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und Kirchhain.
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Marburg
Donnerstag 11. April 1907.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck imd Verlag- Iah. Lug. Koch, UinverfitätEuchdruckerei
Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
42. Jahrg.
Erstes Blatt.
Ei« hinkender Vergleich.
Bei Erörterungen über die Ostmarkenpolitik der preußischen Negierung ist wiederholt der Versuch gemacht worden, eine Parallele zwischen der polnischen Frage in Deutschland und der irischen Frage in Großbritannien zu ziehen und demgemäß auch die Behandlung gegeneinander abzuwägen, die dort die irische und hier die polnische Frage erfahren hat. Ein derartiger Vergleich ist aber vor allem aus zwei Gründen unstatthaft. Der Ire steht dem Briten nicht entfernt so fremd und anders geartet gegenüber, wie der Pole dem Deutschen. Die Nassenunterschiede, die sprachlichen Differenzen, die kulturellen Gegensätze sind im deutschen Ostmarkengebiet ungleich größer, als zwischen Engländern und Schotten einerseits und Iren andererseits. Was aber den Ausschlag gibt, ist der Umstand, daß dem Deutschtum kn der groß polnisch en Bewegung gewissermaßen die Avantgarde des w est - wärts drängenden slavischenVolks- t u m s entgegentritt, daß- hinter den nach Wiederherstellung ihrer politischen Selbständigkeit verlangenden Stämmen polnischer Zunge, die selbst 20 Millionen Köpfe stellen, die zehnfach, fünfzehnfach stärkeren finnischen Nationen stehen, bereit, auf dein Wege nachzudringen, den der Polouismus betreten hat. An der deutschen Ostgrenze stoßen also zwei Hauptflutwellen von durchaus verschiedenem nationalen und kulturellen Cbarakter aufeinander: wenn nicht heute schon, so doch wahrscheinlich in nicht allzuferner Zukunft wird die polnische Frage zu einer gesamtdeutschen, allgemein-germanischen Angelegenheit geworden sein, denn es wird sich nicht mehr darum allein handeln, die einstmals polnischen Gebietsteile des preußischen Staates gegen etwaige Lostrennungsversuche sicherzu- ftellen, es wird dann darüber entschieden werden, ob die Länder zwischen Oder und Weichsel germanisch bleiben oder s l a v i s ch werden sollen. Im Spiegel dieses Zukunftsbildes muß die Bedeutung der krischen Frage verschwindend klein erscheinen. Hinter der irländischen Bevölkerung steht keine größere Macht. Die britische Nation, die sich mit den irischen Ansprüchen auf Selbstverwaltung usw. auseinanderzusetzen hat, lebt in einer abgeschlossenen Inselwelt, sie wird von den großen nationalen Fragen, welche die kontinentalen Völker beschäftigen und beschäftigen nrüsten, kauur berührt, und sie ist, dank ihrer geographischen Vorzugsstellung, in der angenehmen Lage, in dem Ringen zwischen germanischer und pol- nisch-slavisch-tschechischer Kultur keinerlei Aufgabe und Verantwortung für die germanischen Interessen zu haben. Ein politisches tertium
.... .»g
U «Nachdruck verboten.)
In der SLule des Leidens.
| Roman aus dem New-Porker Leben
* von Erich Friesen,
(ftortiefciinß.
Themas Mackays Arbeitszimmer liegt direkt unter dem Dach — ein kleines, niedriges Kämmerchen mit Fenstern nach zwei Seiten hin. An der dritten Wand steht der Schreibtisch.
Als Felicie den kunstvoll gearbeiteten Schlüssel herumdreht, klopft ihr Herz doch ein wenig. Die Stimme des Gewissens läßt sich nicht so schnell ersticken.
Zuerst nimmt sie ein Paket Briefe heraus — jene Briefe, welche sie vor kurzem kopieren sollte. Dann legt sie einen Briefbogen daneben und beginnt, der Vorsicht halber, mit dem Kopieren eines der Briefe.
Rach wenig Zeilen schon wirft sie die Feder beiseite. Angestrengt lauscht ihr Ohr . . .
Kein Laut hörbar. Tiefe Stille ringsum...
Halt — schleichen dort nicht leise Schritte heran?
Nein — nichts. Ihre erregte Phantasie hat sie getäuscht.
