Einzelbild herunterladen
 

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain,

SomrtaaSbettaaer AlkrLtrdrteS SimnhAMMtt.

M 86

vierteljährlicher Bezugspreis^ der o« Expedition 2 Mk bei allen Postämtem 2,25 Ml. <tjtL Bestellgeld).

AnsertionSgebühr: die gespallene Zeile oder deren Raum 15 Psg.

Rcelamcn: die Zeile 80 Pfg.

Marburg

Sonnabend 13. April 1907.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck und Verlag' Ioh. Sag. Koch, UniversitLtS-Brichdruckerei 42. Jahrg.

Marburg, Markt 21. Telephon 55.

Der deutsche Handelstag und die deutschen Kolonieen.

r Auf dem jüngst in Berlin abgehaltenen Deutschen Handelstage wurde in Gegenwart des stellv. Kolonialdirektors Dernburg auch die Kolonialfrage eingehend besprochen. Be­richterstatter war Kommerzienrat Werner aus Hannover. Dieser gab seiner freudigen Genug­tuung Ausdruck, daß langsam aber sicher eine tzünstigere Beurteilung des kolo­nialen Besitzes im deutschen Volke d u r ch d r i n g e. Unsere Kolonialpolitik sei in eine neue Phase eingetreten, die sie hoffent­lich nun endlich weiterbringen werde. Es habe gewiß auch bisher schon eine koloniale Bewegung in Deutschland gegeben. Aber diese Bewegung fei zu theoretisch, zu abstrakt gewesen. Auch die Regierung habe erst vor kurzer Zeit anerkannt, daß ein anderes Tempo in der kolonialen Entwickelung eingeschlagen werden muß. Das deutsche Volk sei 'keineswegs kolonialmüde ge­worden. Die Regierung habe es nur nicht ver­standen, das vorhandene koloniale Interesie zu wecken, das deutsche Volk von der Güte unserer Kolonien zu überzeugen. In dieser Beziehung dürften auch ungünstig eingewirkt haben die zweifellos in der Verwaltung vorgekommenen Mißgriffe. Auf fremdem Boden, in Sieben­bürgen hätten die Deutschen große koloniale Er­folge erreicht. Das sollte derselbe Menschenschlag nicht auf deutschem Boden, auf dem die schwarz- weiß-rote Flagge weht, erzielen können? Wenn es in der kurzen Zeit, in der sich Deutschland ko­lonialen Besitzes erfreut, schon gelungen ist, den Handel mit den Kolonien auf 100 Millionen zu brrngerk, so berechtige das zu der Hoffnung, daß hf absehbarer Zeit die Kolonien zu einer wert­vollen Stütze des Heimatlandes werden. In England bilden die Kolonien die Grundlage des großes Weltreichs. Nun sind ja die deutschen Kolonien nicht mit den englischen zu vergleichen. Aber weshalb sollte Deutsch-Süd-Westafrika we­niger entwickelungsfähig sein, als die benach­barten englischen Gebiete, weshalb Togo und Kamerun weniger, als das benachbarte fran­zösische Gebiet? Man müsse dahin streben, in den Kolonien lohnende Arbei' für den ständigen Bevölkerungszuwachs zu schaffen. Gelinge das Nicht, so gehen wir schweren politischen und wirt­schaftlichen Schädigungen entgegen. So wenig die deutsche Landwirtschaft in der Lage fei, den Bedarf des einheimischen Marktes allein zu decken, so wenig könne die deutsche Industrie dir Gesamtheit der Arbeiter im Inland beschäftigen. Luch handelspolitisch sei kolonialer Besitz von frohem Wert. Die Wirtschaftsgebiete gehen mmer mehr dazu über, sich gegenseitig durch hohe Schutzzölle abzuschließen. Die Kaufkraft

18 tNachdruck verboten.)

In der Schllle des Leidens.

Roman aus dem New-dorker Leben

von Erich Friesen.

(Fortsetzung.)

Die Glocke ertönt ...

Alles eilt auf die Bühne, hinter den Kulissen »as Stichwort erwartend.

Felicie hat erst später in einer kleinen Rolle aufzutreten. Sie nimmt sich nicht erst die Mühe, khr Gesicht zu schminken. Hastig wirft sie ihr Kostüm über.

