mit dem Kreisdlatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
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Marburg
Mittwoch. 10. April 1907.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag' Joh. Aug.Koch, UniversitätK-Vuchdruckerel 42. Jümg« Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
Italien, Griechenland und die albanesische Frage.
Anläßlich des Besuches Königs Georg von Griechenland in Rom, der jetzt durch die Reise Victor Emanuels III. an den Athener Hof eine Erwiderung findet, war in der Nuova Antologia ein Artikel erschienen, der sich mit der griechischen Balkan Politik beschäftigte. Die seiner Zeit sehr "auffällig bemerkten Ausführungen gipfelten in --j»eni Vorwurfe, daß Griechenland fast ausschließlich sein Interesse den Balkanprovinzen zuwende, wo es dml) nur auf Gegner stoße. Für die griechische Regierung sei es ratsamer, den griechischen Inseln mehr Aufmerksamkeit zu widmen, die zum natürlichen Bereich des hellenischen Elements gehörten und sich frei von Vermischung mit fremden Nationalitäten gehalten hätten, die den Griechen feindlich gegenüberstünden. Auch in Kleinasien habe Griechenland weit größere und wichtigere Znteresien zu wahren als auf dem Balkan. Dieser Hinweis — später in gewissem Sinne unterstrichen durch die Erklärungen Ttt- tonis in der italienischen Deputiertenkammer am 7. Februar d. I. — ließ deutlich erkennen, wie man in Rom die Bestrebungen Griechenlands im nordwestlichen Balkan beurteilte und wie wenig man geneigt schien, seine Ansprüche anzuerkennen.
Italien wünscht nicht, daß Griechenland ihin im alten Epirus politische Konkurrenz macht. Seit der Thronbesteigung Victor Emanuels III. betreibt Italien eine bedeutend aktivere orientalische Politik als vorher und sucht sowohl Oesterreich als auch Griechenland mit Erfolg in Albanien auszuschalten. Augenblicklich ist Italien seinem österreichischen Nebenbuhler weit voraus, dank der besseren Propaganda, die es in Alba- . nicn und der ganzen Ostküste der Adria ins Werk gesetzt hat. Ein weitverzweigtes Schulsystem bildet den Grundstock, dazu kommt die große Anzahl von Konsulaten, die mit politisch 'tcgfatnen Männern besetzt, den italienischen Einfluß in dauernder Arbeit verstärken. Die bekannte Dante Alighieri-Gesellschaft (die auch in Deutschland Zweigvereine besitzt) unterstützt durch die Verbreitung der italienischen Sprache aufs beste die Arbeit der Diplomatie. Junge Albanesen, die durch den italienischen Lehrer für Italien empfänglich gemacht werden, kommen auf die höheren Schulen der großen italienischen Städte, erhalten dort ihre Bildung und für die italienische Politik gewonnen, wirken sie später zu gunsten Italiens im türkischen Reiche, besonders in Albanien selbst. Es gibt hohe türkische Staatsbeamte albanesischer Herkunft, die der italienischen Propaganda durchaus freundlich gegenüberstehen, in der Hoffnung, aus ihrer Haltung Vorteil zu ziehen, wenn die Frage der
10 (Nachdruck verboten.)
In der Schule des Leidens.
Roman aus dem Ncw-Porker Leben
,7 von Erich Friesen.
(ivDTtifbuna.
Leise, stockend, manchmal unterbrochen von feilem Aufseufzen, kommen die Worte von den Lippen der Frau Mackay.
Als sie geendet, lacht Felicie bitter auf.
„D Mutter, Mutter, welch leichtgläubige Seele besitzest du! Der Mensch — ich kann seinen Namen gar nicht aussprechen! — er brach die echten Diamanten aus ihrer Fassung und setzte Elassteine hinein — wertloses Glas! Ich ließ die angeblichen Diamanten von einem Juwelier taxieren; ich wollte sie ja verkaufen, um Norbert zu helfen .... Da, Mutier nimm deine Elassteine!« c _
Verächtlich wirft sie der alten Dame das Etur tn den Schoß und stürzt laut aufschluchzend zum Zimmer hinaus.
Auf der Treppe begegnete sie Barrington.
