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besserung der Beamten. Daß der Reichstag sich vor Pfingsten noch mit Steuerprojekten beschäftigen wird, ist wenig wahrscheinlich, zumal die zweite Session bereits Ende Oktober beginnen soll.
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Der Reichstag hat in seinem hinter uns liegenden Tagungsabschnitte leider auch unter einer argen Vielrederei gelitten. Es ist nicht überflüssig, dies einmal auf Grund des amtlichen Materials klarzustellen. Die stenographischen Berichte für die Zeit vom 19. Febr. bis zum 20. März enthalten auf 643 Druckseiten etwa 1286 Spalten. Von diesen werden etwa 1093 durch Ausführungen der Redner gefüllt, der Rest entfällt auf geschäftliche Mitteilungen und dergleichen. Die Regierungsvertreter beanspruchen für sich etwa 110 Spalten. Im übrigen „redeten" die Vertreter
Erscheint wöchentlich sieben mal. ,
Druck und Verlag' Joh. Mug. Koch, llmvcrsltäts-Buchdnickerci 4«, Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
Marburg
Dienstag. 9. April 1907.
der Polen
der Wirtschalll.Dereinig 57
mit dem Kreisblatt für die Meise Marbmg imb Kirchhain.
In der Schule des Leidens.
Roman aus dem New-Porker Leben U von Erich Friese«.
(Fortietzun«.-
Jmpulfiv ergreift sie die ihr entgegenge- ftreckten schlanken Finger und drückt sie an ihre tzlühende Wange.
,.O, danke, danke, Fräulein Douglas? Wir kommen gern, nicht wahr, Norbert? Adieu, obieu! Ich mutz nach Hause, um der Mutter Mein Glück mitzuteilen!"
Leichtfützig eilt sie davon, als sie hinter sich Barringtons Stimme vernimmt.
i ,Mcy!"
| Sie bleibt stehen.
' „Licy! Wie steht es mit dem Diamant- kollier? Du weißt, du versprachst mir —" ,• EinigeKollegen nähern sich. Norbert bricht ab.
Hastig nickt Felicie mit dem Kopf. Dann besteigt sie den Straßenbahnwagen, um schneller Rach Hause zu kommen.
Auf der Schwelle des kleinen Häuschens Kanalstraße Nr. 127 erwartet sie bereits die Mutter. Das sonst vergrämte bleiche Gesicht der alten Dame sieht heute auffallend frisch und jugendlich aus, so daß die Aehnlichkeit zwischen Mutter und Tochter lebhaft zutage tritt.
„Endlich, Kind!" ruft sie erfreut schon von weitem. „Ich konnte die Zeit gar nicht erwarten, bist du da bist. Der Vater muß gestern in Brooklyn ein gutes Geschäft gemacht haben, er spricht von fünftausend Dollars, die er heute vormittags auf der Universalbank deponiert hat. Wie er dazu gekommen ist, weiß ich nicht. Er spricht nie über die Art seiner Geschäfte, und fragen mag ich ihn nicht. Er ging sehr vergnügt fort, „um sich einen guten Tag zu machen", wie er sagt. Mir hat er fünfzig Dollars gegeben — ich soll mir etwas dafür kaufen . .. Weißt btt, was ich damit mache, mein Herzblatt? Ich schaffe dir ein schönes weißer Seidenkleid en — für deine Trauung."
255 Spalten, aus 1 Abg. 6 SP.
Die nächsten frarlameutarischea Ausflüßen.
Am 10. April werden die Pforten des Reichstages und des preußischen Abgeordnetenhauses sich wieder öffnen; voraussichtlich in beiden Fällten nur zu kurzer Tagung. Man nimmt an, daß der Reichstag vor Pfingsten geschlossen werden wird, während das Abgeordnetenhaus vermutlich sich v or P f i n g- Mk ve »tagen wird, um bereits Ende Oktober oder Anfang November zu einer Herbst- 1 a g u n g zusammenzutreten.