Dann eilt sie in die Kuliffen, um .Romeo" undJulia" zu beobachten.

Die gefeierteLiebhaberin" wird bei ihrem Auftreten mit lebhaftem Applaus begrüßt. Gleich einer Königin schreitet sie mit stolz er­hobenem Haupt über die Bühne.

Wie schön ist sie und wie gut!" preßte Fe­licie zwischen den Zähnen hervor.Ha, ich hasse ihre Schönheit und ihre Güte! Sie liebt Norbert < jetzt weiß ich es gewiß... Und er?... Hat er mir auch nur ein liebevolles Wort gesagt, als ich ihm das Säckchen mit den Banknoten über­reichte? Er nahm es entgegen, als wäre cs ein Sack mit Kupfermünzen! Und doch mein Gott um welchen Preis habe ich diese Banknoten erkauft!"

Leise aufschluchzend bedeckt sie das Gesicht mit den Händen. Dann starren ihre brennenden Augen wieder auf die Bühne, woRomeo" so­eben seinerJulia" erklärt: Die Lerche ist es nicht, es die Nachtigall

Sie denkt gar nicht daran, ihre Empfin­dungen zu verbergen. In kollegialer Liebens­würdigkeit beginnen die Umstehenden sie aufzu­ziehen ....

Noch unter dem Einfluß ihrer seelischen Er­regung spielt sie ihre kleine Partie mit einer Verve und Innerlichkeit, daß enthusiastischer Beifall ihrem Abgang folgt.

und Entwickelung unserer Kolonien werde am besten durch eine vermehrte Ansiedelung von Deutschen gefördert werden, und auch diese sei nach dem Urteil der Sachverständigen in weiten Gebiete« wohl ausführbar. An der Spitze der Produtte, die für unsere Industrie wichtig find, steht unter den Kolonialerzeugnissen die Baum­wolle. Der Wert der Einfuhr von Baumwolle nach Deutschland habe int Jahre 1905 470 Mil­lionen Mark betragen. Von ihrer Weiterver­arbeitung leben hunderttausende deutsche Arbei­ter. Wenn es auch nur gelänge, mit Hilfe der deutschen Kolonien einen kleinen Ueberschuß über den Weltbedarf zu erzielen, ließe sich die Mono­polstellung des amerikanischen Trusts brechen, ganz ähnlich liege es beim Kupfer; von hoher Bedeutung seien weiter Kautschuk und Wolle. Das erste Erfordernis für die vermehrte Aus­nutzung der Naturschätze der Kolonien fei die Ausgestaltung der Verkehrswege, der Bau von Eisenbahnen und Häfen und die Einrichtung eines regelmäßigen Schiffsverkehrs. Das kolo­nialwirtschaftliche Komitee habe praktische Vor­arbeit für die Erschließung der Kolonien ge­leistet. Das Reichskolonialamt könne, wie Exz. Dernburg richtig ausgeführt, im Volke nur Wis­sen über die Kolonien verbreiten und Begeiste­rung für sie wecken. Er füge hinzu:das muß cs. Daß Kolonialdirektor Dernburg diese seine Aufgabe richtig erkannt habe, dafür müsse man ihm aufrichtig dankbar sein. (Lebhafter Bei­fall). Er zweifle nicht, daß Handel und In­dustrie seiner Aufforderung entsprechen werden, an der Erschließung der. Kolonien fleißig mitzu- arbeiten. Dann werden wir aus den Kolonien machen können, was sie werden sollen, ein Se­gen für unser Volk und Vaterland.

Nachdem Redner unter stürmischem Beifalle geschloffen, wurde eine vom Ausschüsse vorge­schlagene Erklärung debattelos einstim­mig angenommen. Die Erklärung hatte folgenden Wottlaut:

Ueberzeugt von der großen Wichtigkeit des deutschen Kolonialbesitzes für die wirtschaftliche Zukunft Deutsch­lands, sowie für die Stärkung seiner handels­politischen Stellung, tritt der deutsche Handels­tag warm ein für eine zielbewußte und kraft­volle wirtschaftliche Entwickelung unserer Kolo­nien, inbesondere durch einen pianmäßigen Eisenbahnbau. Der Deutsche Handelstag empfiehlt deshalb auch allen Kreisen von Handel und Industrie im Vertrauen aus eine großzügige Leitung der Kolonialverwaltung die tatkräftige Mitarbeit an den Vor­arbeiten für die Schaffung volkswirtschaftlich wichttger Rohstoffe und Produtte, sowie zur För­derung des Absatzes deutscher Jndustrieerzeug- niffe in den deutschen Kolonien."

