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mit -em Kreisblatt für -ie Kreise Marburg und Kirchkain.

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vierteljährlicher Bezugspreis; bet ver Expidition 2, bet allen Postänitem SIL M. ^exct. Bestellgeld).

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Marburg

Sonntag, 21. April 1907.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck und Verlag' Joh. Mag. Koch, UmverfitätS-Vuchdruckerek 42. Jahrg.

Marburg, Markt 2t. Telephon 55.

Zweites Blatt.

G a ö t a.

Die offiziöse Presse der ganzen Welt ist ge­flissentlich bemüht, die Unterredung, die zu Gac-ta zwischen dem englischen und dem italieni­schen Könige stattfand, einen ganz und gar pri­vaten Charakter zu geben. Dies Versteckenspiel kann selbstverständlich niemanden über die hoch­politische Bedeutung dieses Königsbesuches Hin­wegtäuschen, der sich insofern als ein Schlußstein in der gegen Deutschland gerichteten persönlichen Politik des englischen Königs darstellt, als ihm die Unterredung zwischen dem italienischen und dem griechischen Könige und der Besuch König Eduard in Cartagena vorangegangen sind. Selbst die Höflichkeiten, die zwischen dem Für­sten Bülow und Herr Tittoni in Rapallo aus­getauscht wurden, ättdern an der Schwere dieser politischen Bedeutung nichts, ja, es scheint fast, als solle durch die Zusammenkunft von Gaöta der Welt deutlich bewiesen werden, daß Ita­lien mindestens zwei Eisen im Feuer habe, und daß der Begegnung zu Rapallo keine größere Bedeutung beigemessen werden darf, als dir einer internationalen Höflichkeit gegen einen einen Staat, mit dem man in guter Beziehung steht. Daß wir auf den italienischen Bundes­genossen im Ernstfälle nicht sonderlich zu rech­nen haben, war ja auch ohnedies bekannt. Man braucht deshalb die Verständigung zwischen Italien und England ebensowenig tragisch zu nehmen, als jene zwischen Griechenland und Italien. Selbst die Unterstützung, die Spanien Englandfür den Ernstfall" damit in Aussicht gestellt hat, daß es seine Häfen der englischen Flotte zur Verfügung stellt, hebt die Welt nicht aus den Angeln und ist hinreichend erklärt durch Spaniens Anleihebedürfnisse. Immerhin be­weist die laute Zustimmung, welche die Bünd­nispolitik König Edtiards in der Presie der Mittelmeerländer gefunden hat, daß die poli­tische Wirklichkeit heute wieder einmal in recht großem Widerspruche zu der aschgrauen Weis­heit der Akten steht. Auf dem Papier ist nicht nur Italien immer noch unser Verbündeter, son­dern auch Griechenland ist uns mindestens be­freundet, und tatsächlich weisen die ernsten Interessen Griechenlands es auf die Unter­stützung Oesterreich-Ungarns und Deutschlands hin; denn es wird in Albanien sehr entschieden von Italien bedroht. Aber der englischen Po­litik ist «s gelungen, diesen Gegensatz verblassen zu machen, und Griechenland zu einer Verstän-

MarbuMr

Studenten - Erinnerungen.

Von L. Müller, (gortjetzung.)

27. Ein Mißverständnis.

ver Professor Schmidt an der hiesigen Augen­klinik schickte einst einen Wärter nach dem In­strumentenmacher Holzhauer, als dieser noch auf der Neustadt wohnte, mit dem Auftrage:Gehen Sie einmal zum Holzhauer auf der Neustadt und sagen Sie ihm, daß et gleich mit den be­stellten Instrumenten zu mir komme."

Der Wärter, welcher noch nicht lange in der Klinik und in Marburg nicht recht bekannt war, Eommt glücklich zur Neustadt, wo gerade der Holzhauer Kühleborn fen. sein Handwerk auf -der Straße verrichtete. Bei diesem richtet er den dringlichen Auftrag des Herrn Profeffor aus, und da es der Wärter wichtig machte, begibt sich Kühleborn mit seinen Instrumenten, wie Axt. Säge und Sägebock, nach der Klinik, wo ihm dann der Irrtum des Wärters klar gemacht wurde, daß dieser zum Instrumentenmacher Holzhauer gehen, aber nicht den Holzhauer mit seinen. Instrumenten holen sollte.

