Einzelbild herunterladen
 

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

SontttaasbeUaaer AUuktrirteS (KnttiMMTftH.

JK 84

vierteljährlicher Bezugspreis- bet ocr Expedition 2 Mk., bei allen Postämter« 2,25 Mk. iq;cl. Bestellgeld).

AnsertionSgebuhr: btt gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfg.

Reclamen: die .Rtik 80 Pfg.

Marburg

Donnerstag. 11. April 1907.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck intb Verlage Joh. Aug. Koch, UmverfitLtS-Buchbruckerrl 42 ^^rg.

Marburg, Markt 21. Telephon 55.

Zweites Blatt.

-------

Triltjches Reich.

Die Sozialpolitik wird bei der im Reichs­tage bevorstehenden zweiten Lesung des Etats des Reichsamtes des Innern wieder eine Rolle Lpielen. Nach den von den verschiedensten Frak­tionen eingebrachten sozialpolitischen Jnitiativ- lanträgen wird man sich sogar darauf gefaßt ma- -che« müssen, daß recht zahlreiche Wünsche auf diesem Gebiete werden zur Geltung gebracht werden. Man würde aber auch im Reichstage gut tun, zu bedenken, daß unter der Ueberfülle 5er Wünsche die Förderung der Sozialpolitik leiden könnte. Soweit von der Sozialpolitik die Arbeiter betroffen werden, ist doch jetzt schon von der Negierung die Lösung einer großen Zahl von ^Problemen in Angriff genommen, sodaß der Reichstag, wenn die Ergebnisse dieser Arbeiten an ihn gebracht würden, viele Sessionen damit zu tun haben würbe, sie unter Dach und Fach zu bringen. Allein im Arbeiterrecht sind zwei be­deutsame Entwürfe in Arbeit, über die Arbeits­kammern und über die Rechtsfähigkeit der Be­rufsvereine. Man erwägt noch, mit welchem Entwürfe man zuerst an den Reichstag heran­treten wird, aber daß in der nächsten Tagung einer von ihnen vorgelegt werden wird, ist sicher. In der Arbeiterversicherung steht die Ausfüh­rung von noch mehr Projekten in Aussicht, ob­schon Unfall- und Invalidenversicherung durch die 1800 in Kraft getretenen großen Novellen erst die einschneidendsten Reformen erlebt haben. ~ Die Vereinheitlichung der Organisationen der einzelnen Nersicherungszweige, die Reform der Krankenversicherung und dabei namentlich die Ausdehnung der Versicherungspflicht auf weitere Bevölkerungsklassrn, die Einführung der Wit­wen- und Waisenversicherung der Arbeiter find die bedeutendsten Aufgaben auf diesem Gebiete. Sie sollen in den nächsten Jahren gelöst werden, für die Einführung der Witwen- und Waisen- versicherung ist sogar im Zolltarifgesetz «in be­stimmter Termin, der 1. Januar 1910 festgesetzt. Auch die Erweiterung des Arbeiterschutzes wird regierungsseitig angestrebt. Es braucht nur da­ran erinnert zu werden, so jüngst die* die Tabakarbeiter. Aber auch umfassende Probleme, wie der Heimarbeiterschutz, sind in Angriff ge­kommen. * Die Sozialpolitik für den Mittelstand wird dabei von der Regierung nicht vergessen. Die Denkschrift über die Invaliden- und Relik- 'tenoersicherung der Privatangestellten, die vor kurzem dem Reichstage vorgelegt worden ist, zeugt davon, daß man den Wünschen de' einzel- inen Mittelstandskreise auf Besserung der Le­benslage auf ihre Berechtigung nachzuspüren be­müht ist. Was im Interesse des Handwerks etwa zu unternehmen bleibt, wird von dem Aus­fall der umfassenden Handwerksstatistik abhän­gen, die gegenwärtig im Statistischen Amt durch­gearbeitet wird. An einer Revision des Gesetzes zur Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbes, an der weitere Kreise des Mittelstandes ein Interesse haben, wird gearbeitet. Der schon dem alten Reichstage vorgelegte Entwurf über den Schutz der Bauhandwerkerforderungen wird sicher dem Parlamente wieder vorgelegt werden. Kurz es ist bereits «ine Fülle von sozialpoliti­schen Aufgaben in Angriff genommen. Im Reichstage wird man gut tun, diese Tatsache zu beachten und nicht dazu noch neue sozialpolitische Forderungen aufzustellen. Man sollte doch wirk­lich einmal zunächst abwarten, wie sich die Arbeiten auf den bereits an ge­bauten Gebieten abwickeln. Ihnen. Förderung zuteil werden zu lassen wäre die beste Taktik, und deshalb wäre es auch gut, wenn im Reichstage die sozialpolitischen Erörterungen der nächsten Zeit sich in der Hauptsache auf die in Arbeit befindlichen Probleme beschränken. Nur so kommt man vorwärts.