Der Direktor, Norbert, Gerda Douglas alle find ihres Lobes voll. Man ist gespannt auf morgen auf ihr Auftreten als Ophelia.

Das Stück ist zu Ende.

Felicie und Norbett fahren mit Gerda Douglas nach deren Wohnung in der Elatk- straße, wo Gerda ihrem Versprechen getreu, mit der jungen Kollegin die Rolle derOphelia" eingehend durchnimmt.

Erst spät in der Nacht trennt man sich.

Barrington will einen Wagen heranholen; aber Felicie hält ihn am Wagen zurück.

Nicht doch, Norbett! Last' uns zu Fuß gehen! Ich friere.

Er zieht ihren Arm durch den seinen, und beide schreiten schnell von bannen.

Wie du zitterst, Licy! Was beunruhigt dich schon wieder?"

Nichts, nichts. Hast du ihr das Geld ge­geben?"

Natürlich, mein Lieb. Bist ein Hauptmädel, daß du mir so schön aus der Klemme geholfen hast. Du hast das Kollier hoffentlich nicht ver­kauft, sondern nur versetzt?"

Nein, ich habe es verkauft."

'Wie, für eine so geringe Summe."

Ja. Ich hätte sonst das Geld nicht aus- treiben können. Sprich nicht mehr davon!"

Ihr Ton klingt so eigentümlich gepreßt, ihr ganzes Wesen drückt solch nervöse Spannung aus Norbert bleibt stehen und blickt seiner Braut voll ins Gesicht.

Licy, was fehlt dir? Du klammerst meinen Arm wie einen Schraubstock! Tut es dir leid, daß du das Kollier verkauft hast?"

Nein. Wann wollen wir heiraten, Norbert?"'

Je eher, desto bester."

Nächste Woche?"

Wann du willst."

Oder diese Woche?"

Auch gut! Mir ist alles recht."

So wollen rott noch diese Woche heiraten."

Deutscher Reichstag.

In der 26. Sitzung (vom Donnerstag) wurde die zweite Beratung des Etats des Reichsamts des Innern fortgesetzt. Zur Debatte standen auch wieder mehrere zu diesem Titel eingebrachte Resolutionen sozialpolitischen Inhalts. Erster Redner war der

Abg. Raab (wirtsch. Vgg.), der etklätte, seine Freunde würden eine Zusammenlegung der so­zialen Versicherungsgesetze für die bedeutendste sozialpolitische Tat des Staatssekretärs halten, durch die er sich, wenn es ihm gelänge, dies her­vorragende Werk zustande zu bringen, den Na­men eines Bismarck der Sozialpolitik verdienen würde. Seine Freunde wünschten auch die schleu­nige Schaffung von Arbeitskammern, den Aus­bau des Arbeiterschutzes, Ausdehnung bet Sonn­tagsruhe, Förderung der Tarifverträge, einen Arbeitgeberparagraphen zum Schutze der weib­lichen Angestellten, Durchführung des Achtuhr- ladenschluffes und Erledigung der Frage der Konkurrenzklausel. Auch den Forderungen des Mittelstandes müste endlich Rechnung getragen werden durch eine Abwälzung bet sozialpoliti­schen Lasten auf bie leistungsfähigeren Schultern. Die Konsumvereine seien durch ihre sozialdemo- kratische Führerschaft nur eine andere Form des Klaffenkampfes. Das habe einmal eine sozial­demokratische Versammlungseinladung zur Ge­nüge bewiesen in der es hieß:Unsere beste Waffe in dem Klaffenkampfe ist Anschluß an die Konsumvereine." Man müste die Zulaffung die­ser Vereine nach der Vedürfnissrage prüfen und die Dividendenverteilung verbieten.

