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MchjW Mwß mit dem Kreisblatt für die Kreise Mtarburg und Kirchhain.

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Marburg

Dienstag 23. April 1907.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck und Verlag' Joh. Ang. Koch, llmverfitätS-Buchdruckertl 42. Jahrge Marburg, Markt 21. Telephon 55.

Handwerkcrsrageii.

Vortrag

gehalten von Schreinermeister H. Schneider auS Wiesbaden auf dem konservativen Delegiertentage * der Provinz Hesten. Nassau.

lFortlehung.)

r Das neue Handwerkergesetz bezeichnet als die erste und vornehmste Aufgabe der Innungen die Pflege des Eemeingeistes, die Aufrechterhal­tung und Stärkung der Standesehre unter den Znnungsmitgliedern, macht aber besonders den 'Zwangsinnungen die Erfüllung dieser Aufgabe unmöglich, indem es sie zwingt, jeden, der das betreffende Handwerk betreibt, als Mitglied aufzunehmen, ohne Rücksicht auf seine berufliche Tätigkeit und feine moralischen Eigenschaften. Wenn ein Rechtsanwalt, Arzt oder Lehrer sich gegeit die Standesehre etwas zu schulden kom- meu läßt, so wird er aus dem Stand entfernt. Dadurch wird ein heilsamer Zwang aus die ganze Lebensführung der Berufsgenossen ausge­übt Den Innungen versagt man dieses Recht. Sie müssen alle Pfuscher, Preisdrücker und un­moralischen Elemente in ihrer Mitte dulden. Man verlangt aber doch die Aufrechterhaltung und Stärkung der Standes ehre von ihnen. Seitdem jeder Nichthandwerker ein Handwerk betreiben darf, kann überhaupt von einem in sich geschlossenen Handwerkerstand nicht mehr die Rede sein.

Als zweite Pflichtaufgabe bezeichnet das neue Handwerkergesetz die Forderung eines ge­deihlichen Verhältnisses zwischen Meistern und Gesellen. Nachdem in der Gewerbeordnung vont Jahre 1869 die Begriffe von Meister, Ee« selle und Lehrling ausgeschaltet und durch die Bzeichnung Arbeitgeber und Arbeitnehmer er­setzt waren, tauchten in den auf die Innungen bezüglichen Paragraphen, seit der Novelle vom Jahre 1881, die ersteren wieder auf. Die als M e i st er bezeichneten find aber vielfach keine Meister und die als Gesellen be­zeichneten sind vielfach keine Gesellen. Dem soll nun abgeholfen werden durch die fakultative Meister- und Gesellenprüfung. Von der er­steren hat bis jetzt nur ein verschwindender Prozentsatz der jüngeren Handwerker, die sich .selbständig machten, Gebrauch gemacht, weil mit dem Meistertitel so gut wie gar keine Rechte und materiellen Vorteile verbunden sind. Gar Mancher hat die darauf verwendete Mühe und /die entstandenen Kosten schon bereut, wenn er ssehen mußte, daß bei Vergebung öffentlicher Ar­beite» nicht nur nichtgeprüfte Handwerker, son« Widern sogar Nichthandwerker bevorzugt -wurden, wenn sie um einige Mark, billiger "waren. Die Zahl der Gesellenprüfungen ist ja .verhältnismäßig größer, weil die Innungen, .Handwerkskammern und zum Teil auch die Lehrherren einen gewissen Zwang zur Ablegung derselben auf die Lehrlinge ausüben.

i Daß das Verhältnis zwischen den Arbeit­gebern und Arbeitnehmern heute im allgemei­nen kein gedeihliches ist, wer wollte das be­streiten. An eine Besserung ist aber so lange

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(Nachdruck verboten.^

In der Schule des Leidens.

Roman aus dem New-Porker Leben -s- von Erich Friesen.

(Fortsetzung.)

Felicie hantiert schweigend mit Stift und Puderquaste herum, um-ihrem Gesicht für die Bühnenbeleuchtung den richtigen Ausdruck zu

verleihen.

IeÄ legt sie beides weg.

..Mein Gott, Felicie, wie stehst du aus!" ruft Mary Fenton entsetzt.Tu' etwas Rot auf deine Wangen und nimm' die dicken Schatten unter

den Augen fort!"

