mit
rg und Kirchhain.
Jts. 85
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Marburg
Freitag 12. April 1907.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag' Zoh. Aug. Koch, UnivcrsitätS-Buchdmckerei Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
42. Jahrg.
: Deutscher Reichstag.
(25. Sitzung vom 10. April).
Der Reichstag trat am Mittwoch zu seiner ersten Sitzung nach den Osterferien wieder zusammen und ehrte zunächst das Andenken des in der Zwischenzeit verstorbenen Abg. v. Aren- berg (Zentr.) und des tags zuvor verstorbenen Abg. Auer (Soz.) in der üblichen Weise. Daraus wurde der Gesetzentwurf über den Gebührentarif auf dem Kaiser Wilhelm-Kanal, der die fünfjährige Ermächtigung zur Festsetzung des Tarifs zum dritten Male verlängert, nach kurzer Erörterung in erster und zweiter Lesung genehmigt. Das Haus trat sodann in die zweite Lesung des Reichshaushaltsetats ein.
Beim Etat des Reichsamts des Innern polemisierte Abg. Trimbor» (Zentr.) gegen den Abg. Mugdan, der von einer papiernen Sozialpolitik des Zentrums gesprochen hatte und richtete an den Staatssekretär die Fragen, in welchem Sta- diunl sich zurzeit die Vorarbeiten für die Zusammenlegung der drei Versicherungsgesetze befänden, ferner ob eine Ausdehnung der Krankenversicherung auf Landwirtschaft und Gesinde schon vorher zu erwarten sei, und ebenso die Witwen- und Waisenversicherung. Seine Partei erwarte auch ein positives Ergebnis in der Richtung einer Erhöhung des Bauarbeiterschutzes. Nach dem Ergebnisse der Wahlen ergäbe sich erst recht die Notwendigkeit, die Sozialpolitik fortzuführen. Geschähe dies nicht, so wäre dies der sicherste Weg, die Sozialdemokratie wieder hochzubringen.
Abg. Bassrrman« (natl.) trat gleichfalls für eine Fortführung der Sozialpolitik ein und 6e« dauert tmß die Regierung zu wenig Initiative z«Ke und zu wenig aus den Vorarbeiten und GkvMqitszen herauskomme, namentlich bei drin- geistie« Fragen. Der Redner forderte die Aufstellung eines Arbeitsprogramms von feiten des Neichsamts des Innern, um das Vorgehen plan- metzig zu gestalten und ein rascheres Vorgehen Zu bewirken. Er besprach eingehend die Frage des Vereins- und Versammlungsrechts, die For- dermig der Errichtung einer gewerbe-technischen Reichsbehörde, die Frage der Konkurrenzklausel, die Verhältnisse der Privatbeamten, die Heim- arbeiterfrage. Die Tarifverträge seien von hoher Bedeutuilg. Je mehr Aussperrungen und Streiks um sich greifen, desto wertvoller seien Friedens- Organisationen. Und zu diesen Friedens-Organisationen gehören gerade auch di« Tarifverträge. Im Einklänge mit dem Vorredner möchte daher auch er die Aufmerksamkeit der verbünde- ten Regierungen auf diese Angelegenheiten richten. Zur gesetzgeberischen Regelung reif sei ferner die Frage des unlauteren Wettbewerbs im Ausverkaufswesen. Die dazu vorliegende Reso-
12 (Nachdruck verboten.).
In der Schule des Leidens.
Roman aus dem Ncw-Porker Leben
von Leich Friese«.
(fturtlefruni.)
Scho» bereut Felicie ihre unzarte Bemer- kung. Zärtlich umfaßt ste die Schultern der . Mutter und drückt den grauen' Scheitel an ihre Brust.
„Der gute Vater! Ich entsinne mich seiner kaum mehr —“
„Halloh!» ■
Wie eine Bombe platzt die rüde Stimme hinein in das vertrauliche Geplauder.
Thomas Mackay steht auf der Schwell«, mit höhnischen Blicken die Gruppe vor ihm messend. Er liebt es, die Seinen mit seiner unerwarteten Heimkehr zu überraschen.
Beide Frauen springen empor.
