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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

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Marburg

Sonnta« 14. April 1907.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck und Verlag' Joh. Aug. Koch, UniversttätS-Buchdruckerei Marburg, Markt 21. Telephon 55.

42. Jahrg. -

Zweites Blatt.

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Zm Zeichen der Sozialpolitik.

Die Befürchtungen der Schwarzseher und po­litischen Angstmeier, ' die Fürst Bülows Po­litik der konservativ-liberalen Paarung ein bal­diges, rühmloses Ende voraussagten, sind durch das, was der neue Reichstag bisher geleistet, glänzend widerlegt worden. Der nationale Ge­danke, der die Wahlen beherrschte, hat wie all­bekannt, in dem ersten Sessionsabschnitte der Reichsregierung den Erfolg gebracht, den sie im Vorjahre vergebens erstrebte, und es mehren sich wie auch die Tagung des deutschen Han­delstages bewies die Zeichen dafür, daß der Umschwung in der Beurteilung der kolonialen Fragen, der sich in dem zustimmenden Votum des Reichstages zum südwestafrikanischen Rach- tragsetat ausprägte, von Dauer sein wird. Dafür aber, daß die konservativ-liberale Mehrheit des neuen Reichstages auch weiterhin zusammenhal­ten und sich insbesondere bei Erledigung des Reichshaushalts bewähren wird, hat Fürst Bü­low dadurch Sorge getragen, daß er die Losung gab, die Sozialpolitik im Geiste des Alt­reichskanzlers weiterzuführen. Dadurch hat er die Möglichkeit für ein weiteres friedliches Zu­sammenarbeiten der Vertreter der beiden großen politischen Richtungen geschaffen: denn soziale Reformvorlagen können wohl als die Themen bezeichnet werden, bei denen ein Konflikt zwi­schen der Regierung und dem nationalen Block Hder innerhalb des Blockes selbst ausgeschlossen sein müßte.

- - Daß von konservativer Seite der Reichsregie- Nttrq bei Durchführung dieser Aufgaben treue Hoeresfolge geleistet werden wird, darf als sicher 'angenommen werden, zumal die Dresdener Tagung der sächsischen Konservativen wiederum deutlich bewiesen hat, daß die Konservativen in großen Fragen, die das Volkswohl betreffen, sehr wohl zu einer Verständigung mit dem Liberalis­mus bereit sind. Auch von der großen Mehrzahl der Liberalen darf man in den Fragen der so­zialen Fürsorge wohl ein ähnliches Verhalten erwarten. Eine Ausnahme hiervon scheint nur dieFreisinnige Vereinigung" machen zu wollen, deren Führer auf der jüngst in Berlin abgehal­tenen Tagung des sogenannten Wahlvereins der Liberalen wiederum bedenkliche Proben von Parteifanatisnms gegeben haben, indem sie in heftigster Weise den Kampf gegen die Konser­vativen proklamierten. Erfreulicherweise aber ist ja diese öfters mit denGenossen" koket­tierende äußerste Linke der Liberalen, zu der be­kanntlich auch die Nationalsozialen zählen, im Reichstage nur schwach vertreten sind, sodaß von ihnen eine ernste Gefährdung des sozialen Re- formwerkes kaum zu befürchten steht. Immerhin

Marburaer

Studenten - Erinnerungen.

Von L. Müller.

(gotileBttna.)

28. Aus westfälischer Zeit.

Noch etwas anderes ereignete sich in Mar­burg, das für die Studenten verhängnisvoll werden konnte. Dieses Ereignis legt Zeugnis ab von der polizeilichen Ueberwachung in der westfälischen Zeit.

