung des Staates für den von den Beamten bei Ausübung der öffentlichen Gewalt zugefügten Schaden. — Zum Etat des Reichsschatzamts haben die Nationalliberalen Resolutionen eingebracht, in denen Ostmarkenzulagen für die unteren und mittleren Reichsbeamten, Herabsetzung der inländischen Zuckeroerbrauchsabgabe und Einführung von 25 Pfg.-Stücken verlangt werden.
— Moderne Panzerrreuzer. In letzter Zeit ist mehrfach von unserem neuen Panzerkreuzer „F“ geschrieben worden, er soll 19 000 Tonnen Deplacement erhalten, 25 Seemeilen laufen und eine Armierung bekommen, die besonders stark sein dürfte. Genaue Daten find bis jetzt noch nicht in die Oeffentlichkeit gedrungen, alle genannten sind vielmehr bloße Vermutungen. Es wäre zu hoffen, daß wir mit diesem Panzerkreuzer alle Kreuzer anderer Rationen übertreffen, weil wir bedeutend im Rückstände sind inbezug auf die Zahl der Panzerkreuzer, weil wir nur einen jedes Jahr auf Stapel legen nach der Marinevorlage 1906, und weil wir bedeutend länger an diesem einen bauen, wie andere Nationen. Demgegenüber weist die „Flotte", das Monatsblatt des deutschen Flottenvereins, darauf hin, daß int März bet eng- lisch« Panzerkreuzer „Jndomitable" von Stapel gelaufen ist, dem bekanntlich zwei weitere derselben Klasse in kurzer Zeit folgen sollen. Diese drei Panzerkreuzer werden in 27 Monaten gebaut; bewilligt wurden sie Ende 1905 und ihre Stapellegung erfolgte Anfang 1906. Die Kreuzer haben ein Deplacement von 17 250 Tonnen, lausen 25 Seemeilen, die Maschinen sollen 41 000 Pferdekräfte indizieren und die Armierung besteht aus 8—5,30 Zentimeter. Die Türde sind so aufgestellt, daß alle acht Geschütze nach den Breitseiten und je vier nach vorn und achtern feuern können. Da sie nicht viel weniger stark gepanzert sind wie die modernen Panzerschiffe, so ist die Bezeichnung „Rapidpanzer" vielleicht zutreffender wie „Panzerkreuzer". Daß ein Kreuzer, der schwächer gepanzert ist wie ein Linienschiff, eine um so schwerere Armierung bezw. um so schwerere Kaliber haben muß, ist eine logische Notwendigkeit, die von dem berühmten französischen Ingenieur Normand bereits im Jahre 1902 betont worden ist. Nächst England find die Japaner mit dem Bau von großen, starkarmierten Panzerkreuzern am weitesten voraus. Zwei Kreuzer, „Jkomi" und „Tsukuba", von 14000 Tonnen, 20 Seemeilen Geschwindigkeit und einer Armierung von 4—30,5 und 12—15 Zentimeter werden bereits in diesem Jahre fertig, zwei weitere Kreuzer, „Jkubt" und „Kurawa", von 14 8000 Tonnen, 20 Seemeilen Geschwindigkeit und einet Armierung von 4—30,5 und 8—20,3 Zentimeter find im Bau, und in kurzem wird mit dem Bau eine» fünften Panzerkreuzers begonnen werden, bet 18 650 Tonnen Deplacement, eine Geschwindigkeit von 25 Seemeilen und eine Armierung von 10—30,5, 8—15,2 und 10—12 Zentimeter erhalten soll. Der bekannte französische Ingenieur Laubeuf schlicht seine Betrachtung über den modernen Kteuzetbau mit den Worten: „Es ist von bet allergrößten Wichtigkeit,
schnell zu bauen und die Kriegsschiffsbauten anderer Nationen zu übertreffen."
