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Marburg
Dienstag. 1'6. April 1907.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag' Joh. Aug. Koch, UniversttäiS-Buchdruckerei 42. Jahrg.
Marburg, Markt 2L — Telephon o5.
Marburg bei der Beratung des Kultusetats.
Bei der zweiten Lesung des Staatshaushaltsetats beschäftigte sich das Abgeordnetenhaus in seiner 41. Sitzung am 11. ds. Mts. insbesondere auch mit den Aufwendungen für die !Univerfitäten. In der Debatte trat, wie schon kurz mitgeteilt wurde, der Abgeordnete Geh. Mat v. Negelein (kons.) warm für die Wünsche der Universität Marbu rg ein. Bei dem großen Interesse, das hierzulande allgemein dem Gedeihen der alma mater Philip- pina entgegengebracht wird, halten wir es für angezeigt, die Darlegungen unseres Abgeordneten, sowie die Antwort des Regierungsvertreters und die Aeußerung des Abgeordneten Kammerherrn v. Pappenheim (kons.) auf Grund des amtlichen stenographischen Berichtes ausführlich wiederzugeben.
Geh. Megicrungsrat v. Regelein erklärte zu Titel 8 folgendes:
„Meine Herren, gestatten Sie mir, Ihre Aufmerksamkeit auf die Verhältnisse zu lenken, unter welchen der psychiatrische Unterricht an der Universität Marburg erteilt wird. Ein Universitätsinstitut für Psychiatrie besteht dort nicht. Der zugleich als ordentlicher Professor bei der medizinischen Fakultät angestellte Direktor an der Landesheilanstalt erteilt den Unterricht in den Räumen dieser Anstalt, welche die Stelle einer Universitätsklinik vertritt. Die Landes- Heilanstalt wird vom kurhessischen Bezirksvec- band unterhalten: ihre Beziehungen zur Universität sind rein vertragsmäßig. Längere Jahre hat die bis jetzt bestehende Einrichtung genügt, dSr-ic Zahl der psychiatrischen Hörer verhältnismäßig gering war. Mit der wachsenden Bedeu- tmrg der psychiatrischen Wissenschaft jedoch, und seitdem die Prüfungsordnung für die Mediziner erhöhte Kenntnisse in der Psychiatrie verlangt, genügen die bestehenden Einrichtungen nicht mehr. Die für Unterrichtszwecke in der Landes- Heilanstalt bereitgestellten Räume sind unzureichend. (Sehr richtig!) Der Bezirksverband hat zwar für die Unterbringung und möglichst für die Heilung der Geisteskranken zu sorgen, soweit ihm diese Aufgabe von der Gesetzgebung Zugewiesen ist, die Gelegenheit aber für die Ausbildung der jungen Mediziner zu gewähren, fällt nicht in den Rahmen seiner Wirksamkeit. Roch weitere Räume für diesen Zweck in der Landesheilanstalt zu beschaffen durch Reu- oder Umbauten, ist untunlich. (Sehr richtig!) Wäre dies aber auch ausführbar, so wäre der Sache selbst damit doch in vollkommener Weise gedient; (sehr richtig?) denn die Entfernung der Landes- Heilanstalt von der Stadt und den Universitätskliniken, welche ungefähr 4 Kilometer beträgt, würde immer als Hindernis für einen intensiveren Unterricht bestehen bleiben. Abgesehen oon dem Zeitaufwand, den die Zurücklegung des weiten Weges jedesmal erfordert — die Studierenden werden gegenwärtig auf Wagen nach der Landesheilanstalt befördert, welche wie- derum der Bezirksverband stellt, wozu er durchaus nicht verpflichtet ist —, hiervon abgesehen, ist es den Studierenden nicht möglich, durch häufigere Besuche an der fortgesetzten Behandlung ver ihnen vorgestelltcn Kranken teilzunehmen. Der psychiatrische Unterricht leidet unter dieser Ungunst der Verhältnisse; eine durchgreifende Aenderung ist in hohem Maße wünschenswert. Eine wirkliche Besserung läßt sich nur dadurch herbeiführen, daß in der Stadt in der Nähe der anderen Kliniken eine neue psychiatrische Klinik errichtet wird.