Die hauptsächlichste Aufgabe dieser Herbst- Tagung wäre die Erledigung der in Aussicht gestellten Lehrerbesoldungsgesetze. Diese Gesetze können das Plenum des Abgeordnetenhauses aber nicht bis Weihnachten beschäftigen, da nach der ersten Lesung die Kommission die Gesetze erhält und das Plenum in dieser Zeit ohne Arbeitsstoff wäre. Es ist daher der Gedanke aufgetaucht, den jetzt vorliegenden Stoff nicht in der gegenwärtigen Tagung zu erledigen, was immerhin nur möglich wäre, wenn der Landtag bis Mitte Juni tagte, sondern verschiedene Materien bis zum Herbst zurückzustellen und in der Zeit zu verabschieden, wo die Kommission die Lehrerbesoldungsgesetze berät. Die Session müßte dann Pfingsten vertagt und nicht geschlossen werden, Vorbedingung wäre, daß die jetzt in Kommissionen sich befindenden Vorlagen von den Kommissionen bis Pfingsten erledigt werden; es sind dies Berggesetznovelle, Entwurf gegen die Verunstaltung von Ortschaften, Jagdgesetz, Wanderarbeitsstättengesetz und übrige kleine Vorlagen. Die Etatsberatung soll im Abgeordnetenhause am 28. April spätestens beendet sein, sodaß der Etat zwischen dem 28. April und 8. Mai vom Plenum und der Finanzkommission des Herrenhauses beraten werden kann. Das Abgeordnetenhaus müßte, wenn es die obengenannten Entwürfe bis zum Herbst zurückstellt, vor Pfingsten noch die in den nächsten Tagen eingehenden Entwürfe beraten, nämlich Polizeikostengesetz, Sekundärbahnvorlage, Entwurf betreffend Erhöhung des Fonds der Ansiedlungskommission und das vom Herrenhause bereits genehmigte Beamtenpensions- und Reliktenfür- torgegefetz. Diese vier Gesetze bilden also die Arbeit des Abgeordnetenhauses vom 25. April bis Himmelfahrt, das Herrenhaus müßte sodann, Rrit Ausnahme des Pensionsgesetzes, diese Gesetze jauch noch vor Pfingsten verabschieden, da die Re« tzierung auf die Verabschiedung vor Pfingsten Perabschieden, da die Regierung auf die Verabschiedung vor Pfingsten Wert legt. Der Rest bliebe für den Herbst.
politischen, wirtschaftlichen und sonstigen Verhältnisse Rücksicht nehmen müsse. Im einzelnen schlug er vor, in das Programm die Forderung eines Unterrichtes in der Bürgerkunde in allen Schulen, namentlich in der Fortbildungsschule, aufzunehmen. Ferner wünschte er, daß als Leitsatz ausgenommen werde: „Das gegenwärtige Reichstagswahlrecht ist als eine Grundlage des Reiches aufrecht zu erhalten." Außerdem soll die Selbstverwaltung weiter ausgebaut und die soziale Gesetzgebung fortgefübrt werden, wahrend die Einnahmen des Reiches so entwickelt werden sollen, daß die ungedeckten
beiträge auf ein möglichst geringes Maß beschränkt werden können.
— Die deutsch-englische« Berhandlunge« über die südwe st afrikanischen Grenz- fr a g e n sollen demnächst wieder ausgenommen werden. Wahrscheinlich gebt Gouverneur von Lindequist wieder nach London.
— Der Bestand des Reichsinvalidensonds betrug am Schlüße des Monats Januar 1907 an Wertpapieren 178,8 und in bar 1,4 Millionen, insgesamt 180,2 Millionen Mark. Da der Fonds Ende Januar 1906 einen Bestand von 209,2 Millionen Mark aufwies, so hat er sich im Laufe des letzten Jahres um 29 Millionen Mark ver- mindert.
— Der Bestand des Reichstagsgebäudefonds, der gleichfalls aus der französischen Kriegskosten- Entschädigung dotiert war, betrug Ende Januar 1907 noch 99,800 Mark.