Die polnischen Volksbanken erfreuen sich nach wie vor einer günstigen Entwicklung. Dafür einige Beispiele aus Oberschlesien. Die im Jahre 1890 gegründete Volksbank in Oppeln hat seitdem ihre Mitgliederzahl von 74 auf 1200, die Spareinlagen von 49 700 auf 1 407 000 die Darlehen von 40 900 auf 1116 000 Al gesteigert. Nach Beschluß der Generalversammlung vom 3. März gelangte eine Dividende von 5 % zur Ver­teilung. Die Dolksbank in Ratibor zählt jetzt 1212 Mitglieder. Die Spareinlagen betrugen Ende 1906 rund 1547 000 Al oder nahezu eine halbe Million Al mehr als im Vorjahre. Dar­lehen wurden in Höhe von 1313 000 Al gewährt. Die Volksbank Gleiwitz hat nicht ganz so gün­stige Resultate aufzuweisen, immerhin konnte sie im Jahre 1906 ihren Mitgliederbestand um 91 Personen, ihre Spareinlagen um nahezu 300 000 Al, ihre Darlehen um 560 000 Ai er­höhen. r Die Klientschaft dieser Banken ent­stammt ganz überwiegend, wenn nicht ausschließ­lich der oberschlesischen Jndustriebevölkerung polnischer Zunge: man wird also annnehmen

dürfen, daß sie sich in günstiger Erwerbs- und Wirtschaftslage befindet.

Handel und Verkehr unserer Södseeschutz- gebiete im Jahre 1905/06. Der Gesamtwert der Einfuhr nach allen Südseekolonien ist von 5,8 (in 1904) auf 8,86 (in 1905) Millionen Mark, der der Ausfuhr trotz des Ausfalles auf den von Orkanen heimgesuchten llnglücksinseln von 3,9 auf 4,4 Millionen gestiegen. Diese Zahlen sind natürlich nur sehr schwache Wertmesser angesichts des bescheidenen Anfanges der wirtschaftlichen Erschließung des ausgedehnten nur zum aller- kleinsten Teile erforschten deutschen Besitzes, für dessen zukünftige Bedeutung heute noch die Er­kenntnis fehlt. Was dazu bisher geschehen ist, ist sehr gering und nach derDeutschen Kolonial- zeitung" in der Hauptsache ein Verdienst der Reu-Euinea-Compagnie und des Kolonialwirt­schaftlichen Komitees, sowie privater Arbeit. Immerhin sind mancherlei bedeutsame Fort­schritte zu verzeichnen, wozu u. a. auch die erste erfolgreiche Stationsgründung (Kieta) auf unse­rer Salomon insel Bougainville gehört, deren Er­forschung und Verwaltung damit begonnen hat. Von allgemeinen wirtschaftlichen Fortschritten sind besonders einige Verbesserungen im Ver­kehrswesen hervorzuheben. Der Norddeutsche Lloyd hat durch zwei Dampfer seiner austral- japanischen Linie eine geregelte Verbindung für Neu-Guinea und den Bismarckarchipel hergestellt. Die im Jahre 1905 vollendeten Kabelverbindun­gen JapGuam, JapMenado (Celebes) und JapShanghai, und die Einrichtung von Fern- sprechverbinduncnn HerbertshöheSimpssnhafen und auf Samoa sind weitere Neuerungen von nachahmenswerter Bedeutung. Für den Bis­marckarchipel ist der Ausbau von Simpsonhafen (Herbertshöhe) zur Hauptstation besonders be­deutungsvoll. Die Wahl dieses günstigen Platzes hat sich alsbald bewährt durch lebhafte Besied­lung und Entstehung zahlreicher Bauten, wobei die Regierung in gebührendem Maße betei­ligt ist.

