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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

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Vierteljährlicher Bezugspreis; bet ött Expchition 2 Mk., bei allen Postänttcm 2,25 Mk. <eicU Bestellgeld).

Jnsertionsgebühr: die gespaltene Zeile oder seren Raum 15 Pfg.

Neclamcn: die -teile 30 Pfg.

Marburg

Mittwoch. 17. April 1907.

Erscheint wöchentlich siebe« mal.

Druck und Verlag: Joh. äug. Koch, UmversitätS-Bitchdruckttel

Marburg, Markt 21. Telephon 55.

42. Jahrg.

Erstes Blatt.

Preßstimmen über D. Naumanns Jungfernrede".

Die hochtönenden Worte mit denen am letz­ten Donnerstag der Pfarrer a. D. Naumann, der nationalsoziale Herold, zum ersten Male im Reichstag Stimmung für seine sozialpolitischen Anschauungen zu erwecken suchte, sind in der Presse so gewürdigt worden, wie man es erwar­ten konnte. Während die linksliberal-demokra­tischen Blätter dem wortreichen Illusionisten zu­jauchzten und seine schwärmerischen Ausführun­gen trotz der vernichtenden Kritik, die Graf Po- sadowsky, der kühl denkende Realpolitiker, daran übte, geradezu verhimmelten, haben die Organe der rechtsstehenden Parteien nicht hinter dem Berge gehalten, die öffentliche Meinung über das Phrasenwerk Naumannscher Rhetorik aufzuklären.

Sehr zutreffend urteilen dieLeipz. Reuest. Nachrichten":

Naumann geht von dem Glauben aus, daß der Uedergang Deutschlands in einen Industrie­staat unvermeidlich, und daß diese Entwicklung auch wünschenswert sei. Vor seiner Seele steht auch der Kaiser stets nur als Jndustriekaiser, als der berufene Führer in das gelobte Land, das er freilich nicht selbst betreten, sondern nur aus der Ferne vom Berge herab erschauen soll. So gibt es für Naumann nur einen Maßstab: Während das ganze, so vielgestaltige Leben, das ihn rings umgibt, vor seinem geistigen Auge versinkt, bleibt nur das Eine, die Arbeiterschaft und ihre Not, ihr Hoffen und ihr Bedürfnis. Graf Posndowsky aber ist nicht Volksmann, nicht Dichter, sondern Realist. Er sieht das Ganze und erkennt, daß die Sachen sich bart im Raume stoßen, daß die Wünsche der sozialen Klassen gegeneinander prallen und sich ansschließen, daß jedes Verlangen sorgsam gewogen werden muß, daß das Recht des Einen zum Unrecht für den anderen werden kann. Und als der Realist die Bühne des Reichstages betritt, da zieht ein leises Lächeln über seine durchgearbeiteten Züge, und der Trunkenheit des Phantasten, dessen Rede er als ein philosophisches Bild bezeichnet, stellt er die Nüchternheit des Werkmenschen ge­genüber. Er hat schon einmal, vor etwa zwei Jahren, vor jenem Idealismus gewarnt, der leichthin in das Schrankenlose schweift und ahnungslos gleich dem Zauberlehrling die Ord­nung bedroht, er hat der Gefahr gegenüber, daß in unser ganzes öffentliches Leben eine allzu nervöse Hast, ein allzuheftiges Drängen und Treiben kommen könnte, den Grundsatz ausge­

sprochen, daß es eines politischen Gleichgewichts bedarf, das nicht in dem Flugsand der schnell­wachsenden Bevölkerung der Großstadt, nicht in jenem Teil der Nation zu suchen ist, der kaum noch eine Heimat kennt, das vielmehr in der Landwirtschaft liegt, die ihre Scholle liebt und an ihr festhält. Der Phantast, den der soziale Trieb und sein heißschlagendes Herz seltsamer­weise dorthin führte, wo in der Freisinnigen Vereinigung das Manchestertum, die kalte Selbsucht des laisser aller ihre letzte Heimstätte findet, erblickt in den Trägern der Landwirt­schaft nur Elemente der Rückständigkeit, Hinder­nisse auf dem Wege zu Biminis Seligkeiten, die er dem Volke zu erschließen begehrt. Und er spürt es nicht, welches Unrecht er dem einen Teil der Nation zufügt, dem er, wie Isaak sei­nem Sohne Esau, den Segen und das Erst­geburtsrecht nehmen will, um dem jüngeren Sohne Erbe und Zukunft zu geben. Und Nau­mann übersieht es, daß die Umwandlung Deutschlands in einen Industriestaat sans phrase eine Revolution heraufführen würde, schrecklicher noch, als jene, die sich an die Taten Elisabeths von England geheftet hat."

