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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirckkain.
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Viertrljährlicher Bezugspreis; bet sei Expedition 2 Mk., ber allen Postämtern 2,25 M. <q;cL Bestellgeld).
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Marburg
Freitag 19. April 1907.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag' Joh. Lug. Koch, UmvcnirätS-Buchdruckerei 42. Jahrg.
Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
Von der Ansiedlungskommlsslon.
Vor kurzem ist die Denkschrift der Anfiede- Lungskommission für das Jahr 1906 dem preußischen Abgeordnetenhause zugegangen. Es ergibt sich aus dieser Schrift, daß sich das An- fiedelungsgeschäft in der Ostmark auch während des Jahres 1906 in befriedigender Weise weiter entwickelt hat und gegen das Ergebnis des Vorjahres noch eine Steigerung aufweist. Namentlich hat sich die Nachfrage nach Ansiedlerstellen ganz auf der Höhe der letzten Jahre erhalten; sie geht neuerdings in verstärktem Umfange von Arbeitern aus, die vom Lande in die Jndustrie- bezirke abgewandert waren und nunmehr den Wunsch haben, auf das Land zurückzukehren, um sich vermöge ihrer Ersparnisse sesshaft zu machen. Der dauernd rege Ansiedlerzustrom berechtigt zu der Annahme, dass noch auf Jahre hinaus hinreichendes Ansiedlermaterial vorhanden sein wird, ja dass sogar eine weitere Steigerung des Besiedelungsgeschäfts zu erreichen ist, falls be- siedelungsfähiges Land in genügendem Umfange bcreitgesteüt werden kann.
Sehen wir uns nun das Ergebnis der Tätigkeit der Ansiedelungskommission für 1906 im einzelnen an, so ergibt sich das folgende Bild. Es wurden im Jahre 1906 angekauft: 21 Rittergüter, 50 teils grössere, einen selbständigen Euts- bezirk bildende, teils kleinere Landgüter und 96 Bauernwirtschaften, und zwar sämtlich im freien Grundftücksverkehr; ausserdem find zwei Staatsdomänen gegen Entschädigung übernommen worden. Der Flächeninhalt der angekauften Be- sitzungen betrug 29 670 Hektar, der Preis 42,2 Millionen Mark. Das Vesiedelungsergebnis des Jahres 1906 ferner bestand in der Gründung von 52 neuen Dörfern mit je 1700 Morgen Etellenland. Daneben hat sich die Besiedelung auch vielfach innerhalb alter Landgemeinden vollzogen und nicht zur Gründung neuer Gemeinden geführt.
Die dem Abgeordnetenhaus zugestellte Denkschrift lässt es jedoch nicht bei einer Darstellung der Ergebnisse des Jahres 1906 bewenden, sondern gibt auch einen zusammenfassenden Überblick über das Gesamtergebnis der bisherigen Tätigkeit der Anfittielungskornmission, und gerade dieser Teil der amtlichen Ausführungen dürfte für die weitesten Kreise von ganz besonderem Interesse sein. Wir erfahren daraus, daß die seit Bestehen der Ansiedelungskommission zu Ansiedlerrecht vergebene Stellenfläche 178 846 Hektar oder rund 31,5 Quadratmeilen umfasst. Dazu kommen noch die für öffentliche Zwecke usw. verwendeten oder anderweitig veräußerten Flächen mit rund 56 400 Hektar, sodass bereits rund 235 246 Hektar vergeben sind. Die Gesamtzahl der zu Rente, Pacht und Miete angesetzten Ansiedlerfamilien beträgt 12 415 mit 81000
16 (Nachdruck verboten.),
In der Schule des Leidens.
Roman aus dem New-Parker Leben
von Erich Friese«.
(Fortsetzung.)
Das frohe Lächeln erstirbt auf Felicies Lippen. Ihre Brauen ziehen sich zusammen.
Doch nur einen Moment — dann springt sie empor und stampft mit dem Füsschen den Boden.
„Ich will nicht eifersüchtig sein — nein, nein, nein? Gerda ist das beste, edelste Geschöpf auf der Welt"?
Und eifrig beginnt sie die Tassen abzuwaschen. ' Noch bevor sie damit fertig ist, klopft es an die Tür.
i „Herein!"