Die kleine Uhr auf dem Kamin schlägt gerade viermal. Nur noch eine Stunde! Wie schnell die Zeit vergeht! . . .
Nun rasch ans Werk!
Sie drückt auf einen Knopf im Innern des Schreibtisches. Ein Türchen springt auf.
Hastig greifen ihre zitternden Finger in die Lade. Als sie dieselben zurückzieht, hält sie ein Scheckbuch in den Händen.
Wie Triumph zuckt es über ihre gespannten Züge. Ha, der Stiefvater ahnte nicht, damals, als er sie mit Kopieren der Briefe quälte, daß das dumme kleine Mädchen sich seine Kunstgriffe so genau merkte!
Jetzt ist sie ruhig, ganz ruhig. Nicht einmal ein bißchen Herzklopfen.
Mtt fester Hand füll! sie einen Scheck, lau»
comparationis zwischen der polnischen und der deutschen Frage existiert also nicht.
Aber auch unter dem wirtschaftlichen Gesichtspunkte ist ein Vergleich kaum möglich. Die Iren haben offenbar alle Ursache, mit den Verhältnissen. in denen sie leben, unzufrieden zu sein. Das beweist zur Genüge die eine Tatsache, daß in Irland die Auswandererzisfer noch immer einen sehr bedeutenden Prozentsatz aufweist. Im Jahre 1906 sind ausgewandert nahezu 36 000 Personen, das sind 8,2 auf 1000 Personen und rund 4700 Personen mehr als im Jahre 1905. In den letzten 5 Jahren sind durch die Auswanderung durchschnittlich 34 000 Personen dem Lande entzogen worden. In den letzten 50 Jahren haben rund 4,1 Millionen Irländer ihre Heimat verlassen. Damit vergleiche man die Verhältnisse in den gemischtsprachigen Landesteilen des preußischen Staates. Wie die deutsche Auswanderung überhaupt, ist auch die polnische Auswanderung auf einen kleinen Bruchteil des früheren Umfanges zurückgegangen. Die polnischsprechende Bevölkerung in Posen, Westpreußen und Oberschlesien befindet sich, wie der wachsende Wohlstand und der rasch sich erweiternde Geschäftsumfang der polnischen Banken beweisen, in durchaus günstiger Erwerbsund W i r t s ch a f t s l a g e, und seit Jahrzehnten finden Hunderttausende polnischer Staatsbürger im rheinisch-westfälischen Industriercvier lohnende und regelmäßige Beschäftigung, die sie befähigt, erhebliche Ersparnisse zu machen oder geschäftliche Unternehmungen anzufangen. Wer sich vergegenwärtigt, wie die Lage der heute unter preußischer Oberhoheit lebenden polnischen Bevölkerung vor 100 Jahren war. muß zu dem Urteil kommen, daß die Polen alle Ursache haben, mit ihrem Lose zuftieden und dem preußischen Staate, der ihr Wohltäter geworden, dankbar zu sein.
Dieser politischen und wirtschaftlichen Unterschiede möge die ausländische Presse, mögen besonders englische und französische Blätter sich bewußt werden, die — vielleicht im guten ©tauben — für die großpolnische Bewegung Partei genommen und die Abwehrmaßnahmen der preußischen Regierung verurteilt haben. Wer sich die Mühe nimmt, der Sache auf den Grund zu gehen, muß anerkennen, daß die irische und die polnische Frage, die in ihrem Wesen und ihrer Tragweite himmelweit verschieden sind, mit gleichen Mitteln nicht gelöst werden können: er weiß aber auch, welche verantwortungsvolle Aufgabe der preußischen Regierung mit der notwendigen Abwehr der großpolnischen Bewegung gestellt ist. Deshalb sollte die Presse aller Nationen, die mit der deutschen die Interessen der germanischen Welt wahr nehmen wollen, die Bemühungen der preußischen S t a a t s r e g i e r u n g um d i e E r h a l t u ng des ost märkischen Deutschtums als eines Bollwerkes gegen die pol-
tenb auf zweitausend Dollars, aus. Dann nimmt sie einen der Briefe, welche fic. kopieren sollte, legt ein ganz dünnes Stück Papier darüber und zeichnet-die Unterschrift „Thomas Mackay" mit Bleistift durch. Hierauf legt sie den dünnen Bogen mit der Bleistiftunterschrift auf den aus- gefüllten Scheck, überfährt dieselbe nochmals mit einem harten Bleistift, so daß sich die Schriftzüge auf dem Scheck abheben und zieht schließlich das Ganze sorgfältig mit Tinte nach.