Auf die vollständige räumliche Trennung des psychiatrischen Unterrichts von der Landesheilanstalt weist auch die fortgesetzte Vergrößerung dieser Anstalt infolge Zunahme der Geisteskranken hin; dadurch wird die Krankenbehandlung in der Anstalt immer mehr in den Vordergrund gerückt, während Unterricht und Forschung naturgemäß zurücktreten müssen. Durch eine Unioerfitätsklinik in der Stadt würde allen jetzt bestehenden Uebelständen abgeholfen; insbesondere könnte dann jeder Geisteskranke ohne weiteres ausgenommen werden, ohne daß erst die Frage in schriftlichen Verhandlungen zu erörtern wäre, die jedesmal bei der Aufnahme in die Landesheilanstalt gestellt werden muß: ob der Kranke auch wirklich der Fürsorge des Be- zirksvcrbandes unterliegt. Die Stgdtklinik könnte eine Stätte mustergültiger Einrichtungen sein, in erster Linie bestimmt zum Dienst für den Unterricht und die Forschung in der Psychiatrie.
Die Rahe der anderen Kliniken würde dem psychiatrischen Unterricht zum Vorteil gereichen;
nicht nur wären bann die Studierenden in der Lage, häufiger zum Unterricht und zu klinischen Besuchen sich einzustellen, der erleichterte Verkehr würde auch den Dozenten einen regeren Austausch der Ansichten und Erfahrungen mit den Dozenten an den übrigen Kliniken gestatten und dadurch nutzbringend auf die Pflege der psychiatrischen Wissenschaft und auf den Unterricht einwirken. lieber die Vorzüge einer psychiatrischen Stadtklinik in Marburg gegenüber dem jetzigen Zustand besteht wohl auf keiner Seite eine Meinungsverschiedenheit.
Nun hat der Herr Minister bereits die Errichtung einet Aufnahmestation mit Poliklinik für Geisteskranke in der Stadt in Aussicht genommen. Dadurch würde allerdings der psychiatrische Unterricht in der Landesheilanstalt eine sicherlich nicht zu unterschätzende Ergänzung erhalten; aber ein befriedigender Zustand würde doch nicht hergestellt. Der Herr Minister scheint von dem Gedanken auszugehen, daß, wie bei anderen westlichen Universitäten, wie z. B. Bonn, auch in Marburg eine Aufnahmestation genügen würde. Der Herr Minister wolle aber bedenken, daß die Verhältnisie in Marburg durch die entfernte Lage der Landesheilanstalt ganz besonders ungünstig sind. Die Aufnahmestation mit der sehr beschränkten Zahl von 20 Betten könnte in Marburg nur als Anfang der weiteren Entwicklung zu einer vollen psychiatrischen Klinik gelten.
Die Vorzüge einer solchen Klinik sind doch so bedeutend, daß ihre Errichtung in Marburg unbedingt angestrebt werden muß. In der vollständigen Klinik wird sich erst die Ausbildung der jungen Mediziner so anregend gestalten lasten, daß der notwendige Nachwuchs an Psychiatern gewonnen wird, woran es zur Zeit auch in den Irrenanstalten des Casteler Bezirks noch mangelt. (Abg. v. Pappenheim - Sehr richtig!)
Zunächst wird es darauf ankommen, die Beschaffung eines Bauplatzes, der eine größere psychiatrische Klinik zu umfassen vermag, anzuordnen. Das müßte aber bald geschehen, bevor die Bauplätze in der Nähe der anderen Kliniken mit Privatbauten besetzt werden und dadurch die Auswahl eines geeigneten Grundstücks erschwert wird.
Sodann aber müßte der Herr Minister sich entschließen, der Errichtung einer vollen psychiatrischen Klinik mit 50 bis 60 Betten in Marburg im Prinzip zuzustimmen, die Errichtung einer Aufnahmestation in kleinerem Umfange, die doch nur als ein Uebergang, als eine Abschlagszahlung in Betracht käme, fallen zu lasten. Ganze Arbeit ist hier gewiß notwendig, und ich darf die Hoffnung aller beteiligten Kreise ausdrücken, daß schon im nächsten Staatshaushaltsetat Maßnahmen für eine psychiatrische Klinik in Marburg vorgesehen werden. (Abg. v. Pappenheim: Bravo!)
