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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

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Marburg

Donnerstag. 18. April 1907.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck mtb Verlag' Joh. Slug. Koch, UniversitätS-Buchdruckerei 42. Jahrg.

Marburg, Markt 21. Telephon 55.

Der letzte Versuch vor der Trennung Oesterreichs und Ungarns.

Die Verhandlungen, die in der vorigen Woche abermals zwischen der österreichischen Re­gierung und den eigens zu diesem Zwecke nach Wien geladenen ungarischen Ministern über die Frage begonnen wurden, wie die wirtschaftlichen Beziehungen der beiden Länder der habsburgi- scheir Monarchie bis zum Ablauf des Jahres 1917, dem Endtermin der für Oesterreich-Un­garn zum letzten Male gemeinsam geschlossenen auswärtigen Handelsverträge, sich zu gestalten haben, werden allgemein als überaus ernster Natur bezeichnet. Es heißt, daß die ungarische Regierung entschlossen sei, unbedingt eine Ent­scheidung herbeizuführen, sei es nun in diesem »der in jenem Sinne. In Wien glaubt man, wie es den Anschein hat, noch nicht an eine direkt bevorstehende Entscheidung, läßt sich aber durch das ungarische Geflunker nicht einschüchtern und ist auf alles, auch auf die Trennung, gefaßt. Wenn aber so sagt man selbst in Wien wirklich schon diesmal die Entscheidung getroffen ' werden soll, so ist tausend gegen eins zu wetten, daß sie im Sinne der Trennung ausfällt. Die Herren Magyaren treten auch gar zu begehrlich auf. So viel von den ungarischen Forderungen bekannt geworden ist, lehnt Ungarn den lang­fristigen Ausgleich (bis 1927) nun endgiltig ab. Gs will nur einen höchstens zehnjährigen Aus­gleich, der dieselbe Geltungsdauer hätte wie die internationalen Handelsverträge, und auch dieser kurzfristige Ausgleich soll nicht mehr in .Form eines Zoll- und Handelsbündniffes, son­dern nur mehr in der eines Vertrages abge­schlossen werden. Uebrigcns verlangt Ungarn, daß die bisher gemeinsam vereinbarten Bestim­mungen über die Verzehrungssteuern nun in jeder Reichshälfte autonom festgesetzt werden sollen, daß sich die österreichische Regierung ver­pflichte, die Bindung der Staatsbahntarife auch :ouf alle neu zu errichtenden Staatsbahnlinien und eventuell verstaatlichten Privatbahnen aus­zudehnen und daß schließlich die Trennung der gemeinsamen Notenbank schon im Jahre 1910 erfolge. Mit Ausnahme der letzteren Forderung, bie auch den österreichischen Wünschen entspricht, jfinb die anderen ungarischen Vorschläge für ^Oesterreich einfach unannehmbar. Das Beste kommt ^er noch: Ungarn verlangt nämlich noch zu allein anderen, daß jetzt schon von beiden Re­gierungen in einer feierlichen, prinzipiellen De­klaration ausgesprochen werde, daß vom Jahre 1917 ab die Zolltrennung unbedingt eintreten soll. Allerdings soll auch von beiden Seiten die prinzipielle Geneigtheit dazu kitndgegeben wer­den, daß sich Oesterreich und Ungarn auch nach jbet Zolltrennung, also nach 1917, in günstigster

15 kRachdruck verboten.)

j In der Schule des Leidens.

Roman aus dem Rew-Porker Leben von Erich Friese».

(Fortsetzung.«

Am nächsten Mittag trifft das junge Paar in Newark ein die erste Station der auf ein hal­bes Jahr bemessenen Tournee des Furrerschen Schauspiel-Ensembles.

Unter den bereits gestern angelangten Mit­gliedern herrschte am Abend vortzr größte Er­regung. Der Agent hatte diesmal seine Sache schlecht gemacht. Die belegten Zimmer sind klein, dürftig möbliert und unwohnlich.

Selbst Gerda Douglas zeigte eine ihrer vor­nehmen, harmonischen Natur ganz fremde Unzu. friedcnheit. Sie, die verwöhnteerste Lieb­haberin", soll ihr Schlafzimmer sogar mit einer Kollegin teilen?