28. Der tausendste Student.

Im Sommersemester 1887 feierte man die Immatrikulation des 1000. Studenten. Die Stadt Marburg hatte aus Anlaß dieses Ereig- nisies eine Festlichkeit veranstaltet und die ganze anwesende Studentenschaft hierzu eingeladen. Am 13. Juli 1887 bewegte sich ein festlicher Zug mit drei historisch ausgeschmückten Spitzenreitern und drei Musikkorps in langem Zuge von der Ketzerbach über den Markt nach dem Dammels- berg, wo das von der Stadt zu Ehren ihrer Alma mater Philippina veranstaltete Waldfest bei Freibier und einem Imbiß gefeiert werden sollte. Dort in dem mit Lampions geschmückten Wald-: angelommen, hieß der Oberbürgermeister Schüler im Namen der Stadt Marburg die Fest- gäste willkommen und dankte für die freundliche

digung mit Italien in der Balkanfrage zu brin­gen, in der beide sich unbequem eingeengt füh­len durch das rusiisch-österreich-ungarische Re­formprogramm. Die Griechen sind als Unruhe­stifter auf der Balkanhalbinsel bekannt, und Italien scheint zur Zeit die Anfachung von Balkanwirren ebenso willkommen zu sein, als England, das nur von einem großen Kriegs­brände die Verwirklichung seiner letzten euro­päischen Ziele sich erhoffen kann. Man muß zu­geben, daß der Zeitpunkt für eine solche Aktions­politik nicht übel gewählt wäre, da Rußland und auch Rumänien mit ihren eigenen Angele­genheiten noch immer viel zu stark beschäftigt sind, um mit der Entschlossenheit auftreten zu können, wie einst vor Plewna und am Schipka- paß. Und auch Oesterreich-Ungarn ist noch im­mer durch die magyarische Obstruktion in seiner Wehrkraft nicht unbedenklich gelähmt. Gleich­wohl werden die Nachkommen des Leonidas und Alexander weder Mann für Mann in den Ther- mopylen fallen, noch die Welt erobern; denn aus dem letzten Kriege mit den Türken dürften sie die Lehre gezogen haben, daß Vorsicht der bessere Teil der Tapferkeit ist.

Aber darauf kommt es auch der englischen Politik wohl am allerwenigsten an. Der un­mittelbare Zweck erscheint dem Könige Eduard vielleicht bereits damit erreicht, daß es ihm ge­lungen ist, die Einmiitigkeit ganz Europas ge­gen die beiden Kaisermächte aller Welt vor Augen zu führen. Auch das braucht Deutsch­land nicht weiter anzufechten. Alle diese Län­der und Ländchen sind genau solche Feinde wie sie Freunde gewesen sind. Sie werden über uns herfallen an dem Tage, wo das Glück der Waf­fen uns verläßt und sie werden vor uns win­seln, solange das deutsche Schwert scharf bleibt und darum in der Welt gefürchtet wird. Ge­fährlich könnte diese so klar erwiesene Lage für Deutschland erst dann werden, wenn in unserem eigenen Volke der knechtsselige Geist einer Friedenslibe um jeden Preis die Oberhand gewinnen sollte. Einstweilen find wir davon, Gott sei Dank, trotz der Frie­denskomödie vom Haag und der Reden bei der Carnegie Hall-Feier noch weit entfernt. Ja es muß, angesichts der Gefährlichkeit der Lage, mit Genugtuung ausgesprochen werden, daß un­ser Volk gerade durch die Rot der Zeit seiner geschichtlichen Aufgaben fich bewußt zu werden beginnt, und sich auf den Werdegang der deut­schen Einheit wieder ernstlich besinnt. Es gäbe kein deutsches Reich, wenn es nicht ein Preußen und einen Alten Fritz gegeben hätte, und wie et allein und auf sich selbst gestellt ganz Europa getrotzt hat, so wird auch das militärisch ge-

Annahme der Einladung zu diesem Feste, wel­ches der Jmmatrikulatton des 1000. Studenten den Ausdruck geben sollte und schloß mit einem Hoch auf den Kaiser. Hieraus hielt Se. Magni­fizenz der Rektor Dr. o. Liszt eine Erwiderungs­rede, welche mit einem Hoch auf die Stadt Mar- burrg schloß.