Ich möchte nun noch ein Wort über das zahnärztliche Institut an der Universität in Marburg hinzufügen. Schon im vorigen Jahre hatte ich die Ehre, von dieser Stelle aus einige Wünsche vorzutragen, die auf eine wesentliche Besserung der Verhältnisse dieses Instituts ab- zielten. Ich hatte dargelegt, wie die Zahl der Studierenden der Zahnheilkunde und auch die Zahl der Pattenten im Laufe der Jahre erheblich zugenommen, hiermit aber das Institut in seinen Einrichtungen nicht gleichen Schritt gehalten hat. Dem zahnärztlichen Leiter des Instituts liegt im wesentlichen die Unterhaltung und auch die Führung des Betriebes ob. Die ihm gewährte Vergütung ist unzureichend; für die Aufwendungen, die er im Interesse des Institutes machen mußte, erhielt er keine entsprechende Entschädigung; er ist hauptsächlich auf die Einnahmen aus der Privatpraxis angewiesen. Die Unterrichtsverwaltung hat die Mißstände, die in dem zu gering bemessenen Zuschuß zur Unterhaltung des Instituts liegen, anerkannt, indem sie im vorigen Jahre eine nicht ganz unbeträchtliche Remuneration bewilligte, wofür ihr Dank gebührt. Sie hat auch für eine weitere Bereitstellung von Mitteln von diesem Jahre ab gesorgt, indem sie den Jahreszuschuß um 300 -st erhöhte; wenn auch hieraus der gute Wille der Unterttchtsverwaltung anzuerkennen ist, so muß man doch sagen, daß noch nicht viel geschehen ist und weit mehr zu tun übrig bleibt. Der jährliche Zuschuß müßte bedeutend erhöht werden, wenn er den Ausgaben einigermaßen entsprechen soll. Es ist auch dringend notwendig, einen besoldeten Assistenten anzustellen, damit das Institut seinen Aufgaben dauernd gerecht werden und den steigenden Anforderungen an die Ausbildung der Studierenden und die Behandlung der Patienten nachkommen kann.
Auch das gesamte Instrumentarium ist mangelhaft und unvollkommen, sodaß umfangreiche Neuanschaffungen geboten sind.
Die Befürchtung liegt nahe, daß, wenn nicht bald Abhilfe kommt, ein Rückgang des Instituts eintritt. Eine besondere Schwierigkeit, welche sich der gedeihlichen Entwicklung des Instituts entgegenstellt, bieten die Räume, worin es jetzt mietweise untergebracht ist. Diese haben sich längst als zu klein erwiesen und sind zum Teil vom hygienischen Standpunkt aus zu beanstanden, d. h., sie sind ungesund; das ist amtlich nachgewiesen. Um das zahnärztliche Institut auf eine bessere Grundlage zu stellen, ist es daher vor allem nötig, für eine anderweitige Unterbringung Sorge zu tragen. Gelegenheit hierzu ist in Marburg geboten; der Erwerb -eines geeigneten Grundstücks würde nicht auf unüberwindliche Schwierigkeiten stoßen. Es kommt nur darauf an, die erforderlichen Mittel bereit zu stellen, Mittel für ein Jnstitutsgebäude, Mittel für die Unterhaltung des Betriebes und Mittel für eine Hilfskraft. Das alles ist notwendig, und je eher das Notwendige geschieht, desto besser für alle Beteiligten, wozu ich nicht nur die Universität und die Studierenden, sondern auch die Bevölkerung der Stadt und der benachbarten Kreise rechne, die auch ein wesentliches Interesse daran hat, daß das Institut auf der Höhe steht und alle billigen Anforderungen, auch der Patienten, zu erfüllen vermag. Der Herr Minister wolle dem Institut, das eines der ältesten an den preußischen Universitäten ist und deshalb vielleicht eine gewisse Bevorzugung verdient, sein Wohlwollen erneut zuwenden und es aus den in der Tat unerfreulichen, ja unhaltbaren Zuständen in bessere Bahnen hinüber- letten.“ (Abg. v. Pappenheim: Bravo!)