— Der Entwurf des Reichsapotkengesetzrs ist, der „Apoth. Ztg." zufolge, dem preußischen Avothekerkammer-Ausschusie vom Kultusmmi. sterium zur gutachtlichen Aeußerung überwiese« worden. „ ,,
— Die Nutzbarmachung des Erbbaurecht« zur Schaffung billiger und gesunder Arberttr- wohnungen und für Arbeitswohlfahrts-Einrichtungen überhaupt wird vomReichsversikherungs» amte aufmerksam verfolgt. Die hypothekarisch« Hergabe von Mitteln der verschiedenen Landesversicherungsanstalten auf Erbbaurecht erfordert wegen der Eigenart der durch das Erbbaurecht bedingten Verhältnisie eine besonders sorgfältige Vorprüfung. Da es sich vor allem darum handelt, an der Hand von Erfahrungen in Gut» zelfällen zur Aufstellung gewißer einheitliche» Bedingungen zu gelangen, unter denen Erbbau» rechte beliehen werden können, hat das Reichs» Versicherungsamt die ihm unterstellten Ver. sickerungsanstalten durch Rundschreiben ersucht, vor Beleihung von Erbbaurechten unter Bei» fügung der erwachsenen Verhandlungen zu be< richten, und zwar auch dann, wenn es sich um nicht mündelsichere Kapitalanlagen innerhall des vom Reichverficherungsamt allgemein bei reits genehmigten Rahmens handelt. Hierdurck kommen auch solche Fälle von Beleihungen auf Erbbaurecht zur Kenntnis des Reichsverstchei rungsamts, welche die Versicherungsanstalten
Schande und Entehrung zu bewahren. O, Mutt ter, liebste Mutter — mach' kein so finsteres Ge. sicht! Ich bin ja schon so unglücklich, ach, so tret unglücklich!"
Beruhigend stteichen die dünnen Finger de< alten Dame über das dunkle Lockengekrauset ihres Lieblings. , -,
„Nun, nun mein Kind; du hast beut Unrecht eingesehen und bringst mir den Schmuck zurück; Das ist brav von dir. Etwas anderes wäre ts-_ wenn du ihn verkauft hättest —" , _
Ich wollte ihn verkaufen, Mutter, aber —
„Aber?" ,
„Mutter, glaubst du wirklich, die Dtamantei» find echt?" , x
„Natürlich, Kind, natürlich. Dein Vater ließ sie einmal bei dem Juwelier Arnold in Chicago tarieren. Er schätzte sie auf fünftausend Dollars und mehr."
Felicie hat sich erhoben. Hoch aufgerichtet. bleich bis in die Livpen hinein — so steht sie vor der erstaunten Frau.
„Mutter," beginnt fie fast feierlich, „hat mein Stiefvater eine Ahnung von der Existenz des Kolliers?"
Eine Blutwelle ergießt sich über Frau Mackays Gesicht. Verlegen wendet fie den Kopf.
„Frag' mich nicht danach, Kind!"
„Doch, Mutter; ich muß es wißen. Ich frage dich nochmals: Weiß mein Stiefvater etwas von dem Kollier?"
„Ja, aber —"
„§>at er es je gesehen?"
„Ja."
Felicie ist ganz ruhig geworden.
„Wie kam das Mutter? Ich muß es wißen?" Gleich einer Verurteilten vor ihrem Richter, so knickt die arme Frau vor dem durchbohrenden Blick der Tochter zusammen.
„Kürzlich — vor ungefähr sechs Wochen — da lieh ich es ihm für ein paar Tage. Er legte es als Pfand für eine kleine Summe triebet. Kurze Zett darauf gab er mir das Kollier zurück; er hatte es eingelöst. Seitdem hat er nie wieder danach gefragt." (Forts, folgt.)
Tciitiches Reich»
— Der Kaiser hat zum Wiederaufbau der im Juli 1905 eingestürzten Schloßkirche in Oels 20 000 cM. bewilligt. Der gleiche Betrag ist vom Kultusminister bewilligt worden. — Wie jetzt feststeht, trifft der Kaiser in Homburg v. d. H. am 17. April, von Bückeburg kommend, ein, die Kaiserin am selben Tage aus Berlin. Der Kaiser reist am 27. April nach Straßburg.