Lächelnd schüttelt Felicie den Kopf.

Nein das patzt nicht zu meiner heuttgen Rolle. Ich bin nicht nervös oder ängstlich, Mary!"

Aber heute früh warft du in deiner Rolle nicht fest"

Macht nichts. Jetzt bin ich fest! Steh mich an, Mary! Ist mein Anzug in Ordnung?"

Vollständig! Du siehst entzückend aus nur zu bleich!"

Mit einem eigenen Lächeln nimmt Felicie die Schleppe ihres weitzen Gewandes über den Arm und tritt in die Kulissen, ihres Sttchwortes harrend.

Sofort kommt Gerda Douglas auf sie zu. Um die Vorstellung zu einer recht glänzenden zu ge­stalten, hat Direktor Furrer ihr die Rolle der Königin übertragen, obgleich dieselbe ihrer künstlerischen Individualität sonst fern liegt.

Ein Blick in Felicies glänzende Augen und Gerda nickt befriedigend.

Du wirst heut' gut spielen, ich seh' dir's an, Licy!"

Ein Zeichep der Vorhang geht in die ZN-.

nicht zu denken, als die große Mehrzahl der Ge­sellen unter dem Einfluß der revolutionären Sozialdemokratie steht. Heute stehen sich Ar­beitgeber und Arbeitnehmer wie zwei feindliche Kriegsheere einander gegenüber, und die sozial­demokratischen Agitatoren bieten alles auf, um es zu keinem gedeihlichen Verhältnis kommen zu lassen. Bedenklich ist auch, daß von hervorragen­den Sozialpolitikern fast nur von den Rechten der Arbeiter gegenüber dem Arbeitgeber und fast nie von deren Pflichten gesprochen wird. Ferner, daß in Regierungskreisen der Unter­schied zwischen einem Handwerksgesellen und Lehrling einerseits und Fabrikarbeiter und ju- gendlichemArbeiter andrerseits zu wenig beachtet wird; daß die Bestimmungen über die Beschäf­tigung jugendlicher Arbeiter, die für Fabriken sehr am Platze, für den Handwerkslehr­ling nicht nötig sind und für das Handwerk eine sehr nachteilige Wirkung haben.

Als dritte Pflichtaufgabe der Innungen stellt das Handwerkergesetz die nähere Rege­lung des Lehrlingswesens hin. Das ist eine Aufgabe, die die alten Zünfte in mustergiltiger Weise und gern erfüllt haben, weil sie wußten, daß all die Mühe und Kosten, die darauf ver­wendet wurden, nur dem Handwerk zugute kamen. Heute mutz man oft den Einwand hören: Was haben wir denn von all der aufge­wandten Mühe und den Kosten? Die besten ausgebildeten Lehrlinge bezw. Gesellen nehmen uns die Fabriken weg, die gar nichts zu den Kosten der Innungen und Handwerkskammern beitragen. Es ist in der Tat ein großes Un­recht daß die Handwerker alle Lasten für die Ausbildung der Lehrlinge auf sich nehmen müssen, während die Großbetriebe den Nutzen haben, ohne zu irgend einer Gegenleistung ver­pflichtet zu fein. Daß das Handwerk im allge­meinen nicht auf Rosen gebettet ist, daß wird heute von allen politischen Parteien anerkannt. Es gab eine Zeit, in der besonders die links­stehenden Parteien dies leugneten. Einige Handwerksarten find infolge der Konkurrenz bereits untergegangen, andere befinden sich in einem Auflösungsprozeß, andere werden Wetter bestehen, haben aber sehr unter der preisdrücken- den Konkurrenz der Pfuscher, der Warenhäuser, unreellen Ausverkäufe und Auktionen zu lei­den. Von einigen Handwerkszweigen allerdings kann man auch sagen, daß es ihnen wirtschaftlich verhältnismäßig gut geht, weil Warenhäuser, Auktionen und Fabrikindustrie wenig oder kei­nen Einfluß auf sie ausüben.