Dr. Naumann, Wirkl. Geh. Oberregierungs- rat, Regierungskommissar, gab hierauf folgende Antwort:
„Meine Herren, der psychiatrische Unterricht wird an den Universitäten Marburg, Göttingen und Bonn in den dortigen Provinzialirrenanstalten erteilt auf Grund von Vertrügen, die seiner Zeit mit den Provinzialverbänden abgeschlossen worden sind. Diese Einrichtung ist keine vollkommene; das hat die Unterrichtsverwaltung wiederholt anerkannt. Sie ist deshalb in Bonn und Göttingen zu einer Ergänzung dieser Einrichtungen übergegangen, indem dort Aufnahmestationen in Verbindung mit Polikliniken begründet worden sind. Eine solche Aufnahmestation ist im vorigen Iahte in Göttingen ins Leben getreten, und in dem (Etat, bet bet Beschlußfassung bes Hohen Hauses unterbreitet ist, finiten Sie die Mittel für eine solche Aufnahmeanstalt in Bonn angefordert.
Die Unterrichtsverwaltung hat nun bisher geglaubt, eine ähnliche Ergänzungseinrichtung würde sich auch unschwer in Marburg schaffen lassen. Aber es ist anzuerkennen, daß die Ausführungen des Herrn Vorredners es doch angezeigt erscheinen lassen, die ganze Frage nochmals gründlich zu prüfen. Die Unterrichtsverwaltung ist dabei auf die Mitwirkung der Provinzialverwaltung angemiefen; denn sie kann eine solche Ergänzungseinrichtung nicht schaffen, wenn nicht die Provinzialverwaltung ihre Hand dazu bietet. Das alles muß geprüft werden, und es wird dabei nichts verabsäumt werden, was im Interesse des klinischen Unterrichts in der Psychiatrie an der Universität Marburg notwendig ist.
Was sodann das zahnärztliche Institut an- betrifft, so gehört bas Marburger Institut zu den sogenannten subventionierten. Der Lehrer ber Zahnheilkunde bekommt eine bestimmte Summe überwiesen und ist dafür verpflichtet, den Unterricht zu erteilen. Natürlich ist nur eine Persönlichkeit gewählt, welche alle Garantien dafür bietet, daß sie den Unterricht in sachgemäßer Weise erteilt. Nun gebe ich zu: die Subvention ist bescheiden. Sie wird im Staatshaushaltsetat für 1907 auf 300 M. jährlich erhöht; aber es kann ja vielleicht noch etwas mehr geschehen. Der Herr Minister ist bereit, schon jetzt eine Ergänzung bes Instrumentariums vorzunehmen, sobaß nach biefer Richtung eine Besserung eintritt.
Was bie Beschaffung von Räumen für biefes Institut anbetrifft, so bietet sich vielleicht schon rascher, als bisher zu erwarten war, eine Gelegenheit, ihm bessere und größere Räume zu überweisen. Die Unterrichtsverwaltung wird es sich angelegen sein lassen, baß nach dieser Richtung hin eine Besserung eintritt.“ (Bravo!)
Abgeordneter v. Pappenheim (kons.) gab alsdann seiner Freude darüber Ausdruck, daß die Königliche Staatsregierung die Absicht ausgesprochen hat, die Verhältnisse in Marburg einer
Revision und zwar einer sehr energischen Revision zu unterziehen, und fuhr dann fort: „Der Herr Vertreter bet Staatsregierung hat dabei an bie Hilfsbereitschaft der provinziellen Verwaltung appelliert. Ich kann ihm versichern, daß die provinzielle Verwaltung in ihrem eigensten Interesse Entgegenkommen zeigen wird. Wit werden nicht nur unser ganzes Krankenmaterial zur Disposition stellen, sondern auch in jeder andern Richtung die Pläne der Regierung möglichst zu fördern wissen. Denn es liegt in unfern eigensten Interesse, daß in der Psychiatrie, besonders jetzt, wo sie einen offiziellen Teil bes Examens bildet, auch für die Studenten mehr geschieht. Schon jetzt ist ein s» bedauerlicher Mangel an jungen Merzten und Spezialisten in der Psychiatrie, daß die Provinzialverwaltungen für die Besetzung von Assi- stenzarztstellen und auch von Oberarztstellen oft geeignete Kräfte absolut nicht finden. Es liegt also, wie gesagt, im eigensten Interesse der Provinzialverwaltungen, baß bie Ausbilbung tüchtiger Psychiater an ben Universitäten gefördert wird."
Hierauf erklärte Präsident v. Kröcher: „Die Besprechung ist geschlossen. Tit. 8 ist nicht angefochten; er ist bewilligt.