— Militärisches. Eeneralfeldrnar- schall von ßo? beging am 6. April sein 60- jähriges Dienstjubiläum. Freiherr Walter von Los ist am 9. September 1828 auf Schloß Allner an der Sieg geboren, steht somit im 79. Lebensjahre. — General der Infanterie von Hugo, bisher kommandierender General des 13. Armeekorps, ist in Genehmigung seines Abschiedsgesuches zur Disposition gestellt worden. General von Fallois, bisher Kommandeur der 29. Division wurde zu seinem Nachfolger ernannt. — Die von dem General der Infanterie und Generaladjutanten des Kaisers, von Werder, sechseinhalb Jahre innegehabte Chefstelle des reitenden Feldjägerkorps dürfte, wie nach der „Mil.-pol. Korrespondenz" in Berliner militärischen Kreisen verlautet, in der Person des jetzigen Generalinspektors der 3. Armee-Inspektion, Generaloberst v. Linde- quist, einen neuen Inhaber finden. Am 2. Mai feiert Erzellenz von Lindequist sein 50fähriges Dienstjubilöum. Erst dann soll diese Veränderung eintreten und sein Nachfolger in Hannover der kommandierende General des 14. Ar- meekorp, General der Infanterie von Bock und Polach, werden, der in Karlsruhe voraussichtlich durch den Kommandierenden des 18. Korps in Frankfurt a. M., General der Infanterie von Eichhorn, ersetzt werden wird.
— Angekündigter Besuch des Freiherrn von Aehrenthal in Berlin. Nach einer Wiener Privatmeldung der „Tägl. Rundschau" ist der Besuch des österreichisch-ungarischen Minister des Aeußern, Freiherrn von Aehrenthal, in Berlin zwischen dem 1. und 4. Mai in Aussicht genommen. Er soll sich beim Kaiser vorstellen, der bei dem ersten Besuch des Ministers von Berlin abwesend war.
— Vorschläge eines sächsischen Konservative«. In einer Versammlung des Dresdener Konser- vattven Vereins beschäftigte sich Oberbürgermeister Beutler, Vizepräsident der sächsischen Ersien Ständekammer, mit der Frage, ob das Programm der deutsch-konservattven Partei er- gänzungsbediirftig sei. Er stellte den Grundsatz auf daß das Programm auf die Aenderung der i_' == ./____ _ - sa
Im Nu erstirbt das Erübenlächeln auf Feli- cies reizendem Gesicht.
Diamanten? — Dies eine Wort fühtt sie zur Wirklichkeit zurück, zur nackten, bangen Wirklichkeit, die fie in kindlichem Ungestüm fast vergeßen. ...
Diamanten!!!
Und ihre Diamanten? Die einzige Möglichkeit, wie sie den geliebten Mann vor schmachvoller Erniedrigung bewahren kann — geschwunden!
Tief stöhnt Felicie auf.
Der plötzliche Umschlag in der Stimmung der Tochter macht Frau Mackay besorgt.
„Was hast du Kind?"
Träne auf Träne tropft zwischen den auf die brennenden Augen gepreßten Finger hervor, als Felicie schluchzt:
.Mutter, wir sind bestohlen worden!"
„Bestohlen? Wir? . . . Was hat man uns gestohlen?"
Hastig streicht Felicie stch das wirre Haar aus der erhitzten Stirn. Dann springt fie auf und rennt nervös im Zimmer auf und ab.
„Mutter, zuerst muß ich ein Bekenntnis machen. Zürne mir nicht zu sehr! . . . Heute Nacht, als du schliefst, schlich ich mich tn dein Zimmer und suchte so lange, bis ich das geheimnisvoll« Kästchen im Wäsch^chrank fand. Ich öfnete es und —“
„Und?" wiederholt Frau Mackay.
und entdeckte das unterste Geheimfach. Ich nahm das Etui samt Inhalt an mich. Hier hast du es, Mutter."
Mit zitternden Händen öffnet die alte Dame das Etui. Ein Seufzer der Erleichterung entringt stch ihrer Brust. „
„Gott sei Dank! Wie du mich erschreckt hast, Kind! Und wie unrecht, dich nachts in mein Zimmer zu stehlen, gleich einem Dieb, und die Diamanten fortzunehmen."
„Sie gehören mir, Mutter?"
„Nein, erst nach deinem zwanzigsten Jahr?" „3di sage aber: fie gehören mir. Ich wollte sie verkaufen, um den Mann, den ich liebe, vor
Vierteljährlicher Bezugspreis; bet ver Expedition 2 Mk., Jl'o en b« allen Postämtern 2,25 Mt. ^cL Bestellgeld).
w»— Iaserttonsgebützr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Psg.
Neclamen: die -teile W1 Psg.