Was kann nun fettens der Gesetzgebung und durch die Verwaltungsbehörden geschehen, um das Handwerk au» seiner gedrückten Lage wie- der zu befreien und wieder zu größerer Blüte zu bringen? Wenn man einen Stand auf eine höhere Stufe emporheben will, so muß man von unten anfangen, bei dem jungen Nachwuchs. Das ist ein allgemein anerkannter Grundsatz. Man muß ihm frisches Blut, tüchtige, bildungs­fähige Elemente zuführen und diese gründlich ausbilden. Die Sache wäre sehr bequem, wenn man einfach befretieten könnte, daß alljährlich eine Anzahl der besten Schüler aus den Volks-

Gleichgültig gegen alles um sie her lehnt Felicie an einer der Kulissen. Ihr ist, als um­fange sie ein wüster Traum, als halte irgend eine unsichtbare, schreckliche Gewalt sie in ihrem Bann.

Ein paar Kollegen sprechen sie an sie ant­wortet nicht. Staat blicken ihre übergroßen Augen ins Leere.

Jetzt trittHamlett' auf.

Das schwarze Kostüm steht ihm vorzüglich. Schon seine Anttittsworte werden mit lautem Jubel begrüßt.

Er, dem soeben Tausende zujubeln, der mit seiner Kunst, seiner männlichen Schöne alle Herzen gefangen hält et gehört ihr ihr allein? . . .

Einen Augenblick vergißt sie ihre Sorgen, ihre grenzenlose Angst vor der Zukunft. Mit leuchtenden Augen folgt sie jeder Bewegung des Mannes, für den sie zur Verbrecherin geworden.

Was wird et sagen, wenn er alles weiß? Wird et sie noch lieben? .. .

Felicie, dein Stichwort?" flüstert Mary Fentons Stimme in ihr Ohr.

Mit einem Ruck rafft sich Felicie auf. Leich­ten Schrittes, den Kopf etwas geneigt, gleitet sie auf die Bühne. Ein unsagbarer Zauber um­schwebt die jungfräuliche Gestatt lebhafter Applaus empfängt sie.

Langsam hebt Felicie die Lider. Mit einem einzigem Blick umfaßt sie das ganze übervolle Haus.

Plötzlich zuckt sie zusammen. Unwillkürlich greift ihre Hand nach dem Herzen.

Dort hinten, in der ersten Reihe des zweiten Ranges, beugt sich ein Mann über die Brüstung. Triumphierend funkeln feine stechenden Augen unter den buschigen Brauen hervor; hämisch« Lachen verzieht seinen breiten Mund. ,

schulen ein Handwerk erlernen müßte. Das geht aber schon deshalb nicht, weil man niemand zum Lernen zwingen kann, und zum Erlernen eines Handwerks vor allen Dingen Lust und Liebe, neben einer natürlichen Veranlagung gehören. Es bleibt also nur bet Weg, das Handwerk als einen begehrenswerten Beruf, der die Aussicht auf eine gesicherte selbständige Lebensstellung bietet .erscheinen zu lassen, unter der Voraus­setzung, daß man sich nach allen Richtungen gründlich auf die Ausübung desselben vorbe­reitet hat. Hio Rhodas hio salta! Hier ist der Angelpunkt der ganzen Handwerketfrage. W e i l die Aussicht auf eine spätere Selbständig­keit so sehr gering ist, weil es heutzutage viel­fach weniger auf praktisches Können und fach­männisches Wissen, sondern in erster Linie auf Kapitalbesttz, vielfach mehr auf geschäftliche Routine und Gerissenheit, als auf solide Hand­werkergrundsätze ankommt, endlich weil bet Handwerker im allgemeinen so wenig Ansehen genießt, deshalb bleiben die besseren Ele­mente fern, deshalb rekrutiert sich der Nach­wuchs fast nur noch aus den alleruntersten Ele­menten, bei denen vielfach alles, was in bet Fortbildungsschule für ihre Ausbildung getan wird, vergebens ist. Viele haben schon von vornherein nicht die Absicht, einmal Meister zu werden und wenn sie diese beim Eintritt in die Lehre noch hatten, so werden sie von den sozial­demokratischen Gesellen belehrt, daß es besser sei, Arbeiter zu fein und darauf hinarbeiten zu helfen, daß die kleinen Meister von der Bild­fläche verschwinden.