„Ah, Licy, da bist du ja? Ich wollte gerade zu dir. Sei nicht böse: aber ich muß dich wieder an dein Versprechen erinnern. Fräulein Douglas fragte mich soeben, ob ich ihr Geld schon deponiert habe. Als ich es verneinte, meinte sie, das fei gut. Sie habe soeben von ihrem jüngeren Bruder, der schwer an den Folgen einer Lungenentzündung leide, die Nachricht erhalten, er müsse sofort nach dem Gäben; sein Leben stehe in Gefahr. Nun will die edle Seele einen Teil ihres gesparten Geldes hergeben, um den Bruder vom Tode zu retten. Sie bat mich, ihr heute Abend die Summe zurückzuerstatten, sie bebaute, mir die Mühe umsonst gemacht zu haben."
„Siehst du, mein Lieb," schließt Norbert feinen hastig hervorgestoßenen Bericht, „ich weiß, es ist nicht schön von mir, wenn ich dich dränge. Aber du hast es mir ja selbst angeboten, und ein junges Leben steht vielleicht auf dem Spiel —
Autonomie Albaniens praktische Bedeutung gewinnt.
In Albanien ringt Italien mit Oesterreich um den vorherrschenden Einfluß. Missionare aus beiden Ländern waren die ersten, die den Boden für die Diplomaten vorbereiteten. Sub- sidien für die Chefs der einzelnen Stämme taten das ihre, die Bevölkerung mit Sympathie für die eine ober andere Macht zu erfüllen, je nachdem das politische Interesse war. Italien verstand es, mit der Propaganda der Kirche und Schule die wirtschaftliche Erschließung zu verbinden, die jetzt seinem Einfluß das Uebergewicht gesichert hat. Im vergangenen Sommer wurde mit besonderer Unterstützung der italienischen Regierung die Antivari-Gesellschaft gegründet, ein von italienischen Kapitalisten finanziertes Unternehmen zur verkehrspolitischen Erschließung Montenegros. Das Fürstentum besitzt bekanntlich nur den einen größeren Hasen Antivari am adriati- schen Meer. Aber cs verstand diesen Ausgangspunkt des Berglandes nicht zu benutzen. Da bot sich die neugegründete Gesellschaft der Regierung in Cetinje an, Hafenanlagen in Antivari zu errichten, um einen ausgedehnteren regelmäßigen Schiffs- und Handelsverkehr zu ermöglichen. Das notwendige Kapital war auf 4 Millionen Lire veranschlagt, die jährlichen Kosten sollten 450 000 Lire betragen, denen eine Bruttoeinnahme von 275 000 Lire entgegenstehen würde. Das allein wäre ein unrentables Geschäft gewcfen. Um das eine Unternehmen ertragreicher zu gestalten, verband man mit ihm ein zweites. Die Gesellschaft erhielt vom Fürsten von Montenegro die Konzession für eine Eisenbahnlinie, die Antivari mit dem Skutarisee verbinden soll. Außerdem wurde ihr das Schiffahrtsmonopol auf dem See erteilt, soweit die montenegrinische Oberhoheit sich erstreckt. Die andere Hälfte des Sees gehört der Türkei.
Welche große handelspolitische Bedeutung dieses Unternehmen für Italien haben wird, zeigt ein Blick auf die Karte. Der Vertrag der Gesellschaft mit Montenegro gibt ihr das Recht, Antivari mit einem Punkte am Skutari-See durch die Eisenbahn zu verbinden. Der Verkehr von Cetinje und aus dem übrigen montenegrinischen Hinterland nimmt in Zukunft den Weg Aum See und von dort mit der Bahn nach Antivari. Antivari selbst soll Freihafen werden und die Gesellschaft ist ermächtigt, dort ihre Handelsniederlassungen zu errichten. Der Einfuhr- und Ausfuhrhandel Montenegros wird von Cattaro abgelenkt, das bisher der Zentralpunkt war. Oesterreich wird hier vollständig ins Hintertreffen geraten. Die albanesische Politik Italiens kommt ebenfalls auf ihre Rechnung. Das türkische Skodre am Ostende des Sees, die Hauptstadt Albaniens wird auf diese Weise ebenfalls mit Antivari verbunden, das als Hauptstapelplatz
abgesehen von Fräulein Douglas selbst--
Mein Gott, Licy, wie rot du aussiehst! Was ist dir?« ■
„Nichts, nichts? Mein Kopf schmerzt — nichts weiter!" sucht sie abzulenken. „Denk' nur: morgen spiel' ich die Ophelia! Gestern war ich noch nichts, ein Mädchen unter Tausenden; in einer Woche aber — da werden viele von Felicie Edwards sprechen."