Ausland.

-= Deutsche Stimmen aus dem Banat. Di« nationale Bewegung unter den Deutschen in S ü d u n g a r n ist in den letzten Wochen ge­waltig angewachsen. Die wertvollen Kräfte des deutschen Volkstums, die hier so manches Jahr­zehnt im Schlummer lagen, hatten sich schon vor einigen Monaten zu sammeln begonnen. Immer weiter griff di« im Stillen anwachsende Beweg­ung um sich, selbst entfernt liegende Komitate stellten Mitglieder. Aber erst der Apponyische Schulgssetzentwurf und das Verbot einiger daraufhin zusammengerufener Versammlungen durch die Regierung führten zur Explosion. Was bisher nur geplant und erwogen war, ward nun Wirklichkeit. Di«Südungarländische deutsche Volkspartei" trat als solche und mit einem zündenden Programm an die Oeffentlich- keit. Für die heute unter den tapferen Schwaben herrschende Stimmung sprechen die folgenden Auszüge aus Briefen, die wir aus dem Banat erhalten, klar und deutlich. So schreibt einer dieser Männer:Wir sind weit davon entfernt, um Gnade zu bitten, selbst jetzt, wo das Ver­sammlungsrecht gefährdeter ist als in den ärg­sten Tagen der liberalen Aera. Apponyi und Konsorten, die ihre Reden sogar unter Gen- darmeriebedeckung gehalten haben, scheinen aber nichts gelernt zu haben, sonst müßten sie wissen, daß durch Gendarmerie sich der Wille und der Freiheitsdrang eines Volkes nicht hemmen läßt. Da« Ausland"abc.' möge erfahren, wie tief das ritterliche und madjarische Volk infolge des alles überwuchernden politischer. Janitschareniums gesunken ist und wie nahe die Zeit ist, wo die Madjaren selber sich von diesen Janitscharen be­freien müssen, wenn sie die Führung im Lande behalten wollen." Ganz besonders erbittert find unsere Volksgenossen begreiflicherweise über die Haltung der in deutscher Sprache erscheinenden, aber im Solde des Madjarentum stehenden süd­ungarischen Zeitungen, die sich in gehässiger Weise gegen die neue Parteibildung ausge­sprochen haben. Hierüber heißt es in einem an­deren uns zugegangenen Briefe:Es ist wirklich traurig, die Wahrnehmung machen zu müssen, daß sogar deutschsprachige Blätter Ehre der Ausnahme! die doch vom Gelbe ihrer deut­schen Leser sich erhalten wollen, am ärgsten gegen uns zu Felde ziehen und somit die Sprache, in der sie geschrieben sind, schänden. Kaum zu glauben ist es, daß sie es wagen, dierichtige und notwendige Madjarisieruno" der deutschen Volksschulen anzupreisen und vomOpium van- germanischen Größenwahns" zu reden." Noch einem dritten Zeugen der nachhaltigen Beweg­ung, die das Banater Deutschtum heute durch- zittert, sei hier das Wort gegeben.Solange wir Schwaben, so schreibt uns einer der geistigen Führer des deutschen Banats, geduldig zu allem