„Von wem spricht mein Fräulein Tochter in solch lieber illen Worten?" höhnt er daher. „Von meinem braven Vorgünger oder — Wer ist der — „gute Vater«, he?«
„Mein Vater ist tot!" lautet die ernste, feierliche Antwort.
„Larifari! Aber der „zweite Later" lebt noch, he?«
,Zch habe keinen — zweiten Vater!«
„Schnack! Hast eine saubere Art und Weise, mit deinem Stiefvater zu verkehren . . . Komm' übrigens mal her, du Range!«
Widerwillig gehorchte Felicie. Jäte hätte dem Manne da ins Gesicht rufen mögen: „Ich hasse und verabscheue dich! Sprich nicht zu mir?«
Aber eine unbezwingliche Gewalt treibt sie hin zu ihm — die Furcht, daß er etwas ahnt — „Nimm dich in acht! Ich weiß, warum du heute Nacht im Haus herumschlichest wie eine Diebin!" raunt er ihr mit diabolischem Lachen ins Ohr. „Der geheimnisvolle Kasten —*
lution werde seine Partei daher auch annehmen. Gemäß seinem von ihm selbst eingebrachten Anträge (Resolution) müsse er der Regierung namentlich noch die Regelung der Sonntagsruhe für die in der Binnenschiffahrt beschäftigten Personen dringend ans Herz legen. Ebenso die möglichst baldige Errichtung eines Reichs-Arbeitsamts als Zentrale für Sozialpolitik.
Abg. Werner (Dtsch. Rfp.) wandte sich gegen den Erlaß des preußischen Ministers des Innern, nach dem es Beamten verboten sein soll, sich mit einzelnen Abgeordneten direkt in Verbindung zu setzen, und mißbilligte weiter, daß an einzelne Personen wiederholt zuviel Schankkonzessionen erteilt worden sind. Nach einer weiteren Rede des Abg. Lehemeier (Ztr.) trat Vertagung aus Donnerstag 1 Uhr ein.
Felicie zuckt zusammen.
Ohne ein Wort zu sagen, stürzt sie aus dem Zimmer, hinauf in ihr Kämmerchen, holt das Säckchen mit den Banknoten unter der Matratze hervor und eilt, so schnell sie ihre Füße tragen, nach dem Theater.
Hier wenigstens glaubt ste stch stcher vor ihrem Stiefvater . . .
VII.
Schon eine Zeitlang sitzt Felicie int Konversationszimmer des Metropol-Theaters, in fieberhafter Spannung ihres Bräutigams harrend.
Da es erst halb sieben Uhr ist und das Stück nicht vor acht Uhr beginnt, ist noch niemand ihrer Kollegen anwesend.
Nach und nach kommen ein paar Mädchen angeschlendert, größtenteils Ehoristtnnen, welche mit neidischen Augen auf Felicies Erfolge blicken.
Einige sprechen sie an, ohne Antwort zu erhalten. Schlechte Witze steigen, grfolgt von albernem Gelächter.
Felicie kümmert sich wenig darum. Die Hand fest auf ihr Säckchen gedrückt — so sitzt sie still da und wartet auf Norbert.
Schon wird es Zeit, sich zum Ankleiden in die Garderobe zu begeben, als Gerda Douglas ein-
„Äh, Felicie! Gut, daß Sie da sind! Bitte, kommen Sie mit in meine Garderobe! Die Friseuse hat mich sitzen lasten; vielleicht können Sie mir helfen.« ~ .
„Ist Norbert noch nicht hier?" fragt Feltcte angstvoll, indem sie, in der Hand das Säckchen mit denBanknoten, sich anschickt, Gerda zu folgen.
Er war schon da; aber ich hab ihn nochmals fortgeschickt. Er holt mir ein bestimmtes Parfüm, welches ich vergesten hatte." Felicies Augen sprühen.
„Er wird zu spät kommen, um stch anzuklei- den, Fräulein Douglas!«
„Misten Sie denn nicht, daß Rustell zurück ist? Richt Barrington, sondern Rustell spielt
Preußischer Landtag.
Das Abgeordnetenhaus ehrte in seiner 40. Sitzung vom 10. April zunächst das Andenken des während der Osterferien verstorbenen Abg. Prinzen v. Arenberg (Ztr.) in der herkömmlichen Weise und setzte dann die zweite Lesung des Kultusetats beim Kap. Univ erst- täten fort.