Abg. Dr. Mugdan (fr. Vp.) meinte, bie Vot- bebingung jeder Sozialtesorm sei das freie Koa- littons- und Versammlungsrecht. Auch bie Ta­rifverträge müßten jebe nur erdenkliche Förde­rung erfahren, ohne dabei die Mittel eines aus­giebigen Arbeiterschutzes zu vernachlässigen. Wenn sich das Zentrum seiner vielen sozialpoli­tischen Anttäge rühme, so dürfe cs nicht vergessen, daß auch eine Stockung in der sozialpolitischen Gesetzgebung eintrat, als Las Zentrum biere­gierende Partei" war. Da fei es nicht mit dem Eifer für eine Weiterführung eingetreten, mit dem es kolonialpolitische Fragen verneinte.

Abg. Naumann (fr. Vgg.) bemerkte, auch in dem jetzigen Reichstage befände sich für eine große Anzahl sozialpolitischer Ausgaben eine feste Mehrheit. Viele Materien seien längst reif für eine gesetzliche Regelung; die Schuld der Un­fruchtbarkeit des sozialpolitischen Willens liege jedoch nicht bei dem Reichstage, sondern bei dem Bundesräte. Die Tüchtigkeit der einzelnen Per­sonen sei kein Ersatz dafür, daß der Wille des Reichstages nicht zur Durchführung komme. Bei drei Vorlagen der Vergangenheit habe es sich

um den eigentlichen Kern der Sozialpolitik ge­handelt: bei bet sog. Zuchthausvorlage, bet Berg- gesetznooelle im Abgeordnetenhaus, bei der Rechtsfähigkeit der Berufsvereine. Zwei blefet Vorlagen seien verflossen, eine im Landtage er­ledigt! Woher sei bei der Berufsvereins-Vorlage die Ueberladung mit polizeilichen Bestimmungen gekommen? Nur von dem Mißtrauen gegen die Arbeiter! Die heutige großkapitalistische Ent­wicklung in bet Industrie, in Bergwerken, in Reedereien usw. bringe es mit sich, daß das wirtschaftliche Grundrecht der Arbeiter, ihre Ar­beitskraft zu verkaufen, versagt! Das einzelne Individuum könne seine Arbeitskraft nicht ver­kaufen, ihm gegenüber heiße es nut: es ist ein Platz frei. Das Recht freier Organisation der Arbeiter müste gesetzlich fixiert werden, so daß strafbar ist, wer dem Arbeiter dieses Recht kürzt! Solange nicht diese Strafbarkeit statuiert, sei das Recht zur Koalition ein unfertiges! Vor­handen fei eine Majorität im Reichstage, die eine kräftige Sozialpolitik verlangt, was aber nicht vorhanden fei die Mitwirkung des an­dern Faktors bet Gesetzgebung!

Staatssekretär Graf Posadowsky bemerkte auf die Ausführungen des Vorredners, würde ein Ausländer die Rede gehört haben, so könnte et zu der Meinung kommen, Deutschland stehe hin­ter anderen Staaten mit wesentlich liberaler Verfassung zurück. Demgegenüber müste et be­tonen, daß Deutschland manche Verbesserungen schon längst habe, bie in anberen Ländern erst er­strebt würden. Der Vorredner habe auch keinen Vorschlag gemacht, wie im einzelnen vorgegangen werden solle. Hätten wir lauter Leute, die alles tun aus reiner Liebe zum Nächsten, mit Unter­drückung des eigenen Egoismus, so brauchten wir keine Gesetzgebung. Für die verbündete Ne­gierung handle cs sich bei der Fülle der gleich­zeitig gestellten politischen Forderungen nur darum, Schritt für Schritt auf dem Wege der Gesetzgebung vorzugehen. Eine Reform des Vereins- und Versammlungsrechts, das sich in der jetzigen Gestalt überlebt habe, werde ange- strebt und zwar vor der Wiedereinbringung der Vorlage über die Berufsvereine. Ebenso werde eine Novelle zum Gesetz über den unlauteren Wettbewerb bald vorgelegt werden können.

Nach einer weiteren Rede des Abg. Hoch (Soz.) trat Vertagung ein.

Preußischer Landlaq.

Das Abgeordnetenhaus setzte in der 41. Sitz­ung am Donnerstag, welcher der Minister der geistlichen Angelegenheiten Dr. v. Stobt bei­wohnte, biezweiteLesungbesStaats- Haushaltsetats für das Rechnungsjahr 1907 und zwar bie Beratung des Etats des Mi-

VIII.