schwiegen, waren wir diebraven, nüchternen, arbeitssamen" Deutschen, solange wir unser Blut von dem niederträchtigsten Gesindel, das Gottes Erdboden trägt, von der madjarischen Gentry, aussaugen ließen, waren wir diepa­triotischen Schwaben, deren Vaterlandsliebe über jeden Zweifel erhaben", nun man uns aber dank unserer Indolenz so weit gebracht hat, daß wir wirtschaftlich ruiniert, kulturell den Madja­ren schon fast gleichstehen (wer die madjarische Kultur aber kennt, wird wissen, was das heißt), nun will man uns auch noch unser Letztes rau­ben: di« Sprache unserer Väter. Und weil wir di« nicht wortlos aufgeben wollen, weil sich noch ein Rest deutschen Ehrgefühls in uns erhalten hat, sollen wir Vaterlandsverräter fein, sollen als Heloten behandelt werden. Die Glut, die unter der Asch« glomm, ward zur Flamme ent­facht. Was noch vor kurzem nur wenige wagten zu bekennen, nun ist's zum allgemeinen Bekennt­nis geworden: Wir sind Deutsche und wollen leben und sterben als Deutsche. Wir haben ein Recht dazu: unsere Väter haben dies Land urbar gemacht, unsere Väter haben die Sümpfe ausgetrocknet, unsere Väter machten das Banat zur blühendsten Pro­vinz Ungarns. Unsere Pater haben die Schlan­gen vertilgt und den Wcklf erschlagen. Die Aus­dauer unserer Ahnen hat endlich auch den gif­tigen Fieberhauch des Landes bezwungen, und nun sollen wir sie zum Dank für alles das ver­leugnen." Man steht, die Bewegung ist im Fluß und wird durch das mit Sicherheit voraus­zusehende weitere Eingreifen der Regierung nur gekräftigt werden.

BrnnWies.

Westdeutsche Tourenfahrt. Nach Hinzutritt des Automobil-Klubs Kurhessen in Cassel, des Bremer Automobil-Klubs und des Norddeut­schen Automobil-Klubs in Hamburg, ist die Zahl der. di« Westdeutsche Tourenfahrt 1907 veran­staltenden Klubs auf 10 gestiegen. Der Kaiser­liche Automobil-Klub hat seinem Interesse an der Fahrt durch Stiftung eines Ehrenpreises im Werte von Al 3000 Ausdruck gegeben. Außer­dem find durch Stiftungen aus Sport- und Jn- duftriekreisen zur Beschaffung von Ehrenpreisen heute schon Al 25 000 aufgebracht worden. Die Satzungen für di« Tourenfahrt werden dem­nächst veröffentlicht. Aus den die Fahrt veran­staltenden Klubs liegen bereits 65 Meldungen vor, sodaß bis zum ersten Meldungsschluß, 5. Juli ein stattliche Liste konkurrierender Wagen sicher zustande kommen wird. Die geschäftliche Leitung liegt in Händen des Kölner Automobil- Klubs und sind Anfragen usw. an diesen, zu Händen Herrn Fritz Dahmen, zu richten.

Eine Heiratslustige. Zweimal Witwe und zweimal Braut in der Zeit eines Jahres ge­wesen zu sein, dürfte wohl selten vorkommen. Diesen Rekord erreicht zu haben, kann sich eine Frau in Remscheid rühmen. Voriges Jahr starb ihr Ehegatte. Nachdem sich diese heirats­lustige Witwe «rach einigen Monaten wieder verheiratet hatte, wurde sie im Januar aber­mals Witwe. Doch auch diesesrnal währte der Witwenstand nicht lange und vorige Woche wurde wiederum Hochzeit gefeiert. Innerhalb 14 Monaten hat die Frau also den dritten Mann.