Abg. Trimbor« (Ztr.) wünschte eine besondere Professur für Sozialrecht. Worauf ein Regierungskommissar zur Antwort gab, daß das Sozialrecht schon jetzt an den Hochschulen eifrig gewürdigt werde. In Bonn z. B. sei diese Wissenschaft im letzten Semester in zwei Vor- lesungen gepflegt worden. Die Anregung werde aber eingehend erwogen werden.
Abg. v. Arnim (Kons.) wandte sich gegen das Ausländerunwesen und fühtte aus: Wir haben an der Berliner Universität beinahe ein Viertel alle ran deutschen U ni. versitäten studierenden Ausländer. Rach dieser Richtung dürfen wir keine weiteren Fortschrttte machen. Wir können das nur gewähren, wenn andere Länder an ihren Universitäten das gleiche Gast recht einräumen. Vielleicht könnte man für Ausländer einen späteren Anmeldetermin einführen und dann die Ausländer abweisen, wenn kein Raum mehr ist. Die H ö r« gelber für Ausländer müssen wei- ter erhöht werden.
Kultusminister Dr. ». Studt erwiderte: Die Frage müste auch von internationalen Gesichtspunkten beleuchtet werden. Gröbere Verstöße gegen die Displizin seien in letzter Zeit nicht vorgekommen. An preußischen Hochschulen studierten 1067 Ausländer, an den übrigen deutschen Hochschulen 2409. Diese Zahlen erklärten sich aus den strengeren Aufnahmebedingungen von Preußen. Der stark« Andrang von Rusten sei wohl nur eine vorübergehende Kalamität. Preußen könne hier nicht allein vorgehen; es
müßte stch mit den anderen Bundesstaaten verständigen.
Abg. Dr. Beumer (natl.) stimmte in dieser Frage dem Minister zu - und warnte davor, Fremden ein Eastrecht auf Kosten der Reichsangehörigen zu gewähren. Von der Forderung der gleichwettigen Vorbildung sollte nicht abgewichen werden. Unseren Studierenden sollte mehr Gelegenheit gegeben werden, stch in der freien Rede zu üben. Wenn bei uns zu viel und zu schlecht geredet werde (Heiterkeit), so sei hier der Grund aufgedeckt. Die Direktoren und Lehrer sollten sich der freien Rede befleißigen, auf den Universitäten aber sollte man die Uebung in der letzteren besonders pflegen. Der Minister werde mit ihm darin einig sein (Heiterkeit), daß die freie Rede heute mehr, als fe notwendig ist zur Betätiqung im öffentlichen Leben, in das der junge Mann nach absolvierter Universitätsbildung eintritt, namentlich notwendig zur Bekämpfung der Sozialdemokratie (lebhafter Beifall), bi« ihren Nachwuchs in besonderen Rednerschulen ganz anders heranbildet (sehr richtig!) als die bürgerliche Gesellschaft. (Sehr wahr?) Auch komme hier der Bildungshunger unseres Volkes in Betracht, von dem Minister v. Bethmann- Hollweg und der Abg. Frhr. v. Zedlitz neulich so eindringlich und so wertvoll gesprochen. Zur Stillung dieses Hungers beizutragen sei namentlich der akademisch Gebildete berufen (lebhafte Zustimmung), der sich, wenn er ins Leben einge= treten ist, nicht vornehm zurückhalten soll. Er soll vielmehr das Volk teilnehmen lasten an den Schätzen der Bildung, die er sich selbst erworben (lebhafter Beifall), dann werde er auch w-ni.""- Wert auf die Frage legen, ob er ein teilburc5 oder unteilbares Hemd (große Heiterkeit), ob er Röllchen oder festsitzende Manschetten iiügt und im Besitz eines allermodernsten Schlipses ist (große Heiterkeit), sondern er werde den Haupt- wert daraus legen, ob er auch seinerseits die ethischen Pflichten der Nation gegenüber erfüllt, der er angehört. (Lebhafter Sei« fall.) Die Blasiertheit unserer Jugend werde am besten bekämpft, wenn sie schon auf der Universität die Waffen erhält, sich für ihr Volk im späteren Leben zu betätigen. (Sehr richtig?) Dazu gehöre aber auch die freie Rede, die auf den Universitäten mehr, als bisher gepflegt zu sehen alle ein lebhaftes Interest« haben. (Sehr gut!) Endlich habe er in der Budgetkommission den Wunsch ausgesprochen, daß die Plätze für Spiel und körperliche Uebungen an unseren Hochschulen vermehrt werden möchten. Noch gebe es namentlich auch nicht an den Hochschulen genügend Spielplätze. (Sehr richtig!) Wenn solche geschaffen werden, so würde damit Gutes geschaffen auch für die körperliche Gesundheit unserer Jugend. Vor allem sei auch dem Alkoholmißbrauch entgegenzutreten, wobei er von vornherein bemerk«, daß er durchaus nicht eine gänzlich abstinente akademische Jugend wünsche. Dieser Wunsch würde auch gar nicht in
heute den Romeo. Leider? .. . Nun kommen Sie aber, Felicie! Was haben Sie denn in dem Säckchen da?«
„Etwas sehr kostbares, Fräulein Douglas!"