„Felicie Edwards?" wiederholt Barrington fragend. „Du bist doch immer als Felicie Mackay aufgetreten!"
„Sprich den Namen nicht aus? Mein Vater hieß Edwards; diesen Namen führe ich, bis ich —" ein glückseliger Ausdruck verklärt für einige Augenblicke ihre erregten Züge — „bis ich Felicie Barrington heiße."
„Mein süßes Lieb! .... Aber ich will dich nicht länger aujhalten. Kann ich die Summe heute Abend — du weißt schon —“
„Ja — gewiß."
„Du sagst das so zögernd; tut dir dein Versprechen schon leid?"
„O nein, nein!"
„Ich werde also das Geld bekommen?" I
„Ja"
„Ganz sicher?"
„Ganz sicher. Geh' jetzt. Norbert? Ich fühle mich wirklich nicht wohl."
Felicie ist einer Ohnmacht nahe. Stützesuchend umklammert sie das Treppengeländer.
Erschrocken beugt Norbert sich über sie. Hat er Unrecht getan, das arme Mädchen zu drängen? Und doch — wenn das Kollier wirklich so wertvoll ist, kann sie es nicht versetzen und wieder einlösen?
Der Egoismus, von dem in jedem Manne linb besonders in jedem Künstler ein gut Teilchen steckt, siegt schließlich. Er weiß — das Mädchen da vor ihr liebt ihn, liebt ihn bis zum Wahnsinn. Binnen kurzem wird er sie zu seiner Gattin machen; kann sie nicht als Gegenleistung ein kleines Opfer bringen? .>,
den Verkehr nach Nordalbanien regeln wird. Die türkische Provinz steht bann ganz unter dem handelspolitischen Einflüsse Italiens. Ein Zukunftsbild ist frellich die Bahnlinie Antivari-Nisch, deren Bau Serbien ebenfalls in handelspolitischer Hinsicht von Oesterreich unabhängig machen würde, wie das bei Montenegro mehr und mehr der Fall fein wird. Man sieht, mit welchem Erfolg die italienische Politik gearbeitet hat. Den einmal erreichten Vorsprung kann ihr niemand mehr verkürzen.
Griechenland sieht begreiflicherweise diese Ausdehnung des italienischen Einflusses mit großem Mißtrauen an. Schon werden in der griechischen Presse Stimmen laut, die entschieden das Recht verweigern, das griechische Epirus in ein autonomes Albanien einzubeziehen. Man beruft sich auf die Berliner Konferenz. Die Tatsache, daß bereits Versuche gemacht worden sind, das griechische Element zurückzudrängen und zu unterdrücken, hat die Wachsamkeit Griechenlands nur verschärft. Man ist dort entschlossen, den allzuweitgehenden Ansprüchen Italiens auf Albanien in jeder Weise entgegenzutreten. Der bevorstehende Besuch des Königs von Italien am Athener Hofe wird zwar nur als Höflichkeitsakt bezeichnet und die Begleitung des Ministers Tit- toni mit dem italienifchen Gepflogenheiten begründet. Trotzdem hat man allen Grund zur Annahme, daß auch politische Dinge besprochen werden. Die albanesische Frage wird sicher zu den wichtigsten Erörterungsgegenständen gehören; denn in Griechenland legt man besonderen Wert darauf, daß die Frage im hellenischen Sinne gelöst wird. . Dr. Dörkes-Boppard.
— Beamten - Besoldung.