Direktor Furrer war außer sich. Im Gegen­satz zu den meisten Theaterdirektoren nimmt er lebhaften Anteil an den Wünschen seiner Mit­glieder. Er versprach baldigst Abhilfe, bat je­doch, sich für kurze Zeit dem nun einmal bestehen­den Uebel zu fügen.

- Gerda Douglas fand zuerst ihre gute Laune wieder. Sie erbot sich sogar, ihr Zimmer mit derkomischen Alten" zu teilen einer außer­gewöhnlich korpulenten Dame, die vom ganzen Personal nurunsere Dicke" genannt wird.

Diese Selbstentäußerung derersten Lieb­haberin" stellte sofort die allgemeine fröhliche Laune wieder her. Jeder richtete sich ein, so gut es eben ging.

Und heute, am Morgen der Ankunft von Nor­bert und Felicie Barrington, leuchtet hellster Sonnenschein sowohl auf den Straßen Newarks, wie in den Herzen des Furrerschen Schauspiel- Ensembles.

- Gerda Douglas begrüßt dar junge Paar be­reits auf dom Bahnhof.

Weise behandeln und einen Zollkrieg vermeiden werden. Diese Forderung ist vollständig un­sinnig. Erstens deshalb, weil sie in ihrem ersten Teile, der die Zolltrennung nach 1917 festsetzt, ganz überflüssig ist, da jeder der beiden Staaten auch ohne eine solche Erklärung des Recht hat, nach 1917 zu tun, was er will. Und zweitens deshalb, weil es ganz unmöglich ist, daß sich Oesterreich jetzt 1907 verpflichtet, den Un­garn nach zehn Jahren die günstigsten Zoll­bedingungen usw. zu gewähren. Denn derlei kann nicht auf zehn Jahre hinaus von vorn­herein bestimmt werden, sondern hängt von den Marktverhältniffen ab, die nach zehn Jahren herrschen werden und Oesterreich sehr leicht nö­tigen können, sich einen Markt für seine indu­striellen Verhältnisse außerhalb Ungarn zu suchen. Zudem wird sich auch kein österreichisches Parlament finden, das ein solches Abkommen ratifizierte. Es ist daher fast ganz ausgeschlos­sen, daß ein Ausgleich zu stände kommt und das einzige, was man erreichen wird, wird die Fort­dauer des bisherigen Reziprözitätsverhältnisses bis zum Jahre 1917 sein. Vielleicht wird man für die loyale Einhaltung der Reziprozität bes­sere Bürgschaften, als sie bisher bestehen, schaf­fen. Was nach 1917 zu geschehen hat, bleibt unsicher. Vielleicht tritt indessen in Ungarn eine Ernüchterung ein, di,e dann wieder einen vernünftigen Ausgleich ermöglicht. Hierzu wird aus Ofen-Pest vom Montag gemeldet: In der Konferenz der ungarischen Unabhängigkeits­partei erklärte Handelsminister Kostuth, die Verhandlungen mit Oesterreich seien noch nicht abgeschlossen. Man werde einen bis 1917 gel­tenden Handelsvertrag mit Oesterreich abschlie­ßen, in dessen Rahmen die wirtschaftliche Selb­ständigkeit beider Länder in größerem Maße ge­wahrt werden solle. Für die Zeit nach 1917 seien Garantien dafür zu suchen, daß Zoll - schranken festgesetzt werden; doch werde, wie bereits früher aysgeführt, Oe st erreich eine gewisse Begünstigung gegenüber anderen Staaten genießen. Wie gnädig!

Deutscher Reichstag.

Auch am Dienstag noch beschäftigte sich der Reichstag mit der Fortsetzung der Beratung des Etats des Reichsamts des Innern. Den Reden von sozialdemokratischer Seite reihten sich heute auch noch die Ausführungen des Abgeordneten Sachse an, der besonders gegen den Abgeordneten v. Dirksen polemisierte. In der beliebten Manier derGenossen" warf er dem konservati­ven Redner Unwahrhaftigkeit vor. Auch von dem Terrorismus der sozialdemokratischen Arbeiter habe v. Dirksen wieder gesprochen. Von dem Terrorismus der Arbeitgeber aber habe er kein Wort gesagt; weder von Aussperrungen, noch

Ich habe euch selbst eine Heine Wohnung ausgesucht Salon und Schlafzimmer. Vielleicht ist sie etwas zu elegant, alias zu kostspielig; aber ich tonte ihr nicht widerstehen. Das Loch, was der Agent für euch bestimmt hatte, war rein un­möglich."