liehet feinekonstitutionelle Fabrikordnung" schreibt diePost":

Der Unternehmer bringt mit Hilfe seiner geschäftlichen Kenntnisse die Arbeiter und die Macht seines beweglichen Besitzes miteinander in Verbindung. Da ihm das Verfügungsrecht über sein Eigentum füglich nicht bestritten wer­den kann, so ist es bislang von den Sozialisten noch nicht kritisiert worden, daß er ihm durch Aneinanderkettung mit den Arbeitern einen Nutzungswert gibt; umgekehrt aber gewinnt auch die physische Kraft des Arbeiters erst einen Nutzungswert, wenn sie sich in den Dienst der Anordnungen des Unternhmers stellt, so bäfc sich also der Arbeiter durch Aus­führung der Zwecke des Unternehmers einen Teil der Nutzungsergebnisie eines fremden Vermögensbefitzes aneignet. Die Lehre von dem Mehrwert ist schon aus dem einfachen Grunde falsch, weil der Arbeiter ohne die finanziellen Mittel und ohne die in der Zweckbestimmung und in den fortdauernden Anordnungen aus- gedrückte geistige Arbeit des Unternehmers überhaupt keine Werte erzeugen kann. Die Marxfche Lehre unterschlägt also eine fremde Arbeitsleistung zugunsten des Arbeiters. Auf das Vermögen des Unternehmers hat der Ar­beiter keinen Anspruch, ebensowenig, wie der Unternehmer einen Anspruch auf die Hände hat, mit denen der Arbeiter seinen Anordnungen vollzieht. Die Verfügung über den Betrieb und den Dienst, soweit letzterer nicht in einem Ar­beitsvertrag grundsätzlich festgelegt ist, steht ein­zig und allein dem Unternehmer zu. Wenn aber die sogenannte konstitutionelle Fabrikordnung

eingeführt würde, so wäre im Handumdrehen ein Teil der Besitzrechte von dem seitherigen In­haber an die Arbeiterschaft übergegangen. Es ist der erste Schritt zum sozialdemokratischen Zu­kunststaat, wie denn überhaupt der ganze Ge­danke dem sozialistischen Vorstellungskreise ent­nommen ist. Unter der konstitutionellen Fabrik­ordnung ist also nach den Gesetzen der Logik nichts anderes zu verstehen, als ein langsames Enteignungsverfahren."

So wahr dies alles zutrifft, so berechttgt ist das Urteil derHamburger Nachrichten":

Nunmehr hat der sozialpolitische Apostel Naumann seine Jungfernrede im Reichstage ge­halten. Wir finden, daß, wenn Graf Posa- dowsky sie alsphilosophisches Bild" charak­terisiert hat, das mit der Wirklichkeit wenig ge­nug zu tun habe, dies noch sehr geschmeichelt war. Uns hat die Rede lediglich in der Auffas­sung bestärkt, die wir stets von Herrn Naumann gehabt haben: daß er eine wenig angenehme Mischung von verstiegenem weltfremden Idea­lismus und durchaus nicht so harmloser Neigung ist, an den Grundlagen von Staat und Gesell­schaft zu rütteln. Zwar hielt er sich in letzterer Beziehung gestern wohl aus Klugheitsrück­sichten einigermaßen zurück, aber der Pferde­fuß kam doch zum Vorschein, als er indirekt die Ansicht äußerte, dem Reichstage müße das Recht zustehen, auch den Bundesrat aufzulösen, wie dieser den Reichstag heimschicken könne, wenn er mit ihm unzufrieden sei. Diese Auffassung des Herrn Naumann zeigt deutlich, wes Geistes Kind der Herr eigentlich ist, und daß ihm die Grundlagen, auf denen das Reich beruht, sehr wenig am Herzen liegen, daß er mit ihnen zu­gunsten seiner sozialpolitischen Phantastereien in fahrläsiiger Weise, um keine andere Bezeich­nung zu gebrauchen, spielt."