Ganz vertieft in ihre Arbeit, hat sie gar nicht bemerkt, wie sich der Himmel bewölkte.
Jetzt — ein Blitz, gefolgt von einem fürchterlichen, erderschütternden Krach--
Entsetzt springt Felici« empor.
Vernimmt sie die Stimme Gottes, die m dem Donnerschlag zu ihr spricht? Ahnt sie, daß sie im Begriff steht, ihre reine Seele zu beflecken mit einem Verbrechen, das vielleicht ihr ganzes ferneres Leben zerstört? ....
Nichts von alledem. Ihre Seele ist verblendet von der leidenschaftlichen Liebe zu Norbert. Nur an ihn denkt sie in dieser Stunde der Versuchung.
Sorgsam legt sie das Scheckbuch, nachdem sie das oberste Blatt abgerisien, wieder in das Geheimfach, drückt den Knopf zu, schließt den Schreibtisch, nimmt schnell Hut und Umhang und eilt die Treppe hinab, vorbei an der Küche, wo die Mutter noch immer herumhantiert, die Kanalstraße entlang durch mehrere andere Straßen, bis nach der Vierzehnten Straße — hin zum „Universal-Bankgebäude".
Fünf Minuten vor fünf Uhr betritt sie das Bankhaus. Die Beamten sind bereits mit Zusammenpacken ihrer Bücher beichäfftgt: einige haben ihre Fensterchen schon geschlosien.
Festen Schrittes, ohne mit den Wimpern zu zucken, reicht Felicie ihren Scheck dem Beamten durch's Fenster. ,
Nur flüchtig mustert der noch junge Mann den Scheck den Felicie mit ihrem eigenen Namen, als an sie zahlbar, versehen hat: um so länger und feuriger ruhen seine Blicke auf dem reizenden, pikanten Gesichtchen vor ihm.
nisch-slavische Gefahr anerkennen, nicht aber mit spöttischen Bemerkungen oder törichten Vorschlägen ihr in den Rücken fallen.
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Deutsches Reich.
— Wiederbeginn der parlamentarischen Ber- handlungen. Am heutigen Mittwoch hat sowohl der deutsche Reichstag, als auch das preußische Abgeordnetenhaus die Sitzungen wieder ausgenommen. In beiden Parlamenten handelt es sich darum, die Etats ohne Säumen unter Dach zu bringen. Das Abgeordnetenhaus ist in der zweiten Beratung des Staatshaushaltsetats schon ziemlich weit vorgeschritten, wird also nur noch wenige Zeit auf die weitere Behandlung dieser Vorlage aufzuwenden haben. Dafür tritt dann das Herrenhaus in die Beratung derselben ein und dürfte sich gerade diesmal die Gelegenheit nicht entgehen lasten, in der Generaldebatte die Forderung des „Tages", und was damit zusammenhängt, ausgiebig zu erörtern. ,
Im R e i ch s t a g e soll erst noch mit der zweiten Etatsberatung begonnen werden. Vor den Osterferien ist ein reichlicher Teil der verfügbaren Zeit mit allzu ausführlicher Diskussion über ein Dutzend Interpellationen — man kann es getrost sagen — verschwendet worden. Was diese Interpellationen selbst betrifft, so hatte die Regierung zwei nicht beantwortet: die über die angeblichen amtlichen Wahlbeeinflussungen und über den polnischen Schulstreik. Die übrigen Interpellationen betrafen den Verkehr mit Wein, bei deren Beantwortung Graf Posa- dowski) das geltende Weingesetz verteidigte, die Sozialpolitik, wobei derselbe Staatssekretär die Richtlinien ihrer künftigen Entwicklung im Reich vorzeichncte, und die Strafprozeßordnung, deren Abschluß sich zwar immer noch verzögert, während nach den Erklärungen des Staatssekretärs doch der feste Wille vorhanden ist, sie durchzuführen. Und endlich hatte die Interpellation des nationalliberalen Abgeordneten Frhrn. von Heyl über die Verhältniste der Privatangestell- ten die Herausgabe und Veröffentlichung der umfangreichen Denkschrift über diese Verufs- klaste zur Folge. In den fünf Wochen, die noch bis Pfingsten zur parlamentarischen Arbeit übriableiben, wird sich der Reichstag eines etwas schuelleren Tempos befleißigen miisten: gilt es doch, den Hauptetat und die Ergänzungsetats in zweiter und dritter Lesung zu erledigen, sowie die Vorlage über die Erhöhung der Veamten- gehälter.