Nach einigen Minuten schon steht Felicie auf der Schwelle ihres Heims.

Heim" allerdings nur für wenige Wochen, aber doch immerhin ihr Heim.

Ihr erstes Heim! Denn bei der Mutter hat sie sich nie zu Hause gefühlt, da dort, so lange sie denken kann, der Stiefvater herumtobte und schimpfte. In ihrer Vorstellung dagegen ver­bindet sich mit dem Wort .Heim" der Begriff der Ruhe, des Friedens . . .

Voll Stolz blickt Felicie um sich. Dann schreitet sie direkt auf ein eichengeschnitztes Pa­neelsofa zu und rückt mit Aufbietung all ihrer schwachen Kräfte daran herum.

Mein Gott, was fällt dir ein, Licy?" ruft Norbert.Das Sofa gehört an die Wand, nicht mitten ins Zimmer."

Macht nichts. Ich kann hier schalten und walten wie's mir beliebt ich bin hier zu Hause," entgegnete sie mit der ernstesten Miene von der Welt.

So! Wünschen Euer Gnaden noch irgend ein Stück Möbel wo anders hin placiert zu haben?"

Jetzt noch nicht. Später."

Ihre Miene ist so drollig hausfraulich und dabei kindlich naiv Norbert eilt rasch auf sie zu und küßt zärtlich die glücklich lächelnden Lippen seiner kleinen Frau.

Gerda Douglas hat inzwischen eine kleine Wandtür geöffnet.

Mein Hochzeitsgeschenk!"

Und sie deutet auf den Wandschrank.

Verwundert schlägt Felicie die Hände zu­sammen.

Ein Hochzeitsgeschenk! Ein Hochzeitrge- schenk! v wie schön ist doch das Heiraten!"

von schwarzen Listen. Ebensowenig habe v. Dirk­sen etwas über den Zwang bei den Syndikaten erzählt über den Zwang nämlich, den die Arbeit­geber auf diejenigen anderen Arbeitgeber aus­üben, die dem Syndikate nicht beitreten wollen. Auch bei den Arbeiter-Aussperrungen im Holz- gewerbs werde jetzt ein Zwang auf diejenigen Unternehmer ausgeübt, die sich an der Aussper­rung nicht beteiligen wollen. Von solchem Ter­rorismus der Unternehmer wisie Herr v. Dirksen anscheinend nichts. Ob es etwa kein Terrorismus sei, wenn im Bergbau Arbeitern gekündigt werde, bloß weil diese sich weigern, Ueberschichten zu machen!

Geh. Rat Beckmann vom Reichs-Versicherungs- Amt kam auf eine neuliche Aeußerung des Abge­ordneten Pauli- Potsdam wegen der Beiträge zu dem unfallberufsgenossenschaftlichen Reserve­fonds zurück. Eine dem Hause schon 1903 vor­gelegte Denkschrift habe bereits den Nachweis erbracht, daß die Rücklagen in den Reservefonds keineswegs über das Bedürfnis hinausgingen. Er bitte daher auch um Ablehnung der Resolu­tion Pauli, in der Wiederherstellung der frühe­ren Bestimmungen über Ansammlung des Re­servefonds gewünscht werde.

Abg. v. Etaudy (kons): Nach Ansicht seiner Freunde hätten die Debatten über diese Frage nun lange genug gedauert. Seine Freunde hielten es für nötig und nützlich, daß mein sich nun den weiteren Arbeiten zu- wende. (Beifall.) Die Konservativen könnten durchaus dem beistimmen, was tagszuvor von dem Abgeordneten v. Dirksen vorgetragen wor­den sei. (Unruhe links.) Soweit der Staats­sekretär sich dagegen verwahrt habe, daß der Gang der sozialpolitischen Gesetzgebung ein zu langsamer fei, müsse man ihm durchaus zustim­men. Daß die sozialpolitische Gesetzgebung fort- geftihrt werde, darin seien wohl alle Parteien im Hause einig. Andererseits sei aber auch das Mißtrauen berechtigt gegen diejenigen Elemente, die alles Niederreißen wollen, was den Konser­vativen und auch wohl dem Abgeordneten Nau­mann teuer ist, und die nur die niedrigen In­stinkte wachrufen. In dem Gebäude, das Herr Naumann aufgeftellt habe, müsse doch wohl auch für die Arbeitswilligen Platz fein. Er wolle es offen lassen, ob die gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Arbeitswilligen an sich genügen, wie der Staatssekretär behauptet. Jedenfalls genüge aber dann ihre Handhabung nicht, und es sei dieser jedenfalls nicht die völlige Aufmerk­samkeit zugewendet worden. Redner hielt dann dem Staatssekretär vor, daß sich in besten Aeuße- rungen über die Zusammenlegung der drei Ver­sicherungsgesetze in den letzten Zahlen und neu­lich mehrfach Widersprüche vorfänden.