Jedes Jahr nämlich kamen die Prager Musi­kanten hierher, die bei den Studenten nicht allein eine freundliche Aufnahme fanden, auch einen lohnenden Verdienst hatten sie. Sie wur­den in die Gärten der Studentenverbindungen eingeladen. So luden denn auch die Hessen diese in ihren Garten ein, der auf der rechten Seite des Ockershäuser Weges lag. Wahrschein­lich war es derSeibs Garten", der jetzige Totenhof. Auch Studenten, die nicht zur Ver­bindung gehörten, und andere Leute gingen da- shin. Unter den Märschen spielten die Prager auch den Marsch des Erzherzogs Karl, und nach­dem die Musik fertig war, trat einer, namens Lodemann, auf und rief:Karl soll leben und Deutschland auch! Ein Pereat den Franzosen!", und da kamen noch andere und brachten roten und weißen Wein, die hessischen Landesfarben darstellend und riefen:Der Kurfürst soll leben hoch!" Alle stimmten jubelnd mit ein. Nun «ab es aber doch besonnenere Köpfe, die be­schwichtigten, und so ging es ruhig ab. Mit [iniger Bangigkeit mochten wohl die ersten Ru- er nach Hause gehen, aber man dachte es wird niemand etwas verraten, jedoch es sollte anders Mimen. Am folgenden Tage wurden 4 Stu­renten vor de« Polizei-Kommissar gefordert.

aber hat das Auftreten des nationalsozialen Ab­geordneten Naumann in der Donnerstags­sitzung des Reichstages zur Genüge bewiesen, daß von dieser Seite die Sozialpolitik der ^eichs- regierung zum mindestens nicht die freudige Zu­stimmung und Unterstützung finden wird, deren sie bedarf, um recht bald gesetzmäßige Form zu erhalten.

Naumanns Jungfernrede im Reichstage war es auch, gegen die sich Graf v. Posadowsky wandte, als er die Erundzüge seines sozialen Reformprogramms zu entwickeln begann. Unter lebhaftem Beifall der Rechten wies der Staatssekretär des Innern nach, daß in der Praxis des Lebens die Dinge sich nüchterner prä­sentieren, als sie dem Philosophen Naumann er­scheinen, dessen Rede einen Ausländer zu dem Schlüsse verleiten müßte, daß Deutschland in sozialpolitischer Beziehung hinter anderen Staa­ten zurückstehe, die nach Ansicht des national­sozialen Redners eine wesentlich liberalere Ver­fassung haben. Und doch mühe man sich in der freien" Republik Frankreich noch damit ab, eine Einkommensteuer einzuführen, worüber schon mehrere Ministerien gepurzelt seien, wäh­rend wirRückständler" in Preußen u. Deutsch­land eine Einkommensteuer, und zwar progressiv steigend nach der Größe des Vermögens, als eine ganz selb st ver stündliche Sache betrach­ten. Ferner gehe man in England, dem li­beralen Musterstaate jetzt damit um, eine Jnvalidenpension für Arbeiter einzurichten. Auch wolle man jetzt dort das ungefähr machen, was Stein und Hardenberg vor etwa 100 Jahren in Preußen gemacht haben, nämlich mit Staatsmitteln kleinere Bauern ansiedeln. Dabei habe sich das ergötzliche Schauspiel ereig­net, daß ein Führer der L i b e r a l e n der gegen­wärtigen englischen Regierung den Vorwurf machte, daß eine solche Maßregel zur Revolution und zum Umsturz führen müsse. Treffend war auch die Kritik, die Graf Posadowsky an einem Aufsatze D. Naumanns in dem von diesem herausgegebenen BlatteDie Hilfe" übte. Da hatte derReichs-Illusionist" geäußert, Graf Posa triebe eineSozialpolitik der sorgfältigst und fleitzigst ausgearbeiteten Bevormundung". Nach der Lektüre dieses Aufsatzes in derHilfe" sei er, der Staatssekretär sehr gespannt gewesen, wie denn eigentlich nach Herrn Naumanns An­sicht die Sozialpolitik im einzelnen praktisch im Wege der Gesetzgebung betrieben werden solle. Aus Naumanns Rede aber habe er das nicht so ganz hervorgehen sehen. Mit köstlicher Ironie wie wir schon in unserem gestrigen Reichs­tagsberichte andeuteten wies Graf v. Posa­dowsky darauf hin, daß, wenn wir so edle Men­schen sein würden, wie die Herren von der So­zialdemokratie voraussetzen, daß sie in Zukunft sein werden, Menschen, die alles tun aus Liebe zum Nächsten, zum Bruder, die alles tun, um der Gemeinsamkeit zu dienen, die den ganzen Egois­mus unterdrücken und nur die allgemeine Wohl-