Das behexte Rindvieh. Eine Hexengeschichte, wie sie wohl einzig dasteht, beschäftigte dasDres- dener Amtsgericht. Die Sache spielt in der Nähe von Pilnitz an der Elbe, in Schönfeld. Die dor­tigen Bauern hatten seit Jahren Unglück in der Zucht des Rindviehs. Die Kälber wollten nicht gedeihen. Da ließ sich einWunderdoktor" Müller im Orte nieder, der allerlei Hokuspokus trieb, den et sich teuer bezahlen ließ natür­lich war das Vieh behext! Eine Zeitung machte Glossen über solchen Hexenglauben und wurde von den Bauern verklagt, indessen wurde der Redakteur fteigesprochen. Aus der Zeugen­vernehmung ging aber hervor, daß tatsächlich die Schönfelder Bauern glaubten, ihr Vieh sei ver­hext. Bei einem Gutsbesitzer in Reitzendorf, dessen Vieh ebenfalls verhext sein sollte, hatte der Hexenmeister den Stall versiegelt und übet dem Eingang ein hölzernes Kreuz angebracht, um dadurch das Eindringen böser Geister zu ver­hindern. So geschehen im 20. Jahrhundert!

Marktberichte.

Cassel, 9. April. Schlachtviehpreise. Es kosteten die 50 Kilogramm Schlachtgewicht von Ochsen: a) vollfleischige gemästete höchsten Schlachtwertes bis 7 Jahre alte 8082 AL, b) junge fleischige, gut genährte, nicht gemästete 78 bis 79 Al, c) gering genährte, jeden Alters 76 bis 77 Al. Bullen: a) vollfleischige gemästete höchsten Schlachtwettes bis 5 Jahre alte 75 bis 77 Al, b) mäßig genährte jüngere und gut ge­nährte ältere 70 bis 74 Al. Kühe und Rinder: a) vollfleischige gemästete Rinder höchsten Schlachtwertes 78 bis 80 AL, b) vollfleischige ge­mästete Kühe bis 7 Jahre alte 75 bis 77 Al, «)

gering genährte Kühe und Rinder 71 bis 74 Al. Schweine a) vollfleischige d. feineren Rassen u. d. Kreuzungen bis iyt Jahre alt« 56 bis 57 Al, b) fleischig« (Speckschweine) 53 bis 55 Al, c) ge­ring entwickelte und Sauen 50 bis 52 Al, Käl­ber das y2 kg Lebendgewicht 45 bis 50 »3, Ham­mel das y2 kg Fleischgewicht 75 bis 78 .Z, Auftrieb: 11 Ochsen, 5 Bullen, 53 Kühe, 4 Rin­der, 111 Schweine, 19 Kälber. Zuchtschweine­markt: Auftrieb 1339 Stück, 4 bis 6 Wochen alte Ferkel das Paar 20 bis 25 Al, 8 bis 10 Wochen alte Ferkel das Paar 30 bis 35 Al, 14 Jahr alte Ferkel das Paar 65 bis 70 AL.

GtirciLf Wochtnikricht

der Preisberichtstelle des Deutschen Landwiri- schaitSratS vom 26. Mürz bis 8. April 1907.