' „Guten Tag, Madame. Ich möchte mich erkundigen, wie Sie es mit den Mahlzeiten halten wollen. Um zwölf Frühstück und um sechs Diner
oder um zwölf Uhr Diner und um sechs Uhr Souper?"
Felicie errötet.
»Ich — ich weiss wirklich nicht. Wir gehen in einer Stunde ins Theater und kommen erst sehr spät zurück."
„So möchte ich ein Souper vorschlagen, Madame."
„Ja, das wird wohl das beste sein — Abendessen."
„Um wieviel Uhr wünschen Sie das Souper, Madame?"
| „Vielleicht um elf Uhr —"
! „Sehr wohl, Madame. Und was befehlen Sie zu speisen ö"
Verlegen blickt Felicie zu Boden. Noch nie- Mals in ihrem Leven hat sie sich um das Auf- Kellen eines Menus gekümmert.
■ „Irgend etwas," stammelt sie. „Vielleicht Hummersalat — und ein bißchen Kaviar und — Champagner.'
Seelen. Es find 315 neue Dörfer gegründet, und in 138 alten Landgemeinden und 15 Stadtbezirken ist die Zahl der deutschen Besitzer vermehrt worden. Sodann find auch deutsche Arbeiterfamilien in nicht unerheblichem Maße herangezogen worden. In den Betrieben der Ansiedelungskommission werden zur Zeit 2834 deutsche Arbeiter- und Handwerkerfamilien und ledige Arbeiter mit 11324 Seelen beschäftigt, und eine in sämtlichen Ansiedelungen angestellte Zählung hat daselbst 2239 deutsche Arbeiterfamilien und ledige deutsche Arbeiter sowie 195 deutsche Handwerkerfamilien, die bei Ansiedlern zur Miete wohnen, im ganzen 4611 Seelen ergeben. Die gesamte deutsche Bevölkerung in den Ansiedelungsgemeinden und auf den Ansiedelungsgütern beträgt sonach rund 96 000 Seelen.
Es ist unleugbar, daß die Ansiedelungstätigkeit in der Ostmark gegenwärtig mit mancherlei Schwierigkeiten und Missständen zu kämpfen hat. Besitz aus polnischer Hand ist nur noch in geringem Prozentsätze zu erwerben, und andrerseits setzt der unter dem kulturfördernden preußischen Regime gewaltig wachsende Wohlstand der Polen diese in den Stand, die Kaufgebote der Anfiedelungskommissionen vielfach zu überbieten und dadurch eine ungesunde Steigerung der Grund- und Bodenpreise überhaupt hervorzurufen. Trotzdem bietet jedoch die bisherige Entwickelung zu wehleidigen pessimistischen Betrachtungen keinen Anlaß, und vor allem wäre es verfehlt, sich auf Grund der hervorgetretenen Mißstände gegen das Prinzip der Ansiedelungstätigkeit als solches wenden zu wollen. Nein, der grundsätzliche Weg, der 1886 eingeschlagen worden ist, bleibt nach wie vor der richtige. Die gcrmanisatorische Aufgabe, die uns im Osten gestellt ist, lässt sich nicht anders, als auf der Grundlage eines ausreichenden deutschen Landbesitzes lösen. Es erscheint daher nut notwendig, unter voller Wahrnehmung und Aufrechterhaltung des bisher verfolgten Prinzips die erforderliche Korrektur der aufgedeckten Mißstände vorzunehmen, und von der preußischen Regierung und vom preußischen Landtage, in dessen Mehrheit ja, Gott sei Dank, nationale und staatserhaltende Gesinnung eine treffliche Verkörperung gefunden haben, steht mit Sicherheit zu erhoffen, daß sie, falls dem Anfiedelungs- werke ernste Gefahr droht, rechtzeitig die bessernde Hand anlegen werden.
_______2. .
Deutscher Reichstast.
Am Mittwoch wurde im Reichstage die Beratung des Etats des Reichsamts des Innern beim Kapitel „Gesundheitsamt" fortgesetzt: Dazu lagen vor zwei Resolutionen des Zentrums, betr. Revision des Gesetzes über den Verkehr mit Wein, sowie Vorlegung eines Gesetz-
„Sehr wohl, Madame. Noch etwas?"