Wolff verlangte die Namen der Ausbringer des Hochs zu wissen. Die Studenten antworteten ausweichend, und so wurden sie ins Karzer ge­sperrt. Am nächsten Tage wurden 3 andere vor­gefordert, darunter Schuler, der doch zu denen gehörte, die Ordnung stifteten. Er wollte natür­lich nicht sagen, was er von Hörensagen wußte, und so wurden auch diese 3 zu den anderen ein­gesperrt, wobei sie ein vergnügtes Leben führten. Die Studenten bekamen alles mögliche, Wein, Essen zugeschickt, sie unterhielten sich mit theatra­lischen Aufführungen und die Präfekturgardi­sten, welche Wach« hielten, mußten helfen. Un­ter diesen waren Spangenberger, Landsleute von Schüler, die sich gut kannten.

Dieses Spiel trieben sie eine Woche lang, da wurde es ernster. Um 4 Uhr morgens wurden die 4 ersten Studenten aus den Betten geholt, und falls sie nicht geständig, sollten sie nach Cassel insCastell abgeführt werden. Dann kamen die drei anderen daran, und zwar verfuhr man so vorsichtig, daß die aus 48 Mann bestehende Präfekturgarde die Kutschen mit den Studenten zum Eltsabethtor hinaus begleitete. In dem Castell waren die Bestrebungen eines gewissen Rosenmeyer, der die Untersuchung leitete, eine Revolution herauszubringen. Da kam der 15. August, der Napoleonstag, den Untersuchungs­gefangenen zu Hilfe. Da bei der Untersuchung nichts herauskam, wurden alle Studenten des besonderen Tages halber mit der Weisung ent­lassen, daß sie zwar alle strafbar seien, aber von Sr. Majestät begnadigt worden wären. Sie sollten aber unter polizeilicher Aufsicht stehen, und wenn so etwas wieder vorkäme, drohte man mit harter Strafe.

Nach diesen Vorgängen war der Chef der hohen Polizei von den Marburger Studenten nicht erbaut, er machte eine Beschwerdeschrift an

fahrt im Herzen tragen, dann ja dann brauch­ten wir keine Gesetzgebung der Bevormun­dung, keine Gesetzgebung der Repression, dann würde sich alles, wie in den ersten christlichen Ge­meinschaften im Wege der gegenseitigen Liebe, der gegenseitigen Unterordnung vollziehen.

Nach dieser scherzhaften Verteidigung seines Systems entwickelte Gras Posadowsky sein weitausschauendes Reformprogramm, das im Laufe der nächsten Jahre bedeutende Anforderungen an die Arbeitskraft des Hauses stellen wird. Rückständig aus der vorigen Ses­sion sei noch das Gesetz über die Maß- und Gewichtsordnung, dann noch das Gesetz über den Unter st ützungswohnsitz, und das sehr wichtige Hülfskassengesetz. Dringend erforderlich sei das Gesetz über die Herstellung von Zigarren in der Hausindustrie: die Verhältnisse in der Hausindustrie könnten gar nicht alle durch ein Gesetz geregelt werden. Ferner werde wieder das Gesetz über den kleinen Befähig­ungsnachweis vorgelegt werden (Beifall rechts) und ein neues Gesetz über die A b w e h r und Unterdrückung von Viehseuchen. In Vorbereitung sei zur Zeit ein Vereins­und Versammlungsgesetz. Das Be­rufsvereinsgesetz sei nur deshalb früher vorgelegt worden, um den Wünschen des Reichs­tages entgegenzukommen. Wäre der Reichstag nicht geschlossen worden, so wäre dieses Gesetz wahrscheinlich zur Annahme gelangt. Auch er halte es für praktischer, das Vereins - und Versammlungsgesetz vorweg zu neh­men. Es werde dann eine Kleinigkeit sein, auch das Gesetz über die Berufsvereine zu regeln, nach der privatrechtlichen Seite hin: denn die öffentlich-rechtliche Seite werde ja durch das Vereins- und Versammlungsgesetz festgesetzt wer­den. Nachdem sich der Staatssekretär des Wei­teren über dieses Gesetz ausgesprochen hatte, wo­bei er wiederum Beifall und stürmische Heiter­keit erweckte, kam er auf den von ihm bereits vor zwei Jahren zur Diskussion gestellten Vorschlag des Zusammen­legung der drei sozialpolitischen Gesetze zu sprechen. Das ganze Kran­kenkassenwesen müsse ein festeres, klareres Gerippe bekommen, dieses Ge­setz sei bisher nur ein Notgesetz gewesen. Aber es sei ein Irrtum, zu glauben, daß dieses Krankenkassengesetz in befriedigender Weise reformiert werden könne ohne gleich­zeitige Aenderung gewisser Bestim- mungen der beiden anderen sozial­politischen Gesetze. In der Theorie könne man wohl diese drei großen Versicherungs­zweige zusammenlegen, in Wirklichkeit werde aber eine solche automatische Behandlung der Sache den allergrößten Schwierigkeiten begeg­nen. Es wäre sehr falsch, die großen selbstbe­wußten Korporationen, die großen Kranken­kassen und Verufsgenossenschaften mit ihrem Vermögen und die Knappschaftskassen schematisch in einen Topf zu werfen. Man müsse nicht um­reißen, sondern das Vorhandene den Bedürf­nissen entsprechend auszubauen versuchen. Die ganze Gesetzgebung müsse vereinfacht