Preußischer Landtag.

Das Abgeordnetenhaus setzte in seiner 43. Sitzung am Montag die zweite Beratung des Kultusetats beim Kapitel: Höhere Lehranstalten fort.

Kultusminister Dr. v. Studt: Ich habe jetzt die bereits bei Beginn der zweiten Etatsbera­tung in Aussicht gestellte Erklärung über die Mädchenschulreform abzugeben. Bereits im vorigen Jahre habe ich die Ehre gehabt in einer sehr allgemeinen Rede den damals vorliegenden Plan hier zur Sprache zu bringen, aus Anlaß der Konferenz, die am 23. und 24. Januar unter Zuziehung von Sachverständigen und Autoritä­ten auf dem Gebiete des höheren Schulwesens und Vertreterinnen des Frauenbildungswesens auf meine Einladung abgehalten worden war. Diese Konferenz hat zu meiner Genugtuung eine fast einmütige Zustimmung zu dem Reformplan der Unterrichtsverwaltung zutage gefördert. Ich

schätze dieses Ergebnis um fo höher, als die oct» schievensten wissenschaftlichen und polittschen Richtungen vertreten waren. Auf Grund spe­zieller Ausarbeitung ist der Plan gegenwrättg in eine Form gebracht worden, welche mich er< mächtigt, ihn dem Staatsministerium zu unter­breiten. Der Entwurf einer Neuordnung bei Mäbchenschulwesens knüpft an die ministeriellen Bestimmungen von 1894. Die bedeutsame Ver­änderung des Lehrplanes wird darin bestehen, daß in der höheren Mädchenschule gegenüber der bisherigen vielfach einseitig ästhetischen und Er« fühlsbildung ein größeres Gewicht auf Ver­standsbildung gelegt wird. Religion und Deutsch sollen nach wie vor im Mittelpunkt des Unter­richts stehen. Neu eingeführt soll die Mathematik werden, ohne daß die bisherigen Ziele, die Lite­raturkenntnis, Grammatik und der mündliche und schriftliche Gebrauch der Sprachen herabge­setzt werden. Die weitere Ausbreitung der intellektuellen Bildung durch Einführung des Rechenunterrichts soll aber in keiner Weise dazu führen, daß die bisher geübten Unterrichtsfächer eine Beeinträchtigung erfahren. Als Grundbau ist eine neunstufige höhere Mädchenschule vorge­sehen; nach Abschluß der höheren Mädchenschule ist eine weitere Schule in Aussicht genommen und zwar in zweierlei Richtung. An die höhere Mädchenschule soll sich eine höhere Fortbildungs­anstalt anschließen, die Gelegenheit zur Erweite­rung der Bildung bei Mäbchen geben soll. An­dererseits soll bie eine dieser Fortbildungsanstal­ten zur Reife für die Universität führen. In de« Hausfrauenberuf soll ein Aufbau einführen, für den der Name Lyzeum vorgeschlagen wird. Hier soll nach freier Wahl, aber in ernster Arbeit Haushaltungskunde mit Uebungen in Küche und Hauswirtschaft gelehrt werden, ferner Kinder- garten-Uebungen, Eesundheitslehre, Kinderhort und Samariterkunde auf dem Lehrplan stehen. Auch Volkswirtschaftslehre mit Besichtigung von Anstalten der Wohlfahrtspflege soll betrieben werden. Das ist etwas völlig Neues in dem Bil­dungsgang der höheren Mädchen. Um dieses neue Gebäude praktisch zu gestalten und lebens­fähig zu erhalten, wird eine organische Verbin­dung mit dem Lehrerinnenseminar erwogen wer­den müssen. Der wichtige pädagogische Unter­richt soll methodisch und praktisch erteilt werden. Die Ausbildungszeit ist auf vier Jahre berech­net, drei Jahre für die wissenschaftliche Ausbil­dung, und das 4. für die praktische Ausbildung. Am Ende des vierten Jahres soll die Abschluß­prüfung stattfinden. Dieses Lyzeum ist der eine Aufbau auf den höheren Mädchenschulen. Der andere Aufbau soll die Universitütsreife vermit­teln. Diese soll in besonderen Fortbildungs­anstalten erreicht werde, die den Namen Stu­dienanstalten erhalten. Auch diese schließen sich an die oberen Klassen der neunstufigen höheren Lehranstalten an und sollen den Mädchen einen vollständigen Bildungsabschluß bringen. Eine Erleichterung für die Erreichung der Reife zum llniversitätsstudium konnte allerdings nicht ge-' geben werden und ist nicht beabsichtigt worden.