Bei dieser Sachlage erscheint es recht erfreulich, daß auch der Reichstagsabgeordnete für Stettin, Dr. Dohrn, dieser Tage sich bitterlich beklagte über „schauerliche Diskussionen, bei denen sachlich garnichts herausgekommen ist, wohl aber eine peinliche Rauferei von hüben und drüben mit Ueberireibungen, wie fie toller gar nicht gemacht werden können."
Hoffentlich wird der Reichstag und werden namentlich die Parteigenossen des Dr. Dohrn sich diese Mahnung zu Herzen nehmen! Ueber den Wahlkampf und die Gründe der Reichstagsauflösung haben wir ja nun genug gehört und es wird Zeit, daß das hohe Haus an seine Arbeit geht. Diese beschränkt sich zunächst auf Erledigung des Etats und des Ergänzungsetats in zweiter und dritter Lesung. Als erste Arbeit nach Ostern wird die Regierung dem Reichstage den Entwurf über die Einschränkung der Majestätsbeleidigungsprozeße und den Entwurf über Verbreiterung des Kaiser Wilhelmskanals vorlegen. Ob dagegen das Reichszivilbeamtengesetz, das der Bundesrat zur Zeit erhalten hat, und der Versicherungsvertragsentwurf dem Reichstage noch in der ersten Session zugehen werden, ist zweifelhaft geworden. Die Regierung und auch der Reichstag wollen die erste Session nicht Über Pfingsten ausdehnen. Von der Gestaltung des Etatsentwurfes für 1907 wird es auch abhängen, ob die Regierung noch einen Ergänzungsetat für Beamtenbeihilfen in der Höhe, wie der Reichstag sie am 18. März gewünscht hat, dem Reichstag wird zugehen laßen können. Die vom Reichstage angenommene Resolution fordert eine Ausgabe von 20 Millionen Mark, ohne auf die Deckungsmittel hinzuweisen. Solche Deckungsmittel können nur neue Steuern sein, auch für die im Jahre 1908 beabsichtigte allgemeine Eehaltsauf- -____ — --—r==g
So plaudert die brave Frau in ihrer Freude weiter und weiter. Felicie kommt erst nach einiger Zeit dazu, von der heutigen ereignisvollen Probe zu erzählen.
„Denke nur, Mutter, rch werde bte Ophelia spielen!" schließt fie mit einem Jauchzer — „bie Ophelia — eine der schwersten Partien und Norbett freut sich so sehr — und sie alle gratulierten mir — und Fräulein Douglas lud mich zu heut' Abend ein — mich und Norbert —“
„Fräulein Douglas?" fällt Frau Mackay kopfschüttelnd ein. „Ist das nicht eure erste Liebhaberin?"
„Natürlich?" . ,
„Auf die du immer eifersüchtig warst? Lachend wehrt Felicie ab.
„War, Mutter, war! Das ist vorbei. Fräulein Douglas ist so gut, so lieb! . . . Komm, Mutter, gib mir heute ein Glas Bier zum Mittageflen? Meine Kehle ist ganz ausgetrocknet von der Anstrengung auf der Probe. Freust bu dich nicht mit mit über mein Glück? Denk' nur die Ophelia!"
Eilfertig schleppt Frau Mackay eine Flasche Bier herbei. Felicie leert ihr Glas in einem Zug — und noch eins — und noch eins. Ihre Augen glänzen wie im Fieber.
„Du mußt ins Theater kommen und mich als Ophelia sehen, Mutter!" plaudett sie lebhaft weiter. „$u mußt dich recht hübsch machen — weißt du, mit dienern schwarzen Atlaskleid und dem Spitzenhäubchen — und ich werde stolz sein auf mein liebes, schönes Mütterchen!"
Voll leidenschaftlicher Zärttichkeit umarmt das erregte Mädchen die alte Dame. Dann tanzt fie im Zimmer hin und her, einzelne Stellen der wahnsinnigen Ophelia vor sich hinwispernd. Dann wieder wirst fie fich aufs Sofa und malt stch die Zukunft als gefeierte Künstlerin an der Seite des berühmten Gatten in den rosigsten Farben aus. . ..
„Wie hübsch du bist, Licy!" ruft Frau Mackay voll echten Mutterstolzes. „Deine Augen leuchten wie zwei schwarze Diamanten!"