Arm in Arm schreiten beide Damen durchs Konversationszimmer, der zierlichen Garderobe der „ersten Liebhaberin" zu.
Die Blicke aller anwesenden Mädchen fok ihnen. „ . ,
„Ist die stolz?" höhnt ein kleiner Rotkopf. „Ich weiß gar nicht, was die Douglas an dem dünnen schwarzen Ding findet!"
,Si« wird wohl wisten, daß di« Mackay bald ihre Konkurrenttn wird, und da will sie sich gut mt ihr stellen — tata!" spottet die dünne Molly Potter, von ihren Kollegen „die Hopfenstange« genannt.
„Pfui, Molly! So von Fräulein Douglas zu sprechen," fällt Mary Fenton, die .zweite Naive", ein. „Ist ste nicht stets freundlich und liebenswürdig? Wir werden nie wieder eine so gute Kollegin haben!"
„3a, und ich sah, wie sie dir gestern Abend eine Fünfdollarnote in die Hand steckte, Molly!« fügt eine zierliche Blondine hinzu. „Schäm' dich!«
Molly Potter schneidet eine Grimasse und stolziert, aufgeblasen wie ein Truthahn, zur Tür hinaus.
Inzwischen nestelt Felicie mit bebenden Fingern an Gerda Douglas' Kostüm herum. Das Säckchen liegt neben ihr auf einen Stuhl.
„Wie Sie zittern, liebe Felicie," sagt Gerda mit ihrer weichen, wohltönenden Stimme. „Sie sollten sich mehr beherrschen, Kind. Sie werden rasch altern, wenn Sie stch Ihren Gefühlen so ganz hingeben — und das können wir Schauspielerinnen nicht gebrauchen!"
Unter solch vettraulichem Geplauder bürstet und kämmt Felicie Gerdas herrliches, blondes Lockenhaar, so daß es bald glänzt wie gesponnenes Gold. Dann nestelt sie es in einen schweren griechischen Knoten zusammen und befestigt Ihn
Erfüllung gehen. (Große Heiterkeit.) Nein, et stimme im Gegenteil dem Worte Dr. Marti« Luthers in vollem Umfange zu: „Wer nicht liebt Wein, Weib und Gesang, der bleibt ein Narr sein Leben lang." (Heiterkeit.) Aber dem eigentlichen Mißbrauch des Alkohols könne durch das Spiel am besten abgeholfen werden. (Sehr richtig!) Und wenn wir dann unsere Jugend einmal auf der Hochschule besuchen, dann werden wir mit ihnen vom Spielplatz doppelt gern auf die Kneipe ziehen, mit ihnen den Humpen schwingen, und der Sohn wird mit Freuden der Mutter nach Hause schreiben: „Von Zeit zu Zeit seh' ich den Alten gern!" (Stürmische Heiterkeit und lebhafter Beifall bei allen Parteien.)
Geh. Rat Elfter gab zur Erwiderung: Die Ausländer müßten eine gleichwertige Vorbildung nachweisen, wie die deutschen Studenten. Für die freie Rede geschehe schon manches. Es seien z. B. Lektoren für den deutschen Vortrag tätig. Hier aber mußten wir weiter arbeiten, genau wie in der Frage der körperlichen Uebung.