14 i Nachdruck verboten.)

In der Schule des Leidens.

R Roman aus dem New-Porker Leben jfr von Erich Friesen.

(Fortsetzung.!

Barringtons Erstaunen wächst

Sie sprechen in Rätseln, Fräulein Douglas. Weshalb sollte Felicie nach der Hochzeit"

Mein lieber Freund," fährt Gerda ruhig fort, indem sie wieder Platz nimmt,Felicie ist ein kleiner Feuerkopf. In ihrem Herzen ist ein ganzer Vulkan von Gefühlen und Empfindungen aufgespeichert, der so mächtig in ihr wühlt, daß sie sich mit Feuer und Leidenschaft auf jede ihr iugeteitte Rolle wirft mit solchem Feuer und solcher Leidenschaft, daß man darüber den Man­gel an wirklicher Kunst ganz vergißt auch ver­gißt, daß jeder Künstler, jede Künstlerin den Charakter der Rolle nicht mitempfinden, sondern darüber stehen denselben vollständig beherrschen muß . . . Sobald Felicie glücklich ist, sobald ihr Herz zur Ruhe kommt, wird ihr Feuer, ihre Lei­denschaft, dies Ringen nach Betättgung ihrer Gefühle, schwinden. Ihre künstlerischen Jn- stintte sind nur Ausbrüche ihrer leidenschaft­lichen Natur. Sind diese entschlafen, so ist Fe­licie keine Künstlerin mehr, sondern eine Di­lettantin."

Mit steigender Erregung ist Barrington de« .ruhigen, sachlichen Auseinandersetzungen gefolgt.

Jetzt springt er empor.

Großer Gott!"

6Ich wünschte, ich täuschte mich Gerda reicht ihm herzlich die Handaber ich glaube es nicht . . . Was schadet es übrigens! Sic, lie­ber Freund, haben genug Talent und künst­lerische Kraft für euch alle beide. Lassen Sie Ihre Frau der Bühne entsagen es ist ohnehin -.besser!"

In tiefen Gedanken versunken fitzt Barring­ton da. Fast erscheint ihm da» soeben Gehörte

unglaublich. Er ist jedoch so gewöhnt, Gerdas Urteil als richtig zu betrachten, daß ihre Motte ihm Unruhe und Pein verursachen.

Gerda hat sich inzwischen zur Probe zurecht gemacht. Sanft legt sie jetzt die Hand auf seine Schulter. Ein wehmütiges Lächeln umzittett ihre tLippen.

Kommen Sie, Barrington! Es ist schon spät. Darf ich Sie in meinem Wagen nach dem Theater fahren? Er steht bereits vor der Tür."

Als die beiden die Bühne betreten, hat die Probe schon angefangen.

Der Inhalt des Stückes ist ein überaus harm­loser. Einzig und allein die Rolle der Viola verlangt pathetisches Empfinden.

Und merkwürdig was sonst nie nötig war heute hat der Regisseur Felicien beständig Anweisungen zu geben.

Fräulein Mackay, etwas lebhafter, bitte?".. Weinen Sie doch, liebes Kind! Das können Sie doch sonst so famos!".....Aber, Fräulein, der

Ausdruck Ihrer Augen ist zu gleichgültig! Schmachtend! Feurig, wenn ich bitten darf?... So, jetzt ist es besser!"

Barttngton folgt hinter den Kulissen dem Spiel der andern, sobald er nicht beschäftigt ist. Auch ihm fällt sofort die Veränderung in der künstlerischen Auffassung seiner Braut auf.

Unwillkürlich blickt er zu Gerda hinüber.

Doch sie bemerkt es nicht. Ihre Augen find unverwandt auf Felitte gerichtet.

Durch einen kleinen Irrtum seitens eines der Mitspielenden muß eine Szene wiederholt wer­den. Eine kurze Pause entsteht.

Gerda benützt dieselbe, um Felitte etwas ins Ohr zu tuscheln, worauf letztere heftig errötet.