— Gustav Schmolle, über die deutschen Beamtenministerien. In zwei ausgezeichneten Aufsätzen, die in der „Wiener Reuen Freien Presse" erschienen sind, sucht Gustav Schmoller, der gefeierte Berliner Ctaatsrechtslehrer. unter Verwendung seiner umfastenden Kenntniste der Gründe für das Heranwachsen des branden-
Um ja keinen Verdacht aufkoMmen zu lasten, erzählt Felicie, die Summe sei von ihrem Vater für ihre Ausstattung bestimmt. Sie mache in den nächsten Tagen Hochzeit und wolle sich schön einrichten.
Diese ungewöhnlichen, vertraulichen Mitteilungen aus dem Munde eines schönen Mädchens schmeicheln dem jungen Mann.
Bald liegt ein kleiner Haufen Banknoten vor Felicie auf dem Ladentisch.
Unerfahren in Geldangelegenheiten, hat sie keine Ahnung, wie sie die Scheine an sich nehmen soll. Vergebens bemüht sie sich, dieselben in ihre Tasche zu stecken.
„Darf ich Ihnen vielleicht ein Säckchen anbieten?" fragt der Beamte höflich. „Wir haben dieselben für solche Fälle vorrätig."
„Ja, bitte?“
Mit Hilfe des jungen Mannes ist das Säckchen schnell gefüllt — gerade, als die Uhr vom nahenTurm fünfmal erdröhnt.
„Schluß!"
Die noch offenen Fensterchen klappen zu. Der junge Beamte blickt noch einmal der davoneilenden Mädchengestalt nach. Dann schließt auch er sein Fenster.
Gleich daraus steht Felicie draußen auf der Straße. Hinter ihr knirscht der schwere Eisenriegel vor der Eingangstür zum Bankhaus.
Inzwischen hat der Himmel all seine Schleusen geöffnet. Das gießt und trieft und refdt und plätschert, als ob auf der ganzen Erde kein Fleckchen mehr trocken bleiben soll.
Felicie besteigt hastig die Straßenbahn und ist in wenig Minuten wieder in der Kanalstraße angelangt. Große Schweißtropfen rinnen ihr von der Stirn: sie achtet desten nicht.
Zum Glück ist die Haustür nur angelehnt. Unbemerkt schliipfpt Felicie ins Haus.
Nachdem sie ihren kostbaren Schatz unter der Matratze ihres Bettes verborgen, geht sie hinunter ins Wohnzimmer.
■ Doch auch hier treibt es sie wieder fort. Rast-
zu retten!
(Fortsetzung folgt.)