Abg. Dr. Müller-Berlin (Frs. Vp.) bat, den Volksschullehrern das Universitätsstudium mehr, als bisher zu ermöglichen. Was die Ausländerfrage betreffe, so habe die von uns gewähtte Gastfreundschaft auch gute Gaben für die deutsche Wissenschaft gebracht. Vor allem sollte man di« Ausländer nicht wegschikanieren, sondern sie ehrlich behandeln. Die freie Rede müsse mehr gepflegt werden. Zum Schluß warf er die Frage auf: Wie steht es übrigens mit der vorn deutschen Geographentag geforderten stärkeren Berücksichtigung der Astronomie?
Geh. Rat Elster: Solange der Volksschullehrer im Amt ist, könne er nicht immatrikulierter Student sein. Er könne aber den Hospitantenschein erwerben. Die Frage einet Professur für astronomische Ortsbestimmung werde weiter geprüft werden.
Abg. Dr. Wagner (freikons.): Professuren für Kolonialrecht sollten allmählich überall geschaffen werden. Den Nationalökonomie-Studierenden müsse Gelegenheit geboten werden, auch andere Meinungen, als die der zur Zeit gerade maßgebenden Professoren zu hören. Die heutigen hohen Gehälter der Quästoren seien heute nicht mehr sachlich berechtigt.
Abg. Dr. Nuegenberg (Ztr.) forderte einen Lehrstuhl für soziale Medizin.
Geh. Rat Elfter betonte, es werde zunächst ein Versuch mit einem entsprechenden Lehrauftrag gemacht.
Abg. Eickhofs (Frs. Vp.) wünschte eine andere Regelung der Abzugsfonds zur Ansammlung der Kolleaiengelder.
Geh. Rat Elster bezeichnete das H- abzugsverfahren als rechtlich einwand^ : Reform von 1897 habe nut Gutes gebracht.
Abg. Schiffer (natl.) forderte einen besonderen Lehrstuhl für Versicherungswesen.
Geh. Rat. Elster sagte wohlwollende Prüfung zu.
mit einem goldenen Pfeil oben u ( dem -stanken Kopf.
Da — ein Klopfen an der Tür.
Felicie öffnet.
„Ah, Norbert?«
„Du hier, Licy? Bitte, gib dies Fläschchen Fräulein Douglas!"
„Ja. ja! Wart' doch einen Augenblick, Norbert! Hier ist Ihr Parfüm, Fräulein Douglas! Norbert, geh' nicht fort! Nimm dies hier mit dir!«
Und sie reicht ihm das Säckchen durch die Türspalte.
„Danke, Licy, danke! Muß mich eilen. Russell hat eben abgesagt — fühlt sich von der Reise noch unwohl. Ich spiele heute Abend den „Romeo"!« Fott ist er.
Müden Schrittes kehrt Felicie in die Garderobe zurück. Sie ist sehr bleich.
„Was gibtis?" fragt Gerda, die gerade damit beschäftigt ist, ein paar goldene Spangen an ihren klassisch geformten Armen zu befestigen.
„Haben Sie nicht gehört —"
„Ich verstand nichts. Ihr spracht so leise.
„Nicht Russell gibt heuf Abend den Romeo, sondern er — Norbert!«
„Ah —?“
Warum schießt plötzlich warme Röte in die Wangen der schönen Schauspielerin? Warum umspielt ein frohes, glückverklärtes Lächeln die feinen Lippen? Warum erstrahlen die großen Augen in fast überirdischem Glanz?
Wie gebannt hängen Felicies Blicke an Gerdas Antlitz. Fest preßte sie die Lippen aufeinander, um nicht laut aufzuschreien.
Sie fühlt: sie selbst mit ihrem Ungestüm, ihrem Mangel an Selbstbeherrschung, ihrer ungezügelten Leidenschaftlichkeit kann nicht bestehen neben jenem edlen Frauenbild — und ihr heißes Herz krampft sich zusammen bei dem Gedanken/daß Norbert heut' Abend wieder der Romeo dieser vollendeten Julia fein wird.
. (Fortsetzung folgt.)