Staatssekretär Graf Posadowsky führte aus, durch das Zustandekommen einer Zusammen­legung der drei Versicherungsgesetze würden viele sachliche Ausgaben und Reibungen zwischen den Verwaltungen der einzelnen Gesetze in Wegfall kommen. Eine völlige Verschmelzung zu einem bureaukratischen Organismus über das ganze

Trällernd tänzelt sie auf den Wandschrank zu und steckt den Kopf hinein. Ein Jauchzer springt von ihren Lippen.

Auf zierlichem silbernen Brett präsentiert sich ein komplettes Teeservice Tasten, Tee­kannen, Sahnentopf, Zuckerschale nebst Zange. Sogar ein kleiner kupferner Kestel über einem Spirituskocher und ein paar silberne Löffelchen fehlen nicht.

O o!

Felicie findet zuerst keine Worte beim Anblick all dieser Herrlichkeiten. Dann aber jubelt sie auf:

Norbert, Norbert! Kann es etwas ent­zückenderes geben, als diese Tasten mit den kleinen goldenen Arabesken? Und der süße Kestel! Und die wunderschöne Teekanne mit dem Siebchen d'ran! Sieh nur, sieh, was Gerda uns geschenkt hat!"

Ein Schimmer wahrer Freude huscht über Gerdas edle Züge.

Recht so, Felicie nenne mich Gerda!" Herzlich drückt sie die Hand der aufgeregten klei­nen Frau und blickt ihr voll in die Augen. Renne michGerda" unddu". Ich habe dich lieb, Felicie ich habe euch beide lieb. Euer Glück liegt mit am Herzen. Willst du mich als Schwester haben, Felicie?"

Die junge Frau schweigt einige Sekunden. Ihre großen, unschuldigen Kinderaugen blicken etwas verwundert.

Dann plötzlich schlingt sie impulsiv die Arme um Gerdas Nacken und küßt sie auf den Mund.

Recht so, Felicie! ... Nun aber gib uns eine Taste Tee, kleine Hausfrau! Ich habe Durst."

Verlegen fentt Felicie das Köpfchen.

, ©cm, aber aber ich hab' ja feinen Tee!"

Erst Umschau halten, dann teben!" lächelt ©erbe.Hast du nicht im Wandschrank eine chinesische Büchse bemerkt?" ,