— Für einen strategischen Küstenkanal von der Elbe bis zur Ems wird in einer Zuschrift an die „Hamb. Nacht." Stimmung gemacht. Der alte Gedanke des Fürsten Bismarck, den Nott» Ostsee-Kanal von der Elbe über die Weser unt Jade bis zur Ems im Interesse der Schlagfertigkeit unserer Flotte weiter zu führen, hat in bet Oeffentlichkeit immer noch nicht Wurzel fassen können, wofür, neben einer gewissen militärischen Einseitigkeit des Marinerefforts, die grundsätzliche Abneigung der leitenden Kreise den Eedankenspuren unseres größten Staatsmannes zu folgen, wie endlich der Widerstreit der wirtschaftlichen Partikularintereffen bei de» an allen Ecken und Enden geplanten Kanalbauten verantwortlich gemacht wird. Der aus gezeichneten Begründung entnimmt die „Rh.-W Ztg." folgendes: Unsere Flotte muß auch V strategischer Defensive unausgesetzt taktisch offc siv bleiben; die takttsche Offensive wird ihr aber erschwert, ja, sie kann unmöglich gemacht werden, wenn der Gegner im voraus genau weiß, aus welcher Pforte er sie zu erwarten hat. Wir brauchen nur das Wort des Fürsten Bismarck hier zu wiederholen: „Unsere Flotte würde drc mal so stark, wenn sie aus vier Löchern hinau könnte", um auch dem Laienverstande den hohe» Wert einer von der Elbe zur Weser und Jade bis zur Ems führenden, für die größten Kriegsschiffe benutzbaren binnenländischen Wasser- straße greifbar vor Augen zu führen. Der zweit« Grund für die Notwendigkeit des Elbe-Ems. Kanals ist das Bedürfnis unserer Flotte, daß alle unsere an der Nordsee überhaupt vorhandenen Werften und Dockanlagen für einen Kampf, wie wir ihn uns als wahrscheinlich tfl erster Linie zu vergegenwärtigen haben, ihr unausgesetzt zur freien Verfügung stehen. Di« Erweiterung bet Kanalstrecke Brunsbüttel- Holtenau ist in der Hauptsache nur eine Folge der beabsichtigten Deplazementssteigerung unserer Schlachtschiffe und erschöpft die Anstrengungen nach dieser Richtung hin zur Hebung unserer Landesverteidigung zur See keineswegs. Unserer Ueberzeugung nach ist der Bau bet Kanalstrecke von der Elbe bis zur Ems sogar entschieden dringlicher, weil . die vorhandenen Seestreitkräfte, die den Kaiser Wilhelm-Kanal noch passieren können, für absehbare Zeit zur Verteidigung der Ostsee mehr als hinreichen.— Zum Schluß wird darauf aufmerksam gemacht, daß gerade jetzt an der Weser, Jade und Ems für viele Millionen umfangreiche Hasen- und Schleusenbauten im Entstehen begriffen oder geplant sind und eine Prüfung vorgeschlagen, ob nicht manche von diesen Bauten unter Ersparung großer Summen sich organisch in dre Verlängerung des Kaiser Wilhelm-Kanals bis zur Ems einfügen ließen.
— Daß die Sozialdemokratie ohne Mitläufer nicht bestehen kann, geht aus einer statistischen Studie hervor, die „Genosse" August Muller über die letzte Reichstagswahl in Magdeburg w der Neuen Gesellschaft" verofferrtlrcht. Der Verfasser hat die Wähler nach zwölf Berufsgrup- pen geschieden. Rach ihm machten dre Arberte, in Privatbetrieben 26 423 oder,. 47,73 pCt. bei Wahlberechtigten aus. Die übrigen Beruss- qruppen zusammen also über 52 pCt. Von de» Arbeitern in Privatbetrieben wählten 24 350, während 2073 der Wahlurne fern blieben Das entspricht ungefähr der Zahl der für den sozial- demokrattschen Kandidaten abgegebenen Stimmen (24 267). Wer mindestens 1552 Wählet, die nicht zur Arbeiterklasse gehören, müssen — wie Müller aus den Wahlziffern der einzelne« Bezirke nachweist — sozialdemokratisch gewählt haben, also ebenso viele Arbeiter für den bürgerlichen Kandidaten gestimmt haben. Wahrschern- lich ist aber die Zahl auf dreitausend anzuneh- men. Danach bemerkt der Verfasser, daß ohne Mitläufer an eine Wiedereroberung Magde- h«ras durch die Sozialdemokratie nicht zu denke« wäre und verspottet die Parteiblätter, dre bte Mitläufer geringschätzen: „Wenn wir alle Mitläufer glücklich los geworden sind, dann habe« wir auch glücklich die meisten Wahlkreise verloren." Weiter schreibt Müller: „Wir sehen, wie bescheiden unsere Ansprüche auf Parlamentssitze werden müssen, wenn wir nur auf die Arbeiter als unsere Wähler rechnen; sehr bescheren selbst bann noch, wenn wirklich alle Alberter sozialdemokratisch wählen, was vorläufig noch nicht der Fall ist. Umgekehrt aber wird die So- zialdemokratte in Wahlkreisen wie Magdeburg eine ganz unüberwindliche Position erwerben, wenn sie alle nichtkapitalistischen Kreise en ihrem Siege interessiert. Sie kann alle Kapl- talisten, hohen Beamten und bett ganzen Mittel- stand wenbteln unter ihren Wählern entbehren, wen» sie als wirkliche, wahrhafte Volkspartei,