burgisch-preußischen Staates zur deutschen Weltmacht die innere Notwendigkeit der deutschen Beamtenministerien zu beweisen und kommt habet zu folgendem Schluß:
„Sie mögen ihre Nachteile haben, aber sie sind kleiner als die, welche wir mit wechselnden Parteiministern hätten. Wir dürfen auch nicht vergesten: ein tiichtigesDeamtentum. das nie bis zu der Ministerstelle vordränge, würde den wichtigsten Impuls der Anstrengung, des Streben, verlieren, sänke zu einer Klaste von Subalternbeamten oder Kommis herab. Der wichtigst, Weg, wie besitzlose Talente emporkommen, wär« verlegt. Wir werden daher mit Gustav Rümelin über das deutsche konstitutionelle System sagen müssen, „daß sein Wesen nicht in wechselnden parlamentarischen Ministern, sondern daran liege daß die Handlungen der monarchfichen Gewalt der öffentlichen Verantwortung unterlägen, daß von dem gegebenen Rechtszustanb ohne Zustimmung der Volksvertretung nichts alteriert werden könne, sowie daß durch die öffentliche Diskussion die Kronen genötigt seren, zu ihren Ratgebern Männer von Talent und Charakter zu nehmen." Also eine königliche Regierung über den Parteien, aber nicht gegen und nicht ohne die Parteien. Keine königliche Regierung im Sinne persönlichen Regiments, im Sinne einer übernatürlichen göttlichen Beeinflussung der Fürsten, sondern in dem Sinne, daß die Fürsten, die naturgemäß das größte individuelle Interesse am Staatswohl haben, sich mit den Ministern umgeben, die in Führung der Staatsgeschäfte die größte Erfahrung die größten Talente besitzen, die besten Charaktere zeigen und fähig sind, Majoritäten in den Parlamenten nicht durch Koterienzusammenhang, sondern durch das Gewicht vernünftiger Gründe zu schaffen." t
Sehr richtig bemerkt hierzu der „Rheinische Kurier": Man kann dieser Auffassung, bte aus dem Gesetz des natürlich Gegebenen die „Staats» raison" philosophisch ableitet, nur von Herze« zustimmen. „
— Die Ostertagung des Eoangelrschen Bundes. In den Tagen vom 2. bis 4. April fand in Eisenach, am Fuße der Wartburg, die diesjährige Frühjahrsversammlung des Eesarntvor- standes des Evangelischen Bundes statt, zu der aus allen Gauen des deutschen Vaterlandes Vertreter der Hauptvereine erschienen waren. De« Beratungen des Eesamtvorstandes gingen Sitzungen des Wehrschatzes, des Preßausschusie, und Erörterungen mit den Schriftleitern bei einzelnen Bundesorgane voran, wie immer mehr bei aller berechtigten, nach provinzielle« und landschaftlichen Eesichtspuntten geführten Sonderarbeit, auch eine innere Geschlossenheit in der Preßtätigkeit des Bundes erzielt werden möchte. Die Verhandlungen, die den Eesantt- vorstand dann selbst beschäftigten, leitete der Geschäftsbericht des Präsidiums ein, den der Direktor Lic. Everling gab. Dieser verbreitete sich u. a. über die Berechtigung und die Grenzen loTeitt sie von Zimmer zu Zimmer, in fieber- Hafter Erregung die Zeiger der Uhr verfolgend,
„Noch immer nicht 6 Uhr!"
Wie der Aufschrei eines gequälten Herzen, ringt es sich von ihren Lippen.
Frau Mackay hebt verwundert den Kopf von ihren Stricknadeln.
„Geht dir die Zeit zu langsam, Kind?"
„Ja, Mutter." _
„Lies die neue Novelle von Savage — sie liegt oben auf der Kommode. Dann vergeht dir die Zeit."
„Ich mag nicht lesen. Mutter ich btn so unruhig. Ich möchte ins Theater."
„Aus Sehnsucht nach Barringtan, wie?" „Ja, Mutter. Ach, ich liebe ihn ja so sehr!" Traurig schüttelt Frau Mackay den Kopf.
„Armes Kind, deine Leidenschaftlichkeit, bei, Ungestüm werden dir noch manche bittre Leh« geben. Du wirst noch viel zu leiden haben. Wo. rum nimmst du das Leben nicht wie ich — still« geduldig, ohne Murren?"
Felicie hält in ihrem nervösen Auf- und Ab-
„Warst du stets so sanft und geduldig Mutter? Ohne jeden Funken von Leidenschaft?
Wehmütiges Lächeln breitet sich über die gramdurchfurchten Züge der grauhaarigen Frau.
„Nein, mein Kind. Auch ich war jung und schön und — leidenschaftlich. Wie hätte ich sonst die Liebe eines Walter Edwards gewinnen können! O, dein Vater — das war ein Mann? Brett von seinem Schlag gibt's nicht auf der Welt!"
„Und doch gabst du ihm einen solchen Nachfolger, Mutter!"
Eine heiße Träne tropfte bei diesem Vorwurf auf die bleiche Wange der Frau. Hat die Tochter nicht recht mit ihrer Frage? Frau Mackay begreift jetzt selbst nicht, wie sie den rüden Thomas Mackay heiraten konnte. Ach, sie tat es ja nur, t um sich und die kleine Tochter vor dem Hunger