So befindet sich das Handwerk in einem circulus vitiosus, aus dem es anscheinend kein Entrinnen gibt. In den letzten 25 bis 30 Jah­ren ist durch Fortbildungs- und Fachschulen sehr viel für die Weiterbildung der Handwerkskehr« linge geschehen, und wenn es darauf allein an» käme, dann müßte man jetzt schon eine Besserung in bet Sage des Handwerkes verspüren, diese ist aber nicht eingetreten. In richtiger Erkenntnis dieser Sachlage hat die Konservative Partei in Gemeinschaft mit der Zentrumspartei schon vor etwa 30 Iahten die Wiedereinführung des Befähigungsnachweises und eine Neuorganisation in Innungen gefordert. Durch elfteren sollte erreicht werden: Ein Schutz gegen das Eindringen fremder Elemente in den Hand­werkerstand, eigentlich erst eine Neubildung des Standes und damit zusammenhängend die Weck­ung und Hebung des Standesbewußtseins und endlich, nicht zum wenigsten, sollte damit ein Ansporn zu gründlicher praktischer und theore- ttscher Ausbildung gegeben werden, der viel wirksamer wäre, als alle jetzt angewandten Zwangsmittel zum Besuch der Fortbildungs­schulen und alle Sttpendien zum Besuche der Meisterkutse. Die linksstehenden Parteien be­kämpften diese Forderung, weil sie sich mit dem von ihnen vertretenen Grimdsatz vom freien Spiel bet Kräfte nicht »ertragt. Leider haben sich auch die verbündeten Regierungen dieser Forderung gegenüber bisher immer ablehnend verhalten und sind bedauerlicher Weise durch den verhängnisvollen Beschluß des Kölner

Felicie ist einer Ohnmacht nahe. Rur mit Aufbietung all ihrer Kräfte hält sie sich auf­recht . . .

Doch nut einige Sekunden lang. Dann fühlt sie das Blut glühend heiß durch ihre Adern rasen. Eine Tatkraft erwacht in ihr eine Tatkraft, wie sie sie noch nie empfunden. Ja, sie will ihnen allen zeigen, was sie kann ihnen allen und besonders dem Manne dort, der gekommen ist, um sie zu verderben. . ..

Direktor Furrer strahlt.

Wo ist Ophelia?" tust er, durch alle Gänge eilend, an allen Earderobentüten klopfend.Ich muß ihr sagen, daß sie grandios gespielt hat, daß ich sie für eine der größten lebenden Küsllerin- nen halte . . . Wo ist Ihre Ftau?" schreit et den ihm gerade in den Weg laufenden Bat- rington an.Ich will ihr einen neuen Engage­mentsantrag machen hundert Dollars für jedes Auftreten! Wo steckt sie nur?"

Norbert schließt sich dem Direktor an. Beide suchen .suchen, suchen . . .

Im Konversationszimmer ist sie nicht auch nicht in der Garderobe . . . Vielleicht noch auf bet Bühne?

Hier sind die Arbeiter bereits beschüfttgt, die Kulissen fortjuräumen. Dunkel liegt bet ganze Raum da.

Horch, was ist das? Ein leiser Seufzer hin­ten "aus ber Ecke! , , , Und regt sich dort nicht

etwas Weißes?

,Mcy! Licy!"

Von eisigem Schreck gepackt kniet Norbert neben bet zusammengekauerten Gestalt nieber.

Was quält bich, Licy? Warst du ohn­mächtig? So sprich doch, mein Liebling!"

Leise schüttelt sie den Kopf.

Das Spiel ist aus, Norbert!"

Gewiß, mein Lieb, und du hast glänzend gespielt. Ich bin stolz auf dich. Komm', Di- .rektor Furrer will dich lvrechen*

dagegen ist.

(Schluß folgt.)

Handwerker- und Eewerbekammer-Tages be­stärkt worden, sodaß in absehbarer Zeit an eine Verwirklichung dieser alten berechtigten Hand­werkerforderung nicht zu denken fein wird. Trotz­dem sollten alle, die dem Handwerk gründlich helfen wollen, immer wieder auf dies wirk­samste Mittel Hinweisen nach dem Grundsätze, daß man das, was man für Recht erkannt hat immer vertreten soll, wenn auch die Majorität

Deutscher Reichstag.