Eine spätere Rede hielt Landgerichtsrat Cleim, um in launigen Worten den viel bespro­chenen 1000. Studenten zu feiern. Er sagte, daß vor einigen Jahren Freiburg, eine Stadt, die 42000 Einwohner zähle, ihren Tausendsten ge­feiert habe. Marburg habe nur 14 000 Ein­wohner, es habe demnach Freiburg geschlagen. Aus diesem Anlässe haben wir unsere Studenten zu feiern, nicht nur den Tausendsten, der die Zahl gezogen hat, sondern alle, denn der erste so­wohl, wie der 999. find nötig, um den Tausend­sten zu bekommen. Es galt längere Zeit für zweifelhaft, ob der Tausendste wirklich vorhan­den sei, und ob nicht Mogelei dabei gewesen sei nun kann ich die erfreuliche Mitteilung machen, daß ich der Festversammlung denselben sogar persönlich vorstellen kann, es ist der stud. theol. und Geschichte W. von Orchenewsky aus Tambov in Rußland. Nach einiger Zeit ergriff der Tausendste das Wort und sprach seine Freude aus, daß gerade er der Glückliche gewesen sei, der der Stadt Veranlassung gegeben habe, so ein schönes Fest zu feiern. Er wolle jedoch Veran­lassung nehmen, dessen )u gedenken, dem er sein Hiersein verdanke, es sei dieses Se. Magnifizenz Prof. Dr. *. Liszt und diesem möge sein Hoch gelten. Mehr und mehr hatte die Fidulttas Platz gegriffen und als die Lampions in ge­dämpften Lichte erstrahlten, wurde zum Tanz geeilt und nach heiteren Weisen im frohen Kreise sich gedreht. Offizieller Schluß sollte um 12 Uhr sein, doch trat er schon um 11 Übr ein. Dunkle Gewitterwolken stiegen am Horizonte auf und leuchtende Blitze mahnten die Festteilnehmer zum Ausbruch. Noch hatten die letzten Festteil­nehmer den Dammelsberg noch nicht verlassen, als ein kräftiger Regen dem Feste vorzeittg ein Ende machte. Ein voll geladener Wagen mit Bier aus der Ledererschen Brauerei stand noch

schulte Deutschland allen Frieden ringsum die Stirne bieten können, solange es nicht vorn eigenen Herzen verlassen wird.

Deutscher Reichstag.

Am Freitag wurde im Reichstag die zweite Lesung des Etats des Reichsamts des Innern nach neuntägiger Beratung zu Ende geführt. Beim TitelExtraordinarium" erfolgte zunächst die Abstimmung über die Forderung für die Hohkönigsburg. Die Genehmigung hierzu wurde erteilt gegen die Stimmen des Zentrums, der Polen und der Sozialdemokraten. Einige wei­tere Titel wurden gleichfalls ohne Erörterung bewilligt. Danach kam es zu einer kurzen Er­örterung über die Forderung der Fortsetzung der Forschungen auf dem Gebiete der Reblaus­gefahr, wobei Abg. Preiß (Els.) auf die Erfah­rungen hinwies, die man in Frankreich mit der widerstandsfähigen amerikanischen Rebe gemacht habe, während Abg. Blankenhorn (natlib.) der Negierung empfahl, das bisher bewährte Aus­rottungsverfahren weiterzuführen. Staatssekre­tär Graf Posadowsky erklärte hierauf, die Re­gierung werde das bisherige Ausrottungsver­fahren beibehalten, solange nicht ein Sicher­heitsgürtel zum Schuhe des Weinbaues am Rhein geschaffen sei. Darauf wurde auch dieser Titel genehmigt. Nach weiterer Debatte zu den TitelnBerufs- und Betriebszählung", sowie Förderung der Herstellung von Kleinwoh­nungen für Arbeiter und geringbesoldete Be­amte, an der sich die Abg. Potthoff (frs. Vgg.), Bruhne (Soz.), Singer (Soz.) und Psundtner (frs. Vp.) beteiligten, erklärte Staatssekretär Graf Posadowsky, der Wohnungsnot könne am besten, geholfen werden durch das System der Erbpacht, das geeignet fei, der Bodenspekula­tion entgegenzuwirken. Damit war der Etat des Reichsamts des Innern erledigt.

Es folgte die erste Lesung ^es zweiten Ergänzungsetats zur Entschädig« ung der Farmer in Slldwestafrika pro 1907, der 7!/2 Millionen auswirst, sowie 30 000 <M für dortige Beamte bezw. deren Re­likten.