Das schöne, trockene Frühjahrswetter wäh­rend des größten Teils der Berichtszeit kam den Landwirten sehr zu statten: dennoch ist es frag­lich, ob die in manchen Gegenden vollständig ausgewinterten Weizenflächen noch rechtzeitig mit Sommerweizen bestellt werden konnten. Den meist gut durch den Winter gekommenen, aber rückständigen Roggensaatcn boten die fri­schen Ostwinde und die noch vielfach vorgekom- inencn Nachtfröste keine günstigen Entwicke­lungsbedingungen. Die während der Vestcll- zeit nicht ungewöhnliche Erscheinung, daß das landwirtschaftliche Angebot eine Einschränkung erfährt in Verbindung mit der allgemein schwa­chen Versorgung hat namentlich in Mittel­deutschland ein stärkeres Kaufbedürfnis zu Tags treten lassen, dessen Befriedigung nur unter Be­willigung erhöhter Preisansprüche erfolgen konnte. Auf dem zeitweise durch feste amerika­nische Berichte angeregten Terminmarkte machte sich andauernd Deckungsbedürfnis geltend, zum Teil infolge der verzögerten Erfüllung rumäni­scher März- und Aprilverpflichtungen. Auch für Roggen zeigte sich aus diesem Grunde und gegen nach Sachsen verkauften russischen Roggen, dessen direkte Forderungen höher lauteten, seitens hie­siger Importeure etwas mehr Deckungsfrage. Der Umstand, daß der Bedarf für Roggen nur geringe Ansprüche stellt, sowie das Fehlen neuer Exportfrage machte sich in Anbetracht des schwa­chen Angebots weniger fühlbar. Für Hafer ist der Bedarf ziemlich zurückhaltend, auch scheint sich Mitteldeutschland aus den angekommenen Winterladungen von Schlesien und Posen vor­erst genügend versorgt zu haben: da sich in den Nachbefchaffungsoerhältnissen aber nichts ge­ändert hat, blieb die Haltung vorwiegend fest. Die durch Schwierigkeiten im Hamburger Hafen- betrieb noch verschärfte Knappheit in greifbarer Futtergerfte sowie in Mais haben die Preise für diese beiden lebhaft begehrten Futterartikel weiter anziehen lassen.

Weizen

Frankfurt a.M. 195

191

201

184

185

188

194

Berlin Leipzig Hamburg Hannover Köln

. Mannheim

(+21 (+9) (+2) (-) l' l 'M (+2)

170*f,(-*/,) 185 (-) 178 (+2) 192 (+2) 172 (-2) 184 1)

175 (-) 188 l-> 173 (> 130 (-)

177 (+/,) 191*/,i-M 177'/,'+**) 194 (-)

(58 stellten sich heute di« Eetreidepreise in Mark pro 1000 Kilogr. an den nachgenannten Otten, wöbe, das Mehr (+) bezw. Weniger (-) gegenüber der Vor» Woche in Klammern () beigefügt ist, wie folgt:

Roggen Hafer

Wenn Da noch eine Matter hast so folge ihr wenn sie sagt: Gebrauche für deine zarte Haut nur die vorzügliche Mhrrholin-Eeife.

Verantwortlich für die Redci.cn: Dr. Johanne» Otto in Marburg.

Lom Büchermark:.

»<= 5)ie frommeHelene. Am 15. April feiert Wilhelm Busch seinen 75. Geburtstag. Wiederum werden in die selbstgewählte, von stillem Glück erfüllte Einsamkeit des großen Humoristen zahllose Glückwünsche gesandt wer­den, aus denen der heitere und lebensftarke Mann zu Mechtshausen ersehen wird, wie allen Strömungen und Strebungen der literarischen Mode zum Trotz seine Werke dem Geist« auch un- serer Zeit nah verwandt bleiben, eben weil sie über jede Mode erhaben find. Zum 75. Geburts­tag unseres Wilhelm Busch beschert uns nun der Berlaq Friedrich Bassermann in München eine eigenartig schöne Festgabe. Es ist eine Reuaus- aabe derFrommen Helene", die letzt ihr 176. bis 181 Tausend in die Welt hinausgehen steht. S?e wird das Lieblingskind der Muse Wilhelm Buschs bleiben, so lange übet all' den kleinen Nöten und Nichtigkeiten des Daseins das er­freuliche Wesen waltet, das wir den deutschen Humor nennen, und das in Wilhelm Busch einen seiner größten, ja einen unsterblichen Vertreter besitzt.