Der Reichstag genehmigte am Sonnabend in dritter Lesung ohne Erörterung den Ge­setzentwurf bett, den Eebührentarif für den Kaiser Wilhelm-Kanal und trat sodann in die Beratung des Etats bes Reichsjustizamts ein. Hierzu lagen nicht weniger als elf Resolutionen bes Zentrums so­wie bet Nationalliberalen und bet Sozialdemo­kraten vor. Abg. Spahn (Ztr.) trat für bie Re­solutionen bes Zentrums ein, bett, bie Haftunr bes Reiches für butch Reichsbeamte in Ausübung ihres Berufes verursachte Schöben, sowie bett Diäten für Geschworene unb Schöffen, unb bc fürwortete eine präzisere Regelung besJmmuni- tätsrechtcs bet Abgeordneten. Abg. Junck (natl.) bedauerte, daß eine Vorlage, bett, die Siche­rung der Forderungen der Bau­handwerker noch immer nicht vorgelegt fei und forderte in bezug auf bie Haftung bes Staa­tes für Versehen bet Beamten ein einheitliches Recht. Die Forberung der Aufhebung bes Zeug­niszwanges fei eine alte; sogar ein Dresdener Staatsanwalt habe hierbei einen ber Press« günstigen Standpunkt eingenommen. Auch dem Anträge bett. Automobilhaftung und Abschwäch­ung der Tierhaltethastung, stimme seine Partei zu. Notwendig fei eine baldige Reform der Strafprozeßordnung. Staatssekretär Nieberdinj bemerkte, sobald die Geschäftslage er erlaube, werde der Gesetzentwurf bett bie Bauhanbwerket dem Hause z u - gehen. Was die Frage der Haftung des Rei­ches für bie Beamten anlange, so könne jeboch hier nicht gegen bas Interesse ber einzelne« Staaten vorgegangen werben, wenn biefe mei­nen, bie Sache selbst besser zu regeln; in Preußer fei jeboch ein Gesetz betr. Haftung bes Staates ir Vorbereitung. Die Reform der Strafprozeßord- nung werbe ferner eine Regelung bet Zeugniszwangsverfahrens herbeifüh­ren, unb ebenso werde bie Reform bes materiel­len Strafrechts die gewünschten Garantien brin­gen. Abg. Wagner (kons.) begrüßte die Ankün­digung einer Reform des Amtsgerichtsverfahrens und trat für eine baldige Reform des Zivilprozeßverfahrens ein, erklärte sich jedoch gegen die Aufhebung des Zeugniszwanges.

Nein, nein, ich will niemand sehen! Bring' mich nach Hause, Norbert! Ach, nur nach Hause!"

Unsinn, Licy? Du bist überanstrengt, nichts weiter! Nimm einen Schluck Wasser! Direktor Furrer hat das ganze Personal für heute abend eingeladen da darfst du nicht fehlen, du, der Stern"

Felicie hört kaum, was ihr Gatte sagt. De« Blick ins Leere gerichtet, murmelt sie wie geistes­

abwesend vor sich hin:

Das Spiel ist aus? Das Spiel ist aus!

Norbert schlingt den Arm um die Schultern seiner Frau und zieht sie zu sich empor. Dann geleitet er sie, bie zarte Gestalt mehr tragend als führend, über die Bühne, an den Kulissen vorbei nach dem Konversattonszimmer.

Erregtes Stimmen - Durcheinander schall!

ihnen entgegen.

Mit einem Ruck befreit Felicie sich aus dem sie umschlingenden Arm. _

Was was ist das für ein Geräusch?"

Nichts mein Lieb, nichts. Um des Him­mels willen, Licy, sieh nicht so entsetzt aus» Wir brauchen ja nicht ins Konversationszimmer zu gehen, wenn du nicht willst. Kleide dich schnell in deiner Garderobe um, unb bann komm' nach Hause!"

Sie sagt nichts mehr. Schweigend läßt sie sich von Norbert den Gang entlang führen.

Die Tür nach dem Konversationszimmer teht halb offen. In der Mitte desselben hat ich eine kleine Gruppe gebildet. Ein vier- chrötiger Mann in dunklem Ueberrock spricht jeftig auf Furrer ein, der empört abwehrt. Ein anderer fremder Mann steht abseits, ohne sich an dem Gespräch zu beteiligen.

(Fortsetzung f^gt.)