Hierzu gab zunächst Kolonialdirettor Der«- bürg folgende Erklärung ab:Eine Ihnen vor- getegte Denkschrift enthält den von Ihnen ge­wünschten Verwendungsnachweis für die bisher bewilligten etwas über 5 Millionen Mark. Der weitaus größte Teil ist zur Anschaffung von Vieh und zur sonstigen Wiederherstellung der Wirtschaften verwendet. Jetzt werden 7*/2 Mill, nachgefordert, sowie für Beamte 30 000 Mark. Den Besitzern kleinerer Betriebe würde wenig geholfen werden, wenn man sie mit rückzahl­baren Darlehen belastet. Viele würden fich auch doch wohl darauf verlassen, daß man ihnen, wenn sie nicht zurückzahlen können, das Ge-

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da. Man wußte sich zu helfen, um es nicht wie­der nach Hause zu fahren, schlug man die Spunde aus und ließ es laufen.

Es wurden 9000 Liter Bier getrunken und 4000 belegte Brötchen gegessen, die Stadt be­zahlte die Unkosten. Am nächsten Tage fand man noch einige volle Faß Bier im Walde, die Zaungäste beiseite geschafft hatten. Neider sag­ten: Cs wären ja keine 1000 Studenten an- mefenb gewesen.

29. Die letzte Audienz beim Kurfürsten.

Ueber diese erzählt Prof. Dr. Fr. Melde fogenbes:

Meine Ernennung zum ordentlichen Pro­fessor der Physik und Astronomie an der Landes- univerfität Marburg erfolgte am 19. April 1866 durch die Unterschrift des Kurfürsten. Sobald ich daher das Reskript in Händen hatte, bekam ich auch allseitig von bekannten Herren die Worte zu hören:Nun müssen Sie sich alsbald dem Kurfüsten vorstellen." Diese meine Be­kannten und Freunde bildeten den Kreis, der täglich beiBopp" zusammenkam, eine heitere, originelle Stammgesellschaft, die man dasMi­litärkasino" nannte und mitunter heute noch so nennt, wenn auch die alten Säulen des ein­stigen Militärkastnos fast alle zu den Vätern versammelt wurden und die Jüngeren die Erb­schaft übernahmen, aus dem Bopp auszogen, um in einem anderen Lokale das altgewohnte Boppsche" weiter zu trinken.

Als jüngerer Genosse gehörte ich auch dem alten Militärkasino an, und es war begreiflich, wie die Audienz-Gesellschaft einen sehr willkom­menen Gegenstand der Unterhaltung abgab. Die meisten, wenn nicht alle älteren Herren waren hessische Beamte, Professoren usw. und fast alle diese waren in Cassel bei dem Kurfürsten ge­wesen. Man gab mit Ratschläge über die Eigentümlichkeiten des Fürsten usw.

Das erste, worum sich die Unterhaltung drehte, war natürlich die vorgeschriebene Klei­dung, die offizielle Uniform. Es wird wohl noch vielen Lebenden im Gedächtnis fein, daß die Marburger Professoren bei feierlichen Anlässe«

liehene beläßt. Gesagt wurde schon: eine rech­liche Verpflichtung des Reiches besteht nicht, ab« es empfiehlt sich doch, für das Reich, diese Zu­schüsse zu gewähren. Es ist gleichsam eine pa­triotische Pflicht, den Geschädigten zu Helsen. Ich hoffe, daß Sie dies tun und damit einer schwer­geprüftem Bevölkerung für den Anteil, den ste an der Lederherstellung geordneter Verhält­nisse hat, Ihren Dank abstatten werden." (Bei­fall.)