„Ich weiß wirNich nicht —" offen blickt sie der Wirtin ins Gesicht — „verzeihen Sie, aber ich verstehe rein gar nichts vom Kochen. Ich bin erst seit gestern verheiratet. Bitte, besorgen Sie uns alles, was zu einem guten Abendessen notwendig ist, Frau Winter! Sie werden schon wissen, was gut schmeckt."
Die Wirtin knixt.
„Schönen Dank für Ihr Vertrauen, Madame. Werde mein Bestes tun. Meine Mieter liessen mir gewöhnlich freie Hand bei der Zubereitung ihrer Mahlzeiten und waren stets zufrieden."
„So halten Sie es auch mit uns! Bitte, nicht allzu teuer, aber hübsch? Wir haben gern alles recht schmaGast."
„Sehr wohl, Madame. Also um elf Uhr ein pikantes kleines Souper? Empfehl' mich Ihnen, Madame!"
Mit abermaligem Knix will Frau Winter sich entfernen.
Da kehrt Barrington zurück.
„Norbert, ich habe für elf Uhr Abendessen bestellt!" ruft Felicie mit der wichtigen Miene einer Hausfrau, die soeben einen großen Entschluss gefasst hat.
„Ist unnötig! Direktor Furrer hat uns bereits für heute Abend eingeladen — uns beide und Gerda Douglas."
Achselzuckend verläßt Frau Winter das Zimmer.
„Ich habe alles sehr fein arrangiert," plaudert Felicie weiter, ihre Hand durch den Arm des Gatten schiebend. „Unsere Wirttn wird das Nötige besorgen und uns wöchentlich die Rechnung vorlegen."
Norbert blickt ein wenig bestürzt drein.
„Hm, Licy — wird das nicht etwas teuer kommen? Sich ganz in die Hände der Wirtin zu begeben —"
„O nein, gewiß nicht, Norbert. Die Frau steht so freundlich aus."
entwurfs zur Verbesserung der Wohnungsverhältnifse, ferner drei Resolutionen über Arbeiterschutz in Walz- und Hüttenwerken, Bergwerken u. a. Erster Redner war der Abgeordnete Rügenberg (Zentr.), der Revision des Gesetzes von 1901 verlangte in der Richtung, dass 1. bis zur reichsgesetzlichen Regelung der Nahrungsmittelko ntrolle überhaupt eine Weinkontrolle durch besonders einzelstaatliche Beamte „im Hauptamte" erfolge; 2. dass die ständige Führung eines Lagerbuches im Verkehr mit Wein vorgeschrieben werde; 3. dass der Zusatz von Zuckerwasser zeitlich und räumlich begrenzt und 4. dass die Deklarationspflicht für Verschnittweine eingeführt werde. Endlich 5. soll jede absichtliche Uebertretung des Weingesetzes mit Freiheits- und Geldstrafe geahndet werden. Abgeordneter David (Soz.) erklärte, seine Partei sei im allgemeinen mit einer schärferen Kontrolle sowie einer Begrenzung des Zuckerzusatzes und mit Maßnahmen gegen trügerischen Verschnitt einverstanden. Wenn eine einheitliche strenge Nahrungsmittelkontrolle noch nicht vorhanden sei, so liege das nur an der preußischen Regierung. Abgeordneter Keller (bei keiner Fraktton) verteidigte die hessischen Verhältnisse und bemerkte, die Kontrolle entspräche dort allen Anforderungen. Abgeordneter Dr. Roeficke (Bund der Landwirte) wandte sich gegen die Vorredner und gegen die Protesterklärungen der Moselwein-Interessenten. Redner bemerkte, er habe nur auf die niedrigen Wcinpreise Rheinhessens hingewiesen, die auch vom Minister bestätigt seien und er habe mit diesem Hinweise nur die Notwendigkeit einer einheitlichen Gestaltung der Verhältnisse im ganzen Reiche dartun wollen. In der hessischen Kammer habe man genau dasselbe gefordert, ums. er selbst empfohlen habe: die Lagerbuchkontrolle. Wie sehr die Preise herabgedrückt würden, das ergäbe sich als klasst- sches Beispiel aus einer Annonce des „Setl. Loka lanzeigers", in der Oberingelheimer zu 32 Pfg. die Flasche einschliesslich Glas und frei ins Haus angeboten worden sei. Wenn man da die Unkosten in Abzug bringe, so blieben gerade noch 7 Pfennig für den Wein. Klare und reine Verhältnisse auf dem Gebiete des Weines müssten geschaffen werden .damit unser Wein ein edles Getränk bleibe, von dem man mit Recht sagen könne: „Wundervoll ist Bacchus Gabe, Balsam fürs zerrissene Herz." Abgeordneter Dove (freis. Vereinigg.) verteidigte den Berliner Weinhandel und bemerkte, der Handelsstand werde stets berit sein, zur Beseitigung von Mißständen im Weinhandel seine Hilfe zu leisten. Abgeordneter Stauffer (wirtsch. Vgg.) sprach sein Bedauern darüber aus, daß gegen die Fälschungen an der Mosel, wie in der Pfalz nickts Ernsthaftes geschehe. Die Regierung liesse sich auf diesem Gebiete die Zügel aus der Hand gleiten. Abg. Preiß (Els.) trat für die Interessen des elsässischen Weinbaues ein. Abg. Gräfe (Rp.) erklärte die Beschuldigungen der Abgeordneten Stauffer und Ehrhardt über die Mosel für unbegründet. Schließlich wurde diese Weindebatte geschlossen.