Mit Verwunderung bemerkt Barttngton daß bei der Wiederholung der Szene Felicies Emp­findungen erwacht sind. Sie spielt die Szene mit einem Feuer, einer Leidenschaft, daß der Regisseur schmunzelt und lebhaft applaudiett.

Woher kommt dieser plötzliche Umschlag? Was haben Sie Felitte vorhin leise gesagt,

Fräulein Douglas?" fragt Barrington ver­blüfft.

Ich habe sie ein wenig eifersüchtig gemacht. Zweifeln Sie noch an meiner Menschenkennt­nis?"

IX.

Vierzehn Tage später ....

Seit wenigen Stunden ist Felitte Mackay Norbert Barttngtons Gattin.

Ihr sehnlichster Wunsch erfüllt. Sie ge­hören einander für immer,bis daß der Tod sie scheidet" wie sie am Altar feierlich gelobten.

In geschmackvollem grauen Reisekostüm steht Felicie Barttngton neben ihrem Gatten auf dem Perron. Ihr Antlitz ist eitel Sonnenschein. Die schwarzen Augen strahlen wie noch nie zuvor. Herzigstes Erübchenlächeln verklärt das rosige Gesichtchen.

Voll Stolz und Wehmut zugleich ruhen die Blicke der Mutter auf ihrem Liebling. Die arme Frau bleibt jetzt allttn zurück ganz allein; aber was kümmert das ein liebend Mutterherz! Sie weiß die Tochter glücklich das fit ihr genug.

Einsteigen meine Damen und Herren?"

Felittes dunkles Köpfchen lugt durch das halbgeöffnete Fenster des Waggons.

Leb' wohl, Mütterchen! Ach, wie glücklich bin ich."

Frau Mackay zwingt sich zum Lächeln.

Leb' wohl, mein Herzblatt! Jetzt, da du ver­heiratest bist vor Gott und den Menschen seine Frau jetzt kann dich nichts mehr anfechten. Jetzt lümmert es dich wohl auch nicht mehr, daß-«

Sie stockt.

Na, heraus damit, Mutter!" lachte die über­mütige junge Frau.

Der der Vater"

Ein plötzliches Angstgefühl überschleicht Fe­litte. Unwillkürlich greift ihre Hand nach dem Herzen.

Er $r kommt zurück?« ;

Ja, er hat von Hamburg aus telegraphiert. Seine Geschäfte scheinen nicht geglückt zu fein. In ein paar Tagen schifft er sich schon wieder nach New-Pork ein . . . Ach, dann hab' ich wie­der zu leiden! . . . Leb' wohl mein Kind! Leb' wohl! Seien Sie gut zu ihr, Varrington! Sie ist ein Juwel, ähnelt von Tag zu Tag mehr ihrem Vater!"

Ein Pfiff der Zug setzt sich in Bewegung.

Erneutes Winken... ein letztes Tüchet- schwenken . . . Der Zug macht eine Kurve Frau Mackay ist den Blicken des jungen Paares entschwunden.

Felitte sinkt in die Kissen zurück. Ihr Ee- sichtsausdruck ist gänzlich verändert.

Was fehlt dir, mein Lieb? Du bist so bleich?" Besorgt faßt Barttngton ihre Hand. Deine Finger zittern? . . . Und hier gar eine Träne? An unserem Hochzeitstag, Licy?"

Durch Tränen lächelnd blickt sie zu ihm em­por.

Ja, unser Hochzeitstag, Norbert? Der glück­lichste Tag meines Lebens? Ich will auch nicht murren mit bleibt ja noch eine kurze Zeit des Glücks!"

Ich verstehe dich nicht, Licy

Zst auch nicht nötig. Komm, gib mit deine Hand, daß ich dich fühle? . . . Sok . . . Sag', müssen wir der Mutter unsere genaue Adresse mitteilen?"

Gewiß. Warum auch nicht?"

Mein Stiefvater kehrt in ein paar Wochen von Europa zurück. Et soll nicht wissen, wo ich bin . . . Ha, noch zwei ganze Wochen des Glücks! Und bann--«

Er schließt ihr den Mund mit einem Kuß...

Und sie vergißt ihre Sorgen und ihren Kum­met; sie vergißt ben Stiefvater und die Mut­ter und alles andere auf der Welt--außer

ihn, der ihr Glück, ihr Leben, ihr alles ist!

(Fortsetzung folgt.)