Zu dem Artikel in Rr. 80 betreffend „Ministerialdirektor Dr. Thiel über die Aufbesserung der Veamtenbesoldung" wird uns aus Beamtenkreisen geschrieben: Die in dem Artikel niedergelegten Gesichtspunkte und Grundsätze für die Neuregelung der Beamtenbesoldungen sind durchaus beherzigenswert und cs wäre sehr erwünscht, wenn sie bei der Ausarbeitung der neuen Besoldungsvorschriften eine entsprechende Beachtung finden würden. Indes hat Ministerialdirektor Dr. Thiel einen sehr wichtigen Punkt für die Neuregelung unberührt gelassen, dieses-betrifft die Sorge dafür, daß der Beamte in einem angemessenen Lebensalter in den Genuß des Höchstgehaltes seiner Stellung gelangt, sofern et die verspätete Erlangung nicht etwa selbst verschuldet. Wie jetzt die Verhältnisse bei vielen, ja wohl den meisten Vehörden liegen, ist die Erlangung des Höchstgehaltes vielfach von Zufälligkeiten und anderen Umständen abhängig, an deren Eintritt oder Vorhandensein der Beamte ganz unbeteiligt ist. Dennoch wirken diese Zufälligkeiten rc. bestim-
Noch ein inniger Kuß — und dann —
„Leb' wohl, Licy! Also bis heut' Abend!"
Matt nickt sie Zustimmung . . .
Gleich darauf ist er hinter der Haustür verschwunden.
Wie geistesabwesend starrt Felicie vor sich hin. Was hat sie versprochen? . . . Wie kann sie dieses Versprechen halten? . . . Woher zweitausend Dollars nehmen? . . .
Ein wilder Haß gegen ihren Stiefvater wallt in ihr auf — gegen den Schurken, der ihre arme Mutter so unglücklich gemacht, der jetzt auch an ihrem eigenen Unglück Schuld ist . . .
„Er ist ein Dieb! Er hat mir mein Vermögen gestohlen! Wie es ihm wieder entreißen?" . . .
Sie glaubt in der Enge des Hauses ersticken zu müssen. Hinaus, hinaus ins Freie?
Barhäuptig, ohne Ziel — so läuft sie planlos die Straßen auf und ab.
Wirre Gedanken durchschwirren ihr Hirn. ..
„Ich muß das Geld beschaffen! Aber wie? Wie??"
Sie bleibt stehen. Eine Idee durchzuckt sie — eine wahnsinnige Idee. Zwar schreckt sie noch davor zurück. Doch--
„Er hat mich bestohlen; cs ist nicht mehr als recht und billig, wenn ich mir wenigstens einen Teil meines Eigentums wieder zurückhole," murmelt sie vor sich hin.
„Vorwärts, Fräulein, vorwärts?" ruft ihr ein Polizist zu, der sie schon eine Weile beobachtet und an ihren gesunden fünf Sinnen zweifelt.
„Ja, vorwärts!" wiederholt Felicie, sich aufraffend, gleich einer Schlafwandelnden, die soeben aus einem bösen Traum erwacht, .vorwärts! .... Wie spät ist es, mein Herr?"
„Halboier Uhr, Fräulein."
„Wissen Sie, wie lange die Bankge|chäfte offen haben?"
Der Polizist antwortet nicht sogleich. Die Frage kommt unerwartet, besonders aus dem Munde einer jungen Dame. Gewiß ist sie verrückt!