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den Generaldirektor des öffentlichen Unterrichts, den Staatsrat Leist in Cassel, daß die hiesigen Studiosen jeden Abend, sobald es anfange dunkel zu werden, sich mit dicken Stöcken bewaff­neten, mit brennenden Pfeifen tumultuarisch auf dem Marktplatz zusammenrotteten, un­passende Lieder singen und die Polizei ver­höhnten.

Der General-Kommissar erhielt darauf den Auftrag, den Prorektor zum Bericht aufzufor­dern, wie aus folgendem ersichtlich ist.

Marburg, 15. Dezember 1811.

Herr General-Kommissar der hohen Polizei!

Dem Herrn Staatsrat Generaldirektor des öffentlichen Unterrichts ist angezeigt worden:

Daß die Studierenden sich jeden Abend so­bald es anfange dunkel zu werden, sich mit dicken Stöcken bewaffnet und mit brennenden Pfeifen, auf dem Marktplatze tumultuarisch zusammen­rotten, unpassende Lieder singen, die Bürger in­sultieren und die Polizei verhöhnen. Unge­achtet daß ich mir alle Mühe gegeben, mit Hülfe der Disziplinar-Deputation durch Ausschicken von Pedellen, durch Erkundigungen mehrerer Bewohner am Markte, jene angeblichen Ver­gehen auszumitteln, die solidesten Studierenden habe ich vernommen. Es ist mir doch nicht ge­lungen etwas dieser Art in Erfahrung zu brin­gen und niemand will von jenen groben Ex­zessen, die doch nicht verborgen bleiben können, etwas wissen. Ich habe nun zwar alle Maß­regeln genommen, um dergleichen Vergehen für die Folge zu verhüten. Da mir indessen viel daran gelegen ist, mich über den Grund oder Un- grund jener Anzeige auf das Genaueste zu unter­richten, so nehme ich mir die Freiheit mich des­halb an Sie zu wenden. Bei Ihrer steten Wach­samkeit für Handhabung guter Polizei würden

werden, zuerst gelte es, den Unterbau zu ver­breitern.