Land würde jedoch einem Rückschritte gleich fonw men, da dann die Sachkenntnis der jetzigen Ver­waltung verloren gehen würde. Dem Abgeord­neten v. Dirksen gegenüber bemerkte der Staatssekretär, der Reichskanzler habe s. Z. bett, der Aufhebung des Verbindungsverbots sein Wort verpfändet und nur dadurch erreicht, daß nicht eine entsprechende Bestimmung gleich in das Bürgerliche Gesetzbuch ausgenommen wurde. Mit dem Arbeitswilligengesetz habe das aber in keinem Zusammenhänge gestanden, da von jenem Gesetze noch gar keine Rede war. Der Staats­sekretär kam dann auf bie Entgegnung zu spre­chen, die Lord Rosebery gegen seine (Graf Posa- dowskys) Rede veröffentlichte und äußerte sich hierzu folgendermaßen: In bet Sitzung am 1L April habe er nachzuweisen versucht, daß Deutsch­land in vieler Hinsicht liberaler sei, als andere liberal regierte Staaten, und habe dabei die Stein-Hardenbergsche Gesetzgebung für Ansi«- lung der Kleinbauern und unsere Jnvalidenpen- sionsgesetzgebung angeführt. Dabei habe er auf eine Rede des Lord Rosebery, die dieser in der liberalen Liga in London gehalten hat, hinge­wiesen, daß ein bekannter und berühmter libe­raler Führer die Ansiedlung von Kleinbauern in Irland, ähnlich, wie das seiner Zeit durch die Stein-Hardenbergsche Gesetzgebung bei uns ge­schehen'ist, und die Einführung einer Jnvaliden- pension nach deutschem Muster als revolutionär und sozialistisch bezeichnet habe. Lord Rosebery habe nun in derTimes" am 13. April eine Be­richtigung veröffentlicht, in der er sagte, daß et sich seiner Zeit nicht gegen die Ansiedlung kleiner Grundbesitzer mit Hilfe öffentlicher Mittel aus­gesprochen habe, sondern daß er sich nur gegen das irische Landsystem gewendet habe. Lord Rosebery habe damals gesagt, der Liberalismus sei in Gefahr, zwischen Sozialismus und Konser­vatismus zerquetscht zu werden; denn der So­zialismus habe mehr zu bieten und die konser­vative Partei mehr Vertrauen. Wenn die libe­rale Partei, und das sei in England die liberale Regierung, den Eigentumsraub in allen For­men nähre, so habe sie keinen Raum in der poli­tischen Arena mehr. Wenn nun aber Lord Rose­bery diese Ausführungen nur in Bezug auf das irische Landsystem gemacht habe, so falle natürlich seine (des Staatssekretärs) Behauptung weg, und ein Widerspruch zwischen seiner Erklärung und der des Lord Rosebery bestehe nicht.

Abg. Trimborn verbreitete sich über die Frage des Koalitionsrechtes und kritisierte in einem Punkte die Fassung der Resolution Ablaß. Abg. Müller- Meiningen (frs. Vp.) ging auf die verschiedenen dem Hause vorliegenden Resolutio­nen ein und bedauerte, daß Graf Posadowsky nicht auch auf den Schutz des Koalitionsrechts eingegangen sei. Darauf wurde ein Antrag auf Schluß der Debatte gegen die Stimmen der So­zialdemokraten und des kleineren Teiles de- Zentrums angenommen. Hierauf wurde der Titel Staatssekretär" genehmigt. Von den Resolutionen wurden teils einstimmig, teils mit großer Mehrheit angenommen: Resolu-

Vorsichtig öffnet Felicie die zierliche rot­lackierte Büchse. Aromatischer Tee duftet ihr entgegen.

(Erneuter Jubel.

Unter Scherzen und Lachen arrangieren die beiden Frauen den Teetisch. Die Spirituslampe wird angezündet, der Kessel mit Wasser gefüllt.

Und immer neue Schätze enthüllt derTifch- lein-deck-dich"-Wandschrank. Biskuits, Törtchen, Johannisbeer-Gelee und geröstetes Brot brüsten sich auf der gelben Damastdecke. Sogar da- Milchtöpfchen ist mit frischer Sahne gefüllt und Zuckerschale mit Zucker.

Bald fitzen alle drei in traulichem Geplauder um den Teetisch hemm. Auf allen Gesichtem herzliche Freude, ungetrübtes Glück.

Leider muß Licy heute abends schon auf­treten," erzählt Gerda.Ich wollte sie gern da­von dispensieren; aber der Direktor meinte, das ginge nicht. Seine besten Truppen müßten am Eröffnungsabend alle ins Feld geführt werden. Aber sie hat nut eine kleine Rolle so viel hab' ich wenigstens erwirtt."

Felicie ist voll des Dankes für die liebevolle Fürsorge der Freundin, die ihr noch den Rat er­teilt, die Hauswirtin für die Mahlzeiten sorgen zu lösten. v , _ ,

Nur den Tee morgens und nachmittags be­reitest du selbst, Licy. Der surrende Teekestel gibt der Wohnung etwas trauliches, heimisches . . . . Und nun lebt wohl, lieben Freunde! Ich will euch jetzt nicht länger stören!"

Gerda ist gegangen und Felicie wirft sich mit fröhlichem Lachen in einen Sessel, Norbert zu sich heranwinkend.

Einen Augenblick, mein Lieb! Ich muß nur noch Gerda etwas wegen der heutigen Vor­stellung fragen. Räum' inzwischen die Tee­sachen fort! Ich bin gleich wieder da!"

Ohne ihre Antwort abzuwarten, eilt er me Treppe hinunter, ,, . v

. .... (Fortsetzung folgt.)