„Nun wohl, versuchen wir es eine Woche!... Und jetzt, mein Lieb, mach' dich fertig! Wir wollen noch ein bißchen im Park herumschlen- dern. Wie spät ist es? Halb sechs! Und das Theater beginnt erst um acht. Da haben wir noch eine Stunde Zeit. Komm, Licy!"
X.
Einige Monate sind vergangen.
Von Newyork ging das Furrersche Schauspielensemble nach Brooklyn und von dott nach Rochester, überall reiche Ehren einheimsend.
In Rochester besonders sieht man die Truppe ungern scheiden. Auf allgemeinen Wunsch wird das ursprünglich nut auf vier Wochen berechnete Gastspiel um acht Tage verlängert.
Den Hauptanziehungspunkt bilden Gerda Douglas und Norbert Barrington. Um einen guten Platz zu erhalten, um diese beiden gefeierten Darsteller recht aus der Nähe bewundern zu können, raust man sich beinahe an der Theaterkasse.
Felicie, auf welche Direktor Furrer nach ihrem damaligen Auftreten als Ophelia so grosse Hoffnungen gesetzt hat, läßt das Publikum kalt. Man bewundert zwar ihr hübsches Eefichtchen, man applaudiert ihrer Anmut und Grazie — aber wirNich zu rühren hat fie noch nicht vermocht.
Wehmütig gedentt Barrington der Worte Gerdas, daß Felicie nach der Hochzeit, als vollkommen glückliche und zufriedene Frau, keine gute Schauspielerin mehr sein werde.
Ach, wie recht hatte fie!
Und Felicie ist eine vollkommen glückliche Frau.
Sie hat das Ziel erreicht, nach dem fie mit allen Fasern ihres Herzens gestrebt — fie ist die Gattin des heissgeliebten Mannes. Und dieser Mann, selbst tüchtig verliebt und, wie die meisten Künstler, nicht gewohnt, das Geld zusam«
Bei der allgemeinen Debatte betonte Abgeordneter Fleischer (Zentr.) die Notwendigkeit einer nachhaltigen Bekämpfung der gewerblichen Eist- gefahren. Staatssekretär Graf Posadowsky erkannte die angeschnittene Frage als ausserordentlich wichtig an und teilte mit, dass er sich wegen Abwehtmaßregeln mit dem Minister für Mttri- zinalwesen und dem preußischen Handelsministei in Verbindung gesetzt habe.
menzuhalten, versagt seinem reizenden kleinen Frauchen keinen Wunsch.
Zuerst hat der Gedanke ckn ihren Stiefvater und die damit verbundene Erinnerung an dir einzige unrechte Tat ihres jungen Lebens noch hie und da einen Schatten auf ihr sonniges Gluck geworfen. . , ...
Doch Woche um Woche verrinnt, und keine Nachricht von THomas Mackay trifft ein, trotzdem et bereits längst von Europa zurück fein muß.