mend für sein Aufrücken im Gehalt — also auch für die Erlangung des Höchstsatzes — während der ganzen Dienstzeit. — Der Zeitpunkt der Erlangung des Höchstgehaltsatze, ist daher für die Beamten zum größten Leidwesen Vieler sehr verschieden. Es gibt Beamte, die das Höchstgehalt ihrer Stellung schon in den 40et Lebensjahren erreichen, wogegen andere erst Mitte, Ende der 50er Jahren, ja bis in die 60er Jahre auf dieses Ziel warten müssen, also in einem Lebensalter, das durchweg nut ein Bruchteil der Beamten erreicht. Die in solch' ungünstiger Lage Befindlichen haben vielfach überhaupt keinen ober nur einen äußer ft geringen Genuß von dem Höchstgehaltsfatze ihrer Stellung, und der Höchstgehaltssatz — de» andere Beamte unter Umständen 15 Jahre uns mehr früher erreichen — ist doch die eigentliche Vergütung für die betreffende Beamtenstelle, die eigentliche B e w e r t u n g des Amtes. Die Höchstbesoldung der Stellung müßte notwendigerweise in einem Lebensalter erreicht werden, in dem der Beamte am leistungsfähigsten ist und in welchem er auch in der Regel die höchsten Aufwendungen für feine Familie zu machen hat in die Zeit des mittleren Lebensalters, sagen wir in das Alter von 50 bis 52 Jahren. Was darüber merklich hinausgeht, ist zu spät. Daß es für diejenigen Beamten, die in der obenge- fchilderten ungünstigen Lage sind, äußerst nachteilig und drückend ist und von diesen als hart und bitter empfunden wird, braucht nicht naher erörtert zu werden. — Diesem vielfach unterschätzten Uebelstande endlich abzuhelfen, nunmehr eine gerechtere und von Zufälligkeiten und dergleichen unabhängige Einreihung in die Gehaltsstufen herbeizuführen, sollte für die Ausarbeitung der neuen Vesoldungsvorschnften und Einweismigsanordnungen immer der 5) aupt = g e s icht sp u n k t sein. Was nützen^ ..Besoldungserhöhungen, Erhöhungen der Hochstge- haltssätze, wenn sie von einem Teil der Beamten nur kaum oder kurz vor Torschluß, nach dem Zeitpunkte, in dem der Beamte seine Hauptaufgaben für Amt und Familie zu erfüllen hatte, erreicht werden? Sie sind unvollkommen und für Viele wirkungslos, wenn nicht gleichzeitig eine gerechte und von sozialpoliti- schem Geiste getragene Regelung für die Ein- Weisung in die Besoldungsstufen eintritt. Jedem das Seine!
Deutsches Reich.
— Der Kaiser hatte am Montag vormittags eine Besprechung mit dem Staatssekretär von Tschirschky und hörte im Schloß die Vortrage des Hausministers und des Chefs des Zivilkabinett->. Um 12i/3 Uhr empfing der Kaiser den neu ernannten Boschafter Jules Carnbon rn Antritts- Audienz. m .
— Zur Jnvaliditätsversicherung. Nach dem Anfangs 1900 in Kraft getretenen neuen Jnva- libenversicherungsgesetze kann einem Renten«
Doch Felicie ist zu hübsch, um unhöflich gegen Re zu fein. So sagt er freunblich: .....
, Ich glaube, die Bankgeschäfte find bis fünf Uhr offen, Fräulein."
Hastig dreht sie sich auf dem Absatz herum und schießt, vorbei an dem verblüfften Polizisten, die Straße entlang, ihrer Wohnung zu.
VI.
'Xn ihrem Zimmer angelangt, schöpft Felicie ein paarmal tief Atem, um ihrer namenlosen Erregung Herr zu werden.
Dann geht sie in die Küche hinunter.
„Ist der Vater zu Hause, Mutter?
Rein, er kehrt erst spät Abend zuruck. Um Gottes willen, Kind, stell' ihn nicht zur Rede wegen — du weißt schon--et würde mich
totschlagen?"
Felicie hat ihre Selbstbeherrschung wiederge- funben. ,, ... „
„Nein, Mutter, so dumm bin ich nicht, erwidert sie ruhig. „Was einmal geschehen ist nicht zu ändern.. Aber, um '"«ne Gedanken zu zerstreuen, muß ich etwas zu tun haben. Weißt bu wo der Vater den Schlüssel zu feinem Schreibtisch bewahrt? Ich will ein paar Briese für ihn kopieren. Er bat mich vor einiger Zett darum und ich weigerte mich damals."
Frau Mackay blickt ihre Tochter erstaunt an. Woher dieser plötzliche Stimmungswechsel? Diese liebenswürdige Unterwürfigkeit?
Doch sie ist zu glücklich darüber, als daß sie sich lange mit Gedanken herumquälen sollte
„Gewöhnlich nimmt er den Schlussel mit sich, Kind Aber heute, in seiner frohen Laune — vielleicht hatte er früh auch schon cm paar Whiskys getrunken — da hat er ihn aus Ve^ sehen stecken lassen. Hier ist der Schlussel!! Unb kopier' nur recht viel Briefe, mein Herzblattt Der Vater wird sich freuen! Und ich hab s batte nicht jo schlecht bei ihm." ....
.(Fortsetzung folgt.)