Deutscher Reichstag.
Im Reichstag wurde am Sonnabend (28. Sitzung) bie Beratung bes Etats des Reichsamts bes Innern fortgesetzt. Abg. Schmidt (Soz.) bemerkte in feiner Rebe, er wäre ber erste, bet bie Verluste der Sozialdemokratie bei der letzten Reichstagswahl als reichlich ausgewogen erklären würde, wenn bet liberale Block eine fruchtbare Sozialpolitik treiben würde. Aber er glaube nicht an eine solche fruchtbare Sozialpolitik, solange es in Preußen so bleibe wie bisher. Er macht ber Regierung zum Vorwurf, daß sie noch immer nicht bie Krankenkassenversicherung in der Landwirtschaft eingeführt, und bisher nichts für die Hütten- und Walzwerkarbeiter getan habe. Auch bei der Hamburger Hafenarbeiteraussperrung habe die Regierung zugelassen, baß ausländische Hafenarbeiter den deutschen Konkurrenz machten. Was die Unfallrente betreffe, so habe er im Gegensatz zum Staatssekretär bett Eindruck, daß die Verussgenosienschasten bei Gewährung von Unfallrenten eher zu peinlich zu Werke gehen. Staatssekretär Gras Posa- dowsky bemerkte, der Vorredner habe in seiner Rede denSegenanetkannt,betindet fozialpolitischen Gesetzgebung liege;solcheÄeußetungenhabeman von Rednern der sozialdemokratischen Partei noch nicht gehört. Wenn es vorgekommen sei, daß Renten entzogen wurden, so sei dies aus schwerwiegenden Gründen in sehr flagranten Fällen geschehen. Aus gestern berührte Fragen bemerkte ber Staatssekretär, ein vorläufiger Entwurf zur Revision bet Bestimmungen über bie Sonntagsruhe sei bereits ausgearbeitet. Ebenso seien bie neuen preußischen Submiffionsbedingungen, außer bei bei Heeres- und Marineverwaltung, bereits im allgemeinen eingeführt. Aber auch bei letzterer Verwaltung habe et um beschleunigte Einführung bet neuen Bedingungen ersucht. Was die Frage bet Heranziehung von Betrieben zu Beiträgen für Handelskammern betreffe, so empfehle es sich, abzuwarten, zu welchem Ergebnisse die Erhebungen bes preußischen Handelsministers fuhren wurden. Bei allen sozialpolitischen Verordnungen seien so tiefe Eingriffe in bas gewerbliche Leben zu berücksichtigen, baß eine große Vorsicht notwendig sei. Wenn dem Reichstage erst alle die Gesetzentwürfe zugehen, so werde et dem Bundesrate wohl das Zeugnis geben, daß er fleißig gearbeitet habe. Abg. Wieland (fübb. Vpt.) meinte, ber Mittelstand müsse als Mittelglied zwischen Eroßinbusttie und Atbei- tetstand bestehen bleiben. Auch dem Handwerk müsse geholfen werben, boch bezweifle et, baß bet Befähigungsnachweis dies erreichen werbe. Zu emvfehlen fei bie Einführung der Arbeitslosenversicherung für bas Handwerk, auch müsse der Staat dem Handwerk mit niedrig verzinslichen Anleihen unter bie Arme greifen. Di« Sicherung bet Bauforderunaen müsse endlich zu- standekommen. Abg. Rieieberg (witttch. Vag.) trat gleichfalls für die Fördetung des Mitt telstandes ein und sprach seine Genugtuung darüber aus, daß endlich auch einmal ein Mitglied der Linken für den Mittelstand eingetreten sei. Auch Abg. Irl (Ztr.) befürwortete Wünsch«, des Mittelstandes. Abg. Dr. Srmmler (ntl.) verbreitete sich übet die Hamburger Hafenarbeiter-Aussperrung und bemerkte, bet ben Reebe- teien gemachte schwere Vorwurf, sie hätten bie Kapitäne angewiesen, stets schnell zu fahren, ohne Rücksicht auf bie Umstände, sei völlig unberechtigt, und et müsse gegen diesen Vorwurf aus bas entschiedenste protestieren. Die Schulen bet langen Arbeitszeit bet Schauerleute liege