Die Abg. Spahn (Ztr.) und Frhr. v. Richt­hofen traten für kommissarische Beratung der Vorlage ein. Eourverneur v. Lrndcquist emärte aus eine Anfrage, der Aufstand fei so weit nie­dergeschlagen, daß mit einer Wiederaufrichtung des Wirtschaftbetriebes begonnen werden könne. Auch er halte es für eine Ehrenpflicht des Rei­ches. daß man die Farmer unterstütze, die ihre Farmen im Stiche lassend, zur Fahne geeilt seien. Abg. Bebel (Soz.) sprach sich gegen die Vorlage aus, da sich aus der Bewilligung der gegenwärtig zur Diskussion stehenden Forderung unabsehbare Konsequenzen, z. B. für den Fall eines europäischen Krieges ergeben würden. Abg. Dr. Semmler (natlib.) empfahl die An­nahme der Vorlage. Abg. Kopsch (frs. Vp.) fand es ungerecht, daß diejenigen, die aus dem Mut­terlande ausgewandert sind, besser gestellt wer­den sollen als die im Mutterlande verbliebenen. Abg. Herzog (wirtsch. Vgg.) gab zu bedenken, daß den Ansiedlern der Schutz des Reiches nicht in genügendem Umfange habe zuteil werde« können. Deshalb sei das Reich für Entschädig­ung zum mindesten moralisch verpflichtet. Aehn- lich äußerte sich Abg. v. Siebert (Reichsp.). Die Vorlage wurde der Budgetkommission über­wiesen.

Während Präsident Graf Stolberg noch die zweite Lesung des Iustlzetats beginnen wollte, beantragte Abg. Bebel (Soz.) Vertagung mit Rücksicht auf die Ueberanstrengung des Hauses.

Der Präsident Graf Stolberg schloß sich die­sem Antrag nunmehr an.

Sonnabend 11 Uhr: Fortsetzung.

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Preußischer LaMag.

Das Abgeordnetenhaus setzte am Freitag bk zweite Lesung bes Bauetats fort. Zur Be­sprechung staub zunächst bie Frage bet Mose l-, Saar- und Lahnkanalisierung. Die Frage der Mosel- und Saarkanalisierung hatte Minister Breitenbach in bet Kommission schon dahin beantwortet, daß zurzeit Verhandlungen mit bet Saarinbustrie sowie mit Luxemburg unb Elsaß-Lothringen schweben. Auf eine Anfrage des Abgeordneten Cahensly (Ztr.) erklärte der Minister, die Projektierungsarbei­ten für die Lahnkanalisietung seien bereits im Gange. Zu einet längeren Aussprache kam es bann übet ben von DIbenbutg

unb selbstverftänblich bei Aubienzen beim Kur­fürsten eine Uniform anzulegen hatten, be­stehend in schwarzem Frack, schwatzet Weste, schwatzet kurzer Ailas-Hose, seidenen Strümp­fen, weißet Halsbinde, Schnallenschuhen, Cha­peau ä claque (sog. Setzwage) unb Degen an bet Seite. Mit dieser Uniform hatte ich mich auch zu befreunden, als ich mich anschickte, nach Cassel zu reisen. Der alte Regierungsdirettor Wegner sagte mir im Bopp:Herr Professor, passen Sie nur auf, wenn Sie zum Kurfürst gehen, daß an Ihrem Anzug alles tadellos unb vorschriftsmäßig ist. denn der Kurfürst hat ein scharfes Auge." Am meisten beschäftigte die Uniformgeschlchte meinen Kollegen Falk, der auch kurz vorher fich dem Kurfürsten vorgestellt hatte und der sich zu diesem Zwecke die Uniform­stücke neu angeschafft hatte. Das paßte mir vor­trefflich, da ich diese mir von meinem Kollegen, der ganz meine Statur hatte, leihen konnte. Das interessanteste Stück, woran ich zunächst nicht ge­dacht hatte, war nun gerade die Degenscheibe. Ich hatte nicht onbets geglaubt, als daß dieses die bekannte lackierte schwarze Degenscheibe fein müßte. Aber mein Kollege sagte mit großer Sachkenntnis: ,T»a sinb Sie sehr im Irrtum, Sie müssen eine weiße Scheide haben." Ob dieser Bemerkung entstand int Kreise bes Militär­kastnos große Verwunderung, die meisten lachten darüber. Andere sagten:Sie können eine schwarze lackiette Scheide nehmen." Einer aber versicherte, daß es bei Professoren Vorschrift fei, eine weiße Scheide zu haben, was mein Kollege Falk auch sagte.

Ich nahm bas Anerbieten an, die weiße Säbelscheide zu tragen, obgleich man mir sagte, der Kurfürst habe ein gutes Gedächtnis unb würde sagen:Weiße Säbelscheide Profeffor Falk gehört!

Dann bekam ich noch Belehrungen, wie ich mich bei der Audienz zu verhalten und wie ich mich zu benehmen hätte, wenn bet Kurfürst die Audienz als erledigt betrachtete.

(Fortsetzung folgt.)