In längeren Ausführungen ging alsdannGr<a Posadowsky auf die Frage der landwirt- schaftlichen Renten ein u. führte aus, daß bei der Feststellung von Renten sehr leichtfertig vorgegangen werde. Das beängstigende Anwachsen der Renten hänge mit einer mangelhaften Vorbereitung der Anträge und ungenügender Einführung der Unfallver­hütungsvorschriften zusammen. Bei der Zu­sammenlegung der Versicherungsgesetze müsse man mit der Reform des Kranken­kassengesetzes beginnen. Die Schieds­gerichte müßten anders gestaltet und der In­stanzenweg wesentlich vereinfacht werde... Dann lasse es sich aber auch nicht länger hinausschie­ben, die Heimarbeiter, die Landwirt­schaftsarbeiter und die Dienstboten in die Krankenversicherung aufzuneh- nehmen. Sollte sich dadurch eine Modifika­tion der gesamten sozialpolitischen Gesetze erreichen lassen, so würde das außer­ordentlich nützlich fein. Die ganze Gesetzgebung würde klarer werden und die vielen Prozess« würden vermieden werden. Es solle ferner ein Gesetz über den Arbeiterschutz in der Hausindustrie, über die Nachtruhe und und über den zehnstündigen Arbeits­tag der Arbeiterinnen vorgelegt wer­den. Ferner solle im Herbst das Gesetz über die Arbeitskammern, das Gesetz über die Unfallversicherung und bas Feuerwehr-Versicherungsgesetz ein­gebracht werden, ebenso die Regelung der Sonntagsruhe, wobei er schon jetzt zuge­stehe, daß eine Reihe von Ausnahmen in Zu­kunft wahrscheinlich nicht mehr notwendig sein werde. Das Apothekergesetz sei der Oef- fentlichkeit bereits übergeben und das über den unlauteren Wettbewerb werde vorge­legt werden. Hierzu seien Sachverständige aus allen Kreisen gehört worden, und die Anhörung der Handelskammern habe man sich vorbehalten.

Die ungeheuere Ausdehnung der sozialpoli­tischen Gesetzgebung, die durch dieses Reform­programm des Grafen Posadowsky angekündigt wird, zeigt, wie eifrig die Reichsregierung be­strebt ist, auf den bewährten Bahnen staatlicher Fürsorge zum Wohle der arbeitenden Klassen zielbewußt fortzuschreiten zum wirtschaftlichen Besten des ganzen deutschen Volkes.

Deutscher Reichstag

Der Reichstag setzte am Freitag die allge­meine Besprechung des Etats des Reichsamts des Innern fort. Erster Redner war der Abgeordnete Pauli-Potsdam (kons.), der die Forderungen des Mittelstandes mit Nachdruck befürwortete. Er stellte die Zustimmung der Konservativen zur Witwen- und Waisenverstcherung zu Gunsten der Industriearbeiter in Aussicht, sofern di« Lasten dieser neuen Versicherung nicht wieder dem Mittelstände auferlegt werden. Seine Par, tei wolle nicht, daß einer Handvoll Millionären

Ihnen dergleichen grobe Störungen öffentlicher Ruhe und Sicherheit gewiß nicht entgangen sein und Sie würden nicht verfehlt haben, kräftig« Maßregeln dagegen zu ergreifen. Sie sind daher am besten im Stand, mich über solche Tatsachen zu unterrichten, weshalb ich Eie gehorsamst er­suche, mir dasjenige, was Sie von jenen angeb­lichen Exzessen der Studierenden wissen, zu er- öffnen und mich in den Stand zu setzen, die Ur­heber der auffallenden Störungen der öffent­lich Sicherheit der Universität zu entfernen.

Ich rechne auf die Gefälligkeit um so mehr, da ich nur unter der so sehr erbetenen Mitwirkung der hohen Polizei-Behörden im Stande bin, ein« strenge Disziplin unter den Studierenden zu handhaben. Genehmigen Sie die Versicherung meiner ausgezeichneten Hochachtung

Der Prorektor der Universität. Bauer.

An

den Herrn General-Kommissar der hohen Polizei von Wolff

Hierselbst.

Der General-Kommissar fordert darauf den Polizei-Kommissar Bott zum Bericht auf, dieser schreibt:

Marburg, 17. Dezember 1811.

Herr General-Kommissar!

Infolge verehrlichen Auftrags, Ihnen Aus­kunft über das Betragen der Studierenden zu geben, habe ich die Eyre zu berichten, daß der größere Teil der Studierenden aus soliden Men­schen besteht, indessen finden sich unter diesen einzelne Individuen, welche unruhige Köpfe sind.

Um die Ruhe und Ordnung in der Stadt zu erhalten, wurden durch den Präfetten von Trott alle Kommerse, sowie auch Nachtmusiken, weil diese gewöhnlich in den Häusern selbst, wo ste.