Der nächste Abend bedeutet für Felicie einen großen Erfolg. Niemand, der sie als Ophelia gesehen, wird sie je wieder aus dem Gedächtnisse verlieren.

Die schmiegsame Grazie, die Unschuld und Lieblichkeit, die Naivität, welche bie Rolle ver­langt alle biefe Eigenschaften besitzt sie im höchsten Maße. Sie spielt kaum, sie gibt sich völlig selbst unb übt um so tiefere Wirkung.

Der Haupterfola bes Abends aber gebührt der Wahnszene. Wie sie, bas aufgelöste Raben­haar mit Blumen bekränzt, lächelnd die Bühne betritt, wie sie mit kindlichster Silberftimme spricht und singt und lacht unb weint, wie bann plötzlich ihr Blick starr und starrer wird unb sie wild aufschreit ein Gruseln überläuft die Zu­hörer, und mancher schüttelt den Kopf über solch vollendetes Spiel bei einet so jugendlichen Künstlerin.

Als Felicie nach bet Vorstellung ermüdet unb abgespannt nach Hause kommt, empfängt bie Mutter sie mit strahlendem Gesicht.

Du hast großartig gespiett, mein Herzblatt, wirklich großartig! Ich habe gemeint wie ein Kind. ®tn«bann rasch nach Hause geeilt, um dir den Tee bereit zu halten. Wirklich grotzattig!"

Matt wehrt Felicie ab. Auf ihrer Brust liegt es wie ein Alp.

Ich habe auch eine gute Nachricht für dich, Licy," plaudert Frau Mackay weiter, während sie einen delikaten Kaviarbissen für die Tochter zurechtmacht.

So -?"

Felicies bleiches Gesicht zeigt nicht das ge­ringste Jntereffe. Doch Frau Mackay fährt un­beirrt fort:

Der Vater

Wie elektrisiert fliegt Felicie empor.

Der Vater?" wiederholt sie angstvoll, wäh­rend ihre großen Augen im Zimmer umherirren, als erwarte sie, ein Gespenst zu sehen,

»Der Vater geht fort, Licy!"

Nach Europa. Er will ein Vierteljahr dort bleiben, Geschäfte halber. Als ich aus dem Theater kam, sand ich diesen Zettel auf dem Tisch. Ich soll ihm alles zur Reise zurecht ma­chen. Morgen früh schon schifft er sich auf der Columbia" ein. Jetzt schläft et drinnen in bet Kammer."

Felicie ist wie erstarrt. Die Fteube raubt ihc momentan fast bie Besinnung . . .

Fort! Fort! Nach Europa! Und morgen schon!

... Ach, wenn es doch erst morgen wäre und sie bie Gewißheit hätte, daß der Ozean zwischen ihnen liegt, daß sie wieder ruhig atmen, wieder frei um sich blicken kann! Wenigstens ein paar Monate lang! Was später geschieht daran denkt sie jetzt noch nicht. Nur einige Monate bes Glückes will sie genießen . . .

Todmübe legt sie sich zu Bett und schläft so­fort ein.

Als sie am nächsten Morgen erwacht, steht bi« Gönne bereits hoch am Himmel.

Ihr erster Gedanke ist: Thomas Mackay.

Wenn er seine Absicht geändert hätte! Wenn et noch da wäre! . . .

Kaum vermag sie, sich anzukleiden. Die ztt- ternden Finger versagen ihr fast den Dienst.

Auf den Fußspitzen huscht sie in die Küche.

Mutter?" flüstert sie atemlos,ist et

Er ist fort, Licy!"

Gerettet!"

Wie ein Aufschrei aus Todesangst entringt cs sich ihrer Brust. Die Spannung ihrer Nerven löst sich in Tränen.

Ein Vierteljahr bleibt er fort sagtest bu nicht so, Mutter? O, was kann in einem Viertel­jahr alles passieren? Wenn man das Verhängnis schon über seinem Haupt wähnte o Mutter, liebe Mutter, bann erscheint einem ein Viertele jahr eine Ewigkeit!"

(Fortsetzung folgQ