Felicie gewöhnt sich schließlich daran, die Sache als abgetan zu betrachten; gewöhnt sich fo< gar daran, ihr Verbrechen gar nicht mehr für eüi Verbrechen zu halten.
„Er hat mich bestohlen — ich habe ihn wird« bestohlen. Was ist weiter dabei!"
So fchläfett sie aufteirnende Gewissensbisse nach und nach ein — und jetzt erst glaubt sie, sich eine vollkommen glückliche Frau nennen zu können. „ , _ , .
Nur eine Vorsicht beobachtet sie stets: sie hat der Mutter ihre Adresse nicht geschrieben. Fettctt holt all ihre Postsachen selbst von der Post ab.
Direttor Furrer hat den braven Rochesterern bisher noch nicht den „Hamlet" vorgeführt. Die- fen Leckerbissen spart er ihnen bis zuletzt auf llebetmorgen nun soll er ihnen vorgesetzt werden.
Wer gibt die „Ophelia" — Gerda Douglas oder Felicie Barrington?
Diese wichtige Frage wird von dem gewissenhaften Direktor lange hin und her erwogen. Gerda ist unstreittg die größere Künstlerin; Felicie hingegen bringt in ihrer äußeren Erscheinung die kindliche Unschuld der Rolle mehr zur Geltung... __ . , - .. .
Schließlich neigt sich die Wage doch zu Felrtt« Gunsten — wobei Gerdas freiwilliges Zurü» treten schwer mit ins Gewicht fällt.
(Fortsetzung folgt.)
Preußischer Landtag.
Das Abgeordnetenhaus erledigte am Mittwoch zunächst kleinere Entwürfe in dritter Le fung und setzte dann die Besprechung des Kapitels des Kultusetats „Kunst und Wissenschaftfort. Abg. MLnfterberg (frs. Vgg.) bat hierbei um eine weitergehende Unterstützung der „Deutschen Kommission". Die alten Bestrebungen auf Schaffung einer Akademie der deutschen Sprache hätten unseren Kaiser veranlaßt, 1900 zum 200- jährigen Jubiläum der Akademie der Wissenschaften drei neue akademische Stellen zu schaffen, um für die Erweiterung und Vertiefung der akademischen Arbeiten auf dem Gebiete deutscher Sprache und Art eine sichere und breite Grundlage zu schaffen. So sei die „deutsche Kommisfion" entstanden, der die Germanisten Professoren Vurdach, Röihe und Erich Schmidt angehören. Trotz bescheidenster Mittel und unzulänglicher Räume habe sie schon Stattliches an Publikationen aus alter und neuer Zeit geleistet. Ihr« Arbeiten würden in der ganzen gebildeten Well wo sich deutsches Schrifttum in Archiven uni Bibliotheken findet, warm gefördert. Die In ventarisaiion des deutschen Schrifttums von bet ältesten Zeiten ab, die Publikation sprachlich uni literarisch wichttger deutscher Texte, die wissenschaftliche Ausgabe der Werke moderner führender Geister, die Forschungen zur Geschichte de, deutschen Schriftsprache und der Mundarten bilden ihre Aufgabe. Bei sparsamster Wirtschaft seien 30 000 M dazu erforderlich, während, mit dem Staatszuschuß von 15 000 nur 18 000 Jt zur Verfügung stehen. Es fei dringend erforderlich, dass der Staat feinen Zuschuß auf 30 000 erhöhe. (Beifall.)
Abg. Dr. Kritzer-Marienburg (kons.) empfahl den Behörden, in ihren amtlichen Kundgebungen auf ein besseres Deutsch Wett zu legen. Manches Fremdwort könne entbehrt werden und manches Fremdwort werde an unpassender Stelle verwertet. So sei ber Ausdruck „Staatshaushaltsetat" Unsinn, denn Staatshaushalt und Etat besagen das Gleiche.
Abg. Schiffer (nl.) begrüßte es, daß der Vereinigung für staatswissenschaftliche Fortbildung 15 000 M zur Errichtung von Hörsälen zur Verfügung gestellt worden find.
Minister Dr. v. Stubt stellte hier feine Unterstützung auch weiter in Aussicht unb gab dem Abg. Krüger gegenüber zu, baß sie manche« Fremdwort durch ein deutsches Wort ersetzen lasse. Manches Fremdwort hingegen sei nicht